19 Januar 2021, 23:11:28

Autor Thema: Amata am Hof des persischen Großkönigs  (Gelesen 546 mal)

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kass

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Re: Amata am Hof des persischen Großkönigs
« Antwort #15 am: 26 Februar 2020, 18:57:07 »
Zitat
Hab ich sehr ausführlich. Tatsächlich fände ich Parysatis auch am logischsten. Aber da die Romanreihe 70 Jahre abhandelt und ich zwei Charaktere möchte, die die komplette Reihe gleich sind, habe ich als einen Amata gewählt. Sie wird noch ziemlich wichtig. Aber daher musste ich sie auch so jung wählen. Parysatis ist nicht mehr lange wichtig und wird bald sterben. Und ich wollte einfach nicht einen POV nehmen, der nur in einem Band für 2 Kapitel vorkommt und dann nie wieder. Der Leser soll sich ja mit den Charakteren identifizieren können und auch länger was von ihnen haben.

Kann ich gut nachvollziehen und muss trotzdem widersprechen. Du hast ja mehrere POVs, manchmal ist es sogar hilfreich, anhand einer dritten Person auf die (spätere) Hauptfigur zu schauen. Sogar aus der Sicht einer Nebenfigur wie einer - ich nenne sie mal - Gouvernante. Irgendjemand muss doch für die Erziehung von Amata sorgen, sie ausbilden. So jemand könnte für eine gewisse Zeit POV sein.

Ich hab gelesen, welchen Zeitrahmen du überspannen willst (Hut ab vor diesem Mammut-Projekt!!!), und verstehe, warum du im Alter von 6 Jahren anfangen willst. Das stelle ich mir nur extrem schwer vor, dann nach und nach die Sprache, die ja eh in einer anderen Zeit spielt, dem Älterwerden von Amata anzupassen. Es könnte einfacher sein, eine weitere Figur hinzuziehen.

LG
Kass
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merin

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Re: Amata am Hof des persischen Großkönigs
« Antwort #16 am: 26 Februar 2020, 21:11:08 »
Ich stimme kass zu. POV und Protagonistin müssen nicht identisch sein und ich habe einige gute Bücher gelesen, in denen eine Perspektive vorkam, die nicht wieder kam oder nur sehr selten. Amata aus der Sicht einer erwachsenen Person einzuführen, birgt eine Menge Vorteile, die meiner Meinung nach die Nachteile der auf eine Sechsjähige begrenzten Sicht aufwiegen.
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht.

LaHallia

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Re: Amata am Hof des persischen Großkönigs
« Antwort #17 am: 27 Februar 2020, 20:07:56 »
Hi ihr,

ich hab jetzt wirklich nochmal lange über die POVs nachgedacht. Und ihr habt wohl Recht. Es ist nicht zwingend notwendig Amata jetzt schon als POV einzuführen. Am Ende des ersten Bands wäre sie schon 9, und diese 3 Jahre machen bei einem Kind wohl auch schon viel aus.
Auch hat jemand geschrieben, dass es nicht wirklich einen Grund gibt, warum Amata da in diesem Raum ist. Auch das hat mir zu denken gegeben. Man könnte ihren POV durch jeden X-beliebigen austauschen, da es in dieser Szene hauptsächlich um Parysatis und Artaxerxes Problemchen geht, nicht aber um den POV an sich.
Daher wäre es wohl tatsächlich sinnvoller diese Szene/Kapitel aus Parysatis POV zu beschreiben und Amata erst dann reinzubringen, wenn es Sinn macht und Amata so weit ist, dass sie eigene Ziele/Bedürfnisse hat, über die es sich zu schreiben lohnt.

Liebe Grüße
Sie müssen erzählerische Risiken eingehen. Vor allem aber: niemals versuchen, den anderen zu gefallen. Sie müssen so hoch zielen, dass Sie ganz tief fallen können. Dann vielleicht haben Sie Erfolg. (Frank Schätzing)

Viskey

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Re: Amata am Hof des persischen Großkönigs
« Antwort #18 am: 28 Februar 2020, 22:06:42 »
Hey, LaHallia!

1. Amata (aus deren Sicht erzählt wird) soll ein 6 jähriges Mädchen sein. Ich fürchte, das hab ich gar nicht gut getroffen. Hierzu wäre ich für Tipps dankbar, wie ich in den Kopf eines 6 jährigen Kindes komme, das fern seiner Familie und Heimat in völlig fremder Umgebung ist.

Also die Sicht einer Sechsjährigen erkenne ich hier einfach gar nicht, das hast du durchaus richtig erkannt.
Wenn ich mir diese Szene so vorstelle, ich als Sechsjährige hätte das Gespräch spätestens nach der dritten Dialogzeile ausgeblendet und nur versucht, mich von diesen negativen Gefühlen wegzuträumen, wenn ich schon nicht körperlich davon kann.
In dem Alter kann sie doch noch gar nicht erfassen, was da gesprochen wird, sie bekommt nur die Gefühle mit, und die würden ihr vor allem Angst machen. Ansätze dazu sind ja schon da, aber Amata bleibt trotzdem viel zu nüchtern und klar ... und viel zu erwachsen.
Davon abgesehen frage ich mich, was eine sechsjährige Dienerin für einen Sinn haben soll. Früher wurde man zwar früher erwachsen als heute, jedenfalls wurde man früher als erwachsen angesehen, aber mit sechs fehlen ihr einfach noch viel zu viele Fähigkeiten, die sie zu einer brauchbaren Dienerin machen. Die könnte man erst mal in einer unwichtigen Position an die Arbeit als Dienerin heranführen. Einfache Sachen wie ... pft, was auch immer damals gemacht werden musste, nach dem Essen den Tisch abräumen, die Pölster im Palast aufschütteln ... Fragmichpups. :dontknow:

Außer, Amata erfüllt am Hof eine ganz andere Rolle, und man nennt sie halt Dienerin, weil ... keine Ahnung. Aber ich sehe nicht, dass man ein solches Kind, das sich noch nicht einmal phasenweise in eine ältere Person hineinversetzen kann und daher als Dienerin nutzlos ist, am Hof der Königin platziert. Könige waren damals zwar noch ein etwas kleineres Kaliber als heute, aber Fliegenschisse waren sie auch nicht. Denen hat man sicher auch nach besten Kräften den Bauch gepinselt.

Also, je nachdem wie die weiteren Pläne aussehen: Klarmachen, dass Amata keine 08/15-Dienerin ist, oder Amata älter machen. Mit sechs kann sie die Rolle, die du ihr in dieser Szene zuschreibst, einfach nicht erfüllen.

Davon abgesehen würde ich hier fast zum auktorialen Erzähler raten. Es scheint mir, als würdest du immer wieder Erklärungen einwerfen wollen, was absolut ok ist, gerade wenn du in einer Epoche schreibst, die den wenigsten Lesern vertraut sein dürfte. Ich würde mich über die eingestreuten historischen Anhaltepunkte sehr freuen. Aber das geht nur, wenn du von außen hineinschaust. Amata, für die diese Welt ja ihre ist, würde sich nicht bemüssigt fühlen, irgendwas davon zu erklären. Ist ja alles klar, jeder weiß dieses und jenes. Wenn du das von einer personalen Perspektive heraus erklärst, schmeckt es sehr schnell nach Infodump. Was es ja eigentlich auch ist, aber als auktorialer Erzähler hast du die Freiheit, es zu tun, ohne dass es fehl am Platz wirkt.


Zitat
2. Ich bin sehr spezialisiert auf diese Epoche der Geschichte. Der durchschnittliche Leser wohl nicht. Welche Informationen fehlen euch? Könnt ihr euch orientieren WO ihr seid? Wer die Leute sind? Was mit Kyros und Stateira passiert ist und wie hier die Zusammenhänge für Parysatis (die Königinmutter) sind? Könnt ihr euch ganz grob zeitlich orientieren?

Ganz kurz: Irgendwo, irgendwann im antiken Griechenland. Genaueres weiß ich nicht, und ich hab auch nicht das Gefühl, dass ich es wissen muss, um der Geschichte folgen zu können.


Ich hoffe, meine Gedanken helfen dir weiter.

LG Viskey
"There is no such thing as bad work, just unfinished work." - Eric Idle