24 Februar 2020, 00:26:42

Autor Thema: Bestseller schreiben: Ja oder nein  (Gelesen 3274 mal)

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Trippelschritt

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Bestseller schreiben: Ja oder nein
« am: 23 November 2017, 09:49:04 »
Jungautoren sehen sich früher oder später vor die Entscheidung gestellt, ob sie Bestseller schreiben oder gute Schriftsteller werden wollen. Wie man das erreicht, verschieben wir mal auf später. Wichtiger ist, dass zwischen diesen beiden Zielen ein fundamentaler Unterschied besteht und das Erstreben des einen das andere behindert. Auch der Lohn unterscheidet sich.

Wer ein guter Schriftsteller werden will, versucht gute Bücher zu schreiben und verspürt mit jedem Buch, das er geschrieben hat, ein wunderschönes Gefühl. Vor allem dann, wenn es ihm auch noch gelingt, einen kleinen Kreis von Lesern zu finden, die seine Werke schätzen.

Wer ein bekannter/Berühmter Schriftsteller werden will, gersucht Bücher zu schreiben, die sich gut verkaufen. Er will davon leben können und womöglich noch höher hinaus. Was ein Bestseller ist, darüber lässt sich streiten, denn es gibt große und kleine Bestseller. Bei großen scheffelt man Millionen, bei kleinen kann man davon recht gut leben, wenn man einen Roman nach dem anderen produziert.

Denkt mal ein wenig darüber nach.

Klar ist, dass ein gutes Buch nicht unbedingt ein Bestseller wird. Andererseits schadet es auch nichts, wenn man gute Bücher schreibt. Das zu erlernen kostet aber viel Zeit, während der man sich irgendwie finanzieren muss. Aber es bereitet Freude, gute Bücher zu schreiben.

Wie man Bestseller produziert, weiß niemand - sagt man in den Verlagen. Aber das stimmt nicht so ganz. Das trifft nur für die großen Kracher zu. Für die etwas Kleineren Ausgaben sieht es nicht ganz so verzweifelt aus. Es ist machbar, auch wenn nicht alle Bestseller demselben Strickmuster folgen.

Ich werde Später noch etwas dazu sagen, aber jetzt ruft mich erst einmal mein dritter Band meiner Paranaea-Trilogie. Das Rohmanuskript soll vor Weihnachten noch fertig werden.

Liebe Grüße
Trippelschritt
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Ryrke

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Re: Bestseller schreiben: Ja oder nein
« Antwort #1 am: 23 November 2017, 10:33:29 »
Hallo Trippelschritt,

danke für diese Aufschlüsselung. Mir war vorher nicht klar, dass das so hart getrennt wird. Dann dachte ich an Günter Grass schreibt keine Bestseller, aber er ist in der Literatur bekannt und (wohl) anerkannt.
Was das Gehalt angeht, so gleicht sich das für mich aus - denke ich. Die Bestseller bringen Geld pro Buch und die guten Bücher heimsen Autorenpreise ein, wo oftmals mehrere 1000 Euro dranhängen. Und natürlich der Literaturnobelpreis :D Ich weiß, ich weiß, wir sprechen nicht von solchen. Aber möglich wäre es ja. Theoretisch.

Gibt aber auch Leute, wie Neil Gaiman und die Harry-Potter-Tante, die wohl beides verbinden. Irgendsoetwas würde ich auch anstreben, falls es mein diesjähriges NaNo Buch tatsächlich in die Überarbeitung und dann zu Testlesern schafft. :)

Ansonsten bin ich mit meinen Kurzgeschichtenwettbewerben immer noch sehr zufrieden, da ich nicht davon leben muss und mir auch kein Schreiben auf Druck vorstellen kann.

LG, Ryrke
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Oflinitrium

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Re: Bestseller schreiben: Ja oder nein
« Antwort #2 am: 23 November 2017, 13:49:33 »
Ich denke nicht, dass es tatsächlich so hart getrennt werden kann (oder getrennt werden sollte). Gerade bei den ersten Bestsellerwerken von Autoren habe ich häufig das Gefühl, dass da noch ordentlich Herzblut drinnen steckt, während ich bei so genannten "guten Schriftstellern" das Gefühl habe, dass sie sich sich viel zu gerne selbst zelebrieren. Zugegeben meist ist das zweite Werk von Bestseller Autoren schwächer als das erste, weil sies dann tatsächlich versucht haben und weniger frei gedacht haben. Aber grundsätzlich ist mir deine Beschreibung zu sehr schwarz und weiß, denn jeder hat andere Ansprüche an sich selbst und an die Werke die man gerne liest. In welche Richtung da das Pendel ausschlägt muss keine bewusste Entscheidung sein.
« Letzte Änderung: 23 November 2017, 14:02:33 von Oflinitrium »
Die Werke die ich am meisten liebe, sind gleichzeitig die, die ich am meisten kritisiere. Im Grunde ist es so, dass eine ausführliche Kritik meinerseits auch eine Anerkennung und ein Glückwunsch ist, denn wenn es einfach nur schlecht wäre, würde ich mir gar keine Gedanken darüber machen.

merin

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Re: Bestseller schreiben: Ja oder nein
« Antwort #3 am: 23 November 2017, 15:04:12 »
Ich sehe das ähnlich wie Trippel und ich will ganz klar ein gutes Buch schreiben. Mir fiel es lange schwer, zu verstehen, dass manche KollegInnen es wichtiger finden, ihre Bücher gut zu verkaufen. Inzwischen finde ich das ein legitimes Ziel, zu dessen Erreichen ich einfach weniger Wissen habe.

Ich spitze mal ein wenig zu, einfach der Deutlichkeit halber: Meine Erfahrung ist, dass ein gutes Buch eigene Sprache braucht und ein Überwinden oder Spielen mit Klischees und Stereotypen. Ein gutes Buch ist immer ein Experiment, ein Wagnis und zwar eins der intimen Art. Ein Bestseller dagegen kann auf bekannte Zutaten setzen. Er sollte nicht zu sehr herausfordern oder verwirren, weil das keine Massen an LeserInnen anzieht.

Ich denke auch, dass es Schnittmengen zwischen beidem gibt, aber ich bin mir sehr sicher, dass viele gute Bücher keine Bestseller und viele Bestseller keine guten Bücher sind. Bestseller schreiben heißt letztlich, den Zeitgeist getroffen zu haben und ein gut konsumierbares Gut produziert zu haben, das sich in den kapitalistischen Markt einfügt. Als alte rebellische Seele misshagt mir das zutiefst. Aber mei ... von irgendwas muss man ja leben!
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht.

Supertim99

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Re: Bestseller schreiben: Ja oder nein
« Antwort #4 am: 23 November 2017, 17:40:14 »
Ich schließe mich ganz merin an. Und erweitere auf die gesamte Kunst. Wir haben einen sehr intelligenten Musik- und Lateinlehrer und wir haben das ganze Schuljahr noch kein Stück analysiert, das irgendwie "schön" klang. Die extrem intelligenten Werke brechen fast immer mit den zeitgemäßen Konventionen, was auch Grund dafür sein mag, dass viele dieser Künstler erst nach ihrem Tod wirklich "berühmt" werden - es braucht kluge UND für Neues offene Köpfe, um das Genie eines Stückes zu erkennen.

Zitat
Ein Bestseller dagegen kann auf bekannte Zutaten setzen. Er sollte nicht zu sehr herausfordern oder verwirren, weil das keine Massen an LeserInnen anzieht.

Wie diese immergleichen "Tatort" Folgen, in denen jemand stirbt, Leute, zu denen man meist keine Bindung aufbauen kann, nach dem selben Muster befragt werden und die Kommissare selbst ständig irgendwelche privaten Krisen haben, über die sich nicht reden wollen. Trotzdem schauen es sich viele Leute an, vermutlich einfach aus Gewohnheit. Ich schalte meist geistig irgendwann ab, da mich die Figuren nicht interessieren, und weiß dann 10 Minuten später nicht mehr, wer jetzt mit wem verwandt war.  :biggrin:
« Letzte Änderung: 23 November 2017, 17:43:52 von Supertim99 »

Trippelschritt

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Re: Bestseller schreiben: Ja oder nein
« Antwort #5 am: 24 November 2017, 21:34:13 »
Immer schön zu erfahren, dass gute Bücher mehr zählen als Bestseller, aber wenn jemand mit dem Berufswunsch Schriftsteller aufwächst, dann muss er ganz früh an den Verkauf denken. Aber sei es, wie es ist. Das muss jeder für sich entscheiden.

Bleibt noch nachzutragen, was man braucht oder können muss, um entweder Bestseller oder gute Bücher zu schreiben. Ich fange man mit den "guten Büchern" an. Da bin ich mir meiner Meinung sicherer. es sind vor allem drei oder vier Talente/Fähigkeiten, je nachdem wie man zählt. Und jeder Punkt ist mehr oder weniger gleich wichtig. Meine Aufzählung enthält also keine Wichtung.

1. Man braucht ganz viele Idee auf allen Ebenen. Von der Plotebene bis runter zum genialen Wort. Und man muss die Ideen auch bewerten können, denn nicht jede Idee taugt etwas. Und man kann auch unter der schieren Zahl der Ideen ersticken. Es gibt Leute und ich habe ein paar von ihnen kennengelernt - die produzieren brauchbare bis sehr gute Ideen auf Anforderung eimerweise. Aber können sie nicht zu einem Gebilde zusammensetzen. Übrigens, dieser erste Punkt ist mehr Talent als erlernbare Fertigkeit, obwohl sich auch hier etwas schulen lässt.

2. Man braucht das Talent oder Fähigkeit, Geschichten zu erzählen. In den meisten Schreibratgebern findet man nichts dazu. Seit einigen Jahren gibt es aber Schreibratgeber für Drehbücher. Dort wird man fündig, was Erzähltechnik angeht. auch für Romane, weniger für Kurzgeschichten. Mein Favorit ist McKee, aber das muss nichts bedeuten. Zum geschcihten erzählen braucht man ein gewisses Talent. aber vieles lässt sich auch erlernen. Wenn man aber zu dem Typ Mensch gehört, der jeden Witz kaputt erzählt, dann wird es ein harter Weg werden, den man gehen muss.

3. Schreibhandwerk kann man lernen. Das hat mit Erzähltechnnik wenig zu tun. Da geht es um Einzelprobleme wie Dialoge, Beschreibungen, Perspektive etc. Und es gibt viele Schreibratgeber. Hier im forum gibt es irgendwo Empfehlungen dazu und jeder hat seine eigenen Lieblinge.

4. Ein eigener Punkt? Oder zu 3 gehörig? Ich weiß es nicht. Aber ein Schreiber muss ein Empfinden für Sprache habe, für Rhythmus, Klang, Ausdruck und Grammatik. Gute Bücher lesen hilft. Früher auch einmal der Deutschunterricht auf dem Gymnasium. Das ging leider in den Schulreformen verloren, wie ich in zwei Bundesländern feststellen musste. Für die anderen kann ich nichts sagen.

Wie man Bestseller schreibt mache ich später. Der Text wird kürzer. Viiieeel kürzer. ;D

Liebe Grüße
Trippelschritt

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merin

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Re: Bestseller schreiben: Ja oder nein
« Antwort #6 am: 24 November 2017, 22:31:22 »
Ich weiß nicht, ob man sagen kann, dass gute Bücher besser sind. Im Zweifelsfall bewegen Bestseller mehr, weil sie einfach mehr gelesen werden. Wahrscheinlich sind die besten Bücher die, die beides sind: gut und Bestseller. Auf Deine Liste, wie man einen bestseller schreibt, bin ich gespannt.
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht.

Oflinitrium

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Re: Bestseller schreiben: Ja oder nein
« Antwort #7 am: 25 November 2017, 03:47:13 »
Ich bin auch kein Freund davon, wenn man sein Fähnchen nur nach dem Wind richtet um erfolgreich zu sein, aber für Erfolg ist genau das nötig und auch das erfordert eine Menge Arbeit und ein Talent dafür das richtige zur richtigen Zeit zu liefern. Und noch viel wichtiger: herauszufinden bzw. zu wissen, was für die aktuelle Zeit erfolgsversprechend ist. Das bezieht sich nicht nur aufs Thema und den Plot, das bezieht sich auf das richtige Vokabular, den richtigen Klang, den richtigen Rhytmus. Auch wenn dieser Klang und Rhytmus nicht mit dem eigenen Klang und Rhytmus übereinstimmt.
Ich möchte an der Stelle auch einmal etwas überspitzen: Wenn ich ein großer Fan von Goethe, Schiller und/oder Shakespeere bin, aber beschließe einen Bestseller schreiben zu wollen. Wir leben in einer Zeit des "Sex sells" Nun schnapp dir aber als Goethe Fan mal einen Erotikthriller und ließ dir den vollständig durch. (Allein das wird eine Herausforderung werden...) Und dann, weil du dein Ziel klar vor Augen hast, überleg dir einen eigenen Plot und übernimm die zeitgemäße Sprechweise und den zeitgemäßen Rhytmus ohne dich von deinen eigentlichen Idolen zu stark beeinflussen zu lassen, weil du weist dass dir das im Weg stehen wird. Wer das schafft und dann tatsächlich einen Bestseller zustande bringt, bevor dieser Trend zum erliegen kommt hat im Grunde einen steinigeren Weg hinter sich, als derjenige der sich hauptsächlich in Gebiet aufhält, in dem er sich wohlfühlt. Den Jackpot haben natürlich Bestseller Produzenten die sich im derzeit vorherrschenden Trend wohlfühlen. Aber ich glaube, dass muss man auch um tatsäclich einen Bestseller produzieren zu könne, weil man sonst die Zielgruppe verfehlt.

Andererseits muss ich wiederum zugeben, dass Kiss "I was made for Lovin you" nur geschrieben hat um zu zeigen wie einfach es ist einen Hit zu produzieren... und es wurde ein Hit...weltweit... aber sie haben trotzdem ihren eigenen Stil dafür benutzt.
« Letzte Änderung: 25 November 2017, 03:54:45 von Oflinitrium »
Die Werke die ich am meisten liebe, sind gleichzeitig die, die ich am meisten kritisiere. Im Grunde ist es so, dass eine ausführliche Kritik meinerseits auch eine Anerkennung und ein Glückwunsch ist, denn wenn es einfach nur schlecht wäre, würde ich mir gar keine Gedanken darüber machen.

Fabian

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Re: Bestseller schreiben: Ja oder nein
« Antwort #8 am: 25 November 2017, 11:19:55 »
Bestseller schreiben oder gute Schriftsteller werden. ...  Wichtig[er] ist, dass zwischen diesen beiden Zielen ein fundamentaler Unterschied besteht und das Erstreben des einen das andere behindert.
Das in deinen Augen Wichtige hast du zu Recht als These an den Anfang deines Beitrages gestellt.
Nachdem jetzt das Publikum seine Eingangsspekulationen beigesteuert hat würde mich natürlich sehr interessieren, wie du selbst diesen Gedankengang im Detail ausgearbeitet hast. 
Worin besteht deiner Meinung nach das jeweilige Störungspotential dieser Strebungen in Bezug auf die Entwicklung als Autor?
« Letzte Änderung: 25 November 2017, 11:22:22 von Fabian »

"Weil niemand mehr Leonardo ist, können alle Leonardo werden ...
das Phantasma der Auserwähltheit Einzelner macht dem Phantasma der Selbstwahl aller Platz"

 (Jörg Scheller in der ZEIT, Nr 2/2019, S. 43)

Trippelschritt

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Re: Bestseller schreiben: Ja oder nein
« Antwort #9 am: 25 November 2017, 11:37:30 »
@Merin: Ich weiß schon, warum ich gute Bücher in Anführungsstriche gesetzt habe. (Einmal leider auch nicht). Die Bewertung gut gibt es streng genommen nicht. Es muss immer "gut für" heißen, Aber da jeder für sich wissen wissen muss, was für ihn gut ist, werde ich nichts dazu sagen. Allerdings dachte ich, dass klar sei, was ich unter guten Büchern verstehe, nachdem unsere Diskussion den obigen Verlauf genommen hat.

Jetzt zu den Bestsellern. Und dazu hat Oflinitrium ja bereits einiges gesagt. Und ich habe dazu ja auch keine Analyse oder Untersuchung gemacht. Ich habe einfach viel gelesen und dabei ist mir Einiges aufgefallen, das weder vollständig noch 100% richtig sein kann.

Es gibt Bestseller, die nur durch Marketing zum Bestseller wurden und welche, wo der Name des Autors ausreichte. So etwas liegt nicht in den Händen eines angehenden Hobbyautors. Dann gibt es welche, wo selbst im Nachhinein niemand versteht, wie sie an die Spitze gekommen sind und hin und wieder ein Buch, weil es die Stimmung der Zeit getroffen hat. Auch wenn es in bestmmten Sparten Menschen gibt, denen es gelingt, eine solche Stimmung hin und wieder zu treffen (in der Oh Kotür der Mode, z.B.), geschieht es bei Büchern zufällig.

Ich habe vor einigen Tagen den ersten Band einer Serie für jüngere Leser reingezogen, bei dem ich nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen konnte, den ich aber trotzdem am Stück einfach runtergelesen habe. War durchaus interessant. Später habe ich dann erfahren, dass die Autorin eine Bestseller Autorin war,
In früheren Jahren habe ich wie viele andere auch gern Mario Simmel gelesen. Selbst, wenn der Spruch stimmt, wer einen Simmel kennt, kennt alle, hat mich das nicht gestört. In einen der Bände habe ich vor kurzem noch einmal hineingeschaut. War nix. Meine elterngeneration hat gerne Konsalik gelesen, der für das "Establishment" unter aller Würde war. Aber die Verkaufszahlen waren riesig.

Das gab mir zu denken.

In der amerikanischen Film(?)/Fernsehindustrie galt mal das KISS-Prinzip. Keep it simple and stupid. Und da ist tatsächlich etwas dran. Und jetzt muss ich vorsichtig sein, dass ich nicht herablassend klinge, aber ich habe auch an mir selbst etwas beobachtet, das u.a. im McKee Lehrbuch für Drehbuchschreiben) erwähnt wird.
Die Fähigkeit Qualität zu genießen steigt mit dem Lebensalter und der Bildung, was u.a. bedeutet, subtile Andeutungen und sprachliche Finessen etwas für die Älteren sind, wohingegen für die Jüngeren alles recht deutlich geschrieben werden muss. Ich erlebe es gerade wieder. Ich lese The Dispossed von LeGuin, das ich mit 30 gelesen habe. Was für ein Buch! Auch wenn man berücksichtig, dass es heute ein wenig aus der Zeit gefallen ist. Ich fand es auch damals bereits gut, aber seine Tiefe erschließt sich mir erst jetzt. Aber in der  Musik beginnt man ja auch nicht gleich mit Symphonien.

Bestseller sind meistens einfach im Plot und sie holen die Leser dort ab, wo sie stehen. Damit hat man bereits zwei gute Kriterien. Wenn das aber alles wäre, hätte der Schreibanfänger das große Los gezogen. Es muss also noch etwas dazu kommen. Auch Bestseller brauchen ein paar gute Dinge, die man sich erst erarbeiten muss.

Die Leser dort abholen, wo sie stehen, bedeutet, dass sowohl Genre als auch die zentrale Idee des Romans passen müssen. Liebesromane gehen immer, Krimis meistens und Fantasy hat immer das Potential für kleine Bestseller.

Dazu müssen mindestens noch zwei andere starke Punkte kommen. Die Sprache muss gefällig und vor allem nach Profi klingen. Wenn der Anfängeramateur bereits am Satzbau zu erkennen ist, muss er weiter an der Sprachbeherrschung arbeiten, bis er es kann.
Und der zweite Punkt sind Ideen. Der Bestsellerautor muss seine Leser immer wieder überraschen können, auch wenn Rosamunde Pilchers Bücher davon leben, dass es kaum Überraschungen gibt. Früher war es Courts Mahler. Dort werden feste Erwartungen getroffen, aber ich kenne keine Genre außer Liebesromanen, wo das so leicht möglich ist. Aber auch diese Damen Konnten/können schreiben und beherrschen ihre Sprache. Und auch den Bestsellerautoren wird der Erfolg nicht geschenkt.

In diesem Sinne
Frohes Schreiben
Trippelschritt

EDIT: Fabian, vergleiche mal die beiden Anforderungsprofile an den Autor



« Letzte Änderung: 25 November 2017, 11:39:06 von Trippelschritt »
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Fabian

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Re: Bestseller schreiben: Ja oder nein
« Antwort #10 am: 25 November 2017, 11:49:54 »
EDIT: Fabian, vergleiche mal die beiden Anforderungsprofile an den Autor
Das hätte ich mir schon etwas substantieller gewünscht.

"Weil niemand mehr Leonardo ist, können alle Leonardo werden ...
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 (Jörg Scheller in der ZEIT, Nr 2/2019, S. 43)

Trippelschritt

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Re: Bestseller schreiben: Ja oder nein
« Antwort #11 am: 25 November 2017, 13:20:39 »
Beim Bestsellerautor sind die Anforderungen an Erzählkunst, an den Stil und das Schreibhandwerk geringer. es genügt bereits, wenn er es einigermaßen hinbekommt. Er kann sich also die Mühe sparen, dort auf ein hihe Niveau zu kommen. Das zahlt sich nicht aus und kostet nur Zeit

Wo er nicht sparen kann, sind die Ideen. Besser zu viele als zu wenige, selbst wenn sie im Einzelfall nicht nicht immer gelungen sein müssen. Es gibt nicht nur Anfängerschreiber, sondern auch Anfängerleser, die viele Fehler übersehen oder verzeihen. nur einen nicht: Langeweile.
Aber dafür muss er seinen potentiellen Markt sehr gut kennen und sollte versuchen sich als Marke zu etablieren.

Wer "gute Bücher" schreiben will, schreibt für sich und pfeift auf den Markt, denn je mehr man sich am Markt orientiert, desto schwieriger wird es authentisch zu schreiben und desto weniger Dichte bekommt ein Text. Ein Herzblut text ist immer anders als einer, in dem es dem Autor egal ist, was er schreibt. Und er ist nie zufrieden mit der Qualität, die er produziert.

Die Schwerpunkte liegen also anders, auch wenn es Deckungsbereiche gibt.

Liebe Grüße
Trippelschritt
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Trallala

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Re: Bestseller schreiben: Ja oder nein
« Antwort #12 am: 25 November 2017, 17:41:43 »
Lieber Trippelschritt,

Beim Bestsellerautor sind die Anforderungen an Erzählkunst, an den Stil und das Schreibhandwerk geringer. es genügt bereits, wenn er es einigermaßen hinbekommt. Er kann sich also die Mühe sparen, dort auf ein hihe Niveau zu kommen. Das zahlt sich nicht aus und kostet nur Zeit

da muss ich Dir ganz entschieden widersprechen.

Verwenden wir der Einfachheit halber die seit langer Zeit gesetzte Unterscheidung von U- und E-Literatur.
U - Unterhaltung, also das, von dem Du sagst, das macht die Bestseller.
E - Ernste Literatur, also die, die wegen ihrer Sprachgewalt die wichtigen Literaturpreise abräumen.

Und nun schauen wir uns die Top 10 der aktuellen Spiegel-Bestenliste an:

1. Dan Brown - U
2. Julie Zeh - E
3. Joachim Meyerhoff - würde ich zwischen U und E ansiedeln
4. Sebastian Fitzek - U
5. Daniel Kehlmann - E
6. Lucindia Riley - kenne ich nicht, aber vermutlich eher U
7. Robert Menasse - E
8. Ken Follet - U
9. Maja Lunde - E
10. Stephen King - U

Das hält sich doch ziemlich die Waage, oder?

T!



"Das mit dir und mir" - erschien am 1.12.14 bei dtv
"A Song about Love" - erschien am 1.7.15 bei BoD
"Das Zwillingsmatch" - erschien am 1.1.16 bei BoD
"Diese ganze Herzscheiße" - erschien am 15.3.17 bei amazon

"AT: Nur dieser eine Augenblick" - Krimi
"AT: Das Mädchen Maryam" - Jugendbuch

Trippelschritt

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Re: Bestseller schreiben: Ja oder nein
« Antwort #13 am: 25 November 2017, 18:33:59 »
Ich habe nicht von U und E gesprochen. Diese Einteilung hat mit meinen Überlegungen nichts zu tun. Überdies kenne ich viel zu wenig E Lieratur, um da mitreden zu können. Meine Beispiele habe ich alle aus dem U-Sektor genommen.

Liebe Grüße
Trippelschritt
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merin

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Re: Bestseller schreiben: Ja oder nein
« Antwort #14 am: 26 November 2017, 11:46:22 »
Ich denk schon auch in U und E. Und muss dringend mal Julie Zeh lesen. Ich glaube ja, dass es wichtig ist, viel E zu lesen, wenn man gut schreiben will. Ist wie beim Musizieren: Es bildet mein Gehör mehr, wenn ich hochwertige Musik höre.
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht.

Trippelschritt

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Re: Bestseller schreiben: Ja oder nein
« Antwort #15 am: 26 November 2017, 13:26:44 »
Wir kommen hier auf ein anderes Gleis oder werden für mich OT. Ich halte U Literatur der E Literatur nicht für grundsätzlich unterlegen. Schließlich sind Schillers Räuber reine U-Literatur. Es gibt in der U-Literatur exzellente Erzähler, die auch die leisen Zwischentöne beherrschen und ich habe auch gepriesene E-Literatur angelesen, die mir schlicht zu flach war.
Ich gebe aber gern zu, dass sich im U-Bereich jede Menge schlechter Autoren herumtummeln, die in dieser Form im E-Bereich nie einen Verlag finden würden. Und wenn man dann die Mittelwerte vergleicht, mag sich so ein Eindruck aufdrängen.
Gute Bücher gibt es in E und U, Bestseller auch, und schlechte Bücher ebenfalls. Aber es ist schwer eine Übersicht über E-Literatur zu gewinnen, wenn man nicht beruflich liest oder wie ich nur Autoren liest. Aber ich mag immerhin G. Berg, T. Morrison und A. Munro. Und wo stecke ich zwei weitere Autoren hin wie Jane Austen und Haruki Murakami. Ist für mich Genre, aber Murakami ist seit Jahren für den Nobelpreis im Gespräch. Oder sollte der E sein, weil er einfach eine Klasse für sich ist.

Ihr seht, es wird schwierig und es ist nicht mein Thema.

Liebe Grüße
Trippelschritt
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merin

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Re: Bestseller schreiben: Ja oder nein
« Antwort #16 am: 26 November 2017, 21:52:29 »
Ich glaube, dann habe ich nicht verstanden, was Dein Thema ist. Gibst Du mir Nachhilfe? :dontknow:
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Trippelschritt

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Re: Bestseller schreiben: Ja oder nein
« Antwort #17 am: 27 November 2017, 11:36:43 »
Und ich verstehe nicht, was E- und U-Literatur mit Qualität zu tun hat.

Mein Thema war, dass ein Schriftsteller irgendwann im Verlauf seines Lebens eine Grundsatzentscheidung treffen muss. Er muss mehrere treffen, aber eine kommt recht früh. Will er gute Bücher schreiben, also Bücher, dessen Schreiben ihm selbst etwas bedeutet, mit deren Qualität er zufrieden ist, für die er von anderen Schreibern Anerkennung bekommt. In Montsegur gibt es einen oder zwei threads dazu: "Mit dem Herzen schreiben" ist einer davon. Den anderen müsste ich suchen gehen.

Oder will er Bestseller schreiben. Der Grund für diese Entscheidung ist unter anderem, dass gute Bücher nicht automatisch Bestseller werden und Bestseller nicht unbedingt gut geschriebene Bücher sind.

Und weil das so ist, gibt es keine Strategie, mit der man beides angehen kann. Da gibt es Unterschiede in der Herangehensweise. Und das habe ich thematisiert.

Es gibt auch noch andere Entscheidungen. Eine davon ist E- oder U-Literatur oder die Wahl des Genres. Dabei möchte ich aber darauf hinweisen, dass es diesen "scharfen" Unterschied nicht überall auf der Welt gibt. Ich kann mit kaum vorstellen, dass in Deutschland ein SF-Autor oder ein Fantasy-Autor als einer der größten Schriftsteller des Landes gefeiert wird. Oder ein jugenbuchautor. M. Ende soll immer darunter gelitten habe, dass er nicht anerkannt wurde. Das ist in den USA beispielsweise nicht der Fall.

Kurzum, wer E-Literatur schreiben will und nur die, muss eine weitere Entscheidung treffen. Aber für die kann ich die wichtigsten Punkte nicht auflisten, weil ich nicht alle Kriterien kenne. Literaturwissenschaftler sollten da weiterhelfen können.

In diesem Sinne
Trippelschritt


Edit: https://commanderlara.wordpress.com/2017/08/15/gibt-es-ueberhaupt-noch-literatur/

Erfrischender Artikel oder Blogeintrag
« Letzte Änderung: 27 November 2017, 11:51:53 von Trippelschritt »
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kass

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Re: Bestseller schreiben: Ja oder nein
« Antwort #18 am: 27 November 2017, 19:13:56 »
Danke, Trippel, für den thread und auch für den Link.

Du und auch Christine, ihr beide sprecht mir aus der Seele. :daaanke:

vielleicht komme ich die Tage auch noch dazu, einen ausführlicheren Kommentar abzugeben zu den einzelnen Punkten. Ach ja, ich hatte mir mal wieder das Buch von dem Agenten von Ken Follet zu Gemüte geführt, bzw. quergelesen. Hab mir ein paar Notizen gemacht. Die passen ja gerade schön hier rein:

Zitat
Albert Zuckerman (Agent von Ken Follet): Bestseller.

Was man braucht: Energie, Willensstärke und Mut; sture Hartnäckigkeit, Zeit und jede Menge Fleiß; Liebe zur Sprache, zum Eintauchen in Diskussionen über Grammatik; ein instinktiver Blick fürs Detail; ein eigener Ton ist zwar ganz schön, für einen Bestseller aber nicht erforderlich.

Wenn ein Autor nicht bereit ist, ein Rohmanuskript von 500 – 800 Seite beiseite zu legen und wieder bei Seite 1 anzufangen, wird nicht erfolgreich werden. Szenen und Kapitel streichen, Personen, Beziehungen und Schauplätze ändern, Konflikte und Höhepunkte zuspitzen, das alles braucht man, um dann den Spannungsbogen zu erhalten, der den Leser von der ersten bis zur letzen Seite fesselt.

Ingredenzien: Es geht ums Ganze – echtes Drama; larger-than-life characters;
eine hochdramatische Ausgangssituation – bizarre, unerwartete Wendungen in der Handlung, die zu immer neuen Konflikten führen.

Ach ja: Ein Autor, der erfolgreich sein will, sollte besser keinen Entwicklungsroman schreiben.

Perspektive: bloß nicht allwissend erzählen. Also personeller Erzähler. Zuckerman meint, wenn nur ein oder zwei Perspektiven zur Verfügung stehen, dann ist es schwierig, ein dramatisches Beziehungsgeflecht und einen anspruchsvollen Plot aufzubauen. Es sollten daher mindestens drei oder vier Hauptfiguren sein. Maximum: sieben oder acht. Alles andere überfordert den Leser.
Das gilt natürlich nicht für Liebesromane. (Und ist wie alles andere sowieso nicht allgemeingültig, denn es gibt ja immer Ausnahmen)
Hintergrund: Hat man beispielsweise 3 oder 4 Hauptfiguren, zwei Männer und zwei Frauen, dann ist die Trefferquote für Identifikation des Lesers mit mindestens einer der Hauptfiguren höher als bei nur ein oder zwei Figuren. Zielt also auf breite Leserschaft ab.

Alle großen Geschichten sind Familiengeschichten. Ist natürlich auch ganz einfach: Ein Mord von einem Fremden an einem Fremden ist halt nicht so packend wie der Mord eines Vaters an seinem Sohn. Generell geht es natürlich nicht nur um Familien, sondern um Beziehungen zwischen den Figuren.

Und jetzt stehe ich da, und will mich eigentlich mal ne Runde von allem verabschieden. Einfach wieder Spaß am Schreiben haben, keinen Kopf mehr machen um Handwerk, besser werden, um Marketing und Leser. Will mir nicht mehr den Kopf zermartern, wie ein Dialog noch besser gestaltet werden kann. Es muss einfach nicht perfekt sein. Es soll einfach nur Spaß machen zu lesen.

Leicht fällt mir das nicht, aber ich habs mir fest vorgenommen.

In diesem Sinne

Liebe Grüße
Kass
Merkzettel für mich: Nicht ins Höllenfenster stellen!
(Experiment für Gedächtnistraining, Klappe 1)

merin

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Re: Bestseller schreiben: Ja oder nein
« Antwort #19 am: 27 November 2017, 21:28:57 »
Ich musste erstmal nachdenken, wie das bei mir ist. Mich interessiert U und E nämlich nicht besonders, oft weiß ich auch nicht, in welche Sparte ein Text, der mir gefällt, gehört. Aber natürlich ist die Frage, was ein guter Text ist und woran man ihn erkennt, ja auch nicht nur eine Geschmackssache.

Für mich persönlich war es lange enorm quälend, dass ich, wie Christine, meinte, meinen Ansprüchen nicht genügen  zu können. Ein Sci-Fi-Projekt anzufangen und den Anspruch runterzuschrauben hat mir geholfen. Trotzdem ist es natürlich so, dass ich gute Bücher schreiben will und mir das wichtiger ist, als damit Geld zu verdienen. LeserInnen hätte ich aber schon gern ein paar.
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht.

Trippelschritt

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Re: Bestseller schreiben: Ja oder nein
« Antwort #20 am: 28 November 2017, 07:22:07 »
Mir ging es ähnlich. Nachdem ich bereits zwei Romane geschrieben hatte (für die Schublade), habe ich erst einmal Kurzgeschichten geschrieben für länger als ein Jahr. Das war weniger Text, überschaubar und ich konnte mich auch mal auf einzelne Dinge beschränken. Im Roman hat man ja immer die volle Breite der Methodik.
Das hat mir und meinem Schreiben sehr gut getan. Vor allem, weil ich in den Kurzgeschichten auch mal den Ehrgeiz weggelassen und mich mit ganz einfachen Ideen beschäftigt habe.

Daumen drück
Trippelschritt

Edit: Übrigens, noch ein Superbeispiel für einen SF-Bestseller von jemandem, der eigentlich kein Romanautor ist und dem man das anmerkt, obwohl er Chinas führende SF Autor ist. Aber er hat eine Geschichte zu erzählen und was für eine. Ci Xin Liu beginnt seinen dreibändigen Riesenschinken mit dem Band The three Body Problem. Damit gewann er den Hugo 2015. Ein übersetzter Band gewinnt den Hugo. Wahnsinn.


Ich weiß nicht, ob es eine deutsche Übersetzung gibt.
« Letzte Änderung: 28 November 2017, 09:31:56 von Trippelschritt »
Wer bin ich, wer war ich, wer werde ich sein?

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Re: Bestseller schreiben: Ja oder nein
« Antwort #21 am: 30 November 2017, 08:12:43 »
Vielleicht kannst Du das Werk ja mal aufspießen? Klingt spannend.
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Re: Bestseller schreiben: Ja oder nein
« Antwort #22 am: 30 November 2017, 12:59:36 »
Besser nicht, denn dafür solltet ihr ebenfalls diese Schinken gelesen haben. Aber ich kann zumindest ein paar Worte dazu sagen, obwohl Band 3 bei mir noch auf Halde liegt.

Es geht um die Begegnung der Erde mit einer anderen außerirdischen Kultur, die die Erde für sich erobern möchte, weil ihre eigene Welt keine Zukunft mehr hat. Ein uraltes Thema, aber dieses Mal intelligent gelöst. Ja, so etwas könnte passieren.
Das three body Problem hat etwas mit Chaostheorie zu tun, was das bedeutet wurde in die Idee eines Computerspiels oder einer Simulation übertragen, die dann doch nicht nur ein Spiel ist. Eine andere alte Idee, aber nicht zu vergleichen mit der Welt am Draht oder so einfachen Geschichten. Und die waren damals schon innovativ.
Gleichzeitig schreibt der Autor über China. Es ist eine Politikkritik, aber da er immer noch in China arbeiet und lebt, ist es wohl eine, die die Partei nicht stört.
Und das alles geht bereits im ersten Band los.

Um die Sache als Roman zu beurteilen, müsste der Autor ihn für mich zunächst einmal kürzen. Eine seiner Schwächen ist, dass er keine erfundenen Welten so beschreiben kann, dass man in sie eintaucht. Da könnte er von der LeGuin lernen, wie man das macht.
Bei dem Rest der Kritik halte ich mich zurück, weil die Englische Version ja bereits eine Übersetzung ist. Aber die Gedankentiefe der Geschichte ist ungeheuerlich. Und das sollte bei SF ja auch eigentlich sein.

Liebe Grüße
Trippelschritt
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