29 Februar 2020, 10:42:03

Autor Thema: Plotten nach K. M. Weiland  (Gelesen 2641 mal)

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Schnu

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Plotten nach K. M. Weiland
« am: 19 Mai 2016, 20:44:10 »
Ich habe mir vor einer Weile das Buch „Structuring Your Novel: Essential Keys for Writing an Outstanding Story“ gekauft und möchte euch die im Buch vorgestellte Methode nun mal etwas ausführlicher vorstellen. merin hatte mich vor einer Weile
gefragt, ob ich das Buch mal vorstellen mag und da ich in einem anderen Forum bereits einen ausführlichen Artikel dazu geschrieben habe, dachte ich mir, ich stelle ihn hier der Einfachheit halber ebenfalls ein.

Laut der Autorin K. M. Weiland kann man jede erfolgreiche Geschichte auf genau zehn Punkte herunterbrechen. Da das Buch in englischer Sprache geschrieben ist, werde ich zunächst die englischen Bezeichnung nennen und in Klammern eine möglichst genaue deutsche Übersetzung anfügen. Ich werde das Prinzip anhand eines mir bekannten Beispiels erklären, das im Original auch auf der Website der Autorin zu finden ist. Wer die englische Sprache beherrscht, kann aber auch direkt auf der Seite schauen. Dort findet man etliche weitere Beispiele aus Literatur und Film. http://www.helpingwritersbecomeauthors.com/book-storystructure/story-structure-database-index/

Nun zu den einzelnen Punkten:

Hook (Haken)


Der Haken, das sind meist jene bedeutungsvollen ersten Sätze, die einen sofort in ihren Bann ziehen. Beispiele dafür sind z. B. der Beginn von „Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen oder auch die ersten Sätze von „Enders Spiel“ von Orson Scott Card. Von diesem Haken wird auch oft in Schreibratgeberliteratur gesprochen, doch es gibt auch zahlreiche Beispiele aus Literatur und Film, die auf einen solchen Haken verzichten und gleich in medias res starten.

In dem Film „Wir kaufen einen Zoo“ besteht der Haken aus einer Voice Over. Benjamins Sohn erzählt etwas über seinen ungewöhnlichen Vater.

Inciting Event (Auslösendes Ereignis) und Key Event (Schlüsselereignis)

Das auslösende Ereignis ist der erste Dominostein, der die Geschichte in Gang setzt. Bei einem Krimi wäre dies naturgemäß ein Mord. Das Schlüsselereignis ist der Moment, an dem der Protagonist irgendwie in die Geschehnisse involviert wird. Bei einem Krimi wäre es der Moment, an dem der Detektiv engagiert wird bzw. die Polizei auf den Plan tritt.

In „Wir kaufen einen Zoo“ beschließt Benjamin, mit seiner Familie umzuziehen.

1. Plot Point (1. Wendepunkt)

Dieser Punkt ereignet sich ungefähr bei der 25%-Marke der Geschichte. Es ist ein einschneidendes Erlebnis bzw. ein Moment im Leben des Protagonisten, der gravierende Auswirkungen auf ihn und sein Umfeld haben kann.

In „Wir kaufen einen Zoo“ beschließt Benjamin, den Zoo zu kaufen. Dies ist der erste Plotpoint.

1. Pinch Point (1. Kniff)

Dieser Moment findet ungefähr gegen Ende der ersten Hälfte des zweiten Akts statt (3/8 der Story). An dieser Stelle hat oft der Antagonist einen Auftritt.

In „Wir kaufen einen Zoo“ ist es der Moment, an dem der Zoo-Inspektor plötzlich auftaucht.

Midpoint (Die Mitte)

Genau wie der 1. Plot Point, so stellt auch der Midpoint eine entscheidenden Wendung dar. Es sollte ein dramatisches Ereignis sein, das gravierende Auswirkungen auf den Protagonisten hat. Der Midpoint liegt ungefähr bei der 50%-Marke.

In „Wir kaufen einen Zoo“ findet Benjamin heraus, dass seine Frau ihm 80.000 $ hinterlassen hat.

2. Pinch Point (2. Kniff)

Dieser Punkt befindet sich ungefähr bei der 5/8-Marke. Hier kann auch wieder der Antagonist seine Muskeln spielen lassen. Oft hat dieser Punkt eine Art Offenbarung für den Protagonisten zur Folge. Einige Probleme des Protagonisten können an dieser Stelle gelöst werden, aber das Hauptproblem bleibt bestehen.

In „Wir kaufen einen Zoo“ ist es der Moment, an dem der alte Tiger eingeschläfert wird.

3. Plot Point (3. Wendepunkt)

Bei ungefähr 75% der Story, zu Beginn des dritten Akts, findet der dritte Plot Point statt. Mehr noch als die vorangegangenen Wendungen, ebnet dieser einschneidende und oft dramatische Moment den Weg zum Höhepunkt der Geschichte.

In „Wir kaufen einen Zoo“ Ist es die finale Überprüfung durch den Zoo-Inspektor.

Climax (Höhepunkt)

Der große Knaller einer Geschichte. Gegen Ende des Buchs/Films, bei ca. der 90%-Marke findet der dramatische Höhepunkt der Handlung statt. Alle vorangegangenen Ereignisse münden in diesem Moment.

In „Wir kaufen einen Zoo“ ist die Eröffnung durch ein plötzlich auftretendes Gewitter gefährdet.

Climatic Moment (Der alles entscheidende Moment)

Der Climatic Moment oder der alles entscheidende Moment stellt quasi den Höhepunkt Innerhalb des dramtischen Höhepunkts der Geschichte dar. Hier entscheidet sich, ob der Held lebt oder stirbt, ob er den Antagonisten oder die antagonistische Kraft überwindet oder von ihr vernichtet wird. Dieser Moment kann wohl gar nicht dramatisch genug sein.

Der Climatic Moment in „Wir kaufen einen Zoo“ ist die große Menschenmenge am Eingang des Zoos.

Resolution (Auflösung)

An diesem Punkt lässt die dramatische Spannung rapide nach. Die Krise ist überwunden, der Held hat triumphiert, das Mädchen ist gerettet. Es gibt keine Vorgaben, wie eine Auflösung beschaffen sein muss. Man kann sich des Mittels des Epilogs bedienen, um zu zeigen, was nach den dramatischen Ereignissen mit den Figuren geschieht oder wie ihr Leben weitergeht.

Die Auflösung in „Wir kaufen einen Zoo“ ist der Moment, an dem Benjamin seinen Kindern zeigt, wo er ihrer Mutter zum ersten Mal begegnet ist.

Zwar habe für diesen Artikel einen Film als Beispiel gewählt, doch lässt sich die Methode natürlich auch auf Literatur anwenden.
Wenn gewünscht, kann dieses Thema ruhig sticky gemacht werden und zu den anderen "Plotting nach ..." Themen hinzugefügt werden.

LG Schnu

merin

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Re: Plotten nach K. M. Weiland
« Antwort #1 am: 20 Mai 2016, 14:11:47 »
Ich habe die Diskussion mal abgetrennt, bitte diskutiert die Methode im entsprechenden Diskussionsthread: http://www.federteufel.de/forum/index.php/topic,1602.0.html
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht.