28 Februar 2020, 07:17:18

Autor Thema: Die Erschaffung von Figuren  (Gelesen 8425 mal)

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Trippelschritt

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Die Erschaffung von Figuren
« am: 17 Januar 2015, 10:28:41 »
Dieses Kapitel ist in vielen Schreibratgebern abgehandelt und trotzdem plagt man sich, Figuren zu erschaffen, in die die Leser sich verlieben oder die funktionieren. Da kann jeder sein eigenes Extrem wählen.
Unter den vielen Ratschlägen verbirgt sich auch viel Unsinn.
Deshalb könnte es uns etwas bringen, wenn wir einmal unsere Erfahrungen austauschen. Und da habe ich vor allem zwei Fragen:

Wie erschafft ihr eure Hauptfiguren?
Und auf welche Dinge muss man unbedingt achten, weil sie unverzichtbar sind?

Liebe Grüße
Trippelschritt
Wer bin ich, wer war ich, wer werde ich sein?

Bateman

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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #1 am: 17 Januar 2015, 10:59:31 »
Da ich gerade in der entsprechenden Phase bei einem Drehbuch stecke, mache ich es mal kurz aus dieser Perspektive.

Beim Drehbuch ist es definitiv so, dass die Dialoge das Entscheidende in der Darstellung sind (ich würde das aber auf Prosa übertragen). Alles andere (Gesten, Kostüm usw.) liegt letztlich nicht in der Hand des Autoren, sondern wird von Regisseur und Darsteller entwickelt. Ich lege das zwar an (bestimmte Eigenarten, Handbewegungen, eine bestimmte prägnante Damenhandtasche o.ä.), muss aber darauf achten, dass es sich AUCH über die Dialoge trägt.

Hier mache ich nun zunächst ein Charactersheet (in Fließtextform, ich hasse diese Fragestellungen). Dann lege ich los. Und wenn ich Anfangs noch dem Sheet folge, drifte ich zunehmend davon ab. Weil andere Charaktere dazu kommen und es plötzlich nicht nur um Aktion, sondern auch um Reaktion der Figur geht.

Das Ergebnis ist dann natürlich vollkommen unausgegoren  :biggrin: Aber das ist glaube ich normal.

Also nochmal ans Sheet und nach entscheidenden Stellen angepasst.

Was ich dann mache geht in Drehbuchsoftware ganz einfach. Aber auch wenn es in Romansoftware etwas komplizierter ist, würde ich es jedem raten. Ich lasse mir einen Report mit dem gesamten Dialog der Figur anzeigen. Der Fülltext, die Beschreibungen werden weggeblendet und ich kann nun den Dialog am Stück sehen und daran arbeiten, dass EINE Stimme daraus wird. Denn nur mit einer kohärenten Stimme wird die Schablone zum sprechenden Charakter.

Der nächste Schritt ist dann natürlich, die Charakterkonstellationen aus Aktion und Reaktion aufeinander anzupassen. Die Dynamiken zwischen den Figuren. Aber damit beschäftige ich mich jetzt erstmal nicht. Soweit bin ich hier noch nicht  :)

Ich wollte, unabhängig von dem ganzen "Was-will-derCharakter/Fallhöhe"-Gedöns nur ein kurzes Plädoyer für die Wichtigkeit von Dialogen halten.

Ryek Darkener

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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #2 am: 17 Januar 2015, 11:18:12 »
@Bateman:  :pro:

Liegt wahrscheinlich daran, dass meine Romane dialoglastig sind, fast Drehbücher. :biggrin:
Was Dialoge ausmachen, sieht man bei der derzeitigen Hollywood- Marvel-Massenware: Die Dialoge dienen mehr schlecht als recht dazu, von einer Action-Szene in die nächste überzuleiten. Dadurch hat der ganze Film die Anmutung eines schlechten Kasperletheaters. By the Way: In den Original Comics gibt es durchaus sehr intelligente Dialoge und eine Menge Sozialkritik.

Wer nur Dialoge sehen will und das Geld dafür ausgeben möchte, kann Papyrus Autor kaufen oder testen. Da gibt es diese Funktionalität schon seit einiger Zeit. Oder in der Textverarbeitung seiner Wahl ein Makro programmieren. :diablo:

Zurück zum Thema. Der Charakter definiert sich, meiner Vorstellung nach, zu einem großen Teil über das was er sagt. Weil es nämlich zu dem was er tut konsistent ist. Oder eben auch nicht. Und dadurch entsteht die Verbindung des Lesers mit dem Charakter: ob er gemocht oder gehasst wird, kurz, ob er Struktur und Tiefe erhält.

Ich selbst arbeite so, dass ich den Charakter erst einmal etwas in der Handlung tun lasse. Danach kommt eine kurze Skizze der unveränderlichen Merkmale und des ersten Eindrucks in Form einer Checkliste, weil ich mir klar darüber bin, dass sich mein Charakter im Laufe der Geschichte auch ändern kann. Wer es exakt machen will, wird nicht darum herumkommen, für seine wichtigen Charaktere eine parallele Biografie anzulegen.
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Bateman

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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #3 am: 17 Januar 2015, 11:31:26 »
Checkliste ist auf jeden Fall wichtig, glaube ich. Ich merke immer wieder, wie ich mich beim Schreiben treiben lasse. Hier eine witzige Erwiderung, da noch ein kleiner Einfall. Und schon sind wesentliche Punkte, die im Charakter angelegt waren vergessen. Manchmal dann ganz schön müham, das zu reparieren. Da hilft eine Checkliste ungemein, um sich immer mal wieder an wichtige Punkte zu erinnern.

Trippelschritt

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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #4 am: 17 Januar 2015, 12:08:41 »
Ich unterstütze euer Plädoyer für Dialoge. Ich bin allerdings der Meinung, dass man, bevor man einer Figur, die rechten Worte in den Mund legt, wissen sollte, was für eine Figur das denn ist.
Oder wollt ihr eine Figur aus den Dialogen heraus entwickeln? So in der Art: Ich brauche einen witzigen Dialog, also muss einer der beiden ein Witzbold sein. Dann würde diese Figur im ganzen Roman nur herumwitzeln, weil er sonst keine Eigenschaften hat.
Das könnt ihr aber nicht gemeint haben.

Also erst sollte die Figur stehen, dann wird sie präsentiert. Und das auch unbedingt durch Dialoge!

Liebe Grüße
Trippelschritt
Wer bin ich, wer war ich, wer werde ich sein?

Uli

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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #5 am: 17 Januar 2015, 12:43:31 »
Hmm ...
ich habe da einen gänzlich anderen Ansatz: Die Figur 'finde' ich einfach (und kann nicht sagen, wie das geht), und ich muss sie dann 'kennenlernen'.
Also herausfinden, wer das ist, und warum diese Figur in der Geschichte auftauchen muss.
Offenbar passiert dabei vieles sehr unbewusst: Ich bin immer wieder überrascht, was die Leutchen so offenbaren - kannst du dir nicht ausdenken, sowas.

Rein ablaufmässig: Meistens habe ich eine Stückchen Handlung, in der 'jemand' auf eine Art agiert, die mich neugierig macht. Das sind mikro-Stückchen, die mir zwar sehr schlüssig erscheinen, aber eben die Frage nach dem Warum, nach der Motivation dieser Figur aufwerfen.

Tja ... Forschung statt Konstruktion eben: Der Versuch, herauszufinden, warum jemand eine bestimmte Reaktion zeigt

Trippelschritt

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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #6 am: 17 Januar 2015, 13:15:28 »
Ist bei mir ähnlich, Uli,
und das sind die besten Figuren. Leider gelingt mir das nicht bei allen.
Und ganz wichtig finde ich Deinen Hinweis auf die Motivation der Figur.
Wenn der Autor nicht versteht, was die Figur antreibt, wird er sie nicht packen können.

Liebe Grüße
Trippelschritt
Wer bin ich, wer war ich, wer werde ich sein?

Parzifal

  • Gast
Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #7 am: 17 Januar 2015, 13:33:57 »
Vielleicht sollte man grundsätzlich mal feststellen:
- eine Figur kann von außen beschrieben werden: Größe, Figur, Kleidung, Gesicht etc.
(das kann u.U. schon eine Menge über dieselbe aussagen)
- eine Figur kann von innen her beschrieben werden: Dialoge und Handlungen.
- der dritte Punkt wäre die Entwicklung derselben innerhalb der Geschichte.
(z.B. ein erfolgloser Prota hat am Ende - nach vielen Versuchen - endlich Erfolg)

Im speziellen:
Bei mir sind die Figuren in der Grundidee schon enthalten. Wenn ich eine Idee habe, fliegen mir auch automatisch (oder so) die entsprechenden Figuren zu (zumindest in einer Grundvorstellung) Handlung und Figuren sind für mich aufs engste miteinander verbunden. Eine Figur erschaffen und ihr dann eine Geschichte auf den Leib schreiben, könnte ich nicht.
Ich überlege mir im weiteren, wo die Figur startet und wo sie enden wird. Damit wird (mehr oder weniger) auch die Gesamt-Dramaturgie der Geschichte festgelegt (Dramaturgie im Sinne von Gesamtablauf) Ich finde, dass gute Figuren immer haargenau zur Geschichte passen. Eine Figur, für sich betrachtet, kann noch so gut sein; sie muss aber nicht zwingend in den Kontext passen. Und dann ist sie eben auch nicht gut.

- Wichtig ist mMn auch die Orchestrierung der Figuren einer Geschichte. Wenn ich einen Underdog habe, sollte der Gegenpart vielleicht ein Erfolgsmensch sein. Eine dritte Figur könnte sich einem esoterischen Leben verschrieben haben etc. Insgesamt sollten sie ein gut abgestimmtes Orchester ergeben, das insgesamt Stimmigkeit aufweist. ;)
« Letzte Änderung: 17 Januar 2015, 13:53:37 von Parzifal »

Wynn

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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #8 am: 17 Januar 2015, 14:20:58 »
Die Hauptfiguren für mein momentanes Projekt habe ich nicht bewusst erschaffen, sie waren einfach da - zumindest in Grundzügen. Ich hatte ein paar Szenen im Kopf, wie sie miteinander umgehen, was sie sagen, wie sie reagieren und hab davon dann einen generellen Eindruck bekommen, wie sie sind.
Ich wollte zunächst auch gerne Dialoge schreiben, habe dann aber recht schnell gemerkt, dass mir mein männlicher Hauptcharakter in der Hinsicht ziemliche Probleme bereitet. Da er vom Anfang zum Ende der Geschichte eine starke Entwicklung durchläuft, konnte ich Anfangsszenen nicht mehr schreiben, wenn ich zu viel über spätere Szenen nachgedacht habe. Er hat dann in den frühen Szenen bereits wie sein reiferes Ich reagiert und ich habe angefangen, mir ein Charakterblatt für ihn anzulegen, um mir bewusst zu machen, warum er sich in welchen Situationen wie verhält. Die fünf Punkte, mit denen ich dabei anfange, sind Fernziel, Nahziel, Träume, Innerer Konflikt und Motivation.

Das Fernziel ist für mich etwas sehr Allgemeines wie "Freiheit", auf das der Charakter hinarbeiten, es aber nicht sofort erreichen kann. Es ist das große Ziel, das er in seinem Leben erreichen möchte.
Das Nahziel ist etwas, das ihn einen Schritt näher an sein Fernziel bringt und das er auch gleich konkret angehen kann. In meinem Fall ist das die Erfüllung eines Auftrags.
Träume sind das, was der Charakter eigentlich will und denen er sich nicht unbedingt bewusst ist. Im besten Fall stehen sie mit dem Erreichen des Fern- oder Nahziels in Konflikt, sodass er sich im Laufe der Geschichte zwischen einem von den beiden entscheiden muss.
Diese Hin- und Hergerissenheit konkretisiere ich dann bei dem Punkt "Innnerer Konflikt".
Die Motivation ist für mich das, was meinen Charakter antreibt, sein Nahziel umzusetzen.

Wichtig dabei ist, dass diese Ziele nur am Anfang der Geschichte gelten, wo der Charakter zum ersten Mal auftritt. Im Laufe der Geschichte können sich die Ziele verändern oder aktualisieren (z.B. wenn das erste Nahziel erreicht ist).
Ein ebenfalls interessanter Punkt wäre noch "Geheimnis", wo ich mir überlege, was der Charakter auf keinen Fall preis geben möchte. Denn auch das wird beeinflussen, wie sich die Figur in bestimmten Situationen verhält und da sie das Geheimnis waren möchte, birgt das auch gleich viel Konfliktpotential (was für eine Geschichte ja nie schlecht ist).
Auf eine komplette Biographie habe ich bisher verzichtet und mir stattdessen nur die wichtigsten Ereignisse notiert, die den Charakter geprägt haben und daher sein jetziges Verhalten beeinflussen.
Ansonsten habe ich natürlich noch die bekannten Punkte wie Stärken, Schwächen und Verhalten, wobei ich gerade bei letzterem immer gleich noch versuche, die darin enthaltenen Charaktermerkmale zu begründen.

Meine weibliche Protagonistin habe ich im nächsten Schritt erschaffen und, da ich es für die Geschichte brauche, ihr Fähigkeiten gegeben, die die Schwächen des männlichen ausnutzen können, gleichzeitig aber geschaut, dass die beiden in etwa gleich stark sind.
Antagonisten und Nebencharaktere entstehen auf die selbe Weise, sodass alles, was ich bisher über den Plot weiß, auf den Zielen und Motivationen der einzelnen Figuren beruht. Das wird sehr schnell sehr komplex, aber ich glaube, genau das verleiht den Charakteren dann auch die gewünschte Tiefe und macht sie nicht nur zu Statisten. :)

Liebe Grüße,
Wynn

Viskey

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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #9 am: 17 Januar 2015, 14:35:10 »
Mein Erfahrungsbericht: Sie sind da oder nicht.

Ich gehe da, wie Uli, auf Forschungsreise. Mit Factsheets kann ich überhaupt nichts anfangen, die hab ich zwar, aber da stehen Dinge drauf wie: "Hat sich mit 8 mal den Arm gebrochen" - also tatsächlich nur Facts, keine Charakteristika.


Anfangen tue ich mit Figuren, die eine Art "Grundausstattung" haben, also noch sehr grob gezeichnet sind, und deswegen auch noch in gewisser Weise austauschbar. Diese Grundausstattung besteht manchmal nur aus einer unabdingbaren Eigenschaft, die meine Figur haben muss: Ein Soldat zB ist von der Grundausstattung her mal ein mutiger Mensch. Ein Mensch, der aus seiner gewohnten Umgebung gerissen wird und in einer völlig fremden Umgebung ein neues Leben aufbauen kann, muss einigermaßen pragmatisch u/o praktisch veranlagt sein und ein gewisses Durchsetzungsvermögen besitzen.

Das, was meine Figuren dann unverwechselbar und einzigartig macht, kommt erst im Laufe der Geschichte heraus. Ich gehöre deswegen auch zur Fraktion der "Anfänge-immer-wieder-neu-Schreiber". Weil die Leute nicht ganz so agieren und reagieren - und reden - wie ich weiß, dass sie eigentlich sollten, nachdem ich sie etwas genauer kennengelernt habe.

Und dann geht es auch darum, die Figuren richtig einzusetzen. Einmal war die Lösung für eine in jeder Überarbeitung missratene Szene einfach die, das handelnde Personal auszutauschen ... Plötzlich lief's ...
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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #10 am: 17 Januar 2015, 15:09:48 »
Hallo in die Runde,

ich habe mal etwas sehr witziges gemacht, das super funktioniert hat. Ich brauchte für meine Geschichte eine Band und einen jungen Rockmusiker, den Bandleader und meine Hauptfigur.

Ich habe einen jungen Mann, der gerade bei mir Praktikum machte und in einer Band spielte, genommen. Und seine Band gleich noch dazu.  Eins zu eins.

Ich konnte ihn tagsüber beobachten und über seine Musik ausfragen und abends habe ich ihn zu Papier gebracht. Natürlich mit anderem Namen. Das hat super funktionert.  :devgrin:

T!



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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #11 am: 17 Januar 2015, 15:10:20 »
Ich finde mich in fast allen euren Antworten wieder. Deshalb bin ich auch nicht sicher, ob mein eigenes Beispiel anderen nutzt. vielleicht ist es aber auch nur eine Weiterentwicklung.

Auch bei mir sind die Figuren meist in dem Augenblick da, wenn ich sie brauche. Am Anfang hat das auch funktioniert. Um drei junge Leute, die gemeinsam etwas machen, unterscheiden zu können, habe ich sie mit meinen eigenen durchaus widersprüchlichen Stärken versehen und, da Stärken imemr auch Schwächen bedingen, auch mit den entsprechenden Schwächen. Anders formuliert, ich habe sie mit drei sich durchaus bekämpfenden Wesenseigenschaften von mir selbst ausgestattet.

In anderen Fällen habe ich mir ein lebendes Vorbild genommen,d as ich gut kannte, und dann adaptiert. Die Art hat den Vorteil, dass meine Hauptfiguren lebende Menschen sind. Leider klappt das nicht immer.

Im Augenblick brauche ich gleich fünf wichtige Figuren. Drei flogen mir zu, zwei waren nicht mehr als Etiketten. Auch die drei waren nicht gleichstark entwickelt. Aber es reichte, um mit ihnen den Plot zu entwickeln.

Aber mittlerweile habe ich gemerkt, dass ich darüber hinausgehen kann. Meine Prota (ein Mädchen) ist sehr stark geworden und wird immer stärker, je länger ich über sie nachdenke. Ich kann dabei nicht mehr trennen, was zur Erfindung gehört und was bereits Präsentation in der Geschichte ist, denn je stärker sie wird, desto mehr Möglichkeiten gibt sie mir.

Ich kümmere mich dabei nur um drei Aspekte. Ihre Vorgeschichte und ihr Umfeld, ihre Ziele und ihre Motive.
Das reicht. Der Rest ist Feinschliff.
Ob ich damit auch die beiden Etiketten füllen kann bleibt abzuwarten. Sie bieten sich leider nicht an.

Womit ich nie arbeiten kann sind ellenlange Listen, weil die mir nicht sagen, was wichtig ist und was nicht.

Liebe Grüße
Trippelschritt
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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #12 am: 17 Januar 2015, 15:11:38 »
Hallo in die Runde,

ich habe mal etwas sehr witziges gemacht, das super funktioniert hat. Ich brauchte für meine Geschichte eine Band und einen jungen Rockmusiker, den Bandleader und meine Hauptfigur.

Ich habe einen jungen Mann, der gerade bei mir Praktikum machte und in einer Band spielte, genommen. Und seine Band gleich noch dazu.  Eins zu eins.

Ich konnte ihn tagsüber beobachten und über seine Musik ausfragen und abends habe ich ihn zu Papier gebracht. Natürlich mit anderem Namen. Das hat super funktionert.  :devgrin:

T!

So hat man einen richtig guten Ansatz, um plausiblen Menschen zu schaffen. Super. Aber es geht noch mehr.
Trippelschritt
« Letzte Änderung: 17 Januar 2015, 19:38:05 von Trippelschritt »
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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #13 am: 17 Januar 2015, 17:40:49 »
Ich habe einen jungen Mann, der gerade bei mir Praktikum machte und in einer Band spielte, genommen. Und seine Band gleich noch dazu.  Eins zu eins.

Also da hätte ich Skrupel. So ganz kann man das, glaub ich, sowieso nicht abstellen, dass man sich an lebenden Beispielen orientiert. Aber einfach abschreiben? Ich weiß nicht, das könnte ich nicht. Nur meine (damals) beste Freundin hat mal als direktes Vorbild hergehalten. Aber die ist Schauspielerin ... Die lebt von fremden Rollen ...  :rotwerd:

Aber selbst sie hab ich nicht 1:1 übernommen - und sie hat sich mittlerweile auch stark weiterentwickelt ... also die Figur

EDIT: ... meine Freundin auch, wenn ich's bedenke.
« Letzte Änderung: 17 Januar 2015, 17:43:57 von Viskey »
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Trippelschritt

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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #14 am: 17 Januar 2015, 19:36:44 »
Wahrscheinlich geht die 1:1 eh bei der Umsetzung verloren. Die meisten Figuren entwickeln ein Eigenleben.
Gut so.

Liebe Grüße
Trippelschritt
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