20 Januar 2021, 10:38:52

Autor Thema: Experiment - Biographie Einleitung  (Gelesen 1681 mal)

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Naleesha

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Experiment - Biographie Einleitung
« am: 20 Februar 2017, 22:54:36 »
Hallo Teufels.

In letzter Zeit habe ich mir aus gegebenen Anlass einmal Gedanken um eine eigene Biographie gemacht.
habe mit dem Schreiben selbiger noch absolut nie was am Hut gehabt, daher wollte ich einmal allgemeine Meinungen zu der kurzen Einleitung einholen, die ich mir dazu ausgedacht habe.

die Basisfrage: was steht FÜR EUCH als Aussage im Text und wen stellt ihr euch dahinter vor?

Ich will unbedingt wissen, welche Aussagen bei euch ankommen und welche eventuell nicht.

Nebenfragen.
- Atmosphäre. kommt das Bedauern meinerseits richtig rüber?
- Hook. hängt ihr hier am Haken und wollt mehr über mich wissen? (eine Beschreibung zu mir und meine jungen Jahre  in D würden im anschließenden ersten Kapitel folgen.)

EDIT: Hab eine Frage vergessen. was stellt ihr euch für eine Aussage hinter dem Titel vor?

darf nach Abschluss auch gerne ins Höllenfenster.

viel Spaß beim Lesen
LG, Nalee

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Ich bin noch hier

„Ich muss euch etwas wichtiges fragen.“
Es war diese eine Entscheidung, die noch nicht einmal meine war. warum musste ich sie treffen? warum musste sich alles ändern?
Meine Mutter saß uns gegenüber. zwischen mir und ihr stand der runde Holztisch, der mir zu hell war für diese ernste Stimmung. Die Lampen im Wohnzimmer, warum erschienen sie mir jetzt so dunkel?
Neben mir saß meine Schwester. Sie war genauso still wie ich. Konnte die Entscheidung nicht treffen. Wollte die Entscheidung nicht treffen. Ja, natürlich liebten wir unsere Mutter. Natürlich wollten wir bei ihr bleiben. Aber ich wollte Papa nicht verlassen. Warum musste Mamas neuer Freund... nein, sie hatten diese Woche geheiratet. Warum musste ihr neuer Ehemann sie in ein anderes Land mitnehmen? warum konnte er nicht zu uns kommen? groß genug war das Haus. Und Papa wohnte gar nicht so weit weg. In den Ferien könnten wir ja die Familie von... Ihm besuchen. Sie waren nett, aber ich mochte sie nicht. Nicht, wenn sie unsere Familie so weit voneinander entfernte.
„Ich will nicht, das wir gehen. Keiner von uns.“, sagte ich schließlich. Ich mochte das Haus. Ich mochte Papas Wohnung. Ich mochte alles so, wie es war. Mama schüttelte den Kopf. Ich war doch erst vier. Ich verstand nicht, dass das nicht ging. Wenige Monate danach war das Haus verkauft und wir auf dem Weg in ein anderes... in sein Leben.
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« Letzte Änderung: 20 Februar 2017, 22:56:09 von Naleesha »
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Aure

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Re: Experiment - Biographie Einleitung
« Antwort #1 am: 21 Februar 2017, 10:28:56 »
Hallo Naleesha.

Erster, ungefilterter Eindruck: Infodump. Ganz übler Infodump, und eine vierjährige Erzählerin hätte ich auf keinen Fall vermutet.
Ich habe beim Lesen das Gefühl, dass fast alles, was da steht, für mich als Leser in den Text gepackt wurde. Es fühlt sich nicht "organisch", nicht echt an.
Wenn du magst setze ich mich mal ran, und erläutere das genauer an einzelnen Sätzen.

Zitat
die Basisfrage: was steht FÜR EUCH als Aussage im Text und wen stellt ihr euch dahinter vor?
Als Aussage? Ich bin mir nicht sicher, ob ich verstehe was du damit meinst. Ich versuche es mal:
Getrennte Eltern, Kinder sollen entscheiden, bei wem sie leben. Sie sind damit überfordert und traurig.
Von der Erzählstimme her stelle ich mir eine 14-16-Jährige vor.

Zitat
- Atmosphäre. kommt das Bedauern meinerseits richtig rüber?
Nö. Zu viele Informationen, zu wenig Fokus auf die Emotion.

Zitat
- Hook. hängt ihr hier am Haken und wollt mehr über mich wissen? (eine Beschreibung zu mir und meine jungen Jahre  in D würden im anschließenden ersten Kapitel folgen.)
So gar nicht, das liegt zum Einen sicher daran, dass ich keinen emotionalen Bezug zur Protagonistin habe.
Allerdings kann ich mit Biografien auch wenig anfangen, das solltest du im Hinterkopf behalten und meine Rückmeldung entsprechend lesen.

Zitat
Hab eine Frage vergessen. was stellt ihr euch für eine Aussage hinter dem Titel vor?
Dass das Leben der Protagonistin so scheiße war, dass es ein Wunder ist, dass sie sich nicht umgebracht hat. Ich erwarte viel Straße, viel Einsamkeit, Entwurzeltsein, Alleinklarkommenmüssen. Psychische Probleme, die sich aus fehlendem Fundament (keine Bindung an die Eltern, früher Verlust des Elternhauses?) ergeben habe. Reinrutschen in noch schwierigere Lebensumstände, zweifelhafte Jobs vielleicht, Drogen vielleicht.
We are not nouns, we are verbs. I am not a thing – an actor, a writer – I am a person who does things – I write, I act – and I never know what I am going to do next. I think you can be imprisoned if you think of yourself as a noun.
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Re: Experiment - Biographie Einleitung
« Antwort #2 am: 21 Februar 2017, 15:33:09 »
Es war diese eine Entscheidung, die noch nicht einmal meine war. warum musste ich sie treffen? warum musste sich alles ändern?

Dieser Satz ließ mich grübeln, wie die anderen. Ich teile daher Aures ersten Eindruck.

Zwar mag es einige Kinder im Alter von 4 Jahren geben, die so reflektiert sind. Ich war es nicht.

merin

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Re: Experiment - Biographie Einleitung
« Antwort #3 am: 21 Februar 2017, 18:14:31 »
Hallo Naleesha,

mich spricht der Text nur ansatzweise an. Ich ahne Emotionen dahinter, aber mir sind sie zu fern. Ich war total erstaunt, als am Ende des Textes die Prota vier sein sollte, ich hatte an eine Jugendliche gedacht.

Eine Aussage hat der Text für mich nicht. Für mich ist da ganz viel vermischt, dass eine Mutter ihrer Tochter so eine Frage überhaupt stellt, finde ich ungeheuerlich. Denn das Kind darf ja gar nicht entscheiden. Wenn ich eine Aussage hinein interpretieren wollte, wäre sie wohl Überforderung.

Die Atmosphäre finde ich ziemlich unklar. Bedrückt irgendwie, traurig, aber auch das wieder wie durch eine Wattewand.

Am Haken hast Du mich damit nicht, dazu ist mir die Sprache zu holprig und die Story hinter dem Text zu unklar.

lg
merin
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht.

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Re: Experiment - Biographie Einleitung
« Antwort #4 am: 21 Februar 2017, 19:55:31 »
Huhu :)

Nur ein ganz kurzes Statement, weil ich mit Biografien echt nichts anfangen kann. Ich hätte niemals erwartet, dass das aus der Sicht einer Vierjährigen geschrieben ist. Das klingt für mich so gar nicht nach einem Kind. Wieso spricht sie auch von Ferien? Vierjährige haben noch keine Ferien. Ferien gibt es erst in der Schule. Vorher gehen sie ja in den Kindergarten und da haben sie Urlaub mit ihren Eltern, aber Ferien ist ein Begriff, den ich wirklich nur von der Schule her kenne.

Zitat
Meine Mutter saß uns gegenüber. zwischen mir und ihr stand der runde Holztisch, der mir zu hell war für diese ernste Stimmung.
z.B. auch dieser Satz. Das klingt nicht nach einer Vierjährigen.

Ich finde es aber auch gewagt, aus der Sicht einer Vierjährigen schreiben zu wollen. Hast du denn viele Vierjährige in deinem Umfeld, um zu schauen, wie sie so reden und denken? Ansonsten wird es nämlich immer sehr unauthentisch, weil wir Erwachsenen viel reflektierter denken als Kinder.

Ansonsten muss ich leider auch sagen, dass mich der Text nicht packt, was zum Teil aber auch einfach daran liegen kann, dass ich eben Biografien nicht mag und mit ihnen nichts anfangen kann, sie mich eben einfach nie packen.

lg
Zauberfeder

Naleesha

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Re: Experiment - Biographie Einleitung
« Antwort #5 am: 21 Februar 2017, 21:31:47 »
Hallo,

Zunächst einmal danke für eure Zeit. Mit diesem Experiment wollte ich schauen, ob man in diesem Stil eine Einleitung für eine Biographie spannend gestalten kann. Daher habe ich mein frühestes, prägnantes Erlebnis, an das ich mich erinnere genommen.

ich erinnere mich, wie wir um diesen Tisch herumsaßen, ich habe am Ende der Szene angefangen zu heulen, was ich aber nicht in den Text geschrieben habe. Ich habe mich selbst auch immer gefragt, warum sie uns diese Frage gestellt hat, wenn ich sie am Ende sowieso nicht treffen darf.

da ich die Szene so aktiv geschrieben habe, dachte ich, der Satz "ich war ja erst vier" müsse so da hinein.
kann man dieses unauthentisch sein durch ein "damals" abschwächen? "ich war damals ja erst vier"?

Ich schreibe eigentlich aus heutiger Sicht. ich habe ein unglaublich gutes Erinnerungsvermögen. nicht fotographisch aber filmographisch, sag ich immer. Bewegungsabläufe "Szenen" auf der Straße oder ähnliches speichere ich wie einen Film ab, den ich immer wieder vor und zurückspulen kann.

(meine Trainer sind immer begeistert davon, wie schnell ich eine Kata lerne, die ich bisher nur einmal gelaufen bin oder so.)

aber ich schweife ab... gehe ich stattdessen mal lieber einzeln auf eure Kommentare ein:

@ Aure:

Infodump. Ganz übler Infodump

inwiefern? kannst du mir sagen, welche Informationen hier überflüssigerweise gegeben werden?

Ich habe beim Lesen das Gefühl, dass fast alles, was da steht, für mich als Leser in den Text gepackt wurde. Es fühlt sich nicht "organisch", nicht echt an.

hmmm. Es ist ja schon so, dass ich diese Texte nicht für mich schreibe. Ich kenne meine Lebensgeschichte ja. Daher schreibe ich sie bewusst mit dem Gedanken, dass andere diesen Text lesen werden/sollen. Mit der Aussage, dass es sich anorganisch anfühlt, kann ich leider nicht gerade viel anfangen, weil ich nicht verstehe, wie sich der Text "echter" anfühlen könnte.

Als Aussage? Ich bin mir nicht sicher, ob ich verstehe was du damit meinst. Ich versuche es mal:
Getrennte Eltern, Kinder sollen entscheiden, bei wem sie leben. Sie sind damit überfordert und traurig.

Ja, stimmt in soweit schon.

Von der Erzählstimme her stelle ich mir eine 14-16-Jährige vor.

Naja, inzwischen bin ich 28. Ich wollte schon etwas jünger klingen, aber auch nicht unbedngt nach 4. auch wenn ich damals 4 Jahre alt war. sollte ich in ein Vorwort packen, dass ich vielleicht HEUTE (also mit 28) da sitze und über mein Leben nachdenke? es revue passieren lasse? dann geht der Impact der ersten Sätze verloren. oder... zumindest den eigentlich beabsichtigten Impact, der scheinbar aber nicht eingeschlagen IST. ^^

Nö. Zu viele Informationen, zu wenig Fokus auf die Emotion.

ok, check.
kurze Zwischenfrage an dich: kommt rüber, dass der "zu helle" Tisch hier ein Verweis darauf ist, dass ich mit der Situation dort (also damals) nicht klar kam?

Dass das Leben der Protagonistin so scheiße war, dass es ein Wunder ist, dass sie sich nicht umgebracht hat. Ich erwarte viel Straße, viel Einsamkeit, Entwurzeltsein, Alleinklarkommenmüssen. Psychische Probleme, die sich aus fehlendem Fundament (keine Bindung an die Eltern, früher Verlust des Elternhauses?) ergeben habe. Reinrutschen in noch schwierigere Lebensumstände, zweifelhafte Jobs vielleicht, Drogen vielleicht.

Joar, gar nicht übel. Geht zwar nicht in Richtung selbstmord, und allzu viel auf der Straße war ich auch nicht,
aber der Rest ist schon gar nicht so weit weg.

Der Titel ist eher meine Antwort auf den Spruch meiner Familie, dass ich allein nicht lange überleben würde weil ich keine Ahnung vom Leben hätte und ich würde ziemlich schnell untergehen. Mein Vater hatte mir sogar einmal gesagt, dass er in den ersten Jahren quasi ständig auf den Anruf meiner Mutter gewartet hätte, die ihm mitteilen würde, ich sei tot.

stattdessen hab ich immer wieder geantwortet: "Ich bin noch hier!" und das ist inzwischen auch fast ein bisschen zu meinem Motto geworden.

jedenfalls danke dir für deine Rückmeldung. war interessant, deine Meinung zu lesen.

@Lionel:

Dieser Satz ließ mich grübeln, wie die anderen. Ich teile daher Aures ersten Eindruck.

der Satz soll zum Grübeln anregen. Man soll sich erst einmal fragen, welche wichtige Frage dort gestellt wird und sich während des Textes aufklären, dass es hier um die Frage geht, bei wem die Kinder leben wollen.

meine Eltern haben sich getrennt, als ich 2 Jahre alt war. als ich dann gerade 4 geworden war, hat meine Mutter ihren neuen Freund mit nach Hause gebracht. Es war cool. er wohnte in unserem Haus, Papa gar nicht weit weg, meine (4 Jahre ältere) Schwester brachte mich morgens zur Schule (Schulsystem in Belgien ist anders als in D) und jedes Wochenende waren wir bei Papa. (einer der Hauptgründe warum ich nicht aus Belgien wegwollte.) und während der Ferien (ja, es waren damals schon ferien) sind wir nach Deutschland gefahren um die Familie meines Stiefvaters kennen zu lernen. Von mir aus hätte es damals gerne so bleiben können.
Im Juni nach meinem 4. Geburtstag kam dann mein jüngerer Halbbruder zur Welt. ein paar Wochen später saßen wir um diesen Tisch herum, meine Mutter, meine Schwester und ich. es wurde von uns viel geheult, Mama blieb kühl und drei Monate Später waren wir auf dem Weg nach Deutschland.

diese Einleitung beschreibt also eigentlich die früheste Schlüsselszene, an die ich mich erinnern kann.

Zwar mag es einige Kinder im Alter von 4 Jahren geben, die so reflektiert sind. Ich war es nicht.

eigentlich schreibe ich aus heutiger Sicht, nicht mit der Erzählstimme einer vierjährigen. es ist so, dass ich hier sitze und über mein Leben nachdenke. es revue passieren lasse. vielleicht war es der falsche Ansatz, die Szene so aktiv zu schreiben.

@merin:

mich spricht der Text nur ansatzweise an. Ich ahne Emotionen dahinter, aber mir sind sie zu fern.

ok, näher an die Emotionen ran.

Ich war total erstaunt, als am Ende des Textes die Prota vier sein sollte, ich hatte an eine Jugendliche gedacht.

ja, es sollte eher so sein, dass ich heute hier sitze und mein Leben revue passieren lasse. ich werde wahrscheinlich ein "damals" zu den 4 Jahren hinzupacken, damit das etwas deutlicher wird. Eine etwas ältere Erzählstimme passt mir auch generell ganz gut, weil ich in dem Buch (wenn ich mich entscheide es in dem Stil zu schreiben) auch häufig über Gedanken und Lebenssituationen philosophieren würde.

Eine Aussage hat der Text für mich nicht. Für mich ist da ganz viel vermischt, dass eine Mutter ihrer Tochter so eine Frage überhaupt stellt, finde ich ungeheuerlich. Denn das Kind darf ja gar nicht entscheiden. Wenn ich eine Aussage hinein interpretieren wollte, wäre sie wohl Überforderung.

Überforderung passt hier ganz gut. Ich habe mich in späteren Jahren auch immer wieder gefragt, warum sie mir diese Frage stellt, wenn ich dann sowieso nicht selbst entscheiden kann/darf? aber es ist der früheste Schlüsselmoment in meinem Leben an den ich mich so genau erinnern kann.

die Aussage ist genau die, die du hineininterpretiert hast.

Die Atmosphäre finde ich ziemlich unklar. Bedrückt irgendwie, traurig, aber auch das wieder wie durch eine Wattewand.

ja, auch das passt recht gut. ich hab sie ja auch irgendwie wie durch eine Wattewand wahrgenommen. ausbauen werd ich sie wahrscheinlich trotzdem.

@Zauberfeder:

Ich hätte niemals erwartet, dass das aus der Sicht einer Vierjährigen geschrieben ist. Das klingt für mich so gar nicht nach einem Kind.

ja, wie bereits an Aure und den anderen geschrieben, ist es eher so, dass ich heute, mit meinen 28 Jahren hier sitze und mein Leben revue passieren lasse. die Entscheidung, die Szene so aktiv zu schreiben war daher wohl keine allzu gute Idee. ich werde noch ein paar Dinge hinzufügen/ändern, dass der Ansatz, "ich erinnere mich zurück an mein Leben" besser herauskommt.

Wieso spricht sie auch von Ferien? Vierjährige haben noch keine Ferien. Ferien gibt es erst in der Schule. Vorher gehen sie ja in den Kindergarten und da haben sie Urlaub mit ihren Eltern, aber Ferien ist ein Begriff, den ich wirklich nur von der Schule her kenne.

ja, das Schulsystem in Belgien ist ein wenig anders.

mit 3 Jahren wird man dort in die Vorschule eingeschult. sowas wie einen Kindergarten, wie wir ihn in Deutschland kennen gibt es dort nicht. die Vorschule ist wie ein Klassenzimmer, also wie eine richtige Schule aufgebaut. man ist in der Klasse, die Lehrerin gibt einem z.B. ein Bild vor oder ein Thema, über das man ein Bild malen muss, es werden erste Schritte in Zählen und Lesen gemacht, ne richtige, intensive Vorbereitung auf die Schule. inklusive große Pause und Ferien. mit 4 stand ich kurz vor meiner "Einschulung". Im Sommer sollte ich in die erste Klasse kommen.


danke für eure Rückmeldungen.
ich muss mir noch überlegen, ob ich diese Geschichte wirklich schreibe, denn wenn, dann in diesem Stil. daher habe ich erstmal nur einen Anfang gemacht und das als Experiment hier eingestellt.

LG, Nalee
"was du mit deinem Körper verstanden hast, wirst du im Leben nie wieder vergessen." (Gichin Funakoshi)
„Ein Hacker ist jemand, der versucht einen Weg zu finden, wie man mit einer Kaffeemaschine Toast zubereiten kann“ (Wau Holland)

aktuelle Projekte:
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- AT Der Drachenfürst

merin

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Re: Experiment - Biographie Einleitung
« Antwort #6 am: 22 Februar 2017, 09:49:53 »
Liebe Naleesha,

ich würde mir das gut überlegen mit der Biografie. Du hast viel hinter Dir und es wird viel psychische Arbeit sein, das aufs Papier zu bringen. Für Dich selbst, als psychologische Selbsthilfe, ist es vielleicht nicht schlecht. Aber daraus dann einen für andere interessanten Text zu machen - das halte ich für eine Überforderung. Ich würde, wenn du das wirklich willst, dazu raten, es wie viele Autoren zu machen: Eine Prota zu wählen, die nicht Du ist, Dir aber ähnlich. So gewinnst Du Freiheit und Abstand.

Wenn der Anfang klar aus heutiger Perspektive erzählt werden soll, würde ich das früher deutlich machen. Ich streich mal munter drin rum, nur als Beispiel:

Zitat
„Ich muss euch etwas Wichtiges fragen.“
Meine Mutter saß vor mir und meiner Schwester und sah uns an, als sie die Frage formulierte. Zwischen uns und ihr stand der runde Holztisch, ich konnte kaum hinüber sehen. In meiner Erinnerung scheint meine Mutter sehr weit weg von uns, wie hinter einem Bollwerk.
Meine Schwester saß neben mir und schwieg. Wir  liebten unsere Mutter. Natürlich wollten wir bei ihr bleiben. Aber ich wollte auch Papa nicht verlassen. Warum musste Mamas neuer Freund... nein, sie hatten diese Woche geheiratet. Warum musste ihr neuer Ehemann sie in ein anderes Land mitnehmen? Warum konnte er nicht zu uns kommen? Das Haus war groß genug. Papa wohnte in der Nähe. Für mich gab es keinen Änderungsbedarf.
„Ich will nicht, das wir gehen. Keiner von uns", sagte ich schließlich. In meiner Erinnerung schaue ich sah dabei an, geradeheraus, fast trotzig. Mama schüttelte den Kopf.
Wenige Monate später war das Haus verkauft und wir auf dem Weg in ein anderes ... in sein Leben. Ich war vier, als ich von Belgien nach Deutschland zog.

Die Frage ist, ob du die Mutter wirklich so passiv haben willst (sie folgt dem Mann, nicht sie entscheidet, dass sie zurück will).
Ich finde in meinem Text die Emotionen wesentlich klarer. Und es wird auch der Abstand zu der Kleinen reguliert.

Aber: Ich hoffe ich trete Dir nicht zu nahe, wenn ich die Annahme äußere, dass ein solcher Text eine Nummer zu groß für Dich ist. Da muss man gut schreiben können, Nuancen ausdrücken, mit Bildern spielen. Und die Nähe und Distanz zum Sujet regulieren können. Das ist hohe Kunst.

lg
merin
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht.