15 Dezember 2017, 13:08:44

Autor Thema: Bestseller schreiben: Ja oder nein  (Gelesen 340 mal)

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Trippelschritt

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Re: Bestseller schreiben: Ja oder nein
« Antwort #15 am: 26 November 2017, 13:26:44 »
Wir kommen hier auf ein anderes Gleis oder werden für mich OT. Ich halte U Literatur der E Literatur nicht für grundsätzlich unterlegen. Schließlich sind Schillers Räuber reine U-Literatur. Es gibt in der U-Literatur exzellente Erzähler, die auch die leisen Zwischentöne beherrschen und ich habe auch gepriesene E-Literatur angelesen, die mir schlicht zu flach war.
Ich gebe aber gern zu, dass sich im U-Bereich jede Menge schlechter Autoren herumtummeln, die in dieser Form im E-Bereich nie einen Verlag finden würden. Und wenn man dann die Mittelwerte vergleicht, mag sich so ein Eindruck aufdrängen.
Gute Bücher gibt es in E und U, Bestseller auch, und schlechte Bücher ebenfalls. Aber es ist schwer eine Übersicht über E-Literatur zu gewinnen, wenn man nicht beruflich liest oder wie ich nur Autoren liest. Aber ich mag immerhin G. Berg, T. Morrison und A. Munro. Und wo stecke ich zwei weitere Autoren hin wie Jane Austen und Haruki Murakami. Ist für mich Genre, aber Murakami ist seit Jahren für den Nobelpreis im Gespräch. Oder sollte der E sein, weil er einfach eine Klasse für sich ist.

Ihr seht, es wird schwierig und es ist nicht mein Thema.

Liebe Grüße
Trippelschritt
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merin

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Re: Bestseller schreiben: Ja oder nein
« Antwort #16 am: 26 November 2017, 21:52:29 »
Ich glaube, dann habe ich nicht verstanden, was Dein Thema ist. Gibst Du mir Nachhilfe? :dontknow:
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht.

Trippelschritt

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Re: Bestseller schreiben: Ja oder nein
« Antwort #17 am: 27 November 2017, 11:36:43 »
Und ich verstehe nicht, was E- und U-Literatur mit Qualität zu tun hat.

Mein Thema war, dass ein Schriftsteller irgendwann im Verlauf seines Lebens eine Grundsatzentscheidung treffen muss. Er muss mehrere treffen, aber eine kommt recht früh. Will er gute Bücher schreiben, also Bücher, dessen Schreiben ihm selbst etwas bedeutet, mit deren Qualität er zufrieden ist, für die er von anderen Schreibern Anerkennung bekommt. In Montsegur gibt es einen oder zwei threads dazu: "Mit dem Herzen schreiben" ist einer davon. Den anderen müsste ich suchen gehen.

Oder will er Bestseller schreiben. Der Grund für diese Entscheidung ist unter anderem, dass gute Bücher nicht automatisch Bestseller werden und Bestseller nicht unbedingt gut geschriebene Bücher sind.

Und weil das so ist, gibt es keine Strategie, mit der man beides angehen kann. Da gibt es Unterschiede in der Herangehensweise. Und das habe ich thematisiert.

Es gibt auch noch andere Entscheidungen. Eine davon ist E- oder U-Literatur oder die Wahl des Genres. Dabei möchte ich aber darauf hinweisen, dass es diesen "scharfen" Unterschied nicht überall auf der Welt gibt. Ich kann mit kaum vorstellen, dass in Deutschland ein SF-Autor oder ein Fantasy-Autor als einer der größten Schriftsteller des Landes gefeiert wird. Oder ein jugenbuchautor. M. Ende soll immer darunter gelitten habe, dass er nicht anerkannt wurde. Das ist in den USA beispielsweise nicht der Fall.

Kurzum, wer E-Literatur schreiben will und nur die, muss eine weitere Entscheidung treffen. Aber für die kann ich die wichtigsten Punkte nicht auflisten, weil ich nicht alle Kriterien kenne. Literaturwissenschaftler sollten da weiterhelfen können.

In diesem Sinne
Trippelschritt


Edit: https://commanderlara.wordpress.com/2017/08/15/gibt-es-ueberhaupt-noch-literatur/

Erfrischender Artikel oder Blogeintrag
« Letzte Änderung: 27 November 2017, 11:51:53 von Trippelschritt »
Womit kann der alte Vol'jin Euch helfen

kass

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Re: Bestseller schreiben: Ja oder nein
« Antwort #18 am: 27 November 2017, 19:13:56 »
Danke, Trippel, für den thread und auch für den Link.

Du und auch Christine, ihr beide sprecht mir aus der Seele. :daaanke:

vielleicht komme ich die Tage auch noch dazu, einen ausführlicheren Kommentar abzugeben zu den einzelnen Punkten. Ach ja, ich hatte mir mal wieder das Buch von dem Agenten von Ken Follet zu Gemüte geführt, bzw. quergelesen. Hab mir ein paar Notizen gemacht. Die passen ja gerade schön hier rein:

Zitat
Albert Zuckerman (Agent von Ken Follet): Bestseller.

Was man braucht: Energie, Willensstärke und Mut; sture Hartnäckigkeit, Zeit und jede Menge Fleiß; Liebe zur Sprache, zum Eintauchen in Diskussionen über Grammatik; ein instinktiver Blick fürs Detail; ein eigener Ton ist zwar ganz schön, für einen Bestseller aber nicht erforderlich.

Wenn ein Autor nicht bereit ist, ein Rohmanuskript von 500 – 800 Seite beiseite zu legen und wieder bei Seite 1 anzufangen, wird nicht erfolgreich werden. Szenen und Kapitel streichen, Personen, Beziehungen und Schauplätze ändern, Konflikte und Höhepunkte zuspitzen, das alles braucht man, um dann den Spannungsbogen zu erhalten, der den Leser von der ersten bis zur letzen Seite fesselt.

Ingredenzien: Es geht ums Ganze – echtes Drama; larger-than-life characters;
eine hochdramatische Ausgangssituation – bizarre, unerwartete Wendungen in der Handlung, die zu immer neuen Konflikten führen.

Ach ja: Ein Autor, der erfolgreich sein will, sollte besser keinen Entwicklungsroman schreiben.

Perspektive: bloß nicht allwissend erzählen. Also personeller Erzähler. Zuckerman meint, wenn nur ein oder zwei Perspektiven zur Verfügung stehen, dann ist es schwierig, ein dramatisches Beziehungsgeflecht und einen anspruchsvollen Plot aufzubauen. Es sollten daher mindestens drei oder vier Hauptfiguren sein. Maximum: sieben oder acht. Alles andere überfordert den Leser.
Das gilt natürlich nicht für Liebesromane. (Und ist wie alles andere sowieso nicht allgemeingültig, denn es gibt ja immer Ausnahmen)
Hintergrund: Hat man beispielsweise 3 oder 4 Hauptfiguren, zwei Männer und zwei Frauen, dann ist die Trefferquote für Identifikation des Lesers mit mindestens einer der Hauptfiguren höher als bei nur ein oder zwei Figuren. Zielt also auf breite Leserschaft ab.

Alle großen Geschichten sind Familiengeschichten. Ist natürlich auch ganz einfach: Ein Mord von einem Fremden an einem Fremden ist halt nicht so packend wie der Mord eines Vaters an seinem Sohn. Generell geht es natürlich nicht nur um Familien, sondern um Beziehungen zwischen den Figuren.

Und jetzt stehe ich da, und will mich eigentlich mal ne Runde von allem verabschieden. Einfach wieder Spaß am Schreiben haben, keinen Kopf mehr machen um Handwerk, besser werden, um Marketing und Leser. Will mir nicht mehr den Kopf zermartern, wie ein Dialog noch besser gestaltet werden kann. Es muss einfach nicht perfekt sein. Es soll einfach nur Spaß machen zu lesen.

Leicht fällt mir das nicht, aber ich habs mir fest vorgenommen.

In diesem Sinne

Liebe Grüße
Kass
Merkzettel für mich: Nicht ins Höllenfenster stellen!
(Experiment für Gedächtnistraining, Klappe 1)

merin

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Re: Bestseller schreiben: Ja oder nein
« Antwort #19 am: 27 November 2017, 21:28:57 »
Ich musste erstmal nachdenken, wie das bei mir ist. Mich interessiert U und E nämlich nicht besonders, oft weiß ich auch nicht, in welche Sparte ein Text, der mir gefällt, gehört. Aber natürlich ist die Frage, was ein guter Text ist und woran man ihn erkennt, ja auch nicht nur eine Geschmackssache.

Für mich persönlich war es lange enorm quälend, dass ich, wie Christine, meinte, meinen Ansprüchen nicht genügen  zu können. Ein Sci-Fi-Projekt anzufangen und den Anspruch runterzuschrauben hat mir geholfen. Trotzdem ist es natürlich so, dass ich gute Bücher schreiben will und mir das wichtiger ist, als damit Geld zu verdienen. LeserInnen hätte ich aber schon gern ein paar.
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht.

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Re: Bestseller schreiben: Ja oder nein
« Antwort #20 am: 28 November 2017, 07:22:07 »
Mir ging es ähnlich. Nachdem ich bereits zwei Romane geschrieben hatte (für die Schublade), habe ich erst einmal Kurzgeschichten geschrieben für länger als ein Jahr. Das war weniger Text, überschaubar und ich konnte mich auch mal auf einzelne Dinge beschränken. Im Roman hat man ja immer die volle Breite der Methodik.
Das hat mir und meinem Schreiben sehr gut getan. Vor allem, weil ich in den Kurzgeschichten auch mal den Ehrgeiz weggelassen und mich mit ganz einfachen Ideen beschäftigt habe.

Daumen drück
Trippelschritt

Edit: Übrigens, noch ein Superbeispiel für einen SF-Bestseller von jemandem, der eigentlich kein Romanautor ist und dem man das anmerkt, obwohl er Chinas führende SF Autor ist. Aber er hat eine Geschichte zu erzählen und was für eine. Ci Xin Liu beginnt seinen dreibändigen Riesenschinken mit dem Band The three Body Problem. Damit gewann er den Hugo 2015. Ein übersetzter Band gewinnt den Hugo. Wahnsinn.


Ich weiß nicht, ob es eine deutsche Übersetzung gibt.
« Letzte Änderung: 28 November 2017, 09:31:56 von Trippelschritt »
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merin

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Re: Bestseller schreiben: Ja oder nein
« Antwort #21 am: 30 November 2017, 08:12:43 »
Vielleicht kannst Du das Werk ja mal aufspießen? Klingt spannend.
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht.

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Re: Bestseller schreiben: Ja oder nein
« Antwort #22 am: 30 November 2017, 12:59:36 »
Besser nicht, denn dafür solltet ihr ebenfalls diese Schinken gelesen haben. Aber ich kann zumindest ein paar Worte dazu sagen, obwohl Band 3 bei mir noch auf Halde liegt.

Es geht um die Begegnung der Erde mit einer anderen außerirdischen Kultur, die die Erde für sich erobern möchte, weil ihre eigene Welt keine Zukunft mehr hat. Ein uraltes Thema, aber dieses Mal intelligent gelöst. Ja, so etwas könnte passieren.
Das three body Problem hat etwas mit Chaostheorie zu tun, was das bedeutet wurde in die Idee eines Computerspiels oder einer Simulation übertragen, die dann doch nicht nur ein Spiel ist. Eine andere alte Idee, aber nicht zu vergleichen mit der Welt am Draht oder so einfachen Geschichten. Und die waren damals schon innovativ.
Gleichzeitig schreibt der Autor über China. Es ist eine Politikkritik, aber da er immer noch in China arbeiet und lebt, ist es wohl eine, die die Partei nicht stört.
Und das alles geht bereits im ersten Band los.

Um die Sache als Roman zu beurteilen, müsste der Autor ihn für mich zunächst einmal kürzen. Eine seiner Schwächen ist, dass er keine erfundenen Welten so beschreiben kann, dass man in sie eintaucht. Da könnte er von der LeGuin lernen, wie man das macht.
Bei dem Rest der Kritik halte ich mich zurück, weil die Englische Version ja bereits eine Übersetzung ist. Aber die Gedankentiefe der Geschichte ist ungeheuerlich. Und das sollte bei SF ja auch eigentlich sein.

Liebe Grüße
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