15 Mai 2021, 19:22:52

Autor Thema: Zorn  (Gelesen 1070 mal)

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Oldlady

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Zorn
« am: 29 Februar 2020, 17:41:39 »
Hallo Teufel,

hier ein kurzer Abschnitt aus meinem aktuellen Fantasieprojekt, der mir Schwierigkeiten macht.
Ein Herrscher ist wütend,  fühlt sich schrecklich blamiert.

Der Zorn sprengte schier Mahors Brust. Seine Fäuste ballten sich, in seinem Magen wanden sich glühende Würmer. Seine Zähne knirschten.
Er stapfte in seinem Arbeitszimmer auf und ab, wischte die Papiere vom Tisch, schleuderte einen Stuhl in die Ecke.
Was für eine Schmach. Von seinen Leibwächtern gefunden zu werden, gefesselt und geknebelt von einer Frau.
Er hielt sich gerade noch zurück, mit den Fäusten gegen die Wand zu hämmern. Denn das hätte Geret gehört, der im Vorzimmer wartete.

Ich finde das noch ein bisschen schwach.
Wie könnte man diese Gefühle besser darstellen?

Paradieseule

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Re: Zorn
« Antwort #1 am: 29 Februar 2020, 21:42:34 »
Hallo Oldlady,
Ich hätte die Reihenfolge umgestellt. Mir springt das zu viel (Brust – Fäuste – Magen (mit Glühwürmern?)- Zähne)
Wenn ich selbst in das Gefühl eintauche: Würde ich mit den Fäusten beginnen, die Anspannung spüren – Atmen - schreien wollen (tief aus mir heraus). Das Zähneknirschen passt für mich nicht. (vielleicht ein Zusammenpressen oder Fletschen)

Seine Fäuste ballten sich und die Anspannung sprengte schier seine Brust. Wie ein Vulkan, kurz vor dem Ausbruch saß der Zorn in seinen Magen …
Er stapfte in seinem Arbeitszimmer auf und ab. Was für ein Schmach! Mit einem Ruck wischte er die Papiere vom Tisch und schleuderte den Stuhl in die Ecke …

LG Paradieseule
"In jedem Buch begegne ich meiner Seele" Isabel Allende

LaHallia

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Re: Zorn
« Antwort #2 am: 29 Februar 2020, 21:52:18 »
Hi Oldlady,

dann wollen wir mal:

Zitat
Der Zorn sprengte schier Mahors Brust.
Das "schier" nimmt hier für mich eher Bedeutung weg, als diese zu verstärken.

 
Zitat
Seine Fäuste ballten sich, in seinem Magen wanden sich glühende Würmer. Seine Zähne knirschten.
Zu viel auf einmal zu wenig beschrieben und zu viel "seine".
Du könntest hier, um diese drei Aufzählungen aufzulockern, ruhig näher darauf eingehen. Hat er vielleicht Ringe an den Händen, die sich jetzt auch noch in seine Hand bohren?
Den guten Vergleich mit den Würmen würde ich stärken, der ist einzigartig. Wohingegen das abgetroschene Zähneknirschen gestrichen werden könnte (zu Gunsten der glühenden Würmer).

Zitat
Er stapfte in seinem Arbeitszimmer auf und ab, wischte die Papiere vom Tisch, schleuderte einen Stuhl in die Ecke.
Hier gleich die nächste Dreieraufzählung. Das sind in SUmme jetzt zu viele Aufzählungen hintereinander. Auch hier: konzentrier dich auf etwas und bau das aus.
"stapfen" ist für mich ein lächerlicher Ausdruck. Das macht ein 3 jähriges Kind, wenn es kein zweites Eis bekommt, kein wütender Erwachsener. Das würde ich wohl streichen und dafür zB die Papiere die vom Tisch fliegen und am Boden landen näher beschreiben. Gibt ihm das was? Fühlt er sich jetzt besser? Geh wieder auf seine Stimmung ein.

Zitat
Was für eine Schmach. Von seinen Leibwächtern gefunden zu werden, gefesselt und geknebelt von einer Frau.
"Was für eine Schmach" würde ich streichen. Damit hältst du deinen Leser für dumm. ich kann mir schon vorstellen, wie peinlich das für so einen "tollen" Mann ist, von einer Frau (!) überwältigt worden zu sein. Dafür würde ich die Situation näher beschreiben. War er nackt und ist auf eine Frau reinegfallen weil er dachte, sie würde mit ihm schlafen? Hat sie ihm Hinterrücks beim Lesen überfallen? Oder am Klo? Wo und wie (grob) hat sich das zugetragen?

Zitat
Er hielt sich gerade noch zurück, mit den Fäusten gegen die Wand zu hämmern. Denn das hätte Geret gehört, der im Vorzimmer wartete.
Warum ist es wichtig, dass Geret es nicht hört? ER ist der Herrscher, kann ihm doch wurscht sein was Geret hört und was nicht?

Sehr kurz natürlich der Absatz, daher kann ich auch sonst inhaltlich nichts dazu sagen.

Liebe Grüße
Sie müssen erzählerische Risiken eingehen. Vor allem aber: niemals versuchen, den anderen zu gefallen. Sie müssen so hoch zielen, dass Sie ganz tief fallen können. Dann vielleicht haben Sie Erfolg. (Frank Schätzing)

eska

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Re: Zorn
« Antwort #3 am: 29 Februar 2020, 23:03:06 »
Hallo Oldlady;

wie wäre es mit ein bisschen Innensicht dazu?
Etwa in der Art: Verdammt! Verdammt und dreimal verdammt sei dieses Weib! Mahors Brust hatte gar nicht genug Raum für seinen Zorn, er wühlte sich in seine Eingeweide wie eine glühende Schlange (Würmer sind so klein und so erbärmlich). Wie hatte ihm das nur passieren können! (Hier eventuell Details einfügen). Und dann gefesselt und geknebelt hier zu liegen, bis die Leibwächter ihn fanden. Wie lange es gedauert hatte, bis sie das Pochen seiner Füße gehört hatten. Seine Fersen taten immer noch weh. Dummköpfe. Und diese Blicke! Die würde er nie vergessen. Noch vergeben. Diese Leute mussten weg, sonst konnte er für nichts garantieren. Er ballte die Rechte und rieb mit der Linken über die Striemen am Gelenk. Dass sie es gewagt hatte, ihn zu verletzen! Als könnte er nicht befehlen, sie von der Erde zu fegen, einfach so - sein Arm wischte den Stapel Papiere vom Tisch, sah sie vor seine Füße flattern, er brauchte nur draufzutreten.

Während ich es jetzt versucht habe, fiel mir auf, dass ich die körperlich ausagierte Wut nicht recht überzeugend finde. Ein Herrscher muss doch bestimmt oft auf Situationen reagieren, die ihn ärgern. Er hat gelernt, sich zu verstellen, nach außen ruhig zu bleiben, um seinen Feinden keine Angriffsfläche zu bieten. Sein Zorn muss, wenn er denn schon die Disziplin durchbricht, überwältigend sein, eben nicht Stühle umstürzen, sondern ganze Lebensentwürfe. Vielleicht sucht er einen Sündenbock. Oder er malt sich, wenn er ein grausamer, absoluter Herrscher ist, aus, wie sich die Krokodile oder Ameisen oder andere fiese Viecher in der Menagerie über die Leibwächter-Speise freuen werden. Oder wie er die Frau, sobald er sie hat, vor aller Augen ausstellen will in demütigender Lage natürlich. Das hängt sehr davon ab, was für ein Typ er ist.

Mal sehen, was du aus dem Stück Text machst...
Viel Spaß dabei,

eska

Viskey

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Re: Zorn
« Antwort #4 am: 01 März 2020, 10:52:47 »
Ich hätte daran jetzt nichts auszusetzen, aber ich weiß natürlich nicht genau, was du bewirken willst. Und die Frage ist für mich auch, wie es sich diese Stelle im Gefüge macht.

Wenn du es stärker willst, würde ich einen Gedanken an die Frau erwarten, die ihn so überwältit hat ... Diese Kanaille, diese Teufelin ... irgendwie sowas. Wobei ich jetzt zugebe, das meine zwei Beispiele nicht sehr überzeugtend sind ...  :watchout:
"There is no such thing as bad work, just unfinished work." - Eric Idle

tlt

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Re: Zorn
« Antwort #5 am: 01 März 2020, 15:09:58 »
Mir ist der Absatz zu kurz, um da etwas sagen zu können. In dem ist mir auf jeden Fall zu viel Äußerliches. Brust, Fäuste, Zähne … Mein Zorn wäre eher innen. Der Kopf wird zornig, der Rest lässt nur Dampf ab. Und wenn er wirklich ein Herrscher ist, ein zorniger Herrscher, dann geht es ihm nicht darum, irgendwer hört, dass er an Wände bummert. Dann geht es ihm darum, dass Köpfe rollen. Dann will er Rache, Genugtuung, seine Macht und sein Ansehen wieder herstellen. Das ist die Außenwirkung.

Die Darstellung seines Zornes kannst Du nach innen vielleicht viel besser darstellen, dass er etwas macht, was er (ein Herrscher) sonst nie macht. (Aber nur, wenn er alleine ist.) Er weint (seit er als Kind vom Pferd gefallen ist, hat er das nicht mehr getan). Er steht eine Stunde lang still auf einem Fleck und starrt eine Vase an. Er betrinkt sich hemmungslos. …

Vielleicht hilft das als Anstoß. LG
Ich bin zu alt für das alles.

Salamander

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Re: Zorn
« Antwort #6 am: 02 März 2020, 10:49:32 »
Hallo Oldlady,
ich schließe mich den Kommentatoren an, die gerne mehr Innensicht hätten.
Also, wenn man an Gedanken und Gefühlen des Herrschers stärker teilhaben kann als Leser.
Teilweise ist es schon da, mit dem schönen Bild der Würmer im Magen.
Der Zorn in der Brust verursacht dort sicher großen Schmerz, den man beschreiben könnte. Und seine wütenden Gedanken wiedergeben.
Je näher der Leser dran ist, je mehr Identifikation, desto stärker die Wirkung des Textes.
LG
Salamander

merin

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Re: Zorn
« Antwort #7 am: 02 März 2020, 14:26:16 »
Liebe Oldlady,

ich habe auch nichts daran auszusetzen (außer dass ich die glühenden Würmer als Bild nicht so gelungen finde) und finde, dass es sehr vom Umfeld abhängt, ob das so geht. Wenn du es stärker haben willst, würde ich dafür plädieren, mehr in seinen Kopf zu schauen. Was macht sein Kopfkino? Vierteilt er die Frau? Beschimpft er sie im Geiste wüst? Irgendwie sowas.
Dann würde ich ihn stampfen lassen, statt stapfen. Und ich wundere mich, wieso er einen Stuhl wirft ohne daran zu denken, gehört zu werden. Zumindest in einem steinernen Haus wäre das viel lauter als wenn ich mit den Fäusten gegen die Wand trommele.

Liebe Grüße
merin
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht.

Mooncat

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Re: Zorn
« Antwort #8 am: 02 März 2020, 15:28:37 »
Hallo
Hmm. Kommt darauf an, wie er wirken soll. Im Moment kommt er bei mir ziemlich puperbierend rüber, so eher lächerlich. Wenn du das willst, dann ist alles gut.

Wenn nicht - tja. Dann ist hier zu viel beschrieben. Da fehlt entweder die Kälte in seinem eisigen Zorn oder der kurze aber heftige Ausbruch in seinem Jähzorn.

Denke, da ist der Hauptpunkt, an dem du Dir klarer werden musst.

Hoffe, das hilft.
« Letzte Änderung: 02 März 2020, 15:32:51 von Mooncat »
Das Leben ist kurz - der Tod ist ewig.
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Oldlady

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Re: Zorn
« Antwort #9 am: 03 März 2020, 16:37:19 »
Hallo Paradieseule,

Zitat
Wenn ich selbst in das Gefühl eintauche: Würde ich mit den Fäusten beginnen, die Anspannung spüren – Atmen - schreien wollen
Ich finde Deinen Vorschlag, die Reihenfolge zu ändern,  hervorragend!

Zitat
Das Zähneknirschen passt für mich nicht. (vielleicht ein Zusammenpressen oder Fletschen)
Zähne fletschen geht wohl nicht, da dies eher jemand von außen sieht. Vielleicht finde ich noch einen besseren Ausdruck.
Vielen Dank!

Oldlady

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Re: Zorn
« Antwort #10 am: 03 März 2020, 16:41:27 »
Hallo La Hallia,
herzlichen Dank!

Zitat
Zitat
Der Zorn sprengte schier Mahors Brust.
Das "schier" nimmt hier für mich eher Bedeutung weg, als diese zu verstärken.

Ich hatte auch das Gefühl, dass mit dem Wort etwas nicht stimmt. Aber  dass der Zorn die Brust sprengt, ohne Einschränkung, passt auch nicht ganz. Muss ich mir noch was einfallen lassen.

Zitat
Zitat
Seine Fäuste ballten sich, in seinem Magen wanden sich glühende Würmer. Seine Zähne knirschten.
Zu viel auf einmal zu wenig beschrieben und zu viel „seine".
Wird geändert!

Zitat
Zitat
Er stapfte in seinem Arbeitszimmer auf und ab, wischte die Papiere vom Tisch, schleuderte einen Stuhl in die Ecke.

Hier gleich die nächste Dreieraufzählung. Das sind in SUmme jetzt zu viele Aufzählungen hintereinander.

Richtig. Wird geändert.

Zitat
"stapfen" ist für mich ein lächerlicher Ausdruck. Das macht ein 3 jähriges Kind, wenn es kein zweites Eis bekommt

Für mich klingt es nicht lächerlich. Es bringt zum Ausdruck, dass er laut auftritt. Das Kind würde mit den Füßen stampfen.

Zitat
Zitat
Was für eine Schmach. Von seinen Leibwächtern gefunden zu werden, gefesselt und geknebelt von einer Frau.

"Was für eine Schmach" würde ich streichen. Damit hältst du deinen Leser für dumm. ich kann mir schon vorstellen, wie peinlich das für so einen "tollen" Mann ist, von einer Frau (!) überwältigt worden zu sein. Dafür würde ich die Situation näher beschreiben. War er nackt und ist auf eine Frau reinegfallen weil er dachte, sie würde mit ihm schlafen? Hat sie ihm Hinterrücks beim Lesen überfallen? Oder am Klo? Wo und wie (grob) hat sich das zugetragen?

Der Leser hat das miterlebt.


Zitat
Zitat
Er hielt sich gerade noch zurück, mit den Fäusten gegen die Wand zu hämmern. Denn das hätte Geret gehört, der im Vorzimmer wartete.

Warum ist es wichtig, dass Geret es nicht hört? ER ist der Herrscher, kann ihm doch wurscht sein was Geret hört und was nicht?

Gerade ein Herrscher muss die Fassade wahren.

Oldlady

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Re: Zorn
« Antwort #11 am: 03 März 2020, 16:43:22 »
Hallo eska,
ein dickes Danke!
Zitat
wie wäre es mit ein bisschen Innensicht dazu?
Etwa in der Art: Verdammt! Verdammt und dreimal verdammt sei dieses Weib! Mahors Brust hatte gar nicht genug Raum für seinen Zorn, er wühlte sich in seine Eingeweide wie eine glühende Schlange (Würmer sind so klein und so erbärmlich). Wie hatte ihm das nur passieren können! (Hier eventuell Details einfügen). Und dann gefesselt und geknebelt hier zu liegen, bis die Leibwächter ihn fanden. Wie lange es gedauert hatte, bis sie das Pochen seiner Füße gehört hatten. Seine Fersen taten immer noch weh. Dummköpfe. Und diese Blicke! Die würde er nie vergessen. Noch vergeben. Diese Leute mussten weg, sonst konnte er für nichts garantieren. Er ballte die Rechte und rieb mit der Linken über die Striemen am Gelenk. Dass sie es gewagt hatte, ihn zu verletzen! Als könnte er nicht befehlen, sie von der Erde zu fegen, einfach so - sein Arm wischte den Stapel Papiere vom Tisch, sah sie vor seine Füße flattern, er brauchte nur draufzutreten.

mir gefällt Deine Variante gut! Etwas mehr in dieser Richtung werde ich es schreiben.

Zitat
Während ich es jetzt versucht habe, fiel mir auf, dass ich die körperlich ausagierte Wut nicht recht überzeugend finde. Ein Herrscher muss doch bestimmt oft auf Situationen reagieren, die ihn ärgern. Er hat gelernt, sich zu verstellen, nach außen ruhig zu bleiben, um seinen Feinden keine Angriffsfläche zu bieten.

Der Herrscher ist allein. Da kann er die Maske fallen lassen. Wobei er schon noch aufpasst, dass nichts nach außen dringt, deshalb hämmert er nicht mit den Fäusten.

Zitat
Sein Zorn muss, wenn er denn schon die Disziplin durchbricht, überwältigend sein, eben nicht Stühle umstürzen, sondern ganze Lebensentwürfe.

Das wird er tun. Aber im ersten Moment ist die Reaktion körperlich.

Oldlady

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Re: Zorn
« Antwort #12 am: 03 März 2020, 16:45:00 »
Hallo Viskey,

Zitat
Wenn du es stärker willst, würde ich einen Gedanken an die Frau erwarten, die ihn so überwältit hat ... Diese Kanaille, diese Teufelin ... irgendwie sowas.

Ja, da fehlt noch was!

Dankeschön!


Oldlady

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Re: Zorn
« Antwort #13 am: 03 März 2020, 16:47:55 »
Hallo tlt,

vielen Dank fürs Rösten!

Zitat
Mein Zorn wäre eher innen. Der Kopf wird zornig, der Rest lässt nur Dampf ab. Und wenn er wirklich ein Herrscher ist, ein zorniger Herrscher, dann geht es ihm nicht darum, irgendwer hört, dass er an Wände bummert. Dann geht es ihm darum, dass Köpfe rollen. Dann will er Rache, Genugtuung, seine Macht und sein Ansehen wieder herstellen.

Die erste Zornreaktion ist körperlich. Und er will Rache. Ich sollte die Rachegedanken  mit reinbringen.

Zitat
Die Darstellung seines Zornes kannst Du nach innen vielleicht viel besser darstellen, dass er etwas macht, was er (ein Herrscher) sonst nie macht. (Aber nur, wenn er alleine ist.) Er weint (seit er als Kind vom Pferd gefallen ist, hat er das nicht mehr getan). Er steht eine Stunde lang still auf einem Fleck und starrt eine Vase an. Er betrinkt sich hemmungslos. …

Danke für diese guten Vorschläge. Das mit dem Weinen gefällt mir am besten. Denn er ist nicht nur wütend, er fühlt sich gleichzeitig gedemütigt.  Und dazu würde das passen.

Oldlady

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Re: Zorn
« Antwort #14 am: 03 März 2020, 16:48:32 »
Hallo Salamander,

vielen Dank!

Zitat
ich schließe mich den Kommentatoren an, die gerne mehr Innensicht hätten.

Da habt Ihr  mich inzwischen überzeugt.

Oldlady

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Re: Zorn
« Antwort #15 am: 03 März 2020, 16:50:22 »
Hallo merin,

Herzlichen Dank!

Zitat
ich habe auch nichts daran auszusetzen (außer dass ich die glühenden Würmer als Bild nicht so gelungen finde)

Das sehe ich jetzt auch so. Die glühenden Schlangen, die eska vorgeschlagen hat, treffen es besser. Auf jeden Fall möchte ich ein Wühlen und Glühen in der Magengegend übermitteln, so ist für mich das Gefühl, gedemütigt und wütend zu sein.

Zitat
Wenn du es stärker haben willst, würde ich dafür plädieren, mehr in seinen Kopf zu schauen. Was macht sein Kopfkino? Vierteilt er die Frau? Beschimpft er sie im Geiste wüst?

Das werde ich tun.

Zitat
Und ich wundere mich, wieso er einen Stuhl wirft ohne daran zu denken, gehört zu werden.

Ein guter Einwand! Vielleicht eher so, das er beim Herumlaufen den Stuhl aus Versehen umwirft.

Oldlady

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Re: Zorn
« Antwort #16 am: 03 März 2020, 16:54:03 »
Hallo mooncat,
vielen Dank!

Zitat
Hmm. Kommt darauf an, wie er wirken soll. Im Moment kommt er bei mir ziemlich puperbierend rüber, so eher lächerlich. Wenn du das willst, dann ist alles gut.

Interessant, dass Du es so empfindest. Auch Erwachsene reagieren bei starken Gefühlen oft wie Kinder (Regression im Psychodeutsch, glaube ich).

Zitat
Da fehlt entweder die Kälte in seinem eisigen Zorn oder der kurze aber heftige Ausbruch in seinem Jähzorn.

Eigentlich wollte ich den Ausbruch von Zorn beschreiben. Mit Jähzorn  verbinde ich, dass er den Zorn an jemandem auslässt. Nur ist gerade niemand da, an dem er  seinen Zorn auslassen kann oder darf.

kass

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Re: Zorn
« Antwort #17 am: 04 März 2020, 19:45:25 »
Hi Oldlady,

ich würde da wohl anders rangehen. Etwas suchen, womit er seinen Dampf ablässt. Eine Handlung, an der es zu erkennen ist. Das kann ein Abreagieren an einer Strohpuppe sein, einer stellvertretenden Figur / Sache, oder auch das Verfassen eines Ediktes, das solche Weibsbilder, die es wagen, ihn derart zu schmähen, schlicht aus dem Land verbannt. Natürlich muss er es hinterher zerreißen, ins Feuer schmeißen, aber das Gefühl der Genugtuung dürfte sich einstellen. Irgendwie in die Richtung würde ich für eine solche Szene mal bei einem Gläschen Wein sinnieren.  :)

LG
Kass

PS: Hilfreich fand ich früher, als ich noch zur Schule ging, Skizzen mit Strichmännchen zu zeichnen bei dem meistgehassten Lehrer der Schule (Typ Altnazi und Schülerinnen behelligen). Liegendes Strichmännchen auf der Erde, alle Viere von sich gestreckt, vier Seile rangemalt, 4 Pferde ans Ende der Seile ....
mir hats geholfen :cheese:
« Letzte Änderung: 04 März 2020, 19:48:41 von kass »
Merkzettel für mich: Nicht ins Höllenfenster stellen!
(Experiment für Gedächtnistraining, Klappe 1)

irrendes Licht

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Re: Zorn
« Antwort #18 am: 05 März 2020, 19:38:53 »
Hallo Oldlady,

Ich musste eine Zeit lang über diesen kurzen Abschnitt nachdenken bis mir eingefallen ist, was man verbessern könnte. Es kann gut sein, dass ich andere wiederhole, ich habe die vielen Kommentare nicht gelesen.

In erster Linie ist der Abschnitt einfach zu kurz. Es wir klar gesagt, dass er zornig ist, aber wirklich gefühlt habe ich es erst ganz am Ende ein bisschen. Ich versuche immer nach dem Grundsatz zu schreiben: wenn man es benennen muss, ist es nicht richtig dargestellt.
Zorn an sich ist wie jedes Gefühl allein nur von kurzer Dauer (vom wissenschaftlichen Standpunkt), dass Gefühle als dauerhaft wahrgenommen werden, liegt daran, dass sie immer wieder aufgerufen werden und der Auslöser in Endlosschleife im Kopf läuft.

Ich würde mit dem zweiten Absatz beginnen. Er stampft auf und ab, versucht sich zu beruhigen, aber dann denkt er daran: er wurde von einer Frau gefesselt und geknebelt! Von. Einer. FRAU!
Er wischt die Papiere vom Tisch und tritt gegen den Stuhl, der nicht weit fliegt. Und so, gefesselt und geknebelt wurde er von seinen Leibwächtern gefunden! Was für eine Schmach! Daraufhin wirft er den Stuhl durch den Raum. Seine Muskeln beben, weil das alles noch nicht ausreicht, weil die Bilder wieder kommen, wie er hilflos und ausgeliefert war, wie man ihm helfen musste, wo er doch alle Macht hat! Wo er doch der Herrscher ist!
Aber er reist sich zusammen. Knirscht mit den Zähnen, entkrampft seine Fäuste. Er will nicht das andere mit bekommen wie aufgewühlt er ist.
Er muss sich beruhigen, aufräumen. Hebt die Blätter wieder auf, aber da ist wieder diese Frau! Also zerknüllt er die Papiere und wirft sie in eine Schublade. Hebt den Stuhl auf und rammt ihn auf den Boden hinter dem Schreibtisch. Schafft es weder sich zu kontrollieren noch zu toben.

Das sind nur Vorschläge von meiner Seite. Er könnte auch andere Sachen machen, wie in ein Kissen schreien, aber er wirkt auf mich nicht wie jemand, der das tun würde, vielleicht eher einen Diener drangsalieren, um die Hilflosigkeit durch Machtmissbrauch auszugleichen oder so.
Er könnte auch versuchen sich in Arbeit zu flüchten nur um dann keinen vernünftigen Satz zustande zu bringen. Wichtige Papiere zu zerreißen und sich dann auch darüber aufzuregen, usw.

Ich hoffe das hilft dir weiter :)

irrende Grüße,
dein Licht

Oldlady

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Re: Zorn
« Antwort #19 am: 15 März 2020, 15:48:33 »
Hallo Kass,

sorry für die späte Antwort!

Deine Idee  mit dem Dampfablassen finde ich gut, wobei er das in meiner Fassung auch tut (Aggression gegen den Stuhl).  Aber das reicht vielleicht nicht ganz ... Danke für Deine Anregungen zu anderen Möglichkeiten!

Oldlady

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Re: Zorn
« Antwort #20 am: 15 März 2020, 16:01:35 »
Hallo Irrendes Licht,
Deinen Beitrag habe ich gleich gelesen, aber ich komme erst jetzt dazu, Dir zu antworten – tut mir leid!

Zitat
In erster Linie ist der Abschnitt einfach zu kurz. Es wir klar gesagt, dass er zornig ist, aber wirklich gefühlt habe ich es erst ganz am Ende ein bisschen. Ich versuche immer nach dem Grundsatz zu schreiben: wenn man es benennen muss, ist es nicht richtig dargestellt.
Da hast Du Recht! Ich versuche es mal ohne den Zorn zu benennen.

Ich würde mit dem zweiten Absatz beginnen. Er stampft auf und ab, versucht sich zu beruhigen, aber dann denkt er daran: er wurde von einer Frau gefesselt und geknebelt! Von. Einer. FRAU!

Deinen Vorschlag, die Reihenfolge zu ändern und seine Aktionen länger darzustellen, finde ich gut!

Vielen Dank dafür!

Trippelschritt

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Re: Zorn
« Antwort #21 am: 18 März 2020, 15:21:10 »
Hallo Teufel,

hier ein kurzer Abschnitt aus meinem aktuellen Fantasieprojekt, der mir Schwierigkeiten macht.
Ein Herrscher ist wütend,  fühlt sich schrecklich blamiert.

Der Zorn sprengte schier Mahors Brust. Seine Fäuste ballten sich, in seinem Magen wanden sich glühende Würmer. Seine Zähne knirschten.
Er stapfte in seinem Arbeitszimmer auf und ab, wischte die Papiere vom Tisch, schleuderte einen Stuhl in die Ecke.
Was für eine Schmach. Von seinen Leibwächtern gefunden zu werden, gefesselt und geknebelt von einer Frau.
Er hielt sich gerade noch zurück, mit den Fäusten gegen die Wand zu hämmern. Denn das hätte Geret gehört, der im Vorzimmer wartete.

Ich finde das noch ein bisschen schwach.
Wie könnte man diese Gefühle besser darstellen?

Der erste Satz muss weg, denn der beschreibt kühl und sachlich, worum es geht. Da brauchst Du das Folgende gar nicht mehr. Willst Du es aber dramatisch - und so habe ich dich verstanden - dann ist der erste Satz nur im Weg.

Vielleicht ist es besser, mit zwei Gefühlen zu arbeiten. Sein erstes Gefühl ist Scham. Schließlich wurde er blamiert. Aber auch das ist in Deinem Text eine Erklärung mitten drin. Wie Du das machst, kann ich Dir nicht sagen. Ich denke mir mal willkürlich etwas aus.
"Diesem Weib würde er es zeigen. Sie würde schon merken, was es hieß, ihn ..."
oder ganz anders:
Jetzt musste er ruhig bleiben. Er hatte sein Gesicht verloren. Vor seinen eigenen Wachen ...
oder:
Am liebsten hätte er sich für drei Schwarztage verkrochen. Aber das kam nicht in Frage. Er richtete sich auf, um den Knoten in seinem Magen zu lösen, zerschlug den Spiegel, weil er sein eigenes Geischt nicht ertragen konnte ...

Und dann Phase 2.
Aus seiner Scham, mit der er irgendwie umgehen muss, wird Wut. Entscheide Dich für eine bestimmte Art von Wut. Wenn er Choleriker ist schlägt er um sich und macht alles kaputt. Sie kann aber auch unterdrückt werden und ihn von innen zerfressen. Ich würde ihn kleine bedeutungsvolle Dinge tun lassen, wie einem Käfer die Beine ausreißen oder was auch immer, und mit einigen Metaphern arbeiten. Starke Gefühle gehen gut mit Metaphern, weil es dafür keine passende Worte gibt.

Viel Erfolg
und bleib gesund
Trippelschritt
(schau mal auf meine FB-Seite, vielleicht findest du eine Anregung, auch wenn es Angst, nicht Wut ist)
Wer bin ich, wer war ich, wer werde ich sein?

Oldlady

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Re: Zorn
« Antwort #22 am: 20 März 2020, 15:03:35 »
Zitat
Der Zorn sprengte schier Mahors Brust.
Zitat
Der erste Satz muss weg, denn der beschreibt kühl und sachlich, worum es geht.

Wie Recht Du hast.  Beschreibungen sind hier fehl am Platz.
Dann schlägst Du vor, zuerst über seine Scham zu schreiben, dann über die Wut.

Zitat
Aus seiner Scham, mit der er irgendwie umgehen muss, wird Wut.

Ich denke darüber nach, ob das tatsächlich so ist, oder ob in dieser Situation nicht eher beide Gefühle gleichzeitig da sind.
Aber über beides gleichzeitig kann man natürlich schlecht schreiben. Dein Rat, zuerst die Scham deutlich zu machen und dann die Wut, ist auf jeden Fall sinnvoll.

Zitat
Entscheide Dich für eine bestimmte Art von Wut.
Das werde ich.

Zitat
Starke Gefühle gehen gut mit Metaphern, weil es dafür keine passende Worte gibt.

Eine kreative Aufgabe. Ich versuche es mal.
Zeit habe ich ja jetzt dafür, da ich nicht mehr die Wände hochgehen darf.

Herzlichen Dank, Trippel!

Manu

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Re: Zorn
« Antwort #23 am: 27 März 2020, 18:45:07 »
Hi Oldlady,
ich denke es haben jetzt hier schon viele nach mehr Innensicht gerufen und gute Beispiele genannt. Ich tu das jetzt auch.  :devgrin: Aber du kannst noch mehr tun, nämlich – wie du es bereits begonnen hast – die Gefühle durch Äußeres zeigen UND Innensicht (z.B. Gedankenstrom) damit kombinieren. Beides geht auch leise, damit es nicht gehört wird.

Dazu zunächst mal die Frage (und dazu würde ich mal alles mögliche auflisten, was passen könnte)

  • Warum ist Mahor zornig?
  • Was genau ist ihm peinlich?
  • Wie könnte man das noch darstellen?

Zitat
Was für eine Schmach. Von seinen Leibwächtern gefunden zu werden, gefesselt und geknebelt von einer Frau.

Aha, er ist ein Macho. Ich stelle ihn mir groß und stark vor, ein Grobmotoriker? Jemand, der sich beweisen will? Doch das geht momentan nicht. Nicht nur das, er wurde in einer hilflosen Situation von einem – für ihn – hilflosen Wesen (Frau) aufgefunden.

Wut + Scham bei Mahor?
Da er ein Macho, ein Macher und sicher auch sehr groß und kräftig (?) ist, macht er Sachen kaputt, fegt Dinge vom Tisch ... Das würde ich ausweiten, sagten die anderen bereits. Vielleicht verletzt er sich dabei selbst? Das tun Choleriker oder besonders männliche Wesen oft. Ich würde das Körperliche noch mehr ausweiten (Hände o.a. blutig schlagen/treten). Damit bringst du mehr Dramatik und Bewegung in die Szene.

Zitat
Er hielt sich gerade noch zurück, mit den Fäusten gegen die Wand zu hämmern. Denn das hätte Geret gehört, der im Vorzimmer wartete.

Zeig seine Gefühle zusätzlich durch leise äußere Dinge: Wut treibt einem das Wasser in die Augen, Schweißperlen treten wo auch immer auf, man zittert, Zähne knirschen .... man rauft sich Bart und Haare, zerreißt sein Hemd ...

Und jetzt das Ganze gewürzt mit einer guten Prise Innensicht: Hier könntest du vor allem die Scham ausweiten. Einen Gedankenstrom zum Thema, wie peinlich es ist, dass ihn ausgerechnet ein schwaches Weib geknebelt hat und die eigenen Leute haben ihn so hilflos gesehen. Vielleicht hat er ein Kindheitstraume? Da könntest du Rückblenden schreiben, Erinnerungen an ähnlich schlechte Erlebnisse. Oder er leidet unter einer starken Mutter ... :deveek:

So, und wenn du genügend Brauchbares gesammelt hast, verknüpfst du im Text äußere und innere Dinge.

Viel Vergnügen!  :coffee:

"Es ist idiotisch, sieben oder acht Monate an einem Roman zu schreiben, wenn man in jedem Buchladen für zwei Dollar einen kaufen kann." (Mark Twain)