27 Januar 2021, 21:37:23

Autor Thema: 2. Kapitel: Meine Familie oder: Wieviel Beschreibung ist erlaubt?  (Gelesen 2436 mal)

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schmurr

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2.   Meine Familie

Mein Vater war als Rechtsanwalt und Notar erfolgreich, wenn auch mit Kaufverträgen über Kühe und ähnlichen ländlichen Lappalien nicht viel Geld zu machen war. Zuhause dagegen erholte er sich, indem er jedes Grübeln über Gerechtigkeit vermied: fingen meine beiden Schwestern plötzlich gleichzeitig zu weinen an, was öfters vorkam, war für ihn automatisch ich der Schuldige, obwohl sie in ihrem Zimmer saßen und ich in meinem, und er stampfte mit wutverzerrtem Gesicht die Treppe herauf, um mich zu schlagen. Er hätte mir wohl nicht sehr wehgetan, aber man weiß es nicht, denn ich kroch jedesmal unters Bett.

Als ich viele Jahre später am Telefon die Stimme meiner Mutter sagen hörte, dass Papa gestorben war, kam in mir sofort das Bild hoch, wie er mit wutverzerrtem Gesicht die Treppe heraufstampfte. So konnte ich seinen Tod besser verkraften.

In unserer alten Wohnung, also bis ich acht war, diente zu diesem Zweck der Teppichklopfer. Der schmerzte wenig. In der Tat litt ich nicht unter den physischen, sondern den psychischen Folgen dieser „Anwaltstätigkeiten“: ich hatte kein Vertrauen zu meinem Vater und fühlte keine Zuneigung zu ihm, außer in späteren Jahren Mitleid, wenn meine Schwestern über ihn meckerten.

Selbst als er am Vorabend meines Starts ins Studentenleben, also der Abfahrt nach Heidelberg, zu mir sagte, es sei nun an der Zeit, mit mir ein Wort von Mann zu Mann zu reden, lehnte ich ab. Das war natürlich unvernünftig. Das einzige Mal, dass einer unserer Eltern einem von uns Kindern einen guten Rat erteilen wollte, hätte ich zugreifen sollen. Ich tröste mich später damit, dass er mir wohl nur sagen wollte, ich solle bei Frauen aufpassen, keiner ein Kind zu machen. Eine solche Situation war ohnehin für mich völlig utopisch, und mit diesem Argument begründete ich auch meine Ablehnung seines Angebots.

Wenn er mir dagegen hatte sagen wollen, ich solle nicht auf das Mädchen meiner Träume warten, sondern jede Gelegenheit beim Schopf ergreifen, um dann, wenn es soweit war, bereits ein erfahrener Liebhaber zu sein – ja, dann müsste ich meine Ablehnung bitter bereuen. Aber ich glaube nicht, dass er mir das sagen wollte. „Carpe diem“ ist nicht sehr norddeutsch.

Die Bayern, die feiern! Bei Bayerinnen habe ich mich immer wohlgefühlt. (Nach den Regeln der Grammatik darf ab 2 Personen die Mehrzahl verwendet werden.) Auch die anderen Süddeutschen und die Österreicher feiern oft. Eine Sexualforscherin, die ich persönlich kennenlernte, postuliert, dass es in den Alpentälern der Kirche nicht gelungen sei, den natürlichen Sexualdrang auszutreiben, und zitiert dazu (obwohl sie nicht auf deutsch schreibt): „Auf der Alm, da gibt’s koa Sünd‘“.

In Schleswig dagegen: Karneval gibt’s nicht, Halloween war damals noch nicht „erfunden“; das einzige Volksfest in zwölf Monaten war das dreitägige Schützenfest, dessen Bässe von der Schützenkoppel zu uns hinüberwummerten.

Es mag mit der Religion zusammenhängen: auch die katholischen Rheinländer sind ja für Fröhlichkeit bekannt. Im evangelischen Hamburg dagegen blaffte mich ein Bürger an, als ich bei Rot über die Straße ging. Wenigstens an Silvester erlebte ich dort Ausgelassenheit auf den Straßen.

Papa kam immer mittags zum Essen nach Hause, legte sich dann aufs Sofa und las den SPIEGEL oder ein Buch und fuhr gegen 15 Uhr ins Büro zurück. Es waren zwar nur fünf Minuten zu Fuß, durch die schöne Allee mit Blick auf die Schlei, aber das Gehen vermied er. Er brauchte ja auch den Wagen für seine Fahrten zu den Bauern, und dann war da sein amputierter Fuß...

Mein Vater arbeitete viel im Garten, und es missfiel ihm, dass ich ihm nur selten dabei helfen wollte, aber ich hatte meine Gründe, denn ich musste dann immer umgraben, und der Vorbesitzer hatte tonnenweise Lehm aufschütten lassen. Das bedeutete: der Boden war entweder zäh wie Leim und an jedem Schuh klebte kiloweise Lehm, oder, bei Trockenheit, steinhart.

Er werkelte auch oft im selbstgebauten Hobbyraum. Da hätte ich vieles lernen können, was mich für Mädchen zumindest gelegentlich hätte interessant machen können. Aber, wie gesagt, ich war nicht gern mit ihm zusammen, und er hielt mich auch für unfähig. Selbst als ich für den Werkunterricht eine „Spielmaschine“ entwarf, aussägte, zusammenleimte und lackierte, brachte ihn dies nicht von seiner Meinung ab.

Er sagte immer, er sei viersprachig aufgewachsen: hochdeutsch, plattdeutsch, hochdänisch und plattdänisch. Er war Sohn des Dorfschullehrers in einem Nest an der Grenze mit Namen Gottrupel, der merkwürdigerweise à la française auf der letzten Silbe betont wird.  Die Liebe zum Lande liegt auch mir im Blut.

Er aß und trank gern, betrank sich aber nie, auch wenn ich ihn jeden Abend mehrmals die Kellertreppe hinuntersteigen hörte, um sich noch eine Flasche Bier zu holen. Zu seinem Geburtstag am 2. Juli gab es Erbsen und Wurzeln (Karotten) und Schinken und zum Nachtisch die ersten Erdbeeren aus dem Garten mit Milch. Wenn meine Mutter Heringe briet oder Pfannkuchen buk (die wir meist mit Stachelbeerkompott aßen, eine Köstlichkeit, die nie ein Italiener wird genießen können), durften wir so viele essen, wie wir wollten, und mein Vater aß viele.

Im Krieg zeichnete er sich in Frankreich durch die Rettung einiger Kameraden aus. In Russland ging er auf einen Botengang, und als er zurückkam, waren alle seine Kameraden tot. Später musste ihm wegen eines Granatsplitters ein Unterschenkel amputiert werden, und der Krieg war für ihn zu Ende.

Als Kriegsversehrtem stand ihm jedes Jahr ein kostenloser Kuraufenthalt zu. Den Ort konnte er frei wählen, und er wählte fast immer die am weitesten entfernten, wie Bad Wörishofen im Allgäu. Wenn er zurückkam, brachte er uns immer etwas mit: jedem eine Tafel Kinderschokolade, ein Luxus für uns, weil sie 1,30 DM kostete (0,65 Euro). Mir brachte er außerdem Kiloware mit. Das war ein Sack voll Briefmarken, die noch am Papier hafteten. Man sagte, dass auch wertvolle darunter sein konnten, bei mir aber nie.

Auf seinen alten Fotos sieht man einen ausgesprochen gutaussehenden Mann, und so fand er trotz Beinprothese eine intelligente, neun Jahre jüngere Frau.

Meine Mutter hatte eine Schwester, die älter als sie war und auch stärker und dies ausnutzte. Mutti lernte ein bisschen Klavier spielen, doch das Instrument verfiel zusehends und landete wohl im Müll. Später reichte es nur zu einer Mini-Heimorgel, auf der sie verständlicherweise kaum spielte, fast nur zu Weihnachten. Auch ihre Sprachbegabung – sie hatte ein gutes Abitur gemacht – und sonstigen Interessen blieben ungenutzt; nach getaner Hausarbeit sah sie fern, während mein Vater immerhin auch Bücher über Geschichte las.

Das Schlimmste für sie war, dass mein Vater, der kurz nach der Heirat eine Praxis eröffnen sollte, die Gelegenheit erhielt, die eines gerade verstorbenen Kollegen zu übernehmen, samt dessen Mandanten... aber dafür mussten sie von Flensburg nach Schleswig ziehen.

Meine Mutter hatte immer in Flensburg gewohnt, und all ihre Freunde und Bekannten und Verwandten wohnten dort. An einen Zweitwagen war nicht zu denken; außerdem hatte sie bei der ersten Fahrt nach dem Führerschein eine Mauer gerammt und seitdem kein Steuer mehr angerührt. Die Verkehrsverbindungen sind schlecht: beide Bahnhöfe liegen kurioserweise weitab vom Zentrum, und der Bus braucht für die 35 km über eine Stunde.

So vergingen für sie einsame Jahre; erst als wir Kinder aus dem Haus waren, trat sie in einen Chor ein und fand dort Freundinnen. Sie machte dann auch beim Sorgentelefon mit (keine leichte Aufgabe) und half einem Waisenjungen bei den Hausaufgaben; er aß bei uns zu Weihnachten und bei anderen Gelegenheiten.

Schon bevor mein Vater starb, stand es für sie fest, dass sie das Haus verkaufen und sich in Flensburg eine Wohnung nehmen würde, in ihrem vertrauten Stadtteil.

Mit meinen beiden Schwestern verstand und verstehe ich mich gut (auch als Kind, trotz der erwähnten Wein-Dramen), besonders mit der jüngeren: wir verbringen jedes Jahr mehrere Wochen zusammen. Sie ist vier Jahre jünger als ich und arbeitet als Berufsberaterin; die andere ist zwei Jahre älter als sie und verdient ihr Brot bei der Post; ihr Mann ist Informatiker; bei ihnen, in Hamburg, bleibe ich jeweils übers Wochenende. Wenn ich in diesem Buch „meine Schwester“ schreibe, ist immer die jüngere gemeint.

Meine Schwester überraschte mich neulich, als sie angesichts junger Kaninchen ausrief: „Die süßen Ninges!“ Ich wusste gar nicht mehr, dass wir die als Kleinkinder so nannten. Gewärtig ist mir noch „Mule“ für Katze (eine Erfindung meines Vaters, mit norddeutsch kurzangebundenem „u“) und meine eigene Kreation „Tis“ für Tischset (weil auf meinem „Teddys“ zu sehen waren, ich das Wort aber noch nicht aussprechen konnte), die wir bis heute verwenden. Meine Mutter spricht eine Art Fundamentalisten-Norddeutsch: z. B. sagt sie für „werktags“ „teechlichentachs“.

Als wir noch klein waren, ließ Papa uns jeden Sonntagmorgen zu den Klängen des „Fredericus Rex“-Marsches um den Couchtisch herum marschieren. Ich versuchte öfters, meine Schwestern dafür zu gewinnen, mich mit einem „Papierschnippel zu gillen“, d. h. zu kitzeln oder vielmehr zu streicheln. Die nächste Gelegenheit zu etwas Derartigem sollte ich erst viele Jahre später haben... Sah meine Mutter Zärtlichkeit, sprach sie von „Affenliebe“ . Dieser Ausdruck war im 19. Jahrhundert verbreitet... Meine Schwestern konnten sich bei Papa Streicheleinheiten holen, ich als Junge durfte das nicht. Als Ersatz dafür kochte mir Mutti immer Sachen, die ich gerne mochte, um mir zu zeigen, dass sie mich doch irgendwie lieb hatte.

Die Schwester meiner Mutter heiratete einen Möbelhändler. Mit ihrem Sohn spielte ich jedesmal Gesellschaftsspiele, z. B. „Öl für uns alle“. Sie wohnten lange Zeit in einem Altbau mit Gemeinschaftsklo auf halber Treppe, weil es von dort nicht weit zum Geschäft war; schließlich bezogen sie doch ein Reihenhaus im Grünen. Meine Eltern sahen auf sie herab, weil in deren elegantem Wohnzimmer Bücher von Konsalik, Simmel & Co. überwogen, während bei uns Goethe, Storm, Dostojewski usw. prangten. Dafür hatten sie viel früher als wir einen Farbfernseher. Ich litt sehr darunter, dass wir viele Jahre lang keinen hatten, besonders wenn man bei einem Fußballspiel die Mannschaften kaum auseinanderhalten konnte.

Einmal ging mein Onkel mit seinem Sohn und mir und Papa in den Heizungskeller und erklärte seinem Sprössling, wie alles funktionierte. „Das ist ein Vater!“ dachte ich mir. Aber ich will ihn nicht idealisieren: in einem eleganten Restaurant griff er, kaum dass sein Teller vor ihm stand, ohne probiert zu haben, zum Salzfass und salzte ausgiebig.

Von den Geschwistern meines Vaters war einer Gärtner, der meinem Vater immer gute Tipps gab, und einer Hausmeister an einer Schule; mit seinen Kindern spielten wir Monopoly. Papas Schwesterchen heiratete einen Mann, der für eine Elektronikfirma um die Welt reiste. So konnte er mir, als ich nach Singapur sollte, sagen, dass ich dort unbedenklich Leitungswasser trinken konnte. Als nach einer Nachtfahrt im Bus in Südfrankreich mir der Rasierapparat zu Boden fiel und der Mann im Schleswiger Kaufhaus sagte, da sei nichts mehr zu machen, reparierte mein Onkel ihn im Handumdrehen.

Oma Schmurr starb, als wir noch klein waren, wir mussten unseren Urlaub in Dänemark deswegen abbrechen. Opa Schmurr sagte immer: „Der Martinus, der Martinus, der ist ein kleiner Pfiffikus!“ Ansonsten sagte er wenig. Er fuhr einen winzigen Goggo und rauchte Overstolz ohne Filter. Er schenkte mir immer Zartbitterschokolade, die ich nicht mag.

Naleesha

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Re: 2. Kapitel: Meine Familie oder: Wieviel Beschreibung ist erlaubt?
« Antwort #1 am: 06 Februar 2017, 02:22:54 »
Hallo Schmurr,

wie beim vorherigen Kapitel auch, werde ich hier meine Gedanken, die ich beim ersten bzw zweiten Lesen habe einfach aufschreiben.
hoffentlich helfen sie dir weiter.

zunächst einmal: ich habe so einige Probleme mit diesem Text. vor Allem, was die Chronologie betrifft.
sie wirkt zerhackstückelt, durchgemischt und völlig durcheinander aufgelistet. als würde man jemandem sagen: "zähle von 1-10" und er antwortet mit: " 1, 4, 7, 2, 5, 3, 9, 8, 6, 10."

Auch wirken deine Absätze wieder SEHR kurz. manchmal zu kurz um für mich erkennen zu können, was du mir sagen möchtest. sie wirken, als wären sie auseinandergeschnippelt. oft, als würde da etwas fehlen. Du hast hier auch viel Infodump drin. und viel zu viel Tell. ich wünsche mir, dass du mir deine Eltern zeigst. erzähle anekdoten von Schlüsselereignissen, die uns den Charakter deines Vaters zeigen. bei der Stelle mit der Spielmaschine, auf die ich später näher eingehen werde, wäre das eine Super Gelegenheit gewesen, die du aber nicht nutzt.

so, nach dem allgemeinen ersten Eindruck, jetzt im Detail

2.   Meine Familie

Mein Vater war als Rechtsanwalt und Notar erfolgreich, wenn auch mit Kaufverträgen über Kühe und ähnlichen ländlichen Lappalien nicht viel Geld zu machen war. Zuhause dagegen erholte er sich, indem er jedes Grübeln über Gerechtigkeit vermied: fingen meine beiden Schwestern plötzlich gleichzeitig zu weinen an, was öfters vorkam, war für ihn automatisch ich der Schuldige, obwohl sie in ihrem Zimmer saßen und ich in meinem, und er stampfte mit wutverzerrtem Gesicht die Treppe herauf, um mich zu schlagen. Er hätte mir wohl nicht sehr wehgetan, aber man weiß es nicht, denn ich kroch jedesmal unters Bett.
 
(hier könntest du mir einen Streit zeigen. du hörst vielleicht deine Schwestern durch die Wände schreien. (oder wo genau befand sich dein Zimmer im Vergleich zu deren?) du hörst deinen Vater die Treppe heraufstürmen "wie so oft"-kannst du an dieser Stelle dann einbauen. das zeigt mir viel mehr, wie dein Vater ist, als wenn du nur erzählst. du erzählst viel über deine Eltern, aber du verbindest sie nicht mit dir. bzw die Sätze, die sie mit dir verbinden sollen, die zünden nicht, weil es zu wenig zu kurz und zu abgeschnitten ist... dann bekommst du Angst und versteckst dich unterm Bett... und was tut dein Vater dann? denkt er, du bist nicht im Zimmer? siehst du vielleicht aus deinem Versteck heraus, wie seine Füße durchs Zimmer laufen und dich suchen? ruft er eventuell nochmal nach dir? das erfahren wir nicht, weil der Absatz hier abgeschnitten wird.

Als ich viele Jahre später am Telefon die Stimme meiner Mutter sagen hörte, dass Papa gestorben war, kam in mir sofort das Bild hoch, wie er mit wutverzerrtem Gesicht die Treppe heraufstampfte. So konnte ich seinen Tod besser verkraften.

(gib mir das Gespräch wieder. Deinen ersten Gedanken bei der Nachricht. galt sie deiner Mutter? deinen Schwestern? dir selbst, deiner Kindheit? und dann erinnere dich an das Bild und beschreibe, wie es das Gefühl, dass du im ersten Moment spürst abmildert. so wiedergegeben ist das als würde ein Sack reis umfallen. interessiert weder dich noch uns.)

In unserer alten Wohnung, also bis ich acht war, diente zu diesem Zweck (welchem Zweck?)der Teppichklopfer. Der schmerzte wenig. In der Tat litt ich nicht unter den physischen, sondern den psychischen Folgen dieser „Anwaltstätigkeiten“: ich hatte kein Vertrauen zu meinem Vater und fühlte keine Zuneigung zu ihm, außer in späteren Jahren Mitleid, wenn meine Schwestern über ihn meckerten. Diesen Absatz würde ich noch vor der Nachricht seines Todes schreiben. Chronologie. Generell sollte das Gespräch über seinen Tod erst am Ende SEINER Beschreibung kommen (nicht am Ende des Kapitels, das wäre zu spät.)

Selbst als er am Vorabend meines Starts ins Studentenleben, also der Abfahrt nach Heidelberg, zu mir sagte, es sei nun an der Zeit, mit mir ein Wort von Mann zu Mann zu reden, lehnte ich ab. Das war natürlich unvernünftig. Das einzige Mal, dass einer unserer Eltern einem von uns Kindern einen guten Rat erteilen wollte, hätte ich zugreifen sollen. (der Satz klingt komisch)Ich tröste mich später damit, dass er mir wohl nur sagen wollte, ich solle bei Frauen aufpassen, keiner ein Kind zu machen. Eine solche Situation war ohnehin für mich völlig utopisch, und mit diesem Argument begründete ich auch meine Ablehnung seines Angebots.

Wenn er mir dagegen hatte sagen wollen, ich solle nicht auf das Mädchen meiner Träume warten, sondern jede Gelegenheit beim Schopf ergreifen, um dann, wenn es soweit war, bereits ein erfahrener Liebhaber zu sein – ja, dann müsste ich meine Ablehnung bitter bereuen. Aber ich glaube nicht, dass er mir das sagen wollte. „Carpe diem“ ist nicht sehr norddeutsch.
(zu viel Spekulation darüber, was er dir vielleicht hätte sagen wollen. du wolltest es damals nicht wissen. warum sollten wir es jetzt wissen wollen?)

Die Bayern, die feiern! Bei Bayerinnen habe ich mich immer wohlgefühlt. (Nach den Regeln der Grammatik darf ab 2 Personen die Mehrzahl verwendet werden.) Auch die anderen Süddeutschen und die Österreicher feiern oft. Eine Sexualforscherin, die ich persönlich kennenlernte, postuliert, dass es in den Alpentälern der Kirche nicht gelungen sei, den natürlichen Sexualdrang auszutreiben, und zitiert dazu (obwohl sie nicht auf deutsch schreibt): „Auf der Alm, da gibt’s koa Sünd‘“.
(hier weiß ich nicht, wozu du mir diese Information gibst. sie wirkt dahingeklatscht. als würdest du abschweifen. dann merken, dass du abschweifst, abschneidest und mit dem eigentlichen Kapitel fortfährst.)

In Schleswig dagegen: Karneval gibt’s nicht, Halloween war damals noch nicht „erfunden“; das einzige Volksfest in zwölf Monaten war das dreitägige Schützenfest, dessen Bässe von der Schützenkoppel zu uns hinüberwummerten.
(erneut, erzähl mir eine Anekdote. warst du regelmäßiger Besucher dieses Schützenfests? wie war das erste Mal für dich? was hast du da getan und wie haben sich deine Eltern dort verhalten? (wäre ein guter Ansatzpunkt für den Unterschied zum Verhalten innerfamiliär zu öffentlich, falls es denn einen gab). und wenn nein, warum warst du in all den Jahren nie auf dem einzigen Fest des Jahres?

Es mag mit der Religion zusammenhängen: auch die katholischen Rheinländer sind ja für Fröhlichkeit bekannt. Im evangelischen Hamburg dagegen blaffte mich ein Bürger an, als ich bei Rot über die Straße ging. Wenigstens an Silvester erlebte ich dort Ausgelassenheit auf den Straßen.

Papa kam immer mittags zum Essen nach Hause, legte sich dann aufs Sofa und las den SPIEGEL oder ein Buch und fuhr gegen 15 Uhr ins Büro zurück. Es waren zwar nur fünf Minuten zu Fuß, durch die schöne Allee mit Blick auf die Schlei, aber das Gehen vermied er. Er brauchte ja auch den Wagen für seine Fahrten zu den Bauern, und dann war da sein amputierter Fuß...
(diesen Absatz kann ich chronologisch nicht einordnen. wo soll der hin? und die Tatsache, dass er wegen seines amputierten Fußes nicht zum Bauern laufen kann muss unbedingt nach der Erklärung mit dem Krieg kommen. sonst verwirrt sie an dieser Stelle nur. ich habe mich dabei ertappt zurückzuscrollen, weil ich dachte, etwas wichtiges überlesen zu haben. der Gedanke: Hä? Amputierter Fuß, hab ich was verpasst? wo kommt das denn jetzt her?)

Mein Vater arbeitete viel im Garten, und es missfiel ihm, dass ich ihm nur selten dabei helfen wollte, aber ich hatte meine Gründe, denn ich musste dann immer umgraben, und der Vorbesitzer hatte tonnenweise Lehm aufschütten lassen. Das bedeutete: der Boden war entweder zäh wie Leim und an jedem Schuh klebte kiloweise Lehm, oder, bei Trockenheit, steinhart.

Er werkelte auch oft im selbstgebauten Hobbyraum. Da hätte ich vieles lernen können, was mich für Mädchen zumindest gelegentlich hätte interessant machen können. Aber, wie gesagt, ich war nicht gern mit ihm zusammen, und er hielt mich auch für unfähig. Selbst als ich für den Werkunterricht eine „Spielmaschine“ entwarf, aussägte, zusammenleimte und lackierte, brachte ihn dies nicht von seiner Meinung ab.
(hier wieder zu viel Tell. zeig es mir. erzähl die Geschichte aus. ihr bekommt in der Schule eine Werk-Aufgabe. du erzählst vielleicht deinem Vater davon? wie hat er reagiert? zeig mir, wie viel Mühe du dir gibst, die Maschine zu entwerfen und zu bauen. zeig mir den Stolz, den du auf deine Arbeit empfindest, als du sie deinem Vater präsentierst. und dann erkläre mir, dass er dich trotzdem wie schon immer für unfähig gehalten hat und dein Gefühl, als du feststellen musstest, dass dein Vater deine Talente nie sehen wird. warst du enttäuscht? vielleicht wütend auf deinen Vater? ZEIG mir dein Leben. erzähl es mir nicht.

Er sagte immer, er sei viersprachig aufgewachsen: hochdeutsch, plattdeutsch, hochdänisch und plattdänisch. Er war Sohn des Dorfschullehrers in einem Nest an der Grenze mit Namen Gottrupel, der merkwürdigerweise à la française auf der letzten Silbe betont wird.  Die Liebe zum Lande liegt auch mir im Blut.

Er aß und trank gern, betrank sich aber nie, auch wenn ich ihn jeden Abend mehrmals die Kellertreppe hinuntersteigen hörte, um sich noch eine Flasche Bier zu holen. Zu seinem Geburtstag am 2. Juli gab es Erbsen und Wurzeln (Karotten) und Schinken und zum Nachtisch die ersten Erdbeeren aus dem Garten mit Milch. Wenn meine Mutter Heringe briet oder Pfannkuchen buk (die wir meist mit Stachelbeerkompott aßen, eine Köstlichkeit, die nie ein Italiener wird genießen können), durften wir so viele essen, wie wir wollten, und mein Vater aß viele.DAS gefällt mir.

Im Krieg zeichnete er sich in Frankreich durch die Rettung einiger Kameraden aus. In Russland ging er auf einen Botengang, und als er zurückkam, waren alle seine Kameraden tot. Später musste ihm wegen eines Granatsplitters ein Unterschenkel amputiert werden, und der Krieg war für ihn zu Ende.(HIER kommt jetzt die Erklärung zum amputierten Fuß. die hätte aber viel früher kommen müssen. und wieder nur ein kurzes Tell. lass deinen Vater doch die Geschichte erzählen. ungefähr so:

"Damals, im Krieg. hab ne menge Kameraden gerettet an dem Tag. das und das is passiert. (weißt du, was passierte?) und in Russland, ausgerechnet da, werden se getötet." schreib das ruhig so wie dein Vater es erzählen würde. mach es lebendig. (aber bitte ohne deinen Hang zur dialekt-sprachlichen Verdeutlichung)


Als Kriegsversehrtem stand ihm jedes Jahr ein kostenloser Kuraufenthalt zu. Den Ort konnte er frei wählen, und er wählte fast immer die am weitesten entfernten, wie Bad Wörishofen im Allgäu. Wenn er zurückkam, brachte er uns immer etwas mit: jedem eine Tafel Kinderschokolade, ein Luxus für uns, weil sie 1,30 DM kostete (0,65 Euro). Mir brachte er außerdem Kiloware mit. Das war ein Sack voll Briefmarken, die noch am Papier hafteten. Man sagte, dass auch wertvolle darunter sein konnten, bei mir aber nie.

Auf seinen alten Fotos sieht man einen ausgesprochen gutaussehenden Mann, und so fand er trotz Beinprothese eine intelligente, neun Jahre jüngere Frau.
(auch das kann ich chronologisch nicht genau einordnen. einerseits klingt es wie die Überleitung zur Mutter, andererseits, klingt es nach (wie es mir auch oft vorgeworfen wird) "Verstecken hinter Adjektiven". ich brauche keine detaillierte Beschreibung seiner Haar- Augen- wasweisich-Farbe, aber ein wenig anders, könntest du ihn schon beschreiben. ist aber wohl eher Geschmackssache.

Meine Mutter hatte eine Schwester, die älter und stärker warals sie war und auch stärker - und dies auch ausnutzte. (wie bzw durch was nutzt sie es aus? was tut sie? ist es das, was deine Mutter verleitet, allein zuhaus zu bleiben? der Rest des Absatzes wirkt, als hätte sie absolut keine Hobbys, macht nur Hausarbeit und sieht dann fern. auch die Tatsache, dass sie erst nach deinem Auszug einem Chor beitritt wirkt, als seist du der Grund dafür. aber wieso? Mutti lernte ein bisschen Klavier spielen, doch das Instrument verfiel zusehends und landete wohl im Müll. Später reichte es nur zu einer Mini-Heimorgel, auf der sie verständlicherweise kaum spielte, fast nur zu Weihnachten. Auch ihre Sprachbegabung – sie hatte ein gutes Abitur gemacht – und sonstigen Interessen blieben ungenutzt; nach getaner Hausarbeit sah sie fern, während mein Vater immerhin auch Bücher über Geschichte las. (Das der Vater Bücher über Geschichte las, gehört chronologisch in seinen Bereich. nicht in den der Mutter)



Das Schlimmste für sie war, dass mein Vater, der kurz nach der Heirat eine Praxis eröffnen sollte, die Gelegenheit erhielt, die eines gerade verstorbenen Kollegen zu übernehmen, samt dessen Mandanten... aber dafür mussten sie von Flensburg nach Schleswig ziehen. (ich dachte, du seist in Schleswig geboren? jetzt seit ihr dahin umgezogen? oder war das noch vor deiner Geburt? dann ist die Chronologie wieder durcheinander. und verwirrt.)

Meine Mutter hatte immer in Flensburg gewohnt, und all ihre Freunde und Bekannten und Verwandten wohnten dort. An einen Zweitwagen war nicht zu denken; außerdem hatte sie bei der ersten Fahrt nach dem Führerschein eine Mauer gerammt und seitdem kein Steuer mehr angerührt. Die Verkehrsverbindungen sind schlecht: beide Bahnhöfe liegen kurioserweise weitab vom Zentrum, und der Bus braucht für die 35 km über eine Stunde. hier hast du zu viel ausgebaut. es reicht die Erwähnung, dass ein hin und her-Pendeln bzw häufige Besuche schwer umsetzbar waren wegen schlechter Bedingungen.)

So vergingen für sie einsame Jahre; erst als wir Kinder aus dem Haus waren, trat sie in einen Chor ein und fand dort Freundinnen. Sie machte dann auch beim Sorgentelefon mit (keine leichte Aufgabe) und half einem Waisenjungen bei den Hausaufgaben; er aß bei uns zu Weihnachten und bei anderen Gelegenheiten. (Hier könntest du gut eines dieser Weihnachtsessen, bei denen dieser Waisenjunge anwesend war, schildern. zeig uns den (reich?) gedeckten Tisch, die Köstlichkeiten, die es nur an diesem besonderen Tag gab, das gemütliche Beisammensein, wenn deine Mutter ein Lied spielt...)

Schon bevor mein Vater starb, stand es für sie fest, dass sie das Haus verkaufen und sich in Flensburg eine Wohnung nehmen würde, in ihrem vertrauten Stadtteil.

Mit meinen beiden Schwestern verstand und verstehe ich mich gut (auch als Kind, trotz der erwähnten Wein-Dramen), besonders mit der jüngeren: wir verbringen jedes Jahr mehrere Wochen zusammen. Sie ist vier Jahre jünger als ich und arbeitet als Berufsberaterin; die andere ist zwei Jahre älter als sie jünger als ich (bleib bei der gleichen Verortung: dem Vergleich zu dir.)und verdient ihr Brot bei der Post; ihr Mann ist Informatiker; bei ihnen, in Hamburg, bleibe ich jeweils übers Wochenende. Wenn ich in diesem Buch „meine Schwester“ schreibe, ist immer die jüngere gemeint. (warum? warum erzählst du nichts über die ältere Schwester? und warum nennst du ihre Namen nicht? dann musst du nicht erklären, wen du meinst.)

Meine Schwester überraschte mich neulich, als sie angesichts junger Kaninchen ausrief: „Die süßen Ninges!“ Ich wusste gar nicht mehr, dass wir die als Kleinkinder so nannten. Gewärtig ist mir noch „Mule“ für Katze (eine Erfindung meines Vaters, mit norddeutsch kurzangebundenem „u“) und meine eigene Kreation „Tis“ für Tischset (weil auf meinem „Teddys“ zu sehen waren, ich das Wort aber noch nicht aussprechen konnte), die wir bis heute verwenden. Meine Mutter spricht eine Art Fundamentalisten-Norddeutsch: z. B. sagt sie für „werktags“ „teechlichentachs“.
(soll das eine Überleitung zur Schwester sein? ansonsten weiß ich nicht, was der Absatz soll, auch wenn ich ihn gar nicht schlecht geschrieben finde. nur der Sinn erschließt sich mir nicht ganz und trägt dadurch auch zur allgemeinen chronologischen Verwirrung bei.)

Als wir noch klein waren, ließ Papa uns jeden Sonntagmorgen zu den Klängen des „Fredericus Rex“-Marsches um den Couchtisch herum marschieren. Ich versuchte öfters, meine Schwestern dafür zu gewinnen, mich mit einem „Papierschnippel zu gillen“, d. h. zu kitzeln oder vielmehr zu streicheln. Die nächste Gelegenheit zu etwas Derartigem sollte ich erst viele Jahre später haben... Sah meine Mutter Zärtlichkeit, sprach sie von „Affenliebe“ . Dieser Ausdruck war im 19. Jahrhundert verbreitet... Meine Schwestern konnten sich bei Papa Streicheleinheiten holen, ich als Junge durfte das nicht. Als Ersatz dafür kochte mir Mutti immer Sachen, die ich gerne mochte, um mir zu zeigen, dass sie mich doch irgendwie lieb hatte.

Die Schwester meiner Mutter (Ach, Tanten und Onkel gab es auch? das wird ein wenig viel. und außerdem verliere ich im späteren Text komplett die Übersicht, welcher Elternteil jetzt wieviele Geschwister welchen Geschlechts hatte. das musst du verdeutlichen.
michselbst zum Beispiel, würde ich die Geschwister meiner Eltern so beschreiben:

Meine Eltern waren in Sachen Geschwister geschlechtlich klar getrennt. ich fand das immer Witzig, dass meine Mutter zwei Schwestern hatte, während es bei meinem Vater drei chaotische Brüder waren.

und schon is klar, wenn ich von einer Tante, oder einem Onkel spreche, mit wem er direkt verwandt ist.)
heiratete einen Möbelhändler. Mit ihrem Sohn spielte ich jedesmal Gesellschaftsspiele, z. B. „Öl für uns alle“. Sie wohnten lange Zeit in einem Altbau mit Gemeinschaftsklo auf halber Treppe, weil es von dort nicht weit zum Geschäft war; schließlich bezogen sie doch ein Reihenhaus im Grünen. Meine Eltern sahen auf sie herab, weil in deren elegantem Wohnzimmer Bücher von Konsalik, Simmel & Co. überwogen, während bei uns Goethe, Storm, Dostojewski usw. prangten. Dafür hatten sie viel früher als wir einen Farbfernseher. Ich litt sehr darunter, dass wir viele Jahre lang keinen hatten, besonders wenn man bei einem Fußballspiel die Mannschaften kaum auseinanderhalten konnte.

Einmal ging mein Onkel mit seinem Sohn und, mir und Papa in den Heizungskeller und erklärte seinem Sprössling, wie alles funktionierte. „Das ist ein Vater!“ dachte ich mir. Aber ich will ihn nicht idealisieren: in einem eleganten Restaurant griff er, kaum dass sein Teller vor ihm stand, ohne probiert zu haben, zum Salzfass und salzte ausgiebig.

Von den Geschwistern meines Vaters war einer Gärtner, der meinem Vater immer gute Tipps gab, und einer Hausmeister an einer Schule; mit seinen Kindern spielten wir Monopoly. Papas Schwesterchen heiratete einen Mann, der für eine Elektronikfirma um die Welt reiste. So konnte er mir, als ich nach Singapur sollte, sagen, dass ich dort unbedenklich Leitungswasser trinken konnte. Als nach einer Nachtfahrt im Bus in Südfrankreich mir der Rasierapparat zu Boden fiel und der Mann im Schleswiger Kaufhaus sagte, da sei nichts mehr zu machen, reparierte mein Onkel ihn im Handumdrehen.

Oma Schmurr starb, als wir noch klein waren, wir mussten unseren Urlaub in Dänemark deswegen abbrechen. Opa Schmurr sagte immer: „Der Martinus, der Martinus, der ist ein kleiner Pfiffikus!“ Ansonsten sagte er wenig. Er fuhr einen winzigen Goggo und rauchte Overstolz ohne Filter. Er schenkte mir immer Zartbitterschokolade, die ich nicht mag. (auch das Ende kommt hier recht abrupt. ich habe das Gefühl, als fehle etwas. aber andererseits, bin ich auch froh, dieses durcheinander endlich fertig gelesen zu haben.)

so, das klingt jetzt alles sehr negativ, aber ich hoffe, dass du etwas für dich daraus mitnehmen kannst.

Grüße,
Naleesha
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schmurr

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Re: 2. Kapitel: Meine Familie oder: Wieviel Beschreibung ist erlaubt?
« Antwort #2 am: 06 Februar 2017, 08:40:35 »
Hallo Naleesha,
"alles sehr negativ" macht nix! Ich weiß deine nützlichen Hinweise zu schätzen! Nur ein paar Dinge möchte ich einwenden, aber Zeit dazu habe ich erst übermorgen...
Ciao aus dem 6-Tage-Regen-Italien

scura

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Re: 2. Kapitel: Meine Familie oder: Wieviel Beschreibung ist erlaubt?
« Antwort #3 am: 06 Februar 2017, 14:01:35 »
Hi ich habe es mir durchgelesen... es sind mir zu viele Familienmitglieder, besonder ab Oma, Opa und Onkel und Tanten... Cousins und Cousinen.... die würde ich nur erwähnen wenn sie für die restliche Geschichte noch relevant sind, also eine tragende Rolle haben.

Insgesamt geht es mir leider immer noch so, dass ich das Gefühl habe nur Fragmente zu lesen. Auch sehr sprunghaft in der Erzählung.

merin

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Re: 2. Kapitel: Meine Familie oder: Wieviel Beschreibung ist erlaubt?
« Antwort #4 am: 06 Februar 2017, 14:56:08 »
Hallo Schmurr,

ich nehme an, deine Frage steht im Threadtitel?

Ich schreibe mal auf, was mir beim Lesen so durch den Kopf geht.

Zitat
Mein Vater war als Rechtsanwalt und Notar erfolgreich, wenn auch mit Kaufverträgen über Kühe und ähnlichen ländlichen Lappalien nicht viel Geld zu machen war.

Erstmal frage ich mich: Was heißt erfolgreich? Geht es um sein Ansehen? Um Geld?
Und warum steigst Du aus der Szene, die du aufbaust, aus, als "Du" unter das Bett krabbeltest? Ich würde nun gern wissen, wie es weiter geht. Offenbar schließt der übernächste Absatz nicht daran an:

Zitat
In unserer alten Wohnung, also bis ich acht war, diente zu diesem Zweck der Teppichklopfer. Der schmerzte wenig. In der Tat litt ich nicht unter den physischen, sondern den psychischen Folgen dieser „Anwaltstätigkeiten“: ich hatte kein Vertrauen zu meinem Vater und fühlte keine Zuneigung zu ihm, außer in späteren Jahren Mitleid, wenn meine Schwestern über ihn meckerten.

Mhm. Wirklich? Wenig im Vergleich wozu? Und: Wieso hattest Du Mitleid mit ihm? Zu welchen Anlässen?

Ich finde es schade, dass der Erzähler jetzt schon chronologisch springt zum Auszug des Protagonisten. Ich habe noch kein Bild vom Vater, von seiner Beziehung zum Sohn. Ich weiß nicht, wie alt die Schwestern im Vergleich zum Prota sind. Wie die Mutter reagiert hat, wenn der Vater schlug usw usf.

Zitat
Selbst als er am Vorabend meines Starts ins Studentenleben, also der Abfahrt nach Heidelberg, zu mir sagte, es sei nun an der Zeit, mit mir ein Wort von Mann zu Mann zu reden, lehnte ich ab. Das war natürlich unvernünftig. Das einzige Mal, dass einer unserer Eltern einem von uns Kindern einen guten Rat erteilen wollte, hätte ich zugreifen sollen. Ich tröste mich später damit, dass er mir wohl nur sagen wollte, ich solle bei Frauen aufpassen, keiner ein Kind zu machen. Eine solche Situation war ohnehin für mich völlig utopisch, und mit diesem Argument begründete ich auch meine Ablehnung seines Angebots.

Und das ist für mich wenig nachvollziehbar. Warum lehnt er ab? Wie? Wie reagiert der Vater darauf? Daraus würde ich eine Szene machen, anschaulich. Nicht einfach erzählen, sondern zeigen.
Und warum bereut er es später? Da fehlt mir Innenwelt des Protas um das nachzuvollziehen.

Zitat
Wenn er mir dagegen hatte sagen wollen, ich solle nicht auf das Mädchen meiner Träume warten, sondern jede Gelegenheit beim Schopf ergreifen, um dann, wenn es soweit war, bereits ein erfahrener Liebhaber zu sein – ja, dann müsste ich meine Ablehnung bitter bereuen.

Warum? Hätte der Prota danach gelebt?

Die folgenden Ausführungen verstehe ich nicht, sie sind mir zu allgemein. Ich habe keine Ahnung, was sie mit dem Prota und der Geschichte zu tun haben.

Dann gibt es wieder einen Zeitsprung, unvermittelt und ohne Verortung:

Zitat
Papa kam immer mittags zum Essen nach Hause, legte sich dann aufs Sofa und las den SPIEGEL oder ein Buch und fuhr gegen 15 Uhr ins Büro zurück. Es waren zwar nur fünf Minuten zu Fuß, durch die schöne Allee mit Blick auf die Schlei, aber das Gehen vermied er. Er brauchte ja auch den Wagen für seine Fahrten zu den Bauern, und dann war da sein amputierter Fuß...

Wie alt ist der Prota jetzt? Dem Gefühl nach so sechs oder sieben. Ich würde gern wissen, wo er steht, wenn er den Papa fahren sieht, was er sieht und spürt. Und natürlich, was es mit dem amputierten Fuß auf sich hat.
Leider brichst Du wieder unvermittelt ab, der Papa fährt auf die Arbeit, aber wir Leserinnen fahren nicht mit ihm, plötzlich ist er im Garten.
Aber auch da sehen wir nur den Hauch einer Szene. Und eilen zur nächsten Nichtszene:

Zitat
Er werkelte auch oft im selbstgebauten Hobbyraum. Da hätte ich vieles lernen können, was mich für Mädchen zumindest gelegentlich hätte interessant machen können. Aber, wie gesagt, ich war nicht gern mit ihm zusammen, und er hielt mich auch für unfähig. Selbst als ich für den Werkunterricht eine „Spielmaschine“ entwarf, aussägte, zusammenleimte und lackierte, brachte ihn dies nicht von seiner Meinung ab.

Ich will das sehen. Wie ist die Stimmung, wenn er doch mal mitwerkelt? Wie strengt er sich an mit der Maschine - und wie zeigt sich dann seine Enttäuschung, als der Vater ihn nicht sieht? Warum bleibst Du so weit weg vom Prota?

Ich höre mal auf, so genau zu beschreiben, weil es immer wieder das selbe ist: Du beginnst, mich in eine Szene zu ziehen, die du dann aber nicht lieferst. Du springst chronologisch hin und her, bleibst dabei distanziert. Dazu gibt es noch Widersprüche, der amputierte Fuß ist beispielsweise später ein Unterschenkel. Und welche Auswirkungen das hat, verstehe ich nicht - es würde mich aber interessieren. Wie läuft der Vater? Was fällt ihm schwer?

Mich hat nach dem Absatz mit der Spielmaschine nichts mehr so recht interessiert. Es ist alles so scheinbar belanglos aneinander gereiht, wie Schnipsel oder Fragmente. Ich finde keinen roten Faden. Später, als Du alle Verwandten vorstellst, wird das noch schlimmer: Niemand sticht heraus, niemand ist irgendwie eigen. Alle bleiben blass und welche Beziehung sie zum Prota haben, ist unklar. Und wie findet der Vater denn die Mutter? Da geht es doch nicht ums Aussehen, das wissen wir doch alle. Wieso heiratet sie ihn? Und wie geht sie damit um, dass sie so wenig Raum für sich hat?

Ich verstehe auch nicht, warum Du den Menschen keine Namen gibst. Auch dadurch bleiben sie seltsam fern, es ist, als lese ich die Welt durch einen Grauschleier. Ich finde es verschenkt, weil Dein Stil eigentlich interessant ist. Aber so wäre das kein Buch, das ich lesen würde.

Und nun noch zu der Frage: Ich finde, da ist gar keine Beschreibung drin. Ich fände es toll, wenn ich mal eine lebendige Beschreibung des Vaters hätte. Wie er langsam, aber aufrecht zum Auto geht, dabei das rechte Bein leicht nachziehend. Wie er die Augenbrauen hebt und die Hand zum Salzstreuer streckt. Wie er... Aber es gibt sie nicht. Statt dessen beschreibst Du halbe Szenen, die besser auserzählt wären. Schade!

lg
merin
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Re: 2. Kapitel: Meine Familie oder: Wieviel Beschreibung ist erlaubt?
« Antwort #5 am: 06 Februar 2017, 16:40:40 »
Hallo an alle,
vielen Dank für die hilfreichen Tipps! Ich werde versuchen, soviel wie möglich davon umzusetzen, aber alles ausführlich in Szene setzen kann ich nicht, dann wäre das Buch statt 177 mindestens 500 Seiten dick... Zwei Onkel und deren Kinder streiche ich, aber "Öl für uns alle" finde ich urig, so ganz anders als heute... Auch das mit dem Bein wird besser werden. Jetzt im Detail zu Naleesha und dann zu merin:
Zitat
außerdem hatte sie bei der ersten Fahrt nach dem Führerschein eine Mauer gerammt und seitdem kein Steuer mehr angerührt. Die Verkehrsverbindungen sind schlecht: beide Bahnhöfe liegen kurioserweise weitab vom Zentrum
Mauer wird später wiederaufgenommen, "kurios" ist Leitmotiv.
Weihnachtsessen: kommt im Kapitel "Kindheit".
Zitat
warum erzählst du nichts über die ältere Schwester? und warum nennst du ihre Namen nicht?
Die ältere Schwester ist ein schwieriges Thema; später wird es deutlicher. Namen nennen: wollen sie lieber nicht...
Zitat
Er schenkte mir immer Zartbitterschokolade, die ich nicht mag. (auch das Ende kommt hier recht abrupt.
Weil mein anderer Opa viel interessanter war...dem ist das folgende Kapitel gewidmet.

Jetzt zu dir, merin!
Zitat
Ich finde es schade, dass der Erzähler jetzt schon chronologisch springt zum Auszug des Protagonisten. Ich habe noch kein Bild vom Vater, von seiner Beziehung zum Sohn. Ich weiß nicht, wie alt die Schwestern im Vergleich zum Prota sind. Wie die Mutter reagiert hat, wenn der Vater schlug usw usf.
Die Auszugs-Szene ist fundamental für mein Verhältnis zu meinem Vater. Käme sie später, wäre es an dieser Stelle zu dürftig über ihn, und es ginge thematisch durcheinander.

Alles hier nicht Besprochene werde ich auf jeden Fall berücksichtigen!
Und in einer Woche die Fotos bzw. die Links dazu einfügen, da versteht man schon mehr über meine Eltern.
ciao

merin

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Re: 2. Kapitel: Meine Familie oder: Wieviel Beschreibung ist erlaubt?
« Antwort #6 am: 06 Februar 2017, 16:45:54 »
Naja, Du kannst ja Namen erfinden. Ist doch nicht unüblich.

Und jede Geschichte wäre 5000 Seiten lang, wenn man alles erzählen würde. Die Kunst besteht meines Erachtens im Auswählen. Dann lieber weniger erzählen, dies aber richtig. Dabei kommt meist viel mehr rüber, als wenn man vieles halb erzählt.
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schmurr

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Re: 2. Kapitel: Meine Familie oder: Wieviel Beschreibung ist erlaubt?
« Antwort #7 am: 06 Februar 2017, 16:50:53 »
Auswählen, da hast du recht! Habe ich ja auch im 1. Kapitel gemacht. Namen erfinden... bei mir soll alles authentisch sein, sonst glaubt mir später keiner die unglaublichen Dinge, die mir passiert sind...Alle Zitate sind authentisch, Wort für Wort. Allerdings bin ich im Prolog schon davon abgekommen, euch zuliebe, und somit...
ciao

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Re: 2. Kapitel: Meine Familie oder: Wieviel Beschreibung ist erlaubt?
« Antwort #8 am: 06 Februar 2017, 19:15:58 »
Ich halte das für, sorry für das harte Wort, Quatsch. Erinnerung funktioniert nicht wie eine Festplatte, wir erinnern nichts Wort für Wort. Es gibt hunderte Studien darüber, wie sich Erinnerung verändert. Wie sie auch unsere Sicht verändert. Und dass sie ein soziales Phänomen ist.
Dazu kannst Du ja nicht jeden Deiner Tage aufschreiben, Du wählst also immer aus, kommst nicht drum herum, auszuwählen. Dadurch gibt es notwendigerweise Verzerrungen.
Davon aber einmal abgesehen, möchtest Du einen literarischen Text schreiben. Und um Literatur zu werden, braucht eine Biografie Veränderungen: Sortierungen, einen roten Faden, Protagonisten. Wie hoch dann die bewusste Verzerrung ist, interessiert, abgesehen vielleicht von wenigen historischen Personen, keinen mehr. Insofern würde ich raten, zu schauen, was Deine Biografie zu einer guten Geschichte macht. Und wie man die dann gut erzählt. "War halt so" gilt da, bis auf wenige Ausnahmen, für mich nicht. Genau aus diesem Grund habe ich so ausführlich danach gefragt, was Du mit dem Text möchtest.
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Zauberfeder

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Re: 2. Kapitel: Meine Familie oder: Wieviel Beschreibung ist erlaubt?
« Antwort #9 am: 06 Februar 2017, 19:59:00 »
Huhu :)

Ich habe deine Kapitel höchstens grob überflogen. Biografien sind nichts für mich. Ich finde die eher langweilig, deshalb kann ich dazu auch nicht so viel sagen, aber ich finde, du solltest dir das, was merin sagt, auf jeden Fall durch den Kopf gehen lassen. Wenn du dein Werk als Buch vermarkten willst, also an den Verlag bringen willst, dann solltest du das Konzept überdenken, denn so wie man es jetzt liest, ist es für mich nur eine Aneinanderreihung von kurzen ... ich weiß nicht. Ich finde das richtige Worte nicht. Noch dazu ist es ja nicht chronologisch. z.B. im zweiten Kapitel. Erst wird der Vater erwähnt, dann der Tod, dann irgendetwas mit seinem Fuß. Das hat keine logische Reihenfolge. Dann wird nichts bildhaft erzählt. Einfach nur nüchtern runtererzählt. Das zieht wenige Leute in den Bann, aber du willst ja, dass dein Werk gelesen wird. Du bist jetzt aber kein Star. Also berühmt, meine ich. Von denen werden Biografien ja gekauft (ich habe keine, mich interessieren sie ja nicht). Du bist aber ein ganz normaler Bürger wie merin oder Aure oder sonst wer hier im Forum. Wenn du jetzt willst, dass fremde Menschen das lesen, die eben nicht deine Familie und Freunde sind, musst du sie ködern und das mit anschaulichen Erzählungen.
Tatsächlich habe ich ... hmm, ich wollte jetzt Biografie sagen, aber da die nicht bei der Geburt beginnt, war es wohl keine ... Jedenfalls war das von einem Mädchen, die in einem KZ war, und selbst dieses Buch war verfasst wie ein Roman. Die ganze Geschichte war (grausamerweise) sehr anschaulich. Bei dir fehlt das leider komplett, wie dir auch schon einige User hier gesagt haben. Die Frage für mich (und für dich sollte sie es wahrscheinlich auch sein) ist jetzt: Wie willst du einem wildfremden Menschen auf dein Werk aufmerksam machen, wenn du keinen Haken auswirfst? Du willst dein Leben erzählen. Aber für wen außer Freunde und Verwandte wird das interessant, wenn du nichts davon anschaulich erzählst, sodass man am Haken ist? Mir wird das noch nicht so ganz klar, und ich glaube, den anderen ist es das auch nicht.
Ich meine, wenn es ein Buch für deine Verwandten und Freunde wird, das du dann eben für diese Leute drucken lässt, kannst du das machen, wie du es willst, aber wenn du auch fremde Leute erreichen willst, dann musst du an dem Werk etwas ändern, um sie zu ködern.

lg
Zauberfeder

schmurr

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Re: 2. Kapitel: Meine Familie oder: Wieviel Beschreibung ist erlaubt?
« Antwort #10 am: 07 Februar 2017, 17:04:17 »
Hallo merin, hallo Zauberfeder,
vielen Dank! Ich werde das Buch also dramatisch aufpeppen, wo es geht! Zu merin: Ich habe meine Erinnerung zwar nicht auf Festplatte, aber auf Papier: gleich nach Ende der Referendarzeit tippte ich auf der Schreibmaschine an die 200 Seiten mit Zitaten der Lehrer und Schüler...Aber erst mal muss ich den Leser über die ersten Kapitel ködern, da habt ihr recht!
ciao

Naleesha

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Re: 2. Kapitel: Meine Familie oder: Wieviel Beschreibung ist erlaubt?
« Antwort #11 am: 07 Februar 2017, 17:29:34 »
Ich stimme den anderen hier zu. du solltest vielleicht auch das ganze Projekt mal überdenken.
Spannend müssen nämlich nicht nur die ersten Kapitel sein um "uns Leser" zu ködern.

sondern das gesamte Buch!

Die Zitate können noch so authentisch sein, die Erlebnisse noch so spannend... wenn sie alle nur "stumpf" runtererzählt werden, alles angeschnitten aber nichts auserzählt wird, dann bringt es nichts, wenn nur die ersten (pi mal Daumen) 4 Kapitel gut sind.

wie hier schon mehrmals angemerkt wurde: du bist kein Promi. überlege: WAS macht DEINE Geschichte zu einer, die man erzählen sollte. welche Geschichte willst du mit DEINER Biographie erzählen?

bei mir wären Einige Punkte:

- Umzug nach D
- schwere Schulzeit
- Situation mit 11
- Auszug aus Elternhaus mit 17 (Eltern stellen die Behauptung auf, ich würde allein nicht lang überleben. daher würde meine Biographie wohl den Titel "Ich bin noch hier" tragen)
- Erster "Job" (Maßnahme Jobcenter, in der ich meine erste alleinige Wohnung vermittelt bekam.)
- Situation mit Ex-Freund (durch die Flucht aus der Beziehung hab ich den Vater meines Sohnes kennen gelernt)
- Schwangerschaft, Geburt, Schwierigkeiten mit dem Jugendamt (und der Familie)
- Umzug nach Berlin
- wie sieht mein neues Leben jetzt aus?
- Fazit... "Ich bin noch hier"

EDIT: herausholen der pikanten intimen Infos.

wenn ich das nur auf diese Punkte beschränke, habe ich eine sehr spannende Geschichte mit vielen einzelnen Szenen, die aber alle auserzählt, bildhaft dargestellt und dem Leser spannend erzählt werden wollen. das geht nicht, indem ich einfach stumpf die Punkte herunterbete.

Stattdessen... denke ich, dass ich vielleicht tatsächlich mal versuchen werde, meine Biographie zu schreiben. auf eine Art, die EUCH dazu bringt, sie lesen zu wollen...

aber ich schweife ab.
das essenzielle hier ist: welche Punkte möchtest DU behandeln? welche Szenen aus deinem Leben möchtest DU uns zeigen? und dann schreibe mal NUR diese Szenen. reihe sie chronologisch aneinander und schaffe dann Übergänge, die das Ganze nicht so abgehackt aussehen lassen. so zumindest würde ich an die Sache herangehen.
« Letzte Änderung: 07 Februar 2017, 19:36:08 von Naleesha »
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Re: 2. Kapitel: Meine Familie oder: Wieviel Beschreibung ist erlaubt?
« Antwort #12 am: 07 Februar 2017, 19:08:05 »
Nalee, möchtest Du diese Infos dann wirklich im Höllenfenster stehen haben? Ist ja schon recht intim...
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Re: 2. Kapitel: Meine Familie oder: Wieviel Beschreibung ist erlaubt?
« Antwort #13 am: 07 Februar 2017, 19:33:04 »
hmmm... hast Recht. ich ändere den Kommentar.
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Re: 2. Kapitel: Meine Familie oder: Wieviel Beschreibung ist erlaubt?
« Antwort #14 am: 08 Februar 2017, 12:35:39 »
Ich hatte ihn gelesen, und natürlich hast du recht damit, dass viele Biografien interessanter sind als meine. Ich hatte mir die Gretchenfrage "Warum mich lesen?" schon vor Schreiben des Buches gestellt und mit "Humor!" beantwortet. Wer ein lustiges Buch liest, will Spaß haben, und der Inhalt wird zweitrangig. In der 2. Version next Monday wird der Humor wesentlich stärker herauskommen; etwas will ich schon verraten: es geht um einen erdolchten Eulenspiegel. Und alles wird leserzentrierter...
ciao

Naleesha

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Re: 2. Kapitel: Meine Familie oder: Wieviel Beschreibung ist erlaubt?
« Antwort #15 am: 08 Februar 2017, 12:50:33 »
humoristisch zu schreiben ist verdammt schwierig. Oft kommen die (vermeintlich) guten Witze beim Leser nicht so an, wie sie gemeint sind, oder noch schlimmer, sie kommen gar nicht an.

so bei mir während deiner letzten beiden Kapitel. da war nichts humoristisches dran, was bei mir angekommen wäre, von ein bis zwei Sätzen mal abgesehen. schlimmer noch, ich hatte beim durchlesen der anderen Kommentare das Gefühl, dass ich damit nicht alleine bin. Humor alleine funktioniert also nicht. du brauchst mindestens noch zwei bis drei Gründe, warum man deine Geschichte lesen sollte. sicher hast du z.B. auch eine ganz eigene Art durchs Leben zu gehen, die vielleicht interessant sein könnte. um diese den Lesern Nahe zu bringen, müssen wir in deinem Kopf sitzen und gaaaannnz tiiieeef in deine Gedanken- und Gefühlswelt eintauchen. das passiert hier aber auch nicht. was du brauchst, ist noch eine Kehrseite der Medaille, etwas, das den Humor bei dir besonders herausstechen lässt, weil er beispielsweise im kompletten Gegensatz zum Setting des Buches steht, oder zu deiner Situation selbst.

du hast geschrieben, dass du in der Schule unsicher warst, weil dünn, Brille etc... hat man dich vielleicht gar gehänselt? setz das in ein (nur ein Vorschlag) stilistisch umgesetztes "überdramatisiertes" Setting und dann pack den Humor hinein, indem er durch deine Gedanken durchsickert. dadurch erhöht sich der Kontrast und der Humor kann sich entfalten.

ansonsten, gute, humoristische Bücher, die ICH jetzt z.B. lese, sind Bücher von "Eckhard von Hirschhausen". oder das wundervolle Buch: "Platon und Schnabeltier gehen in eine Bar..." da ist der Humor gut mgesetzt.

Grüße,
Naleesha
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Re: 2. Kapitel: Meine Familie oder: Wieviel Beschreibung ist erlaubt?
« Antwort #16 am: 08 Februar 2017, 13:42:09 »
Ich denke auch, dass humorvoll enorm schwierig ist. Ich halte es sogar für noch schwieriger, wenn das Thema, um das es geht, einem sehr nahe geht, weil man dann dazu neigt, Humor nur einzusetzen, um die wahren Themen zu verschleiern. Und das merken sensible LeserInnen dann - und sind eher abgeschreckt. Jedenfalls reagiere ich so.
 Ich habe grad "Alles inklusive" von Mareice Kaiser gelesen, das ist auch autobiografisch, auch wenn sie nur ca. vier Jahre aus ihrem Leben beschreibt. Das Buch ist humorvoll geschrieben, aber es hat ein anderes wichtiges Thema, das es trägt: Das Leben mit einer mehrfach schwerbehinderten Tochter und die Frage, was das mit einer Mutter macht. Ohne dieses Thema wäre das Buch meiner Meinung nach nicht wirklich interessant. Es verkauft sich meines Erachtens auch nur wegen des Themas - der Humor macht das Thema erträglich, ja sogar lesenswert. Humor ist für mich das Boot - aber nicht das Ziel, das es ansteuern sollte.

Ich glaube, dass man nicht unbedingt zuspitzen muss, um gute Geschichten zu erhalten. Nah an der Wahrheit zu bleiben ist ein Wert, auch in der Literatur. Und ich verstehe, wenn Dir das bei Deiner Biografie wichtig ist. Meist geht es da ja auch um Zeitzeugenschaft, um bestimmte Themen einer Generation. Und dann gibt es noch mindestens ein individuelles Thema. Ich denke, dass es wichtig ist, dass Du Dir über Dein Thema bewusst bist. Das halte ich für sehr schwer, weil es jede Menge Selbstreflexion erfordert. Ein paar Jahre Therapie könnten da sicher helfen, aber vielleicht hast du die ja schon hinter dir. ;)
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