11 Juli 2020, 04:20:38

Autor Thema: Wie haltet ihr es mit euren Ideen?  (Gelesen 6799 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Trippelschritt

  • Federteufel
  • *****
  • Beiträge: 1311
  • Geschlecht: Männlich
  • Rabenschwarze Feder
Wie haltet ihr es mit euren Ideen?
« am: 29 Mai 2015, 07:48:13 »
Dass Ideen die Grundlage jeder Geschichte sind, ist wohl unbestritten. Und doch ...
Als fast reiner Bauchschreiber fliegen mir meine Ideen von überall und an jedem Ort zu. Die meisten kommen, wenn ich lese oder selber schreibe. Ich sollte also gar keinen Mangel daran haben

Stimmt nicht!

Für jede einzelne Szene fällt mir genug ein. Das ist es nicht. Aber wo ich mich schwer tue, sind Ideen zu finden, die mit dem Gesamtplot zu tun haben, da ich nicht plane.

Und so wüsste ich einmal gern, wie ihr eure Ideen findet. Kleine wie große. Und ob alle Ideen gleich behandelt werden können und ... und ... und ...

Liebe Grüße
Trippelschritt
Wer bin ich, wer war ich, wer werde ich sein?

Mooncat

  • Modteufel-Team
  • Federteufel
  • *****
  • Beiträge: 1559
  • Geschlecht: Weiblich
  • Plotloch-Jägerin
    • Mondcabin - Das Motivationsforum zum Schreiben
Re: Wie haltet ihr es mit euren Ideen?
« Antwort #1 am: 29 Mai 2015, 15:27:46 »
Huch.  :gruebel:

Gar nicht so einfach, Herkunft von Ideen zu analysieren. Meistens sind sie halt einfach plötzlich da ...
Ist auch ein Unterschied, ob es die grundlegende Ideen sind für eine Geschichte oder dann wirklich für einzelne Szenen oder Handlungen. Oder dann auch bewusst nach ihnen sucht, um den Plot zu erarbeiten oder voranzutreiben. Letzteres ist für mich eigentlich schon eher plotten als wirkliche Ideensuche.

Am wichtigsten finde ich, eine offene Einstellung zu haben. Es hat eine Weile gedauert, aber mittlerweile bin ich so weit, dass ich fast alles erlebte, gelesene, gesehene automatisch abwäge, um zu sehen, ob das was für eine Geschichte sein könnte.
Ist die Antwort ja, kommt die nächste Frage: Für etwas neues oder für eine meiner bestehenden Projekten? Ist es etwas neues, kommt es zu den Bunny-Babies, wo sie wachsen, gedeihen oder verstauben und eingehen können, ist es was für etwas bereits vorhandenes schaue ich natürlich zuerst für welches, danach ob ich es direkt einbauen kann oder erst mal in die Ideensammlung zu dem Plot-Bunny aufnehme.

Suche ich jetzt gezielt nach einer Idee für das Vorantreiben eines bestehenden Plots, schaue ich mir all diese Ideensammlung erst mal an. Vielleicht finde ich da ja schon was. Wenn nicht, und ich es nicht etwas im Unterbewusstsein gären lassen will/kann, bis die zündende Idee kommt, gibt es verschiedene Methoden, wie ich versuche, das Streichholz zu finden:
Zum einen mache ich gerne mal ein Mindmap, manchmal zum ganzen Ding, manchmal zu einem Charakter, manchmal zu einem spezifischen Problem. Das hilft mir schon mal, mich zu fokusieren und die Aspekte zu finden, wo es hakt.
Manchmal, gerade wenn es mehr um den Plot, bzw. den roten Faden der Handlung geht, den Spannungsbogen, da versuche ich es gerne auch mal mit einem Zeitstrahl, wo ich die Handlungen in ihrer Reihenfolge eintrage. Bei mehreren Strängen halt mehrere Strahlen parallel. Erstens gibt mit das eine gute Handlungsübersicht, zweitens sehe ich auch da verdammt schnell, wo es hakt.
Wenn ich weiss, wo es hakt, kann ich gezielt die Szenarien immer wieder durchgehen, bis mir was dazu einfällt. Klappt das nicht, kann ich es ev. je nach Thema noch mit Recherche versuchen. Oder was ähnliches in der Richtung lesen oder schauen, was mir neuen Input, neue Inspiration geben könnte.
Und natürlich, fast am hilfreichsten ist jeweils, wenn ich es mit jemand anderem durchspiele und erörtere. Ich schildere Idee / Szene / Problem / Chara, was auch immer, und schaue mal, was das Gegenüber dazu meint. In meiner Erfahrung hilft es da, jemanden zu haben, der dich und deine Schreibe gut kennt und so auch besser einschätzen kann, was es für mich und meine Geschichte braucht. Viskey kann eine Arie, was sage ich, eine ganze Oper davon singen ... (MERCI Viskey, btw!). Oder aber grad ganz auf 'neutrale' Augen gehen und es beispielsweise hier besprechen und Anstösse / Ideen suchen.

So gehe ich in der Regel vor, wenn mir eben nichts einfach so zufliegt. Wobei das für mich schon nah an Plotten ist. Habe mich hier zwar eher auf Inspiration suchen gehen bezogen, trotzdem, ich sehe es als Teil des Plottens an. Wenn es zufliegt, umso besser.
Woher die Ideen zufliegen - alles mögliche. Oft natürlich beim Lesen von anderen Romanen oder auch Zeitungsartikeln. Gerade im Krimibereich sind Zeitungsartikel sehr inspirierend. Fantasy und SF kommt eher durch Filme und Serien oder auch Reisen und neue Eindrücke sehen, die 'fremdartig' wirken und gut in eine andere Welt passen könnten. Und dann Gespräche, gerade beim 'Rumblödeln' kommt mir da oft was völlig abstruses in den Sinn - aber hey, in der Welt der Geschichten ist nichts abstrus genug. Zumindest je nach Geschichte ...
« Letzte Änderung: 29 Mai 2015, 15:35:33 von Mooncat »
Das Leben ist kurz - der Tod ist ewig.
Lynwood

http://www.mondcabin.org
Twitter: @Mondcabin / @SMondkatz

LaHallia

  • Modteufel-Team
  • Federteufel
  • *****
  • Beiträge: 1000
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Wie haltet ihr es mit euren Ideen?
« Antwort #2 am: 29 Mai 2015, 16:28:26 »
Hi Trippel,

meine Ideen bekomme ich, genau wie Mooncat und du auch, spontan. Die Entscheidung, ob ich eine Idee in ein aktuelles Projekt aufnehme erfolgt durch Prüfen.
Meistens sind es ja die Dinge, die ich am wenigsten vermischen würde, die dann was Spannendes ergeben. Ich denke mir also Möglichkeiten durch, wie ich eine neue Idee (egal ob Charakter, Plotwendung oder Szene) in ein vorhandenes Konstrukt einbauen könnte. Wenn sich etwas Interessantes daraus ergibt darf sie bleiben, wenn nicht, dann wird sie für später notiert.
Sie müssen erzählerische Risiken eingehen. Vor allem aber: niemals versuchen, den anderen zu gefallen. Sie müssen so hoch zielen, dass Sie ganz tief fallen können. Dann vielleicht haben Sie Erfolg. (Frank Schätzing)

Trippelschritt

  • Federteufel
  • *****
  • Beiträge: 1311
  • Geschlecht: Männlich
  • Rabenschwarze Feder
Re: Wie haltet ihr es mit euren Ideen?
« Antwort #3 am: 29 Mai 2015, 16:29:55 »
Danke Mooncat

was für mich schon mal wichtig ist, Du siehst auch dass die Ideenfindung für verschiedene Arbeitsschritte nicht identisch ist.
Gute Plotideen zu bekommen ist etwas anderes als Idden für eine Figur zu bekommen und beides hat wenig mit den Ideen für die Lebhaftigkeit einer Szene zu tun.

Und LaHallia: Bei Dir klingt es, als kämen alle Ideen aus einem Gehirn(Musen)pool. Habe ich das richtig verstanden?

Liebe Grüße
Trippelschritt
« Letzte Änderung: 30 Mai 2015, 06:26:14 von Trippelschritt »
Wer bin ich, wer war ich, wer werde ich sein?

LaHallia

  • Modteufel-Team
  • Federteufel
  • *****
  • Beiträge: 1000
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Wie haltet ihr es mit euren Ideen?
« Antwort #4 am: 29 Mai 2015, 16:38:13 »
Jap. Der erste Funke kommt immer spontan. Ich wüsste gar nicht, wie ich sonst an Ideen kommen sollte. Ob das Menschen sind, die ich auf der Straße sehe und Leben für sie erfinde (wie das bei meinem Neo-Nazi Roman war), oder ob das die Idee für eine Grundhandlung ist (dass ich, wie bei meinem jetzigen Projekt zum Beispiel weiß, dass ich über einen Pharaonenfluch schreiben möchte), weil ich einen Film gesehen habe. Manchmal komme ich auch durch ein Buch, das ich lese auf Ideen oder durch Zeitungsberichte (als es darum ging Spiellokale zu verbieten, fand ich das Thema zum Beispiel ziemlich spannend und hätte mir vorstellen können, etwas um diese Thematik zu bauen, ist dann aber schlussendlich nie dazu gekommen, weil mir etwas - für mich Interessanteres- dazwischen gekommen ist.
Meine Inspirationsquellen sind ganz unterschiedlich und kommen prinzipiell nie dann wenn ich gerne eine Idee hätte oder gerne etwas schreiben würde, sondern immer ganz unverhofft.
Sie müssen erzählerische Risiken eingehen. Vor allem aber: niemals versuchen, den anderen zu gefallen. Sie müssen so hoch zielen, dass Sie ganz tief fallen können. Dann vielleicht haben Sie Erfolg. (Frank Schätzing)

Tika_death

  • Gast
Re: Wie haltet ihr es mit euren Ideen?
« Antwort #5 am: 30 Mai 2015, 11:29:36 »
Ich habe eine Ideen Kiste. Jede Geschichte hat einmal mit einer einfachen Notiz dort angefangen. Es war eine Grundidee, meist das Ende einer Geschichte oder eine "was wäre wenn" Frage.
Diese Idee dümpelt dann zunächst in dieser Kiste herum.

Ich lebe mein Leben weiter, schreibe an etwas anderem, das schon viel reifer ist. Irgendwann kommt mir zu der Grundidee etwas dazu - sei es durch ein Buch, das ich gelesen habe, durch einen Film, eine Doku, durch eine Begegnung im Leben - egal was. Sobald ich denke, das könnte zu einer meiner vielen Grundideen passen, schreibe ich sie auf und sie wandert in die Kiste.

Irgendwann schaue ich hinein und kontrolliere, was sich darin so getan hat. Hat eine Grundidee viele weiterführende Notizen, so dass sie sich als weit gediehen von anderen abhebt, bekommt sie einen Arbeitstitel und wandert mit dem ganzen Anhang in eine Fächermappe. Beim Durchlesen der Notizen kommen meist noch weitere Ideen und Gedanken, die ich gleich mit aufschreibe, und die ich ebenfalls in die Fächermappe packe (Stadium 2).

Ich sammle unterdessen weiter - für die Kiste und für die Fächermappen.

Wenn eine Geschichte erst einmal im 2. Stadium angelangt ist, dann kann es schon vorkommen, dass mir sogar schon das ein oder andere Kapitel in den Sinn kommt. Das schreibe ich dann und stecke es mit in die Fächermappe.
Auf diese Weise wächst eine Geschichte heran.
Manchmal habe ich dann sogar einen Flow und schreibe sogar mehrere Kapitel, die in die Geschichte zu gehören scheinen und stecke sie mit dazu.

Phase 3 ist dann der Punkt, an dem ich eine andere Geschichte beendet habe - Manuskript ist fertig - dann schaue ich die Fächermappen durch und entscheide, welche Geschichte ich als nächste schreiben kann - welche mich sofort packt, welche am weitesten gereift ist.
Die nehme ich mir vor und beginne mit dem genaueren Plot. - Ja, ich plotte.
Während ich plotte, schreibe ich auch und so kann es passieren, dass ich eine Geschichte bis zur Hälfte schreibe und dann stecken bleibe, weil noch das gewisse Etwas fehlt.
Die Geschichte wandert dann wieder in die Fächermappe und ich nehme mir eine andere aus Stadium 2 vor.

Währenddessen wird weiter gesammelt. Alles wird aufgeschrieben und sortiert - Kiste und Fächermappen.

Phase 4 ist dann der Punkt, an dem ich mir eine Geschichte vornehme und zuende schreibe.
Die Geschichte ist dann meist soweit gereift, dass ich sie nur noch schreiben muss und dabei tauchen dann noch weitere Ideen aus dem nichts auf, die  für Nebenstränge reichen, die noch tiefere Zusammenhänge zutage fördern, die teilweise auch nochmal den Plot verändern.

Vorteil an dieser Art zu Arbeiten ist, nicht alle Ideen taugen für eine komplett durchgereifte, spannende Geschichte. Die bleiben im Laufe der Zeit in einem der Stadien stecken (meist 1 oder 2) und reifen nie bis in Stadium 3 oder 4 heran. Das sind Geschichten, die man vielleicht innerhalb eines Nanos ausprobieren kann, und wenn sie selbst dort nicht fruchten, kann man sie getrost wegwerfen. Die taugen dann einfach nicht - zumindest nicht für mich.

Außerdem ist es sehr interessant zu sehen, wie eine Geschichte nach und nach wächst, Substanz ansetzt und gedeiht.
« Letzte Änderung: 30 Mai 2015, 11:31:50 von Tika_death »

LaHallia

  • Modteufel-Team
  • Federteufel
  • *****
  • Beiträge: 1000
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Wie haltet ihr es mit euren Ideen?
« Antwort #6 am: 30 Mai 2015, 12:07:38 »
Coole Methode, Tika. Da ist Struktur dahinter und du weißt immer cirka, wie weit was schon ist. Diese Kistensache ist bestimmt einfacher, als ich es zum Beispiel mache. Ich habe für jede Idee ein Notizbuch und erweitere dort. Oft komme ich dann aber drauf, dass die Nebenhandlung, der CHarakter, oder die Szene, die ich gerade in das Notizbuch für Idee x geschrieben habe, doch besser zu Idee y passen würde. Da tu ich mir dann schwer, das alles zu übertragen.
Einfache Zetteln (wie ich mir das bei dir vorstelle) sind da bestimmt einfacher zu kombinieren.
Mischst du auch manchmal diese Ideen durch, um zu sehen, ob vielleicht aus zwei Ideen, die einzeln nie aus Stadium 1 oder 2 rauskommen würden eine entstehen kann, die es bis zum Ende schafft?
Sie müssen erzählerische Risiken eingehen. Vor allem aber: niemals versuchen, den anderen zu gefallen. Sie müssen so hoch zielen, dass Sie ganz tief fallen können. Dann vielleicht haben Sie Erfolg. (Frank Schätzing)

Viskey

  • Modteufel-Team
  • Federteufel
  • *****
  • Beiträge: 3257
  • Geschlecht: Weiblich
  • Schwester Feuerwasser aus der Hölle
    • Schreibmotivationsforum Mondacabin
Re: Wie haltet ihr es mit euren Ideen?
« Antwort #7 am: 30 Mai 2015, 16:13:48 »
Also erst einmal kommen meine Ideen auch einfach angeflogen. In einem Moment ist noch nichts davon zu ahnen, und im nächsten sitzen sie da und sind dabe zT schon erstaunlich umfangreich.

Wenn ich zwischendrin mal Ideen brauche, weil ich feststecke, dann schummle ich. Ich schau mir dann Filme an oder lese Bücher (obwohl es eher Filme sind, weil die einfach weniger Zeit brauchen), die in dem gleichen Genre spielen wie meine Geschichte. Irgendwas kommt dann in der Regel, das bei mir eine Assoziationskette in Gang setzt.
"There is no such thing as bad work, just unfinished work." - Eric Idle

http://www.mondcabin.org/

[img width= height=]http://nanowrimo.org/widget/graph/viskey-moonbat,pc,days.png[/img]

Trippelschritt

  • Federteufel
  • *****
  • Beiträge: 1311
  • Geschlecht: Männlich
  • Rabenschwarze Feder
Re: Wie haltet ihr es mit euren Ideen?
« Antwort #8 am: 30 Mai 2015, 19:46:42 »
Hi Tika,

das ähnelt meiner Methode und die funktioniert auch. Schön das zu lesen.
Aber von der möchte ich wegkommen.  :devgrin:

Liebe Grüße
Trippelschritt
Wer bin ich, wer war ich, wer werde ich sein?

Viskey

  • Modteufel-Team
  • Federteufel
  • *****
  • Beiträge: 3257
  • Geschlecht: Weiblich
  • Schwester Feuerwasser aus der Hölle
    • Schreibmotivationsforum Mondacabin
Re: Wie haltet ihr es mit euren Ideen?
« Antwort #9 am: 30 Mai 2015, 21:52:53 »
Hey, Trippel!


Geht's dir um Ideenfindung, oder die nachfolgende Organisation u/o Verarbeitung der Ideen?
"There is no such thing as bad work, just unfinished work." - Eric Idle

http://www.mondcabin.org/

[img width= height=]http://nanowrimo.org/widget/graph/viskey-moonbat,pc,days.png[/img]

Tika_death

  • Gast
Re: Wie haltet ihr es mit euren Ideen?
« Antwort #10 am: 30 Mai 2015, 22:41:25 »
@Trip, never change a running system ...  :klug:

@LaHallia Mixen ja, aber nicht auf teufel komm raus. Mir sind die Stadium 1 und maximal 2 Geschichten ziemlich egal, wenn sie über Jahre rum dümpeln. Ich muss sie nicht zwangsläufig versuchen zum Laufen zu bringen. Allerdings ist es mir auch schon passiert, dass ich einen Gedankenblitz aus so einer Stufe plötzlich in einem viel weiteren Projekt verwenden konnte - es wurde ein hübscher Nebenstrang draus.
Mir ist allerdings auch schon was anderes passiert - nämlich, dass eine Geschichte so ausufernd umfangreich wurde, dass ich eine Idee als eigenständige Geschichte auskoppeln konnte.

Trippelschritt

  • Federteufel
  • *****
  • Beiträge: 1311
  • Geschlecht: Männlich
  • Rabenschwarze Feder
Re: Wie haltet ihr es mit euren Ideen?
« Antwort #11 am: 31 Mai 2015, 07:39:59 »
Hey, Trippel!


Geht's dir um Ideenfindung, oder die nachfolgende Organisation u/o Verarbeitung der Ideen?

Mir persönlich geht es um die Ideenfindung, aber da ich selber ein System zum Ideenmanagement entworfen habe, interessiert mich auch der Rest.
Ich bin im Augenblick an einem Punkt, wo ich festellen muss, dass meine intuitive Ideenfindung nicht ausreicht, um den nächsten Qualitätssprung zu schaffen. Schuld ist mal wieder ein Kollege. Tana French: Geheimer Ort!!!
Einen Roman dieser Art kann ich allein schon von meiner Art der Ideenfindung nie schreiben. Vom Rest mal ganz zu schweigen.
Mit meiner oder vielleicht auch Tikas Methode komme ich beim Plotting nicht dahin, wo ich hinwill, weil der Plot eine Konstruktionsaufgabe ist im Gegensatz zu den anderen Teilen eines Romans. Nun kann ich zwar konstuieren, denn das war mal mein Beruf, aber mein Ideenfluss ist beim Kontruieren ein anderer als beim Erfinden einer Figur oder beim Ausschmücken einer Szene.

Ich erhoffe mir einfach ein paar Anregungen aus eurer Art der Ideenfindung.
Und die Organisation der Ideen hat einiges mit dem Erschaffen neuer Ideen zu tun. So ganz kann man das nicht trennen.

Liebe Grüße
Trippelschritt
« Letzte Änderung: 31 Mai 2015, 07:42:24 von Trippelschritt »
Wer bin ich, wer war ich, wer werde ich sein?

Tika_death

  • Gast
Re: Wie haltet ihr es mit euren Ideen?
« Antwort #12 am: 31 Mai 2015, 08:08:51 »
Hm, ok - wie finde ich Ideen...

Gestern war ich z.B. auf einem Grillfest und habe mich mit einer Frau unterhalten. Während des Gesprächs haut sie einen Satz raus, den ich 1:1 aufgeschrieben habe. Der liegt jetzt in einer Schublade, in die ich alles rein schmeiße, was mir so begegnet.
Der Passt Thematisch in keine Geschichte, ist aber so klasse, dass der mit Sicherheit irgendwo auftauchen wird.

Vielleicht meinst du sowas. Ideen und Momentaufnahmen, die nichts mit einem eigentlichen Plot zu tun haben?


Viskey

  • Modteufel-Team
  • Federteufel
  • *****
  • Beiträge: 3257
  • Geschlecht: Weiblich
  • Schwester Feuerwasser aus der Hölle
    • Schreibmotivationsforum Mondacabin
Re: Wie haltet ihr es mit euren Ideen?
« Antwort #13 am: 31 Mai 2015, 14:04:39 »
Ich habe immer wieder Ideen, wenn ich einfach herumblödle ... vorzugsweise mit Mooncat. :devgrin:

Zum Teil sind diese Ideen dämlich, und einfach nur im Moment lustig. Zum Teil sind sie an sich ganz gut, lassen sich aber nicht verwenden (dann hoffe ich, dass sie mal anderswo hineinpassen). Und zum Teil sind sie gut und passen sogar.

Grundsatzideen, wenn ich das mal so nennen darf, schreibe ich nicht auf. Notizen mach ich nur zu Details. Eine Grundsatzidee, die mir nicht von sich aus im Gedächtnis bleibt, war am Ende einfach nicht gut genug.


Dass mir beim Herumblödeln so gerne Ideen zufliegen ... Ich schiebe das darauf, dass ich offen bin, selbst für die unmöglichsten Ideen, statt mich auf eine Schiene zu beschränken, auf der die Geschichte nun mal liegt, zu der ich gerade Überlegungen anstelle. Der Drang, in das gewählte Genre passen zu "müssen" fällt weg, die konventionellen Lösungen (weil im Grunde bin ich ein sehr konventioneller Mensch) fallen weg. Es ist wirklich befreit von allem ... manchmal auch von jeglichem Sinn. Aber wenn schon sonst nichts, macht es zumindest Spaß. ;)
"There is no such thing as bad work, just unfinished work." - Eric Idle

http://www.mondcabin.org/

[img width= height=]http://nanowrimo.org/widget/graph/viskey-moonbat,pc,days.png[/img]

Trippelschritt

  • Federteufel
  • *****
  • Beiträge: 1311
  • Geschlecht: Männlich
  • Rabenschwarze Feder
Re: Wie haltet ihr es mit euren Ideen?
« Antwort #14 am: 31 Mai 2015, 15:22:04 »

Vielleicht meinst du sowas. Ideen und Momentaufnahmen, die nichts mit einem eigentlichen Plot zu tun haben?

Ich meine gar nichts in diesem Thread. Mich interessiert alles, was und wie ihr es so macht.
Die Initialzündung zu diesem Thread war die Erkenntnis, dass ich im Bereich Plotideen noch etwas methodischen Nachholbedarf habe. Aber ich werde da schon einen Weg finden. Nur ist klar, auf solche Spontanideen wie ich sie bei einzelnen Sätzen und Ausdrücken bekomme, brauche ich nicht zu hoffen. Plotideen sind eine andere Kategorie, wenn sie beim Leser explodieren sollen.

Liebe Grüße
Trippelschritt
Wer bin ich, wer war ich, wer werde ich sein?

Oldlady

  • Betamonde
  • Federteufel
  • *
  • Beiträge: 851
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Wie haltet ihr es mit euren Ideen?
« Antwort #15 am: 11 Juni 2015, 21:51:25 »
Ich habe immer ein Thema – und zwar eins, das mich innerlich beschäftigt, so dass es mir ein Bedürfnis ist, darüber zu schreiben. (Beispiele: Risiko und Mut beim Bergsteigen und überhaupt, Buch: Mutig aber tot). Dieses Thema bildet den Hintergrund meiner Geschichte. Und wenn mein Kopf sich mal auf das Thema eingelassen hat, fallen mir die dazu passenden Grob-Plots, Figuren undsoweiter ein – oft beim Wandern, auch mal im Halbschlaf morgens oder beim Autofahren (nicht ungefährlich).
Das Feintuning ist dann etwas anderes (Wo findet das statt? Wie kommt der Mörder ungesehen dorthin? Wie setzt die Heldin jemanden in einem Kampf außer Gefecht?). Da setze ich mich vor den Computer und grüble.
Bei Dialogen ist es eher eine Mischung aus Überlegung (was kommt bei dem Dialog für wen heraus) und Einfällen, dass die Sache flott rüberkommt.

Oldlady


Liebe Grüße

Oldlady

Tow

  • Gast
Re: Wie haltet ihr es mit euren Ideen?
« Antwort #16 am: 11 August 2015, 12:55:27 »
Meine Ideen können aus Träumen, Liedern, Filmen etc. kommen. Interessant ist, dass diese Ideen meist nicht auf die Quelle zurückzuführen sind :D Oft ist es eine Figur, die mich inspiriert für eine Geschichte oder ein Song mit seiner Atmosphäre etc. Diese werden dann einfach einmal so festgehalten, dass ich mich dann daran erinnern kann. Diese dienen dann als Inspirationsquelle für neue Ideen, Nebenstränge etc. Leider entpuppen sich manche Ideen so wage, dass es einer anstrengenden Ausarbeitung bedarf um dann wirklich etwas Sinnvolles daraus zu machen.

Hier mal ein paar Beispiele, wie ich Ideen festhalte (die einfach so pur und ungezwungen festgehalten werden, kritisiert werden sie erst, wenn sie in Betracht gezogen werden ;) ):

-Zauberer, Vampire und fliegende Krokodile - Steampunkfantasy oder High Fantasy

-Stimmen im Kopf sind unterwürfige Seelen, die nicht die Oberhand gewonnen haben. Schizophrenie etc. ist ein Körper ohne fixer Seele. - Junger Schauspieler gelangt zu Weltruhm, da verschiedenste Seelen ihm super Leistung ermöglichen. Eine jedoch lässt ihn nebenbei zum Mörder/Gangsterboss etc. werden.

-Vampire haben kein Spiegelbild weil sie aus Spiegel kommen. Gegenstück zu jedem Menschen

-Bad Priest - Priester wird vom Vatikan entsandt um die Dämonen etc. zurück zur Hölle zu schicken. jung und badass, verhalten wird toleriert da nur er dem Einhalt gebieten kann, ist außerdem Halberzengel

Oflinitrium

  • Schreibteufel
  • ****
  • Beiträge: 293
  • Geschlecht: Männlich
  • Auch Traumwelten existieren.
Re: Wie haltet ihr es mit euren Ideen?
« Antwort #17 am: 16 Mai 2017, 16:04:05 »
Auch wenn dieser Thread schon eingestaubt ist und nicht mehr aktuell wirkt, so finde ich das Thema interessant und möchte ihn zumindest mal wieder ans Tageslicht lassen.

Meine Ideen beziehe ich aus verschiedensten Elementen die lustigerweise nur bedingt bereits genannt wurden. Ich selbst habe mit meinen Geschichten beim Ende begonnen und genau auf diese Enden will ich auch hinauskommen. Die Ideen für diese Enden kamen im Grunde aus (Tag)Träumen wobei ich das Ende für meine aktuelle Baustelle sogar als Klartraum bezeichnen würde.

Viele Ideen, die nicht das Ende betreffen und die ich umgesetzt habe bzw. umsetzen will, entstanden in Gesprächen mit meinem besten Freund. Wir haben schon immer gerne zusammen "What if" Szenarien entworfen und ich habe ihm vorher bereits bei seinen Geschichten geholfen.
Die Ideen für Plots entstehen bei uns häufig aus einer Mischung aus Erfahrungen die wir mit Storyverläufen haben und was wir daran besonders mögen bzw. wir uns besser wünschen würden. Dabei wird alles zusammengeworfen ganz egal ob Videospiele,  Animes, Mangas, Fanfictions, Bücher oder Filme. (Die Reihenfolge ist bewusst gewählt.) Häufig ist es auch so, dass wir eigentlich über eine sache (z.B. ein Videospiel) diskutieren und dann darauf kommen, "im Grunde ist in der Geschichte ziemlich viel kaputt, aber die Umsetzung von 'xy' hat gut gewirkt, weil 'z'. Das lässt sich doch gut übertragen an die Stelle an der du gerade im Buch hängst." und dann fangen wir an darüber zu diskutieren, wie man diesen Plotpunkt oder dieses Element/Feature umbauen müsste damit es innerhalb meiner Geschichte Sinn ergibt. Meist ist dann von der Ursprungsidee kaum noch etwas zu erkennen, selbst wenn man den Gedankengang komplett mitverfolgt hat.
Auch Diskussionen wie z.B. "..., dass immer Liebe oder Hass auslöser für eine wichtige Wendung sein muss nervt. Wie wärs denn mal, mit einem logisch denkenden König." haben am Anfang nichts mit der Geschichte zu tun und am Ende befindet man sich mitten in der Umsetzung von genau diesem Aspekt im eigenen Werk und hat einen weiteren Plotrelevanten Punkt geschaffen, eine Erklärung/Auslöser für ein Ereignis das eintreten muss gefunden oder etwas zum Worldbuilding beigetragen.
Wichtig dabei ist, dass wir immer begründen und analysieren warum wir etwas gut oder schlecht finden. Natürlich ist es dabei hilfreich, dass wir zu zweit sind, da man so enorm unterschiedlcihe Ansichten austauschen kann. Was der eine nicht leiden kann, kann dem anderen sehr gut gefallen und die Begründung dafür ist oftmals sogar so schlüssig, dass man die Dinge und Situationen anders wahrnimmt.

Eine weitere Methode die ich anfangs sehr häufig angewendet habe, waren die Gespräche mit meinen Charakteren. Da ich in der ersten Person schreibe und mich auch gut mit dem Protagonisten identifizieren kann, schlüpfe ich dabei in seine Rolle. Ich habe keine Idee in dem Sinne, sondern tauche einfach in die Welt ein und interagiere mit anderen Personen. Dadurch bekam ich schon häufiger Antworten auf offene Fragen oder Ideen für bisherige Lücken in meiner Geschichte. Allerdings ist diese Vorgehensweise relativ aufwendig und je mehr Eigendynamik mein Prota entwickelte, desto schwieriger wurde es nicht als Autor von oben herab auf die Figuren zu schauen.
Die Werke die ich am meisten liebe, sind gleichzeitig die, die ich am meisten kritisiere. Im Grunde ist es so, dass eine ausführliche Kritik meinerseits auch eine Anerkennung und ein Glückwunsch ist, denn wenn es einfach nur schlecht wäre, würde ich mir gar keine Gedanken darüber machen.