16 April 2021, 16:04:52

Autor Thema: AT: Der Ausweis  (Gelesen 3380 mal)

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Mondstern

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AT: Der Ausweis
« am: 15 April 2017, 01:16:18 »
Hi Teufelchen
In meinem Romanprojekt ist es wichtig, dass die 17-jährige Protagonistin auch mal in die etwas angesagteren Clubs kommt. Die sind aber idR erst ab 18.
Dem organisieren eines entsprechenden Dokuments widmete ich genau einen Satz. Das hab ich jetzt geändert und würde gern wissen, wo noch Stolperfallen und Ungereimtheiten stecken.
Noch nicht ganz zufrieden bin ich mit der Sprachmelodie von Großtante Irmgard. Sie soll aus einer „besseren“ Familie stammen und sich auch so ausdrücken. Vielleicht hat jemand ein paar Vorschläge für ihren Dialogteil.

LG Mondstern 


Neuerdings wurden sie alle blöd. Die Kasper vom Gemeinderat hatten nichts Besseres zu tun, als die Minderjährigen zu schikanieren. Das Ordnungsamt kontrollierte knallhart die Ausgangssperren und verhängte teure Geldstrafen bei Nichteinhaltung. Das hatte zur Folge, dass man so gut wie nirgends mehr ohne Ausweis rein kam.
Das war ein echtes Dilemma. Selbstbewusst zu versichern, dass man natürlich schon volljährig war, konnte man knicken.
Und einen gut gefälschten Ausweis bekam man auch nicht grad so um die Ecke. Mal von den rechtlichen Konsequenzen abgesehen, waren die Dinger auch jenseits meiner Gehaltsklasse. Es gab aber eine Alternative. Ein Studentenausweis. Für meine Zwecke würde der ausreichen, schließlich wollte ich kein Auto auf Raten kaufen, oder einen Kredit aufnehmen.
Die Shadows hatten ausgezeichnete Kontakte, aber die brauchten wirklich nicht alles zu wissen, zumindest nicht, solange ich noch eine andere Option hatte. Ich erinnerte mich an den Strippenzieher, der damals Claudias Schulbücher wieder eingebucht hatte. Zusammen mit den Puzzleteilen, die ich hier und da über ihn aufgeschnappt hatte, war das mein Mann.
Er war ziemlich überrascht, als ich mich mit ihm nachmittags am Stadtbrunnen treffen wollte.
„Woher weißt du das über mich?“, war seine erste Frage.
„Ich weiß viel, kommen wir ins Geschäft?“
„An mir liegt es nicht.“ Er kramte in seinem Geldbeutel, zeigte mir einen Studentenausweis. Seinen Ausweis.
„Sieht ziemlich echt aus, soweit ich das beurteilen kann.“
„Der ist es auch.“
„Cool. Wie kommst da dran?“
„Betriebsgeheimnis.“
„Ich brauche zwei. Hier die Daten.“ Ich reichte ihm einen Zettel und zwei Passbilder.
„Gut. Das wird aber nicht billig.“
„Okay, wie viel?“
„Eine Hand wäscht die andere“, sagte er.
„Was du dafür willst, Mann?“
„Sagte ich doch. Ich tue dir einen Gefallen, du mir“, begann er, und trug mir seinen Wunsch vor.

Ich war einen Moment sprachlos. „Ist das dein Ernst? Zu einer Familienfeier bei deiner Großtante?“
„Korrekt. Am Freitagabend. Und Mitte der Woche sind die Ausweise fertig.“
„Vergiss es, Mann.“
„Freies Essen, freie Getränke.“
„Nein.“
„Plus 50 … 100 Mark.“
Ich schaute ihn skeptisch an. „Von wann bis wann geht diese Feier?“
„Wir fahren gegen 17 Uhr los, sind dann um 22 Uhr wieder hier. Spätestens.“
„Und was sind da für Leute?“
„Nur Verwandtschaft und Bekannte meiner Tante.“
„Ein Hunnie und die Ausweise?“
„Korrekt. Abgemacht?“
„Langsam, Wolle. Kommt auf deine Antwort an. Wieso?“
„Ich will es mal meinen arroganten Cousins zeigen.“
„Was zeigen?“
„Was wohl? Ich will da mit meiner heißen Freundin angeben. Die werden grün vor Neid.“
„Was sind das für Gestalten?“
„Totale Kotzbrocken. Gegen die bin ich cool. Und bedenke, es gibt jede Menge zu essen.“

Ob er mich grad mit einem Nilpferd verwechselt hatte? Oder einfach nur ein hoffnungsloser Fall war? „Super, kann ich meine Tubaschüsseln mitbringen?“
Wieder dieses seltsame hohe Lachen.

„Okay. Aber wenn du mich antatschst, brech ich dir die Nase.“
„Einverstanden.“
„Was gibt’s da so dumm zu grinsen?“
„Gebrochene Nase wär’s schon wert.“
Ich verdrehte die Augen.
„Hast du was Heißes zum Anziehen?“
„Nein Wolle, ich trag bei offiziellen Anlässen immer einen Kartoffelsack.“
Er lachte blöd. „Dann abgemacht?“

***

Dank meiner auf großem Fuß lebenden Schwester hatte ich einige infrage kommende Outfits in petto. Mir war auch gleich klar, welches ich davon anziehen würde. Trotzdem probierte ich alle anderen vorsichtshalber auch mal an. Nicht wirklich rational zu erklären, wohl eine Frage der Chromosomenverbindungen.

Wolfram holte mich am Freitagnachmittag pünktlich zu Hause ab. Im Prinzip. Eigentlich holten mich seine Eltern ab, und er hockte auf der Rückbank des Opels.
„Doch“, flüsterte er mir zu. „Ich bin mir sicher, dass ich es gesagt habe. Ich hab ja auch noch keinen Führerschein.“
Es waren immer die Details, in denen der Teufel steckte.
„Sie sind bei Wolfram in der Klasse?“, fragte seine Mutter.
„Äh .. ja.“
„Wusstest du das, Wolfram?“
„Nein“, grummelte der Fahrer.
„Ihr Mann heißt auch Wolfram?“, fragte ich nach.
„Ja, nach seinem Vater.“
„Wie traditionell.“

Ich beantwortete brav die weiteren 64 Fragen seiner Mutter. Sein Vater motzte die ganze Zeit nur über die anderen Verkehrsteilnehmer. ’Hornochse’ wechselte sich regelmäßig mit ’Führerschein im Lotto gewonnen’ ab. Nach einer guten Stunde waren wir endlich am Ziel.
Ein zweigeschossiges Anwesen aus der Jahrhundertwende. Mit viel Liebe und noch mehr Geld in den damaligen Neuzustand zurückgebaut worden, ließ ich mir erzählen. Überall parkten Autos der gehobenen Mittelklasse und höher.
Auf dem Rasen vor dem Haus standen Pavillons, Dutzende Tische, Stühle und Sonnenschirme. Alles in Weiß.
Ein Cateringservice kümmerte sich um die zahlreichen Gäste. So viele stocksteife Mumien hatte ich nicht einmal im Altersheim gesehen.

Wolfram bestand darauf, mir jeden Baum und Busch zu zeigen, so, dass uns auch ja jeder Anwesende dabei sehen musste.
„Gefällt’s dir hier?“
„Ja, geil. Ich spiele mit dem Gedanken, mir auch so eine Bleibe zuzulegen.“
„Das ist einer meiner Cousins.“ Wolfram zeige durch ein kurzes Kopfnicken zu einem Typen, der schnurstracks auf uns zukam. Der etwa 20-jährige Rotschopf, in feinsten Zwirn gehüllt, winkte.
„Wolfram, alter Cowboy. Kommst du direkt vom Rodeo, oder bist du auf einem Esel hergeritten.“
„Ha Ha Ha.“
So ganz unrecht hatte der Cousin ja nicht. Das dunkelgrüne, mit Fransen besetzte Westernhemd, spottete jeder Beschreibung.
„Wer ist denn deine zauberhafte Begleitung?“
Jetzt blühte mein Begleiter richtig auf, stellte uns vor, erwähnte etwa 16-mal, dass es zwischen uns gefunkt hätte und ich seine neue Freundin war.
Ich kam mir vor, wie in einer schlechten TV-Soap. Der Rothaarige blieb skeptisch, hörte jedoch weiter zu und musterte mich nebenbei von oben bis unten. Das verbale Loblied auf meine Person endete dann abrupt, als Wolles Mutter ihn herrief, damit der Sohnemann einige Leute begrüßen könnte.
„Wie viel bezahlt Wolfram dir?“, fragte der Cousin, kaum war mein Begleiter ein paar Meter weg.
„Bitte?“
„Komm schon, ich bin nicht blöd. Der Loser und so ein Gerät wie du. Also, wie viel?“
„Wenn du nicht wirklich blöd bist, wüsstest du, dass man nicht über Klienten redet.“
Er lachte abfällig. „Klienten? Interessante Bezeichnung. Ich will dich … buchen. Jetzt.“
Ich schaute ihn verdutzt an, stand voll auf der Leitung.
„Du bist eine Professionelle und ich … ein Klient. Und ich will dich.“
Für diese Art Konversation fehlten mir eindeutig männliche Schaltkreise im Kopf. Ich vermied es aber immerhin, ihm einfach die Handkante auf sein spitzes Kinn zu donnern. Alle würden nur blöd gucken und ich wäre wieder die Böse.
„Wie viel drückt Wolfram ab, sag schon.“
„Lass es mich so sagen, verschwind du kleiner Wichser.“

An meiner Schlagfertigkeit musste ich noch feilen. Eventuell auch auf zusätzlichen Kosenamen verzichten, oder zumindest andere verwenden. Aber damit hatte ich wirklich nicht gerechnet.
„Der hatte es aber eilig“, meinte Wolfram und sah seinem Cousin hinterher.
„Du hattest Recht, der Typ ist ein arroganter Arsch.“
„Sagte ich doch. Da, auf der Veranda, das ist meine Großtante. Lass sie uns begrüßen.“
Wir schlenderten rüber, schüttelten etliche Hände, tauschten Höflichkeiten aus und alte Männer machten mir Komplimente, wenn die bessere Hälfte gerade nicht hinhörte. Ich war froh, als es Essen gab und sich alle aufs Buffet stürzten.

Ich zündete mir eine Zigarette an und beobachte den Kampf um die besten Stücke.
„Ich verrate Ihnen ein kleines Familiengeheimnis, wir tun nur so, als ob wir uns leiden können.“
„Okay. Das ist ja richtig nett.“
Sie schmunzelte. „Allerdings. Was hat Ihnen Wolfram Junior denn für das Arrangement bezahlt?“
Ich verdrehte die Augen. Eindeutig eine Familienkrankheit. „Am Nettsein müssen sie aber noch arbeiten.“
Großtante schmunzelte immer noch. „Ach Schätzchen, Sie sind so goldig naiv.“
„Vielen Dank.“
Jetzt lachte sie. „Diese ganzen Heuchler hier lieben mich über alles. Ich erspare Ihnen die langweiligen Verwandtschaftskonstellationen, aber wenn Sie Geld haben, brauchen Sie nicht nett zu sein. Das ist so, solange ich lebe.“
„Das wird dann bestimmt eine fröhliche Beerdigung.“
Sie schaute mit entgeistert an, ich zwinkerte, und sie lachte los.
„Sie gefallen mir, Schätzchen. Ich würde die Hälfte meines Vermögens dafür geben, wenn ich das sehen könnte.“
„Glaub ich, aber Geld ist halt doch nicht alles.“
„Natürlich nicht. Ich bin alt, nicht senil. Wollen Sie mir einen Dienst erweisen?“
„Wieso sollte ich?“
„Weil ich Sie dafür bezahlen werde.“
„Wie sie ja schon scharfsinnig angedeutet haben, arbeite ich schon für jemanden.“
„Jetzt aber. Sie sind doch multitaskingfähig. Und ein wenig zusätzliches Taschengeld ist nie zu verachten. Es ist moralisch nicht ganz einwandfrei, aber ich versichere Ihnen, die Delinquenten haben es redlich verdient.“

Ich hatte keine Ahnung, was die alte Frau im Schilde führte, aber meine Neugier war geweckt.
„Nur mal angenommen, ich spiele mit. Was für ein Spiel?“
„Eine kleine List, die ich Ihnen absolut zutraue. Ein Spaß für mich, und eine Demütigung für meine gierigen und inkompetenten Neffen.“
„Okay. Weiter.“
Sie zeigte in die Lobby. „Sehen Sie die Zwei dort hinten am Flügel? Wie sie den teuren Champagner trinken, den sie nicht von Essig unterscheiden können?“
„Die beiden gestriegelten Affen?“
„Genau die. Ich stelle mir Folgendes vor …“

Großtante flüsterte mir ihren perfiden Plan ins Ohr und grinste dann übers ganze Gesicht.
„Echt jetzt? Sie sind schon ein kleines Biest.“
„Also, Schätzchen?“
„Wie wenig soll ein wenig Taschengeld sein?“
„Hundert Mark. Steuerfrei.“
Ich lachte. „Jetzt sind Sie aber naiv, Großtante Irmgard.“ Ich wollte schon weiterziehen.
„Warten Sie. Geben Sie immer so schnell auf? Ich biete hundertfünfzig.“
„Fünfhundert.“
„Zweihundert.“
„Vierhundert und drei Flaschen von der Luxusbrause.“
Sie schaute mich argwöhnisch an. „Meine Möbel darf ich aber behalten.“
„Was ist denn der Flügel wert?“
„Mein Schimmel? Keine Ahnung. Ich glaube, ich habe 60 Tausend dafür bezahlt.“
„Wow. Man gönnt sich ja sonst nichts. Den würde ich nehmen.“
„Können Sie spielen?“
„Ich kann ihn verkaufen.“
Sie schmunzelte wieder. „Ich denke, meinen Schimmel werde ich behalten.“
„Ein weißer Schimmel, ein Pleonasmus.“
„Sie sind gebildet.“
„Und ich seh gut aus.“ Ich zwinkerte.
Tantchen musterte mich. „Ja, das tun Sie. Sie erinnern mich an meine Jugendzeit. Ich war 18 Jahre alt und wollte unbedingt reich werden. Ich hatte zwei Jobs und kellnerte zusätzlich jeden Abend.“
„Hat ja geklappt.“
„Ja, die härtesten sechs Monate meines Lebens.“
„Und dann haben Sie einen Millionär kennengelernt und geheiratet.“
„Jetzt haben Sie mir die Pointe verdorben.“
„Sorry.“
Sie grinste, ich lächelte zurück.

„Unterhaltet ihr euch gut, Tante?“ Wolfram erschien aus dem off.
„Junge, dieses Hemd ist fürchterlich.“
„Sagt Anja auch. Ich finde es toll.“
Wir schauten uns an und schüttelten nur den Kopf.
„Mein Gutester, hole mir doch noch einen Cocktail und für deine süße kleine Freundin …?“
„Ein Cola, mit Eiswürfeln.“
Er huschte los.
„Meine Neffen starren Sie an“, flüsterte Großtante. „Nicht hinschauen.“
„Die stellen sich grad vor, wie ich nackt aussehe.“
Sie prustete los. „Wie in aller Welt kommen Sie denn darauf?“
„Ich bin mit zwei älteren Brüdern und ihren Kumpels aufgewachsen.“
„Das blieb mir, Gott sei gedankt, erspart.“
„Was ist jetzt mit dem Deal?“, erinnerte ich sie. „Oder muss ich Ihr Tafelsilber einstecken?“
„Das liegt sicher verschlossen im Schrank.“
„Clever.“
„Ich sagte doch, ich kenne meine Pappenheimer. Zum Geschäftlichen: Ich bezahle Ihnen zweihundert Mark, verdoppele die Summe bei Erfolg. Und – um Gottes willen – diese drei Flaschen Champagner.“
Ich wiegte den Kopf leicht hin und her. Ein unerwarteter Geldsegen würde meinem Sparstrumpf sicherlich ganz gut tun.

„Okay, akzeptiert. Allerdings will ich die Zwei erst abchecken.“
„Sie wollen was?“
„Ich verschaffe mir ein Bild, ob die das verdienen oder nicht.“ Bei einem hatte ich mir ja schon ein Urteil bilden können.
„Einverstanden.“ Sie winkte zum Flügel, die beiden kamen näher und das Spiel begann.

Im selben Moment kam Wolle mit den Getränken zurück.
„Was soll das denn?“, fragte er mich leise.
„Wir wollen die doch eifersüchtig machen, oder?“ Ich hakte bei ihm ein, er grinste zufrieden.

Der andere Neffe überzeugte mich auch in kürzester Zeit. Zwei überhebliche, dummschwätzende Misanthropen in teuren Anzügen, die Mama und Papa bezahlt hatten. Kleider machen noch lange keine Leute, sofern diese den Mund aufmachen. Entfernt erinnerten die Zwei mich an die Lausbuben von Wilhelm Busch, also nannte ich sie insgeheim auch so. Der mit den hochtoupierten schwarzen Haaren war Max, der Rotschopf mit dem spitzen Kinn sein Kumpel Moritz.

Ich rückte Wolfram ins richtige Licht und machte nebenher den Neffen schöne Augen. Allerdings so, dass es keiner der anderen mitkriegte. Ich ließ durchsickern, dass Wolfram lediglich ein Freund war … nicht mehr. Max war ein unangenehmer Grapscher und schon im roten Bereich. Moritz ließ ich wissen, dass ich voll auf Rothaarige abfuhr.
Die Saat ging schnell auf. Dieser langweilige Empfang könnte doch noch ganz lustig werden. Zumindest für ein paar von uns.

„Streuen Sie besser Salz auf den Boden, sonst rutscht jemand auf den Schleimspuren ihrer Neffen aus. Und … ich finde ihren bösen Plan jetzt gar nicht mehr so fies.“
„Dann legen Sie los, Schätzchen. So aufgeregt war ich seit Ostern 74 nicht mehr.“
Tantchen sorgte dafür, dass Wolle Junior bei Verwandten fest hing, und lenkte Moritz ab. Jetzt wurde es ernst.

„Ich kenne ein leer stehendes Zimmer, da sind wir ungestört“, flüsterte ich zu Mondgesicht Max. Das vom vielen Schampus schon vernebelte Gehirn regierte wie erwartet. Brav folgte er mir wie ein Lamm zur Schlachtbank. Dank Tante Irmgards Beschreibung fand ich die ehemaligen Dienstmädchenzimmer im ersten Stock auf Anhieb.
„Ich ließ den Rollladen runter. „Wir müssen uns beeilen. Zieh dich aus. Alles.“
Völlig willenlos folgte er meinem Wunsch. Ich stopfte seine Klamotten in einen rumliegenden Kopfkissenbezug. Max sah zu, registrierte es aber nicht wirklich. Nackt stand er mitten im Raum und freute sich, mich zu sehen.
„Ich bin gleich zurück, nicht ohne mich anfangen.“
Das war der erste Streich, und der zweite folgt zugleich.

Ich bunkerte die Sachen, wie vereinbart, in einer kleinen Besenkammer und eilte zur Lobby zurück. Auf der Treppe blieb ich stehen. Moritz wartete schon ungeduldig und kam sofort hergelaufen. Er streckte mir Geld entgegen.
„Nicht zu auffällig, Mann.“ Ich steckte den Schein ein. „Ich dachte, du willst das volle Programm?“
„Oh ja, will ich.“
Ich rieb mit dem Zeigefinger am Daumen. Immerhin verstand er ohne weitere Erklärung das Zeichen und besserte deutlich nach.
„Wo willst du hin?“
„Ich hab einen guten Platz entdeckt“. Ich lief los, er hinterher. Kurz vor dem Ziel fasste er an meine Schulter.
„Ich will es lieber in meinem Auto machen.“
„Geile Idee. Das machen wir später, wenn es schön dunkel ist.“ So ganz angetan war er von meinem Vorschlag aber nicht. „Ich verstehe“, säuselte ich. „Du stehst auf Risiko. Es ist geil im Auto …, stimmt’s?“
Er grinste, und mir war klar, das „Böseste“ was er bisher im Auto gemacht hatte, war loszufahren und sich erst nach zehn Metern anzuschnallen.
„Wir poppen erst im Zimmer und nachher noch mal in deinem Auto. Wenn du gut bist … gratis.“ Das Schnäppchenangebot überzeugte ihn. „Zieh dich aus.“
„Und du?“
„Ich schau dir dabei zu, das macht mich heiß.“
Auch seine Klamotten sammelte ich auf.
„Was machst du?“
„Lass dich überraschen, das hier ist ein ehemaliges Dienstmädchenzimmer. Du bist der gnädige Herr und ich werde gleich an die Tür klopfen.“
Max freute sich wie sein Namensvetter beim Ansägen der Holzbrücke vor Schneider Böcks Haus.
„Hoffentlich steht er auch nachher noch so schön.“
Der kleine Frauenverächter war Opfer seiner Triebe geworden. Ich bat um fünf Minuten Geduld und verließ das Zimmer. Seine Kleider warf ich zu denen von Max. Schnell eilte ich zurück in die Lobby.
Das war der zweite Streich, und das Finale folgt zugleich. Aber das war Tantchens Part. Sie wartete schon startbereit mit einer Gruppe alter Ladys, um die versprochene Besichtigung der renovierten Dienstbotenzimmer vorzunehmen.

„Wo warst du denn? Ich hab dich überall gesucht.“ Wolfram war etwas zickig.
„Ich war hier“, zischte ich zurück. „Hab mich gelangweilt und gewartet, bis der gnädige Herr seine Tratschrunde endlich beendet.“
„Oh, entschuldige. Wollen wir was essen?“
„Gern.“ Ich hörte noch einen spitzen Schrei, dann lautes Gelächter.

Während Wolfram ein Steak reinzog, entschied ich mich für Merguez und Nudelsalat. Nach einer Viertelstunde erschien Irmgards Mädchengang – immer noch kichernd und kopfschüttelnd – auf der Veranda. Da standen sie auch noch eine ganze Weile beisammen und hatten wohl nur ein Thema.
Bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit stellte ich mich unauffällig neben die Großtante. „Ich vermute, Sie hatten großen Spaß.“
Sie schmunzelte. „Besser, als ich es mir ausgemalt hatte, Schätzchen. Unseren … wie sagten Sie … Deal, haben Sie mit Bravour gemeistert.“
„Die Gesichter der beiden hätte ich gern gesehen.“
„Göttlich sag ich Ihnen, einfach göttlich. Die standen da wie die Ölgötzen, mit hochrotem Kopf und …“ Sie kam näher und flüsterte: „Beide sollen einen erigierten Penis gehabt haben.“
„Dann hatten ihre Freundinnen ja das volle Programm.“
Sie gluckste und nickte heftig. „Das wird das Hauptthema beim nächsten Bridgeabend, ach was sage ich, für alle Zeiten.“

Wolfram kam angedackelt. „Vater will jetzt fahren, Mutter lässt sich noch Kuchen einpacken. Willst du auch welchen mitnehmen?“
Ich lehnte dankend ab, bekam aber dennoch eine Pappendeckelschale für acht Personen gerichtet.
Ich verabschiedete mich von der Gastgeberin und erinnerte sie noch an eine Kleinigkeit.
Sie winkte ab. „Längst erledigt. Ich habe Ihnen einen Karton Champagner ins Auto stellen lassen. Dort finden Sie auch einen Scheck über das vereinbarte Honorar. Und da Sie ja gerne Sachen verkaufen, noch einen kleinen Extrabonus.“

Minuten später hockte ich in der Familienkutsche und war in Richtung Heimat unterwegs. Während sein Vater nahezu alles und jeden mit nervigen Kommentaren bedachte, erzählte seine Mutter pausenlos von der netten Verwandtschaft. Mir bluteten die Ohren, als wir dann endlich vor der Scheune standen. Ich verabschiedete mich schnell, Wolle trug noch den Schampus und die Plastiktüte ins Haus. Sein Vater hupte schon, und er machte sich schnell wieder in den Kombi.

Es war kurz vor 21 Uhr und herrlich ruhig. Ich sprang erst mal aus dem kurzen Schwarzen und unter die Dusche. Erfrischt gönnte ich mir einen Kaffee. In ein Frotteehandtuch gehüllt, fiel mein Blick auf die Plastiktüte an der Garderobe. Neugierig holte ich sie und musste lachen. Die Anzüge von Max und Moritz. Hat schon einen ziemlich schrägen Humor, das Großtantchen.
Das Telefon läutete. Petra war dran. „Ich wollte schauen, ob du schon daheim bist. Wie war’s?“
„Stinklangweilig“, sagte ich.
Sie lachte. „Wie erwartet. Wir wollen noch ins Jugendhaus. Da läuft Livemusik. Sollen wir dich abholen?“
„Klar, bis gleich.“

kass

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Re: AT: Der Ausweis
« Antwort #1 am: 15 April 2017, 09:45:16 »
Hi Mondstern,

insgesamt gefällt mir die Szene gut. Ein paar Erbsen sind mir aufgefallen, und ich habe die Dialoge mit dem Tantchen mal überarbeitet. Vielleicht ist in der Art, wie ich sie überarbeitet habe, etwas dabei, was dich auf die richtige Fährte bringt.

Zitat
„Was du dafür willst, Mann?“
„Sagte ich doch. Ich tue dir einen Gefallen, du mir“, begann er, und trug mir seinen Wunsch vor.

Ich war einen Moment sprachlos. „Ist das dein Ernst? Zu einer Familienfeier bei deiner Großtante?“

Sehr gelungen. Schöne Durchbrechung der Erwartung. Natürlich denke ich, jaja, und dann steht sie ewig in seiner Schuld usw. Dann der Absatz. Gut platziert. Dann: Familienfeier.


Zitat
„Plus 50 … 100 Mark.“
Ich habe nicht mehr auf dem Schirm, wann die Geschichte spielt, daher bin ich über Mark gestolpert. Kommt ja später noch mal vor.

Zitat
Ob er mich grad mit einem Nilpferd verwechselt hatte? 

 :coffee:


Zitat
Dank meiner auf großem Fuß lebenden Schwester hatte ich einige infrage kommende Outfits in petto. Mir war auch gleich klar, welches ich davon anziehen würde. Trotzdem probierte ich alle anderen vorsichtshalber auch mal an. Nicht wirklich rational zu erklären, wohl eine Frage der Chromosomenverbindungen.
Sehr schön.


Zitat
Wolfram holte mich am Freitagnachmittag pünktlich zu Hause ab. Im Prinzip. Eigentlich holten mich seine Eltern ab, und er hockte auf der Rückbank des Opels. 
„Doch“, flüsterte er mir zu. „Ich bin mir sicher, dass ich es gesagt habe. Ich hab ja auch noch keinen Führerschein.“
Es waren immer die Details, in denen der Teufel steckte. 
Auch sehr gelungen.

Zitat
Für diese Art Konversation fehlten mir eindeutig männliche Schaltkreise im Kopf. 
Schöne Formulierung

Zitat
„Wie viel drückt Wolfram ab, sag schon.“
„Lass es mich so sagen, verschwind du kleiner Wichser.“
“Lass es mich so sagen: Verschwinde, du blöder Wichser!”

Zitat
„Du hattest Recht, der Typ ist ein arroganter Arsch.“
(vom Duden empfohlen: du hast recht)

1. Teil Dialog:
Zitat
Ich zündete mir eine Zigarette an und beobachte den Kampf um die besten Stücke.
„Ich verrate Ihnen ein kleines Familiengeheimnis, wir tun nur so, als ob wir uns leiden können.“
„Okay. Das ist ja richtig nett.“
Sie schmunzelte. „Allerdings. Was hat Ihnen Wolfram Junior denn für das Arrangement bezahlt?“
Ich verdrehte die Augen. Eindeutig eine Familienkrankheit. „Am Nettsein müssen sie aber noch arbeiten.“
Großtante schmunzelte immer noch. „Ach Schätzchen, Sie sind so goldig naiv.“
„Vielen Dank.“
Jetzt lachte sie. „Diese ganzen Heuchler hier lieben mich über alles. Ich erspare Ihnen die langweiligen Verwandtschaftskonstellationen, aber wenn Sie Geld haben, brauchen Sie nicht nett zu sein. Das ist so, solange ich lebe.“
„Das wird dann bestimmt eine fröhliche Beerdigung.“
Sie schaute mit entgeistert an, ich zwinkerte, und sie lachte los. 
„Sie gefallen mir, Schätzchen. Ich würde die Hälfte meines Vermögens dafür geben, wenn ich das sehen könnte.“
„Glaub ich, aber Geld ist halt doch nicht alles.“
„Natürlich nicht. Ich bin alt, nicht senil. Wollen Sie mir einen Dienst erweisen?“
„Wieso sollte ich?“
„Weil ich Sie dafür bezahlen werde.“
„Wie sie ja schon scharfsinnig angedeutet haben, arbeite ich schon für jemanden.“
„Jetzt aber. Sie sind doch multitaskingfähig. Und ein wenig zusätzliches Taschengeld ist nie zu verachten. Es ist moralisch nicht ganz einwandfrei, aber ich versichere Ihnen, die Delinquenten haben es redlich verdient.“

Vorschläge für den 1. Teil:
Zitat
Ich zündete mir eine Zigarette an und beobachte den Kampf um die besten Stücke.
„Ich vertraue Ihnen jetzt ein kleines Familiengeheimnis an: Wir tun nur so, als ob wir uns leiden könnten.“
„Wie nett.“
Sie schmunzelte. „Allerdings. Wären Sie so freundlich, mich auch in Ihr kleines Geheimnis einzuweihen? Wieviel hat Ihnen Wolfram Junior für das heutige Arrangement bezahlt?“
Ich verdrehte die Augen. Eindeutig eine Familienkrankheit. „Am Nettsein müssen sie aber noch arbeiten.“
Großtante schmunzelte immer noch. „Ach Liebes, Sie sind so entzückend naiv.“
„Vielen Dank.“
Jetzt lachte sie. „Wer Geld hat, braucht nicht nett zu sein. Das ist einer der offensichtlicheren Vorzüge am Reichtum, den ich wohl genießen werde, solange ich lebe.“
„Das wird dann bestimmt eine fröhliche Beerdigung.“
Sie schaute mit entgeistert an, ich zwinkerte, und sie lachte los. 
„Sie gefallen mir, Liebes. Ich würde die Hälfte meines Vermögens dafür geben, wenn ich das sehen könnte.“
„Glaub ich, aber Geld ist halt doch nicht alles.“
„Selbstverständlich nicht. Ich bin alt, nicht senil. Würden Sie mir einen Dienst erweisen?“
„Wieso sollte ich?“
„Weil ich Sie dafür bezahlen werde.“
„Wie Sie ja schon scharfsinnig angedeutet haben, arbeite ich schon für jemanden.“
„Das ist in diesem Fall meinem Anliegen nur förderlich. Und ein wenig zusätzliches Taschengeld ist nie zu verachten. Es ist moralisch nicht ganz einwandfrei, aber ich versichere Ihnen, die Delinquenten haben es redlich verdient.“

2. Teil Dialog:
Zitat
Großtante flüsterte mir ihren perfiden Plan ins Ohr und grinste dann übers ganze Gesicht.
„Echt jetzt? Sie sind schon ein kleines Biest.“
„Also, Schätzchen?“
„Wie wenig soll ein wenig Taschengeld sein?“
„Hundert Mark. Steuerfrei.“
Ich lachte. „Jetzt sind Sie aber naiv, Großtante Irmgard.“ Ich wollte schon weiterziehen.
„Warten Sie. Geben Sie immer so schnell auf? Ich biete hundertfünfzig.“
„Fünfhundert.“
„Zweihundert.“
„Vierhundert und drei Flaschen von der Luxusbrause.“
Sie schaute mich argwöhnisch an. „Meine Möbel darf ich aber behalten.“
„Was ist denn der Flügel wert?“
„Mein Schimmel? Keine Ahnung. Ich glaube, ich habe 60 Tausend dafür bezahlt.“
„Wow. Man gönnt sich ja sonst nichts. Den würde ich nehmen.“
„Können Sie spielen?“
„Ich kann ihn verkaufen.“
Sie schmunzelte wieder. „Ich denke, meinen Schimmel werde ich behalten.“
„Ein weißer Schimmel, ein Pleonasmus.“
„Sie sind gebildet.“
„Und ich seh gut aus.“ Ich zwinkerte.
Tantchen musterte mich. „Ja, das tun Sie. Sie erinnern mich an meine Jugendzeit. Ich war 18 Jahre alt und wollte unbedingt reich werden. Ich hatte zwei Jobs und kellnerte zusätzlich jeden Abend.“ 
„Hat ja geklappt.“
„Ja, die härtesten sechs Monate meines Lebens.“
„Und dann haben Sie einen Millionär kennengelernt und geheiratet.“
„Jetzt haben Sie mir die Pointe verdorben.“
„Sorry.“ 
Sie grinste, ich lächelte zurück.

Vorschläge 2. Teil:
Zitat
Großtante flüsterte mir ihren perfiden Plan ins Ohr und grinste dann übers ganze Gesicht.
„Echt jetzt? Sie sind schon ein kleines Biest.“
„Also, Liebes?“
„Wie wenig soll ein wenig Taschengeld sein?“
„Hundert Mark. Steuerfrei.“
Ich lachte. „Jetzt sind Sie aber naiv, Großtante Irmgard.“
„Also gut. Ich biete hundertfünfzig.“
„Fünfhundert.“
„Zweihundert.“
„Vierhundert und drei Flaschen von dem Champagner.“
Ich schüttelte den Kopf. „Kein Interesse, aber was ist eigentlich der Flügel wert?“, fragte ich.
„Mein Schimmel? Keine Ahnung. Ich glaube, ich habe 60.000 dafür bezahlt.“
„Wow. Man gönnt sich ja sonst nichts. Den würde ich glatt nehmen.“
„Können Sie spielen?“
„Ich kann ihn verkaufen.“
Sie schmunzelte wieder. „Ich denke, meinen Schimmel werde ich behalten.“
„Ein weißer Schimmel, ein Pleonasmus.“
„Sie sind gebildet.“
„Und ich seh gut aus.“ Ich zwinkerte.
Tantchen musterte mich. „Ja, das tun Sie. Sie erinnern mich an meine Jugendzeit. Ich war 18 Jahre alt und wollte unbedingt reich werden. Ich hatte zwei Jobs und kellnerte zusätzlich jeden Abend.“ 
„Hat ja geklappt.“
„Ja, die härtesten sechs Monate meines Lebens.“
„Und dann haben Sie einen Millionär kennengelernt und geheiratet.“
„Jetzt haben Sie mir die Pointe verdorben.“
„Sorry.“ 
Sie grinste, ich lächelte zurück.

3. Teil Dialog:
Zitat
„Unterhaltet ihr euch gut, Tante?“ Wolfram erschien aus dem off.
„Junge, dieses Hemd ist fürchterlich.“
„Sagt Anja auch. Ich finde es toll.“
Wir schauten uns an und schüttelten nur den Kopf.
„Mein Gutester, hole mir doch noch einen Cocktail und für deine süße kleine Freundin …?“
„Ein Cola, mit Eiswürfeln.“
Er huschte los.
„Meine Neffen starren Sie an“, flüsterte Großtante. „Nicht hinschauen.“
„Die stellen sich grad vor, wie ich nackt aussehe.“
Sie prustete los. „Wie in aller Welt kommen Sie denn darauf?“
„Ich bin mit zwei älteren Brüdern und ihren Kumpels aufgewachsen.“
„Das blieb mir, Gott sei gedankt, erspart.“
„Was ist jetzt mit dem Deal?“, erinnerte ich sie. „Oder muss ich Ihr Tafelsilber einstecken?“
„Das liegt sicher verschlossen im Schrank.“
„Clever.“
„Ich sagte doch, ich kenne meine Pappenheimer. Zum Geschäftlichen: Ich bezahle Ihnen zweihundert Mark, verdoppele die Summe bei Erfolg. Und – um Gottes willen – diese drei Flaschen Champagner.“
Ich wiegte den Kopf leicht hin und her. Ein unerwarteter Geldsegen würde meinem Sparstrumpf sicherlich ganz gut tun.

Vorschläge:
Zitat
„Unterhaltet ihr euch gut, Tante?“ Wolfram erschien aus dem Off.
„Junge, dieses Hemd ist fürchterlich.“
„Sagt Anja auch. Ich finde es toll.“
Wir schauten uns an und schüttelten nur den Kopf.
„Mein Bester, hole mir doch noch einen Cocktail und für deine bezaubernde Freundin …?“
„Eine Cola, mit Eiswürfeln.“
Er huschte los.
„Meine Neffen starren Sie an“, flüsterte Großtante. „Nicht hinschauen.“
„Die stellen sich grad vor, wie ich nackt aussehe.“
Sie prustete los. „Wie in aller Welt kommen Sie denn darauf?“
„Ich bin mit zwei älteren Brüdern und ihren Kumpels aufgewachsen.“
„Das ist mir, Gott sei gedankt, erspart geblieben.“
„Was ist jetzt mit dem Deal?“, erinnerte ich sie. „Oder muss ich Ihr Tafelsilber einstecken?“
„Das liegt sicher verschlossen im Schrank.“
„Clever.“
„Ich sagte doch, ich kenne meine Pappenheimer. Zum Geschäftlichen: Ich bezahle Ihnen zweihundert Mark und verdoppele die Summe bei Erfolg. Und – um Gottes willen – diese drei Flaschen Champagner.“
Ich wiegte den Kopf leicht hin und her. Ein unerwarteter Geldsegen würde meinem Sparstrumpf sicherlich ganz gut tun.

Zitat
„Dann legen Sie los, Schätzchen. So aufgeregt war ich seit Ostern 74 nicht mehr.“
„Dann legen Sie los, Liebes. So aufgeregt war ich schon lange nicht mehr.“ (seit Ostern 74 schien mir überzogen, Tantchen scheint ja nicht so ganz ohne zu sein)

Zitat
Max freute sich wie sein Namensvetter beim Ansägen der Holzbrücke vor Schneider Böcks Haus. 
„Hoffentlich steht er auch nachher noch so schön.“
Der kleine Frauenverächter war Opfer seiner Triebe geworden. Ich bat um fünf Minuten Geduld und verließ das Zimmer. Seine Kleider warf ich zu denen von Max. Schnell eilte ich zurück in die Lobby. 

Hier hast du mich verwirrt. Vielleicht würde ein Absatz helfen, um dem Leser klarzumachen, dass sie nun von Moritz zu Max gewechselt hat. Und dann muss es heißen: Seine Kleider warf ich zu denen von Moritz.

Insgesamt hat mir der Streich nicht so gut gefallen. Ich hatte von Tantchen etwas Ausgefeilteres erwartet.

In meinem Sprachempfinden hat das Wort “Schätzchen” auch einen abwertenden Beigeschmack. Natürlich nicht immer, aber in diesem Zusammenhang erschien es mir sinnvoll, einen anderen Begriff zu verwenden.

 
Zitat
Pappendeckelschale
Pappschale? Schale aus Pappe? Pappendeckelschale habe ich noch nie gehört.


Zitat
Sein Vater hupte schon, und er machte sich schnell wieder in den Kombi.
… stieg schnell wieder … ein.

So, das war´s von meiner Seite. Insgesamt hat es mir viel Spaß gemacht zu lesen.

LG
Kass
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Re: AT: Der Ausweis
« Antwort #2 am: 15 April 2017, 10:23:10 »
Ähem, räusper, hmmmm. Definitiv unterhaltsam.  :diablo: Im Gegensatz zu dem, was Du sonst über die junge Dame schreibst, klingt das hier aber von vorn bis hinten erfunden. Und ich bin mir nicht sicher, ob diese Szene zu retten ist. Aber versuchen wir es mal.
Zunächst einmal ist mir nicht klar, wieviel Anja von Wolfram jr. weiß. Übrigens ein schöner Name. :biggrin: Wenn sie aber nichts von ihm weiß, bis auf seine Fähigkeit, Ausweise zu fälschen, dann möchte ich beim ersten Treffen eine Beurteilung durch Anja einzuschieben. da reichen ein paar kurze Beobachtungen. Denn ich hatte ein anderes Bild von ihm, als die Cousins und diese beiden Bilder bissen sich. Denn wer Ausweise fälscht und damit ein Geschäft macht, ist schon ein tougher Typ und kein Weichei, so wie er später erscheint.

Auch Anjas Auftritt auf der Party ist mir nicht klar. Ein heißer Feger wird nicht unbedingt für käuflich gehalten. Den ersten Cousin verstehe ich noch grundsätzlich, wenn er vorsätzlich provozieren und beleidigen will. Aber sein Angebot kann dann nicht ernsthaft gemeint sein. Dafür ist es zu plump. Solche Typen würden eher versuchen mit der eigenen Abstammung zu locken. Meinetwegen auch mit dem eigenen Geld, aber nicht mit einer Bargeldspende. Eher auf die Art: "Was willst du denn mit diesem Loser. Versuchs doch mal mit einem richtigen Mann - oder ersatzweise einem mann der Gesellschaft - oder was weiß ich.

Dann die Sache mit der Tante. Keine Frau, die ein wenig auf sich hält, würde so mit der Tür ins Haus fallen. Sie würde ganz vorsichtig versuchen herauszufinden, mit wem sie es zu tun hat. Es sei denn, sie hat ihren Plan mit Wolfram jr. abgesprochen, aber dann würde alles ganz anders laufen. Und dann womöglich auf so eine oder ähnliche Idee kommen. Aber wenn sie das tut, würde es viel subtiler geschehen. Und ganz bestimmt gäbe es kein Geschachere um die Bezahlung, denn das lässt Anja nicht gut aussehen.

Und die Pointe geht für mich auch nicht unbedingt auf. Das ganze ist in erste Linie ein Skandal, der auch auf die Hausherrin zurückfällt. Sie sollte also bei der Entdeckung nicht unbedingt dabeis ein. Du brauchst also einen anderen, viel subtileren Plot. Vielleicht lässt sie nach den beiden Neffen rufen, weil sie eine Ansage machen nöchte und als sie nicht kommen, lässt sie nach ihnen suchen. "Esw ird ihnen doch nichts passiert sein?" Und so könnten vielleicht einige wenige Gäste sich bemüßigt fühlen, ebenfalls zu schauen, zumal sie nun eine Entschuldigung haben, Räume zu betreten, die ihnen sonst verschlossen sind. Derweil versuchen die beiden jungen Männer, etwas zu finden, womit sie sich bedecken können. Und so ist alles ein Streich zwischen Wolfram und seinen beiden Cousins. Mit der Tante auf Wolframs Seite. Oder so. Oder anders.

Ist also nicht nur eine Sache der Satzmelodie.

Liebe Grüße
Trippelschritt
Wer bin ich, wer war ich, wer werde ich sein?

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Re: AT: Der Ausweis
« Antwort #3 am: 15 April 2017, 13:34:23 »
Hi Mondstern.

Ich wollte eigentlich eher Lesend hier unterwegs sein, aber hier gab es einige Stellen, zu denen ich dann doch etwas sagen musste.

zunächst insgesamt.
mir gefällt die Szene soweit gut, hat nur einige Stellen, die nicht so recht ins Bild passen wollen. Darum wirkt die Szene für mich sehr unrund.

vor Allem Tante Irmgard ist daran Schuld, weil sie zunächst sehr schön nach arrogantem Schnösel klingt, später aber immer mehr die Mundart von (wie heißt deine Prota eigentlich?) annimmt. Das führt dazu, dass ich bei dem längeren Gespräch zwischen deiner Prota und Tante Irmgard ab und an nicht folgen kann, ob das nun sie oder die Tante sagt.

Die Tatsache, dass ich wohl nicht behalten konnte, wie deine Prota denn heißt, sagt auch wieder eine Menge aus.

und nun zu den Details

Ich war einen Moment sprachlos. „Ist das dein Ernst? Zu einer Familienfeier bei deiner Großtante?“
„Korrekt. Am Freitagabend. Und Mitte der Woche sind die Ausweise fertig.“
„Vergiss es, Mann.“
„Freies Essen, freie Getränke.“
„Nein.“
„Plus 50 … 100 Mark.“ (das halte ich schon nicht mehr für professionell. sie will ja was von ihm. es ist ja nicht so, als hätte sie noch viele andere Möglichkeiten, einen gefälschten Ausweis zu bekommen, oder? Wolle klingt mir hier zu verzweifelt. besser wäre es, wenn er sie mit genau den genannten Argumenten "überredet". dann ist es auch glaubwürdiger, wenn sie überrascht ist, dass ihr die Feier plötzlich doch mehr Spaß macht als gedacht.)
Ich schaute ihn skeptisch an. „Von wann bis wann geht diese Feier?“
„Wir fahren gegen 17 Uhr los, sind dann um 22 Uhr wieder hier. Spätestens.“
„Und was sind da für Leute?“

[...]

Ob er mich grad mit einem Nilpferd verwechselt hatte? Oder einfach nur ein hoffnungsloser Fall war? „Super, kann ich meine Tubaschüsseln mitbringen?“
Wieder dieses seltsame hohe Lachen.
(das will auch nicht so recht passen... sie hält sich für nicht attraktiv - um nicht zu sagen hässlich, weil wer vergleicht sichselbst schon mit einem Nilpferd? - und will "heiße" Klamotten anziehen und in angesagten Klubs einen drauf machen...
und was soll das mit den Tubaschüsseln? mal ganz davon abgesehen, dass es sogar als Witz nicht funktioniert, sie werden nicht weiter erwähnt. weg damit.)


[...]

***

Dank meiner auf großem Fuß lebenden Schwester hatte ich einige infrage kommende Outfits in petto. Mir war auch gleich klar, welches ich davon anziehen würde. Trotzdem probierte ich alle anderen vorsichtshalber auch mal an. Nicht wirklich rational zu erklären, wohl eine Frage der Chromosomenverbindungen.

(das mit den Chromosomenverbindungen klingt mir zu gewollt. es ist für mich stärker, wenn du es als "Frauensache"
 abtust. sowas wie: "nicht wirklich rational zu erklären. Ist wohl eher eine Frauensache.")


[...]

„Wer ist denn deine zauberhafte Begleitung?“
Jetzt blühte mein Begleiter richtig auf, stellte uns vor, erwähnte etwa 16-mal, dass es zwischen uns gefunkt hätte und ich seine neue Freundin war.
Ich kam mir vor, wie in einer schlechten TV-Soap. Der Rothaarige blieb skeptisch, hörte jedoch weiter zu und musterte mich nebenbei von oben bis unten. Das verbale Loblied auf meine Person endete dann abrupt, als Wolles Mutter ihn herrief, damit der Sohnemann einige Leute begrüßen könnte.
„Wie viel bezahlt Wolfram dir?“, fragte der Cousin, kaum war mein Begleiter ein paar Meter weg.
„Bitte?“
„Komm schon, ich bin nicht blöd. Der Loser und so ein Gerät wie du. Also, wie viel?“
„Wenn du nicht wirklich blöd bist, wüsstest du, dass man nicht über Klienten redet.“
Er lachte abfällig. „Klienten? Interessante Bezeichnung. Ich will dich … buchen. Jetzt.“
Ich schaute ihn verdutzt an, stand voll auf der Leitung.
„Du bist eine Professionelle und ich … ein Klient. Und ich will dich.“
(hier fällt sie für mich aus der Rolle. Er bezeichnet sie als Hure, als Prostituierte und sie winkt es einfach weg und sagt,
 für diese Art konversation fehlen ihr die männlichen Schaltkreise? sorry, aber nein. bisher stellst du sie als schlagfertig und auf gewisse Art Taff vor. behalte das hier bei. besser wäre es für mich, wenn sie sich dadurch überzeugen lässt, das Spiel ganz mitzuspielen und beteuert, "dass sie ihren Wolle wirklich liebt..." oder so.)


[...]

„Sagte ich doch. Da, auf der Veranda, das ist meine Großtante. Lass sie uns begrüßen.“
Wir schlenderten rüber, schüttelten etliche Hände, tauschten Höflichkeiten aus und alte Männer machten mir Komplimente, wenn die bessere Hälfte gerade nicht hinhörte. Ich war froh, als es Essen gab und sich alle aufs Buffet stürzten.

Ich zündete mir eine Zigarette an und beobachte den Kampf um die besten Stücke. (Rauchen beim Essen? -No Go.)
„Ich verrate Ihnen ein kleines Familiengeheimnis, wir tun nur so, als ob wir uns leiden können.“
„Okay. Das ist ja richtig nett.“
Sie schmunzelte. „Allerdings. Was hat Ihnen Wolfram Junior denn für das Arrangement bezahlt?“
Ich verdrehte die Augen. Eindeutig eine Familienkrankheit. „Am Nettsein müssen sie aber noch arbeiten.“
Großtante schmunzelte immer noch. „Ach Schätzchen, Sie sind so goldig naiv.“
„Vielen Dank.“
Jetzt lachte sie. „Diese ganzen Heuchler hier lieben mich über alles. Ich erspare Ihnen die langweiligen Verwandtschaftskonstellationen, aber wenn Sie Geld haben, brauchen Sie nicht nett zu sein. Das ist so, solange ich lebe.“
„Das wird dann bestimmt eine fröhliche Beerdigung.“
Sie schaute mit entgeistert an, ich zwinkerte, und sie lachte los.
„Sie gefallen mir, Schätzchen. Ich würde die Hälfte meines Vermögens dafür geben, wenn ich das sehen könnte.“
„Glaub ich, aber Geld ist halt doch nicht alles.“
„Natürlich nicht. Ich bin alt, nicht senil. Wollen Sie mir einen Dienst erweisen?“
„Wieso sollte ich?“
„Weil ich Sie dafür bezahlen werde.“
„Wie sie ja schon scharfsinnig angedeutet haben, arbeite ich schon für jemanden.“
„Jetzt aber. Sie sind doch multitaskingfähig. Und ein wenig zusätzliches Taschengeld ist nie zu verachten. Es ist moralisch nicht ganz einwandfrei, aber ich versichere Ihnen, die Delinquenten haben es redlich verdient.“

(Bis hierhin spricht sie herrlich hochgestochen. behalte das so bei.)
Ich hatte keine Ahnung, was die alte Frau im Schilde führte, aber meine Neugier war geweckt.
„Nur mal angenommen, ich spiele mit. Was für ein Spiel?“
„Eine kleine List, die ich Ihnen absolut zutraue. Ein Spaß für mich, und eine Demütigung für meine gierigen und inkompetenten Neffen.“
„Okay. Weiter.“
Sie zeigte in die Lobby. „Sehen Sie die Zwei dort hinten am Flügel? Wie sie den teuren Champagner trinken, den sie nicht von Essig unterscheiden können?“
„Die beiden gestriegelten Affen?“
„Genau die. Ich stelle mir Folgendes vor …“

Großtante flüsterte mir ihren perfiden Plan ins Ohr und grinste dann übers ganze Gesicht.
„Echt jetzt? Sie sind schon ein kleines Biest.“
„Also, Schätzchen?“
„Wie wenig soll ein wenig Taschengeld sein?“
„Hundert Mark. Steuerfrei.“
Ich lachte. „Jetzt sind Sie aber naiv, Großtante Irmgard.“ Ich wollte schon weiterziehen.
„Warten Sie. Geben Sie immer so schnell auf? Ich biete hundertfünfzig.“
„Fünfhundert.“
„Zweihundert.“
„Vierhundert und drei Flaschen von der Luxusbrause.“
Sie schaute mich argwöhnisch an. „Meine Möbel darf ich aber behalten.“
„Was ist denn der Flügel wert?“ (sie will es den Gierigen Neffen heimzahlen... aber deine Prota ist grad auch extrem gierig... 400€ von der Tante, 100 vom Wolle, 3 Flaschen Champagner und noch die Anzüge? und das mit... 17? ich weiß ja nicht,
 was du dir unter Teenagerleben so vorstellst, aber als ich 17 war, hätte ich ein Jahr ausgesorgt mit 200€)

„Mein Schimmel? Keine Ahnung. Ich glaube, ich habe 60 Tausend dafür bezahlt.“
„Wow. Man gönnt sich ja sonst nichts. Den würde ich nehmen.“
„Können Sie spielen?“
„Ich kann ihn verkaufen.“
Sie schmunzelte wieder. „Ich denke, meinen Schimmel werde ich behalten.“
„Ein weißer Schimmel, ein Pleonasmus.“
„Sie sind gebildet.“  (schon irgendwo hart an der Grenze zu "infodump - muss das da rein?" aber um gegenüber der Großtante zu "beweisen", dass sie nicht komplett ungebildet ist, geht das klar.)
„Und ich seh gut aus.“ Ich zwinkerte. (ja, wie ein Nilpferd... wie gesagt, du springst da ein wenig hin und her.)
Tantchen musterte mich. „Ja, das tun Sie. Sie erinnern mich an meine Jugendzeit. Ich war 18 Jahre alt und wollte unbedingt reich werden. Ich hatte zwei Jobs und kellnerte zusätzlich jeden Abend.“
„Hat ja geklappt.“
„Ja, die härtesten sechs Monate meines Lebens.“
„Und dann haben Sie einen Millionär kennengelernt und geheiratet.“
„Jetzt haben Sie mir die Pointe verdorben.“
„Sorry.“
Sie grinste, ich lächelte zurück.

[...]

„Mein Gutester, hole mir doch noch einen Cocktail und für deine süße kleine Freundin …?“ (Sorry, aber ganz großes Fettnäpfchen! wie steigert man "gut"? eine "gebildete" Frau würde auf das korrekteste Deutsch in ihrer Aussprache achten und niemals ein Wort wie "Gutester" verwenden. "Mein Bester". ist da zwingend. generell fallen mir bei dir sogar Zeitwechsel innerhalb eines Satzes auf.)

(und hier sinkt der Ton von Tantchen Irmgard auf das der Prota herab.)
„Ich sagte doch, ich kenne meine Pappenheimer. Zum Geschäftlichen: Ich bezahle Ihnen zweihundert Mark, verdoppele die Summe bei Erfolg. Und – um Gottes willen – diese drei Flaschen Champagner.“
Ich wiegte den Kopf leicht hin und her. Ein unerwarteter Geldsegen würde meinem Sparstrumpf sicherlich ganz gut tun.

„Okay, akzeptiert. Allerdings will ich die Zwei erst abchecken.“
„Sie wollen was?“
„Ich verschaffe mir ein Bild, ob die das verdienen oder nicht.“ Bei einem hatte ich mir ja schon ein Urteil bilden können.
„Einverstanden.“ Sie winkte zum Flügel, die beiden kamen näher und das Spiel begann.

[...]

Der mit den hochtoupierten schwarzen Haaren war Max, der Rotschopf mit dem spitzen Kinn sein Kumpel Moritz.
(Max und Moritz? bitte nicht.)

[...]

Das war der erste Streich, und der zweite folgt zugleich. (die Wiederholung bei dem Finale war mir zu auffällig.)

[...]

(auch hier ist der Ton der Tante eher an dem der Prota orientiert als an der höfisch hohen Gesellschaft.)
„Göttlich sag ich Ihnen, einfach göttlich. Die standen da wie die Ölgötzen, mit hochrotem Kopf und …“ Sie kam näher und flüsterte: „Beide sollen einen erigierten Penis gehabt haben.“
„Dann hatten ihre Freundinnen ja das volle Programm.“
Sie gluckste und nickte heftig. „Das wird das Hauptthema beim nächsten Bridgeabend, ach was sage ich, für alle Zeiten.“

wie gesagt. insgesamt schon ganz ok. nur die holprigen Stellen, Zeitfehler... und irgendwie hatte ich mir gleichzeitig etwas fieseres und etwas harmloseres als Streich vorgestellt. der Streich hier ist doch eher ein wenig out of the blue. da könnte man sicher auch noch etwas besseres finden. aber bisher passt das sonst schon ganz gut.

LG,
Nalee
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Re: AT: Der Ausweis
« Antwort #4 am: 15 April 2017, 19:45:28 »
Ohne die anderen Kommentare gelesen zu haben meine Vorschläge zu Irmgards Sprache und ein paar Erbsen.
Insgesamt fand ich den Text herrlich leicht zu lesen. Hat Spaß gemacht.


Zitat
[...]

Die Shadows hatten ausgezeichnete Kontakte, aber die brauchten wirklich nicht alles zu wissen (herrliches Detail), zumindest nicht, solange ich noch eine andere Option hatte.

[...]

Ob er mich grad mit einem Nilpferd verwechselt hatte? Oder einfach nur ein hoffnungsloser Fall war? „Super, kann ich meine Tubaschüsseln (Tupperschüsseln?) mitbringen?“
Wieder dieses seltsame hohe Lachen.

[...]

Ich zündete mir eine Zigarette an und beobachte den Kampf um die besten Stücke.
„Ich verrate Ihnen ein kleines Familiengeheimnis, wir tun nur so, als ob wir uns einander leiden können.“
„Okay. Das ist ja richtig nett.“
Sie schmunzelte. „Allerdings. Was Wie viel hat Ihnen Wolfram Junior denn für das Arrangement bezahlt?“
Ich verdrehte die Augen. Eindeutig eine Familienkrankheit. „Am Nettsein müssen sie aber noch arbeiten.“
Großtante schmunzelte immer noch. „Ach Schätzchen, Sie sind so goldig naiv.“
„Vielen Dank.“
Jetzt lachte sie. „Diese ganzen Heuchler hier lieben mich über alles. Ich erspare Ihnen die langweiligen Verwandtschaftskonstellationen, aber wenn Sie Geld haben, brauchen Sie nicht nett zu sein. Das ist so, solange ich lebe.“
„Das wird dann bestimmt eine fröhliche Beerdigung.“
Sie schaute mit entgeistert an, ich zwinkerte, und sie lachte los.
„Sie gefallen mir, Schätzchen. Ich würde die Hälfte meines Vermögens dafür geben, wenn ich das sehen könnte.“
„Glaub ich, aber Geld ist halt doch nicht alles.“
„Natürlich nicht. Ich bin alt, nicht senil. Wollen Sie mir einen Dienst erweisen"? Versuchs mit: 'Erweisen Sie mir einen Dienst.' oder 'Sie können mir einen Dienst erweisen.' Wenn es unbedingt eine Frage sein soll: 'Würden Sie mir einen Dienst erweisen?'
„Wieso sollte ich?“
„Weil ich Sie dafür bezahlen werde.“
„Wie sie ja schon scharfsinnig angedeutet haben, arbeite ich schon für jemanden.“
„Jetzt aber. Sie sind doch multitaskingfähig. Und ein wenig zusätzliches Taschengeld ist nie zu verachten. Es ist moralisch nicht ganz einwandfrei, aber ich versichere Ihnen, die Delinquenten haben es redlich verdient.“ 'Redlich' stößt mir an der Stelle auf. Denn es geht wohl nicht um jemanden, der in Irmagards Augen tatsächlich redlich ist.

Ich hatte keine Ahnung, was die alte Frau im Schilde führte, aber meine Neugier war geweckt.
„Nur mal angenommen, ich spiele mit. Was für ein Spiel?“
„Eine kleine List, die ich Ihnen absolut zutraue. Ein Spaß für mich, und eine Demütigung für meine gierigen und inkompetenten Neffen.“
„Okay. Weiter.“
Sie zeigte in die Lobby. „Sehen Sie die Zwei dort hinten am Flügel? Wie sie den teuren Champagner trinken, den sie nicht von Essig unterscheiden können?“
„Die beiden gestriegelten Affen?“
„Genau die. Ich stelle mir Folgendes vor …“

Großtante flüsterte mir ihren perfiden Plan ins Ohr und grinste dann übers ganze Gesicht.
„Echt jetzt? Sie sind schon ein kleines Biest.“
„Also, Schätzchen?“
„Wie wenig soll ein wenig Taschengeld sein?“
„Hundert Mark. Steuerfrei.“
Ich lachte. „Jetzt sind Sie aber naiv, Großtante Irmgard.“ Ich wollte schon weiterziehen.
„Warten Sie. Geben Sie immer so schnell auf? Ich biete hundertfünfzig.“
„Fünfhundert.“
„Zweihundert.“
„Vierhundert und drei Flaschen von der Luxusbrause.“
Sie schaute mich argwöhnisch an. „Meine Möbel darf ich aber behalten.“
„Was ist denn der Flügel wert?“
„Mein Schimmel? Keine Ahnung. Ich glaube, ich habe 60 Tausend dafür bezahlt.“
„Wow. Man gönnt sich ja sonst nichts. Den würde ich nehmen.“
„Können Sie spielen?“
„Ich kann ihn verkaufen.“
Sie schmunzelte wieder. „Ich denke, meinen Schimmel werde ich behalten.“
„Ein weißer Schimmel, ein Pleonasmus.“
„Sie sind gebildet.“
„Und ich seh gut aus.“ Ich zwinkerte.
Tantchen musterte mich. „Ja, das tun Sie. Sie erinnern mich an meine Jugendzeit. Ich war 18 Jahre alt und wollte unbedingt reich werden. Ich hatte zwei Jobs und kellnerte zusätzlich jeden Abend.“
„Hat ja geklappt.“
„Ja, die härtesten sechs Monate meines Lebens.“
„Und dann haben Sie einen Millionär kennengelernt und geheiratet.“
„Jetzt haben Sie mir die Pointe verdorben.“
„Sorry.“
Sie grinste, ich lächelte zurück.

„Unterhaltet ihr euch gut, Tante?“ Wolfram erschien aus dem off. (Gehört Off hier nicht groß?)
„Junge, dieses Hemd ist fürchterlich.“
„Sagt Anja auch. Ich finde es toll.“
Wir schauten uns an und schüttelten nur den Kopf.
„Mein Gutester, hole mir doch noch einen Cocktail und für deine süße kleine Freundin …?“ "Für deine süße kleine Freundin"? Zu übertrieben. Klingt schon fast schmierig.
„Ein Cola, mit Eiswürfeln.“
Er huschte los.
„Meine Neffen starren Sie an“, flüsterte Großtante. „Nicht hinschauen.“
„Die stellen sich grad vor, wie ich nackt aussehe.“
Sie prustete los. „Wie in aller Welt kommen Sie denn darauf?“
„Ich bin mit zwei älteren Brüdern und ihren Kumpels aufgewachsen.“
„Das blieb mir, Gott sei's gedankt, erspart.“
„Was ist jetzt mit dem Deal?“, erinnerte ich sie. „Oder muss ich Ihr Tafelsilber einstecken?“
„Das liegt sicher verschlossen im Schrank.“
„Clever.“
„Ich sagte doch, ich kenne meine Pappenheimer. Zum Geschäftlichen: Ich bezahle Ihnen zweihundert Mark, verdoppele die Summe bei Erfolg. Und – um Gottes willen – diese drei Flaschen Champagner.“
Ich wiegte den Kopf leicht hin und her. Ein unerwarteter Geldsegen würde meinem Sparstrumpf sicherlich ganz gut tun.

„Okay, akzeptiert. Allerdings will ich die Zwei erst abchecken.“
„Sie wollen was?“
„Ich verschaffe mir ein Bild, ob die das verdienen oder nicht.“ Bei einem hatte ich mir ja schon ein Urteil bilden können.
„Einverstanden.“ Sie winkte zum Flügel, die beiden kamen näher und das Spiel begann.
[...]

„Streuen Sie besser Salz auf den Boden, sonst rutscht jemand auf den Schleimspuren ihrer Neffen aus. Und … ich finde ihren bösen Plan jetzt gar nicht mehr so fies.“
„Dann legen Sie los, Schätzchen. So aufgeregt war ich seit Ostern 74 nicht mehr.“
Tantchen sorgte dafür, dass Wolle Junior bei Verwandten fest hing, und lenkte Moritz ab. Jetzt wurde es ernst.

„Ich kenne ein leer stehendes Zimmer, da sind wir ungestört“, flüsterte ich zu Mondgesicht Max. Das vom vielen Schampus schon vernebelte Gehirn regierte wie erwartet. Brav folgte er mir wie ein Lamm zur Schlachtbank. Dank Tante Irmgards Beschreibung fand ich die ehemaligen Dienstmädchenzimmer im ersten Stock auf Anhieb.
„Ich ließ den Rollladen runter. „Wir müssen uns beeilen. Zieh dich aus. Alles.“
Völlig willenlos folgte er meinem Wunsch. Ich stopfte seine Klamotten in einen rumliegenden Kopfkissenbezug. Max sah zu, registrierte es aber nicht wirklich. Nackt stand er mitten im Raum und freute sich, mich zu sehen.
„Ich bin gleich zurück, nicht ohne mich anfangen.“
Das war der erste Streich, und der zweite folgt zugleich. (Wenn das Zitat original sein soll, muss es glaube ich heißen: 'Dieses war der erste ...')

Ich bunkerte die Sachen, wie vereinbart, in einer kleinen Besenkammer und eilte zur Lobby zurück. Auf der Treppe blieb ich stehen. Moritz wartete schon ungeduldig und kam sofort hergelaufen. Er streckte mir

[...]

Während Wolfram sich ein Steak reinzog, entschied ich mich für Merguez und Nudelsalat. Nach einer Viertelstunde erschien Irmgards Mädchengang (herrlich!) – immer noch kichernd und kopfschüttelnd – auf der Veranda. Da standen sie auch noch eine ganze Weile beisammen und hatten wohl nur ein Thema.
Bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit stellte ich mich unauffällig neben die Großtante. „Ich vermute, Sie hatten großen Spaß.“
Sie schmunzelte. „Besser, als ich es mir ausgemalt hatte, Schätzchen. Unseren … wie sagten Sie … Deal, haben Sie mit Bravour gemeistert.“
„Die Gesichter der beiden hätte ich gern gesehen.“
„Göttlich, sag ich Ihnen, einfach göttlich. Die standen da wie die Ölgötzen, mit hochrotem Kopf und …“ Sie kam näher und flüsterte: „Beide sollen einen erigierten Penis gehabt haben.“ Hier würde ich umschreiben. Sowas sagen wie 'beide sollen ausgesprochen erwartungsvoll gewesen sein' und dazu vielleicht noch eine Geste untenrum oder ein Blick nach unten oder so.
„Dann hatten ihre Freundinnen ja das volle Programm.“
Sie gluckste und nickte heftig. „Das wird das Hauptthema das Thema beim nächsten Bridgeabend, ach was sage ich, für alle Zeiten.“
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Re: AT: Der Ausweis
« Antwort #5 am: 15 April 2017, 19:46:21 »
Nalee, "Gutester" ist korrekt.
We are not nouns, we are verbs. I am not a thing – an actor, a writer – I am a person who does things – I write, I act – and I never know what I am going to do next. I think you can be imprisoned if you think of yourself as a noun.
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Re: AT: Der Ausweis
« Antwort #6 am: 15 April 2017, 22:21:18 »
Nalee, "Gutester" ist korrekt.

Habe gerade mal nachgeschaut und im Sächsischen Regiolekt ist Gutester tatsächlich gängig (deswegen hatte ich es noch nie gehört).

Jetzt weiß ich zwar nicht, WO die Geschichte spielt, das ist für mein Argument aber auch unerheblich, da in "gebildeten Schnöselkreisen" generell Hochdeutsch bzw Schrifthochdeutsch gesprochen wird und nicht Regiolekt. In dem Falle also nach wie Vor:

mein Guter, meine Gute, meine Guten Freunde,
mein Bester, meine Beste, meine Besten Freunde.
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Re: AT: Der Ausweis
« Antwort #7 am: 15 April 2017, 22:51:23 »
Selbst wenn das stimmt, dass viel Geld einen gegen die Einflüsse regionaler Sprache immun macht:
Irmgard hat in diese Kreise doch nur eingeheiratet. Sie ist zumindest ein wenig näher dran an der Protagonistin, als jemand das vielleicht wäre, der schon mit viel Geld aufgewachsen ist. Und dass sich das auch sprachlich in Details niederschlägt finde ich positiv.
Auch weg vom Klischee der reichen alten Dame, die so ganz anders als der ganze Rest ihrer Verwandtschaft ist. Ohne jeden Grund, außer vielleicht dem, dass der Autor den Charakter so interessanter findet.
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Re: AT: Der Ausweis
« Antwort #8 am: 16 April 2017, 02:22:17 »
Selbst wenn das stimmt, dass viel Geld einen gegen die Einflüsse regionaler Sprache immun macht:
Irmgard hat in diese Kreise doch nur eingeheiratet.

was laut eigener Aussage aber doch schon EINIGE Jährchen her sein dürfte.
Es gibt zwar keine konkrete Angabe dafür, doch wenn sie behauptet, sie wollte mit 18 (also in ... Anna? Anja? werauchimmers Alter) unbedingt reich werden, und hat 2 Jobs gehabt.,.. bevor sie dann 6 Monate später nen reichen Typen heiratet. Und heute von Bridgerunden und dergleichen spricht, Großtante ist etc. dann hat sie auf jeden Fall schon lange das großschnöselige Verhalten und die Sprache der oberen Mittelklasse angenommen.
Aus diesem Grund hatte ich auch erwartet, dass das Niveau ihres Tons sich nicht der Prota anpasst, sondern im Gegenteil ein so schöner Kontrast dazu erhalten bleibt.

und viel Geld macht nicht gegen die regionale Sprache immun, sondern eingebildetes Verhalten, das besagt, dass man auf die korrekteste hochgestochene (einige nennen es gern aristokratische) Sprache achtet. dazu gehört, dass man in Standard-Deutsch bzw Hochdeutsch oder Schrifthochdeutsch spricht um sich vom "gewöhnlichen" Volk abzuheben.


wenn ich ehrlich bin... ich glaub, ich muss in meinem Buch auch noch ein-Zwei Dialoge dahingehend bearbeiten...

naja, ich wollte die Diskussion jetzt auch nicht so ausarten lassen. Meiner Meinung nach, ist und klingt "Gutester" schlicht und einfach falsch. und zwar in SO vieler Hinsicht... ^.^

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Re: AT: Der Ausweis
« Antwort #9 am: 16 April 2017, 08:02:24 »
Ich würde nach wie vor vermuten, dass Menschen auch in diesen Kreisen noch sehr bunt sind und Eigenheiten haben, auch sprachliche. Aber letztendlich bleibt das Spekulation, da ich solche Leute nur aus fiktionalen Werken kenne.
We are not nouns, we are verbs. I am not a thing – an actor, a writer – I am a person who does things – I write, I act – and I never know what I am going to do next. I think you can be imprisoned if you think of yourself as a noun.
(S. Fry)

Viskey

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Re: AT: Der Ausweis
« Antwort #10 am: 16 April 2017, 10:51:39 »
Hallo Mondstern!

Für mich stellt sich bei dem ganzen Textausschnitt die Frage, ob du das brauchst. Etwas mehr als nur ein Satz wäre schon schön, aber da reicht dann auch der Einstieg zu diesem Teil.

Zitat
Neuerdings wurden sie alle blöd. Die Kasper vom Gemeinderat hatten nichts Besseres zu tun, als die Minderjährigen zu schikanieren. Das Ordnungsamt kontrollierte knallhart die Ausgangssperren und verhängte teure Geldstrafen bei Nichteinhaltung. Das hatte zur Folge, dass man so gut wie nirgends mehr ohne Ausweis rein kam.
Das war ein echtes Dilemma. Selbstbewusst zu versichern, dass man natürlich schon volljährig war, konnte man knicken.
Und einen gut gefälschten Ausweis bekam man auch nicht grad so um die Ecke. Mal von den rechtlichen Konsequenzen abgesehen, waren die Dinger auch jenseits meiner Gehaltsklasse. Es gab aber eine Alternative. Ein Studentenausweis. Für meine Zwecke würde der ausreichen, schließlich wollte ich kein Auto auf Raten kaufen, oder einen Kredit aufnehmen.
Die Shadows hatten ausgezeichnete Kontakte, aber die brauchten wirklich nicht alles zu wissen, zumindest nicht, solange ich noch eine andere Option hatte. Ich erinnerte mich an den Strippenzieher, der damals Claudias Schulbücher wieder eingebucht hatte. Zusammen mit den Puzzleteilen, die ich hier und da über ihn aufgeschnappt hatte, war das mein Mann.

Das ist in meinen Augen absolut genug (und gut). Und dann abschließen mit: "Ich hatte recht und eine Woche später hielt ich einen waschechten gefälschten Ausweis in den Händen." - Oder etwas in der Art.


Den ganzen Rest ... Ich versteh nicht, was das soll. Wenn es bisher mit einem Satz erledigt sein konnte, brauchst du vermutlich weder Wolle, noch seine Cousins, noch die Tante. Und den ganzen Slapstick-Klimbim, der danach kommt, brauchst du hoffentlich auch nicht.

Anders als andere Röster hatte ich überhaupt keinen Spaß beim Lesen, auch wenn ich glaube, dass du Spaß hattest beim Schreiben. Für mich war einfach dauernd die Frage: Was soll das denn? Wozu soll das gut sein? Stellenweise kam bei mir auch etwas Fremdschämen auf. Das Gefeilsche, das "ich bin intelligent und seh außerdem noch heiß aus" ... Die kichernde "Mädchengang" der Großtante ...

Ich dachte nur die ganze Zeit: Das kann Mondstern doch viel besser als das ... Da war auch ein gutes Stück Enttäuschung mit dabei, weil du bei mir eine sehr hohe Messlatte hast, an die du hier für mich einfach nicht heranreichst. Du verlierst in der Szene nicht nur die Sprache der Großtante, sondern auch deine übliche Erzählstimme, die beim Einstieg noch da ist. Kurz und knackig und immer mit einem Anstrich von Arroganz und so einem Gefühl von: "Lasst das Leben nur zu mir kommen! Das soll sich trauen, mir meinen Spaß zu versauen, ich werd dem schon zeigen, was eine Harke ist!" Das vermisse ich im ganzen Rest total. Da kommt sie eher patzig und kindisch rüber und wirkt einfach nicht echt. Keine der Figuren wirkt da echt.

Ich gehe mit Trippelschritt mit bei der Frage, ob die Szene gerettet werden kann, und erweitere um ein ob die Szene gerettet werden soll. Für mich ist die Antwort auf beide Fragen. Nein.

Tut mir leid, dass das jetzt so harsch war, aber du weißt, ich bin ein Fan von dir. Und bei den hohen Erwartungen,  die ich dank vergangener ERfahrungen an dich habe, fällt halt auch die Kritik viel schärfer aus. Ich gebe auch zu, das das alles ziemlich subjektiv ist statt objektiv, aber ich bekomme diese Subjektivität nicht eliminiert. Ich hab's versucht.

Hoffentlich hast du trotzdem noch einen schönen Tag.

lg, Viskey
"There is no such thing as bad work, just unfinished work." - Eric Idle

merin

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Re: AT: Der Ausweis
« Antwort #11 am: 17 April 2017, 14:51:44 »
Liebe Mondstern,

na dann wollen wir mal, wie immer ohne die anderen Röstungen zu lesen:

Zitat
Es gab aber eine Alternative. Ein Studentenausweis. Für meine Zwecke würde der ausreichen, schließlich wollte ich kein Auto auf Raten kaufen, oder einen Kredit aufnehmen.

"Einen Studentenausweis" muss es mE heißen.

In der folgenden Verhandlung wundert mich, dass sie nicht genau fragt, was sie bei der Feier tun soll. Ich mein, es ist ihm ja offenbar viel wert. Ich bin außerdem erstaunt, dass es Studentenausweise mit Foto gibt, die gab es zu meinen Studienzeiten nicht.

Zitat
Super, kann ich meine Tubaschüsseln mitbringen?“
Wieder dieses seltsame hohe Lachen.

Ich habe keine Ahnung, was Tubaschüsseln sind. Macht aber vielleicht auch nichts.

Zitat
Dank meiner auf großem Fuß lebenden Schwester hatte ich einige infrage kommende Outfits in petto. Mir war auch gleich klar, welches ich davon anziehen würde.

Liest sich holperig. Ich würde eher "welches davon ich anziehen würde" schreiben. Und bin immer noch erstaunt, wieso sie so klar weiß, was in Frage kommt. Ich wüsste es nicht.
Und als sie dann ankommt, bin ich noch erstaunter: Wie kann sie wissen, dass das offenbar Geldsäcke sind, zu denen sie geht? Da ist ja auch andere Kleidung angemessen?

Zitat
„Lass es mich so sagen, verschwind du kleiner Wichser.“

Da würde ich statt des Kommas einen Doppelpuntk setzen. Ansonsten:  :biggrin:  :hehe:

Zitat
„Sagte ich doch. Da, auf der Veranda, das ist meine Großtante. Lass sie uns begrüßen.“

Wenn, dann andersrum: "Lass uns sie begrüßen". Aber auch das ist unschön. Vielleicht eher "lass uns mal Guten Tag sagen gehen?"

Zitat
Ich zündete mir eine Zigarette an und beobachte den Kampf um die besten Stücke.
„Ich verrate Ihnen ein kleines Familiengeheimnis, wir tun nur so, als ob wir uns leiden können.“
„Okay. Das ist ja richtig nett.“

Hups? Ich nehme an, sie spricht mit Wolle und ist auch am Buffet. Ich brauche also einen Überleitungssatz, der mir sagt, dass sie bei der Großtante ist. Und ob Wolle auch dabei ist oder wer noch.

Zitat
Sie schaute mit entgeistert an, ich zwinkerte, und sie lachte los.

mich statt mit

Zitat
Großtante flüsterte mir ihren perfiden Plan ins Ohr und grinste dann übers ganze Gesicht.

Ich würde der Großtante einen Artikel gönnen. Und fällt sie echt so mit der Tür ins Haus? Wie kommst sie darauf?

Ansonsten ist mir das zu ... stereotyp. Es wirkt auf mich wie eine Soapopera, was ich von Deinem Text eigentlich nicht kenne. Müsste sie sich nicht wundern, dass alle sie für bezahlt halten? Und wäre es nicht doch gut, den Protas etwas mehr Farbe zu geben? Wieso traut Wolle niemand eine Freundin zu, wo er ein ausgebuffter Typ ist? Was hat Anja denn nun angezogen? Wie mag sie wohl wirken? Und wie fühlt sie sich da?

Die Sprache der Tante finde ich wirklich nicht gelungen. Wenn sie gehoben spricht, dann kürzt sie Worte nicht ab. Dann betont sie jedes sonst verschlickte "en". Ich editier mal rein:

Zitat
Ich lachte. „Jetzt sind Sie aber naiv, Großtante Irmgard.“ Ich wollte schon weiterziehen.
„Warten Sie. Geben Sie immer so schnell auf? Ich biete einhundertfünfzig Mark.“
„Fünfhundert.“
„Zweihundert.“
„Vierhundert und drei Flaschen von der Luxusbrause.“
Sie schaute mich argwöhnisch an. „Meine Möbel darf ich aber behalten, nehme ich an.“
„Was ist denn der Flügel wert?“
Mein Schimmel ist doch kein Möbel! Mein Schimmel? Keine Ahnung. Das ist Kunst! Ich glaube, ich habe 60 Tausend Mark dafür bezahlt.“
„Wow. Man gönnt sich ja sonst nichts. Den würde ich nehmen.“
„Können Sie denn spielen?“
„Ich kann ihn verkaufen.“
Sie schmunzelte wieder. „Ich denke, meinen Schimmel werde ich besser behalten.“
„Ein weißer Schimmel, ein Pleonasmus.“
„Sie sind gebildet.“
„Und ich seh gut aus.“ Ich zwinkerte.
Tantchen musterte mich. „Ja, das tun Sie. Sie erinnern mich an meine Jugendzeit. Ich war 18 Jahre alt und wollte unbedingt reich werden. Ich hatte zwei Jobs und kellnerte zusätzlich jeden Abend.“
„Hat ja geklappt.“
„Ja, es waren die härtesten sechs Monate meines Lebens.“
„Und dann haben Sie einen Millionär kennengelernt und geheiratet.“
„Jetzt haben Sie mir die Pointe verdorben.“
„Sorry.“
Sie grinste, ich lächelte zurück.

Gib ihr einfach einige Worte mehr, lass sie etwas spitz sein. Dann wird sie plastischer. Und snobischer. Das ist im Verlauf etwas besser, finde ich. Trotzdem verstehe ich nicht recht, wieso sie ihre Neffen auf diese Art bloßstellen will. Das wirkt fast einfallslos, finde ich.

Zitat
„Unterhaltet ihr euch gut, Tante?“ Wolfram erschien aus dem off.

Off groß.

Zitat
„Ich sagte doch, ich kenne meine Pappenheimer. Zum Geschäftlichen: Ich bezahle Ihnen zweihundert Mark, verdoppele die Summe bei Erfolg. Und – um Gottes willen – diese drei Flaschen Champagner.“

Warum diese? Zeigt sie darauf? Wenn nicht, lass es weg.

Zitat
Ich rückte Wolfram ins richtige Licht und machte nebenher den Neffen schöne Augen. Allerdings so, dass es keiner der anderen mitkriegte. Ich ließ durchsickern, dass Wolfram lediglich ein Freund war … nicht mehr. Max war ein unangenehmer Grapscher und schon im roten Bereich. Moritz ließ ich wissen, dass ich voll auf Rothaarige abfuhr.

Wie das? Das hätte ich gern gezeigt, nicht behauptet.

Zitat
„Ich kenne ein leer stehendes Zimmer, da sind wir ungestört“, flüsterte ich zu Mondgesicht Max. Das vom vielen Schampus schon vernebelte Gehirn regierte wie erwartet.

Ich biete ein A für reAgierte.

Zitat
Völlig willenlos folgte er meinem Wunsch. Ich stopfte seine Klamotten in einen rumliegenden Kopfkissenbezug.

Wirklich? Warum liegt der da herum? Das erscheint mir zu gewollt. Wenn sie sie eh aus dem Raum nimmt (was ich gern gezeigt bekäme), dann braucht es auch keinen Kissenbezug.

Insgesamt kam ich gut rein, mag die Sprache wie so oft. Ich finde das Ganze aber doch etwas zu slapstickhaft. Bei denen anderen Anjateilen hatte ich meist das Gefühl, das könnte alles real sein. Das hier kaufe ich nicht. Wolle wirkt so komisch hilflos - Anja ausgefuchst aber nicht ausgefuchst genug für meinen Geschmack. Hier stört mich ihre fehlende Emotionalität. Ist sie nie aufgeregt? Ängstlich? Fühlt sich fehl am Platz?
Das Ende ist mir etwas zu abrupt, für meinen Geschmack müsste sie erstmal ihre Beute checken. Und ich wüsste gern, wieso Wolle Ausweise fälschen kann, aber in der Verwandtschaft so einen luschigen Ruf hat. Wieso hat er es überhaupt nötig, sie zu bezahlen?
Und: Den gesamten Plot würde ich nochmal überdenken. Er erscheint mir einfach zu gewollt. Sorry.

lg
merin

« Letzte Änderung: 17 April 2017, 14:57:32 von merin »
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht.

Mondstern

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Re: AT: Der Ausweis
« Antwort #12 am: 17 April 2017, 21:42:24 »
Hi Teufelchen

Vielen Dank für die vielen Wortmeldungen, hat mich sehr gefreut.  :)
Danke auch für die hervorragenden Vorschläge für die Sprachmelodie vom Tantchen. Da sind super Sachen dabei. Muss ich aber alles erst mal setzen lassen.

Ich werde auf jeden Fall noch zu den einzelnen Postings etwas sagen.

Normalerweise arbeite ich die Posting der Reihe nach ab, bitte um Verständnis das ich jetzt mal anders vorgehe. Es macht wenig Sinn die Wände zu tapezieren, wenn grad das Dach abgedeckt wurde …

Damit wäre ich dann gleich beim Hauptproblem
Mein Prototyp ist in die Luft gekommen und fliegt. Kinderkrankheiten sind zu erwarten gewesen, allerdings hatte ich nicht in diesem Ausmaß damit gerechnet.

Meister Trippel hat seinen Finger schön tief auf die Wunde gelegt. Ich bin noch am überlegen ob ich schreien oder heulen soll.
Diese Punkte hätten mir definitiv auffallen müssen.  :stirn:

Ich versuche jetzt nicht das schönzureden, bringt ja auch nichts, sonder ein wenig Licht in die Sache zu bringen.

Zum einen ist alles in „Anjas Jugendroman“ die Wahrheit, und nichts als die Wahrheit …  :devgrin:

Wolfram ist ein Klassenlamerad von Anja, der in einer späteren Szene einen kurzen Auftritt hat. Er ist so was, was heute als Nerd bezeichnet wird. Ich nenne sie Sonderlinge oder die Anderen. (also jeder der nicht direkt in Anjas Umfeld steckt)
Er fälscht keine Ausweise (muss ich wohl noch ein Satz dazu schreiben) er besorgt echte !!! Von Leuten die nicht wirklich eingeschrieben sind. Ich denke, das ist eine völlig andere Kategorie. Um das auch in Szene zu setzen, habe ich in einer Monate zuvor spielenden Szene einen kurzen Zusatz eingebaut, wo Wolle zum ersten Mal mit „dieser Fähigkeit“ erwähnt wird.

Zitat
Auch Anjas Auftritt auf der Party ist mir nicht klar. Ein heißer Feger wird nicht unbedingt für käuflich gehalten. Den ersten Cousin verstehe ich noch grundsätzlich, wenn er vorsätzlich provozieren und beleidigen will. Aber sein Angebot kann dann nicht ernsthaft gemeint sein. Dafür ist es zu plump. Solche Typen würden eher versuchen mit der eigenen Abstammung zu locken. Meinetwegen auch mit dem eigenen Geld, aber nicht mit einer Bargeldspende. Eher auf die Art: "Was willst du denn mit diesem Loser. Versuchs doch mal mit einem richtigen Mann - oder ersatzweise einem mann der Gesellschaft - oder was weiß ich.

Der Auftritt ist der Preis für die Ausweise, also ein Teil des Deals. Außerdem lässt sich Wolfram das ja auch noch ein paar Scheine kosten. Für den Cousin – der seinen Verwanden ja recht gut kennt – ist sofort klar, das da was nicht koscher ist. Seine plumpe Anmache ist so gewollt, soll seine Arroganz unterstreichen.

Zitat
Dann die Sache mit der Tante. Keine Frau, die ein wenig auf sich hält, würde so mit der Tür ins Haus fallen. Sie würde ganz vorsichtig versuchen herauszufinden, mit wem sie es zu tun hat. Es sei denn, sie hat ihren Plan mit Wolfram jr. abgesprochen, aber dann würde alles ganz anders laufen. Und dann womöglich auf so eine oder ähnliche Idee kommen. Aber wenn sie das tut, würde es viel subtiler geschehen.

Das ist der größte Fehler in meiner Idee. Das ist in der Tat viel zu schnell und plump. Allerdings auch hier eine Ähnliche Lage wie beim Cousin Nr. 1. Tantchen ist sich sicher, das Anja nur gegen Bezahlung mit dabei ist …

Zitat
Und ganz bestimmt gäbe es kein Geschachere um die Bezahlung, denn das lässt Anja nicht gut aussehen.

Hier muss ich mal nachfragen, was stört dich daran? Ich finde es legitim – vorher – über die Bezahlung zu verhandeln. Tantchen, nicht ganz arm, will etwas. Anja, die sonst nebenher für 10 Mark die Stunde im Bistro jobbt  nimmt das erste Angebot nicht an. Niemand nimmt das erste Angebot an. (außer es ist gleich so angemessen, dass man nicht mehr drüber reden braucht.)
Anja würde allerdings nie von ihren Freunden Geld nehmen, aber Tantchen ist ja eindeutig eine Fremde.

Zitat
Und die Pointe geht für mich auch nicht unbedingt auf. Das ganze ist in erste Linie ein Skandal, der auch auf die Hausherrin zurückfällt.

Ich denke, es wird jeder – der das hört – zwar wissen wo es geschehen ist, aber das wird keinen interessieren. Es geht nur um die notgeilen Cousins. Tantchen ist auch nie und nimmer in das Geschehen involviert gewesen, und war selbst mehr als überrascht. Soweit der Blick von Außen.

Sicherlich wird es noch zig Möglichkeiten geben, das andere aufzubauen oder einzufädeln. Ein Kernproblem ist aber der Zeitfaktor. Beide Cousins nahezu zeitgleich auf die Zimmer bringen, dann die „Besichtigungstour“. Also ein recht enges Zeitfenster.

Ich bin natürlich für Tipps, Anregungen und Vorschläge offen.

Was ich mir die Tage überlegt habe. Wolfram könnte in der Vergangenheit Opfer seiner Cousins geworden sein. Was ziemlich übles, worüber er nicht redet. Tantchen weiß aber davon, und würde sich nur zu gern revanchieren. Wolfram wird das aber nicht mitkriegen, aber ich könnte mir vorstellen, dass Anja dabei (beim Leser) auch besser wegkommt. Sie würde es nicht nur wegen der Bezahlung machen (und weil die beiden zwei Vollpfosten sind) sondern es hätte mehr „Ethik“.
Ich glaube, dazu tendiere ich.


Hi Viskey

Zitat
Den ganzen Rest ... Ich versteh nicht, was das soll. Wenn es bisher mit einem Satz erledigt sein konnte, brauchst du vermutlich weder Wolle, noch seine Cousins, noch die Tante. Und den ganzen Slapstick-Klimbim, der danach kommt, brauchst du hoffentlich auch nicht.

Nun ja, was soll ich da sagen? Richtig ist, ich kann den gesamten Absatz weglassen.

Zitat
Anders als andere Röster hatte ich überhaupt keinen Spaß beim Lesen, auch wenn ich glaube, dass du Spaß hattest beim Schreiben. Für mich war einfach dauernd die Frage: Was soll das denn? Wozu soll das gut sein? Stellenweise kam bei mir auch etwas Fremdschämen auf. Das Gefeilsche, das "ich bin intelligent und seh außerdem noch heiß aus" ... Die kichernde "Mädchengang" der Großtante ...


Verstehe. Sorry, ich wollte keinen langweilen. Fremdschämen ist ein hartes Wort. Wo ich herkommt verhandelt man, und „ich seh gut aus“ habe ich eindeutig mit einem „zwinkern“ gekennzeichnet.

Zitat
Keine der Figuren wirkt da echt.

Okay.

Zitat
Ich gehe mit Trippelschritt mit bei der Frage, ob die Szene gerettet werden kann, und erweitere um ein ob die Szene gerettet werden soll. Für mich ist die Antwort auf beide Fragen. Nein.

Jede Szene ist zu retten. Das ist nichts anderes als Handwerk – gekoppelt mit den richtigen Ideen.
Es sind Szene wie diese die mir – hin und wieder gefallen, weil sie mal etwas anderes in den Roman bringen. Skurril sollte es sicherlich sein, mit Sicherheit aber kein Slapstick-Klimbim

Zitat
Tut mir leid, dass das jetzt so harsch war, ..

Kein Thema, ich fragte, du sagtest deine Meinung. Alles okay.

LG Mondstern 

Fabian

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Re: AT: Der Ausweis
« Antwort #13 am: 18 April 2017, 00:31:37 »
Wozu brauchst du eigentlich – um die Inszenierung durchzuspielen – zwei Deppen?

"Weil niemand mehr Leonardo ist, können alle Leonardo werden ...
das Phantasma der Auserwähltheit Einzelner macht dem Phantasma der Selbstwahl aller Platz"

 (Jörg Scheller in der ZEIT, Nr 2/2019, S. 43)

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Re: AT: Der Ausweis
« Antwort #14 am: 18 April 2017, 00:35:27 »
Wozu brauchst du eigentlich – um die Inszenierung durchzuspielen – zwei Deppen?

Ich dachte mir, fünf wären übertrieben  8)