12 July 2024, 17:27:28

Autor Thema: Begegnung  (Gelesen 11456 mal)

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Juni

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Begegnung
« am: 21 September 2017, 21:29:16 »
Hi ihr Teufel
Hier kommt Röstgut

Nun habe ich mich schon bestimmt seit über einem Jahr nicht mehr auf den Rost gelegt, und muss ehrlich sagen, dass ich mich echt schon etwas fürchte ^^
Ich habe ein Grammatik Problem, für das ich irgendwie zu unfähig bin es in den Griff zu bekommen und andere Macken.
Auf der anderen Seite: Verdammt, ich schreibe für mein Leben gern, und verdammt, doch, ich will wissen wo es hakt, innerliche Schmerzen hin oder her^^

Puh, so, jetzt habe ich mich schon zu Beginn ausgeheult! Sorry; kommen wir zum eigentlichen Röstgut.

Es ist eine Rückblende. Die Szene spielt etwa in der Mitte meiner Geschichte, 2009 in Russland, Nowosibirsk, und führt einen neuen Charakter ein; Natascha.
Der Leser kennt bislang Igor. Er hat mehrere Jahren in einem Personenschutz Unternehmen gearbeitet, als Koordinator, Profiler und Berater. Igor ist innerlich in sich gekehrt, etwas kalt, zudem ein Mörder, wobei letzteres nicht sein Hauptfach ist; für ihn wäre es vergleichbar mit einer Tat wie Erpressung, Geldwäsche und ect. also eine Handlung zum Zweck von... was auch immer dabei im Fokus steht. Oberflächlich verhält Igor sich meist sehr freundlich bis charmant und meistens kaufen seine Mitmenschen ihm diese Masche auch ab.
Über Natascha: Dem Leser ist sie namentlich bekannt und man weiß bislang nur von ihr, dass Igor für sie sein Leben ändern wollte.

Fragen stehen unten.

Begegnung

Über den Lautsprecher donnerten jene, verhassten Worte über ihr herein: „Der Flug M12 von Nowosibirsk nach Petersburg verspätet sich um zwei Stunden.“
„Ist das ätzend, ich könnte kotzen“, sagte Natascha zu ihrem Gegenüber, einem ruhigen Typen, den sie gar nicht kannte. Es war spät in der Nacht und außer ihm war kaum jemand da. Er saß am nächsten zu ihr.
Sie trank von ihrer Coca Cola und rülpste leise. „Tschuldigung“, sagte sie, auch wenn es ihr nicht Leid tat; aber die gute Manier verlange ja, es wenigstens vorzutäuschen.
„Sie interessiert das gar nicht, kann das sein?“, fragte sie ihn.
Zögernd hob er die Augenbrauen, sah sie an, schaute nach links und rechts von sich, als wäre er sich unsicher, dass sie wirklich ihn meinte. Er war hübsch, dachte sie. Vielleicht etwas zu ernst...
„Oder haben Sie die Durchsage eben überhört?“, sprach sie grinsend weiter, um ihm zu zeigen, dass sie wirklich ihn meinte.
„Nein, ich habe die Durchsage gehört.“ Er schaute wieder weg, um ihr zu verdeutlichen, dass er an keinem Gespräch interessiert war.
„Ich habe Sie beobachtet. Sie haben eben nicht einmal mit der Wimper gezuckt. Entweder haben Sie es nicht eilig und es ist ihnen deswegen egal. Aber so was ärgert einen doch dann trotzdem, oder? Nein, Sie scheinbar nicht.“
Etwas unsicher sah er sie wieder an und schaute dann auch wieder weg. Sie stand auf, ging zu ihm rüber und setzte sich auf den freien Platz neben ihn.
„Wenn es Ihnen nichts ausmacht, versuche ich nun etwas von Ihrer stoischen Ruhe abzuzapfen. Ich bin übrigens Natascha.“ Sie reichte ihm die Hand.
„I-Igor“, er schaute ihre Hand erst nur an, ehe er ihr seine reichte.
„Schön dich kennen zu lernen, Igor.“ Sie lehnte sich weiter zurück. „Und schon müssen wir beide nicht alleine die Zeit totschlagen.“ Da sie nicht davon ausging, dass er etwas zu dem Gespräch beisteuern würde, sprach sie einfach weiter. „Hast du vielleicht ein Paar Entspannungstipps für mich? Und bitte lauf jetzt nicht weg. Ich bin nicht verrückt oder so, ich unterhalte mich einfach gerne, vor allem in solchen Situationen.“
Als er sie ansah, wirkte er plötzlich ziemlich schüchtern auf sie. Vermutlich hatte er gerade wirklich mit dem Gedanken gespielt, einfach weg zu gehen.
„Haben Sie – hast du auch Flugangst?“
„Nein – aber sag bloß, du hast welche!“
Nun stieg ihm etwas röte ins Gesicht und er schaute wieder weg.
„Also damit habe ich nicht gerechnet. Von dir geht so eine Ruhe aus, als wärst du die Entspannung selbst. Woran denkst du denn in solch einem Moment?“
„Ich versuche an nichts zu denken.“
„Ah, so wie meditieren?“
Nun lächelte er etwas. „Ich habe noch nie meditiert.“
„Ja vielleicht nicht bewusst. Und was treibt dich jetzt in diesen Flieger?“
Schweigend zuckte er etwas mit den Schultern. Sekunden strichen dahin; er würde nicht mehr antworten.
„Mich treibt ein endlos stressiger Tag hierher. Ein stressiger, wenn auch erfolgreicher Tag – das Unternehmen für das ich arbeite ist nun dank mir um einiges reicher geworden“, sagte sie und warf damit den Hacken aus. „Der perfekte Ausklang dazu wäre aber gewesen, wenn das Flugzeug rechtzeitig käme und ich mich in weniger Stunden hätte in einer heißen Badewanne wie eine Brausetablette auflösen können...“ Hoffentlich war mit diesem Schlussteil aus dem Hacken nun kein erschlagender Anker geworden, dachte sie kurz darauf und lachte verlegen.
Aber er lächelte sie nur freundlich an. Den ersten Schock ihres Überfalls hatte er anscheinend völlig neutral überwunden, ohne sich von ihr entweder abgestoßen oder angezogen zu fühlen.
So etwas war ihr noch nie passiert, dass jemand sie so sanft auflaufen ließ.
„Wo arbeitest du denn?“, fragte er, nun aber doch etwas charmanter als zuvor.
„Ah, momentan bin ich Investmentberaterin“, sagte sie, streckte die Finger einer ihrer Hand im Schoß vor sich aus, als würde sie ihre perfekten Nägel begutachten wollen; die gar nicht mehr so perfekt waren, fiel ihr auf. Sie zog die Finger wieder zusammen und lächelte ihn an.
„Mhm...“, gab er lediglich von sich.
„Und was machst du beruflich?“
„Ich... bin auch Berater.“
„Auf welchem Gebiet?“
Sein Lächeln vertiefte sich, aber er ließ sich Zeit für eine Antwort. „Auf verschiedenen.“
„Aha, ich habe auch verschiedene Gebiete; davor war ich Marketingstrategin, aber im gleichen Büro. Und du?“
„Ah... davor habe ich...“
Natascha trommelte mit ihren Händen leise auf die Armlehne zwischen ihnen. „Spannung steigt!“
Etwas grinsend senkte er den Kopf. „Davor habe ich beim PSSS gearbeitet. Ich weiß nicht, ob...“
„Kenn ich. Klar kenne ich das. Oh, wenn ich dich jetzt so ansehe... aber beim PSSS gibt es keine Scharfschützen, oder?“
„Nein“, schmunzelnd schüttelte er den Kopf. „Ich war Koordinator und Profiler.“
„Tschuldige eben, ich glaube, ich habe eine E-Mail bekommen“, sagte sie, öffnete den Browser ihres Handys und gab Igor PSSS ein; es kamen gleich Treffer, Igor Timurowitsch Gromow. Sie fand auch ein Foto, das war er. Interessant, dachte sie.
„Oh, hab wirklich eine. Moment, muss kurz lesen.“
Sie fand einen zwei Jahre alten Artikel, indem spekuliert wurde, ob er einst Bariellos Nachfolger werden würde. Und dann... sie fand einen Artikel, der fünf Tage alt war, zu einer ermordeten Journalistin. Daraufhin zerstritten sich Bariello und Igor angeblich, und er verließ das PSSS. Das ging ihm sicher furchtbar nah, dachte sie. Es war ja erst vor kurzem passiert, vielleicht stand er noch unter Schock oder so.
„Interessant... profil mich“, sagte sie, packte ihr Handy wieder weg und versuchte so locker wie zuvor zu wirken.
Er sah sie lange an, dann schüttelte er den Kopf.
„Komm schon!“
„Nein, dass geht so nicht.“
„Weil so etwas wie ich dir noch nie passiert ist, stimmt's?“
Wieder lachte er etwas, nickte ihr aber zustimmend zu. Er wurde ihr immer sympathischer.
„Das auch. Aber ich brauche schon mehrere Eckdaten. Zwar könnte ich jetzt anhand deiner Kleidung und deines Verhaltens herum spekulieren, dabei versehentlich ziemlich weit daneben landen und dann würde es peinlich werden.“
„Aber das wäre doch witzig! Hm, na gut, Eckdaten. Also, ich bin in Petersburg geboren, dort aufgewachsen, zur Schule gegangen, bin dort und nirgendwo sonst wohnhaft, arbeite dort selbstverständlich auch und fliege hin und wieder aus, nur um herauszufinden, dass ich wieder zurück möchte. Nein, der Schlussteil ist gelogen; es gibt auch Orte, an denen ich gerne bleiben würde, also länger bleiben würde.“ Sie überlegte. „Ne, doch, am Ende würde ich wieder Nachhause wollen.“
Nun hatte sie ihn mit dieser Flut wohl doch etwas erschlagen, dachte sie, als er darauf nur noch schwieg.
„Und wo kommst du her, Igor?“
„Aus Irkutsk“, sagte er und begann sich im Flughafen umzusehen.
Okay, er wollte nicht über sich reden. Aber sie war so neugierig.
„Warum möchtest du nach Petersburg?“
„Naja, ich habe eine Stelle dort bekommen. In einem... Beratungsunternehmen.“
„Das sich mit Security befasst?“
„Nein, das... mache ich nicht mehr. Es geht eher in Richtung Investment. Also... ich habe eigentlich Wirtschaft studiert und wollte schon seit längerem wechseln...“
„Ah was. Und wie heißt das Unternehmen, bei dem du anfangen willst?“
Er schwieg nur.
Irgendwie kam ihr sein Zustand vertraut vor. Dieser Moment, indem man jeglichen Boden unter den Füßen verloren hat, sich aufbäumt, um nicht abzutreiben und dann wahllos zu nächsten Insel schwimmt.
Sie angelte ihre Karte aus ihrem Portemonnaie heraus. „Hier.“
„Soll ich mich stattdessen bei euch bewerben, oder... was?“
„Nein, das würden wir überspringen. Mir als Senior Partnerin steht so etwas zumindest frei“, sagte sie und sah zu, wie sich erneut nichts in seinem Gesicht regte. Entweder beeindruckte ihn das wirklich nicht, oder er überspielte es einfach gut. Jetzt würde sie nicht einmal ein: Hast du Angst von einer Frau angeworben zu werden?, hinterherwerfen können.
Sie suchten momentan nach neuen, fähigen Mitarbeitern. Wenn man ihn als Bariellos Nachfolger betrachtet hatte, musste er schon erhebliche Kompetenzen haben. Selbst ohne diesen besonderen Hintergrund könnte er mit seinen Erfahrungen und seiner Menschenkenntnis durchaus eine Bereicherung für ihr Unternehmen werden. Kurz frage sie sich, warum er trotz eines Wirtschaftsstudium überhaupt beim PSSS gearbeitet hatte, merkte sich die Frage aber für einen späteren Zeitpunkt. Denn, sollte ihr die Antwort nicht gefallen, oder seine Leistungen, konnte sie sich auch leicht wieder von ihm verabschieden.
Er schaute von der Karte zu ihr herüber, lächelte auf eine warme, freundliche Art und nickte. Doch dann brach in seinem Gesicht plötzlich alles zusammen. Er schaute weg und fuhr sich mit der Hand über die Stirn.
„Hey, alles gut?“, sie legte vorsichtig die Hand auf seine Schulter. Vielleicht hatte er eben doch an das Flugzeug denken müssen, dachte sie, und ihm wurde nun deshalb übel.
„J-ja... ich... weiß nicht, hier nimm die Karte wieder zurück.“
„Nein, eben wolltest du doch noch. Hallo? Denk doch mal an den anderen Niemandsladen, bei dem du bist vor eben noch fast gelandet wärst. Und das hier“, sagte sie und tippte die Karte an, „ist ein aufstrebendes, mega profitables, witziges – ah du weißt schon.
Oh!
Nein, ich weiß was los ist!“ Sie hielt sich die ausgestreckte Handfläche vor den offenen Mund.
Fast schon niedergeschlagen sah er sie an.
„Du bist erst jetzt fassungslos darüber, das dir das hier wirklich passiert!“
Er schob die Augenbrauen zusammen, schmunzelte traurig und amüsiert zugleich und schüttelte den Kopf; damit gab er ihr durch und durch recht, wusste Natascha.
„Entspann dich wieder, denk an den Flug – es gibt schlimmeres.“

Fragen
1. Wie wirkt die Szene im allgemeinen? Ich mache mir Sorgen, dass es etwas zu übertrieben und aufgesetzt wirkt, wenn nicht sogar als etwas zu absurder Zufall... Es ist eine Rückblende und sollte inhaltlich halt auch nicht zu ausführlich; aber auch nicht zu platt werden.
2. Was für einen Eindruck macht Natascha?

Schnappschildkröte

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Re: Begegnung
« Antwort #1 am: 22 September 2017, 11:01:59 »
Hallo Juni :)

Ich hab deinen Text schon gestern gesehen, hatte aber keine Zeit ordentlich drauf einzugehen. Zuerst mal deine Fragen:

Zitat
1. Wie wirkt die Szene im allgemeinen? Ich mache mir Sorgen, dass es etwas zu übertrieben und aufgesetzt wirkt, wenn nicht sogar als etwas zu absurder Zufall... Es ist eine Rückblende und sollte inhaltlich halt auch nicht zu ausführlich; aber auch nicht zu platt werden.
Der Anfang wirkt auf mich leider schon etwas seltsam...Vielleicht liegt es an der Art wie Natascha spricht, wirkt am Anfang sehr unnatürlich auf mich, wird aber im Laufe des Textes besser.

Zitat
2. Was für einen Eindruck macht Natascha?
Puh...ein bisschen aufdringlich und extrovertiert. Nicht unbedingt fröhlich und ein bisschen so, als würde sie sich schnell langweilen, wenn nichts passiert (ist nur eine Vermutung^^) Sie wirkt außerdem recht jung, keine Ahnung ob das zutrifft und eingebildet, weil sie erwartet, dass Igor von ihrem Job beeindruckt ist.

So und jetzt mal die konkreten Textstellen :) Ich gebe gern Beispiele, wie ich etwas besser finden würde, aber du musst sie nicht annehmen und kann natürlich sein, dass das Beispiel selbst nicht gut ist, aber es macht leichter verständlich was ich meine ;)

Zitat
Über den Lautsprecher donnerten jene, verhassten Worte über ihr herein: „Der Flug M12 von Nowosibirsk nach Petersburg verspätet sich um zwei Stunden.“
ich würde das glaube ich umdrehen: "Der Flug M12 von Nowosibirsk nach Petersburg verspätet sich um 2 Stunden." donnerten jene verhassten Worte durch die Lautsprecher.
Normalerweise sagt der Durchsager am Flughafen nicht den Ort des Abflugs an, weil es ja logisch ist, wenn man sich auf dem Flughafen in Nowosibirsk befindet. Außerdem finde ich die Formulierung "donnerten über ihr herein" etwas seltsam. "Hereindonnern" würde ich benutzen, wenn die Worte sie beleidigen würden und sie sich dann schlecht fühlt oder so. Nicht bei einer simplen Durchsage.

Zitat
"Ist das ätzend, ich könnte kotzen“, sagte Natascha zu ihrem Gegenüber, einem ruhigen Typen, den sie gar nicht kannte. Es war spät in der Nacht und außer ihm war kaum jemand da. Er saß am nächsten zu ihr.
Hier ist mir ihr Satz etwas zu viel. Außerdem sind die 3 Sätze danach etwas ruckelig, anders aufgeteilt fände ich es etwas flüssiger: "Ist das ätzend", sagte Natascha an ihr Gegenüber gewandt. Eigentlich kannte sie den ruhigen Typen gar nicht, doch es war spät in der Nacht und es war sonst niemand in ihrer Nähe.

Zitat
„Sie interessiert das gar nicht, kann das sein?“, fragte sie ihn.
finde ich etwas komisch, weil es ihn ja interessieren muss, wenn das sein Flug ist.
"Kümmert Sie das gar nicht?" oder "Stört Sie das gar nicht?" fände ich natürlicher.

Zitat
...als wäre er sich unsicher, dass sie wirklich ihn meinte.
als wäre er sich unsicher, ob sie wirklich ihn meinte.

Zitat
„Ich habe Sie beobachtet. Sie haben eben nicht einmal mit der Wimper gezuckt. Entweder haben Sie es nicht eilig und es ist ihnen deswegen egal. Aber so was ärgert einen doch dann trotzdem, oder? Nein, Sie scheinbar nicht.“
Entweder erfordert ein "oder". das Entweder weglassen wäre aber eine einfache Lösung :)
„Ich habe Sie beobachtet. Sie haben eben nicht einmal mit der Wimper gezuckt. Haben Sie es nicht eilig und ist es Ihnen deswegen egal?. Aber so was ärgert einen doch dann trotzdem, oder? Nein, Sie scheinbar nicht.“

Zitat
„Ja, vielleicht nicht bewusst. Und was treibt dich jetzt in diesen Flieger?“
Die Ergänzung "späten Flieger" wäre hier glaube ich gut, weil ich zu dem Zeitpunkt schon wieder vergessen hatte, dass es sehr spät ist und deswegen auch die Frage erst einmal seltsam fand.

Zitat
„Wo arbeitest du denn?“, fragte er, nun aber doch etwas charmanter als zuvor.
„Ah, momentan bin ich Investmentberaterin“
Ist die Frage hier nicht eher "Als was arbeitest du denn?", wäre meine Frage "wo" und ich bekomme eine Jobbeschreibung, wäre ich nicht zufrieden.

Zitat
„Nein, dass geht so nicht.“

Zitat
Er schwieg nur.
Irgendwie kam ihr sein Zustand vertraut vor. Dieser Moment, indem man jeglichen Boden unter den Füßen verloren hat, sich aufbäumt, um nicht abzutreiben und dann wahllos zu nächsten Insel schwimmt.
Ich finde ihre Interpretation hier etwas seltsam. Nachdem Igor davor schon so viel geschwiegen hat, hätte ich angenommen, dass er es ihr nur nicht sagen möchte. Vielleicht beschreibst du hier nocheinmal kurz ihren Gedankengang? So in der Art vielleicht?:
"Er schwieg nur. Anscheinend wollte er nicht darüber reden. War es vielleicht eine unbekannte Firma? Oder eine bekannte, für die er sich schämte? Irgendwie kam ihr sein Zustand vertraut vor. Dieser Moment, indem man jeglichen Boden unter den Füßen verloren hat, sich aufbäumt, um nicht abzutreiben und dann wahllos zu nächsten Insel schwimmt."

Ich hoffe es ist etwas Hilfreiches für dich dabei :) Das, was dir nichts bringt, darfst du natürlich ignorieren und meine Umformulierungen sind nur eine Erklärungsstütze. Du musst sie nicht annehmen und ich bin mir sicher, sie sind jetzt nicht unbedingt gut und schon gar nicht perfekt^_^"

LG
Kröte

Juni

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Re: Begegnung
« Antwort #2 am: 22 September 2017, 13:24:38 »
Hallo Kröte,

ich wollte gerade nur schon mal ein Danke vorausschicken und Bescheid geben, dass ich heute Nacht ausführlicher antworten werde.
Nur eins vorweg:
Zitat
Ich hoffe es ist etwas Hilfreiches für dich dabei :)
Natürlich, alles davon  :cheer:

LG

Trallala

  • Gast
Re: Begegnung
« Antwort #3 am: 22 September 2017, 16:51:07 »
Hallo Juni,

Du redest viel zu viel drumherum, das macht den Text kaputt. Zwei, drei Beispiele:


Zitat
Sie trank von ihrer Coca Cola und rülpste leise. „Tschuldigung“, sagte sie, auch wenn es ihr nicht Leid tat; aber die gute Manier verlange ja, es wenigstens vorzutäuschen.


Sie trank einen Schluck Cola und rülpste leise. "Tschuldigung", mumelte sie.
Fertig, mehr braucht es nicht.



Zitat
Zögernd hob er die Augenbrauen, sah sie an, schaute nach links und rechts von sich, als wäre er sich unsicher, dass sie wirklich ihn meinte.

 
Zögernd sah er sie an.
Fertig.


Zitat
„Oder haben Sie die Durchsage eben überhört?“, sprach sie grinsend weiter, um ihm zu zeigen, dass sie wirklich ihn meinte.

Oder haben Sie die Durchsage überhört?", grinste sie.
Fertig.

Zitat
„Nein, ich habe die Durchsage gehört.“ Er schaute wieder weg, um ihr zu verdeutlichen, dass er an keinem Gespräch interessiert war.

"Ich habe die Durchsage gehört", erwiderte er und sah sie nicht einmal an.
Fertig.

Verstehst Du, was ich meine?

Gruß
T!
« Letzte Änderung: 23 September 2017, 16:18:57 von Trallala »

Juni

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Re: Begegnung
« Antwort #4 am: 22 September 2017, 22:05:56 »
Hallo noch mal, Kröte

Zitat
Puh...ein bisschen aufdringlich und extrovertiert. Nicht unbedingt fröhlich und ein bisschen so, als würde sie sich schnell langweilen, wenn nichts passiert (ist nur eine Vermutung^^) Sie wirkt außerdem recht jung, keine Ahnung ob das zutrifft und eingebildet, weil sie erwartet, dass Igor von ihrem Job beeindruckt ist.
Hm... trifft in etwa das, was ich angestrebt habe... außer naja, sie ist da fast dreißig.
Aufdringlich, extrovertiert... ja, doch, damit kommt dann schon das etwas wesentliches durch. Ich habe ein bisschen auf ein Selbstbewusst gehofft, vllt auch freundlich; aber dafür muss ich dann noch dran pfeilen. Wäre schon schön, wenn mir so ein Text von dieser Länge reichen würde, um die wichtigsten Konturen eines Charakters vorzuzeichnen.

Zitat
Außerdem finde ich die Formulierung "donnerten über ihr herein" etwas seltsam. "Hereindonnern" würde ich benutzen, wenn die Worte sie beleidigen würden und sie sich dann schlecht fühlt oder so. Nicht bei einer simplen Durchsage.
Dem ersten Teil stimme ich zu.:)
Natascha soll die Gewohnheit haben, in ihren Gedanken manchmal etwas zu 'übertreiben'. Das donnern sollte ich etwas auf ihr Empfinden beziehen, jetzt frage ich mich gerade, ob man das aus der Perspektive der dritten Person überhaupt so macht, und ob es da überhaupt eine Regel für gibt  :gruebel: ansonsten lasse ich mir etwas anderes einfallen.

Zitat
finde ich etwas komisch, weil es ihn ja interessieren muss, wenn das sein Flug ist.
"Kümmert Sie das gar nicht?" oder "Stört Sie das gar nicht?" fände ich natürlicher.
Stimmt, finde ich auch stimmiger

Zitat
Die Ergänzung "späten Flieger" wäre hier glaube ich gut, weil ich zu dem Zeitpunkt schon wieder vergessen hatte, dass es sehr spät ist und deswegen auch die Frage erst einmal seltsam fand.
Ja, so eine kleine Erinnerung zwischen durch ist auch mal gut:)

Zitat
Ich finde ihre Interpretation hier etwas seltsam. Nachdem Igor davor schon so viel geschwiegen hat, hätte ich angenommen, dass er es ihr nur nicht sagen möchte.
So ähnlich war es sogar; also auf sein Schweigen folgte von ihr ein: "Kenn ich nicht, dann ist es nicht gut." Aber das wäre dann doch wirklich etwas zu abgehoben.
Ich knöpfte mir ihre Gedankengänge da dann noch mal vor. Weil deine Anmerkungen, was sie noch denken könnte, könnten im Grunde ja auch zutreffen.



Hallo Trallala,

Jaaa... habe da jetzt ne Weile drüber nachgedacht und es ausprobiert.

Also: Über den Lautsprecher donnerten jene, verhassten Worte über ihr herein: „Der Flug M12 nach Petersburg verspätet sich um zwei Stunden.“
„Ist das ätzend, ich könnte kotzen“, sagte Natascha und schaute nach vorne, in das Gesicht eines Fremden, der ihr in der Reihe gegenüber saß. Es war spät in der Nacht.
Sie trank von ihrer Coca Cola und rülpste leise. „Tschuldigung“, murmelte sie. „Sie interessiert das gar nicht, kann das sein?“
Zögernd sah er sie an. Er war hübsch, dachte sie. Vielleicht etwas zu ernst...
„Oder haben Sie die Durchsage eben überhört?“, grinste sie.
„Nein...“ Er schaute wieder weg.
„Ich habe Sie beobachtet. Sie haben eben nicht einmal mit der Wimper gezuckt. Haben Sie es nicht eilig und ist es Ihnen deswegen egal? Aber so was ärgert einen doch dann trotzdem, oder? Nein, Sie scheinbar nicht.“
Sie stand auf, ging zu ihm rüber und setzte sich auf den freien Platz neben ihn.
„Wenn es Ihnen nichts ausmacht, versuche ich nun etwas von Ihrer stoischen Ruhe abzuzapfen. Ich bin übrigens Natascha.“ Sie reichte ihm die Hand.
„I-Igor.“


Ja, ich glaube ich verstehe, was du meinst; danke.
Ich erweitere das mal versuchsweise auf den restlichen Text.

LG

kass

  • Gast
Re: Begegnung
« Antwort #5 am: 23 September 2017, 09:25:29 »
Hi Juni,

Zitat
Fragen
1. Wie wirkt die Szene im allgemeinen? Ich mache mir Sorgen, dass es etwas zu übertrieben und aufgesetzt wirkt, wenn nicht sogar als etwas zu absurder Zufall... Es ist eine Rückblende und sollte inhaltlich halt auch nicht zu ausführlich; aber auch nicht zu platt werden.
2. Was für einen Eindruck macht Natascha?

zu 1: Warum sollen sich zwei Menschen nicht auf einem Flughafen kennenlernen? Das erscheint mir nicht absurd. Der Anfang ist ein wenig holprig, und es gibt auch zwischendurch ein paar Stellen, die eingekürzt werden könnten, aber an sich ist die Szene gelungen.
zu 2: Ich mag sie. Sie wirkt auf mich unkonventionell, offen, wunderbar ungehemmt und ohne Scheu.

Mir gefällt gut, dass der Gegensatz zwischen den beiden Charakteren in dem Gespräch gut rüberkommt.

Es gibt allerdings einen ganzen Schwung Kleinigkeiten. Ich hoffe, ich komme am Wochenende dazu, auf einige Dinge noch im Detail einzugehen. Wollte nur schnell dir meinen ersten Eindruck mitteilen.

LG
Kass

Trallala

  • Gast
Re: Begegnung
« Antwort #6 am: 23 September 2017, 16:28:57 »
Hi Juni,

noch mal kurz ein paar Hinweise:

Zitat
Über den Lautsprecher donnerten jene, verhassten Worte über ihr herein:

Ein kurzer Satz, zwei Fehler  :devgrin:
Kein Komma nach jene
... über sie herein.
Zweimal über ist auch unelegant.

Zitat
„Der Flug M12 nach Petersburg verspätet sich um zwei Stunden.“
„Ist das ätzend, ich könnte kotzen“, sagte Natascha und schaute nach vorne, in das Gesicht eines Fremden, der ihr in der Reihe gegenüber saß. Es war spät in der Nacht.
Sie trank von ihrer Coca Cola und rülpste leise. „Tschuldigung“, murmelte sie. „Sie interessiert das gar nicht, kann das sein?“
Zögernd sah er sie an. Er war hübsch, dachte sie. Vielleicht etwas zu ernst...
„Oder haben Sie die Durchsage eben überhört?“, grinste sie.
„Nein...“ Er schaute wieder weg.

Keine Einwände.

Zitat
„Ich habe Sie beobachtet. Sie haben eben nicht einmal mit der Wimper gezuckt. Haben Sie es nicht eilig und ist es Ihnen deswegen egal?

Bei dem Satz wirst Du schon wieder langatmig. Warum nicht einfach:
„Sie haben bei der Durchsage nicht mal mit der Wimper gezuckt. Haben Sie es denn gar nicht eilig?"

Zitat
Aber so was ärgert einen doch dann trotzdem, oder? Nein, Sie scheinbar nicht.

Finde ich überflüssig, weil es klar ist, dass sie verärgert ist.

Zitat
Sie stand auf, ging zu ihm rüber und setzte sich auf den freien Platz neben ihn.

"Sie stand auf und setzte sich neben ihn."

Zitat
„Wenn es Ihnen nichts ausmacht, versuche ich nun etwas von Ihrer stoischen Ruhe abzuzapfen. Ich bin übrigens Natascha.“ Sie reichte ihm die Hand.

Ich glaube nicht, dass echte Menschen so reden würden.
Vielleicht reicht ein: "Ich bin übrigens Natascha" aus?

Gruß
T!

merin

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Re: Begegnung
« Antwort #7 am: 23 September 2017, 17:35:28 »
Hallo Juni,

schön, mal wieder etwas von Dir zu lesen. Wie immer bei mir: ich röste beim Lesen und das Allgemeine kommt dann nach den Erbslein. Über Kommafehler lese ich aber mal hinweg, es sind einige drin, einer gleich im ersten Satz.

Zitat
„Ist das ätzend, ich könnte kotzen“, sagte Natascha zu ihrem Gegenüber, einem ruhigen Typen, den sie gar nicht kannte. Es war spät in der Nacht und außer ihm war kaum jemand da. Er saß am nächsten zu ihr.

"am nächsten zu ihr" gibt es im Deutschen nicht. Möglich wäre
"Er saß ihr am nächsten"
"Er saß am nächsten bei ihr"
Aber meines Erachtens kannst Du den Satz ohne Verlust streichen.
Und wenn sie ihn nicht kennt, woher weiß sie dann, dass er ruhig ist: Schreib lieber hin "einem Typen, der in der bisherigen Wartezeit noch keinen Laut von sich gegeben hatte und ohne jede Bewegung wartete" oder was auch immer.

Zitat
Sie trank von ihrer Coca Cola und rülpste leise. „Tschuldigung“, sagte sie, auch wenn es ihr nicht Leid tat; aber die gute Manier verlange ja, es wenigstens vorzutäuschen.

Wieso der Markenname? Ich würde einfach Cola draus machen. Und gibt es Manieren eigentlich in der Einzahl? Und: Es muss verlangte heißen, da gehört ja kein Konfunktiv hin, oder?

Zitat
Zögernd hob er die Augenbrauen, sah sie an, schaute nach links und rechts von sich, als wäre er sich unsicher, dass sie wirklich ihn meinte. Er war hübsch, dachte sie. Vielleicht etwas zu ernst...

Und sie denkt "Er ist hübsch" oder? Sonst müsste sie eher denken "der war früher mal eine Schönheit" und dann wüsste ich natürlich gern, wieso er es heute nicht mehr ist.

So, geht gleich weiter...



Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht und was ich gern anders hätte.

Oldlady

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Re: Begegnung
« Antwort #8 am: 23 September 2017, 18:13:36 »
Hallo Juni,
dass Du Dich grillen lässt, ist auf jeden Fall sehr tapfer! Und ein bisschen Bammel davor ist normal, mir geht´s auch so.

Zitat
Verdammt, ich schreibe für mein Leben gern, und verdammt, doch, ich will wissen wo es hakt, innerliche Schmerzen hin oder her^^
Damit hast Du Dich als echter Schreiberling geoutet!

Nun zu Deinem Text. Auf Grammatik und diverse Kommafehler gehe ich jetzt nicht ein, ich bin da kein Spezialist  (aber mir ist schon einiges aufgefallen, wenn Du Wert darauf legst, kann ich das noch nachholen). 
Zunächst kümmere mich um Grundsätzliches.
Und das wäre hier: Nicht unbedingt notwendige Sätze und Wörter sparen, vor allem bei den Dialogen.
Dialoge sollen straff sein, gerne auch mal Schlag auf Schlag. Dass Du einiges aus Nataschas Sicht ergänzt, ist in Ordnung, aber ich glaube, es ist einfach zu viel.
Ich gebe Dir dazu einige Beispiele aus Deinem Text:

Zitat
Sie trank von ihrer Coca Cola und rülpste leise. „Tschuldigung“, sagte sie, auch wenn es ihr nicht Leid tat; aber die gute Manier verlange ja, es wenigstens vorzutäuschen.

Zitat
Zögernd hob er die Augenbrauen, sah sie an, schaute nach links und rechts von sich, als wäre er sich unsicher, dass sie wirklich ihn meinte. Er war hübsch, dachte sie.
„Oder haben Sie die Durchsage eben überhört?“, sprach sie grinsend weiter, um ihm zu zeigen, dass sie wirklich ihn meinte.
„Nein, ich habe die Durchsage gehört.Er schaute wieder weg, um ihr zu verdeutlichen, dass er an keinem Gespräch interessiert war.

Etwas unsicher sah er sie wieder an und schaute dann auch wieder weg. Sie  ging zu ihm rüber und setzte sich auf den freien Platz neben ihn.



Das waren nur Beispiele, im Folgetext findet sich da noch einiges.

Nun dazu noch ein paar Anmerkungen:

Zitat
„Also damit habe ich nicht gerechnet. Von dir geht so eine Ruhe aus, als wärst du die Entspannung selbst. Woran denkst du denn in solch einem Moment?“
Ich finde diese Frage ungeheuer zudringlich. Selbst für die forsche Natascha ist mir das zu viel bei einer ganz neuen Bekanntschaft.

Zitat
Kenn ich. Klar kenne ich das. Oh, wenn ich dich jetzt so ansehe... aber beim PSSS gibt es keine Scharfschützen, oder?“

Es ist mir ein völliges Rätsel, wie sie auf Scharfschützen kommt.

Zitat
1. Wie wirkt die Szene im allgemeinen? Ich mache mir Sorgen, dass es etwas zu übertrieben und aufgesetzt wirkt, wenn nicht sogar als etwas zu absurder Zufall... Es ist eine Rückblende und sollte inhaltlich halt auch nicht zu ausführlich; aber auch nicht zu platt werden.

Einiges ist interessant, zum Beispiel "extrovertierter trifft auf introvertierten Charakter", aber ich finde, das Ganze ist zu breit geschrieben (siehe oben).
Ein solches Gespräch ist schon denkbar in einem Flughafen, allerdings nur, wenn es sich um eine Frau wie Natascha handelt und jemand anderen als Igor. Ein  kalter Mörder würde einfach weggehen, statt sich auf ein solches Gespräch einzulassen – schon um sich davor zu schützen, ausgefragt zu werden.
Zitat
2. Was für einen Eindruck macht Natascha?

Ein furchtbar penetrantes Weib, das sein Gegenüber zutextet und sich rücksichtslos über seine abwehrenden Signale hinwegsetzt. Kann ich nicht ausstehen. Wenn sie sympathisch sein soll, muss sie etwas zurückhaltender sein, einfühlsamer, und ihr Gegenüber eine Spur zugänglicher. 

merin

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Re: Begegnung
« Antwort #9 am: 23 September 2017, 18:29:14 »
So, Essen verabreicht, weiter geht's.

Im folgenden wirkt der Dialog auf mich etwas hölzern. Mein Hauptproblem ist, dass ich nicht verstehe, wieso sie sich ihm so aufdrängt und warum er das zulässt.

Zitat
Als er sie ansah, wirkte er plötzlich ziemlich schüchtern auf sie. Vermutlich hatte er gerade wirklich mit dem Gedanken gespielt, einfach weg zu gehen.

Vielleicht kannst du das besser in einen inneren Monolog packen: "Vielleicht ist er einfach nur schüchtern?"

Zitat
Nun stieg ihm etwas röte ins Gesicht und er schaute wieder weg.

Röte groß.
Erst jetzt fällt mir auf, dass sie vielleicht niemanden abholen wollen, sondern selbst fliegen. Bis jetzt war ich mir sicher, die holen Leute ab.

Zitat
„Mich treibt ein endlos stressiger Tag hierher. Ein stressiger, wenn auch erfolgreicher Tag – das Unternehmen für das ich arbeite ist nun dank mir um einiges reicher geworden“, sagte sie und warf damit den Hacken aus. „Der perfekte Ausklang dazu wäre aber gewesen, wenn das Flugzeug rechtzeitig käme und ich mich in weniger Stunden hätte in einer heißen Badewanne wie eine Brausetablette auflösen können...“ Hoffentlich war mit diesem Schlussteil aus dem Hacken nun kein erschlagender Anker geworden, dachte sie kurz darauf und lachte verlegen.

Hui, spätestens hier wäre ich ausgestiegen. Der Absatz ist für mich unverständlich und enorm schwer zu lesen. Warum sollte sie ein stressiger Tag zum Flughafen treiben? Das ergibt doch inhaltlich keinen Sinn. Dann lobt sie sich selbst und meint, das müsse ihn interessieren. Wieso sollte es?
Haken, nicht Hacken.
Dann zeigen sich Deine Probleme mit dem Konjunktiv. Und plötzlich wird sie lyrisch - was sie vorher nie war. Das Ganze wirkt dadurch unglaubwürdig, so spricht niemand. Nicht mal im Roman. Übergriffig war sie ja die ganze Zeit schon, aber indem sie das Bild von sich in der Badewanne anbietet, steigert sich diese Übergriffigkeit noch. Und wieso um Himmels Willen denkt sie, das werde ihn irgendwie interessieren? Ich denke, diesen Dialogteil musst Du ganz umschreiben.  :devsad:

Zitat
Etwas grinsend senkte er den Kopf. „Davor habe ich beim PSSS gearbeitet. Ich weiß nicht, ob...“

Das verrät er einfach so?

Zitat
es kamen gleich Treffer, Igor Timurowitsch Gromow. Sie fand auch ein Foto, das war er. Interessant, dachte sie.
„Oh, hab wirklich eine. Moment, muss kurz lesen.“

Äh nee. Das kauf ich nicht. Sie müsste sich zurücklehnen usw, damit er es nicht sieht. Und man müsste verstehen, wieso sie ihn googelt. Und: Er müsste reagieren. Ich mein, die hat ihn die ganze Zeit vollgeschwallert, spätestens jetzt kann er abhauen.

Zitat
Wieder lachte er etwas, nickte ihr aber zustimmend zu. Er wurde ihr immer sympathischer.

Und sie ist sowas von unsympathisch, meine Güte. Er dagegen bleibt blass und wirkt wie ein überfahrener Milchbubi. Wieso sollte er nicken?

Zitat
Irgendwie kam ihr sein Zustand vertraut vor. Dieser Moment, indem man jeglichen Boden unter den Füßen verloren hat, sich aufbäumt, um nicht abzutreiben und dann wahllos zu nächsten Insel schwimmt.

Das passt sprachlich nicht zum Rest. Und inhaltlich sehe ich nicht, wie sie auf diese Schlussfolgerung kommen könnte. Ich gebe aber zu, dass ich nicht ganz verstanden habe, was die Informationen zu seinem Hintergrund bedeuten sollen. Dass sie das mal eben auf die Schnelle findet, scheint mir auch zu viel Zufall auf einmal.

Zitat
Sie suchten momentan nach neuen, fähigen Mitarbeitern. Wenn man ihn als Bariellos Nachfolger betrachtet hatte, musste er schon erhebliche Kompetenzen haben. Selbst ohne diesen besonderen Hintergrund könnte er mit seinen Erfahrungen und seiner Menschenkenntnis durchaus eine Bereicherung für ihr Unternehmen werden.

Ähnlich wie diese hier. Verstehe ich nicht. Wieso wirbt sie ihn an?

Das Ende verstehe ich schlicht nicht. Was passiert da und warum?

Allgemein kann ich zusammenfassen, dass die Szene für mich inhaltlich unklar ist und sprachlich sehr holprig. Ich würde der Szene einerseits etwas Setting gönnen (so grob, wo sitzen sie da, wer ist da noch, rennt mal jemand durchs Bild usw.) und andererseits über die Perspektive nachdenken, die mir bislang unklar ist. Igor bräuchte auch etwas mehr Fleisch und auch Natascha müsste etwas wenig holzschnitthaft wirken.

Zitat
1. Wie wirkt die Szene im allgemeinen? Ich mache mir Sorgen, dass es etwas zu übertrieben und aufgesetzt wirkt, wenn nicht sogar als etwas zu absurder Zufall... Es ist eine Rückblende und sollte inhaltlich halt auch nicht zu ausführlich; aber auch nicht zu platt werden.
2. Was für einen Eindruck macht Natascha?

1. Ich fürchte, es ist so, wie von Dir befürchtet: Die Szene wirkt etwas platt und übertrieben.
2. eine unsympathische, von sich enorm überzeugte Schickse, die sich für ganz toll hält.

Ich hoffe, das ist jetzt nicht zu hart, aber ich kann mit dieser Szene wirklich nicht viel anfangen.
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht und was ich gern anders hätte.

Juni

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Re: Begegnung
« Antwort #10 am: 23 September 2017, 23:06:01 »
Hi Kass,
danke für die Anmerkungen :)
Zitat
Es gibt allerdings einen ganzen Schwung Kleinigkeiten.
Das ist aber nett ausgedrückt  :cheer:


Hi Trallala, danke für den Nachschlag!

Zitat
Über den Lautsprecher donnerten jene, verhassten Worte über ihr herein:
Das sind so diese Momente, wo ich immer kurz wie tiefgefroren vor dem Bildschirm sitze und mir denke: "Krass, das hast du nicht gesehen. Du hast diesen Satz mindestens zwanzig Mal gelesen und es nicht gesehen - denn sonst hättest du es geändert." (Damit meine ich natürlich nicht das Komma^^)
Verdaaaammt!
Oki, ich arbeite deine Vorschläge in meinen Text ein und führe das Prinzip einmal durch, so gut ich kann. Mal sehen, was dann noch vom Text bleibt - und ob es ohne den Ballest, der aus meiner Sicht Atmosphäre/ Erklärung ect. vermitteln soll, auch so zurecht kommt; schätze ja...
« Letzte Änderung: 23 September 2017, 23:10:14 von Juni »

Juni

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Re: Begegnung
« Antwort #11 am: 24 September 2017, 02:10:08 »
Hallo merin,
danke das du mich noch vor und nach dem Kochen Zeit für mich gefunden hast!  :cheer:
Zitat
"am nächsten zu ihr" gibt es im Deutschen nicht. Möglich wäre
"Er saß ihr am nächsten"
"Er saß am nächsten bei ihr"
Verflixt ^^
Gut, ich werde es verinnerlichen!

Zitat
Zitat
Sie trank von ihrer Coca Cola und rülpste leise. „Tschuldigung“, sagte sie, auch wenn es ihr nicht Leid tat; aber die gute Manier verlange ja, es wenigstens vorzutäuschen.
Wieso der Markenname? Ich würde einfach Cola draus machen. Und gibt es Manieren eigentlich in der Einzahl? Und: Es muss verlangte heißen, da gehört ja kein Konjunktiv hin, oder?
Ersteres - Jupp, stimme ich zu.
Die Manier – hab's eben im Duden nachgeschlagen; es gibt sie tatsächlich - da habe ich jetzt Glück gehabt.
Verlangte; stimmt.

Zitat
Mein Hauptproblem ist, dass ich nicht verstehe, wieso sie sich ihm so aufdrängt und warum er das zulässt.
Sie macht es aus der Spontanität heraus und er bleibt, weil sie ihm gefällt (und weil ihm in diesem Moment darüber hinaus eigentlich alles egal ist; aus dieser Haltung überwindet er auch seine Flugangst). Wobei letzteres halt so sein soll. Daran, dass der Leser es dann auch glaubt, muss ich dann noch fließig arbeiten.

Zitat
Erst jetzt fällt mir auf, dass sie vielleicht niemanden abholen wollen, sondern selbst fliegen. Bis jetzt war ich mir sicher, die holen Leute ab.
Ah, daran hatte ich nicht gedacht.

Zitat
Zitat
„Mich treibt ein endlos stressiger Tag hierher. Ein stressiger, wenn auch erfolgreicher Tag – das Unternehmen für das ich arbeite ist nun dank mir um einiges reicher geworden“, sagte sie und warf damit den Hacken aus. „Der perfekte Ausklang dazu wäre aber gewesen, wenn das Flugzeug rechtzeitig käme und ich mich in weniger Stunden hätte in einer heißen Badewanne wie eine Brausetablette auflösen können...“ Hoffentlich war mit diesem Schlussteil aus dem Hacken nun kein erschlagender Anker geworden, dachte sie kurz darauf und lachte verlegen.
Hui, spätestens hier wäre ich ausgestiegen. Der Absatz ist für mich unverständlich und enorm schwer zu lesen.
Ich nehme das so voll und ganz hin, den Teil werde ich überarbeiten (naja, eigentlich ja alles :) )
Nur, einige Anmerkungen und Fragen meinerseits... weil ich vermutlich viele Sprachgewohnheiten mit mir herum trage, die so nicht typisch sind; du musst da nicht drauf eingehen, es sind nur die Ursachen, aus denen heraus solche Sätze zustande kommen.

Zitat
Warum sollte sie ein stressiger Tag zum Flughafen treiben?
Weil einen ab einem gewissen Zeitpunkt nur noch die Kalendereinträge/ die Terminliste 'treiben' oder sogar schieben, nicht mehr die innerliche Motivation. Sie hätte sich lieber ein Hotelzimmer genommen, wenn sie gewusst hätte, dass sie hier noch so lange ausharren muss, bevor sie den Tag endlich für beendet erklären kann; deshalb treiben, für mich kam das von 'sich getrieben fühlen'.

Zitat
Dann lobt sie sich selbst und meint, das müsse ihn interessieren. Wieso sollte es?
Ich wollte nicht erwähnen, das Igor für sie nach einem Business Typ aussieht, das würde sich inhaltlich auf die ganze Geschichte erstreckt irgendwann stapeln; sie meint jedenfalls in ihm eine Art Artgenossen zu finden.
Sie denkt nicht Oberflächlich, weil sie selbst optisch ganz anders eingeschätzt wird, als es dann innerlich der Fall ist.

Zitat
Das Ganze wirkt dadurch unglaubwürdig, so spricht niemand. Nicht mal im Roman.
Naja, ich weiß nicht... Momentan erlebe ich da selbst eine krasse Überraschung nach der anderen. Z.B. wenn einem gleich beim ersten Mal in einem Gespräch auf dem Weg zum Bahnhof ein Arbeitskollege aus einem Immobilienunternehmen (wo er schon seit Jahren arbeitet), mit dem man noch nie so unter vier Augen geredet hat erzählt, welche Drogen er nimmt, weil er glaubt anhand irgendwelcher optischen, verhaltenstechnischen Merkmalen annehmen zu müssen, dass man das einem gleich anvertrauen kann; (ich habe so etwas rein optisch bei ihm keinesfalls vermutet und ihm dann gesagt, dass ich nicht mal kiffe) dann kann man schon vom Glauben fallen.^^ (Mir kommt es immer öfter so vor, als ob sich auf der Ebene 'Offenheit' etwas geändert hätte, ohne das ich vorher gewarnt worden bin.)

Zitat
Übergriffig war sie ja die ganze Zeit schon, aber indem sie das Bild von sich in der Badewanne anbietet, steigert sich diese Übergriffigkeit noch. Und wieso um Himmels Willen denkt sie, das werde ihn irgendwie interessieren?
Das ist eine ganz klare Anmache von ihr. Sie wäre quasi nicht abgeneigt, ihn demnächst mal abzuschleppen.

Zitat
Zitat
es kamen gleich Treffer, Igor Timurowitsch Gromow. Sie fand auch ein Foto, das war er. Interessant, dachte sie.
„Oh, hab wirklich eine. Moment, muss kurz lesen.“
Äh nee. Das kauf ich nicht. Sie müsste sich zurücklehnen usw, damit er es nicht sieht. Und man müsste verstehen, wieso sie ihn googelt.
Sie checkt ihn auf seine Glaubwürdigkeit, weil sie in den Hintergedanken immer noch plant, ihn abzuschleppen (wie gesagt, er kann auf andere sehr freundlich wirken). Für mich ist es mittlerweile Gang und Gebe wenn jemand ein Gespräch wegen 'es könnte etwas wichtiges sein' kurz auf Pause stellt. (Genauso wie den Namen einer Person mal durch Internet zu jagen um zu schauen, was dabei so raus kommt.)

Zitat
Zitat
Irgendwie kam ihr sein Zustand vertraut vor. Dieser Moment, indem man jeglichen Boden unter den Füßen verloren hat, sich aufbäumt, um nicht abzutreiben und dann wahllos zu nächsten Insel schwimmt.
Das passt sprachlich nicht zum Rest. Und inhaltlich sehe ich nicht, wie sie auf diese Schlussfolgerung kommen könnte. Ich gebe aber zu, dass ich nicht ganz verstanden habe, was die Informationen zu seinem Hintergrund bedeuten sollen. Dass sie das mal eben auf die Schnelle findet, scheint mir auch zu viel Zufall auf einmal.
Ersteres erstaunt mich am meisten (also, dass man es wirklich anhand der Sprache merkt), denn dieser Satz ist wirklich die aktuellste Änderung an der Szene.
Teil des Hintergrunds ist ein aktueller Mordfall, der an einer Journalistin. Dein letzter Satz gibt mir inhaltlich zum Denken; es muss schon einen Grund geben, warum die Entlassung eines einzelnen Angestellten und sogar dessen Name in einem Bericht erwähnt wird.
In dem Artikel müsste dann so etwas wie: Der zuständige Koordinationsleiter des beauftragten gewesenen Unternehmens PSSS wurde entlassen. Die Ermittler schließen nicht aus, dass der Täter interne Informationen des Personenschutz Unternehmens besaß.
Natascha geht danach davon aus, das Igor innerlich am Boden liegt, weil er die Person 'verloren' hat, deren Leben er eigentlich hätte schützen sollen. Es ist wirklich nicht die beste Grundlage jemanden einstellen zu wollen, aber sie weiß, dass es Umstände um einen herum gibt, die einfach stärker sind als man selbst. Ich überdenke den Teil noch mal.
Sie kennt das Unternehmen durch die Kunden oder von Veranstaltungen, für die man auch Türsteher einstellt. Und der Name Bariello ist für jene, die ihn kennen so etwas wie eine Marke für Qualität und Zuverlässigkeit.

Zitat
Das Ende verstehe ich schlicht nicht. Was passiert da und warum?
Sie wirft ihm in gewisser Hinsicht einen Rettungsring hin.
Er wiederum begreift für einen Moment die Tragweite davon und denkt etwas wie: „Das passiert jetzt nicht wirklich", „das ist wirklich nett, aber auch einfach nur naiv und dumm.“

Danke für deine Eindrücke und die Antworten,

LG

Juni

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Re: Begegnung
« Antwort #12 am: 24 September 2017, 02:18:35 »
Hallo Oldlady
dass Du Dich grillen lässt, ist auf jeden Fall sehr tapfer! Und ein bisschen Bammel davor ist normal, mir geht´s auch so.
Letzteres hätte ich nicht gedacht, aber es beruhigt  :cheer:


Danke für deine Beispiele zum Straffen! Da ist wohl wirklich vieles an unnötigem Ballast angefallen.

Zitat
Ein solches Gespräch ist schon denkbar in einem Flughafen, allerdings nur, wenn es sich um eine Frau wie Natascha handelt und jemand anderen als Igor. Ein  kalter Mörder würde einfach weggehen, statt sich auf ein solches Gespräch einzulassen – schon um sich davor zu schützen, ausgefragt zu werden. 
Letzteres... er verbringt sehr viel Zeit mir 'normalen' Menschen, also die Kommunikation ist er gewohnt. Aber ich muss mir schon die Frage stellen, ob dem Leser der Igor bis hier kennt klar ist/ wird, dass er sich in einer 'es spielt alles keine Rolle mehr, soll das Flugzeug von mir aus auch abstürzen' Laune befindet. Denn ohne diese innerliche Haltung wäre er wirklich sofort gegangen, das stimmt (und würde auch erst gar nicht in den Flieger steigen.)

Zitat
Ein furchtbar penetrantes Weib, das sein Gegenüber zutextet und sich rücksichtslos über seine abwehrenden Signale hinwegsetzt. Kann ich nicht ausstehen. Wenn sie sympathisch sein soll, muss sie etwas zurückhaltender sein, einfühlsamer, und ihr Gegenüber eine Spur zugänglicher. 
Das ist hart ^^, aber ich kann es durch deine Schilderungen gut nachvollziehen.

Lieben Dank Oldlady,
LG

merin

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Re: Begegnung
« Antwort #13 am: 24 September 2017, 15:17:04 »
Hallo Juni,

ich geh mal auf Deine Rückmeldungen ein:

Zu Manier muss ich Dich enttäuschen. Es gibt das Wort in der Einzahl, aber es hat eine andere Bedeutung als Du hier haben möchtest. Das ist im Dudeneintrag anhand der Beispiele zu erkennen. Möglicherweise ist es möglich, es in der Bedeutung von gutem Verhalten in der Einzahl zu verwenden, es ist aber zumindest sehr ungebräuchlich.

Zitat
Weil einen ab einem gewissen Zeitpunkt nur noch die Kalendereinträge/ die Terminliste 'treiben' oder sogar schieben, nicht mehr die innerliche Motivation. Sie hätte sich lieber ein Hotelzimmer genommen, wenn sie gewusst hätte, dass sie hier noch so lange ausharren muss, bevor sie den Tag endlich für beendet erklären kann; deshalb treiben, für mich kam das von 'sich getrieben fühlen'.

Okay, das weiß ich als Leserin aber nicht. Es ist auch ein Unterschied, ob man sich getrieben fühlt, oder sich treiben lässt oder getrieben wird. Ich denke, da solltest Du genau sein.

Zitat
Ich wollte nicht erwähnen, das Igor für sie nach einem Business Typ aussieht, das würde sich inhaltlich auf die ganze Geschichte erstreckt irgendwann stapeln; sie meint jedenfalls in ihm eine Art Artgenossen zu finden.
Sie denkt nicht Oberflächlich, weil sie selbst optisch ganz anders eingeschätzt wird, als es dann innerlich der Fall ist.

Naja, du willst also aus ihrer Perspektive schreiben. Ja? Dann sag es so, wie es im bisherigen Text noch nie gesagt worden ist. So wie sie es denkt. Gib ihr ein bissel inneren Monolog. (An der Stelle frage ich mich, warum Du auf meine Frage nach der Perspektive nicht direkt eingegangen ist. Vielleicht hast Du sie überlesen?)
Deinen letzten Satz verstehe ich nicht.

Zitat
Naja, ich weiß nicht... Momentan erlebe ich da selbst eine krasse Überraschung nach der anderen. Z.B. wenn einem gleich beim ersten Mal in einem Gespräch auf dem Weg zum Bahnhof ein Arbeitskollege aus einem Immobilienunternehmen (wo er schon seit Jahren arbeitet), mit dem man noch nie so unter vier Augen geredet hat erzählt, welche Drogen er nimmt, weil er glaubt anhand irgendwelcher optischen, verhaltenstechnischen Merkmalen annehmen zu müssen, dass man das einem gleich anvertrauen kann; (ich habe so etwas rein optisch bei ihm keinesfalls vermutet und ihm dann gesagt, dass ich nicht mal kiffe) dann kann man schon vom Glauben fallen.^^ (Mir kommt es immer öfter so vor, als ob sich auf der Ebene 'Offenheit' etwas geändert hätte, ohne das ich vorher gewarnt worden bin.)

Da hast Du mich missverstanden. Ich meinte das nicht inhaltlich sondern stilistisch. Der text ist eher locker geschrieben und dann kommt unvermittelt so eine lyrische Stelle. Das ist ein Stilbruch.

Zitat
Das ist eine ganz klare Anmache von ihr. Sie wäre quasi nicht abgeneigt, ihn demnächst mal abzuschleppen.

Wäre aber gut, wenn ich das als Leserin verstehen würde.  ;)

Zitat
Sie checkt ihn auf seine Glaubwürdigkeit, weil sie in den Hintergedanken immer noch plant, ihn abzuschleppen (wie gesagt, er kann auf andere sehr freundlich wirken). Für mich ist es mittlerweile Gang und Gebe wenn jemand ein Gespräch wegen 'es könnte etwas wichtiges sein' kurz auf Pause stellt. (Genauso wie den Namen einer Person mal durch Internet zu jagen um zu schauen, was dabei so raus kommt.)

Mhm, macht in meiner Umgebung zum Glück niemand so. Auf mich wirkt es unhöflich und absurd. Wenn Du das so willst, dann lass sie sehr smartphoneabhängig wirken, schon vorher.

Soweit...
merin
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht und was ich gern anders hätte.

Juni

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Re: Begegnung
« Antwort #14 am: 24 September 2017, 22:56:01 »
Hallo merin,

Zitat
Zu Manier muss ich Dich enttäuschen. Es gibt das Wort in der Einzahl, aber es hat eine andere Bedeutung als Du hier haben möchtest.
haha, erstaunt mich nun wenig^^
gut das du noch mal darauf eingegangen bist

Zitat
Zitat
Weil einen ab einem gewissen Zeitpunkt nur noch die Kalendereinträge/ die Terminliste 'treiben' oder sogar schieben, nicht mehr die innerliche Motivation. Sie hätte sich lieber ein Hotelzimmer genommen, wenn sie gewusst hätte, dass sie hier noch so lange ausharren muss, bevor sie den Tag endlich für beendet erklären kann; deshalb treiben, für mich kam das von 'sich getrieben fühlen'.
Okay, das weiß ich als Leserin aber nicht. Es ist auch ein Unterschied, ob man sich getrieben fühlt, oder sich treiben lässt oder getrieben wird. Ich denke, da solltest Du genau sein.
Ja, das stimmt. Ich werde der Szene einleitend noch einen inneren Monolog und Ortseindrücke vorsetzen. Dann bekommt/ hat der Leser gleich einen Eindruck von der Person, die hinter der Perspektive steckt; die Art des Dialogs lässt so zu viele Mehrdeutigkeiten.

Zitat
Zitat
Ich wollte nicht erwähnen, das Igor für sie nach einem Business Typ aussieht, das würde sich inhaltlich auf die ganze Geschichte erstreckt irgendwann stapeln; sie meint jedenfalls in ihm eine Art Artgenossen zu finden.
Naja, du willst also aus ihrer Perspektive schreiben. Ja? Dann sag es so, wie es im bisherigen Text noch nie gesagt worden ist. So wie sie es denkt.
Das ist ein guter Punkt, vielleicht fällt mir ja was ein.

Zitat
An der Stelle frage ich mich, warum Du auf meine Frage nach der Perspektive nicht direkt eingegangen ist. Vielleicht hast Du sie überlesen?
Ich musste da jetzt noch mal nachsehen, welcher das war...
Aber mir ist vor allem hängen geblieben, dass ich an ihren innerlichen Monologen feilen sollte; falls du das damit meinst.

Zitat
Zitat
Sie denkt nicht Oberflächlich, weil sie selbst optisch ganz anders eingeschätzt wird, als es dann innerlich der Fall ist.
Deinen letzten Satz verstehe ich nicht.
Sie ist schon ziemlich aufgebrezelt und weiß aus Erfahrung, dass sie innerlich viel unkonventioneller ist, als andere es bei mir oft vermuten - das meinte ich; das ist Teil ihres Charakters.

Zitat
Da hast Du mich missverstanden. Ich meinte das nicht inhaltlich sondern stilistisch. Der text ist eher locker geschrieben und dann kommt unvermittelt so eine lyrische Stelle. Das ist ein Stilbruch.
Ok, also das meintest du mit 'so spricht keiner', hm... auf mich wirkt das nicht lyrisch, sondern wie eine Anmache nach dem Prinzip: 'Mal sehen ob bei ihm ein Kopfkino anspringt und wie er darauf reagiert.' (So was macht sie nicht öfter, sie ist nur etwas über motiviert von dem Erfolg, den sie an diesem Tag schon hatte und fordert ihr Glück noch mal heraus.)

Zitat
Zitat
Das ist eine ganz klare Anmache von ihr. Sie wäre quasi nicht abgeneigt, ihn demnächst mal abzuschleppen.
Wäre aber gut, wenn ich das als Leserin verstehen würde.  ;)
Ich werde mich darum bemühen  :devgrin:

Zitat
Zitat
Sie checkt ihn auf seine Glaubwürdigkeit, weil sie in den Hintergedanken immer noch plant, ihn abzuschleppen (wie gesagt, er kann auf andere sehr freundlich wirken). Für mich ist es mittlerweile Gang und Gebe wenn jemand ein Gespräch wegen 'es könnte etwas wichtiges sein' kurz auf Pause stellt. (Genauso wie den Namen einer Person mal durch Internet zu jagen um zu schauen, was dabei so raus kommt.)
Mhm, macht in meiner Umgebung zum Glück niemand so. Auf mich wirkt es unhöflich und absurd. Wenn Du das so willst, dann lass sie sehr smartphoneabhängig wirken, schon vorher.
Hm, man muss nicht gleich smartphoneabhängig sein. Sie sichert sich ab um besser zu wissen, mit wem sie es zu tun hat. Eigentlich müsste sie so etwas überhaupt später machen wenn überhaupt an ein Treffen irgendwann in der Zukunft zu denken wäre. Nach der gescheiterten Anmache denkt sie: 'schade, er beißt nicht an, also lasse ich es mal' - der Reiz dann weiter mit ihm zu reden besteht für sie dann darin, dass sie seinen Hintergrund interessant findet; von selbst würde er diesen Hintergrund ja nicht preisgeben.
Ich sehe mal, ob sich für sie ein anderer Anreiz finden lässt, ihm weiter auf die Pelle zu rücken - oder ich lasse ihn etwas entgegenkommender sein, dann kommt sie auch nicht so aufdringlich rüber.

Da kommen bei mir jetzt noch mehr Gedanken ins rollen :)

LG