16 Januar 2021, 12:36:44

Autor Thema: 2. Kapitel: Meine Familie oder: Wieviel Beschreibung ist erlaubt?  (Gelesen 2406 mal)

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Naleesha

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Re: 2. Kapitel: Meine Familie oder: Wieviel Beschreibung ist erlaubt?
« Antwort #15 am: 08 Februar 2017, 12:50:33 »
humoristisch zu schreiben ist verdammt schwierig. Oft kommen die (vermeintlich) guten Witze beim Leser nicht so an, wie sie gemeint sind, oder noch schlimmer, sie kommen gar nicht an.

so bei mir während deiner letzten beiden Kapitel. da war nichts humoristisches dran, was bei mir angekommen wäre, von ein bis zwei Sätzen mal abgesehen. schlimmer noch, ich hatte beim durchlesen der anderen Kommentare das Gefühl, dass ich damit nicht alleine bin. Humor alleine funktioniert also nicht. du brauchst mindestens noch zwei bis drei Gründe, warum man deine Geschichte lesen sollte. sicher hast du z.B. auch eine ganz eigene Art durchs Leben zu gehen, die vielleicht interessant sein könnte. um diese den Lesern Nahe zu bringen, müssen wir in deinem Kopf sitzen und gaaaannnz tiiieeef in deine Gedanken- und Gefühlswelt eintauchen. das passiert hier aber auch nicht. was du brauchst, ist noch eine Kehrseite der Medaille, etwas, das den Humor bei dir besonders herausstechen lässt, weil er beispielsweise im kompletten Gegensatz zum Setting des Buches steht, oder zu deiner Situation selbst.

du hast geschrieben, dass du in der Schule unsicher warst, weil dünn, Brille etc... hat man dich vielleicht gar gehänselt? setz das in ein (nur ein Vorschlag) stilistisch umgesetztes "überdramatisiertes" Setting und dann pack den Humor hinein, indem er durch deine Gedanken durchsickert. dadurch erhöht sich der Kontrast und der Humor kann sich entfalten.

ansonsten, gute, humoristische Bücher, die ICH jetzt z.B. lese, sind Bücher von "Eckhard von Hirschhausen". oder das wundervolle Buch: "Platon und Schnabeltier gehen in eine Bar..." da ist der Humor gut mgesetzt.

Grüße,
Naleesha
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Re: 2. Kapitel: Meine Familie oder: Wieviel Beschreibung ist erlaubt?
« Antwort #16 am: 08 Februar 2017, 13:42:09 »
Ich denke auch, dass humorvoll enorm schwierig ist. Ich halte es sogar für noch schwieriger, wenn das Thema, um das es geht, einem sehr nahe geht, weil man dann dazu neigt, Humor nur einzusetzen, um die wahren Themen zu verschleiern. Und das merken sensible LeserInnen dann - und sind eher abgeschreckt. Jedenfalls reagiere ich so.
 Ich habe grad "Alles inklusive" von Mareice Kaiser gelesen, das ist auch autobiografisch, auch wenn sie nur ca. vier Jahre aus ihrem Leben beschreibt. Das Buch ist humorvoll geschrieben, aber es hat ein anderes wichtiges Thema, das es trägt: Das Leben mit einer mehrfach schwerbehinderten Tochter und die Frage, was das mit einer Mutter macht. Ohne dieses Thema wäre das Buch meiner Meinung nach nicht wirklich interessant. Es verkauft sich meines Erachtens auch nur wegen des Themas - der Humor macht das Thema erträglich, ja sogar lesenswert. Humor ist für mich das Boot - aber nicht das Ziel, das es ansteuern sollte.

Ich glaube, dass man nicht unbedingt zuspitzen muss, um gute Geschichten zu erhalten. Nah an der Wahrheit zu bleiben ist ein Wert, auch in der Literatur. Und ich verstehe, wenn Dir das bei Deiner Biografie wichtig ist. Meist geht es da ja auch um Zeitzeugenschaft, um bestimmte Themen einer Generation. Und dann gibt es noch mindestens ein individuelles Thema. Ich denke, dass es wichtig ist, dass Du Dir über Dein Thema bewusst bist. Das halte ich für sehr schwer, weil es jede Menge Selbstreflexion erfordert. Ein paar Jahre Therapie könnten da sicher helfen, aber vielleicht hast du die ja schon hinter dir. ;)
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht.