26 Februar 2020, 08:12:48

Autor Thema: Diskussion zu Trippelschritts «Wie schreibt man einen Roman»  (Gelesen 6853 mal)

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Mooncat

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Liebe Teufelchens

Hier könnt ihr Trippelschritts Überlegungen zum Thema «Wie schreibt man einen Roman» kommentieren und diskutieren.

Viel Spass!

Mooncat
« Letzte Änderung: 11 August 2015, 18:07:13 von Mooncat »
Das Leben ist kurz - der Tod ist ewig.
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Tow

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Hast du uns da ein "ch" unterschlagen ;)

Trippelschritt

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Würde mich auch interessieren, weil es ein System für Bauch- und Planschreiber ist.

Liebe Grüße
Trippelschritt
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Mooncat

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Re: Diskussion zu Trippelschritts «Wie schreibt man einen Roman»
« Antwort #3 am: 11 August 2015, 18:10:36 »
Ach so, sorry ... Irgendwie hast du so viel vom Bauchschreiber gesprochen, irgendwie bekam ich den Eindruck, es sei vor allem für Bauchschreiber.
Habe es so oder so mit Intetesse gelesen. Muss mir aber noch etwas mehr Gedanken darüber machen, bevor ich es vertiefter kommentieren kann.

Bislang jedenfalls einer der Ansätze, die mich am meisten überzeugt haben.
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Oldlady

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Re: Diskussion zu Trippelschritts «Wie schreibt man einen Roman»
« Antwort #4 am: 16 August 2015, 20:52:22 »
Ich finde Trippels Vorgehensweise hervorragend und kann sie gut nachvollziehen. Sie gibt einen sehr guten Rahmen und engt nicht ein.
Eine zentrale Idee ist bei mir auch immer der Anfang einer Geschichte.
Schritt zwei aber muss nach meiner Ansicht nicht zwingend die Ausarbeitung von zentralen Figuren sein.
Ich habe auch schon den Plot/das Geschehen vor den Figuren entworfen (vor allem bei Krimis liegt das nahe) und dann die Figuren dazu passend entwickelt (dabei erhalten diese FIguren allerdings Motivationen und Ziele, die zur zentralen Idee passen). 
Womit man eine solche Story auch so schreiben kann, dass sie „figurengetrieben“ ist. 
Dabei muss man allerdings aufpassen, dass sich der Fokus nicht zu sehr vom Menschlichen in Richtung Action verschiebt, denn diese Art von Geschichten halte ich tatsächlich für „schwächer“.
Und ob man mehr mit dem Kopf oder Bauch schreibt, entscheidet sich wohl vor allem bei Schritt vier.
Der eine arbeitet vor dem eigentlichen Schreiben Abläufe, Geschehnisse und Personen sauber aus und folgt diesem Plan. Der Bauchschreiber lässt sich eher treiben und läuft Gefahr, sich in etwas hineinzuschreiben, aus dem er sich schlecht wieder herausschreiben kann. Die Folge: viel mehr Arbeit, aber vielleicht mehr Raum für Ideen und Intuition.

Danke für die Anregung, Trippel!

Oldlady


 

Trippelschritt

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Re: Diskussion zu Trippelschritts «Wie schreibt man einen Roman»
« Antwort #5 am: 17 August 2015, 08:47:30 »
Ich bedanke mich für das Lob, Oldlady,
doch was den Punkt Bauch- oder Planschreiber angeht,
befürchte ich, dass es keine freie Wahl ist, sondern ein
ganz früh in einem festgelegter Kreativitätsprozess. den
man später mit viel Erfahrung modifizieren, aber nicht grundsätzlich
ändern kann.
Ausnahme sind sehr junge Schreiber, die so wenig vom Handwerk
verstehen, dass ihnen nichts anderes übrig bleibt, als mit dem Bauch
zu schreiben.
Das Bauchschreiben umständlicher ist wird selbst von mir als Bauchschreiber
nicht bestritten, aber was will man machen.

Noch eine Rückfrage zu Plot gegen Figuren, diesem uralten Streit. Gerade beim
Krimi leuchtet es mir ein, dass der Grobplot recht früh steht. Aber wie sieht es beim
Wie aus? Hängt das nicht von der Persönlichkeit des Schurken ab?

Trippelschritt
(neugierig)
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Oldlady

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Re: Diskussion zu Trippelschritts «Wie schreibt man einen Roman»
« Antwort #6 am: 17 August 2015, 19:42:37 »
Hallo Trippel,

Ich finde es spannend, über das eigene Vorgehen beim Plotten nachzudenken.
Ich glaube auch, dass man nicht die freie Wahl „Kopf oder Bauch“ hat. Aber man kann nach Bedarf etwas variieren.   

Früher habe ich drauflosgeschrieben und mich irgendwie durchgewurstelt (womit ich mich als "Bauch" oute).
Mit den Krimis musste ich mehr planen, ich mag keine unlogischen Krimis, die nur von Action oder lokaler Atmosphäre leben, und keine, bei denen die Aufklärung durch reinen Zufall geschieht. Das erfordert naturgemäß viel Kopfarbeit.
Beim Krimi gehe ich von einem Verbrechen aus, das a) keine banale Haudrauf-Geschichte ist, b) interessante menschliche Verwicklungen verspricht und c) durch kluges Ermitteln aufgeklärt werden kann.   
Dann erst bastle ich meinen Täter mit einer Persönlichkeit, die zu diesem Verbrechen passt.
Wie er dann genau vorgeht (Schritt 4), muss natürlich zu dieser Persönlichkeit passen. In diesem SInne ist dann das Geschehen durchaus figurengetrieben.

Oldlady

merin

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Re: Diskussion zu Trippelschritts «Wie schreibt man einen Roman»
« Antwort #7 am: 05 September 2015, 20:18:31 »
Mir ist nicht ganz klar, was du mit der zentralen Idee meinst.
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht.

Trippelschritt

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Re: Diskussion zu Trippelschritts «Wie schreibt man einen Roman»
« Antwort #8 am: 05 September 2015, 20:49:58 »
Das ist das Ding mit den vielen Namen  :devgrin:
Bei einem Planschreiber ist die zentrale Idee eines Romans gut festzulegen. Es ist der Zeitpunkt, wenn er in der Lage ist, seinen Roman in einem kurzen Satz bis zu fünfzehn Worten zu beschreiben. Das würde em ersten Schritt der Schneeflocken methode entsprechen.

Bei Bauchschreibern lässt sich das nicht so leicht bestimmten. Da kann es passieren dass er nach einer ersten Idee, die ihn am Schreiben hält, erst einmal fünfzehn Kladden mit Notizen füllt. Aber auch einem Bauschreibe tut es gut zu wissen, über was er eigentlich schreiben will. Und das bezeichne ich mit zentraler Idee, weil das neutraler ist als Prämisse, denn man kann seinen Schwerpunkt auch auf etwas anderes als die Prämisse legen. Gebräuchlich ist auch der Begriff Essenz, aber den mag ich auch nicht so.

Alles klar?
Trippelschritt
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Re: Diskussion zu Trippelschritts «Wie schreibt man einen Roman»
« Antwort #9 am: 06 September 2015, 13:05:29 »
Ja. Was mir unklar und aktuell mein Problem ist: Wie kommt ich von dort zum Plot?
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht.

Trallala

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Re: Diskussion zu Trippelschritts «Wie schreibt man einen Roman»
« Antwort #10 am: 06 September 2015, 13:24:04 »
Hallo,

das ist eine spannende Diskussion.

Meine drei ersten Bücher habe ich komplett aus dem Bauch geschrieben. Ich hatte nicht viel mehr als eine sehr vage Idee und ein paar Figuren und habe die zunächst machen lassen. Daraus entstand dann irgendwann der Plot.
Das ist eine sehr lustvolle Methode zu schreiben, finde ich.

Nun schreibe ich einen Krimi und da geht das "Bauchschreiben" so nicht.
Oder vielleicht doch, aber ich glaube, dass es schwierig ist und ich mache es dieses Mal aber anders.

Meine Methode: Waldspaziergänge mit meinem Mann.
Auf diesen Spaziergängen entwickeln wir gemeinsam Plot und Figuren. Mal das eine, mal das andere.
Das alles schreibe ich im Moment noch total unsystematisch auf. Wenn wir den Plot haben und alle Figuren charakterisiert sind, dann werden wir die einzelnen Kapitel konzipieren. Und erst wenn das erledigt ist, werde ich zu schreiben beginnen.

Das ist im Grunde die Methode, die Trippelschritt als "Kopfschreiben" beschrieben hat.
Für mich ist das sehr neu und ich empfinde es als weniger lustvoll. Aber ich bin mir sicher, dass das eigentliche Schreiben des Buches dann sehr flott gehen wird.

T!



"Das mit dir und mir" - erschien am 1.12.14 bei dtv
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Trippelschritt

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Re: Diskussion zu Trippelschritts «Wie schreibt man einen Roman»
« Antwort #11 am: 06 September 2015, 19:57:56 »
Oh ja, der Plot. Da kann ich niemandem helfen. Es gibt Autoren, die schwören darauf, dass ein guter Plot jeden Roman zieht und andere, die sagen, dass plotgetriebene Romane nie etwas taugen. Ich halte mich da raus.
Aber:
Es gibt Autoren, die haben ihre zentrale Idee festgelegt und denken sich anschließend einen Plot aus. Einfach so. Ich kann das nicht, halte auch nicht viel davon. (Vielleicht, weil ich es nicht kann.)
Besser ist immer, die Figuren als Treiber zu benutzen, denn an sie erinnert man sich, wenn sie gelungen sind. Und Figuren haben Wünsche und sie sind zu einigem fähig, wenn sie sich diese Wünsche erfüllen wollen. Das setzt aber voraus, dass man seine Figuren richtig gut kennt. Dazu läuft ja im augenblick men Workshop, der aber wohl auf wenig Interesse stößt - oder niemand hat sich bisher mit der Rolle von Figuren beschäftigt. Ich weiß es nicht.

Bei mir ist es so, dass ich immer wenn ich beim Plot hänge, meine Figuren überarbeite.

Und Krimis? Der Plot ist im Prinzip einfach. Der Böse macht etwas Böses und bestimmt dadurch den Plot. Also beginnt man zweckmäßig mit dem Antagonisten.

Bei mir wächst der Plot. Das kann ich nicht vermitteln, weil ich den Prozess selbst nicht verstehe. Da ist bei mir viel Intuition dabei. Im augenblick hänge ich massiv in meinem neuen Projekt.

Liebe Grüße
Trippelschritt
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Re: Diskussion zu Trippelschritts «Wie schreibt man einen Roman»
« Antwort #12 am: 06 September 2015, 21:54:38 »
Ich habe ja bislang erst einen Roman geschrieben, der nun in der Schublade liegt und mir insgesamt zugefallen ist. Ich habe nur noch geschrieben und etwas gerade gerückt. Das Ergebnis ist, dass das Ding außer meinen Freunden niemanden vom Hocker reißen konnte.

Also versuche ich es nun anders. Danyla kam zu mir, dann Pako und schließlich Raswin und Kiral. Es gibt eine Welt, die zu mir kam und einen Gegenspieler. Der Plot läuft immer mal los, die grobe Idee ist da, aber wie ich den Plot nun dazu bringe, weiter zu gehen, ist mir schleierhaft. Ich gehe Schritt b und weiß, was als c kommt, aber weiter kann ich nicht denken. Und ich frage mich, ob man so einen Roman schreiben kann. :dontknow:
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Viskey

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Re: Diskussion zu Trippelschritts «Wie schreibt man einen Roman»
« Antwort #13 am: 06 September 2015, 22:43:07 »
Bei mir ist es so, dass ich immer wenn ich beim Plot hänge, meine Figuren überarbeite.

Bei mir ist es in der Regel umgekehrt: Wenn ich hänge, dann meistens weil die Figuren herumeiern und einfach nicht zu Potte kommen. - Und das liegt idR daran, dass sie nicht wissen, was sie tun sollen... weil ich nicht weiß, was als nächstes passieren soll. Es liegt also am Plot.

Ganz selten kommt es vor, dass es wirklich eine Figur ist, die zickt und nicht will. Eine ganz spezielle, vor allem ... :nudelholz:  Wobei mich da auch der Verdacht beschleicht, dass es am Plot liegt. Die Figur hat über eine lange Strecke der Geschichte keinen eigenen Handlungsfaden, hat kaum eine Aufgabe innerhalb der Geschichte. Sehr lange steht sie mehr als Randfigur herum, bis sie kurz vor ihrem Ende einen wichtigen Wendepunkt der Geschichte einleitet, der auch nur von ihr eingeleitet werden kann.



Ich gehe Schritt b und weiß, was als c kommt, aber weiter kann ich nicht denken. Und ich frage mich, ob man so einen Roman schreiben kann. :dontknow:

Doch, kann man.  :cheer:  Ich habe auf diese Weise meinen NaNo-Roman von ... 2010 (?) geschrieben. Ich hatte nicht mehr als die Grundidee: Eine sehr elitäre Herrscherschicht, die ihre Herrschaft - was Wunder - auf sehr dünne Säulen stützt. Und dann kommt eine unvorhergesehene Figur daher, die das alles über den Haufen wirft. Das war buchstäblich alles, was ich zu Anfang hatte. Die Geschichte, die sich entsponnen hat, ist in der Rohfassung ganz solide, aber die Umsetzung ist einfach nur grauenhaft.

Alles, was ich mir im Vorfeld an Überlegungen gespart habe, muss ich halt jetzt hinterher investieren. Oder sagen wir so: Ich müsste. Weil wie man sieht, es ist schon eine Weile her, und ich drücke mich immer noch davor, die Überarbeitung endlich in Angriff zu nehmen.

Ich denke es ist auch eine Geschmacksfrage, wie man das machen möchte. Mir war diese ungeplante Art zu schreiben irgendwann zu anstrengend und hat mir auch einfach keinen Spaß mehr gemacht, weil ich viel zu oft vor einem leeren Blatt saß und nicht wusste, was schreiben ... Inzwischen plane ich, halte mich aber nicht sklavisch an diesen Plan. Wenn sich spontan was anderes ergibt, das mir passend erscheint, dann schwenke ich auch noch mittenin der Geschichte um.
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Re: Diskussion zu Trippelschritts «Wie schreibt man einen Roman»
« Antwort #14 am: 07 September 2015, 10:38:24 »
Es ist nicht von ungefähr, dass es in Schreibratgebern nur wenig sinnvolles zum Plotten gibt. Alles, was man da so findet hat etwas mit Strukturen zu tun wie dem klassischen Dreiakter und dem turnig point in der Mitte des zweiten Aktes und welche Abweichungen es von diesem Schema gibt. Aber all das hilft dem autor nicht weiter, wenn er feststeckt und keine vernünftige Plotidee hat.

Einen Hinweis habe ich gefunden im Schreibratgeber von Orson Scott Card und der macht so etwas Ähnliches, was ich auch mache. Er geht von den Figuren aus und arbeitet mit einer Kette von weiterführenden Fragen


Bei mir ist es so, dass ich immer wenn ich beim Plot hänge, meine Figuren überarbeite.

Bei mir ist es in der Regel umgekehrt: Wenn ich hänge, dann meistens weil die Figuren herumeiern und einfach nicht zu Potte kommen. - Und das liegt idR daran, dass sie nicht wissen, was sie tun sollen... weil ich nicht weiß, was als nächstes passieren soll. Es liegt also am Plot.

Ganz selten kommt es vor, dass es wirklich eine Figur ist, die zickt und nicht will. Eine ganz spezielle, vor allem ... :nudelholz:  Wobei mich da auch der Verdacht beschleicht, dass es am Plot liegt. Die Figur hat über eine lange Strecke der Geschichte keinen eigenen Handlungsfaden, hat kaum eine Aufgabe innerhalb der Geschichte. Sehr lange steht sie mehr als Randfigur herum, bis sie kurz vor ihrem Ende einen wichtigen Wendepunkt der Geschichte einleitet, der auch nur von ihr eingeleitet werden kann.

Eben Viskey! Die Figuren wissen nicht, was sie tun sollen. Sie sollen auch nicht, sie müssen wollen. Und wenn sie nichts wollen, dann eiern sie herum. Ich kann Deinen Befund, den ich nur zu gut kenne, auch so deuten, dass es einzig an den Figuren liegt. Aber das ist eine Sache der Sichtweise. Man kann am Plot arbeiten, wenn man leicht Plotideen produziert oder an den Figuren, weil die den Plot machen oder beides kombinieren.

Das Einzige, was ich mit Sicherheit weiß, ist, dass es sich für einen Autor auszahlt, wenn er seinen eigenen Kreativitätsprozess kennt, wenn er weiß, ob er mehr Bauch oder Planschreiber ist. Doch Vorsicht.
Die meisten Anfänger fangen als Bauchschreiber an zu schreiben, weil sie viel zu wenig vom Handwerk verstehen. Aber wenn ich keine Ahnung vom Schreiben habe, dann kann ich auch kein Planschreiber sein. Ich habe das bei mir erst gemerkt, als ich einen Schreiblehrgang beim H.P. Roentgen gemacht habe, der fast komplett an mir vorbeiging. Nicht, dass der Lehrgang schlecht war. Er hat mir auf jeden Fall gezeigt, wo meine Defizite lagen, aber wenn ich die Aufgaben erledigte und auch wieder ein stück Handwerk mehr verstanden hatte, dann habe ich mich immer gefragt, an welcher Stelle das mir jetzt nutzt. Und kam zu der Einsicht: An keiner Stelle. Und da habe ich erst gemerkt, wie in meinem Kopf eine Geschichte entsteht.
Spätestens da wurde ich ein Handwerkfan und mein Problem war es, einen Weg zu finden, Handwerk und Ideenfluss zu verbinden. Mittlerweile weiß ich, dass ich nicht der Einzige bin, der daran knabbert.
Immerhin bin ich jetzt so weit, dass ich mit dem Handwerk nicht mehr warten muss bis zur ersten Überarbeitung.

Vielleicht hilft es auch, zunächst einmal viele Kurzgeschichten zu schreiben. Dort trifft man auf alle handwerklichen Herausforderungen, die ein Roman auch hat. außer dem Plotten und der Tiefe der Figuren, die man in Kurzgeschichten umgehen kann.

Ich bin übrigens über jeden Erfahrungsbericht zu euren Schwierigkeiten dankbar, denn ich bin immer noch in der Lernphase.

Liebe Grüße
Trippelschritt
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Re: Diskussion zu Trippelschritts «Wie schreibt man einen Roman»
« Antwort #15 am: 07 September 2015, 11:49:58 »
Ich habe auch mit Kurzgeschichten angefangen, die mir dann hier um die Ohren gehauen wurden.
Dadurch habe ich wahnsinnig viel gelernt.
Eine gute Methode finde ich auch, Kurzgeschichten aus der Weltliteratur (Hemingway, Graham Green) nachzuerzählen. Das ist schwerer als es sich anhört und macht eigene Defizite gut sichtbar.

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Re: Diskussion zu Trippelschritts «Wie schreibt man einen Roman»
« Antwort #16 am: 07 September 2015, 12:20:49 »
Ich habe auch jahrelang Kurzgeschichten geschrieben und habe das Gefühl, ich hänge nun am Plot, der viel umfangreicher und verzweigter ist, als an einer KG.
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht.

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Re: Diskussion zu Trippelschritts «Wie schreibt man einen Roman»
« Antwort #17 am: 07 September 2015, 15:11:49 »
@ Trippelschritt

Für mich sieht es so aus: Wenn die Figuren nicht wissen, was sie wollen ... tja, sie wissen schon alle, was sie gerne so hätten. Doch nicht alles davon hilft meinem Plot weiter. Es müssen aus allen Wünschen und Plänen jene herausgeschält und dargestellt werden, die den Plot voranbringen. Und das kann ich eben nur tun, wenn ich weiß, was dieser Plot ist.
Ich könnte schon auch anders schreiben, habe ich auch lange gemacht, Aber für mich hat sich das auf die Dauer als zu mühsam erwiesen, weil ich mich ständig in Sackgassen hineingeschrieben habe, aus denen ich nur wieder herauskam, indem ich ganze Teile meiner Geschichte wegschmiss. Was ich - neben der verschwendeten Schreibzeit - umso nerviger fand, weil die Teile an sich nicht schlecht waren; sie haben nur einfach zu keiner brauchbaren Geschichte geführt.

Für mich entsteht der Eindruck, als hättest du den Eindruck, als würde ich meine Figuren vernachlässigen, zugunsten eines Plots. Ich vernachlässige meine Figuren aber keineswegs, ich liebe sie heiß und innig. Ich bewege sie nur anders als du. ;)
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Trippelschritt

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Re: Diskussion zu Trippelschritts «Wie schreibt man einen Roman»
« Antwort #18 am: 07 September 2015, 16:33:33 »
Nein, Viskey, dieser Eindruck ist falsch.
Du hast aus Deiner Bestandaufnahme versucht abzuleiten, dass man vom Plot ausgehen muss.
Ich stimme mit Deiner Bestandsaufnahme völlig überein und leite daraus ab, dass man von der Figur ausgehen sollte.
Und das sind auch die beiden Positionen, die man immer in dieser oder einer ähnlichen Diskussion findet. Mach es einfach, wie es bei Dir funktioniert und ich mache es, wie es bei mir funktioniert. Anders geht es nicht. Das Einzige, was ich anrege ist, man sollte beides ernsthaft ausprobiert haben. Und das ist bei Dir der Fall. also mach es so, wie Du es für Dich entschieden hast.

Und Merin muss es vielleicht noch herausfinden.
Ist doch auch tröstlich, dass so viele immer wieder im Plot hängenbleiben. Keiner von uns ist also die große Ausnahme und alle anderen können es.


Liebe Grüße
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Re: Diskussion zu Trippelschritts «Wie schreibt man einen Roman»
« Antwort #19 am: 07 September 2015, 16:44:27 »
Du hast aus Deiner Bestandaufnahme versucht abzuleiten, dass man vom Plot ausgehen muss.

Ich habe daraus gar nichts abgeleitet. ;) Ich habe lediglich dargelegt, warum ich schreibe wie ich nun mal schreibe. Gemacht habe ich das, weil deine Methode für mich zu figurenorientiert ist. Dem wollte ich einen anderen Standpunkt gegenübersetzen. - Ohne wenigstens zwei Positionen gibt es schließlich nix zu diskutieren. ;)


Ich wollte und will hier keine Grundsatzdiskussion starten, weil die erfahrungsgemäß nix bringen. Du stellst deine Figuren in den Fokus, ich den Plot. Das eine ist nicht besser als das andere.

Es sind einfach nur zwei verschiedene Herangehensweisen, die beide eine Chance verdienen. Für welche man sich am Ende entscheidet, hängt von den Vorlieben, Stärken und Schwächen des Autors ab. Jeder wie er kann. :devcool:


Und freut mich, dass mein Eindruck da falsch war.
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Re: Diskussion zu Trippelschritts «Wie schreibt man einen Roman»
« Antwort #20 am: 07 September 2015, 17:31:04 »
Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen.  :cheer:

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Re: Diskussion zu Trippelschritts «Wie schreibt man einen Roman»
« Antwort #21 am: 07 September 2015, 17:33:08 »
Un dich werde mal versuchen, etwas systematischer zu probieren. :schnief:
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