12 Juli 2020, 09:20:57

Autor Thema: Textanfänge  (Gelesen 15975 mal)

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Trippelschritt

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Textanfänge
« am: 09 Januar 2015, 21:08:42 »
Ich habe mir gedacht, ich fange einmal einen thread an, der sich nur mit den Anfängen von Geschichten beschäftigt. Dazug ehört der berühmte erste Satz ebenso wie ein ganzer erster Absatz.

Die Funktion eines Anfangs ist es, den Leser in die Geschichte hineinzuziehen. Bei Kurzgeschichten ist das m.E. essentiell. Bei Romanen haben die Leser in der Regel ein wenig mehr Geduld, sodass man auch mit einem mittelmäßigen Anfang den Leser noch nicht unbedingt verliert. Aber um wieviel würde ein Roman gewinnen, wäre der Anfang so gut wie in einer richtig guten Kurzgeschichte, in der jeder Satz sitzt.

Ich stelle mir diesen thread folgendermaßen vor.
Jeder stellt einen Textanfang vor, den er entweder selber geschrieben hat, und erläutert anschließend, warum er das so und nicht anders geschrieben hat,
oder
er stellt einen Textanfang vor, der ihm besonders gut gefallen hat, und erklärt, warum er diesen einen Anfang für so ausgesprochen stark findet.

Damit haben wir jedesmal Textbeispiel plus Erläuterung

Und wenn wir Glück haben, besitzen wir am Ende eine Typologie für gute Textanfänge, denn es gibt viele Möglichkeiten, aber nicht unbegrenzt viele. Aber das werden wir herausfinden.

Ich antworte mal auf meinen eigenen Text und gebe ein paar Beispiele

Liebe Grüße
Trippelschritt
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Trippelschritt

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Re: Textanfänge
« Antwort #1 am: 09 Januar 2015, 21:19:26 »
Ich habe mir mal einen Kurzgeschitenband von Jeffrey Archer herausgeholt, den ich für einen begnadeten Erzähler halte. Berühmt geworden ist er allerdijngs durch seine Romane. Die Beispiel stammen aus: A twist in the tale.

Wenn ich mich nicht anders besonnen hätte, hätte ich nie die Wahrheit herausgefunden.
Ich konnte nicht glauben, dass Carla mit einem anderen Mann geschlafen hatte, dass sie mich, was ihre Liebe zu mir angeht, belogen hatte und dass ich womöglich nur zweiter oder dritter in ihrer Zuneigung war.
(die etwas freie Übersetzung ist von mir)

Der erste Satz macht klar, dass es um Lug und Trug geht, und damit habe ich bereits den Ausgangskonflikt.
Der nächste Abschnitt beginnt mit "Sex sells", aber die Spitze ist die Steigerung von "betrogen" (das könnte noch eine Affäre sein, die man verzeihen kann) über falsche Liebe (also das geht nun gar nicht) zu dem möglichen dritten Platz in der Zuneigung (absolute Demütigung, die nicht ohne Konsequenzen bleiben wird).
Und das ganze in fünf Taschenbuchzeilen.
Technik: 1. Grundkonflikt, 2. Kurzbeschreibung mit eingebauter Steigerung der Charakteristika

Trippelschritt


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Trippelschritt

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Re: Textanfänge
« Antwort #2 am: 09 Januar 2015, 21:25:44 »
Und noch einen mit anderer Technik

(Nur) Wenige zeigten Interesse, als Ignatius Agarbi zu Nigerias Finanzminister ernannt wurde. Schließlich war er, wie die Zyniker betonten, die siebzehnte Person, die dieses Amt bekleidete. In siebzehn Jahren.

Weniger sprektakulär dieser Anfang. (Nur) Wenige spielt ein Ereignis herunter, das wichtig genug ist, in einer Geschichte behandelt zu werden. Und schon ist das Interesse da. Das Schlüsselwort im Folgesatz ist "Zyniker".
Damit kann der Leser entscheiden, ob er sich zu den Zynikern zählen lassen will und das Buch zuklappt oder ob er dem autor folgen wird, der ihm hier etwas verspricht.

Technik: Understatement (britische Version?  :hehe:)

Trippelschritt



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Lupa

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Re: Textanfänge
« Antwort #3 am: 09 Januar 2015, 23:20:28 »
Hallo Trippelschritt,

ich liiiiiebe erste Sätze. Habe in den Tiefen meines Rechners eine kleine Sammlung davon.

Mein absoluter Liebling ist leider auf englisch und auf Deutsch finde ich ihn nicht halb so schön.
Ich gebe ihn trotzdem zum Besten ...

"Red Seas under Red Skies" von Scott Lynch

Locke Lamora stood on the pier in Tal Verrar with the hot wind of a burning ship at his back and the cold bite if a loaded crossbow's bolt at his neck.

Übersetzung:
Locke Lamora stand auf dem Pier von Tal Verrar, den heißen Wind eines brennenden Schiffes im Rücken und den kalten Biss eines Armbrustbolzens im Nacken.

Es fängt ja ganz harmlos an mit dem Namen des Protas und dem Ort wo er sich befindet. Durch den Pier habe ich gleich eine Umgebung vor Augen und weiß, wo ich mich befinde (Den Prota kenne ich auch schon, es ist ein zweiter Band).
Dann kommt das brennende Schiff, das Fragen aufwirft. Woher? Wieso?
Die Situation spitzt sich weiter zu durch den Armbrustbolzen in seinem Nacken.
Außerdem finde ich diesen Kontrast zwischen der Hitze und der Kälte einfach genial.
« Letzte Änderung: 09 Januar 2015, 23:22:00 von Lupa »

Parzifal

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Re: Textanfänge
« Antwort #4 am: 10 Januar 2015, 00:00:02 »
Guter Thread, Trippelschritt.
Da ist mir auch gleich eingefallen, welchen Textanfang ich einstellen kann. Ich mach´s mal spannend und nenne Roman und Autor nicht; dürfte aber leicht sein, es rauszukriegen.  ;)

Zitat
Es ist kalt um 6 Uhr 40 in der Frühe eines Pariser Märztages, und es scheint noch kälter zu sein, wenn zu dieser Zeit ein Mann von einem Exekutionskommando füsiliert werden soll.
Am 11. März 1963 stand zu jener Stunde ein Oberstleutnant der französischen Luftwaffe im Gefängnishof des Fort d´Ivry an einem in den Kies getriebenen Pfahl, hinter welchem man ihm die Hände zusammenband, und starrte mit langsam schwindendem Zweifel auf den Zug Infanteristen, der ihm gegenüber in zwanzig Meter Entfernung Aufstellung genommen hatte.

- Wer ist der Mann?
- Warum soll er erschossen werden?
... sind die beiden ersten (Spannung erzeugenden) Fragen, die man sich nach diesem Absatz als Leser stellt.
Den leichten Schauer über den Rücken besorgt die Uhrzeit, der Ort und die Umstände unter denen das Geschehen abläuft.  8)
« Letzte Änderung: 10 Januar 2015, 00:05:56 von Parzifal »

Fabian

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Re: Textanfänge
« Antwort #5 am: 10 Januar 2015, 11:51:05 »
Zitat
Es ist kalt um 6 Uhr 40 in der Frühe eines Pariser Märztages, und es scheint noch kälter zu sein, wenn zu dieser Zeit ein Mann von einem Exekutionskommando füsiliert werden soll.
Am 11. März 1963 stand zu jener Stunde ein Oberstleutnant der französischen Luftwaffe im Gefängnishof des Fort d´Ivry an einem in den Kies getriebenen Pfahl, hinter welchem man ihm die Hände zusammenband, und starrte mit langsam schwindendem Zweifel auf den Zug Infanteristen, der ihm gegenüber in zwanzig Meter Entfernung Aufstellung genommen hatte.

- Wer ist der Mann?
- Warum soll er erschossen werden?
... sind die beiden ersten (Spannung erzeugenden) Fragen, die man sich nach diesem Absatz als Leser stellt.
Den leichten Schauer über den Rücken besorgt die Uhrzeit, der Ort und die Umstände unter denen das Geschehen abläuft.  8)

Schau an, so unterschiedlich wirken Anfänge ...

Mir stellen sich ganz andere Fragen:
- hat hier mal wieder der Übersetzer geschludert?
- was ist das für ein ominöses "es", das noch kälter zu sein scheint, als das einleitende "es"?

Auf mich wirkt die Sprache antiquiert und distanziert und ich meine mich zu erinnern, dass mich der Autor mit seinem Roman nicht fesseln konnte (aber das ist schon soooo lange her ...).

"Weil niemand mehr Leonardo ist, können alle Leonardo werden ...
das Phantasma der Auserwähltheit Einzelner macht dem Phantasma der Selbstwahl aller Platz"

 (Jörg Scheller in der ZEIT, Nr 2/2019, S. 43)

Parzifal

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Re: Textanfänge
« Antwort #6 am: 10 Januar 2015, 11:56:19 »
Zitat
Auf mich wirkt die Sprache antiquiert und distanziert und ich meine mich zu erinnern, dass mich der Autor mit seinem Roman nicht fesseln konnte (aber das ist schon soooo lange her ...).

Macht nichts, Fabian - der Roman hatte (auch ohne dich) weltweit mehr als genug Leser und gilt schon lange als Klassiker.  ;)

P.S.
Ich glaube auch nicht, dass es in diesem Thread darum geht, Textanfänge zu rösten. Wir wollen sie analysieren, um rauszufinden, was der Autor gemacht macht, um die Leser in seine Geschichte reinzuziehen.  :klug:
« Letzte Änderung: 10 Januar 2015, 12:08:20 von Parzifal »

Trippelschritt

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Re: Textanfänge
« Antwort #7 am: 10 Januar 2015, 12:45:50 »
Guter Thread, Trippelschritt.

Zitat
Es ist kalt um 6 Uhr 40 in der Frühe eines Pariser Märztages, und es scheint noch kälter zu sein, wenn zu dieser Zeit ein Mann von einem Exekutionskommando füsiliert werden soll.
Am 11. März 1963 stand zu jener Stunde ein Oberstleutnant der französischen Luftwaffe im Gefängnishof des Fort d´Ivry an einem in den Kies getriebenen Pfahl, hinter welchem man ihm die Hände zusammenband, und starrte mit langsam schwindendem Zweifel auf den Zug Infanteristen, der ihm gegenüber in zwanzig Meter Entfernung Aufstellung genommen hatte.


Da ist meine Antwort doch in den Tiefen der Federhölle verschwunden. Also noch einmal.
Danke für die Blumen, Parcifal, aber ich bin nur Deiner Anregung gefolgt undd achte mir, dass es mit Satzanfängen am leichtesten sei.

Dein Zitat gefällt mir, aber ich habe nicht Deine Fragen.
Mit dem Wetter anzufangen ist immer eine schlechte Idee, aber hier gibt es zwei Arten von Kälte, und die eine hat mit der anderen wenig zu tun. Das ist der Aufhänger.
Dann folgte eine Beschreibung belangloser Details, denen aber durch die Ausführlichkeit Bedeutung  zugewiesen wird.
Stark ist außerdem "mit langsam schwindenden Zweifel", weil dieser Aspekt den Menschen und nicht den Oberstleutnant betrifft und damit für Empathie sorgt.
Ein schönes Beispiel für überlegt gesetzte Worte.

Trippelschritt
« Letzte Änderung: 10 Januar 2015, 12:47:21 von Trippelschritt »
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Parzifal

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Re: Textanfänge
« Antwort #8 am: 10 Januar 2015, 13:21:47 »
Um das nicht schuldig zu bleiben:
Es ist der Anfang des Romans "Der Schakal" von Frederick Forsyth.

LaHallia

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Re: Textanfänge
« Antwort #9 am: 10 Januar 2015, 14:49:18 »
Hier mein Anfang:
Mit einer falschen Nummer fing es an, mitten in der Nacht läutete das Telefon dreimal, und die Stimme am anderen Ende fragte nach jemandem, der er nicht war.
(Stadt aus Glas, Paul Auster).

Warum mir dieser Anfang so gefällt?
Eigentlich ist es etwas ziemlich Banales, von jemandem angerufen zu werden, der sich verwählt hat, aber es ist mitten in der Nacht, der Anrufer wird also einen dringenden Grund haben. Oder war es vielleicht gar nicht unbeabsichtigt? Die Person könnte ja zunächst auch nur so getan haben, als hätte sie sich verwählt.
Ich kenne den Roman nicht, aber mir würden mehrere Möglichkeiten einfallen, wie es weitergehen könnte.
Und: wenn dieser Anruf nicht wichtig für die Geschichte wäre, hätte der Autor in (hoffentlich!!!) nicht an den Anfang gestellt.
Sie müssen erzählerische Risiken eingehen. Vor allem aber: niemals versuchen, den anderen zu gefallen. Sie müssen so hoch zielen, dass Sie ganz tief fallen können. Dann vielleicht haben Sie Erfolg. (Frank Schätzing)

Trippelschritt

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Re: Textanfänge
« Antwort #10 am: 10 Januar 2015, 15:57:12 »
Das ist die Technik mit etwas Ungewöhnlichem anzufangen.
Spannend für mich als autor ist es dann immer, wie der zweite Satz lautet oder welche Stimmung das Ungewöhnliche erzeugt und wie der Autor das macht.

Liebe Grüße
Trippelschritt
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Trallala

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Re: Textanfänge
« Antwort #11 am: 10 Januar 2015, 16:15:35 »
Super Thread!

Ich  habe etwas, bei dem ich die Kombination aus Titel und erstem Satz super finde.

Graham Greene: Leihen Sie uns ihren Mann?

"Ich hörte nie einen anderen Namen für sie als Poopy, weder von ihrem Gatten noch von den beiden Männern, die sich mit dem Paar anfreundeten."

Ich finde, Titel und erster Satz machen total neugierig. Der Beobachter sagt uns, dass es ein Ehepaar gibt und zwei Männer, die sich mit dem Ehepaar befreunden. Wer also wird wem den Mann leihen?


T!
"Das mit dir und mir" - erschien am 1.12.14 bei dtv
"A Song about Love" - erschien am 1.7.15 bei BoD
"Das Zwillingsmatch" - erschien am 1.1.16 bei BoD
"Diese ganze Herzscheiße" - erschien am 15.3.17 bei amazon

"AT: Nur dieser eine Augenblick" - Krimi
"AT: Das Mädchen Maryam" - Jugendbuch

zac

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Re: Textanfänge
« Antwort #12 am: 13 Januar 2015, 00:42:49 »
Kaum jemand schlägt ein Buch auf, ohne zuerst den Titel gelesen zu haben. Also kommt der erste Eindruck von diesem. Genau so ist es bei Kurzgeschichten. Dennoch trifft auf den Anfang des laufenden Textes selbstverständlich zu, was Tippelschritt in der Einführung seines Threads gesagt hat. Ich zitiere zuerst den Buchtitel, dann den einer Geschichte:

Zitat
Monster
Weil ich von dem Autor dieses Buches bereits eine Kurzgeschichte gelesen hatte + ihn von seinem Auftritt bei den Klagenfurter Tagen der Literatur 2013 her kannte (wo er auch zu den Preisträgern gehörte) war mir klar, dass es hier nicht um blöden Horror gehen würde. Sonst wäre mir der Titel viel zu banal. Hier ist es Ironie.

Titel der ersten Erzählung in diesem Band:

Zitat
Viel schlimmer als die dunklen Räume sind die spiegelnden Fenster
Thema: Etwas, das Angst macht. Etwas, von dem man nicht weiß, was es ist, und das man nicht sieht oder nicht sehen kann.
Sachlich richtig ist: In spiegelnden Fenstern erkennt man in der Regel noch weniger als in dunklen Räumen. Denn an die Spiegelungen können sich unsere Pupillen nicht anpassen. Also dürfte vor letzteren die Unsicherheit noch größer sein.

Und hier die ersten vier Kurz-Absätze - mit meinen Zwischenbemerkungen:
Zitat
Es ist plötzlich da. Wie hineingestürzt ins Licht und auf die Straße. Das Ding. [...]
Gängige Mittel des Horrors, abgeschwächt: Schreckens, werden benutzt: Plötzlich stürzt während einer Autofahrt etwas auf die Straße; der Prota fragt sich: Was war das?
Zitat
[...] Der Mensch oder das Tier im Scheinwerferlicht. Zu schnell, um zu erkennen, was es ist. [...]
Den Prota überrascht nicht nur der Vorfall; er bekommt Angst, einen Menschen überfahren zu haben.
Zitat
[...] Plötzlich ist da was auf der Straße. Plötzlich ist es ein Geräusch unter dem Wagen, ein Schleifen oder Kratzen. Ein Scharren. Ein roter Schemen im Rücklicht.
Während der Prota ängstlich über den Unfall rätselt, beschreibt er ihn näher. Wichtig: Er beschreibt ihn so, wie ihn ein erschreckter Autofahrer tatsächlich in seinen Gedanken beschreiben könnte.
Zitat
[...] Tier. Bitte. [Absatz]
 Sich darauf vorbereiten, getötet zu werden, wie man in dunklen Wäldern getötet wird, wenn man aus Autos steigt. Die Tür öffnen. Aussteigen. [...]
(Für mich) ungewöhnliche Art, die Spannung zu steigern: Der Prota nennt sogar ein übliches Stilmittel von Horror-/ Thrillerstorys. Er ruft es aber zugleich als mögliche Fortsetzung seiner Geschichte auf.
Zitat
Tier, Tier, Tier. [Absatz]
Bitte, bitte, bitte.
Verwirrung, Angst, Schrecken des Protas + seine Hoffnung, keinen Menschen überfahren zu haben, werden wiederholt.

Danke an Tippelschritt. Guter Vorschlag.
« Letzte Änderung: 13 Januar 2015, 00:51:19 von Zachi »

Mooncat

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Re: Textanfänge
« Antwort #13 am: 13 Januar 2015, 02:29:27 »
Ich musste jetzt einige meiner Lieblingsbücher durchgehen, denn kaum einer davon hat einen Anfang, den ich jetzt Wert finde, hier einzustellen. Bin aber doch noch fündig geworden bei einer meiner Lieblingskrimiserien und es ist sicher eine Art Anfang, der hier noch nicht genannt wurde, mich aber sofort gefesselt hat und eine Art, die ich sehr mag, aber leider viel zu wenig antreffe:

Zitat
Some people are street-smart, some people are book-smart, but most people are just dumber than dirt.
—Chrissy (Mac) McMullen, upon finding her boyfriend in the backseat of her Mazda with a Majorette

MR. HOWARD LEPINSKI was an intelligent man. He was well educated, articulate, and precise. Unfortunately, he was about two aces short of a full deck.
Es fängt an mit einem Zitat - einem sehr witzigen Zitat. Und, was ich persönlich grandios finde, nicht von irgendeinem verstaubten oder hippen Zeitgenossen, nein, es ist von einer Chrissy (Mac) McMullen, die man nicht kennt - aber auf die Art gleich vorgestellt bekommt.
Der erste Absatz ist dann stinknormal - zu Anfang. Fast schon langweilig. Was genau richtig ist, denn offensichtlich ist der gute Lepinsky genau das. Ach ja, und etwas verrückt. Was mit dem letzten Satz dieses ersten Absatzes mehr als nur deutlich wird. Was gut ist, denn Chrissy ist eine Psychologin - und Lepinsky eine wichtige Geldquelle für sie.

Warum ich ihn so liebe, diesen Anfang? Konflikt kennt man da noch nicht, aber ich weiss gleich, in welchem Ton diese Geschichte geschrieben ist, was mir persönlich eh viel wichtiger ist, und damn, it's a marvellous snarky and funny one. Im übrigen, wenn man dann die ganze Geschichte kennt, erkennt man, dass das Zitat eigentlich genau Chrissys grösstes Problem im Buch schildert - nicht etwa, dass sie unter Mordverdacht steht, sondern wem sie nun vertrauen kann - dem street-smart Mann oder dem book-smart Mann. Von daher ist der Konflikt sogar da, clever versteckt.  :danke:

Tja - und ich glaube, jetzt muss ich gleich weiterlesen gehen. Was nicht der Plan war. Aber so gut ist dieser Anfang halt für mich, dass ich ihn nur zu lesen brauche und gleich die ganze Serie zum x-ten Mal lesen will. Was will ich mehr von einem Anfang?

PS: Nein, ich übersetze nicht. Und da ich nichts deutsches lese, kann ich halt nur mit Englisch dienen. Ich gehe einfach davon aus, dass alle genug Englisch können, um es zu verstehen. Wenn nicht, Unzipped von Lois Greiman. Es wurde übersetzt, ich weiss das - aber diese Verschandelung tue ich niemandem an. Die deutsche Sprache schafft es meiner Meinung nach nicht, diese Art der Verwendung des Englischen getreu hinzukriegen. Echt mal, wenn ihr nur ein bisschen Englisch könnt - lest es im Original!
« Letzte Änderung: 13 Januar 2015, 13:38:23 von Mooncat »
Das Leben ist kurz - der Tod ist ewig.
Lynwood

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Trippelschritt

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Re: Textanfänge
« Antwort #14 am: 13 Januar 2015, 07:49:50 »
Hi Zachi,

ich muss zugeben, so ganz habe ich den Text nicht verstanden. Fehlen da Teile?

Und das mit der Überschrift ist so eine Sache. Ich hoffe, dass "Monster" eine Überschrift ist, die der Autor gewählt hat. Bei Kurzgeschichten trifft das meistens zu. Muss aber nicht. Bei vielen Kurzgeschichten von Asimov sind die Titel nicht von ihm. die konnte er erst in späteren Ausgaben durchsetzen.
Und was Romane angeht ...
Meine schöne Überschrift: "Das Oval des Onyx" vom eerstenBand der Pentamuriatrilogie wurde durch eine feld-, Wald- undWiesenüberschrift ersetzt, weil die wichtigsten Fantasy-Suchworte nicht drin vorkamen. Das ist Marketing!

Liebe Grüße
Trippelschritt
Wer bin ich, wer war ich, wer werde ich sein?