19 Mai 2019, 11:31:38

Autor Thema: Neuer Schüler  (Gelesen 1594 mal)

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Oldlady

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Neuer Schüler
« am: 17 Juli 2018, 15:04:31 »
Rööstgut!
Hier ein Kapitel aus meinem aktuellen Fantasy-Projekt.

Meine Fragen dazu hinterher.

Tupkor drehte den Anhänger mit dem Symbol des Feuergottes Uschur zwischen seinen Fingern. Der Händler hatte behauptet, die Dämonen würden sich nicht an dieses Zeichen heranwagen. Womit er verflucht noch mal Recht gehabt hatte. Das Amulett war alles, was von seiner Lona übriggeblieben war.
Zehn Jahre war das jetzt her. Er hatte wochenlang nach ihr gesucht und den Anhänger nur eine halbe Stunde von der Stadt entfernt in den Hügeln gefunden. Vielleicht hatte sie sich verirrt oder war plötzlich krank geworden – es gab viele Erklärungen, warum sie es nicht mehr vor Einbruch der Dunkelheit nach Hause geschafft hatte.
Tupkor nahm einen tiefen Zug aus dem Weinkrug und schob den Tisch ein Stückchen weiter weg, um mehr Platz für seinen Bauch zu schaffen.
Das Leben war öde ohne Lona. Zur Zeit gab es auch bei seinen Zöglingen nichts Aufregendes. Alles Idioten. Kein Mut, kein Talent.
Er blickte über den Hinterhof, in dem sich Müll und Gerätschaften stapelten, die er längst hätte reparieren sollen. Hühner pickten im Dreck, die Sonne brannte auf seine Glatze. Er sollte eine Mütze aufsetzen oder ins Haus gehen. Und es war Zeit fürs Mittagessen.
Noch ein Schluck. Der Rotwein, das Beste hier in Zuighera, rann seine Kehle hinab wie Feuer und Samt. Er stellte den Krug ab und legte die Stirn auf seine Arme. Einfach einschlafen und alles vergessen …
Das Tappen von Schritten, keuchender Atem, die Hühner gackerten aufgeregt.
Tupkor fuhr zusammen, richtete sich auf und blinzelte in die Sonne. Im Gegenlicht stand eine kleine Gestalt - ein Kind.
“Ich will bei dir lernen", sagte es mit piepsiger Stimme.
Schon wieder ein Junge, der von seinem Ruf gehört hatte. Tupkor schaute genauer hin. Eine geflickte braune Tunika, kurzes hellblondes Haar – eine Seltenheit. Vielleicht war er ein Nachkomme von Sklaven aus den nördlichen Ländern.
"Du platzt einfach hier rein und weckst mich. Hmm. Das gehört sich nicht", sagte Tupkor.
"Tut mir leid. Wann kann ich bei dir anfangen?"
"Komm morgen wieder. Mit deinem Papa und einem Sack voll Gold.“
„Ich werde viel verdienen, wenn ich erst in der Arena bin. Ich gebe dir dann einen Anteil.“
Das Kerlchen war höchstens zehn Jahre alt. Eigentlich  genau richtig für den Beginn des Trainings.
Tupkors Blick glitt gewohnheitsmäßig über seine Figur. Lange Beine, aber eher schmal gebaut – nicht gut. Ein ovales Gesicht mit hohen Wangenknochen und schräg stehenden, eisblauen Augen, dazu auffällig dunkle Brauen. Schön. Exotisch. Das wurde in der Arena gern gesehen – von Frauen und gewissen Männern.  Wenn er dort eine Weile überlebte, würde er viele Anhänger haben und gut verdienen. Aber die Chance, dass sich seine Ausbildung irgendwann für Tupkors Beutel lohnen würde, war minimal. Er hätte eine Menge Arbeit mit ihm, selbst dann, wenn sich der Körper des Jungen noch gut entwickelte und er begabt war.   
„Verschwinde. Ich unterrichte keine Bauernkinder.“
„Ich kann jetzt schon gut Messerwerfen“ – er deutet auf den Griff, der aus einer Lederscheide an seinem Gürtel ragte – „und mit meinem Bogen treffe ich Kaninchen, die weit weg sind. Das mit dem Schwert lerne ich auch noch.“
Tupkor hatte genug. „Raus hier! Sofort!“
Der Junge zuckte zurück, blieb aber stehen.
Tupkor stemmte sich an der Tischplatte hoch, richtete sich zu seiner vollen Größe auf und brüllte: „Du. Gehst. Jetzt.“
Sein Gegenüber zitterte am ganzen Körper, rührte sich aber nicht von der Stelle.
Der Kleine war nicht so blöd, keine Angst vor Tupkor zu haben – das war echter Mut.
„Ich will dir erst zeigen, was ich kann“, sagte er.
Vielleicht … Tupkor deutete auf eine Gruppe von Hühnern, die am gegenüberliegenden Ende des Hofs scharrten und herumflatterten. „Das braune da mit dem weißen Kopf, das ist mein Abendessen. Wenn du ein anderes erwischst, prügle ich dich, bis du nicht mehr laufen kannst.“
Kaum hatte er ausgeredet, flog ein Messer. Und blieb im prallen Rucksack eines Mannes stecken, der in den Hof hineinrannte.
Der Neuankömmling schien nicht einmal zu bemerken, welcher Gefahr er entgangen war. Keuchend blieb er vor Tupkor stehen. „Entschuldige, Herr, ich suche mein Kind!“
Er griff nach dem Jungen, aber der duckte sich weg, rannte zur Wassertonne, sprang mit einem Satz hinauf und kletterte auf das weit herabgezogene Dach.
Tupkor brach in Gelächter aus. „Er sollte ein Huhn erlegen, keinen Rucksack! Du hast Glück gehabt, Mann!“ Er zog das Messer aus dem Stoff des Sacks, der nach geräuchertem Fisch stank, und warf es in hohem Bogen aufs Dach. Es landete ein paar Meter von dem Jungen entfernt.
Er huschte über die schiefe Ebene aus Ziegeln, bückte sich, Metall blitzte, die Hühner stoben gackernd auseinander.
Tupkors Abendessen rührte sich nicht mehr.
Eine hervorragende Leistung für ein Kind.
Der Papa des Jungen stand mit offenem Mund da. Tupkor schlug ihm auf die Schulter, dass er in die Knie ging, und erklärte: „Ich würde deinen Sohn gern unterrichten. Hmm. Über die Bedingungen müssen wir noch verhandeln.“
Der Junge hüpfte vom Dach und fing den Sprung weich in den Knien ab.
„Sohn – äh, Sohn?“, fragte sein Papa.
„Siehst du hier sonst noch irgendwelche Kinder?“, gab Tupkor zurück.
Der Mann starrte ihn blöde an. „Nein, aber … aber das ist meine Tochter!“

Es war dumm zu lachen, Papa würde sich nur noch mehr ärgern, er war sowieso stinksauer, weil sie ihm auf dem Markt davongelaufen war. Aber sein Gesicht war einfach zu komisch. Und dann der zu einem Viereck aufgesperrte Mund des riesigen Glatzkopfs, dem die halbe Nase fehlte!
Natürlich unterrichtete er nur Jungen. Wenn er gleich gemerkt hätte, dass sie ein Mädchen war, hätte er sie nicht einmal angehört. Es war eine gute Idee gewesen, sich die Haare abzuschneiden. Sie hatte gestern deshalb kein Abendessen bekommen – halb so schlimm.
Tupkors Mund klappte zu. Dann sagte er langsam: „Ein Mädchen? Was ist das für eine Geschichte?“
Papa fand plötzlich seine Sprache wieder. „Leider stimmt es. Sie ist ein bisschen seltsam. Hat verrückte Ideen. So, und jetzt gehen wir, Jandra.“ Er packte ihren Arm so fest, dass es wehtat.
„Einen Moment.“ Tupkor befreite sie mit einer schnellen Bewegung aus Papas Griff. „Ich hätte da noch ein paar Fragen.“
„Ich habe keine Zeit“, erwiderte Papa. „Ich muss zurück zum Markt und meine Ware verkaufen.“
Tupkor packte ihn am Kragen, schleppte ihn zum Eingang des Hauses und schob ihn hinein.
Jandra folgte den beiden in einen Raum mit mehreren Türen, der fünfmal so groß war wie das Zimmer, in dem ihre Familie lebte. Es roch nach Waffenöl, Schweiß und Leder. Durch mehrere Fensteröffnungen fiel Sonnenlicht auf einen Tisch und Stühle aus Pinienholz. In einem Wandregal lagerten eiserne Helme und allerlei Gerätschaften, deren Zweck Jandra nicht kannte; in offenen Gestellen hingen gepolsterte Brustpanzer, hölzerne Dolche und Schwerter.
Tupkor drückte Papa auf einen der Stühle und setzte sich ihm gegenüber. „Wie heißt du?“
„Framle. Und das ist Jandra. Aber – “
„Wir reden also über ein Mädchen. Das ändert die Sache“, fuhr Tupkor fort.
„Ich will trotzdem kämpfen lernen!“ rief Jandra aus.
Tupkor kratzte sich in der Speckfalte seines Nackens. „Egal wie geschickt und schnell du bist, du wirst nie so stark sein wie ein junger Mann. Hmm.“ Plötzlich spaltete ein Lächeln sein breites Gesicht. „Aber das macht nichts. Ich könnte dich trotzdem zu einer Attraktion in der Arena machen. Noch nie hat dort eine Frau gekämpft … die Leute würden in Scharen kommen. Um zuzusehen, wie du verlierst.“
Jandra wollte schon protestieren, aber dann hielt sie den Mund. Hauptsache, Tupkor war bereit, ihr etwas beizubringen. 
Papa starrte den Glatzkopf an, als wäre er ein Fisch mit Hasenohren. Er begriff immer noch nicht, worum es hier ging. Dabei hatte er sicher schon von dem ehemaligen Gladiator gehört – jeder in Zuighera kannte ihn.
„Normalerweise ist die Ausbildung bei mir teuer“ , fuhr Tupkor fort. „Aber bei Jandra würde ich eine Ausnahme machen. Ich werde sie ohne Bezahlung trainieren.“
„Wir wohnen zwei Stunden Fußmarsch von hier entfernt!“, protestierte Papa.
„Ich habe genug Platz hier im Haus, und das bisschen Essen spielt keine Rolle.“
Papa musterte Tupkor, als wäre er ein gefährliches Tier. „Ausgeschlossen. Gerade weil sie ein Mädchen ist, werde ich das nicht erlauben.“
Tupkor runzelte die Stirn. „Hmm. ich verstehe.“
Jandra sah ihre Felle davonschwimmen. „Bechtis wohnt doch hier in Zuighera. Sie ist nett. Wenn Tupkor ihr dafür zahlt, dass ich bei ihr wohne …“
„Die Heilerin?“, sagte Tupkor. „Die kommt oft hierher und flickt meine Schüler wieder zusammen, wenn sie beim Training Mist gebaut haben. Und sie ist ... „ Er verstummte und kratzte sich am Ohr. Was hatte er da nicht sagen wollen? „Hmm. Ja. Sie wäre ideal“, fuhr er fort. „Sie lebt allein und hat keine Kinder. Wäre das in Ordnung, Framle?“
Papa überlegte, dann nickte er. „Bechtis ist eine gute Frau. Wenn sie einverstanden ist ... Aber was hast du eigentlich davon, wenn du Jandra als Schülerin aufnimmst?“
Tupkor grinste. „Eine vernünftige Frage. Sie wird mir dienen, bis sie 25 Jahre alt ist. Und mir drei Viertel ihrer Einkünfte abgeben.“
Papa runzelte die Stirn. „Dienen – was heißt das?“
„Sie wird für Geld kämpfen. Sonst nichts.“

1) - Ist es glaubhaft, dass Tupkor sich darauf einlässt, das Mädchen auszubilden?
2). - Welchen Eindruck macht Jandra auf Euch?
- Sonstige Anmerkungen sind mir natürlich willkommen.

tlt

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #1 am: 17 Juli 2018, 16:12:04 »
Tupkor drehte den Anhänger mit dem Symbol des Feuergottes Uschur zwischen seinen Fingern. Der Händler hatte behauptet, die Dämonen würden sich nicht an dieses Zeichen heranwagen. Womit er verflucht noch mal Recht gehabt hatte. Das Amulett war alles, was von seiner Lona übriggeblieben war. Hier fehlt mir eine Erklärung. Wer ist/war Lona? Warum war sie weg? Warum war es so gefährlich außerhalb der Stadt. Oder war es das gar nicht?
Zehn Jahre war das jetzt her. Er hatte wochenlang nach ihr gesucht und den Anhänger nur eine halbe Stunde von der Stadt entfernt in den Hügeln gefunden. Vielleicht hatte sie sich verirrt oder war plötzlich krank geworden – es gab viele Erklärungen, warum sie es nicht mehr vor Einbruch der Dunkelheit nach Hause geschafft hatte.
Tupkor nahm einen tiefen Zug aus dem Weinkrug und schob den Tisch ein Stückchen weiter weg, um mehr Platz für seinen Bauch zu schaffen.
Das Leben war öde ohne Lona. Zurzeit gab es auch bei seinen Zöglingen nichts Aufregendes. Alles Idioten. Kein Mut, kein Talent.
Er blickte über den Hinterhof, in dem sich Müll und Gerätschaften stapelten, die er längst hätte reparieren sollen. Hühner pickten im Dreck, die Sonne brannte auf seine Glatze. Er sollte eine Mütze aufsetzen oder ins Haus gehen. Und es war Zeit fürs Mittagessen.
Noch ein Schluck. Der Rotwein, das Beste hier in Zuighera, rann seine Kehle hinab wie Feuer und Samt. Er stellte den Krug ab und legte die Stirn auf seine Arme. Einfach einschlafen und alles vergessen …
Das Tappen von Schritten, keuchender Atem, die Hühner gackerten aufgeregt.
Tupkor fuhr zusammen, richtete sich auf und blinzelte in die Sonne. Im Gegenlicht stand eine kleine Gestalt - ein Kind.
“Ich will bei dir lernen", sagte es mit piepsiger Stimme.
Schon wieder ein Junge, der von seinem Ruf gehört hatte. Tupkor schaute genauer hin. Eine geflickte braune Tunika, kurzes hellblondes Haar – eine Seltenheit. Vielleicht war er ein Nachkomme von Sklaven aus den nördlichen Ländern.
"Du platzt einfach hier rein und weckst mich. Hmm. Das gehört sich nicht", sagte Tupkor.
"Tut mir leid. Wann kann ich bei dir anfangen?"
"Komm morgen wieder. Mit deinem Papa und einem Sack voll Gold.“
„Ich werde viel verdienen, wenn ich erst in der Arena bin. Ich gebe dir dann einen Anteil.“
Das Kerlchen war höchstens zehn Jahre alt. Eigentlich  genau richtig für den Beginn des Trainings.
Tupkors Blick glitt gewohnheitsmäßig über seine Figur. Lange Beine, aber eher schmal gebaut – nicht gut. Ein ovales Gesicht mit hohen Wangenknochen und schräg stehenden, eisblauen Augen, dazu auffällig dunkle Brauen. Schön. Exotisch. Das wurde in der Arena gern gesehen – von Frauen und gewissen Männern.  Wenn er dort eine Weile überlebte, würde er viele Anhänger haben und gut verdienen. Aber die Chance, dass sich seine Ausbildung irgendwann für Tupkors Beutel lohnen würde, war minimal. Er hätte eine Menge Arbeit mit ihm, selbst dann, wenn sich der Körper des Jungen noch gut entwickelte und er begabt war.   
„Verschwinde. Ich unterrichte keine Bauernkinder.“
„Ich kann jetzt schon gut Messerwerfen“ – er deutet auf den Griff, der aus einer Lederscheide an seinem Gürtel ragte – „und mit meinem Bogen treffe ich Kaninchen, die weit weg sind. Das mit dem Schwert lerne ich auch noch.“
Tupkor hatte genug. „Raus hier! Sofort!“
Der Junge zuckte zurück, blieb aber stehen.
Tupkor stemmte sich an der Tischplatte hoch, richtete sich zu seiner vollen Größe auf und brüllte: „Du. Gehst. Jetzt.“
Sein Gegenüber zitterte am ganzen Körper, rührte sich aber nicht von der Stelle.
Der Kleine war nicht so blöd, keine Angst vor Tupkor zu haben – das war echter Mut.
„Ich will dir erst zeigen, was ich kann“, sagte er.
Vielleicht … Tupkor deutete auf eine Gruppe von Hühnern, die am gegenüberliegenden Ende des Hofs scharrten und herumflatterten. „Das braune da mit dem weißen Kopf, das ist mein Abendessen. Wenn du ein anderes erwischst, prügle ich dich, bis du nicht mehr laufen kannst.“
Kaum hatte er ausgeredet, flog ein Messer. Und blieb im prallen Rucksack eines Mannes stecken, der in den Hof hineinrannte. Nette Geschichte, aber wenn er/sie so gut mit dem Messer wäre, dann wäre das nicht passiert.
Der Neuankömmling schien nicht einmal zu bemerken, welcher Gefahr er entgangen war. Keuchend blieb er vor Tupkor stehen. „Entschuldige, Herr, ich suche mein Kind!“
Er griff nach dem Jungen, aber der duckte sich weg, rannte zur Wassertonne, sprang mit einem Satz hinauf und kletterte auf das weit herabgezogene Dach.
Tupkor brach in Gelächter aus. „Er sollte ein Huhn erlegen, keinen Rucksack! Du hast Glück gehabt, Mann!“ Er zog das Messer aus dem Stoff des Sacks, der nach geräuchertem Fisch stank, und warf es in hohem Bogen aufs Dach. Es landete ein paar Meter von dem Jungen entfernt.
Er huschte über die schiefe Ebene aus Ziegeln, bückte sich, Metall blitzte, die Hühner stoben gackernd auseinander.
Tupkors Abendessen rührte sich nicht mehr.
Eine hervorragende Leistung für ein Kind.
Der Papa Aus Erzählersicht eher „Vater“ des Jungen stand mit offenem Mund da. Tupkor schlug ihm auf die Schulter, dass er in die Knie ging, und erklärte: „Ich würde deinen Sohn gern unterrichten. Hmm. Über die Bedingungen müssen wir noch verhandeln.“
Der Junge hüpfte vom Dach und fing den Sprung weich in den Knien ab.
„Sohn – äh, Sohn?“, fragte sein Papa.
„Siehst du hier sonst noch irgendwelche Kinder?“, gab Tupkor zurück.
Der Mann starrte ihn blöde an. „Nein, aber … aber das ist meine Tochter!“

Es war dumm zu lachen, Papa würde sich nur noch mehr ärgern, er war sowieso stinksauer, weil sie ihm auf dem Markt davongelaufen war. Schwierig, weil sich hier die Perspektive ändert Aber sein Gesicht war einfach zu komisch. Und dann der zu einem Viereck aufgesperrte Mund des riesigen Glatzkopfs, dem die halbe Nase fehlte!
Natürlich unterrichtete er nur Jungen. Wenn er gleich gemerkt hätte, dass sie ein Mädchen war, hätte er sie nicht einmal angehört. Es war eine gute Idee gewesen, sich die Haare abzuschneiden. Sie hatte gestern deshalb kein Abendessen bekommen – halb so schlimm.
Tupkors Mund klappte zu. Dann sagte er langsam: „Ein Mädchen? Was ist das für eine Geschichte?“
Papa fand plötzlich seine Sprache wieder. „Leider stimmt es. Sie ist ein bisschen seltsam. Hat verrückte Ideen. So, und jetzt gehen wir, Jandra.“ Er packte ihren Arm so fest, dass es wehtat.
„Einen Moment.“ Tupkor befreite sie mit einer schnellen Bewegung aus Papas hier ändert sich die Perspektive wieder, da stimmt das „Papas“ nicht mehr Griff. „Ich hätte da noch ein paar Fragen.“
„Ich habe keine Zeit“, erwiderte Papa. „Ich muss zurück zum Markt und meine Ware verkaufen.“
Tupkor packte ihn am Kragen, schleppte ihn zum Eingang des Hauses und schob ihn hinein.
Jandra folgte den beiden in einen Raum mit mehreren Türen, der fünfmal so groß war wie das Zimmer, in dem ihre Familie lebte. Es roch nach Waffenöl (den Begriff nutzt man eigentlich nur für Schusswaffen), Schweiß und Leder. Durch mehrere Fensteröffnungen fiel Sonnenlicht auf einen Tisch und Stühle aus Pinienholz. In einem Wandregal lagerten eiserne Helme und allerlei Gerätschaften, deren Zweck Jandra nicht kannte; in offenen Gestellen hingen gepolsterte Brustpanzer, hölzerne Dolche und Schwerter.
Tupkor drückte Papa auf einen der Stühle und setzte sich ihm gegenüber. „Wie heißt du?“
„Framle. Und das ist Jandra. Aber – “
„Wir reden also über ein Mädchen. Das ändert die Sache“, fuhr Tupkor fort.
„Ich will trotzdem kämpfen lernen!“, rief Jandra aus.
Tupkor kratzte sich in der Speckfalte seines Nackens. „Egal wie geschickt und schnell du bist, du wirst nie so stark sein wie ein junger Mann. Hmm.“ Plötzlich spaltete ein Lächeln sein breites Gesicht. „Aber das macht nichts. Ich könnte dich trotzdem zu einer Attraktion in der Arena machen. Noch nie hat dort eine Frau gekämpft … Die Leute würden in Scharen kommen. Um zuzusehen, wie du verlierst.“
Jandra wollte schon protestieren, aber dann hielt sie den Mund. Hauptsache, Tupkor war bereit, ihr etwas beizubringen. 
Papa starrte den Glatzkopf an, als wäre er ein Fisch mit Hasenohren. Er begriff immer noch nicht, worum es hier ging. Dabei hatte er sicher schon von dem ehemaligen Gladiator gehört – jeder in Zuighera kannte ihn.
„Normalerweise ist die Ausbildung bei mir teuer“ , fuhr Tupkor fort. „Aber bei Jandra würde ich eine Ausnahme machen. Ich werde sie ohne Bezahlung trainieren.“
„Wir wohnen zwei Stunden Fußmarsch von hier entfernt!“, protestierte Papa.
„Ich habe genug Platz hier im Haus, und das bisschen Essen spielt keine Rolle.“
Papa musterte Tupkor, als wäre er ein gefährliches Tier. „Ausgeschlossen. Gerade weil sie ein Mädchen ist, werde ich das nicht erlauben.“
Tupkor runzelte die Stirn. „Hmm. Ich verstehe.“
Jandra sah ihre Felle davonschwimmen. „Bechtis wohnt doch hier in Zuighera. Sie ist nett. Wenn Tupkor ihr dafür zahlt, dass ich bei ihr wohne …“
„Die Heilerin?“, sagte Tupkor. „Die kommt oft hierher und flickt meine Schüler wieder zusammen, wenn sie beim Training Mist gebaut haben. Und sie ist ... „ Er verstummte und kratzte sich am Ohr. Was hatte er da nicht sagen wollen? „Hmm. Ja. Sie wäre ideal“, fuhr er fort. „Sie lebt allein und hat keine Kinder. Wäre das in Ordnung, Framle?“
Papa überlegte, dann nickte er. „Bechtis ist eine gute Frau. Wenn sie einverstanden ist ... Aber was hast du eigentlich davon, wenn du Jandra als Schülerin aufnimmst?“
Tupkor grinste. „Eine vernünftige Frage. Sie wird mir dienen, bis sie 25 Jahre alt ist. Und mir drei Viertel ihrer Einkünfte abgeben.“
Papa runzelte die Stirn. „Dienen – was heißt das?“
„Sie wird für Geld kämpfen. Sonst nichts.“

1) - Ist es glaubhaft, dass Tupkor sich darauf einlässt, das Mädchen auszubilden?
Ja, das kommt für mich schon rüber
2). - Welchen Eindruck macht Jandra auf Euch?
Das weiß ich noch nicht. Sie ist aufgeweckt, lebendig, intelligent. Aber ihre Motivation, warum sie kämpfen lernen will, erfährt man nicht.

- Sonstige Anmerkungen sind mir natürlich willkommen.
Den Einstieg mit Lona finde ich hier eher störend. Mir ist klar, dass das noch wichtig wird. Aber für mich passt es hier nicht her. 
Ich bin zu alt für das alles.

Oflinitrium

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #2 am: 19 Juli 2018, 01:00:29 »
Puh schwierges Ding....

1) - Ist es glaubhaft, dass Tupkor sich darauf einlässt, das Mädchen auszubilden?
Kann ich pauschal nicht wirklich beantworten, da ich Tupkor noch nicht gut genug kenne. Es scheint für ihn zum Alltag zu gehören Jungs auszubilden und ich mag wie er versucht Jandras Wert abzuschätzen, aber aus dem Gespräch wie es jetzt ist finde ich es etwas viel, wie er Jandras Vater auf einmal überredet sie bei ihm zu lassen. Mir fehlt da ein bisschen das Gefühl der Begeisterung bei ihm. Ließe sich vielleicht gut einbauen in dem Moment als er hört, dass Jandra ein Mädchen ist und sich die Phantasie der ersten Gladiatress in seinen Kopf setzt. Ich finde du stehst dir an der Stelle etwas mit dem Perspektivwechsel im Weg.

2). - Welchen Eindruck macht Jandra auf Euch?
Entschlossen, auf kindische Art mutig und manipulativ... ich hoffe ihr Motiv warum sie Gladiatress werden will wird gut beleuchtet.

Sonstige Anmerkungen:
Einerseits mag ich wie du aus Kinderaugen schreibst und es wird interessant sein zu sehen wie sich die Kindersicht im Verlauf der Geschichte ändert, andererseits tue ich mir schwer mit dem Perspektivwechsel und dem dauernden "Papa". Auch wenn mir keine gute Alternative dafür einfällt. Vater wäre etwas distanzierter und respektvoller aber angenehmer zu lesen. Da du es durchziehen müsstest aus ihrer Sicht immer so zu schreiben (solange sie klein ist) könnte es sein, dass man sich dran gewöhnt, es noch störender wird, oder es nur in der aktuellen Szene so stark auffällt, weil es etwas anderes ist. Ich kann mir auhc gut vorstellen, dass es später einen guten Kontrast darstellt, wenn sie jeden beim Namen nennt und nur ihren Vater bei gelegentlichen Besuchen mit "Papa" tituliert. Bin da also echt zwiegespalten.

Das sind so meine Gedankengänge nach dem ersten lesen... Ob da jetzt etwas hilfreiches dabei war :dontknow:
Die Werke die ich am meisten liebe, sind gleichzeitig die, die ich am meisten kritisiere. Im Grunde ist es so, dass eine ausführliche Kritik meinerseits auch eine Anerkennung und ein Glückwunsch ist, denn wenn es einfach nur schlecht wäre, würde ich mir gar keine Gedanken darüber machen.

Viskey

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #3 am: 19 Juli 2018, 12:49:25 »
Hey!

Ach, da freu ich mich, von dir mal was in einem Genre zu lesen, das meinen persönlichen Vorlieben sehr viel mehr liegt als Krimi ...  :cheer:


1) - Ist es glaubhaft, dass Tupkor sich darauf einlässt, das Mädchen auszubilden?
Da bin ich etwas zwigespalten. Einerseits, ja, warum nicht. Er hält ja nicht mit seinem Motiv hinterm Berg: Er verspricht sich Profit von so einer Kuriosität.
Andererseits geht es mir ein bisschen zu schnell von "Ein Mädchen, never-erver" zu "Hach ja, bringt Kies".  Jetzt liest es sich fast so, als hätte er eh schon die längste Zeit auf ein Mädchen gewartet, das sich den Stress und die Arbeit antun möchte.

2). - Welchen Eindruck macht Jandra auf Euch?
Ein zielstrebiges Kind, das weiß, was es kann und was es will. Ihr macht man so schnell nichts vor, sie ist schlau und durchaus auch manipulativ. - Vor allem letzteres rettet sie in meinen Augen vor dem Heldinnen-Klischee, wo die Frauen ja eher unbeabsichtigt in die Heldenrolle hineinrutschen und dann erst mal keine Ahnung haben, was sie da jetzt tun sollen.


3. - Was mir sonst noch so aufgefallen ist ...
Was mir sonst noch aufgefallen ist, sind v.a. zwei Dinge:
  • Das Tempo, mit dem der Vater seine Tochter weggibt - weil viel wird er von der nicht mehr sehen, wenn sie erst mal im Training steckt.
    Er scheint zu seiner Tochter eine emotionale Bindung zu haben wie andere Leute zu ihren Schuhen. Dass Jandra Tupkor in irgendeiner Weise gestört u/o belästigt haben könnte, ruft bei ihm eine stärkere Reaktion hervor als die Aussicht, sein Kind in den nächsten Jahren nur noch sporadisch zu sehen.
  • Bechtis, über deren Beteiligung hier einfach mal so bestimmt wird. Auch wenn Frauen in dieser Gesellschaft schlecht dastehen sollten, sie ist eine Heilerin, und es macht schon den Eindruck, als wäre sie eine angesehene Persönlichkeit der Stadt bzw. sogar der ganzen Region. Über so jemanden bestimmt man nicht einfach. - Und wenn doch, muss das hier thematisiert werden. Irgendwie. So finde ich es jedenfalls viel zu schnell abgefertigt. - Spielt übrigens auch in den vorigen Punkt hinein, dass dem Vater nichts an seiner Tochter zu liegen scheint. Stopfen mer se halt wo rein. Solang sie nicht als Sex-Slavin endet, is alles gut. - Und diese Sicherheit sehe ich hier aus der Vater-Perspektive nicht gegeben. Als Leser kann ich ja in Tupkors Kopf reinschauen und glaub ihm, dass zumindest er keine solchen Absichten hat. Aber wie kann er sie vor den anderen Schülern beschützen? Vor anderen Kämpfern, irgendwelchen dahergelaufenen Trotteln mit dreckigen Fantasien?
    Äh, ich verheddere mich, und Mittagspause ist eh auch schon wieder rum.

LG Viskey

"There is no such thing as bad work, just unfinished work." - Eric Idle

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Naleesha

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #4 am: 19 Juli 2018, 17:09:05 »
Hallo,

Ich freue mich, mal etwas von dir zu lesen, dass sich komplett in meinem Genre bewegt und mit dem ich auch mehr anfangen kann als ein Krimi übers Bergsteigen (und das meine ich komplett ohne herabwertende oder geringschätzige Untertöne. ich finde es beeindruckend, was du machst, ist eben nur nicht meins.)

jetzt aber zu deinem Text:

Soll das der Anfang der Geschichte sein? wenn ja finde ich die ersten Sätze ein bisschen sehr vollgepackt. zu viele neue Dinge werden schlag auf Schlag eingeführt, ohne dass sie genauer erklärt werden. ich nehme mir den Anfang hier mal vor und zeige dir, was ich meine:

Zitat
Tupkor drehte den Anhänger mit dem Symbol des Feuergottes Uschur zwischen seinen Fingern. Der Händler hatte behauptet, die Dämonen würden sich nicht an dieses Zeichen heranwagen. Womit er verflucht noch mal Recht gehabt hatte. Das Amulett war alles, was von seiner Lona übriggeblieben war.
In diesesn drei Sätzen hast du gleich 5 Neueinführungen drin.

- Tupkor. ok, ist vllt der Hauptcharakter. wird er hier vorgestellt? wer ist er?

- Der Feuergott Ushur. ist das der allgemeine bzw am weitesten verbreitete Glaube auf deiner Welt, oder nur einer von vielen (vielleicht auch unbedeutenden) Göttern? (wie es bei unseren Schutzpatronen im Christlichen Glauben ist?)

- der Händler. klar wird, er hat es irgendwann bei einem Händler gekauft. was war das für ein Händler? war er auf den Verkauf solcher Amulette spezialisiert?, war er eher ein Hochstapler, also einer, der so tut als hätte er Ahnung und will eigentlich den Leuten nur das Geld aus der Tasche ziehen, dann wäre es auch Glück gewesen, wenn tatsächlich mal ein funktionierender Anhänger dabei gewesen wäre. wann hat er es gekauft und warum. war es z.B. ein Geburtstagsgechenk? Jubiläum? (zum Wann reicht übrigens eine vage Angabe: vor einigen Wochen/Monaten/Jahren?)

- die Dämonen. Was für Dämonen? wo kommen sie her? wie kommen sie in deine Welt, oder geht es um innere Dämonen? tragen also alle in deiner Welt solche Anhänger um sich vor Dämonen zu schützen? oder waren sie nur hinter Lona her? und gibt es eine Begründung, warum das Amulett des Ushur so gut gegen sie schützen soll?

- und dann Lona. wer war sie? was hat sie Tupkor bedeutet. war sie seine Schwester? Geliebte? Mutter? Tochter? Putzfrau?

all das macht den einstieg ein wenig zäh und man bleibt bei den ersten Sätzen schon hängen. Leider wird das Meiste davon im Laufe des Textes auch nicht beantwortet. was es wiederum schwierig macht, in die Geschichte richtig rein zu kommen.

Allerdings hast du dann die Szene mit Jandra sehr lebhaft und flüssig geschrieben, sie hat mir gefallen und konnte mir das Kind richtig gut vorstellen. als sie übers Dach geklettert ist, hab ich gelacht und als sie das Huhn ohne zu zögern mit dem Messerwurf getötet hat (und das noch während auf der "Flucht" zu sein), fand ich das klasse. auch die Formulierungen dazu...
Zitat
Er huschte über die schiefe Ebene aus Ziegeln, bückte sich, Metall blitzte, die Hühner stoben gackernd auseinander.
Tupkors Abendessen rührte sich nicht mehr.
Eine hervorragende Leistung für ein Kind.
wirklich sehr schön.

die anfängliche Verwirrung des Vaters, dass er ja eine Tochter hat und keinen Sohn, find ich auch gut. nur wird mir Tupkor im Verlauf des "Überzeugungsgesprächs" dann ein klein wenig zu aufdringlich. Ich finde auch, der Papa müsste eher stolz sein, dass ein so gefragter Lehrmeister seine Tochter wirklich ernsthaft trainieren will. Außerdem, würde es Tupkor evtl sogar besser aussehen lassen, wenn er nicht mit dem Gedanken ran geht "die Leute werden unsummen bezahlen um sie verlieren zu sehen", sondern eher mit dem Gedanken "was wäre das für eine Werbung (oder wasauchimmer), wenn sie tatsächlich gewinnt und die Leute erfahren, dass ICH sie trainiert habe."
wenn er also nicht irgendwie trainieren will, damit sie "eine Weile überlebt", sondern damit sie eine echte Chance hat zu gewinnen. das würde ihn für mich auch um einiges sympathischer machen.
Natürlich musst du dann die Motive von Jandra noch ausreichend beleuchten. Aber so finde ich den Text schon ziemlich gut.

Trotz des zähen Einstiegs hast du mich hier:
Zitat
Der Junge zuckte zurück, blieb aber stehen.
Tupkor stemmte sich an der Tischplatte hoch, richtete sich zu seiner vollen Größe auf und brüllte: „Du. Gehst. Jetzt.“
Sein Gegenüber zitterte am ganzen Körper, rührte sich aber nicht von der Stelle.
Der Kleine war nicht so blöd, keine Angst vor Tupkor zu haben – das war echter Mut.
„Ich will dir erst zeigen, was ich kann“, sagte er.
Vielleicht … Tupkor deutete auf eine Gruppe von Hühnern, die am gegenüberliegenden Ende des Hofs scharrten und herumflatterten. „Das braune da mit dem weißen Kopf, das ist mein Abendessen. Wenn du ein anderes erwischst, prügle ich dich, bis du nicht mehr laufen kannst.“
Kaum hatte er ausgeredet, flog ein Messer.
dann auch endgültig abgeholt. hier hat es mich gepackt.
sehr schön geschrieben. man kriegt mit, dass die kleine Mut hat. Ein bisschen Trotz ist vielleicht auch dabei. eine schöne Kombination. :)
Aber wenn der Mann nicht sehr sehr schnell mitten in die Flugbahn des Messers auf dem Weg zum Huhn gelaufen ist, ist es dann doch eher unglaubwürdig. erst sagt sie, dass sie so gut ist, aber dann trifft sie etwas völlig anderes.
vielleicht wäre es besser, erst den Vater ankommen zu lassen, das Kind flieht dann und wirft dann das Messer (ohne vorher im Rucksack zu landen also.) das hat bei mir nämlich auch so ein "HÄ?" ausgelöst. Die Messerszene funktioniert nämlich richtig gut auch ohne Rucksack.

Und zuerst will er sie nicht aus dem Haus lassen und dann soll sie bei der örtlichen Heilerin wohnen? Es war doch ein zweistündiger Fußmarsch, oder? vielleicht hat Tupkor ja ein Pferd oder so, dass das Kind benutzen kann. dann bringt der Vater sie morgens hin und holt sie abends wieder ab, bis sie groß genug ist, um alleine hin zu reiten. und dann kann sie später ja auch noch bei Tupkor oder der Heilerin einziehen... auf diese Weise hast du dann auch Möglichkeiten für Gespräche oder Ereignisse auf dem Weg zum Kampf-Unterricht.

so, ich hoffe, du konntest was mit meinen Anmerkungen anfangen und sie konnten dir irgendwo weiterhelfen.
ganz liebe Grüße,
Nalee
 :cheer:
« Letzte Änderung: 19 Juli 2018, 17:14:28 von Naleesha »
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Re: Neuer Schüler
« Antwort #5 am: 19 Juli 2018, 22:29:42 »
Hallo Oldlady.

Wusste gar nicht, dass du auch Fantasy schreibst.

Ich steige gleich ein.

1) - Ist es glaubhaft, dass Tupkor sich darauf einlässt, das Mädchen auszubilden?
Ich würde es schlucken, wenn ich neugierig genug auf die Geschichte bin. Aber wenn ich den Text nüchtern betrachte, dann finde ich es nicht überzeugend.
Tupkor ist gelangweilt von seinen Schülern, ihnen fehlen Mut und Talent. Der Gedanke ist naheliegend, dass er das Mädchen in Ausbildung zu nehmen bereit ist, weil er selbst nach einer Herausforderung sucht. Ich meine, das was zwischen den Zeilen zu entdecken.
Allerdings wirkt er auf mich zu allererst wie ein Geschäftsmann, für den es gerechtfertigt sein muss, zu investieren.
Der Text transportiert für mich bisher nur, dass ein kämpfendes Mädchen ungewöhnlich genug wäre, um die Publikumsränge zu füllen, aber wenn er Pech hat, dann stirbt sie beim ersten Kampf, und Jahre der Ausbildung waren umsonst. Er stellt selbst fest, dass der potentielle Schüler eine ungünstige Statur hat und dass "die Chance, dass sich seine Ausbildung irgendwann für Tupkors Beutel lohnen würde" minimal sei.
Minimal.
Und das schon, als er noch davon ausgeht, für die Ausbildung bezahlt zu werden. Und dann bietet er stattdessen sogar an, sie kostenlos zu trainieren. Und jemanden für ihre Unterbringung zu bezahlen.
Wiegt der Exotenbonus das wirklich alles auf?
Wird sie nicht zumindest deutliches Talent benötigen und zwar mehr als ein Junge?
Vielleicht findet Tupkor, dass sie einen richtig starken Auftritt hingelegt hat, dass ihr Mut, ihre Entschlossenheit oderirgendwasanderes die Statur wettmachen, aber das kommt im Text für mich nicht rüber.


2) - Welchen Eindruck macht Jandra auf Euch?
Keinen deutlichen, und deshalb fällt es mir schwerer, nachzuvollziehen, warum er sie ausbilden will.
Ein Kind halt, das sich was in den Kopf gesetzt hat. Die überlegen es sich auch mal gerne am nächsten Tag wieder anders.
Mag an der kürze des Textes liegen, aber ich habe auch nicht den Eindruck, als hätte sie ein ausgeprägtes Gefahrenbewusstsein. Und damit meine ich nicht Mut, sondern sich über potentielle Gefahren nicht bewusst zu sein.
Das Gefühl, ihr stünde die ganze Welt offen, und wassollschonschiefgehen. - Wenn du das so haben wolltest: super!
Tupkor finde ich weitaus interessanter. Ich hoffe, du schreibst die Geschichte zumindest zT aus seiner Perspektive?



Im Text:

Zitat
Tupkor drehte den Anhänger mit dem Symbol des Feuergottes Uschur zwischen seinen Fingern. Der Händler hatte behauptet, die Dämonen würden sich nicht an dieses Zeichen heranwagen.
Da packst du ganz schon viel Inhalt in die ersten beiden Sätze. Ist der relevant? So relevant, dass du die Geschichte damit einleitest? Oder warst du faul und jubelst dem Leser Hintergrundinfos unter?   ;)

Wenn ich nur von diesen beiden Sätzen ausgehe, dann wird das eine Geschichte über Götter und Dämonen.
Wenn ich mir den Rest des Textes ansehe, dann wird es die Geschichte eines Mädchens, das zum Kampf in der Arena ausgebildet wird, im Rahmen einer Welt, in der es Dämonen und Götter gibt.
Das ist schon ein Unterschied, und wenn der Fokus deiner Geschichte nicht auf Selbigem liegt, dann solltest du den Einstieg ändern.

Zitat
Das Tappen von Schritten, keuchender Atem, die Hühner gackerten aufgeregt.
Warum keuchend?

Zitat
Schon wieder ein Junge, der von seinem Ruf gehört hatte.

Eine unglückliche Formulierung, hat Information, aber keinen Inhalt.
Wenn Tupkor mal ein berühmter Kämpfer war, dann haben die Kinder Geschichten über ihn gehört. Sind aufgewachsen mit Geschichten über die Legende Tupkor. Über seine wilden Kämpfe, seine goldenen Siege, das Brüllen der Menge. Mit Geschichten über seine bevorzugte Waffe und seine bevorzugte Art, zu töten. Seine Triumphgeste. Geschichten über seinen Aufstieg.
Und wenn sein Ruf sich darauf bezieht, dass er ausbildet, dann sollten sie Geschichten gehört haben, über Jungs, die er groß gemacht hat. Wenn du auf dem Feld schuftest und auf dem Markt stinkenden Fisch verkaufst, und weißt, dass es für den Rest deines Lebens so weitergeht, dann inspiriert dich das, dass du auch groß werden kannst.

Zitat
"Tut mir leid. Wann kann ich bei dir anfangen?"
Schön.

Zitat
Kaum hatte er ausgeredet, flog ein Messer. Und blieb im prallen Rucksack eines Mannes stecken, der in den Hof hineinrannte.
Der Neuankömmling schien nicht einmal zu bemerken, welcher Gefahr er entgangen war.

Die Stelle ist schräg. Rennt der zwischen das Kind und die Hühner oder wieso trifft das Messer den Rucksack?
Prinzipiell gefällt es mir gut, dass das Kind jetzt nicht ein Messer wirft und das so meisterlich, dass kein Zweifel am Talent besteht. Aber eine Erklärung dafür, wie es passiert, dass die Waffe quasi eine Person trifft, die hätte ich schon gerne.

Anmerkung am Rande: Du solltest in Tupkors Perspektive "Vater" statt "Papa" verwenden, sonst verwischt das mit der Perspektive des Kindes zu sehr.

Zitat
Der Mann starrte ihn blöde an.
Auch schön.

Zitat
Natürlich unterrichtete er nur Jungen. Wenn er gleich gemerkt hätte, dass sie ein Mädchen war, hätte er sie nicht einmal angehört. Es war eine gute Idee gewesen, sich die Haare abzuschneiden.
Den Erklärbär brauchst du nicht. Wird auch so klar und wirkt stärker.

Zitat
Papa fand plötzlich seine Sprache wieder.
Plötzlich?

Zitat
„Leider stimmt es. Sie ist ein bisschen seltsam. Hat verrückte Ideen. So, und jetzt gehen wir, Jandra.“

Das ist klasse.

Zitat
Tupkor befreite sie mit einer schnellen Bewegung aus Papas Griff.
Mit einer schnellen Bewegung? Einer? Die keine erwähnenswerten ... äh Standortwechsel des Vater oder Schmerzen nach sich zieht?
(Wäre übrigens eine gute Stelle, um dem Leser einen weiteren Einblick in das Mädchen zu geben - immerhin sieht sie den Mann, von dem sie ausgebildet werden will, in Aktion.)

Zitat
Jandra wollte schon protestieren, aber dann hielt sie den Mund. Hauptsache, Tupkor war bereit, ihr etwas beizubringen. 
Sie scheint eher vorlaut zu sein und sich über Konsequenzen keine Gedanken zu machen. Wieso schafft sie es plötzlich, den Mund zu halten?




Abschließend will ich noch was zu Anmerkungen der anderen loswerden.

Zitat von: tlt
Die Einschätzung bzgl. des Waffenöls teile ich nicht. Auch Klingenwaffen wurden und werden geölt.

Zitat von: Viskey
Das Tempo, mit dem der Vater seine Tochter weggibt - weil viel wird er von der nicht mehr sehen, wenn sie erst mal im Training steckt.
Er scheint zu seiner Tochter eine emotionale Bindung zu haben wie andere Leute zu ihren Schuhen. Dass Jandra Tupkor in irgendeiner Weise gestört u/o belästigt haben könnte, ruft bei ihm eine stärkere Reaktion hervor als die Aussicht, sein Kind in den nächsten Jahren nur noch sporadisch zu sehen.
Das war auch in Deutschland früher üblich. Kinder wurden irgendwann weggeschickt, um anderswo zu arbeiten und das war halt so. Oft arbeiteten sie in den Familienbetrieben / auf dem Hof der Familie, aber wenn nicht genug Arbeit da war oder nicht genug Geld, dann wurde die Arbeitskraft gegen geld Getauscht.
 Bis in die Zwanzigerjahre wurden sogar auf Kindermärkten Kinder aus armen Verhältnissen als Arbeitskräfte offiziell verpachtet. (In der Schweiz gabs das auch: Verdingkinder)
Das ist kein schlechter Deal für seine Tochter und ich würde es sogar noch glaubhaft finden, wenn er herumjammert, dass ihm dann die Arbeitskraft zuhause fehlt.

Zitat von: Naleesha
und dann Lona. wer war sie? was hat sie Tupkor bedeutet. war sie seine Schwester? Geliebte? Mutter? Tochter? Putzfrau?
Die Putzfrau. Ist verschwunden, bevor sie alle Böden geschrubbt hatte und das lässt ihn einfach nicht los.
 :cheese:



So. Bin gespannt, was du mit Tupkor noch anstellst.

Liebe Grüße
Aure
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tlt

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #6 am: 20 Juli 2018, 16:40:58 »
Zitat von: tlt

Zitat
    Die Einschätzung bzgl. des Waffenöls teile ich nicht. Auch Klingenwaffen wurden und werden geölt.

Ja, natürlich. Und trotzdem bleibe ich bei meiner Behauptung, dass man den Begriff "Waffenöl" erst eingeführt hat, seit es (moderne) Feuerwaffen gibt. Vorher gab es Öl - das für die Pflege der Waffen verwendet wurde. Fü rmich würde es da nach "frisch geölten Klingen" riechen. Weil das Öl (welches auch immer) auf dem Metall einen ganz speziellen Geruch verbreitet.

Aber egal, kleine Randnotiz.
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Re: Neuer Schüler
« Antwort #7 am: 20 Juli 2018, 17:56:14 »
Sprache entwickelt sich ja auch dem jeweiligen Zeitgeist entsprechend.
Wenn man zu der einen Zeit vielleicht noch "Öl, mit dem Klingenwaffen gepflegt werden" gesagt hat, und es nie in den Sinn gekommen wäre, das mit einem Wort präzise zusammenzustauchen, war es hundert Jahre später nur noch umständlich und hat unnötige Zeit gekostet.
Da würde ich mich bei einem Text fragen, ob ich einen bestimmten Zeitgeist einfangen will, weil dann bestimmte Wörter unpassend sind. Auch bei Fantasy muss das nicht egal sein, ich finde immer, dass gewisse Settings auch dadurch Substanz bekommen, dass sie in sich sehr stimmig bleiben, wenn sie sich an irgendwas aus unserer Geschichte orientieren. Aber es kann. Und wenn es egal ist, dann würde ich mich im Zweifelsfall immer für das Wort entscheiden, dass am besten einfängt, was ich zeigen will, sei das nun schnödes Waffenöl oder total verrückte Wortschöpfungen wie "Weltschmerz". Oder "Zeitgeist". Die früher sicher erstmal nach durchgequirltem Hirn klangen, aber sich durchgesetzt haben, weil sie treffend klangen.

Trotzdem spannend, wie unterschiedlich man liest, bzw. was verschiedene Lesern jeweils im Lesen stolpern lässt.
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Trippelschritt

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #8 am: 21 Juli 2018, 09:33:26 »
Guten Morgen Oldlady,

Für eine Detailröstung ist mir der Text etwas zu lang, vielleicht lege ich die nach, wenn Du darauf Wert legst, aber ich denke, den Anfang solltest Du neu schreiben. Du beginnst mit einer Rückblende und schiebst da belanglose Sätze ohne klare Perspektive ein, wie den dicken Bauch. Das ist nicht unbedingt erfrischend. Dafür solltest du eine andere Lösung suchen.

Die Sache ändert such sofort in der Begegnung des Schülers mit dem Ausbilder, auch wenn ich die Reaktionen des Ausbilders für übertrieben halte. Geh da doch noch einmal in die figur hinein. Die hat viel mehr Potential, als nur Gesprächspartner für ein Kind zu sein.
Das Kind hingegen ist Dir prächtig gelungen und die Schlusspointe, dass es ein Mädchen ist, kam für mich überraschend. Ich hatte nicht in diese Richtung spekuliert.

Die zweite Hälfte fällt dagegen etwas ab. Nicht, dass sie schlecht ist, aber ich sehe nicht so genau, worum es in dem Streit (Diskussion, Dialog) geht. Sicher, an der Oberfläche geht es darum, warum der Dicke sie nun doch trainieren will.  Ich spekuliere mal. Sollte er sich entgegen seiner Beteuerungen doch ein Mädchen zu eigenen Vergnügungszwecken unter den Nagel reißen und nun lügen, dann ist das zu schwach angedeutet. Will er es hingegegn nicht, wie er später klarstellt, worum nicht gleich und erst so spät klären, dass er genau das nicht will. Und was ist mit der Heilerin. Ja, etwas noch nicht zu wissen, könnte Spannung wecken, aber nicht, wenn nicht klr ist, warum sie eigentlich da so rum reden.
Das Mädchen sollte entweder schweigen, wenn Erwachsene reden - es gehört sich nicht, dem Vater immer wieder zu widersprechen - oder aber dem Vater die Gesprächsführung gleich richtig wegnehmen, was sie bedeutender machen würde. Jetzt rächt sich, dass man über den dicken Trainer so wenig weiß, denn der ist ein Pappkamerad. Sollte man vorher aber schon alles (Seelenpein etc.) erfahren haben, könnte man das wieder aufleben lassen. (Das ist immer der Ärger mit Röstungen von Romanstücken. Man kennt den vorangegangen Text nicht.) Der Vater scheint neu eingeführt worden zu sein, und ist auch noch ein Pappkamerad. Bei ihm macht es nichts, wenn er keine weitere Rolle spielt. Aber wer welche Rolle spielt, erfahre ich im zweiten Teil nicht. Da ruhst Du Dich auf der Inofebene aus. Dabei ist die zwischenmenschliche Ebene viel wichtiger (Das sollte ich mir mal selber hinter die Ohren schreiben. Ich schlampe da auch mal ganz gern.)

Aber alles in allem ist es für mich eine Passage, der ich gern weiterfolgen würde. Die Funktion innerhalb des Gesamtplots ist leicht zu erkennen und auch interessant wie häufig, wenn Menschen aufeinanderprallen, die nicht zueinander passen..

Liebe Grüße
Trippelschritt
« Letzte Änderung: 21 Juli 2018, 09:38:09 von Trippelschritt »
Womit kann der alte Vol'jin Euch helfen

Oldlady

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #9 am: 21 Juli 2018, 10:55:33 »
Hallo tlt, ganz herzlichen Dank!

Zitat
Zitat
Tupkor drehte den Anhänger mit dem Symbol des Feuergottes Uschur zwischen seinen Fingern. Der Händler hatte behauptet, die Dämonen würden sich nicht an dieses Zeichen heranwagen. Womit er verflucht noch mal Recht gehabt hatte. Das Amulett war alles, was von seiner Lona übriggeblieben war.
Hier fehlt mir eine Erklärung. Wer ist/war Lona? Warum war sie weg? Warum war es so gefährlich außerhalb der Stadt. Oder war es das gar nicht?

es ist „seine“, also liebte er sie. Die Gefahr kennt der Leser durch das vorhergehende Kapitel.

Zitat
Und blieb im prallen Rucksack eines Mannes stecken, der in den Hof hineinrannte.
Zitat
Nette Geschichte, aber wenn er/sie so gut mit dem Messer wäre, dann wäre das nicht passiert.
Er hat den Mann zu spät gesehen, er ist in die Flugbahn gerannt.

Zitat
Zitat
Der Papa
Aus Erzählersicht eher „Vater“ des Jungen
Da hast Du Recht! Das werde ich auf jeden Fall ändern. Damit wäre auch die Perspektivänderung klarer.

Zitat
Zitat
„Einen Moment.“ Tupkor befreite sie mit einer schnellen Bewegung aus Papas Griff
hier ändert sich die Perspektive wieder, da stimmt das „Papas“ nicht mehr
Stimmt, für die Perspektive des Kindes müsste ich das anders beschreiben


Zitat
2). - Welchen Eindruck macht Jandra auf Euch?
ihre Motivation, warum sie kämpfen lernen will, erfährt man nicht.
Das war im vorigen Kapitel deutlich. Auszüge sind halt immer schwierig ..


Zitat
Den Einstieg mit Lona finde ich hier eher störend. Mir ist klar, dass das noch wichtig wird. Aber für mich passt es hier nicht her. 

Interessant. Ich dachte eigentlich, das würde ein Licht auf Tupkors inneren Zustand werfen. Er hat „seine“ Lona verloren, ist unglücklich, säuft.


Oldlady

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #10 am: 21 Juli 2018, 11:03:35 »
Hallo Ofli,

Zitat
Zitat
1) - Ist es glaubhaft, dass Tupkor sich darauf einlässt, das Mädchen auszubilden?
Kann ich pauschal nicht wirklich beantworten, da ich Tupkor noch nicht gut genug kenne. Es scheint für ihn zum Alltag zu gehören Jungs auszubilden und ich mag wie er versucht Jandras Wert abzuschätzen, aber aus dem Gespräch wie es jetzt ist finde ich es etwas viel, wie er Jandras Vater auf einmal überredet sie bei ihm zu lassen. Mir fehlt da ein bisschen das Gefühl der Begeisterung bei ihm. Ließe sich vielleicht gut einbauen in dem Moment als er hört, dass Jandra ein Mädchen ist und sich die Phantasie der ersten Gladiatress in seinen Kopf setzt.

Stimmt, dass er den Vater nun sogar überredet, kommt etwas plötzlich. Daran werde ich noch arbeiten!


Zitat
Zitat
2). - Welchen Eindruck macht Jandra auf Euch?
Entschlossen, auf kindische Art mutig und manipulativ... ich hoffe ihr Motiv warum sie Gladiatress werden will wird gut beleuchtet.
Ich denke schon – im vorigen Kapitel.

Zitat
Einerseits mag ich wie du aus Kinderaugen schreibst und es wird interessant sein zu sehen wie sich die Kindersicht im Verlauf der Geschichte ändert, andererseits tue ich mir schwer mit dem Perspektivwechsel und dem dauernden "Papa".

Ich hatte mich dazu entschlossen, aus Kindersicht immer „Papa“ zu  schreiben, weil ein Kind eben nicht „Vater“ oder den Namen denkt. In diesem Text ist mir dann noch der Fehler unterlaufen, das Wort auch bei Tupkors Perspektive zu verwenden. (tlt hat das zu Recht angemerkt). Dort muss dann natürlich „Vater“ stehen.

Danke, natürlich war das hilfreich!

Oldlady

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #11 am: 21 Juli 2018, 13:47:54 »
Hallo Viskey,

eigentlich mag ich  Fantasy sogar lieber als Krimis, aber die lassen sich eben schlechter verkaufen. Und ich lese alles gerne, was gut und spannend geschrieben ist. Im Moment habe ich Krimis satt ... Die Einstellung auf das neue Genre macht Spaß, braucht aber auch etwas Zeit.

Zitat
Zitat
1) - Ist es glaubhaft, dass Tupkor sich darauf einlässt, das Mädchen auszubilden?
Andererseits geht es mir ein bisschen zu schnell von "Ein Mädchen, never-erver" zu "Hach ja, bringt Kies".  Jetzt liest es sich fast so, als hätte er eh schon die längste Zeit auf ein Mädchen gewartet, das sich den Stress und die Arbeit antun möchte.

Ja, dankt hast Du Recht. Ich werde daran basteln, den Übergang verständlicher zu machen.

Zitat
Was mir sonst noch aufgefallen ist, sind v.a. zwei Dinge:
Das Tempo, mit dem der Vater seine Tochter weggibt - weil viel wird er von der nicht mehr sehen, wenn sie erst mal im Training steckt.

Die Vorgeschichte fehlt halt. Er hatte sowieso vor, sie in eine Ausbildung nach Zuighera zu schicken – zu einem Korbflechter.


Zitat
Bechtis, über deren Beteiligung hier einfach mal so bestimmt wird. Auch wenn Frauen in dieser Gesellschaft schlecht dastehen sollten, sie ist eine Heilerin, und es macht schon den Eindruck, als wäre sie eine angesehene Persönlichkeit der Stadt bzw. sogar der ganzen Region. Über so jemanden bestimmt man nicht einfach. - Und wenn doch, muss das hier thematisiert werden. Irgendwie.

Mit diesem Einwand hast Du vollkommen recht. Ich habe schlicht übersehen, dass man sie erst noch fragen muss!

Zitat
Aber wie kann er (Tupkor) sie vor den anderen Schülern beschützen? Vor anderen Kämpfern, irgendwelchen dahergelaufenen Trotteln mit dreckigen Fantasien?

Er hat das Sagen, und er wird auf sie aufpassen. Wird noch thematisiert.

Dankeschön, Viskey!

tlt

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #12 am: 21 Juli 2018, 13:52:01 »
Trotzdem spannend, wie unterschiedlich man liest, bzw. was verschiedene Lesern jeweils im Lesen stolpern lässt.
Das ist es. Und das ist (finde ich) ja das Schöne daran.
Ich bin zu alt für das alles.

tlt

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #13 am: 21 Juli 2018, 13:59:41 »
es ist „seine“, also liebte er sie. Die Gefahr kennt der Leser durch das vorhergehende Kapitel. 

Ok, das ist immer ein Problem. Irgendwie hatte ich gedachte, dass die Geschichte hier anfängt. Fehler von mir. Damit sind auch ein paar andere Anmerkungen von mir mehr als flüssig.

Zitat
Und blieb im prallen Rucksack eines Mannes stecken, der in den Hof hineinrannte.
Zitat
Nette Geschichte, aber wenn er/sie so gut mit dem Messer wäre, dann wäre das nicht passiert.
Er hat den Mann zu spät gesehen, er ist in die Flugbahn gerannt.

Nein, da bin ich weiterhin nicht bei Dir. Aus einem ganz einfachen Grund: Jemand, der "aus Versehen" einen Menschen trifft, weil der in seine Wurfbahn gelaufen ist, hat nicht annähernd eine Chance, ein Huhn zu treffen. Es sei denn, der Mensch hätte sich übermenschlich schnell bewegt.
Die Zeit, die der Mensch hier für seine Bewegung zur Verfügung hat, kann ja nicht länger sein als die Zeit, die das Messer braucht vom Verlassen der Hand bis zum Auftreffen. Das sind Bruchteile von einer Sekunde.
Ich bin zu alt für das alles.

Oldlady

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #14 am: 21 Juli 2018, 14:12:13 »
Hallo. Nalee,

vielen Dank für Deine Röstung! Sie hat mir weitergeholfen.

Zitat
Soll das der Anfang der Geschichte sein? wenn ja finde ich die ersten Sätze ein bisschen sehr vollgepackt.

Es ist nicht der Anfang der Geschichte, es passiert vorher schon eine Menge. Uschur und seine Rolle ist bekannt, die Dämonen hatten schon einen Auftritt. Und der Grund für Lonas Verschwinden sollte dem Leser klar sein (hoffe ich). Sie wurde von Dämonen aufgefressen, nur das Amulett blieb übrig.
Der Händler spielt keine Rolle dabei, auch weitere Details um Lonas Tod nicht. Wichtig ist Lonis Tod  im Hinblick auf Tupkors Befinden (er trauert, trinkt zu viel ...)

Lona war seine Frau („seine“ Lona). Sollte ich das noch dazu erwähnen? Es ist richtig, dass sie auch seine Tochter sein könnte.

 
Zitat
nur wird mir Tupkor im Verlauf des "Überzeugungsgesprächs" dann ein klein wenig zu aufdringlich. Ich finde auch, der Papa müsste eher stolz sein, dass ein so gefragter Lehrmeister seine Tochter wirklich ernsthaft trainieren will.

Der Papa hatte andere Pläne mit seiner Tochter – ein „normales“ Leben.  (das sollte aus der Vorgeschichte deutlich werden). Aber ich sollte ihn wohl noch etwas mehr WIderstand gegen die Änderung dieses Plans leisten lassen.


Zitat
Außerdem, würde es Tupkor evtl sogar besser aussehen lassen, wenn er nicht mit dem Gedanken ran geht "die Leute werden unsummen bezahlen um sie verlieren zu sehen", sondern eher mit dem Gedanken "was wäre das für eine Werbung (oder wasauchimmer), wenn sie tatsächlich gewinnt und die Leute erfahren, dass ICH sie trainiert habe.“
Tupkor ist kein Heiliger, er schaut auf seinen Profit. Seine Schüler sterben manchmal in der Arena, und das gehört dazu.
Dass  Jandra gewinnen könnte, ist für ihn eher ein Nebengedanke, es erscheint ihm sehr unwahrscheinlich. Vielleicht sollte ich das noch einbauen.

Zitat
wenn der Mann nicht sehr sehr schnell mitten in die Flugbahn des Messers auf dem Weg zum Huhn gelaufen ist, ist es dann doch eher unglaubwürdig. erst sagt sie, dass sie so gut ist, aber dann trifft sie etwas völlig anderes.

Er ist so schnell aufgetaucht, dass sie ihn zu spät gesehen hat.

Zitat
Und zuerst will er sie nicht aus dem Haus lassen und dann soll sie bei der örtlichen Heilerin wohnen?

Er wollte sie sowieso nach Zuighera schicken, wo sie dann beim Korbflechter gewohnt hätte.

Oldlady

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #15 am: 21 Juli 2018, 14:14:52 »
Hallo tlt,

ich verstehe den Einwand mit der Flugbahn, klar. Und ich muss hier tatsächlich korrigieren: es sollte klar werden, dass der Vater  aus einem Tor in den Hof rennt, das nur ein kurzes Stück entfernt ist.

Danke!

Oldlady

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #16 am: 21 Juli 2018, 14:40:16 »
Hallo Aure,

schön von Dir eine Röstung zu bekommen!

Zitat
Tupkor ist gelangweilt von seinen Schülern, ihnen fehlen Mut und Talent. Der Gedanke ist naheliegend, dass er das Mädchen in Ausbildung zu nehmen bereit ist, weil er selbst nach einer Herausforderung sucht. Ich meine, das was zwischen den Zeilen zu entdecken.
Allerdings wirkt er auf mich zu allererst wie ein Geschäftsmann, für den es gerechtfertigt sein muss, zu investieren.
Er ist gelangweilt und auch Geschäftsmann.

Zitat
Der Text transportiert für mich bisher nur, dass ein kämpfendes Mädchen ungewöhnlich genug wäre, um die Publikumsränge zu füllen, aber wenn er Pech hat, dann stirbt sie beim ersten Kampf, und Jahre der Ausbildung waren umsonst.
Der „Exotenbonus“ wäre sicher ausreichend, um die Investition auszugleichen. Wenn sie länger lebt, umso besser. VIelleicht sollte ich noch erwähnen, dass es ihn – nachdem er Mut und Talent festgestellt hat – eben besonders reizt, gerade ein Mädchen zu trainieren.

Zitat
Er stellt selbst fest, dass der potentielle Schüler eine ungünstige Statur hat und dass "die Chance, dass sich seine Ausbildung irgendwann für Tupkors Beutel lohnen würde" minimal sei.
Minimal.
Und das schon, als er noch davon ausgeht, für die Ausbildung bezahlt zu werden.

Du hast Recht, „minimal“ ist hier das falsche Wort. Besser wäre etwas wie „nicht besonders gut“.

Zitat
Vielleicht findet Tupkor, dass sie einen richtig starken Auftritt hingelegt hat, dass ihr Mut, ihre Entschlossenheit oderirgendwasanderes die Statur wettmachen, aber das kommt im Text für mich nicht rüber.

Ich dachte, was sie gezeigt hat, reicht um zu zeigen, dass sie  ein außergewöhnliches Talent hat. Die Statur ist ein Malus, aber nicht das  WIchtigste bei einem Kämpfer. 

Zitat
Ein Kind halt, das sich was in den Kopf gesetzt hat. Die überlegen es sich auch mal gerne am nächsten Tag wieder anders.
Das ist gerade in Jandras Fall nicht so. Sie hat ein starkes Motiv, und das wird in der Vorgeschichte deutlich (Seufz. Immer ein Problem, wenn die fehlt).
Zitat
Ich habe auch nicht den Eindruck, als hätte sie ein ausgeprägtes Gefahrenbewusstsein. Und damit meine ich nicht Mut, sondern sich über potentielle Gefahren nicht bewusst zu sein.
Das hat sie tatsächlich noch nicht. Sie ist zu unreif.

Zitat
Zitat
Tupkor drehte den Anhänger mit dem Symbol des Feuergottes Uschur zwischen seinen Fingern. Der Händler hatte behauptet, die Dämonen würden sich nicht an dieses Zeichen heranwagen.
Da packst du ganz schon viel Inhalt in die ersten beiden Sätze. Ist der relevant? So relevant, dass du die Geschichte damit einleitest? Oder warst du faul und jubelst dem Leser Hintergrundinfos unter?

Sorry – ich hätte unbedingt erwähnen müssen, dass dies nicht der Beginn der Geschichte ist. Du bist nicht die Einzige, die diesen Eindruck hatte.

Zitat
Zitat
Schon wieder ein Junge, der von seinem Ruf gehört hatte.

Und wenn sein Ruf sich darauf bezieht, dass er ausbildet, dann sollten sie Geschichten gehört haben, über Jungs, die er groß gemacht hat.

Das ist hier der Fall. Hier habe ich wohl etwas zu sehr verknappt.

Zitat
Zitat
Kaum hatte er ausgeredet, flog ein Messer. Und blieb im prallen Rucksack eines Mannes stecken, der in den Hof hineinrannte.
Der Neuankömmling schien nicht einmal zu bemerken, welcher Gefahr er entgangen war.

Die Stelle ist schräg. Rennt der zwischen das Kind und die Hühner oder wieso trifft das Messer den Rucksack?

Die Stelle haben auch andere kritisiert. Der Mann läuft in die Flugbahn. Ich muss wohl die Situation genauer beschreiben, damit das klar wird – und warum er erst so spät zu sehen war.

Zitat
Anmerkung am Rande: Du solltest in Tupkors Perspektive "Vater" statt "Papa" verwenden, sonst verwischt das mit der Perspektive des Kindes zu sehr.

Stimmt, das werde ich auf jeden Fall ändern.

Zitat
Zitat
Natürlich unterrichtete er nur Jungen. Wenn er gleich gemerkt hätte, dass sie ein Mädchen war, hätte er sie nicht einmal angehört. Es war eine gute Idee gewesen, sich die Haare abzuschneiden.
Den Erklärbär brauchst du nicht. Wird auch so klar und wirkt stärker.

Da denke ich noch mal drüber nach. Ich bin nicht sicher, ob das dann für den Leser rüberkommt.

Zitat
Zitat
Papa fand plötzlich seine Sprache wieder.
Plötzlich?
Wird gestrichen!

 :daaanke:

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #17 am: 22 Juli 2018, 13:19:31 »
Hallo Trippel,

Herzlichen Dank für die Röstung!
Eine Detailröstung brauche ich vorerst nicht, da ich das Ganze noch stark bearbeiten werde.

Zitat
Du beginnst mit einer Rückblende und schiebst da belanglose Sätze ohne klare Perspektive ein, wie den dicken Bauch. Das ist nicht unbedingt erfrischend. Dafür solltest du eine andere Lösung suchen.

Ich denke schon, dass der Beginn des Textes eine Perspektive hat: die Tupkors. Zum Beispiel ist die Stelle, bei der er Platz für seinen Bauch schafft, nach meiner Meinung durchaus die seine. Und der Beginn sollte auch einen kleinen Einblick in sein Innenleben und seine Motivation geben, warum er später ein Mädchen trainieren wird.
Natürlich könnte man auch gleich damit beginnen, wie das Kind plötzlich vor ihm steht, aber ich finde, dann fehlt etwas – auch Atmosphäre.

Zitat
an der Oberfläche geht es darum, warum der Dicke sie nun doch trainieren will.  Ich spekuliere mal. Sollte er sich entgegen seiner Beteuerungen doch ein Mädchen zu eigenen Vergnügungszwecken unter den Nagel reißen und nun lügen, dann ist das zu schwach angedeutet.

Nein. Hierbei sollen nur die Ängste des Vaters deutlich werden.

Zitat
Will er es hingegegn nicht, wie er später klarstellt, worum nicht gleich und erst so spät klären, dass er genau das nicht will.

Der Vater hat erst dann die Gelegenheit, seine Ängste zu formulieren. 

Zitat
Und was ist mit der Heilerin.

Die Heilerin hatte bereits einen Auftritt im Buch. Tupkors abgebrochener Satz :
Zitat
Und sie ist ... „ Er verstummte
soll die Spannung wecken, was mit ihr los ist.
Ein Fehler in meinem Text ist, dass nicht zur Sprache kommt,  ob sie überhaupt einverstanden ist, dass Jandra bei ihr wohnt.

Zitat
Jetzt rächt sich, dass man über den dicken Trainer so wenig weiß, denn der ist ein Pappkamerad. Sollte man vorher aber schon alles (Seelenpein etc.) erfahren haben, könnte man das wieder aufleben lassen.

Es ist der erste Auftritt Tupkors. Es wäre denkbar, die Seelenpein beim Beginn noch etwas deutlicher zu machen. Aber ich finde, man kann nicht alles auf einmal bringen,  das könnte das Tempo des Geschehens zu sehr bremsen. Ich neige eher dazu, am Anfang die Figuren nur grob zu zeichnen und sie im weiteren Verlauf des Buches  herauszuarbeiten.

Zitat
Der Vater scheint neu eingeführt worden zu sein, und ist auch noch ein Pappkamerad. Bei ihm macht es nichts, wenn er keine weitere Rolle spielt.

Der Vater wurde schon eingeführt. Allerdings ist diese Figur auch erst am Anfang ihrer Entwicklung.


Zitat
Aber wer welche Rolle spielt, erfahre ich im zweiten Teil nicht. Da ruhst Du Dich auf der Inofebene aus. Dabei ist die zwischenmenschliche Ebene viel wichtiger.

Das finde ich auch. Aber Infos gehören halt auch dazu.

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #18 am: 22 Juli 2018, 14:17:27 »
Tja, alte Dame,

jetzt hast Du zwar alle meine Bedenken wegerklärt, aber meine Empfindungen beim Lesen Deines Textes bleiben unverändert. Vielleicht nur einen Tipp zu meinem Begriff Pappkamerad. Man kann eine Figur mit wenigen Strichen auch so zeichnen, dass sie lebendig werden. Aber dafür muss man wissen, um was für Menschen es sich handelt, und !!! es müssen Menschen sein, die den Leser interessieren. Das Mädchen ist spannend. Da ist es  Dir gelungen.

Nur Mut.  :devgrin:
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Re: Neuer Schüler
« Antwort #19 am: 22 Juli 2018, 19:15:02 »
Da schon viel geröstet wurde, bleibe ich bei den Fragen und gebe meinen Senf dazu:


1) - Ist es glaubhaft, dass Tupkor sich darauf einlässt, das Mädchen auszubilden?

Jain.  ;) Es gibt kein hinreichendes Motiv für ihn. Tupkor schätze ich als jemanden ein, der weder Zeit noch Geld verschwendet und der so wie bisher gezeigt eher konservativ ist. Nur weil irgendwann einmal vielleicht aus einem Mädchen eine Gladiatorin werden könnte – falls sie nicht davor in der Ausbildung stirbt – ist mir zu wenig. Auch die Szene mit dem Vater ist mir zu wenig überzeugend. Das Ganze wirkt auf mich gewollt.
Trotzdem nicht vollständig "nein". Jandra wirkt fast erwachsen, dafür muss es einen Grund geben (der nicht zwingend ein negativer sein muss – vielleicht hat sie sich schon immer für fliegende Messer interessiert, immerhin hat ihr Vater sie gewähren lassen aber anscheinend ohne sie dabei zu unterstützen – warum?). Vielleicht ist das Alter von 10 Jahren zu jung – auf der anderen Seite hüten in einfachen Gesellschaften Kinder (zumeist Jungen) in dem Alter bereits eine Herde. Vielleicht musste Jandra das tun? Vielleicht ist sie schlau genug, dass sie Tupkor, von dem sie anscheinend schon gehört hat, etwas mehr "anfüttert", dass er gar nicht mehr zurück kann ohne das Gesicht zu verlieren. Damit wäre Jandra für ihr Alter außerdem noch ziemlich gerissen. Alles ist besser als "jetzt muss endlich mal eine Frau einen Männerberuf lernen dürfen". ;)

Ich denke, da geht einiges mehr, was die Sache glaubhafter und gleichzeitig interessanter machen würde.
Außerdem ist mir nicht klar, warum ihr Vater so schnell zustimmt. Siehe oben.

2). - Welchen Eindruck macht Jandra auf Euch?
Ambivalent. Das liegt daran, dass das Zusammenspiel zwischen ihr und Tupkor nicht passt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Tupkor auf Großmäuligkeit steht, egal wie gut sie mit dem Messer umgehen kann. Übrigens passt hier das Timing mit dem Eintreffen des Vaters nicht. Macht sich zwar nett, ist aber unlogisch, so schnell kommt niemand in die Flugbahn eines bereits geworfenen Messers.

Zitat
“Ich will bei dir lernen", sagte es mit piepsiger Stimme.
Dadurch bekommt der Rest des Dialoges einen Touch von Sebstironie, die man einem zehnjährigen Kind nicht abnimmt.

Ich denke, die Geschichte sollte mehr Zeit bekommen, sich zu entwickeln. Der Zeitraum zwischen dem Auftauchen des "Jungens" und der Festlegung der Bedingungen für die Ausbildung ist für mich als Leser unlogisch kurz. So wirkt die Handlung holzschnittartig und klischeehaft. Es wird auch nicht klar, wer in dieser Szene eigentlich die Handlung trägt.

Die Idee und die Richtung des Plots gefallen mir.

Meine 5 Cent.

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #20 am: 22 Juli 2018, 23:35:20 »
Noch ein kleiner Einwand von mir... Ich weiß zwar nicht in welcher Zeit deine Geschichte spielen soll, aber ich kaue schon von Anfang an darauf herum ohne es angesprochen zu haben... Ein Messer werfen zu können und kämpfen zu können sind 2 total verschiedene Dinge. Und ein Messer werfen zu können hilft einem nicht viel in einem tatsächlichen Kampf. Das ist bei einer 10 Jährigen natürlich trotzdem beeindruckend... Nur mich persönlich stört irgendwie, dass es einen Veteran in der Arena derart überzeugt/beeindruckt. Vor Allem in Anbetracht der Tatsache, dass er nicht viel von ihren körperlichen Attributen hält. Würde sie einen Wurfspeer, Bogen oder auch eine Schleuder benutzen würde das (je nach technologischem Fortschritt) für mich mehr Sinn ergeben. Aber Wurfmesser helfen einem nur in sehr wenigen Situationen in einem Kampf.

Gut möglich, dass ich gerade sehr Kleinlich werde, aber das war irgendwie die ganze Zeit wie ein Dorn im großen Fußzeh. Bin da bei jedem Lesen irgendwie drüber gestolpert und hab gedacht "Nah sei nicht zu genua. Es ist immer noch ein 10 Jähriges Mädchen..."
Die Werke die ich am meisten liebe, sind gleichzeitig die, die ich am meisten kritisiere. Im Grunde ist es so, dass eine ausführliche Kritik meinerseits auch eine Anerkennung und ein Glückwunsch ist, denn wenn es einfach nur schlecht wäre, würde ich mir gar keine Gedanken darüber machen.

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #21 am: 23 Juli 2018, 08:26:22 »
Yepp, Schleuder wäre besser. Wurfspeer und Bogen brauchen bereits zu viel Kraft.

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #22 am: 23 Juli 2018, 19:07:00 »
Jaein. Es gäbe die Möglichkeit ihr einen kleinen Kinderbogen in die Hand zu drücken. Speer... Ja wahrscheinlich nicht glaubhaft machbar.
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Re: Neuer Schüler
« Antwort #23 am: 24 Juli 2018, 11:14:19 »
Hallo Ryek,

vielen Dank fürs Rösten!

Zitat
Zitat
1) - Ist es glaubhaft, dass Tupkor sich darauf einlässt, das Mädchen auszubilden?

Alles ist besser als "jetzt muss endlich mal eine Frau einen Männerberuf lernen dürfen".

Tupkors Motive sind mehrere. Ich werde versuchen, sie besser herauszuarbeiten.


Zitat
Außerdem ist mir nicht klar, warum ihr Vater so schnell zustimmt. Siehe oben.

Ergibt sich aus der Vorgeschichte. Er wollte sie sowieso in eine Lehre schicken.

Zitat
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Tupkor auf Großmäuligkeit steht, egal wie gut sie mit dem Messer umgehen kann.
Wirkt Jandra tatsächlich großmäulig? Wieso?

Zitat
Übrigens passt hier das Timing mit dem Eintreffen des Vaters nicht. Macht sich zwar nett, ist aber unlogisch, so schnell kommt niemand in die Flugbahn eines bereits geworfenen Messers.
Diese Kritik ist berechtigt. Ich lasse mir noch was einfallen.

Oldlady

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #24 am: 24 Juli 2018, 11:25:03 »
Hallo Ofli,  vielen Dank, dass Du mir den Dorn gezeigt hast!

Zitat
Ein Messer werfen zu können und kämpfen zu können sind 2 total verschiedene Dinge.

Damit hast Du recht. Aber es geht hier nicht direkt ums Kämpfen, sondern die  Fähigkeit, es zu lernen.
Das Kind ist enorm geschickt und muss konsequent geübt haben – beides wichtige Voraussetzungen. Und wie es sich z. B. auf dem Dach bewegt, zeigt ebenfalls gute körperliche Anlagen. Dazu kommt Mut.

Vielleicht sollte ich noch mehr herausarbeiten, dass Langeweile für Tupkor eine wichtige Motivation ist. 

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #25 am: 24 Juli 2018, 11:33:29 »
@ Ofli, Trippel
Dankeschön!
Zur Wahl der Waffe bei Jandra: Sie hat einen Dämon mit einem Messer abgewehrt und beschlossen, gegen Dämonen zu kämpfen. Daraufhin übt sie daheim mit den ihr zur Verfügung strehenden Mitteln: Messer und Bogen. Hätte sie den Bogen zum Markt mitgenommen, so wäre ihrem Vater das merkwürdig vorgekommen.  Eine Schleuder wäre natürlich eine weitere Möglichkeit.

Seufz. Es ist immer wieder schwierig mit den Vorgeschichten ... andererseits wäre es schade, deshalb nur Romananfänge einzustellen.  :lava:

Trippelschritt

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #26 am: 24 Juli 2018, 11:36:47 »
Wenn Tupkor seine Motive (oder etwas anderes in dieser Richtung) erkennen lässt, verliert er auch ganz schnell, sein Bild als Pappkamerad und ermöglichst es, über eine eigene Agenda auch einen eigenen thread aufzubauen. Aber das ist nur eine Option. Sie muss nicht gezogen werden, aber sie kann, wenn die autorin es möchte.

Liebe Grüße
Trippelschritt

Edit:Post überschnitten
Ich sehe Wurfmesser als nicht so problematisch an. Willi Garvin (aus Modesty Blaise) war ein Meister der fliegenden Messer und niemand hat seine Kampfkraft jemals angezweifelt. Aber Du brauchst ein paar Hintergrundinformation über das Messerwerfen, um das glaubhaft präsentieren zu können. Im Grunde genommen kann man mit fast allen Messertypen werfen, aber nicht gleich gut. Es ist nicht umsonst, dass die Messerwefer im Zirkus breite Klingen haben. Stabilisierung der  Flugbahn?
« Letzte Änderung: 24 Juli 2018, 11:42:19 von Trippelschritt »
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Viskey

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #27 am: 24 Juli 2018, 12:22:06 »
Zitat
Das Tempo, mit dem der Vater seine Tochter weggibt - weil viel wird er von der nicht mehr sehen, wenn sie erst mal im Training steckt.

Die Vorgeschichte fehlt halt. Er hatte sowieso vor, sie in eine Ausbildung nach Zuighera zu schicken – zu einem Korbflechter.

Dass er sie zur Ausbildung weggibt, damit hab ich gar kein Problem, und vielleicht liest sich der Abschnitt wirklich anders, wenn man die Vorgeschichte hat. Aber hier ... es fehlt mir einfach die Bindung, die Gedanken, die er sich darüber gemacht hat. Mit Vorgeschichte reicht vermutlich ein Satz oder zwei, aber ganz weglassen würde ich es auch mit Vorgeschichte hier nicht. Immerhin, jetzt wird es ernst. Und auch wenn das absolut üblich war in vielen Gegenden bis vor noch gar nicht so langer Zeit, ich denke, die meisten Eltern haben das nicht gern getan. Es war halt wirtschaftlich notwendig, aber deswegen trennte man sich doch sicher nicht leichter von seinen Kindern als heute, bzw. wurde sicher damals wie heute geschaut, dass die Kinder in sichere Verhältnisse kommen. Immerhin, gibt ja auch heute noch Internate, wo die Kinder zur Ausbildung (halt Schule) hingeschickt werden.
Ich glaube, woran ich mich hauptsächlich gestört habe, war die Tatsache, dass die Tochter in ein Umfeld kommen soll, das nun einmal nicht für Mädchen gemacht ist, und wo der erste Gedanke irgendwie "Sexsklavin" zu sein schien. Und dann wird das irgendwie in einem Nebensatz abgefertigt.

Hm. Vielleicht schau ich da zu sehr aus der modernen Perspektive drauf ... kommt dann für mich darauf an, wie a) die Geschichte bis hierher ist, um das richtig einsortieren zu können, und b) wie nah an welcher historischen Realität die Geschichte spielen soll.

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #28 am: 26 Juli 2018, 11:19:40 »
Hallo Viskey,

vielen Dank!

Zitat
Ich glaube, woran ich mich hauptsächlich gestört habe, war die Tatsache, dass die Tochter in ein Umfeld kommen soll, das nun einmal nicht für Mädchen gemacht ist, und wo der erste Gedanke irgendwie "Sexsklavin" zu sein schien. Und dann wird das irgendwie in einem Nebensatz abgefertigt.

Du hast Recht, dass der Vater sich mehr Gedanken darüber machen sollte, dass seine Tochter nun ausgerechnet Kämpfen lernen will – was gefährlicher ist als Körbe flechten. Framle liebt seine Tochter und will, dass sie „normal“ ist, also einen Frauenberuf ergreift. Er muss mehr Widerstand gegen die Idee leisten, und das werde ich in der nächsten Fassung einbauen.

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #29 am: 26 Juli 2018, 22:09:31 »

Zitat
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Tupkor auf Großmäuligkeit steht, egal wie gut sie mit dem Messer umgehen kann.
Wirkt Jandra tatsächlich großmäulig? Wieso?


Das ist verschiedenen Dingen geschuldet. Zum einen dem Alter, zum anderen dem Verhältnis zwischen ihr und einem ihr bis dahin Unbekannten, der in ihren Augen den Status eines Lehrers hat, bei dem sie unbedingt in die Lehre gehen will.

Von daher ist der Kontrast in diesen wenigen Sätzen zu groß. Natürlich soll sie nicht in Ehrfurcht erstarren, das würde dem widersprechen, was du von ihr zeigst. Aber ihr Verhalten ist ohne Kenntnis näherer Umstände nicht nachvollziehbar. Da davon auszugehen ist, dass der Lehrer ihre Vorgeschichte nicht kennt, passt das für mich nicht zusammen.

Sie ist:
- extrem selbstsicher, ohne das die Quelle dafür für den Lehrer nachvollziehbar ist
- recht geschickt
- gut im Messerwerfen
(- fühlt sich eventuell behindert dadurch, dass sie noch nicht so stark und ausdauernd ist wie mit 15/16)

Er ist:
- alt
- verbittert
- gelangweilt
(- möglicherweise daran interessiert, an ihr in 4-5 Jahren zu verdienen – aber warum soll er so viel Zeit investieren?)

Was für mich fehlt, sind die Punkte, die dafür sorgen, dass die beiden zusammenkommen. Wenn es im Weltenbau so vorgesehen ist, dass Zehnjährige fast als Erwachsene betrachtet werden, und dass die Väter sich dann nur noch um die offensichtlichen Rahmenbedingungen kümmern, wenn sich die Tochter erst einmal für eine Ausbildung entschieden hat, dann ist das natürlich eine andere Sache. Aber dass lässt sich aus dem Textabschnitt nicht schließen.

LG
Ryek
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Re: Neuer Schüler
« Antwort #30 am: 02 August 2018, 11:23:15 »
Hallo  Ryek!
Jetzt weiß ich genau, was Dich gestört hat.

Vielen Dank!


Trippelschritt

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #31 am: 05 August 2018, 11:09:45 »
Was ich schon die ganze Zeit schreiben wollte: Ryek hat es viel besser auf den Punkt gebracht als ich, aber wir meinen beide etwas Ähnliches. Vermute ich mal.
Nur habe ich ganz klare Präferenzen für das Kind, das Du so charakterisiert hast, das es mich interessiert. Sie ist pfiffig, mutig und so vorlaut, dass sie wahrscheinlich irgendwann auf die Nase fallen wird. Spannende Kombination.

Aber ihr steht ein Trainer gegenüber ohne Konturen. Für mich ein Pappkamerad, für Ryek jemand mit inkompatibler Psychologie. Aber das Kind kann nur zur Geltung kommen, wenn der Dicke passende (Konflikt)eigenschaften hat. Ich würde das Kind lassen wie es ist und den Trainer neu konzipieren.

Ryek hat offengelassen, wen von den beiden oder sogar beide verändert werden müssen.

Einen schönen Sonntag
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Re: Neuer Schüler
« Antwort #32 am: 15 August 2018, 11:01:15 »
Hallo Oldlady,

ich ignoriere erstmal die Diskussion und röste.

Mir gelingt der Einstieg leicht und ich der Text liest sich auch gut weg.

Zitat
Der Papa des Jungen stand mit offenem Mund da.

Ich finde es komisch, dass du nicht Vater sagst. Es ist ja Erzählstimme und nicht Perspektive des Jungen. Das bleibt auch so, wobei ich das Gefühl habe, dass da eine perspektivische Unklarheit deutlich wird: Manchmal schreibst du aus der Perspektive von Jandra, manchmal nicht. Der Beginn schaut ja eher dem Trainer über die Schulter, da ist auch recht viel Innenleben. Das hört leider dann auf, wenn es spannend wird: Wenn er entscheiden muss, ob er sie nimmt. Und da wüsste ich schon gern genauer, wieso er das tut. Er denkt, ein kämpfendes Mädel sei eine Attraktion. Ja gut. Aber ich fände etwas mehr inneres Hin und Her schon gut, auch damit er sichtbarer wird. Ich hätte gern wenigstens eine Ahnung, was er über die Heilerin hätte sagen wollen und wieso er so sicher ist, dass sie Jandra aufnehmen wird.

Schwierig finde ich auch, dass der Anfang so gar nichts mit dem Rest zu tun hat. Es braucht, so finde ich, später nochmal einen Schlenker zum Anhänger und zu der verschwundenen Frau. Vielleicht, als er nachdenkt, ob er das Mädel doch nehmen soll.


Mir ist auch Jandra ein bissel zu blass, wahrscheinlich weil der Text sehr weit von ihr entfernt ist. Wieso will sie kämpfen lernen? So sehr, dass sie sich dafür in Gefahr begibt? Erstmal lockt mich diese Frage zum Weiterlesen, aber sie sollte bald wenigstens teilweise beantwortet werden. In diesem Zusammenhang würde ich auch die Perspektive nochmal überdenken. Bislang ist sie sehr weit von Jandra entfernt, was einiges verschenkt, finde ich.

Was für mich aber schonmal klar ist: Das ist der beste Fantasy-Einstieg den ich von Dir bislang gelesen habe. Er macht mich neugierig.


Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht.

Aure

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #33 am: 15 August 2018, 20:30:39 »
Ich will es schon seit einer Weile sagen: ich finde den Lehrer sehr interessant. Das hat sicher viel mit meinen Präferenzen zu tun; ich finde ihn aus genau den Gründen spannend, die Ryek aufgezählt hat.
Er ist alt, hat also eine Vergangenheit, und anscheinend eine, die deutliche Spuren hinterlassen hat. In gewisser Weise ist er auch festgefahren. Das lässt mich neugierig darauf werden, was der Kontakt zu dieser neuen Schülerin mit ihm macht, was da für alte Strukturen aufbrechen (von ihr aufgebrochen werden) und in welche Wechselwirkung die beiden miteinander treten.
Sie wirkt neben ihm für mich recht eindimensional, deshalb liegt der Fokus meiner Neugier auf ihm (wie verändert ihn dieser Kontakt, welche Konflikte löst der Kontakt bei ihm aus, etc ... ).
Es kann natürlich sein, dass ich das anders wahrnehmen würde, wenn ich sie - so wie es im Gesamtwerk wohl auch ist - zu diesem Zeitpunkt schon kenne.
Ich glaube jedenfalls, dass du aus der Beziehung der beiden viel rausholen kannst und würde mich freuen, wenn bald wieder was auf dem Rost landet.
We are not nouns, we are verbs. I am not a thing – an actor, a writer – I am a person who does things – I write, I act – and I never know what I am going to do next. I think you can be imprisoned if you think of yourself as a noun.
(S. Fry)

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #34 am: 16 August 2018, 17:01:08 »
Hallo Trippel,
Danke für die Rückmeldung zum Trainer. Ich denke drüber nach, weiß aber noch nicht recht, wo und wie ich ihm mehr Profil geben soll. Vor allem wo. Das ist eine erste Begegnung.

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #35 am: 16 August 2018, 17:05:56 »
Hallo merin, vielen Dank!

Zitat
Zitat
Der Papa des Jungen stand mit offenem Mund da.
Ich finde es komisch, dass du nicht Vater sagst. Es ist ja Erzählstimme und nicht Perspektive des Jungen.
Da hast Du einen Fehler aufgedeckt. Natürlich muss es „Vater“ heißen. Allerdings handelt es sich nicht um eine neutrale Erzählstimme, sondern die Perspektive des Trainers.


Zitat
Manchmal schreibst du aus der Perspektive von Jandra, manchmal nicht. Der Beginn schaut ja eher dem Trainer über die Schulter, da ist auch recht viel Innenleben. Das hört leider dann auf, wenn es spannend wird: Wenn er entscheiden muss, ob er sie nimmt.
Der erste Abschnitt ist die Perspektive des Trainers, er geht bis zu „Der Mann starrte ihn blöde an. „Nein, aber … aber das ist meine Tochter!“
Nun folgt ein Absatz. Der sollte den folgenden Perspektivwechsel zu Jandra deutlich machen. Normalerweise setze ich dort ein Sternchen *, aber irgendwie klappte das bei dem Rösttext nicht, wahrscheinlich trug das zu Unklarheit bei.
Ab „Es war dumm zu lachen, Papa würde sich nur noch mehr ärgern, er war sowieso stinksauer, weil sie ihm auf dem Markt davongelaufen war“ ist es Jandra-Perspektive.

Zitat
Ich hätte gern wenigstens eine Ahnung, was er über die Heilerin hätte sagen wollen und wieso er so sicher ist, dass sie Jandra aufnehmen wird.

Ein kleines Geheimnis, das später gelüftet wird. Und er ist nicht sicher, er sagt ja: „wenn sie (die Heilerin) einverstanden ist.

Zitat
Schwierig finde ich auch, dass der Anfang so gar nichts mit dem Rest zu tun hat.

Er sollte Tupkors inneren Zustand erklären. Ein Verlust, Langeweile, er säuft.

Zitat
Wieso will sie kämpfen lernen? So sehr, dass sie sich dafür in Gefahr begibt? Erstmal lockt mich diese Frage zum Weiterlesen, aber sie sollte bald wenigstens teilweise beantwortet werden.

Diese Frage wurde schon im vorhergehenden Kapitel geklärt. Es handelt sich nicht um den Einstieg zu dieser Geschichte, es ist ein Folgekapitel.
 :daaanke:

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #36 am: 16 August 2018, 17:11:29 »
Hallo Aure,
Zitat
Ich will es schon seit einer Weile sagen: ich finde den Lehrer sehr interessant.

Zitat
liegt der Fokus meiner Neugier auf ihm (wie verändert ihn dieser Kontakt, welche Konflikte löst der Kontakt bei ihm aus, etc ... ).

Das ist für mich eine sehr spannende Wahrnehmung beim Lesen.  Danke dafür!  :daaanke:

Allerdings liegt der Fokus der gesamten Geschichte auf Jandra, die schon vorher eingeführt wurde. Was mich nicht hindern wird, den Lehrer noch genauer auszuführen.

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #37 am: 17 August 2018, 08:49:27 »
Lol, da scheinen wir ja alle drauf zu warten. Den Lehrer!

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #38 am: 17 August 2018, 11:49:10 »
Ich denke, der Lehrer wird klarer, wenn du uns an seinen Abwägungen, wieso er Jandra nimmt, etwas mehr teilhaben lässt. Da lassen sich ja auch einige Infos zu seiner Vergangenheit einflechten, bzw. ich hatte ja konkret vorgeschlagen, den Beginn mit dem Verlust wieder aufzugreifen, damit der da nicht so isoliert hängt.
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Re: Neuer Schüler
« Antwort #39 am: 21 August 2018, 12:01:49 »
Hallo Oldlady,

es gibt hier ja doch Fantasy von dir zu Lesen, was ich prompt auch gleich mal getan habe :)

Tut mir leid, wenn ich vieles hier vielleicht wiederhole, aber ich habe mir jetzt nicht alle Reviews/Kritiken von den anderen Mitgliedern zu deinem Textabschnitt durchgelesen.


Ist es glaubhaft, dass Tupkor sich darauf einlässt, das Mädchen auszubilden?

Das hängt ganz davon ab, was Tupkor für ein Mensch ist bzw. was er vorher erlebt hat. Rein vom Textausschitt her akzeptiert er ihre Ausbildung viel zu schnell und unüberlegt, aber das könnte mit einer zusammenhängenden Vorgeschichte Tupkors wieder ganz anders aussehen. Vielleicht erinnert sie ihn an eine Schwester von ihm, die genauso Anfing wie Jandra und am Ende sogar großes Vollbracht hat.


Welchen Eindruck macht Jandra auf Euch?

Ich war am Anfang nach der Beschreibung Jandras verwirrt, von welchem Jungen Tupkor die ganze Zeit über sprach. Für mich war sie irgendwie von Anfang an ein Mädchen, weiß auch nicht warum ^^*

Da ich selbst Kinder habe, kann ich an ihr leider nicht ganz unparteiisch herangehen. Kinder machen auf mich aber einen ehr weinerlichen und ängstlichen Eindruck. Auch ein Abstecher nach Nigeria, wo für Kinder in manchen Ecken sehr raue Sitten herrschen, konnte ich keinen so eiskalten und vor allen Dingen talentierten Jäger sehen. Jandra kommt mir sehr abgeklärt rüber, dem noch nicht einmal das Wegkommen vom 'Papa' etwas auszumachen scheint.


Sonstige Anmerkungen:

Ich finde den Textausschnitt sehr schön geschrieben. Es liest sich flüssig und bis auf den zusammenhangslosen Anfang auch wunderbar Stimmig. Leider wirkt die Charakterbeschreibung des Vaters sehr platt und hätte ruhig mehr Tiefgang vertragen, immerhin lässt er hier für immer seine Tochter gehen.

Mehr kann ich leider zu dem kurzen Textausschnitt nicht sagen, da mir viele Details aus deiner selbst ausgedachten Welt fehlen, Weltanschauung, Politik, Philosophie, usw. Ich hoffe, es half dir aber trotzdem ein wenig weiter.

LG ElementAutor

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #40 am: 23 August 2018, 16:12:38 »
Hallo Sven,

Zitat
Tut mir leid, wenn ich vieles hier vielleicht wiederhole, aber ich habe mir jetzt nicht alle Reviews/Kritiken von den anderen Mitgliedern zu deinem Textabschnitt durchgelesen.
Das ist auch gut so. Man gibt die  Eindrücke besser wieder, wenn man unvoreingenommen ist. Ich mache das immer so und lese die anderen Kritiken hinterher.

Zitat
Zitat
Ist es glaubhaft, dass Tupkor sich darauf einlässt, das Mädchen auszubilden?

Das hängt ganz davon ab, was Tupkor für ein Mensch ist bzw. was er vorher erlebt hat. Rein vom Textausschitt her akzeptiert er ihre Ausbildung viel zu schnell und unüberlegt, aber das könnte mit einer zusammenhängenden Vorgeschichte Tupkors wieder ganz anders aussehen. Vielleicht erinnert sie ihn an eine Schwester von ihm, die genauso Anfing wie Jandra und am Ende sogar großes Vollbracht hat.
Dieser Eindruck ist mir sehr wichtig. Da braucht es noch mehr Arbeit meinerseits.

Zitat
Mehr kann ich leider zu dem kurzen Textausschnitt nicht sagen, da mir viele Details aus deiner selbst ausgedachten Welt fehlen, Weltanschauung, Politik, Philosophie, usw. Ich hoffe, es half dir aber trotzdem ein wenig weiter.

Das hast Du, danke!

LG Oldlady

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #41 am: 23 August 2018, 16:28:44 »
Willst du sie nun eigentlich von Anfang an, als Frau in den Gladiatorring werfen oder erstmal verheimlichen und sie als verkleideten Mann kämpfen lassen?
Das würde mich gerne mal interessieren, denn gerade Zweiteres, finde ich besonders faszinierend, da ich dies noch nirgendwo jemals auf diese Art und Weise weder gelesen noch gesehen habe :)

Oldlady

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #42 am: 23 August 2018, 21:27:47 »
Ich lasse sie kämpfen. In einer Kultur, die Frauen dafür nicht vorgesehen hat, ergibt sich daraus ganz schön Konfliktpotenzial. Als Hintergrundthema meines Buchs werden die Rollen, die Menschen in ihrer Gesellschaft spielen müssen, sehr wichtig sein. Und sie ist nicht die/der  Einzige, der aus der Rolle fällt.

Übrigens gibt es bereits Bücher mit dem Thema "als Mann verkleidete Frau", zum Beispiel "Gustav Adolfs Page" , eine 1882 erschienene Novelle von Conrad Ferdinand Meyer. Außerdem kommt das in einigen klassischen Komödien vor.

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #43 am: 23 August 2018, 22:08:23 »
Ich dachte auch grade, dass ich einiges kenne, wo das der Fall ist. Dein Konzept finde ich in jedem Fall auch spannend, einfach, weil aus der Rolle fallen mich interessiert.
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht.

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #44 am: 24 August 2018, 08:57:58 »
Von Geschichten, in dem sich eine Frau als Mann verkleidet bzw. ausgibt kenne ich auch mehr als genügend. Ich kenne nur keine, in der eine verkleidete Frau als Gladiator kämpft, ganz im Stile des klassischen Roms. Das soll aber nicht heißen, dass es die nicht auch gibt, ich kenne halt nur keine.
Tut mir leide, wenn ich mich undeutlich ausgedrückt habe.

merin

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #45 am: 24 August 2018, 10:39:48 »
Wenn ich Oldlady richtig verstanden habe ist ihr Setting nicht an die Antike angelehnt. Nun bin ich neugierig, ob es doch so ist?
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht.

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #46 am: 24 August 2018, 11:16:55 »
Das ist das schöne an Fantasy, sie muss sich keiner Epoche unterordnen. Im neusten Thor Film gab es zum Beispiel auch Gladiatorkämpfe und der spielt sicherlich nicht in der Antike.

Zitat
Dabei hatte er sicher schon von dem ehemaligen Gladiator gehört – jeder in Zuighera kannte ihn.

Ich ging einfach mal davon aus, dass sich ihr Fokus auf genau
diese Kämpfe konzentriert, kann mich aber auch irren.

Oldlady

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #47 am: 24 August 2018, 14:00:32 »
Doch, mein Setting ist an die Antike angelehnt, was der Leser durchaus spüren soll. Und ich hoffe durch dieses Manöver, nicht gar so viel erklären zu müssen, z. B. dass es keine Feuerwaffen gibt, keine Glasfenster, kein Plastik, Pferde statt Motoren, keinen Buchdruck ...   Götter und Glauben sind anders, auch das Gladiatorenwesen ist verändert, und das dürfte während des Lesens deutlich werden. Angelehnt trifft es gut.

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #48 am: 24 August 2018, 15:35:22 »
Dann dachte ich ja doch gar nicht so falsch.

Oldlady

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Re: Neuer Schüler
« Antwort #49 am: 27 August 2018, 17:51:26 »
Hallo mods,

hier kann dann geschlossen werden. Meinetwegen kann das auch als Beispiel für Röstungen öffentlich sein.

Vielen Dank Euch allen!  :daaanke: