29 Februar 2020, 10:31:47

Autor Thema: Zwei Erzählerstimmen  (Gelesen 3673 mal)

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Czýtrius

  • Gast
Zwei Erzählerstimmen
« am: 02 Dezember 2014, 23:26:57 »
Hoho,

zur Zeit brennt mir immer wieder die Frage auf der Seele wie zwei verschiedene Erzählerstimmen in einem Werk rüber kommen, ob diese gar verwirrend wirken. Nein, damit ist nicht der bereits diskutierte wechselhafte Ich-Erzähler gemeint sondern der personelle Erzähler. Um mein "Problem" klarer werden zu lassen: Ich schreibe derzeit an einem Krimi mit Märchensetting. Es gibt dabei drei Protagonisten - zwei stammen aus der Märchenwelt, wonach die Erzählerstimme die gleiche ist. Der dritte Prota jedoch kommt aus unserer Welt und da liegt das Problem. Ich finde, es wirkt falsch, wenn der personelle Erzähler trotzdem in Märchensprache weiter erzählt obwohl der dritte Prota selbst sich in der Sprache von den anderen Figuren komplett unterscheidet. Jetzt ist die Frage ... wirkt es verwirrend oder gar falsch, wenn ich den personellen Erzähler in der Sprache der jeweiligen Protagonisten erzählen lasse und sollte deshalb eine Erzählerstimme wählen oder sind zwei in diesem Falle okay?

Danke für eure Meinung!

LG
Ý.

Trippelschritt

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Re: Zwei Erzählerstimmen
« Antwort #1 am: 03 Dezember 2014, 08:36:27 »
Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Frage ganz genau verstanden habe, aber ich versuche es trotzdem mal, eine Antwort zu geben.

Grundsätzlich sind so viele Erzählerstimmen möglich, wie eine Geschichte sie erträgt, obwohl weniger oft mehr ist.
Die Grundvoraussetzung ist, dass die Erzählerstimmen sich so deutlich unterscheiden, dass der normale Leser das auch mitbekommt. Und dieser Unterschied muss deutlicher sein als unterschiedliche Leute in einer Dialogszene, weil ja das "er sagte", "sie fragte" etc. nicht zur Verfügung steht.

Bei zwei Märchenerzählerstimmen komme ich ins Grübeln, weil ich nicht weiß, wie man die unterscheiden soll. Die dritte Stimme eines personalen Erzählers hingegen, kann ich mir gut vorstellen. Meine frage ist nur: erzählt er wirklich?
Es gibt immer beschreibende Passagen zwischen den szenischen Blöcken, in denen etwas geschieht. Und sie werden dann aus einer bestmmten Perspektive heraus erzählt. Normale Schriftsteller wählen dazu eine neutrale Sprache. Fortgeschrittene oder Meister schaffen es, auch diesen Teilen eine persönlich gefärbte Prägung zu geben.
Meinst du das als dritte Erzählstimme? Von der Art können aber noch viel mehr vorkommen. Oder erzählt die dritte Person tatsächlich? Dann wird es schwieriger, weil das Erzählen im ton deutlich werden muss, sich aber trotzdem von der märchenhaften Erzählstimme unterscheiden soll.

Und da frage ich mich, warum so kompliziert?

Liebe Grüße
Trippelschritt
Wer bin ich, wer war ich, wer werde ich sein?

Mero

  • Gast
Re: Zwei Erzählerstimmen
« Antwort #2 am: 03 Dezember 2014, 19:08:50 »
Also es gibt drei Protas, zwei davon in der Märchenwelt, die von einer Erzählstimme beschrieben werden, und einen in der realen Welt mit eigener Erzählstimme? Habe ich das soweit richtig verstanden?
Da sowohl die Protas als auch der Schauplatz eine eindeutige Abgrenzung haben, kann ich mir gut vorstellen, dass das mit den den Erzählstimmen funktioniert und den Leser immer in die richtige Atmosphäre mitnimmt.

Magst Du vielleicht mal jeweils einen Absatz posten?

Uli

  • Gast
Re: Zwei Erzählerstimmen
« Antwort #3 am: 03 Dezember 2014, 19:38:26 »
kein Problem ...


( wie so oft: wenn die Umsetzung passt)

ich kenne einen Kurzroman mit sechs (6!) Erzählern auf weniger als zwanzig Siten, und es ist Klasse.

Czýtrius

  • Gast
Re: Zwei Erzählerstimmen
« Antwort #4 am: 04 Dezember 2014, 23:25:06 »
Mero, nicht ganz. Also, die komplette Geschichte spielt in der Märchenwelt. Zwei Protas leben in der Märchenwelt, sind dort also augewachsen. Die Erzählstimme ist hier bei beiden recht gleich bzw eben märchentypisch. Aber dann kommt Prota Nummer drei daher - in unserer Welt geboren, im Teeniealter und hat eigentlich so gar nichts mit Märchen am Hut. Deshalb soll die Erzählerstimme bei ihm eher die eines Teenagers sein ...

Lerién

  • Gast
Re: Zwei Erzählerstimmen
« Antwort #5 am: 04 Dezember 2014, 23:50:51 »
Ich sehe da kein wirkliches Problem. Hört sich eher nach etwas an was der Geschichte gut tun könnte wenn es gut umgesetzt ist. Der Kontrast macht es doch erst richtig interessant.  ;) Das Problem wird dann nur mit welcher Erzählerstimme geschrieben wird wenn die beiden Handlungsstränge zusammenlaufen. Kommen die dann abwechselt vor? :dontknow:

Viskey

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Re: Zwei Erzählerstimmen
« Antwort #6 am: 05 Dezember 2014, 00:01:13 »
Ich denke, Lerién hat Recht: Das könnte den gewissen Pfiff ausmachen, wenn es gut umgesetzt ist.

Allerdings gebe ich auch Mero Recht: so als Trockenübung wird dir das eher nix bringen. Da braucht's wirklich wenigstens einen Ausschnitt (mit beiden Erzählstimmen) oder, noch besser, einen Betaleser. Weil um diesen ERzählstimmenwechsel gut beurteilen zu können, braucht man schon mehr, als das bisschen, das in einem Rösttext platz hat.
"There is no such thing as bad work, just unfinished work." - Eric Idle

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Czýtrius

  • Gast
Re: Zwei Erzählerstimmen
« Antwort #7 am: 05 Dezember 2014, 11:05:49 »
Wenn ich dann mal so weit bin werde ich euch wohl auch zwei Absätze zum Rösten vorwerfen - oder auch mehr. :) Aber erst einmal muss ich anfangen zu schreiben ;)

Mero

  • Gast
Re: Zwei Erzählerstimmen
« Antwort #8 am: 08 Dezember 2014, 01:13:03 »
Mero, nicht ganz. ...

Doch, ich glaube, dann haben wir uns richtig verstanden (und ich hab mich in der Zusammenfassung nur ungeschickt ausgedrückt oder so). :D

Dann viel Spaß beim Schreiben. :)

tine-schreibt

  • Gast
Re: Zwei Erzählerstimmen
« Antwort #9 am: 11 Dezember 2014, 19:16:37 »
Ich denke, du hast da einen gewissen Spielraum und verschiedene Möglichkeiten, die halt unterschiedlich wirken.

Wenn du z.B. alles in Märchensprache schreibst, außer die wörtliche Rede deines Teenagers, würde das wahrscheinlich witzig wirken und das Hineingeworfen sein deines Charas in diese fremde Welt unterstreichen.

Anders herum würde die Märchenwelt vertrauer wirken, wenn du sie in der Sprache des Teenies beschreibst, während nur die Märchencharas mit ihrer Märchensprache in der wörtlichen Rede fremd und anders wirken würden. Das würde den Speer umdrehen.

In Szenen, in denen der Fokus auf deinem Teenie liegt - besonders bei Monologszenen - würde es affig wirken, den Märchenerzähler beizubehalten, weil die Distanz, die dadurch zwischen Erzähler und Charakter entsteht, schon extrem wäre. Es würde wirken, als würde dein Teenie entmündigt, weil Sprache ja Erleben repräsentiert und du ihm sozusagen ein Märchenerleben aufzwingen würdest, das er aber nicht hat.

Ich würde sagen, guck, welchen Effekt du wann erzeugen willst und wo dein Fokus liegen soll, und wähle entsprechend. Wenn du gezielt vorgehst, wird es auch nicht verwirrend wirken.
« Letzte Änderung: 11 Dezember 2014, 19:18:13 von tine-schreibt »