Teufelszeug > Theorie

Informationsvermittlung durch Traum vs Rückblende

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LaHallia:
Hi ihr Lieben,

in meinem ursprünglichen Thread zu diesem Thema sind wir etwas davon abgekommen. Daher hier eine allgemeine Überlegung zu diesem Thema.

Wenn wir in unseren Texten Information vermitteln wollen, die vor der tatsächlichen Handlung passiert ist machen wir das wahrscheinlich alle mittels Rückblenden oder durch Dialog.
Rückblenden sind natürlich gut dazu geeignet längere Passagen sehr realistisch nachzuerzählen.

Infovermittlung in einem Traum ist vermutlich schwieriger, weil Träume ja oft ganz und gar nicht real sind. Wenn ich so an meine Träume denke, dann fühle ich während des Traums auch nichts. Das Gefühl kommt erst nach dem Aufwachen, wenn ich mich an den Traum erinnere, oder durch den Traum aufgewacht bin.
Vielleicht ist ein Traum also gar nicht so sehr geeignet Emotionen zu transportieren? Während des Traums, meine ich. Müsste die Arbeit mit den Gefühlen da eigentlich nicht erst NACH dem Aufwachen des Träumenden passieren? Oder müsste man nicht eigentlich komplett auf das "Nachbearbeiten" der Emotionen verzichten können, weil der Traum im Leser schon Emotionen wecken müsste?

Ich bin gespannt auf eure Eindrücke und Anmerkungen aller Art. Auch zu Traumbildern und allem, was euch zu dem Thema schreibtechnisch einfällt.

Liebe Grüße,
LaHallia

merin:
Du fühlst in Deinen Träumen nichts? Das erstaunt mich ja kolossal.

Ich bin ja berufsbedingt eine Traumsammlerin. Das heißt, ich kenne nicht nur meine Träume, sondern viele Menschen erzählen mir ihre. Und die allermeisten Menschen, die mir da unterkommen, erleben in ihren Träumen intensive Emotionen. Insofern finde ich Träume geeignet, Emotionen auf eine sehr direkte Art zu kommunizieren, oder besser noch: bei den Lesenden hervorzurufen. Damit besteht aber die Schwierigkeit genau darin, Bilder zu finden, die die Emotionen stark transportieren, dabei aber eigen und nicht platt sind.

Klassische Traumdeutung nach Freud, die inzwischen ja doch jeder zumindest dem Namen nach kennt, arbeitet außerdem mit Symbolen und Verdichtungen. Wir müssen daher davon ausgehen, dass unsere Leser erwarten, dass Träume symbolhaft und verdichtet sind, dass sie etwas über die Situation und die inneren Konflikte der oder des Träumenden aussagen. Insofern erwarte ich, dass Träume Informationen anders transportieren als Rückblenden oder Dialoge: symbolhaft, verfremdet, emotionsgeleitet. Noch besser ist es, wenn der Traum über die aktuelle Situation hinausgeht, und für das gesamte Buch eine Bedeutung hat.
Ich finde das so schwer, dass ich noch nie einen Traum für eine Prota geschrieben habe, der nicht bei der Überarbeitung rausgeflogen wäre. Aber in der Theorie kann ichs. Vielleicht. :cheer:

Viskey:
Also gerade zum Transportieren von Emotionen finde ich Träume besser geeignet als Rückblenden. Weil du da eben wirklich in die ganz große Kiste der Bilder und Übertreibungen greifen kannst.

Wie merin schon geschrieben hat: Du kannst da ganz direkt auf die Emotionen abzielen. Kein Bild ist zu bizarr, um nicht "realistisch" zu sein, weil in Träumen halt alles möglich ist. Gerade die "üblichen" Phobien kann man da gut einsetzen: Spinnen, Höhe, Enge ... Denn auch wenn einem selbst Spinnen nichts ausmachen, wird das Bild von jedem verstanden.

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