28 Februar 2020, 06:26:42

Autor Thema: Die Erschaffung von Figuren  (Gelesen 8423 mal)

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Trippelschritt

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Die Erschaffung von Figuren
« am: 17 Januar 2015, 10:28:41 »
Dieses Kapitel ist in vielen Schreibratgebern abgehandelt und trotzdem plagt man sich, Figuren zu erschaffen, in die die Leser sich verlieben oder die funktionieren. Da kann jeder sein eigenes Extrem wählen.
Unter den vielen Ratschlägen verbirgt sich auch viel Unsinn.
Deshalb könnte es uns etwas bringen, wenn wir einmal unsere Erfahrungen austauschen. Und da habe ich vor allem zwei Fragen:

Wie erschafft ihr eure Hauptfiguren?
Und auf welche Dinge muss man unbedingt achten, weil sie unverzichtbar sind?

Liebe Grüße
Trippelschritt
Wer bin ich, wer war ich, wer werde ich sein?

Bateman

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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #1 am: 17 Januar 2015, 10:59:31 »
Da ich gerade in der entsprechenden Phase bei einem Drehbuch stecke, mache ich es mal kurz aus dieser Perspektive.

Beim Drehbuch ist es definitiv so, dass die Dialoge das Entscheidende in der Darstellung sind (ich würde das aber auf Prosa übertragen). Alles andere (Gesten, Kostüm usw.) liegt letztlich nicht in der Hand des Autoren, sondern wird von Regisseur und Darsteller entwickelt. Ich lege das zwar an (bestimmte Eigenarten, Handbewegungen, eine bestimmte prägnante Damenhandtasche o.ä.), muss aber darauf achten, dass es sich AUCH über die Dialoge trägt.

Hier mache ich nun zunächst ein Charactersheet (in Fließtextform, ich hasse diese Fragestellungen). Dann lege ich los. Und wenn ich Anfangs noch dem Sheet folge, drifte ich zunehmend davon ab. Weil andere Charaktere dazu kommen und es plötzlich nicht nur um Aktion, sondern auch um Reaktion der Figur geht.

Das Ergebnis ist dann natürlich vollkommen unausgegoren  :biggrin: Aber das ist glaube ich normal.

Also nochmal ans Sheet und nach entscheidenden Stellen angepasst.

Was ich dann mache geht in Drehbuchsoftware ganz einfach. Aber auch wenn es in Romansoftware etwas komplizierter ist, würde ich es jedem raten. Ich lasse mir einen Report mit dem gesamten Dialog der Figur anzeigen. Der Fülltext, die Beschreibungen werden weggeblendet und ich kann nun den Dialog am Stück sehen und daran arbeiten, dass EINE Stimme daraus wird. Denn nur mit einer kohärenten Stimme wird die Schablone zum sprechenden Charakter.

Der nächste Schritt ist dann natürlich, die Charakterkonstellationen aus Aktion und Reaktion aufeinander anzupassen. Die Dynamiken zwischen den Figuren. Aber damit beschäftige ich mich jetzt erstmal nicht. Soweit bin ich hier noch nicht  :)

Ich wollte, unabhängig von dem ganzen "Was-will-derCharakter/Fallhöhe"-Gedöns nur ein kurzes Plädoyer für die Wichtigkeit von Dialogen halten.

Ryek Darkener

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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #2 am: 17 Januar 2015, 11:18:12 »
@Bateman:  :pro:

Liegt wahrscheinlich daran, dass meine Romane dialoglastig sind, fast Drehbücher. :biggrin:
Was Dialoge ausmachen, sieht man bei der derzeitigen Hollywood- Marvel-Massenware: Die Dialoge dienen mehr schlecht als recht dazu, von einer Action-Szene in die nächste überzuleiten. Dadurch hat der ganze Film die Anmutung eines schlechten Kasperletheaters. By the Way: In den Original Comics gibt es durchaus sehr intelligente Dialoge und eine Menge Sozialkritik.

Wer nur Dialoge sehen will und das Geld dafür ausgeben möchte, kann Papyrus Autor kaufen oder testen. Da gibt es diese Funktionalität schon seit einiger Zeit. Oder in der Textverarbeitung seiner Wahl ein Makro programmieren. :diablo:

Zurück zum Thema. Der Charakter definiert sich, meiner Vorstellung nach, zu einem großen Teil über das was er sagt. Weil es nämlich zu dem was er tut konsistent ist. Oder eben auch nicht. Und dadurch entsteht die Verbindung des Lesers mit dem Charakter: ob er gemocht oder gehasst wird, kurz, ob er Struktur und Tiefe erhält.

Ich selbst arbeite so, dass ich den Charakter erst einmal etwas in der Handlung tun lasse. Danach kommt eine kurze Skizze der unveränderlichen Merkmale und des ersten Eindrucks in Form einer Checkliste, weil ich mir klar darüber bin, dass sich mein Charakter im Laufe der Geschichte auch ändern kann. Wer es exakt machen will, wird nicht darum herumkommen, für seine wichtigen Charaktere eine parallele Biografie anzulegen.
DSvU-4 "Wurzeln und Flügel (AT)": Plotten/Schreiben
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Bateman

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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #3 am: 17 Januar 2015, 11:31:26 »
Checkliste ist auf jeden Fall wichtig, glaube ich. Ich merke immer wieder, wie ich mich beim Schreiben treiben lasse. Hier eine witzige Erwiderung, da noch ein kleiner Einfall. Und schon sind wesentliche Punkte, die im Charakter angelegt waren vergessen. Manchmal dann ganz schön müham, das zu reparieren. Da hilft eine Checkliste ungemein, um sich immer mal wieder an wichtige Punkte zu erinnern.

Trippelschritt

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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #4 am: 17 Januar 2015, 12:08:41 »
Ich unterstütze euer Plädoyer für Dialoge. Ich bin allerdings der Meinung, dass man, bevor man einer Figur, die rechten Worte in den Mund legt, wissen sollte, was für eine Figur das denn ist.
Oder wollt ihr eine Figur aus den Dialogen heraus entwickeln? So in der Art: Ich brauche einen witzigen Dialog, also muss einer der beiden ein Witzbold sein. Dann würde diese Figur im ganzen Roman nur herumwitzeln, weil er sonst keine Eigenschaften hat.
Das könnt ihr aber nicht gemeint haben.

Also erst sollte die Figur stehen, dann wird sie präsentiert. Und das auch unbedingt durch Dialoge!

Liebe Grüße
Trippelschritt
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Uli

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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #5 am: 17 Januar 2015, 12:43:31 »
Hmm ...
ich habe da einen gänzlich anderen Ansatz: Die Figur 'finde' ich einfach (und kann nicht sagen, wie das geht), und ich muss sie dann 'kennenlernen'.
Also herausfinden, wer das ist, und warum diese Figur in der Geschichte auftauchen muss.
Offenbar passiert dabei vieles sehr unbewusst: Ich bin immer wieder überrascht, was die Leutchen so offenbaren - kannst du dir nicht ausdenken, sowas.

Rein ablaufmässig: Meistens habe ich eine Stückchen Handlung, in der 'jemand' auf eine Art agiert, die mich neugierig macht. Das sind mikro-Stückchen, die mir zwar sehr schlüssig erscheinen, aber eben die Frage nach dem Warum, nach der Motivation dieser Figur aufwerfen.

Tja ... Forschung statt Konstruktion eben: Der Versuch, herauszufinden, warum jemand eine bestimmte Reaktion zeigt

Trippelschritt

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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #6 am: 17 Januar 2015, 13:15:28 »
Ist bei mir ähnlich, Uli,
und das sind die besten Figuren. Leider gelingt mir das nicht bei allen.
Und ganz wichtig finde ich Deinen Hinweis auf die Motivation der Figur.
Wenn der Autor nicht versteht, was die Figur antreibt, wird er sie nicht packen können.

Liebe Grüße
Trippelschritt
Wer bin ich, wer war ich, wer werde ich sein?

Parzifal

  • Gast
Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #7 am: 17 Januar 2015, 13:33:57 »
Vielleicht sollte man grundsätzlich mal feststellen:
- eine Figur kann von außen beschrieben werden: Größe, Figur, Kleidung, Gesicht etc.
(das kann u.U. schon eine Menge über dieselbe aussagen)
- eine Figur kann von innen her beschrieben werden: Dialoge und Handlungen.
- der dritte Punkt wäre die Entwicklung derselben innerhalb der Geschichte.
(z.B. ein erfolgloser Prota hat am Ende - nach vielen Versuchen - endlich Erfolg)

Im speziellen:
Bei mir sind die Figuren in der Grundidee schon enthalten. Wenn ich eine Idee habe, fliegen mir auch automatisch (oder so) die entsprechenden Figuren zu (zumindest in einer Grundvorstellung) Handlung und Figuren sind für mich aufs engste miteinander verbunden. Eine Figur erschaffen und ihr dann eine Geschichte auf den Leib schreiben, könnte ich nicht.
Ich überlege mir im weiteren, wo die Figur startet und wo sie enden wird. Damit wird (mehr oder weniger) auch die Gesamt-Dramaturgie der Geschichte festgelegt (Dramaturgie im Sinne von Gesamtablauf) Ich finde, dass gute Figuren immer haargenau zur Geschichte passen. Eine Figur, für sich betrachtet, kann noch so gut sein; sie muss aber nicht zwingend in den Kontext passen. Und dann ist sie eben auch nicht gut.

- Wichtig ist mMn auch die Orchestrierung der Figuren einer Geschichte. Wenn ich einen Underdog habe, sollte der Gegenpart vielleicht ein Erfolgsmensch sein. Eine dritte Figur könnte sich einem esoterischen Leben verschrieben haben etc. Insgesamt sollten sie ein gut abgestimmtes Orchester ergeben, das insgesamt Stimmigkeit aufweist. ;)
« Letzte Änderung: 17 Januar 2015, 13:53:37 von Parzifal »

Wynn

  • Gast
Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #8 am: 17 Januar 2015, 14:20:58 »
Die Hauptfiguren für mein momentanes Projekt habe ich nicht bewusst erschaffen, sie waren einfach da - zumindest in Grundzügen. Ich hatte ein paar Szenen im Kopf, wie sie miteinander umgehen, was sie sagen, wie sie reagieren und hab davon dann einen generellen Eindruck bekommen, wie sie sind.
Ich wollte zunächst auch gerne Dialoge schreiben, habe dann aber recht schnell gemerkt, dass mir mein männlicher Hauptcharakter in der Hinsicht ziemliche Probleme bereitet. Da er vom Anfang zum Ende der Geschichte eine starke Entwicklung durchläuft, konnte ich Anfangsszenen nicht mehr schreiben, wenn ich zu viel über spätere Szenen nachgedacht habe. Er hat dann in den frühen Szenen bereits wie sein reiferes Ich reagiert und ich habe angefangen, mir ein Charakterblatt für ihn anzulegen, um mir bewusst zu machen, warum er sich in welchen Situationen wie verhält. Die fünf Punkte, mit denen ich dabei anfange, sind Fernziel, Nahziel, Träume, Innerer Konflikt und Motivation.

Das Fernziel ist für mich etwas sehr Allgemeines wie "Freiheit", auf das der Charakter hinarbeiten, es aber nicht sofort erreichen kann. Es ist das große Ziel, das er in seinem Leben erreichen möchte.
Das Nahziel ist etwas, das ihn einen Schritt näher an sein Fernziel bringt und das er auch gleich konkret angehen kann. In meinem Fall ist das die Erfüllung eines Auftrags.
Träume sind das, was der Charakter eigentlich will und denen er sich nicht unbedingt bewusst ist. Im besten Fall stehen sie mit dem Erreichen des Fern- oder Nahziels in Konflikt, sodass er sich im Laufe der Geschichte zwischen einem von den beiden entscheiden muss.
Diese Hin- und Hergerissenheit konkretisiere ich dann bei dem Punkt "Innnerer Konflikt".
Die Motivation ist für mich das, was meinen Charakter antreibt, sein Nahziel umzusetzen.

Wichtig dabei ist, dass diese Ziele nur am Anfang der Geschichte gelten, wo der Charakter zum ersten Mal auftritt. Im Laufe der Geschichte können sich die Ziele verändern oder aktualisieren (z.B. wenn das erste Nahziel erreicht ist).
Ein ebenfalls interessanter Punkt wäre noch "Geheimnis", wo ich mir überlege, was der Charakter auf keinen Fall preis geben möchte. Denn auch das wird beeinflussen, wie sich die Figur in bestimmten Situationen verhält und da sie das Geheimnis waren möchte, birgt das auch gleich viel Konfliktpotential (was für eine Geschichte ja nie schlecht ist).
Auf eine komplette Biographie habe ich bisher verzichtet und mir stattdessen nur die wichtigsten Ereignisse notiert, die den Charakter geprägt haben und daher sein jetziges Verhalten beeinflussen.
Ansonsten habe ich natürlich noch die bekannten Punkte wie Stärken, Schwächen und Verhalten, wobei ich gerade bei letzterem immer gleich noch versuche, die darin enthaltenen Charaktermerkmale zu begründen.

Meine weibliche Protagonistin habe ich im nächsten Schritt erschaffen und, da ich es für die Geschichte brauche, ihr Fähigkeiten gegeben, die die Schwächen des männlichen ausnutzen können, gleichzeitig aber geschaut, dass die beiden in etwa gleich stark sind.
Antagonisten und Nebencharaktere entstehen auf die selbe Weise, sodass alles, was ich bisher über den Plot weiß, auf den Zielen und Motivationen der einzelnen Figuren beruht. Das wird sehr schnell sehr komplex, aber ich glaube, genau das verleiht den Charakteren dann auch die gewünschte Tiefe und macht sie nicht nur zu Statisten. :)

Liebe Grüße,
Wynn

Viskey

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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #9 am: 17 Januar 2015, 14:35:10 »
Mein Erfahrungsbericht: Sie sind da oder nicht.

Ich gehe da, wie Uli, auf Forschungsreise. Mit Factsheets kann ich überhaupt nichts anfangen, die hab ich zwar, aber da stehen Dinge drauf wie: "Hat sich mit 8 mal den Arm gebrochen" - also tatsächlich nur Facts, keine Charakteristika.


Anfangen tue ich mit Figuren, die eine Art "Grundausstattung" haben, also noch sehr grob gezeichnet sind, und deswegen auch noch in gewisser Weise austauschbar. Diese Grundausstattung besteht manchmal nur aus einer unabdingbaren Eigenschaft, die meine Figur haben muss: Ein Soldat zB ist von der Grundausstattung her mal ein mutiger Mensch. Ein Mensch, der aus seiner gewohnten Umgebung gerissen wird und in einer völlig fremden Umgebung ein neues Leben aufbauen kann, muss einigermaßen pragmatisch u/o praktisch veranlagt sein und ein gewisses Durchsetzungsvermögen besitzen.

Das, was meine Figuren dann unverwechselbar und einzigartig macht, kommt erst im Laufe der Geschichte heraus. Ich gehöre deswegen auch zur Fraktion der "Anfänge-immer-wieder-neu-Schreiber". Weil die Leute nicht ganz so agieren und reagieren - und reden - wie ich weiß, dass sie eigentlich sollten, nachdem ich sie etwas genauer kennengelernt habe.

Und dann geht es auch darum, die Figuren richtig einzusetzen. Einmal war die Lösung für eine in jeder Überarbeitung missratene Szene einfach die, das handelnde Personal auszutauschen ... Plötzlich lief's ...
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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #10 am: 17 Januar 2015, 15:09:48 »
Hallo in die Runde,

ich habe mal etwas sehr witziges gemacht, das super funktioniert hat. Ich brauchte für meine Geschichte eine Band und einen jungen Rockmusiker, den Bandleader und meine Hauptfigur.

Ich habe einen jungen Mann, der gerade bei mir Praktikum machte und in einer Band spielte, genommen. Und seine Band gleich noch dazu.  Eins zu eins.

Ich konnte ihn tagsüber beobachten und über seine Musik ausfragen und abends habe ich ihn zu Papier gebracht. Natürlich mit anderem Namen. Das hat super funktionert.  :devgrin:

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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #11 am: 17 Januar 2015, 15:10:20 »
Ich finde mich in fast allen euren Antworten wieder. Deshalb bin ich auch nicht sicher, ob mein eigenes Beispiel anderen nutzt. vielleicht ist es aber auch nur eine Weiterentwicklung.

Auch bei mir sind die Figuren meist in dem Augenblick da, wenn ich sie brauche. Am Anfang hat das auch funktioniert. Um drei junge Leute, die gemeinsam etwas machen, unterscheiden zu können, habe ich sie mit meinen eigenen durchaus widersprüchlichen Stärken versehen und, da Stärken imemr auch Schwächen bedingen, auch mit den entsprechenden Schwächen. Anders formuliert, ich habe sie mit drei sich durchaus bekämpfenden Wesenseigenschaften von mir selbst ausgestattet.

In anderen Fällen habe ich mir ein lebendes Vorbild genommen,d as ich gut kannte, und dann adaptiert. Die Art hat den Vorteil, dass meine Hauptfiguren lebende Menschen sind. Leider klappt das nicht immer.

Im Augenblick brauche ich gleich fünf wichtige Figuren. Drei flogen mir zu, zwei waren nicht mehr als Etiketten. Auch die drei waren nicht gleichstark entwickelt. Aber es reichte, um mit ihnen den Plot zu entwickeln.

Aber mittlerweile habe ich gemerkt, dass ich darüber hinausgehen kann. Meine Prota (ein Mädchen) ist sehr stark geworden und wird immer stärker, je länger ich über sie nachdenke. Ich kann dabei nicht mehr trennen, was zur Erfindung gehört und was bereits Präsentation in der Geschichte ist, denn je stärker sie wird, desto mehr Möglichkeiten gibt sie mir.

Ich kümmere mich dabei nur um drei Aspekte. Ihre Vorgeschichte und ihr Umfeld, ihre Ziele und ihre Motive.
Das reicht. Der Rest ist Feinschliff.
Ob ich damit auch die beiden Etiketten füllen kann bleibt abzuwarten. Sie bieten sich leider nicht an.

Womit ich nie arbeiten kann sind ellenlange Listen, weil die mir nicht sagen, was wichtig ist und was nicht.

Liebe Grüße
Trippelschritt
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Trippelschritt

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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #12 am: 17 Januar 2015, 15:11:38 »
Hallo in die Runde,

ich habe mal etwas sehr witziges gemacht, das super funktioniert hat. Ich brauchte für meine Geschichte eine Band und einen jungen Rockmusiker, den Bandleader und meine Hauptfigur.

Ich habe einen jungen Mann, der gerade bei mir Praktikum machte und in einer Band spielte, genommen. Und seine Band gleich noch dazu.  Eins zu eins.

Ich konnte ihn tagsüber beobachten und über seine Musik ausfragen und abends habe ich ihn zu Papier gebracht. Natürlich mit anderem Namen. Das hat super funktionert.  :devgrin:

T!

So hat man einen richtig guten Ansatz, um plausiblen Menschen zu schaffen. Super. Aber es geht noch mehr.
Trippelschritt
« Letzte Änderung: 17 Januar 2015, 19:38:05 von Trippelschritt »
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Viskey

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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #13 am: 17 Januar 2015, 17:40:49 »
Ich habe einen jungen Mann, der gerade bei mir Praktikum machte und in einer Band spielte, genommen. Und seine Band gleich noch dazu.  Eins zu eins.

Also da hätte ich Skrupel. So ganz kann man das, glaub ich, sowieso nicht abstellen, dass man sich an lebenden Beispielen orientiert. Aber einfach abschreiben? Ich weiß nicht, das könnte ich nicht. Nur meine (damals) beste Freundin hat mal als direktes Vorbild hergehalten. Aber die ist Schauspielerin ... Die lebt von fremden Rollen ...  :rotwerd:

Aber selbst sie hab ich nicht 1:1 übernommen - und sie hat sich mittlerweile auch stark weiterentwickelt ... also die Figur

EDIT: ... meine Freundin auch, wenn ich's bedenke.
« Letzte Änderung: 17 Januar 2015, 17:43:57 von Viskey »
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Trippelschritt

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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #14 am: 17 Januar 2015, 19:36:44 »
Wahrscheinlich geht die 1:1 eh bei der Umsetzung verloren. Die meisten Figuren entwickeln ein Eigenleben.
Gut so.

Liebe Grüße
Trippelschritt
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zac

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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #15 am: 18 Januar 2015, 08:36:12 »
Vorbemerkung: Einen Roman habe ich noch nie (fertig) geschrieben. Einen vor Jahren begonnenen Krimi musste ich aus beruflichen Gründen nach etwa vierzig Seiten abbrechen, und von einem vor etwas mehr als einem Jahr begonnenen Gegenwartsroman "stehen" (mit Vorbehalt gesagt) zirka 80 bis 100 Seiten - von "geplanten" zirka 350 - also bereits viel zu viel: Denn, wenn ich im gleichen Erzähltempo bis zum Schluss meines (inzwischen doch geplanten) Plots weiter schreibe, kommen am Ende gefühlte 500 Seiten raus.
Das scheint mir, summa summarum, noch nicht viel Erfahrung in der Anlage von gründlich ausgeschriebenen Figuren zu sein.

In den Kurzgeschichten, von denen ich viel mehr (und diese auch fertig) geschrieben habe, werfe ich ja sozusagen nur ein kurzes Spotlight auf einen Prota + höchstens einen Antagonisten + eine Randfigur. Und die entwickeln sich bei mir tatsächlich aus ersten Worten - sowohl aus Dialogen als auch aus einer ersten Szene, in der (wörtlich zu verstehen) mir in der Phantasie spontan eine Figur auftaucht, die sich in einer jeweils bestimmten Situation befindet + handelt und redet.
Das heißt: In Kurzprosa kann ich mich als Autor einfach davonstehlen, sobald ich ernsthaft zu überlegen + zu planen hätte. Eine Shortstory ist bloß ein One-Night-Stand des Autors mit seiner Figur; dafür muss man sich gegenseitig nicht so gründlich kennenlernen. Wird aus der Blitzliebe mehr, wird's ein Roman.  :devcool:

Habe ich seine Ausgangssituation geschrieben, schaue ich mir den neuen Prota erstmal an, frage ihn oder sie - was seltsam klingen mag, aber ich bin eben tatsächlich ein Bauchschreiber - quasi (nicht wirklich  :cheer: ) "Was bist denn du für einer?" - Dann phantasiere ich nicht mehr nur spontan (aus dem Bauch heraus) sondern beginne zu überlegen, wie der sich in welcher jeweiligen Situation wohl verhalten wird + was für einer das denn sein wird + passend zum Thema der Geschichte sein muss, damit der Text am Ende möglichst in sich konsistent wird - mit einer möglichst glaubwürdigen Figur darinnen.

Hier könnte ich eins zu eins die Worte von Uli (Autor erforscht seinen Prota, sobald der sich ein kleines erstes Stückchen weit wie von selbst gezeigt hat) einfügen - und genau so die Worte von Parzifal (dem Autor fliegt eine Figur erstmal so zu, dann überlegt er sich, wie sich diese entsprechend zu seiner - des Autors - Textidee verhalten wird + verhalten muss).

Ja, es erscheint mir sogar so, dass meine Protas im Verlaufe der Geschichte mitbestimmen, wie es weiter geht  ;) - sofern ich nicht an ein von den Veranstaltern eines Schreibwettbewerbes vorgegebenes Thema gebunden bin. Mein derzeitiger Prota kann ganz schön nölig werden, wenn ihm meine Fortsetzungen nicht in den Kram passen - und genau so nehme ich ihn an: Er ist eben manchmal nölig  :devgrin:

Im Ernst: Ich überprüfe also in meinem Hinterstübchen während des Schreibens ständig, ob die Dialoge + Handlungen so wie ich sie schreibe denn auch zum Prota sowie allen beteiligten Figuren passen.

So betsteht meine Arbeit in manchen Phasen mehr aus Schreiben, in anderen Phasen mehr aus Korrigieren, Redigieren, kurz: aus Ändern, Verbessern (hoffentlich) sowie aus Rumbasteln am Plot + an Figuren, dann wieder mehr aus Planen, Überlegen, wo der Plot - aus dem Text heraus gelesen - logisch langgehen will + muss, et cetera.
Damit "steht" meine Geschichte entweder - oder der jeweils zuletzt geschriebene Teil ist eben Mist (und wird demgemäß in der Tonne, respektive mittels Delete-Taste entsorgt). Auch einen älteren Teil, von dem ich bis dato geglaubt hatte, er stünde felsenfest + unverzichtbar "so fertig, wie er ist", musste ich nach reiflichem Grübeln rausreißen (auch aus meinem Herzen) und ihm viel Glück für sein Weiterleben im Papiercontainer wünschen. Da sterben dann auch Dialoge + Erinnerungen meiner Figuren mit. - Verzeihung, ich übertreibe (mal wieder) ein wenig.

Aus diesen Gründen schreibe ich nicht nur Listen mit allen möglichen Merkmalen, Eigenschaften, äußeren und inneren Besonderheiten der Charas auf, sondern auch tatsächliche Neben- und Vorgeschichten - die mir auch wieder spontan einfallen - und die mit dem Plot + dem Setting des eigentlichen Manuskriptes gerade mal nur so viel zu tun haben, dass ich eben meinen Prota + seine Mitstreiter im wahrsten Sinn des Wortes kennenlerne .

Übrigens hilft mir inzwischen doch auch ein Exposé (schon mindestens 5 Versionen davon; Kürzungen nicht mitgezählt) um heraus zu finden, wo + wie es mit "meinen Püppchen in Buchstaben" letztendlich lang gehen soll. Genauer gesagt: wo + wie die selber da hin wollen.
« Letzte Änderung: 18 Januar 2015, 09:09:37 von Zachi »

Ionasa

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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #16 am: 18 Januar 2015, 09:19:15 »
Bei mir ist es auch eher so, dass die Figur plötzlich auftaucht (in meinem Kopf/ auf dem Papier) und ich sie dann kennenlerne.
Manche entwickeln sogar richtig Eigenleben ... das sind eigentlich die schönsten Momente   :devcool: Zum Beispiel tauchte in meinem Pferderoman ein Shetlandpony auf, das eigentlich nur eine kleine Nebenrolle hatte ... dann hatte ich sinnbildlich gesprochen, beim Schreiben plötzlich das Gefühl, ich werd von einer vorwitzigen Ponynase unter den Ellenbigen gestubst mit einem vehementen "Mehr von mir!" der Background des Kleinen kam ganz von selbst und mittlerweile ist er eine äußerst wichtige Hauptfigur...  :hehe:
Keine Ahnung, wie das passieren konnte!
In einer anderen Geschichte musste ich mit dem Schreiben aufhören, weil meine beiden Mädels aufgehört haben sich anzuzicken und in Konkurrenz zueinander zu treten ...da müsste ich dringend an den Background gehen, um zu sehen, wieso dass denn nun passiert ist ... obwohl ich den Plot durchgeplant hatte!
Aber eigentlich mag ich es, wenn meine Figuren ein Eigenleben haben! Ich hoffe nämlich, dass das ein Zeichen dafür ist, dass sie "funktionieren"  :devgrin:

Mooncat

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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #17 am: 20 Januar 2015, 19:05:31 »
Figuren ... Mit meinen Figuren habe ich eher selten Mühe.
Wie bei einigen von Euch kommen viele der Charas mit ihren grossen und kleinen Charakteren daherspaziert, fixfertig. Meine Aufgabe ist dabei dann eher, aus ihnen all die Informationen herauszukitzeln, die ich wissen will / muss. Das kommt aber wahrscheinlich auch daher, dass ca. 80 % meiner Ideen mit den Charas anfängt. Dann kommen sie eben daherspaziert, erzählen mir etwas von ihrer Vergangenheit und den Problemen, die sie aktuell quälen und daraus entwickelt sich dann Plot und Welt.

Dass ich erst Plot oder Setting habe und dann quasi ein Casting für die dafür notwendigen Charas machas muss, ist für mich selten. Aber kommt neuerdings auch vor, von daher ist es doch gerade eine gute Übung, darüber zu reflektieren.

Aber ich fange erst mit den Leichten an:
Die fertigen Charaktere zum Kennenlernen
Woher kommen sie?
Keine Ahnung. Einige meiner Charas haben sich aus fanfiction entwickelt, wo meine Ideen für eine existierende Figur diese so verändert haben, dass sie nicht mehr in-character waren. Teilweise noch nicht einmal mehr das selbe Geschlecht hatten ... Ich nehme an, dass mir das aber unterbewusst schon die Richtung gegeben hat, in welche Richtung ich diese Charaktere haben will.
Einige Male habe ich auch etwas geschaut oder gelesen - und dann eine Situation festgestellt oder mich über etwas Dummes (in meinen Augen) so aufgeregt, dass ich dann gleich meine eigene Geschichte dazu entwickelt habe - auch hier waren die Stereotypen der Charaktere dann schon fast gegeben, weil ich die ja brauchte, damit der neue Plot damit funktioniert. Was aber schlussendlich auch eine Gefahr ist, denn aus dem Stereotyp herauszukommen und den Charakter zu einer eigenständigen, lebendigen Figur zu machen ist meiner Erfahrung nach in dem Fall doppelt so schwierig.
Einen lebenden Menschen als Vorlage für einen Charakter verwendet habe ich erst einmal - und obwohl die Figur nur eine kleine Rolle hat und sich ziemlich vom Vorbild unterscheidet, ich bin da sehr unsicher, denn ich habe unheimlich Mühe, die Figur vom Menschen zu trennen.
Und schliesslich gibt es einige, die kommen wirklich mit einem Plop aus dem Nichts et voilà, ich habe dann gefälligst zu schauen, dass ich denen eine angemessene Geschichte verpasse.

Stereotypen
Ein Wort noch zu Stereotypen. Wie vermeide ich den Stereotyp?
Da frage ich mich zuerst einmal, was genau eigentlich noch Stereotyp ist und was nicht. Im Grunde genommen ist schlussendlich jeder Charakter ein Stereotyp: Held, Antiheld, 'Böse' ... In irgendeine Kategorie kann man sie schlussendlich immer schieben.
Ich denke, am wichtigsten ist einfach, dass die Figur echt wirkt. Und für mich wird eine Figur echt, je mehr ich darüber weiss. Hintergrund, Beweggründe, Lebenseinstellung/Glaube, Verhalten, Sprache, Gedanken, Wünsche - einfach alles, was mir mehr über den Charakter der Figur verrät.

Wie lerne ich sie kennen?
Durch Interaktion. In der Regel, wenn mir so ein Charakter zuläuft, fange ich an, ihn diverse Szenen/Situationen durchlaufen zu lassen. Hier sollte ich mal vorausschicken, dass ich auch kaum je nur einen Charakter neu hinzubekomme. Die kommen bei mir in der Regel im Paar an - und nein, nicht die Hauptfigur und der Antagonist, sondern das weibliche, bzw. männliche Pendent zum Hauptcharakter. Schlicht weil für mich eine Geschichte ohne Knisterpotential nicht interessant ist. Wo nur Männer zentrale Rollen tragen ist für mich genau so uninteressant wie wenn es nur Frauen sind. ISSO. Wenn der Antagonist schon mitkommt, dann meistens als Dritter im Bunde. Und so ist es leicht, die Charas untereinander agieren zu lassen.
Notabene läuft das alles noch immer im Kopf ab. Zu Papier bringe ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Dafür weiss ich noch zu wenig. Was für Situationen das sind hängt starkt von ihrer Geschichte ab. Wenn ich es sehr grob verallgemeinere ist da sicher immer eine Gefahr-Szene (klar, was sonst? Muss die Figuren doch gleich etwas quälen und foltern  :devevil:), eine reflektive Szene des Charakter und mehrere mit Dialog dabei. Denn wie einige schon gesagt haben, zu 'hören', wie sie sprechen und was sie so zu sagen haben, aber auch, wie sie andere ansprechen, ist für mich ein zentraler Indikator für den Charakter der Figur.
Im Übrigen brauche ich da auch Miniszenen aus verschiedenen Zeitebenen, v.a. aus Anfang und Ende (hmm - vielleicht habe ich daher immer so Probleme mit der Mitte, weil ich schon hier kaum Mitte-Szenen habe ... :watchout:). Nur so kriege ich ein vertiefteres Gefühl für den Charakter. Und kann Vergleiche ziehen zwischen Anfang der Geschichte und dem Ende (und darüber hinaus), damit ich sehen kann, wo sich die Figur entwickeln muss - und in welche Richtung.
Ich nenn das ja gerne fanfiction, zumindest später, wenn es dann ein definitives Projekt geworden ist. Meist Zeugs, das ich nie in der Geschichte verwende oder viel zu überspitzt ist, als dass ich sie später brauchen kann - eben klassische fanfiction. Halt nur zu meiner eigenen Geschichte, die nur ich kenne. Aber ich mag dieses Überspitzen - so kann ich mich im Kopf austoben und habe keine Grenzen whatsoever und kann mich dafür dann, kommt es bis zum Niederschreiben, dort auf dem Boden der 'Realität' bewegen.

Zitat
Nenn' ich dich, so kenn' ich dich.
Andreas Hofer
Namen
Oder auch diese Redewendung passt: Names make news
Ohne Namen läuft bei mir nichts. Ein paar wenige Figuren stellen sich mir gleich mit Namen vor - die meisten zieren sich leider etwas. Spätestens ab da, wo ich die Figuren in meinem Kopf interagieren lasse, brauche ich aber langsam einen Namen - allerspätestens, wenn die ersten Dialoge kommen. Früher oder später müssen sich die ja irgendwie ansprechen. Und so geht die Suche los. Manchmal, wie gesagt, kein Problem. Der Name, der sich 'richtig' anfühlt, kommt zum Glück relativ schnell. Bei manchen suche ich noch immer ... Aber wenn es dann endlich Klicl macht - Wow, was für ein Klick ist das dann! So ähnlich wie in Spielen, wo du endlich all deine Teile/Artefakte zusammen hast und der ultimative Schlüssel fügt sich in einem Feuerwerk und unter Fanfaren zusammen ...  :wech: Tja, aber so ein Effekt hat da bei mir in etwa. Der Name ist für mich der Identifikator, aber viel wichtiger noch, der Schlüssel, um nun wirklich in die Tiefe des Innenlebens der Figur eintauchen zu können.
Vielleicht erklärt sich deshalb auch, weshalb bei mir spätere Namenswechsel nicht in Frage kommen. Der Name ist so mit der Figur verwachsen, da ändert sich der ganze Charakter, wenn der Name wechselt.
Es ist, wie ich gerade merke, auch bezeichnend dass meine Projekts-Arbeitstitel meist einfach den Namen der Hauptprotas entsprechen. Denn es ist eigentlich nie die Geschichte über das Problem oder den Konflikt - sondern die Geschichte von X und/oder Y.
Und mit dem Namen kommt dann bei mir auch die Zeit, wo ich zum ersten Mal etwas zu Papier bringe und erste Notizen zum neuen Projekt mache - selbstredend unter dem Namen des Protas.

Fragen, fragen, fragen ...
Jetzt geht die Knochenarbeit los. Die Charas kenne ich zwar mittlerweile ganz gut, gut genug, um zu wissen, wo ich nachbohren muss - aber das muss halt geschehen. Und durch die verschiedenen Situationen habe ich schon gute Ideen für die Konflikte und den zentralen Plot gekriegt. Aber das muss nun alles ausgearbeitet werden, die Welt in ihren Grobzügen und Details erschaffen werden und dann die Nierenprüfung, ob das alles im Gesamten 'verhet'. Über Plot und Weltenbau sprechen wir wohl noch separat, ich bleibe hier jetzt allein bei der Figur, bzw. den Figuren - aber es ist schon so, dass von hier an alles extrem eng miteinander verknüpft ist bei mir.
Spätestens jetzt kommt ein ganzes Rudel an neuen Charakteren zusammen, die auch kennen gelernt und befragt werden müssen. Was meine Hauptfiguren angeht, nun, da ist das Motto wie oben genannt klar: Fragen. Fragen zu Hintergrund, Fragen zu Motivation, Fragen zu Verhalten, Fragen zu Wünschen und Träumen und Ängsten. Was hassen sie, was lieben sie? Wen hassen und lieben sie? Wie nehmen sie sich selbst wahr, wie nehmen die anderen Charas sie wahr? Und, und, und ... Da gibt es sicher Standardfragen, wie wir sie selbst auch oft genug hören bei diversen Anlässen, aber doch auch sehr spezifische, die sich nur aus Plot und Setting ergeben.
Und das geht so weiter, bis ich das Gefühl habe, so, jetzt reichts. Mehr finde ich nicht heraus, solange ich nicht schreibe und sehe, wie sich der Plot - und der Charakter im Plot - so entwickelt.

Schreiben
Trotz aller Vorarbeit - mir ist noch nie passiert, dass ich die ersten paar Seiten geschrieben habe - und keine neuen Fragen aufgetaucht sind. Und wenn es nur so banale sind wie wie die Figur denn eigentlich aussieht. Was ich völlig wurscht finde, ausser das Aussehen hat einen direkten Einfluss auf die Charakterisierung und den Plot. Und spätestens ab da brauche ich dann ein Charaktersheet, denn ich kann mir doch nicht merken, wie gross sie nun sind und welche Haar- und Augenfarbe eine Figur hat ...
Erfahrungsgemäss, je mehr ich schreibe, desto mehr weitere Fragen tauchen auf. Aber immerhin, nachdem dann auch die ersten spontanen Fragen durch und beantwortet sind und ich ein Gefühl für die Sprache der Geschichte bekommen habe, kann es dann endlich in einen relativ ständigen Schreibfluss übergehen - bis die nächste Frage einen Damm aufwirft.

Überarbeiten
Und steht die Geschichte mal, geht es weiter mit der Feinarbeit. Ist die Figur kongruent? Reagiert sie überall so, wie sie reagieren muss, bzw. wie es für diese Figur logisch ist, zu reagieren. Stimmt die Stimme? Wenn eine Szene hapert, woran liegt es (meist an der Figur ...). Und noch mehr Fragen gehen zwischen mir und der Figur hin und her.

So, und jetzt noch zu der mir viel unbekannteren Variante:
Die Charaktere zum Besetzen
Wie gesagt, diese Methode kenne ich weniger, sammle da eigentlich erst noch die Erfahrungswerte. Vieles deckt sich sicher mit dem Obigen, eigentlich ist nur die Frage, woher sie kommen eine andere. Was danach kommt, ist eigentlich gleich, setzt aber halt nur viel später ein.

Wie entstehen sie?
Gut. Ich habe also ein cooles Setting. Oder einen interessanten Konflikt. Dummerweise ist das aber das einzige, noch keine Ahnung, wie das umgesetzt werden kann.
Zuerst entwickle ich die Idee weiter. Denke, das schauen wir dann auch an anderer Stelle an, aber im Groben: Aus meinem Setting wird eine ganze Welt. Und da keine Welt perfekt ist (sonst wäre sie ja langweilig), werden sich daraus schnell erste Konfliktherde ergeben. Oder aus meinem Konflikt wird ein Plot - der in Folge wahrscheinlich auch schon ein gutes Bild des dafür benötigten Settings ergibt. Sobald ich genug davon zusammen habe, sehe ich schnell, was ich für Grundtypen brauche - oder halt auch Stereotypen. Und so stelle ich quasi eine Besetzungsliste auf, für die ich dann vage Ideen von Figuren zur Bewerbung antreten lasse. Sobald es Klick macht und ich die Hauptrollen habe, ergibt sich dann schnell auch das Umfeld dieser Person. Und wie gesagt, der Rest des Prozesses ist dann in etwa gleich.

Meine Erfahrung bislang ist, dass es für mich auf diese Weise viel länger und schwerer geht, die Figur zu fassen und zu verstehen. Ich fühle mich bei den Figuren auch sehr viel weniger sattelfest, als wenn es von der Figur ausgeht. Schlussendlich ist gerade da meine Angst vor der Stereotypenfalle auch viel grösser, da ich sie so schwer zu fassen bekomme und sie quasi ihren Beginn so bekommen habe: Ach ja, hier brauche ich einen Politiker, da eine Rebellin und dort bitte noch einen Pazifisten und das abzuschütteln finde ich viel schwerer, als wenn die Figur da ist und ich schaue, welche Rolle sich für sie ergibt.
Aber was ich auch feststellen muss, ist, dass dafür die Welten und der daraus kommende Plot meist sehr viel komplexer ist, als ob die Komplexität der Figuren aus der ersten Variante sich da quasi wie verlagert und dadurch Setting oder Konflikt fast zentraler werden als die Figuren, die sie tragen. Allerdings, ich steck da ja eh noch in der Plot oder Anfang Rohversion-Phase, daher ergibt sich das vielleicht ja noch.

Wenn ich aber wählen kann, dann bitte der Charakter zuerst!

Danke für den Anstoss, Trippel. Hat gut getan, meine Figurenentwicklung mal ganzheitlich auseinanderzunehmen und zu reflektieren.
« Letzte Änderung: 20 Januar 2015, 19:24:40 von Mooncat »
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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #18 am: 21 Januar 2015, 08:06:56 »
Wow, das ist schon beinahe ein Schreibratgeber.
Und wenn es bei Dir schon so gut läuft, ist es im nächstenSchritt interessant,
noch mehr aus Deinen Figuren herauszuholen.

An zwei Stellen möchte ich nachhaken.
1. Stereotypen sind nicht festgelegte Rollen oder Schubladen. Stereotypen sind (in diesem Fall9 Figuren,
die den Erwartungen der Leser entsprechen und deshalb so schnell vergessenw erden, wie sie gelesenw erden.
Wenn der Held groß, stark, blond, unwiderstehlich und unbesiegbar ist, dann ist er langweilig.

2. Fragen, mit denen Du Deine Figuren durchlöcherst.
Welches sind Deine drei oder fünf wichtigsten Fragen, auf die du unbedingt eine Antwort brauchst?

Liebe Grüße
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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #19 am: 21 Januar 2015, 10:41:49 »
Zitat
Wow, das ist schon beinahe ein Schreibratgeber.
Och, ich weiss nicht. Das ist einfach, wie ich an eine Figur herangehe, einfach mal wirklich Schritt für Schritt auseinandergenommen.

Zitat
Und wenn es bei Dir schon so gut läuft, ist es im nächstenSchritt interessant,
noch mehr aus Deinen Figuren herauszuholen.
Wäre das Ziel, nicht? Aber ja, wie gesagt, bei meinen Figuren habe ich tatsächlich nur selten Probleme. Gibt es natürlich auch, ein paar zeigen sich immer bockig, aber selbst bei denen kenn ich sie eigentlich dann genug, um zu wissen, wo es hakt. Und dann gibt es ja noch die Couch, auf die ich sie im schlimmsten Fall fesseln setzen kann.  :devgrin:

Zitat
An zwei Stellen möchte ich nachhaken.
1. Stereotypen sind nicht festgelegte Rollen oder Schubladen. Stereotypen sind (in diesem Fall9 Figuren,
die den Erwartungen der Leser entsprechen und deshalb so schnell vergessenw erden, wie sie gelesenw erden.
Wenn der Held groß, stark, blond, unwiderstehlich und unbesiegbar ist, dann ist er langweilig.
Du vergisst den weissen Schimmel. Und bitte schön - er muss dunkle Haare haben ...  :biggrin:
Klar brauchen die Figuren als erstes gleich mal ein paar Fehler und Quirks - das Problem mit dem Anti-stereotyp ist, zumindest für mich, dass er dann auch schon wieder zum Stereotypen wird. Verpassen wir ihm eine Behinderung, eine geistige Störung, eine derart gewaltige Depression, dass es ein Wunder ist, dass er überhaupt noch irgendetwas macht ausser rumsitzen und zu jammern oder aber dann ist er ein skrupelloser, gewissenloser braun- oder rothaariger Typ - der dann plötzlich ein Gewissen bekommt. Oder nicht, aber dann wird es schwer mit dem Identifizieren. Genauso gähn. Dass eine Figur nicht in diese Fallen tappt, dafür braucht es beides.
Und, das darf man dann doch auch nicht vergessen - es ist auch Geschmackssache. Ich persönlich brauche z.B. keine kranke Type als Prota. Oder wenn, dann nur für ein kurzes Intermezzo. Oder von mir aus auch für einen Film oder eine Serie, wo man nicht ganz so sehr im kranken Kopf drinnen ist.

Zitat
2. Fragen, mit denen Du Deine Figuren durchlöcherst.
Welches sind Deine drei oder fünf wichtigsten Fragen, auf die du unbedingt eine Antwort brauchst?
Hmm. Gute Frage. Sehr gute Frage. Ganz ehrlich bin ich mir nicht sicher, ob man es ganz von Plot oder Setting trennen kann, aber ich schau mal:
  • Was willst du?
    Ganz wichtige Frage, wenn auch sehr verallgemeinert. Aber es gibt mit die wichtigsten Eckdaten zu Streben, Ziel, manchmal auch schon Motivation, also wichtig für Plot, Konflikt und ev. auch Setting.
  • Was stört dich?
    Das kann von kleinen Ticks (z.B. wenn ein Tischtuch nicht gerade liegt -> führt zu ersten Fehlern oder 'Mäkeln', damit es eben eine reale Figur wird und kann in Extremfällen auch zu Plotwenden führen), über grössere Ägernisse (der Nachbar, der die Haupttüre ständig offen lässt -> ah, da haben wir schon viel Potential, kann von Einbruch, Mord am Nachbarn bis hin zu Überfall/Entführung der Figur alles - und nichts - sein) bis hin zum ultimativen Ärgernis, dass schon in Glaubensfragen ausarten kann (und die wahrscheinlich dann schon in der ersten Frage auftaucht, aber man weiss es ja nie. Einige sind ja so tight-lipped ... Beispiel gibt es viele, z.B. der Diktator, der meine ganze Familie und die meisten Freunde umgebracht hat und bitte endlich gestürzt werden soll - und schon habe ich meinen Rebellenplot
  • Woher kommst du?
    Auch hier weitreichende Möglichkeiten, die mir vor allem viel über den Hintergrund und dadurch über die Motivation verraten. Und das Setting. Und wenn ich Glück habe auch den Plot. Das fängt ganz einfach an mit wo er gerade lebt (Land, Stadt, keinen Wohnsitz, Planet, auf einer Wolke, im Wasser, im Nichts ...), wer seine Familie ist (Eltern, Reagenzglas, Ei, Geschwister oder nicht, etc.), aus welchen Verhältnissen er kommt (Monarch, reich, arm, Arbeiter, Drohne, Mittelstand, Strasse etc.) aber auch im psychischen Sinne (von Wolke 7, da ich gerade frisch verliebt bin oder der Hölle, weil ..., aus dem Nichts, weil ich die letzten 100 Jahre geschlafen habe, etc. Einige könnten hier sicher auch noch Philosophischen Sinn entdecken, von Gott, aus der Feder eines Überwesens, von Frankenstein zusammengemixt etc., aber das ist weniger meins. Na ja, ausser vielleicht Sophie und Frankenstein ... Aber im hiesigen philosophioschen Sinne - ne.
  • Wen liebst du?
    Wie gesagt, für mich immer eine der ganz zentralen und wichtigen Fragen. Es muss dabei auch nicht auf eine Liebesgeschichte hinauslaufen. Es kann auch ganz banal in dem Sinne sein, was, bzw. welcher Typ ihn anturnt, ihr das Höschen befeuchtet, bis hin zur grossen Frage, wer ist dein/e Seelengefährt/in. Aber ich muss wissen, worauf sie stehen, damit sie ihr Gegenpart bekommen können und es ordentlich knistern kann. Das im Übrigen gar nicht unbedingt dem entsprechen muss, was sie sich vorstellen. Aber kann. Und je nachdem kann es nätürlich auch zu Verwirrungen und Intrigen führen. Okay, ich hör jetzt besser auf, bevor ich da ausarte. Wird eh keine Frage sein, die viele als zentral ansehen, oder zumindest so zentral wie ich.
  • Was liegt dir sonst noch auf dem Herzen?
    Okay, ich weiss, was er will, woher sie kommt, was sie stört und wen sie im Bett haben wollen - das deckt eigentlich so ziemlich alles ab. Natürlich nicht mit nur einer Frage, erfahrungsgemäss muss man da immer wieder nachhaken gehen, aber ich denke, die meisten Fragen bewegen sich unter diesen Hauptkategorien. Und decken die Fragen ab, die mir überhaupt in den Sinn kommen können.
    Mit dieser Frage kann ich schauen, ob ich nicht doch etwas vergessen habe - oder zu ungenau gefragt habe - aber noch viel wichtiger, es gibt mir die Gelegenheit, "outside the box" zu denken. Und nein, keine Beispiele - da müsste ich ja meine gewohnten Pfade verlassen! - aber auch, weil ich denke, dass dies auch stark von Plot und Setting abhängt. Eine Frau in Jeans völlig normal in Europa von heute - aber, äh, in der Höhle, vor der Nase eines Säbelzahntigers? Ein Vampir an sich ist nichts ungewöhnliches - aber huch, was hat er denn im Weltall verloren? Und so weiter und so fort.

Uff. Ging doch getrennt von Plot und Setting. Wobei man schnell sehen kann, wie alles zusammenhängen kann.
Nochmals danke für den Anstoss, Trippel! Spannend.
« Letzte Änderung: 21 Januar 2015, 11:24:31 von Mooncat »
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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #20 am: 21 Januar 2015, 11:56:34 »
Danke,
stelle ich meine Fragen mal daneben

1. Wo kommst du her? Das ist u.a. eine frage des Settings.

2. Was willst du? Figuren müssen ziele haben.

3. Warum willst du das? Ohne Motive zu kennen sind die Ziele Zufallsprodukte und meist langweilig.

Es gibt noch mehr Fragen, die liegen für mich aber entweder in der zweiten Reihe oder aber sie zeigen nur einen anderen Aspekt und sind in diesen drei Fragen enthalten. Dazu gehören:

- Was würde passieren, wenn die Figur ihr Ziel nicht erreicht?
- Welche sind die Stärken und Schwächen der Figur
- Wie weit würde er gehen, um sein Ziel zu erreichen
- Wie weit ändert er sich in der Geschichte (Er muss sich nicht ändern. Ein Muss nur in Entwicklungsromanen)


Und dann gibt es noch Fragen, die ich aber nicht listen kann, weil sie sich erst ergeben, wenn ich die obigen Fragen beantwortet habe und Teile vom Plot existieren. Es sind die Fragen zum Detail der Figuren oder solche, die sich aus einer Szene ergeben.


Liebe Grüße
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« Letzte Änderung: 21 Januar 2015, 11:58:10 von Trippelschritt »
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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #21 am: 21 Januar 2015, 12:37:55 »
Zwei Fragen decken sich also schon. Die dritte eigentlich auch, denn für mich ist das die Frage nach dem Stören - oder kommt dann sonst spätestens auf dem Fuss von Was willst du ...

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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #22 am: 21 Januar 2015, 13:54:23 »
Das sehe ich auch so, Mooncat.
Vielleicht habe ich noch einen Tipp für Dich.
Ich selber tendiere ja dazu, Figurenerfindung, Figureneinführung und Figurenpräsentation in meinen Notizen getrennt zu behandeln, auch wenn diese drei Aspekte durchaus Gemeinsamkeiten aufweisen.

Ich bin jetzt über einen Schreibratgeber von Orson Scott Card gestolpert, der sich mit Figuren beschäftigt.
Der geht völlig anders an die Thematik heran. Zwar bietet er mir von den Informationen her nicht viel Neues, aber seine Sichtweise tritt ständig Ideen los bei mir. Und das hat was.

Keine Ahnung, ob es ihn auf Deutsch gibt, aber Du hast ja eh kein Problem mit deinem Englisch.

Liebe Grüße
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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #23 am: 25 April 2017, 20:19:11 »
@Trippel

ich hab mal nach dem Schreibratgeber von Orson Scott Card gesucht, ihn leider aber nicht gefunden. Könntest du mir mal den Titel nennen?

Schade, dass die Diskussion hier beendet wurde. Ich fand es sehr interessant und bin erleichtert, dass ich nicht die einzige bin, die Probleme damit hat, im Vorneherein die Figur klar zu zeichnen. Ich gehöre wohl zu der Fraktion, die ihre Figuren im Laufe der Geschichte kennen lernt. (Und dann muss ich auch manchmal an den Anfang zurück und den ein oder anderen Dialog überarbeiten, weil er nicht mehr wirklich zur Figur passt, so wie sie sich dann entwickelt hat.)

Vieles, was die Figuren anbelangt, läuft bei mir ganz instinktiv ab. Aber jetzt, wo ich drüber nachdenke, finde ich, dass die beiden Themen plot und Figuren zu eng verknüpft sind, als dass man sie trennen könnte. Für mich ist z.B. ein wesentlicher Aspekt, dass ich in irgendeiner Form Freude an der Figur haben kann, sonst erstickt sie mich beim Schreiben. Zeichne ich also einen Tyrannen (der General) wie in meinem ersten Buch, dann hat er - allen Übels zum Trotze - z.B. Humor.

Die meisten Eigenschaften sind (bislang bei mir) aus der Position der Figur vorgegeben. Hat also der Tyrann (Nebenfigur) einen zweiten Stellvertreter (eine der Hauptfiguren), so sind ja bestimmte Eigenschaften vorgegeben, ohne die man eine solche Position nicht erreicht: Stärke, Klugheit, Ehrgeiz. Da ich ja auch mehr so in Richtung Bauchschreiber gehe und den plot nur ansatzweise und manchmal gar nicht kenne, muss ich mehrere  Optionen offen halten. Also lege ich einen kleinen Keim in ihm an, der ihn zweifeln lässt. Dieser Keim des Auflehnens widerspricht sich aber mit seinem tief verwurzelten Glauben. Ich weiß selbst noch nicht, ob es am Ende gelingen wird, ihn auf die andere Seite zu ziehen, auch wenn das im Moment noch so geplant ist, und was es braucht, um das bewirken (obwohl ich da natürlich auch schon Ideen habe, aber ich habe schon lange nicht mehr an der Geschichte gearbeitet und weiß noch nicht einmal, ob ich das Projekt weiterführen werde).

Vielleicht ist die Frage, die hier gestellt werden sollte, die: Wie entwickle ich Figuren mit möglichst viel Konfliktpotential für die Geschichte? Was lege ich in dem Bösen an, dass ich ihn - in der Stunde der Not - doch auf meine Seite ziehen kann oder ihn überlisten oder eine Schwäche ausnutzen kann? Was lege ich in meinem Verbündeten an, dass er mich - in der Stunde der Not - im Stich lassen wird? Kehrt er zurück und hilft mir doch? Welche Erwartungshaltung lege ich an, damit ich sie durchbrechen und - gegebenenfalls - der Geschichte eine neue Wendung geben kann? Das heißt ja noch lange nicht, dass ich das ausschöpfen muss.

Und die andere Frage: Was ist mit den Nebenfiguren?

Wie differenziert müssen / dürfen die sein? Ich hab mal in einem Ratgeber (ich glaube es war: Wie schreibe ich einen Bestseller) gelesen, dass die Nebenfiguren ruhig mit Stereotypen besetzt sein dürfen. Das erleichtere es dem Leser, sich in der Geschichte zurechtzufinden. Dem stimme ich zu. Es darf der joviale Wirt auftauchen, oder auch der brummige, mürrische Wirt, der dem Prota das Bier einschenkt und eine Info rausrückt.
(Allerdings stand im selben Buch auch, es gäbe so etwas wie eine optimale Anzahl an Hauptfiguren, je nach Länge des Buches zwischen 3-4 bei kürzeren Werken und max. bis zu 7-8 bei längeren Werken. Die optimale Erzählperspektive sei, bei den Hauptfiguren jeweils aus der Sicht der Hauptfigur zu schreiben, und bei allen Nebenfiguren den auktorialen Erzähler zu verwenden. Es überfordere den Leser, sich in zu viele Personen hineinzuversetzen. Daraufhin habe ich das Rad der Zeit mit seinen abertausenden Seiten und andere Mehrbänder noch mal gelesen und nur auf Perspektive geachtet. Dieser Aussage stimme ich nicht zu. Es überfordert mich nicht, auch in die Perspektive der Nebenfiguren zu schlüpfen.)

Die klassische Fehlbesetzung ist doch einfach herrlich, vor allem, wenn man gerne auch mit Humor arbeitet. Ich probiere mich ja gerade auch in kürzeren Geschichten, die ich quasi meinen Freunden widme, d.h. ich greife sie auf, lehne die Namen an ihre an, und schmeiße sie in Szenen rein, was ihnen enormes Vergnügen bereitet und mir auch. (Falls ich das jemals veröffentlichen werde, wird der Titel sein: Ode an die Freunde. Eine dieser Geschichten ist übrigens die mit der Bewerbung, wo einfach alles kaputt geht, die dir so gut gefallen hat.)
Also nehme ich z.B. einen Freund, der Ingenieur ist, und schmeiß ihn in eine Welt, in der er plötzlich mit Göttern und Feen und allem möglichen abstrusen Zeug konfrontiert wird. Da darf er ruhig allen Ingenieurswitzen und Klischees entsprechen. Das tut der Geschichte sogar gut, weil dann eben daraus der Konflikt entsteht.

So, und jetzt hör ich auf, hier unnütz rumzulabern. Eigentlich wollte ich ja nur kurz nach dem Ratgeber fragen.

LG
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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #24 am: 25 April 2017, 21:27:39 »
Vielleicht ist die Frage, die hier gestellt werden sollte, die: Wie entwickle ich Figuren mit möglichst viel Konfliktpotential für die Geschichte? Was lege ich in dem Bösen an, dass ich ihn - in der Stunde der Not - doch auf meine Seite ziehen kann oder ihn überlisten oder eine Schwäche ausnutzen kann? Was lege ich in meinem Verbündeten an, dass er mich - in der Stunde der Not - im Stich lassen wird?

Das halte ich für einen sehr guten und wichtigen Punkt.

Und das ist genau das Problem mit einer meiner Figuren. Sie ist eine der Bösen der Geschichte, und zumindest im 2. Teil die treibende Kraft hinter der Verschwörung. Gleichzeitig ist sie die Freundin/Liebschaft von einem der Guten - was sie überhaupt erst in die Lage versetzt, verschwörerisch tätig zu werden, weil sie nur über ihn an die nötigen INformationen kommt.

Das war und ist für mich ein schier unlösbares Problem, dass sie einerseits die ganze Welt in Gefahr bringt für ihre eigenen, falschen Vorstellungen, andererseits aber genug "Gutes" hat, um für einen der "Helden" der Geschichte von Interesse zu sein. Die eine Eigenschaft, die sie zur Antagonistin prädestiniert, ist (übertriebener) Ehrgeiz, und das ist die eine Eigenschaft, die dem Protagonisten völlig fehlt, und die er auch nicht mag. Wie die beiden also zusammenbringen?

Was liegt im Charakter dieser Frau, das ihn anzieht und dazu bringt, diesen Ehrgeiz zu tolerieren?

Vielleicht komm ich über diese Schiene endlich an dieses verdammte Miststück ran ... :begging:



Schön, dass das wieder ausgegraben wurde. :cheer:
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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #25 am: 25 April 2017, 23:27:52 »
@Viskey

Zitat
Und das ist genau das Problem mit einer meiner Figuren. Sie ist eine der Bösen der Geschichte, und zumindest im 2. Teil die treibende Kraft hinter der Verschwörung. Gleichzeitig ist sie die Freundin/Liebschaft von einem der Guten - was sie überhaupt erst in die Lage versetzt, verschwörerisch tätig zu werden, weil sie nur über ihn an die nötigen INformationen kommt.

Das war und ist für mich ein schier unlösbares Problem, dass sie einerseits die ganze Welt in Gefahr bringt für ihre eigenen, falschen Vorstellungen, andererseits aber genug "Gutes" hat, um für einen der "Helden" der Geschichte von Interesse zu sein. Die eine Eigenschaft, die sie zur Antagonistin prädestiniert, ist (übertriebener) Ehrgeiz, und das ist die eine Eigenschaft, die dem Protagonisten völlig fehlt, und die er auch nicht mag. Wie die beiden also zusammenbringen?

Was liegt im Charakter dieser Frau, das ihn anzieht und dazu bringt, diesen Ehrgeiz zu tolerieren?

Auf die Schnelle fällt mir da ein:
- sie ist so etwas wie eine "tolle Frau" - zielstrebig, klug, voller Entschlossenheit und Überzeugung, falsche Überzeugungen, fehlgeleitet, aber das weiß er vermutlich nicht, jedenfalls nicht in vollem Umfang. Sie strahlt eine Sicherheit aus, weil sie genau weiß, was sie will. Sie zeigt Interesse an ihm, an den Dingen, die er tut, vielleicht hegt sie sogar tatsächlich Gefühle für ihn, was er spürt, und er wundert sich und es schmeichelt ihm, dass eine solche Frau sich für ihn erwärmt. Ich würde es - ohne jetzt irgendwelche Einzelheiten zu kennen - vermutlich so anlegen, dass er den übertriebenen Ehrgeiz nicht toleriert, sondern eher wenig wahrnimmt. Aufgrund der Tatsache, dass er sich so zu ihr hingezogen fühlt, auch gar nicht wahrnehmen will.

Aber ich kenne ja die Zusammenhänge nicht, daher nur diese paar Ideen, von denen ich nicht weiß, ob sie dir weiterhelfen, aber vielleicht ist ja ein kleiner Denkanstoß dabei.

LG
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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #26 am: 26 April 2017, 09:19:52 »
Oh wie schön, dass es hier weiter geht. Das Thema Figuren kennt kein Ende.

Orson Scott Card müsste bei Amazon zu finden sein. Characters & Viewpoint (2010) ist der Titel.
Und ja, warum erschaffen wir denn Figuren? Damit wir über deren Konflikte stolpern, denn das ist doch, was die Leser lesen wollen. Konflikte und deren Lösungen. Und das macht ja auch am meisten Spaß zu schreiben. Und ist essentiell für fast jede Art von Spannung.

Und zu den anderen Typs ... Na ja, probiert es aus. Eine lange Geschichte erträgt mehr Figuren als eine kurze. Aber Zahlen würde ich dem nicht zuordnen wollen, vor allem, wenn ich nicht weiß, was kurz und was lang ist.

Liebe Grüße
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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #27 am: 26 April 2017, 12:51:47 »
Also eigentlich sollte das ja jetzt nicht zu einer Baustelle für meine verkorkste Figur werden ...  :rotwerd:

Trotzdem, danke kass! Die "tolle Frau" ist tatsächlich das, worauf er wahrscheinlich anspringt. (Nebst der Tatsache, dass sie in der Kiste bestens zusammenpassen.) - Und sie hat tatsächlich echte Gefühle für ihn, das hilft auch.

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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #28 am: 26 April 2017, 23:22:21 »
Ich finde das "Erschaffen" der Figuren wirklich einfach weil ich bei all meinen wichtigen Figuren das Gefühl habe, dass sie bereits vor der Geschichte existierten. Bei Nebenfiguren ist es dahingehend einfach weil ich mir nur überlege welchen Zweck die Figur erfüllen muss, diesen verpasse ich ihr und meist entstehen daraus 2-3 neue Ideen die ich für diese Figur benutzen kann um ihr Leben einzuhauchen.

Schwierig finde ich eher mir meine Figuren immer wieder bewusst zu machen. Da gibt es Figuren die mir enorm einfach fallen, weil ich sie sehr gut einschätzen kann und andere Figuren bei denen ich immer wieder nachdenken muss in welcher Stimmung sie in der konkreten Situation sind und welche Auswirkungen diese auf den Charakter hat. Auch habe ich häufiger vollkommen unnötig das Gefühl, dass ich diese Figuren in eine bestimmte Richtung dränge, obwohl diese Richtung natürlich ist.
Die Werke die ich am meisten liebe, sind gleichzeitig die, die ich am meisten kritisiere. Im Grunde ist es so, dass eine ausführliche Kritik meinerseits auch eine Anerkennung und ein Glückwunsch ist, denn wenn es einfach nur schlecht wäre, würde ich mir gar keine Gedanken darüber machen.

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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #29 am: 27 April 2017, 09:10:50 »
Die Figuren, bei denen Du nachdenken musst, wie sie sich wohl verhalten werden, sind Figuren, die Dir trotz Vorbereitung nicht vertraut sind. Da kann ich dir nur empfehlen, so lange mit denen zu reden, bis du sie kennst. Sonst fahren sie dir ewig in die Parade, wenn Du schreibst. Ansonsten mache ich es wie Du. Aber es gibt eine Menge von Kollegen, die ihre Figuren erst mit dem Plot wachsen lassen. Jeder macht es etwas anders.

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Re: Die Erschaffung von Figuren
« Antwort #30 am: 27 April 2017, 10:37:08 »
Auch ich skizziere zu Beginn kurz die Figuren. Weiß ich doch, ändert sich sowieso alles.

Denn wenn ich meinen Figuren eine charakterliche Prägung gebe, frage ich mich auch immer, wie ist er wohl so geworden? Wie verhält er sich in bestimmten Situationen? Nur ich weiß ja noch nicht immer, in welche Situationen er kommen wird, bin ja keine 100%iger Plotter.

Bei mir entwickelt sich die Figur auch beim Schreiben, ich muss halt nur aufpassen, dass durch die Veränderung geschriebene Szenen nicht unlogisch werden und ich wieder von vorne anfangen muss. Darüber bin ich bereits wenige Male gestolpert beim Schreiben.

Schwer ist für mich besonders, warum ist er so geworden, wie ich ihn darstellen will. Das ist für mich die Crux. Jeder Charakter hat eine Geschichte. Jetzt weiß ich auch, so sehr in Tiefe muss ich nicht gehen. Das Strickmuster für Charaktere ist viellfältig. Ich nehme gerne das A-Team als Vorlage. Der Mastermind, der smarte Organisator, der irre Allesflieger oder der kampfwütige Koloss. Weitgehend stereotype Charaktere. Da reicht wahrscheinlich ein kleiner Zettel um die Charakterzeichnung vorzunehmen.

Das andere Extrem finde ich aber auch nicht angebracht für Fantasy-Romane. Warum ist meine Figur im Laufe seines Lebens so geworden, wie er zu  Beginn der Handlung ist. Welche Konflikte hat er im Leben durchlebt, um so geworden zu sein. Das wäre des Guten auch zu viel.

Ich versuche eine Mischung zu finden.

Nehmen wir Todd als Beispiel. Defensiver Intellektueller, der möglichst allem  Streit aus dem Weg geht. Will eine ruhiges Leben in der Bibliothek führen, in die er versetzt werden möchte.

Das war so meine Grundausrichtung. Ergänzt wird das Protaensemble durch den draufgängerischen Entscheider, dem irren Kämpfer und der introvertierten Zauberin.

Während ich also schrieb, habe ich mich immer gefragt, wenn jemand bestimmte Fähigkeiten hat, wird er sie nicht nutzen. Also fügte ich hinzu: Bescheidener Wohlstand mag er, nutzt seine Fähigkeiten auch dafür aus, sich mit genügend Geld auszustatten, um sich ein Haus mit Garten leisten zu können.

Dann habe ich mich gefragt, warum ist er so defensiv. Hier habe ich dann die Geschichte so angepasst, dass er als erster aus den unteren Schichten vom Orden ausgebildet wird (Art Universität). Natürlich wurde er angefeindet, von denen, die nicht wollten, dass er da ist. Aus dieser Ablehnung hat sich dann ein Rückzug ergeben. Er meidet Konflikte, schafft es aber sehr wohl, Freunde zu haben.

Letztlich und das macht es für mich schwer, soll meine Figur bis zu einem gewissen Grad das Ergebnis seiner Fähigkeiten und der äußeren Umstände werden. Warum ist jemand so geworden wie er handelt.

Das finde ich schwer und hier muss ich oft korrigieren, da ich nicht zu Beginn schon alles wissen kann.

Hier entwickelt sich als meine Figur beim Schreiben, was manchmal sehr nervig ist.

L.