30 May 2024, 09:32:54

Autor Thema: Mehrband-Fahrplan  (Gelesen 13272 mal)

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June

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Mehrband-Fahrplan
« am: 28 April 2021, 14:26:26 »
Hallo zusammen räusper,  :rotwerd:

ich hätte nie gedacht, dass ich mal so eine Frage stellen muss … aber ich habe da für die Münchner Schreiberlinge eine Idee gehabt, die sich superschnell derart vergrößert hat, dass ich es für deren Antho vergessen kann.
Da ich gerade im Debüt stecke, welches unter ganz anderen Umständen entstand, wollte ich mal fragen, ob hier irgendwer sein Wissen mit mir teilen mag, wie man das mit mehreren Bänden handled.
Sprich, plottet man die Outlines von allen oder schreibt man die nach und nach oder macht man sich da Listen … Wie behält man bei so etwas den Überblick? ExcelTabellen sind nicht so mein Ding, Trello geht aber ich wüsste nicht, wie man so ein Projekt da effektiv in Listen quetscht.

Hat schon mal jemand eine Trilogie geschrieben und würde mir ein paar Tipps verraten, dass ich Stolperfallen wie “in Band 2 taucht was auf, was in Band 3 vergessen, aber in 1 angeteasert wurde” umgehen kann? Welche Ordnungssysteme nutzt ihr?
Schreibprogramme sind bei mir vorerst raus. Ich besitze alle -außer Patchwork- und ich benutze aktuell keins.
Es(also der Fahrplan) muss schnell, einfach und effektiv sein.

Ja, ich verlange womöglich zu viel  :-[, aber ich hoffe, irgendjemand kann mir schon mal auf die Sprünge helfen.

Ganz liebe Grüße von June
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Lionel Eschenbach

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #1 am: 28 April 2021, 15:17:20 »
Am Ende musst du dir selber helfen!

Ich arbeite im Coaching, allerdings nicht für Leute, die schreiben lernen wollen :)

Ich glaube weiter, du weißt alles, du musst nur dein verschüttetes Wissen an die Oberfläche holen.

Du hast sicherlich viel im Internet recherchiert, du besitzt vielleicht sogar Bücher über das Schreiben. Du kämpfst täglich mit deinen Szenen und dem  eigenen Text usw.


Und wenn du ehrlich bist, weißt du schon, was so allgemein die Probleme sind, das hast du in deiner Email angedeutet.


Konkret darf ich dir nicht helfen, weil ich selber NOCH nie eine Triologie veröffentlicht habe. Vielleicht gibt es hier jemanden, der soweit bereit ist.


Ich kann nur sagen, dass es fast unmöglich ist, sagen wir drei Bände gleichzeitig zu konzipieren. Es mag Leute geben, die es hinbekommen. Aber gefühlt sind das die wenigen Plotter-Typen, die jede Szene bereits durchdenken, in Excel-Listen festhalten. Und wenn selbst der letzte Name schon eingetragen wurden, schreiben sie einfach einen Band nach den anderen. Glückwunsch, wer das kann. Ich kann es nicht.

Die meisten, die schreiben, sind eher Mischtypen. Bisschen Plotten, bisschen kreativ drauflosschreiben, um zu sehen, wohin die Reise führt.  Ich kann für mich sagen, dass führt ja alleine schon in einem Buch zu riesigen Probleme. So erinnere ich mich daran, dass ich eine Szene geschrieben habe, sie floss einfach durch meine Finger auf den Bildschirm. NUR. Diese Szene hätte alles verändert. So habe ich sie wieder gelöscht, weil ich hätte wiederum andere Szenen umschreiben müssen.

Wenn du also schreibst, du eine tolle Idee hast, musst du nicht nur berücksichtigen welchen Auswirkung diese neuen Szene auf deinen ersten Band hat, sondern auch noch wie sie sich auf die anderen auswirkt.

Ich glaube, dass bekommen wohl nur die wenigsten hin.

Ich denke, der sichersten Weg ist, ob nun mit der Schneeflockenmethode oder anderen Theorien zur Strukturierung von Romanen, grobe Pfeiler abzustecken.

Also das Grobraster sollte stehen. Die groben Handlungsstränge stehen. Das Finale steht.
(Witzigerweise, denke ich in meinem Projekt immer vom Ende her, und frage mich dann immer, wie komme ich dahin.)
Die wichtigsten Figuren stehen. Die Konfliktlinien stehen. Vielleicht steht auch schon der groben Plotrahmen der einzelnen Bände.

Und wenn du die Pfähle in den Sand gerammt hast, dein Claim abgesteckt hast, dann hast du einen groben Halt, wie es in Band 2 und 3 weitergeht.

Und selbst dann kann es zu einem Fiasko werden.

Einige sagen, dass George R. Martin NIE mit seinem Roman "A Song of Ice and Fire" fertigwerden wird. Zwei Bände stehen noch aus, die sogar schon einen Namen haben.     The Winds of Winter,    A Dream of Spring

Einige sagen aber auch, er kann nie damit in zwei Bänden fertig werden, weil er so viele Handlungsstränge, so viele offenen Enden hat, dass er wohl noch fünf  Bände schreiben könnte, um die Geschichte befriedigend zu beenden. Hier hat sich möglicherweise selbst ein  Profi überhoben. Und mit Sicherheit hat er NICHT alle Bände detailliert geplant.

Mein Tipp. Plotte so viel wie du kannst, aber bewahre dir eine kreative Ader, auch neue Einfälle zuzulassen.



P.S. Hier Auszug aus Wiki zu GRRM. Und er ist ein Vollprofi, der seit 30 Jahren schreibt und zig Millionen damit verdient hat.

Aber....

Ursprünglich sollte die Saga drei Bände umfassen. Da die Geschichte während des Schreibprozesses anwuchs, stieg die Zahl der geplanten Nachfolgewerke sukzessive an. Mittlerweile plant Martin, die Handlung in sieben Bänden abzuschließen.

Nachdem die ersten drei Bände der Serie in kürzeren Abständen erschienen waren, benötigte Martin für den vierten Band, A Feast for Crows, ungefähr fünf Jahre. Trotz seiner Versicherung im Jahr 2005, der fünfte Band der Buchreihe sei schon fast fertiggestellt, erschien A Dance with Dragons erst am 12. Juli 2011. Martin erklärte die lange Verzögerung mit Komplikationen bei der Zusammenführung der zunehmend komplexen Handlungsstränge.
« Letzte Änderung: 28 April 2021, 15:30:11 von Lionel Eschenbach »

windigo

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #2 am: 29 April 2021, 00:15:40 »
Bei einer Trilogie kannst du dir, wie Lionel geschrieben hat, wirklich nur selber helfen.

Vielleicht ziehst du deine Lieblingstrilogie zur Hilfe heran. Abschauen ist ja nicht nachmachen.
Persönlich finde ich die besten Trilogien die, die aus einem Guss sind. Mein Favorit ist Tad Williams im Bereich Fantasy. Meist wurden aus seinen 3 Bänden 4. Aber es war stimmig und ehrlich. Zwanghaft auf 3 Bände hinzuarbeiten bringt nichts. Ich hatte mal die Gelegenheit für ein langes Gespräch bei einem Treffen und dort hat er dies auch so gesagt.
Empfehlen kann ich dir mit dem Anfang und Ende zu beginnen. Oft scheitern Trilogien am Ende. Zum einen weil der Autor sich verzettelt und zum anderen weil deine Leser zu hohe Erwartungen haben. Als Beispiel kann ich dir da Robert Jordan`s Rad der Zeit Zyklus nennen. Dieses Monster an Literatur hätte nie ein gutes Ende haben können, bin ich der Meinung.
Oder Patrick Rothfuss Der Name des Windes. Abschlußband 3 lässt schon Jahre auf sich warten. Da wette ich, dass der nicht gut wird, wenn er dann mal erscheint. Als Ziel empfiehlt es sich ein Band pro Jahr herauszubringen. Harry Potter ist auch so ein Beispiel. Trotz des Megaerfolges, waren die letzen Bände eher schwach geschrieben, im Vergleich zu den Anfängen. Da wurde falsch geplant.
Auch eine Empfehlung ist, mit so wenigen Hauptcharaktern wie möglich auszukommen. Jede Figur, die du anfbaust, braucht Raum und ein Ende.
Niemand schüttelt eine Trilogie aus dem Ärmel. Jede Info sollte irgendwo notiert sein, damit deine Welt glaubhaft bleibt. Du gehst mit den Menschen, die deine Trilogie lesen einen Teufelspakt ein. Du bekommst treue Leser, aber irgendeiner findet deine Fehler. Schau dir mal die Community um den Herrn der Ringe an. Man kann von Tolkien halten, was man will, aber diese Welt und Geschichte ist die Essenz einer jahrzentelangen Arbeit. Da gibt es kaum Fehler. Kritikpunkte ohne Ende, aber Fehler findet man nur schwer. Im englischen gibt es noch die History of Middle-Earth. 12 Bände mit Material, die zeigen, was wirklich an Arbeit im Herrn der Ringe steckte. Das hat Herr Tolkien alles mit einer Zettelordnung realisiert.
Tad Williams hat auch den Hinweis gegeben, dass man ersteinmal ein Buch fertig schreiben und veröffentlichen sollte. Das Hat auch bei Tolkien geklappt. Eine Trilogie ist eine Arbeit, wo du mehrere Jahre dransitzt und erst am Ende siehst du, ob alles funktioniert. Ein Buch schaffst du in ein oder zwei Jahren. Persönlich kann ich niemanden empfehlen mit einer Trilogie anzufangen. Trilogie schreiben ist wie Profisport. Ohne Training wird das nichts. Auch Harry Potter hat Vorlauf gebraucht und da stecken viele Jahre Vorbereitung drin.
Das soll dich nicht entmutigen. Ich will dir nur zeigen, was dich erwartet. Du schreibst ja nicht nur eine Trilogie, sondern auch viel Beiwerk. Meist ist das, was Beiwerk ist noch doppelt oder dreimal so viel, wie du letztendlich veröffentlichst.

Viskey

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #3 am: 29 April 2021, 12:27:03 »
Hey June!

Ich bin ein Mehrband-Schreiber, und ich weiß in etwa, was pro Band passieren wird. - Du sicherlich auch, sonst könntest du ja nicht sagen, dass es ein Mehrbänder werden wird.  ;)

Ich selbst arbeite gern mit Excel, vor allem, um die verschiedenen Erzählstränge unter Kontrolle zu behalten, damit ich weiß, wann welcher Strang "an die Oberfläche" muss bzw. kann.

Ich hab einen Grobplan pro Buch. Keine Trilogie, sondern Pentalogie ... davon dafür zwei.

Ich nehm mal zur Abwechslung nicht die - in der Hölle bereits berühmt-berüchtigte - Pentalogie, die ich mit Mooncat zusammen schreibe, sondern meine eigene.

1. Band: Der Vampir wird erschaffen
2. Band: Der Vampirjäger wird erschaffen
3. Band: Die fast ausgerotteten Vampire vermehren sich wieder
4. Band: Das Personal für das grandiose Finale wird zusammengetrommelt
5. Band: Finale

Was dann jeweils genau in den Büchern passiert, ist Detailplanung, die auch noch nicht für alle Bücher steht. Ich weiß aber jeweils, was am Ende eines Bandes an Plotpunkten stehen muss, damit das nächste starten kann.
Und während ich dann einen nachfolgenden Band schreibe, kommen mir immer wieder auch Ideen für die Bände davor. Die notiere ich mir dann, damit ich sie in der Überarbeitung einarbeiten kann. Und ja, es gibt viele Überarbeitungsgänge, weil jeweils neue Ideen dazukommen oder alte ersetzen.

Es ist immens viel Arbeit, einen Mehrbänder zu schreiben, aber wenn die Geschichte so groß ist, dass sie in nur einem Buch nicht Platz hat, hat man keine große Wahl. Dann müssen es eben mehr sein.

Der wichtigste Tipp, den ich dir geben kann: Notizen, Notizen, Notizen. Zu allem. Besser eine Notiz zu viel als eine zu wenig.

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June

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #4 am: 29 April 2021, 15:38:35 »
Hallo Ihr Lieben,

das sind tolle Antworten! Ganz lieben Dank  :). Ich versuche mal, drauf einzugehen - also was ich empfinde.

@Lionel, du bist der Realist, ich sehe, der Teufel auf meiner Schulter bist du :D Denn vieles von dem was du schreibst, sind exakt meine Ängste. Zumal ich mich schwer tue, ein einziges Buch zu schreiben  - okay, wie wir wissen geht es, sonst hätte ich im Herbst kein Debüt, aber es ist wirklich grenzwertig für mich.

@Windigo ja, das Abgucken ist ein guter Einwurf, leider sagt der Inhalt einer Trilogie aber wirklich wenig über die Arbeitsweise des Autoren aus, worauf ich eigentlich raus wollte. Ich denke auch, dass ich vom Typ her lieber parallel schreiben sollte, um den Überblick zu behalten und wenn sich in A was ändert, das sofort in B oder C einfügen zu können ... weil und jetzt komme ich zu

 @Viskey
Zettelwirtschaft, ernsthaft? ;) Das würd mich fertig machen. Dann doch Trello. Irgendein Sammelsystem von Ideen + Charakteren finden ... dauert aber auch. Grobplan finde ich gut, vor allem das mit dem Ende. Da ist was dran, mein NaNoBuch von 2018 hat über 50K Wörter aber kein Ende :D weil ich da nicht geplottet hab und irgendwie ... äh ja. Lassen wir das.

Ich denke, der Knackpunkt kam von @Lionel
Zitat
Wenn du also schreibst, du eine tolle Idee hast, musst du nicht nur berücksichtigen welchen Auswirkung diese neuen Szene auf deinen ersten Band hat, sondern auch noch wie sie sich auf die anderen auswirkt.

Und das würde ich gern irgendwie arbeitstechnich strukturiert angehen wollen.

Zitat
Und während ich dann einen nachfolgenden Band schreibe, kommen mir immer wieder auch Ideen für die Bände davor. Die notiere ich mir dann, damit ich sie in der Überarbeitung einarbeiten kann. Und ja, es gibt viele Überarbeitungsgänge, weil jeweils neue Ideen dazukommen oder alte ersetzen.

Das hier verstehe ich nicht ganz @Viskey, Ideen für die Bände davor? Sind die dann nicht schon erschienen? Oder hab ich nen Knoten im Hirn :D Das kann bei der Thematik durchaus sein.
Gibt es da Templates bei Excel? Für die Erzählstränge oder darf ich einen Blick auf deine Tabelle - ohne Inhalt, nur der Aufbau, versteht sich - werfen? Nur um eine Idee zu kriegen, wie man so was aufbauen könnte. <3

Ich danke euch sehr für eure Insights.
LG, June  :hallo:
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Lionel Eschenbach

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #5 am: 29 April 2021, 16:24:48 »

Viskey

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #6 am: 29 April 2021, 17:50:32 »
Zettelwirtschaft, ernsthaft? ;) Das würd mich fertig machen. Dann doch Trello
Da steht nirgends Zettel ... ich hab extra Notizen geschrieben. Wie du die für dich machst, archivierst und organisierst ist ganz dir überlassen. Das Ikönnen Zettel sein, oder Notizbücher (farbcodiert oder nicht), Hefte, Mappen, diverse Programme, direkt als Kommentar im Text ...
Du hast alle Freiheiten. Womit auch immer du am besten zurechtkommst, verwende das.

Zitat
. Irgendein Sammelsystem von Ideen + Charakteren finden ... dauert aber auch. Grobplan finde ich gut, vor allem das mit dem Ende. Da ist was dran, mein NaNoBuch von 2018 hat über 50K Wörter aber kein Ende :D weil ich da nicht geplottet hab und irgendwie ... äh ja. Lassen wir das.
Sagen wir mal so ... Ich kenne das. Mein erster NaNo war auch so ein Ding, 55k, schöne Teile, nette Entwicklung ... aber ich hab mir nie darüber Gedanken gemacht, wie das alles enden soll. Und es hat bis heute nicht geendet.  :devgrin:

Zitat
Ich denke, der Knackpunkt kam von @Lionel
Zitat
Wenn du also schreibst, du eine tolle Idee hast, musst du nicht nur berücksichtigen welchen Auswirkung diese neuen Szene auf deinen ersten Band hat, sondern auch noch wie sie sich auf die anderen auswirkt.

Das unterschreibe ich so ... und das ist auch genau der Punkt, wo ich mit meinen Notizen komme. Wenn du eine Szene schreibst und merkst "Moment, wenn ich das jetzt so mache, dann stimmt XY im ersten Buch nicht mehr", dann solltest du dir eine Notiz dazu machen, damit du beim (nächsten) Überarbeitungsgang diesen Punkt anpassen kannst. Oder, alternativ, du schreibst besagte Szene anders.
Anfangs sind das noch ziemliche Schnitzer, die man da ausbessern muss, aber je länger man arbeitet, umso leichter werden die Anpassungen.
Zum einen, weil man halt seine Geschichte und Welt immer besser kennenlernt, zum anderen, weil man auch einfach schreibtechnische Übung bekommt.



Zitat
Das hier verstehe ich nicht ganz @Viskey, Ideen für die Bände davor? Sind die dann nicht schon erschienen? Oder hab ich nen Knoten im Hirn :D Das kann bei der Thematik durchaus sein.
Meine Bücher sind noch nicht erschienen ... aus genau diesem Grund. Weil jeder weitere Band auswirkungen haben kann auf die davor - und erfahrungsgemäß auch hat. Solange ich noch nichts veröffentlicht habe, kann ich jederzeit einfach zwei Bücher vorspringen und eine Szene anpassen, einfügen, streichen ... je nachdem, was ich brauche, um das ganze stimmig zu machen. Dazu kommt, dass ich auch um einiges besser schreibe als damals, als ich damit angefangen habe. Auch stilistisch macht es für mich Sinn, mit dem Veröffentlichen zu warten, bis ich alles beisammen habe. Mein Anspruch ist, dass man alle 2000 Seiten in einem Rutsch durchlesen kann, ohne Schwankungen in der Qualität zu haben. Ein Punkt, der mir bei HP immer wieder auffällt. In vielerlei Hinsicht halte ich den dritten Band für am gelungensten. Davor hat Rowling noch gelernt, danach stand sie unter Zeitdruck und konnte nicht so sorgfältig arbeiten, wie sie es eigentlich gekonnt hätte.

Zur Tabelle: Nein, Template gibt's da meines Wissens nicht. Ich hab einfach eine ganz normale Tabelle. Als Spaltentitel trage ich die wichtigsten Figuren ein, die Zeilen sind dann die Szenen, wie sie der Reihe nach im Buch passieren. - Teils als Dokumentation von dem, was ich bereits geschrieben habe, zum Teil als Planung für kommende Szenen. Und vor allem auch, wie gesagt, für die Abstimmung der diversen Handlungsfäden.

Wenn mehrere meiner Figuren an der selben Szene beteiligt sind, steht diese in Kürzestzusammenfassung auch in jeder betroffenen Spalte.

GesMarcusAmelie
Geht mit Marcus nach RomGeht mit Ges nach RomBleibt im Pisa und ist neidig
Trifft eine MagierinGeht Kaffee trinkenIst in Pisa und immer noch neidig

So in etwa schaut das dann aus bei mir. Wobei ich zB in der ersten Szene (=Zeile) schreiben würde, wie Ges und MArcus sich auf den Weg machen und Amelie ihnen neidig hinterherwinkt, weil sie auch gern nach Rom gehen würde, aber aus diversen Gründen geht das halt nicht.
Bei der zweiten Zeile schreibe ich nur den interessanten teil als Szene, nämlich das Treffen mit der Magierin. Dass Marcus Kaffee trinkt, ist in der Geschichte uninteressant und steht da nur als Notiz von mir an mich.

DAs ist jetzt natürlich ein ganz einfaches, banales Beispiel. Für so etwas bräucht's keine Tabelle, die ich chronologisch durchordnen kann. Aber wenn du mal - wie bei der anderen Pentalogie - eine Weltenretterin hast und ca drei Gegenspieler und dann noch einen Evil Overlord, und alle spinnen ihren eigenen Handlungsfaden, dann wird das für mich absolut notwendig, um da den Überblick zu behalten. Wer tut gerade was, wie wirkt sich das auf die Gesamtsituation - und damit auf die anderen HAndlungsstränge - aus?

Wie gesagt, so ein Mehrbänder ist keine leichte Aufgabe, aber ich finde, es lohnt sich absolut.


NAchtrag: Mag sein, dass es Autorensoftware gibt, die da Templates und Hilfsmittel anbieten. Da ich bis heute keine verwende, sondern einfach nur Word, kann ich dazu aber nichts sagen.
« Letzte Änderung: 29 April 2021, 17:53:59 von Viskey »
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Lionel Eschenbach

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #7 am: 29 April 2021, 18:06:44 »
Wie gesagt, mein Lieblingssatz heute.

Theorie ist immer einfach.

Hier mal ein Link zu einer Plot-Software.

Am Ende ist es Wumpe, ob wir es mit Zetteln, mit Word, mit Excel, mit dem lieben Herrgott, oder mit StoryIT machen. Ich z.B. bevorzuge immer noch Karteikarten. Hach, wie sah mein Tisch aus, gespickt mit kleinen Zetteln. Unterschiedliche Farben für unterschiedliche Charaktere. Schieb, schieb, schieb, scheiße geht nicht, schieb, schieb schieb. Ah, könnte gehen. Uff. Foto und dann in Papyrus die grobe  Szenenfolge eingetippt.


https://storyit.de/

Have fun.

eska

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #8 am: 29 April 2021, 18:44:30 »
Die einzige Plot-Software, die ich mal ausprobiert habe, ist BeemGee. Gibt/Gab eine kostenlose Version mit eingeschränkten Funktionen. War nicht meines, könnte aber vielleicht passen.


Ansonsten finde ich das Planen vom Ende her sehr wichtig, weil du ja eine lange, zusammenhängende Geschichte auf ein Ende hin erzählen willst. Der Tipp, alle Elemente, die man dafür braucht, zu sammeln und sinnvoll über die Geschichte zu verteilen, stammt ursprünglich von Viskey (Plottipps beim Berlin-Treffen).

eska

Viskey

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #9 am: 29 April 2021, 21:49:15 »
@Lionel
Ich setze Hoffnungen auf meine Korkwand, die ich hoffentlich dewmnächst mal haben werde. Wenn ich mein Büro endlich mal ausbaue, wird eine Wand zur gänze mit Kork tapeziert, bis ich eine einzige, große Pinwand habe. Und dann Karteikarten und Nadeln ... Oh, ich freu mich schon drauf ...!

@eska
Und ich dachte noch, das klingt aber vertraut ... :cheer:
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June

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #10 am: 30 April 2021, 11:05:19 »
Zitat
Wenn ich mein Büro endlich mal ausbaue, wird eine Wand zur gänze mit Kork tapeziert, bis ich eine einzige, große Pinwand habe

Das klingt als wöllte man das haben :D
Ich seh das manchmal in Polizeiserien bzw zuletzt in "Dogs of Berlin", wie die ganze Wände verpinnen und dann denke ich mir immer - ahhhhhhhh, Platz ist von Vorteil :D Da kann man dann auch mal zurücktreten und sieht von Weitem evtl Zusammenhänge ... äh ja.

Bemgee kenne ich, allerdings weiß ich gar nicht, ob das noch for free ist. Gehe gleich mal googeln :)

Nachtrag: "FREE kostenlos. Keine Exportfunktion, keine Detailansichten, keine Strukturmarker, keine Story-Attribute, weniger Figurenattribute, weniger Plotattribute, keine Projektversionen, usw." Ansonsten 96 Euro im Jahr ...
« Letzte Änderung: 30 April 2021, 11:08:26 von June »
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Paul

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #11 am: 30 April 2021, 11:21:30 »
Liebe June

Ich weiß nicht, ob es hilfreich ist (ich glaube eher nicht, aber weil es eine so schöne Software ist, werfe ich sie trotzdem kurz in den Raum):

Es gibt den "Zettelkasten" - ein System, das wohl von Niklas Luhmann benutzt wurde, um verschiedene Notizen zu archivieren. Das Programm selbst geht auf den Zettelkasten zurück, der neben Luhmann auch von dem Philosophen Hegel benutzt wurde. Ich habe mir das Programm von Heise-Download heruntergeladen. Es ist kostenlos. Ich nutze es lediglich als Sammlung für Kurzgeschichten und Aphorismen (ist so ein Faible von mir). Es ist möglich, zu jedem "Text", den man einstellt, Stichwörter einzugeben, so dass man ihn einfacher wieder findet. Und, und da wird es spannend, man kann die Texte miteinander verlinken (was ich bisher nie gemacht habe). Durch das Verlinken könnte es vielleicht auch für dein Romanprojekt spannend sein. Denn es lassen sich dort viele Texte einstellen (z.B. Szenen), die sich untereinander beliebig verbinden lassen. Es ist also besser als eine Zettelwand. Aber ob es dir hilft, weiß ich natürlich nicht.

Paul
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June

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #12 am: 30 April 2021, 11:34:09 »
Lieber Paul,

vielen Dank für den Tipp, schaue ich mir gleich mal an.  :)

LG, June
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merin

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #13 am: 30 April 2021, 14:37:08 »
Wie kommt es nur, dass ich diesen Thread übersehen habe? Er wird mir immer noch nicht als neu angezeigt.  :schnief: Wie auch immer, er passt zu meinem aktuellen Problem: Ich überlege nämlich, ob mein aktuelles Projekt (Etomi) nicht statt ein 900 Normseiten-Wälzer besser gesplittet wäre. Und ob nun so oder so, auch ich habe das Problem, dass ich viele Infos organisieren muss. Ich habe es im Scrivener organisiert, dort gibt es Möglichkeiten, zu Orten, Personen und Handlungssträngen eigene Dateien zu machen. Trotzdem bleibt es eine Frage, wie ich das gut organisiere, weil es ja haufenweise kleine Nebenschnipsel gibt, versteckte oder offene Hinweise, Fragen, die bei den Lesenden geweckt werden und nach Antwort suchen usw. Kurz hatte ich die Idee, diese Fragen in einer eigenen Tabelle zu sammeln, aber schon einen Tag später fand ich das nicht hilfreich. Aber was nun hilfreich ist? Kein Ahnung. Wahrscheinlich arbeitet da auch jede Person anders.
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht und was ich gern anders hätte.

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #14 am: 30 April 2021, 14:48:35 »
Hallo merin,

hab mich ehrlich schon gewundert, dass du noch nichts dazu gesagt hast, weil du ja sehr aktiv hier bist, also das ist kein Vorwurf, es fiel mir nur auf <3

However, du hast den umgekehrten Fall: etwas Geschriebenes und mehr oder wengier Fertiges in eine ansprechende Form bringen. Ich möchte das umgehen, indem ich mich gleich richtig organisiere. Leider ist das schwerer als gedacht. Vor allem für Leute, die Stories mit maximal 30 Normseiten haben. Aber ich gebe nicht auf! Von Bemgee kann man sich immerhin Struktur abschauen, auch als Nichtpremium. Evtl. kann man daraus eine Excel-Tabelle oder ein Trello baun. Ist nur die Frage, ob die Zeit des Herrichtens lohnt oder ob man nicht lieber gleich schreibt. :biggrin:

@Paul
Habe mir den Zettelkasten runtergeladen. Wenn das so funktioniert, wie ich mir das denke, kann ich damit 1 Mio Ideen generieren :D in 4 Wochen oder so. Aber obs speziell für den Mehrbänder oder für mich "zum Schreiben" taugt, muss ich rausfinden. Ich habe ein paar Youtubes gesichtet und bin schwer beeindruckt, was der Erfinder damit angestellt hat. 600 Paper veröffentlicht, grandios.  :o
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merin

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #15 am: 30 April 2021, 15:12:54 »
Naja, verglichen mit meinem Vorprojekt war Etomi schon sehr durchorganisiert. Grobe Plotstränge, inklusive Mindmaps, Hintergrunddateien zu Personen und Orten, vorgeplottete Idee, welche Szenen es geben soll. Ich denke, wenn das für 900 Seiten geht, geht es auch für 9000. Ob die dann in einem oder 10 Bänden sind, ist ja letztlich erstmal egal.
Was es für Mehrbändigkeit dazu noch braucht, ist eine Idee, wie in jedem Band der Spannungsbogen laufen soll. Aber auch das lässt sich auf einer virtuellen oder realen Karteikarte leicht festhalten. Was ich mich halt frage ist, ob man dann beim Scrivener eine Datei pro Band macht (dann hat man schlechter Zugriff auf die Hintergrunddokumente) oder alles in einer Datei (dann wird es schneller unübersichtlich und es ist etwas schwerer, einen Überblick über die Textmengen zu haben).
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht und was ich gern anders hätte.

Lionel Eschenbach

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #16 am: 30 April 2021, 15:30:48 »
Räusper.

Wie gesagt - ich muss es nochmals sagen - die Theorie ist einfach.

Ja, auch ich mache es wie du, merin, grobe Plottpläne, die grobe Richtung steht. Der Teufel  :devcool: steckt aber im Detail. Und da gibt es unendlich viele Spalten, die mich verschlucken können.

Nehme ich mal nur meine Charaktere bzw. mein Charakterensemble könnte ich wahnsinnig werden.
5 Charakteren erlaube ich ihren POV. 2 Protagonisten (Lionel und Todd), der Antagonist (Rachid), Nebenfiguren (Sinos und Christian), das war schon schwer genug zu händeln. Aber da ich auch dem Größenwahn erlegen bin, mehr als einen Band schreiben zu wollen, musste ich hinsichtlich des Plots grob abschätzen, auf wen sie in Band zwei treffen. Eigentlich wollte ich alle vier Protagonisten bereits im ersten Band einführen. No way!! Also musste ich umplotten, es auf zwei reduzieren.

Aber welche  :devsad: ich rief, weiß ich jetzt noch nicht. Denn spätestens im nächsten Band, so er denn je begonnen wird, bin ja noch beim ersten, werden die Handlungsstränge komplex. Gut, darüber mache ich mir jetzt noch keine Gedanken, ich muss beten, dass ich da eine Lösung finde.


Von daher, sollten wir erst einmal den ersten Band schreiben :) und dann überlegen, ob wir den zweiten je schreiben werden. Denn zwei Romane gleichzeitig zu planen, plotten, konzipieren, ist Wahnsinn, der uns allen hier nicht gut zu Gesicht steht.

Von daher!!!!!! Wir schreiben unseren ersten Roman und beten, es folgt ein zweiter, dann können wir immer noch beweinen, welche Schnitzer wir fabriziert haben.

Hier @windigo in Bezug auf Tad Williams. Erst einen zu ende schreiben!!!! Dann verfolgen aus auch nicht so viele  :devcool: :deveek: :devevil: :devgrin: :devgrowl: :devhmm: :devroll: :devsad: :stirn:

L.

merin

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #17 am: 30 April 2021, 15:41:46 »
June hat ja schon Einiges fertig geschrieben. Und ich auch. Trotzdem hätte ich mich nie hingesetzt und einen Mehrbänder geplant. Das ist von ganz allein gewachsen und nun muss ich schauen, was ich daraus mache. Aber alles in die Tonne kloppen, weil es mir zu lang ist, ist für mich keine Variante. Zumal ja die Rohfassung schon steht.
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht und was ich gern anders hätte.

June

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #18 am: 30 April 2021, 17:11:42 »
@merin Neiiiiiiiiiin, hier wird nix in die Tonne gekloppt, allerhöchtens gekürzt.
Schon mal eine Lektorin draufsehen lassen? Wobei das bei 900 Seiten vermutlich nicht billig ist. Vielleicht findest du ja aber doch noch einen Verlag. Nicht aufgeben.

@Lionel ja, ich denke, es ist fast unmöglich, das gleichzeitig zu tun. Trotzdem bin ich an der Challenge interessiert. Schreibe ich gleich mit dem Bauch drauflos, wird es zu 100% nix. So hab ich wenigstens ein Chancelein. Und ich würde es mir nie verzeihen, wenn ich erst den ersten schreibe und dann feststelle, oops, da passt was nicht. Nee nee. Worüber ich noch nachdachte, war, die Bücher unabängig und interchangable zu machen. Aber das wäre noch ein Schippchen drauf. Weil dann ist es eine Serie und was man zuerst liest, ist Wurst, demnach auch, was man zuerst schreibt hihi.

Ach menno! Aber ich hab schon mal alles nach euren Tipps geordnet. Das lief erstaunlich gut, also für alle drei.  :cheer:
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Lionel Eschenbach

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #19 am: 30 April 2021, 17:31:42 »
bye the way, ich träume immer noch von meinem Weingut in Südfrankreich, so ist das ja nicht   :biggrin:

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #20 am: 30 April 2021, 17:41:58 »
Wieso wollen eigentlich immer alle nach Südfrankreich? Ginge dies, wäre es da total übervölkert :D
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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #21 am: 30 April 2021, 18:10:22 »
Ich verstehe gar nicht, was das Weingut mit all dem zu tun hat. Und trinke weder Wein noch träume ich von so einem Gut. Lieber möchte ich mich über konstruktive Arbeit an Texten austauschen.
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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #22 am: 30 April 2021, 18:15:56 »
Ich glaube, Lionel meinte, das sei genauso illusorisch, wie mein Vorhaben.

Na, wir werden ja sehen  :devgrin:
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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #23 am: 30 April 2021, 18:24:55 »
Ja, ich hatte es befürchtet. Das fände ich das Gegenteil von konstruktiv.

Und um mal was Konstruktives beizusteuern: Ich denke, wichtig ist es, dir ein Konzept für die Reihe zu überlegen. Viele Krimireihen funktionieren so: Ein Buch, ein Fall. Dazwischen gibt es möglicherweise eine Entwicklung im privaten oder beruflichen Bereich der ermittelnden Person. Wenn die Reihe keine Reihenfolge haben soll, ist es mit diesen Entwicklungslinien schwierig. Es wäre also dann die Frage, was die Lesenden bei der Stange hält.

Was Mehrbänder angeht, ist @RyekDarkener hier der Spezialist. Und @Trippelschritt. Beide haben einige Mehrbänder geschrieben und veröffentlicht. Vielleicht äußern sie sich oder du könntest dies per PN darum bitten, uns an ihren Erfahrungen teilhaben zu lassen.
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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #24 am: 30 April 2021, 18:47:10 »
Was den Lesenden bei der Stange hält ... jeder Band hat ein Geheimnis, aber es wird in einem jeweils anderen Band gelöst - nee, das passt nicht.
Die Bände ergeben etwas Ganzes, aber sind selbst Puzzleteile.
mhhhhhh, ich sehe, das ist schwer. Ich weiß auch nicht, wie das dann mit dem Showdown ist. Hat jeder Band 1 oder gibt es nur im 3., dann wäre es aber nicht austauschbar. Oder hah, nur 2 sind austauschbar, aber der dritte nicht ...

Meh, ich schlaf noch mal drüber.  :zeter:
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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #25 am: 30 April 2021, 19:21:47 »
Ja, das ist schwer. Aber ich glaube, es ist der Knackpunkt. Wenn es austauschbare Bände sind, dann muss jeder einen Showdown haben. Es sollte aber trotzdem einen Mehrwert geben, wenn man alle gelesen hat. Und das ist schwer zu planen, weil man genau überleben muss, wie die Puzzleteile ineinander greifen. Eine Reihe mit vorgegebener Sortierung ist leichter. Andererseits hat ja auch StarWars dann noch Storyteile davor oder dahinter gesetzt - und sogar der berühmte Ryek Darkener hat dies getan. Geht also auch.
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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #26 am: 30 April 2021, 19:36:58 »
Ne, ne

George Lucas hat schon alle Teile geschrieben, sich dann aber aus vielerlei Gründen entschieden, erst Episode IV, V, und VI zu drehen. Die Geschichte davor stand schon! Sein Hauptproblem und eine Schwächeanfall später war, er hatte nicht die Mittel, es so umzusetzen, wie er es sich vorgenommen hatte. Besonders die Special-Effekts. Außerdem glaubte keiner an ihn, und wollte sein Vorhaben nicht so finanzieren, wie es nötig gewesen wäre. Sic!

Hinsichtlich der Planung mehrere Bände gibt es nun auch viele Vorgehensweise. Die eine Variante ist halt, es ist eine fortlaufende Geschichte, halt in mehreren Bänden. Alles läuft auf das Finale hin.

Dann gibt es die Variante, dass jede Geschichte abgeschlossen ist, und dann andere Aspekte hinzugefügt werden in weiteren Bänden. Hier stehen die Werke mehr oder minder als Einzelwerke.

In meinem Größenwahn - nur weil Lust darauf habe - will ich eine Gesichte erzählen, wo - theoretisch - der Leser schon beim Lesen des ersten Bandes spürt, dass ist nur der Auftakt.

Am Ende, räusper, erst einmal den ersten Band fertig bekommen.


Aber - das ist ja hier das Thema - weiß ich schon, was - theoretisch - in meinen Bänden passiert.

Band 1 endet damit, dass Lionel König wird. Der Cliffhänger ist aber, dass der Antagonist überlebt, aber es in der finalen Szene unklar bleibt, ob er es wirklich ist. Die Haupthandlung spielt weitgehend in der Hauptstadt. Hier ist der Konflikt zwischen zwei Parteien, zwei Männern.

Band 2. Die Völker erheben sich gegen Lionel. Die Hauptcharaktere versuchen alles, den drohenden Krieg zu verhindern. Die Haupthandlungen spielen nun in den verschiedenen Reichen. Es endet damit, dass Lionel es weitgehend schafft, das Reich wieder zu einen. Die Schlussszene ist dann. Ein Baum verliert das letzte Blatt.
Der Hauptkonflikt besteht darin, die Völker bekriegen sich.

Hier muss man jetzt wissen, dass ich bis zu diesem Zeitpunkt die magische Welt nur sehr dosiert eingeführt wird. Ja, der Leser weiß, es gibt Magie, hat sie auch schon erlebt, aber sie wird eigentlich nur am Rande erwähnt, ist für die eigentliche Geschichte bis dahin nicht wichtig.

Band 3. Die magische Welt rückt in den Vordergrund. Der letzte Protagonist zeigt sich. Während in den ersten zwei Bänden Menschen gegen Menschen kämpfen, muss Lionel nun damit kämpfen, sich gegen magische Wesen zu behaupten. Dieser Band soll damit enden, dass es für die Menschen nicht sehr gut aussieht. Zauberer gegen gewöhnliche Menschen. 

Band 4 dann... Verbündete werden gefunden. Und der große Showdown beendet die Reihe. Die letzten Rätsel werden gelöst, wie der Übermacht getrotzt werden kann.

Das war meine Grobplanung.

Also die Grobplanung, wohin in jedem Band die Handlung treibt, die steht.
« Letzte Änderung: 30 April 2021, 19:48:46 von Lionel Eschenbach »

Viskey

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #27 am: 30 April 2021, 21:00:19 »
Von daher, sollten wir erst einmal den ersten Band schreiben :) und dann überlegen, ob wir den zweiten je schreiben werden. Denn zwei Romane gleichzeitig zu planen, plotten, konzipieren, ist Wahnsinn, der uns allen hier nicht gut zu Gesicht steht.

Naja, wenn du parallel zwei Romane planst, wird das mit dem Mehrteiler unnötig schwer. Den es sind nicht zwei Romane, es ist einer. Dieser eine ist nur eben so lang, dass er in mehreren Büchern Platz finden muss. (Aber auch zwei unterschiedliche Romane gleichzeitig - oder zeitlich überschneidend - zu planen ist durchaus möglich, mach ich seit Jahren so, sonst käm ich da wie dort nicht weiter.)

Ich sehe Mehrteiler nur um eine Hierarchieebene erweitert gegenüber einem Einzelband. Ein Einzelband besteht aus Kapiteln, die bestehen aus Szenen. Jedes Kapitel muss einen Bogen haben, jede Szene muss einen Bogen haben. Und wenn man das um einen oder mehrere weitere Bände erweitert, müssen die auch jeder ihren eigenen Bogen haben.
Aber am Ende kommt ja doch nur eine Geschichte heraus. - Wenn wir nicht von Reihen reden wie zB bei Krimis, wo halt ein Ermittler einen Fall nach dem anderen abwickelt, und die untereinander eher lose miteinander verbunden sind.


@ June

Wenn ich die Korkwand dann irgendwann haben werde, werde ich sie wahrscheinlich nicht nutzen, sondern halt hübsche Bilder anpinnen ... :cheese:
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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #28 am: 30 April 2021, 22:27:09 »
Das ist halt eine Frage des Konzepts, denke ich: Sollen die einzelnen Bände irgendwie abgeschlossen sein? Ich finde es enorm unbefriedigend, wenn sie es gar nicht sind.

Die Reihe, die ich gerade lese, sind ja die Murderbot-Diaries. Da gibt es mehrere Novellen und auch einen Roman. Und es ist immer so, dass Murderbot sozusagen einen Fall, einen Auftrag, löst und sich auch persönlich etwas weiterentwickelt. Er findet Freunde. Er findet heraus, dass er eine Person ist (auch wenn er es nicht recht glauben mag). Was mich weiterlesen lässt ist einerseits die tolle Erzählstimme, in die ich echt verliebt bin und andererseits die Frage, wie er sich weiterentwickelt. Klar sind die einzelnen Fälle auch spannend (es ist ein echter Pageturner), aber für mich ist das nicht der Hauptaspekt. Der Hauptaspekt sind die Personen und deren Entwicklungen und Beziehungen.
Wenn du eine Reihe planst, ist die Frage, was dein Fokus ist. Bei Etomi ist es so, dass es die äußere Handlung gibt (die Suche nach Etomi), aber auch eine innere Reise der Prota: Sie muss lernen, Beziehungen zuzulassen und sich mit ihrem alternden Körper zu arrangieren. Was die Lesenden weitertreibt soll also einerseits die Spannung sein, vor allem aber auch die Beziehungen und die persönlichen Entwicklungen. Was wäre es bei dir, June? Und was bei dir, Lionel? Ich finde deine Grobplanung tatsächlich für mich nicht sonderlich interessant, weil mich Schlachten und politische Querelen in Büchern nicht interessieren. Ist das der Fokus deiner Reihe?

In der Romanrunde hatten wir die Idee, das Konzept des Buches in einem Satz zu fassen, als Hypothese, die das Buch beweist. Mein Satz lautet "Menschen sind wir nur, wenn wir über unser eigenes Leben bestimmen können". Es ist erstaunlich, wie hilfreich so ein zentraler Satz ist. Was sind eure Sätze?
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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #29 am: 01 May 2021, 07:07:53 »
 @ Lionel

OK, jetzt bin ich verwirrt. Einerseits redest du hier, als wären Mehrbänder schon mal grundsätzlich eigentlich nicht möglich, sondern eher ein seltsames Ding, das manchmal passiert ... andererseits hast du aber deinen Mehrteiler eh schon im Grobkonzept stehen. Du weiß, was in welchem Band passieren wird, und insgesamt ergibt das dann eine Geschichte.

Wie das Grobkonzept dann jeweils umgesetzt wird, ergibt sich zT während des Schreibens, zT aus den vorhergehenden Bänden. Es gibt eine ganze Menge, über die man sich keine Gedanken mehr machen muss, weil man so vieles einfach aus den früheren Bänden mitnimmt. Viele Figuren leben in den Nachfolgebänden einfach weiter, die Welt ist die gleiche, das ultimative Ziel ist auch immer noch das gleiche ... Viele Planungshürden erledigt man ja schon während des Schreibens des ersten Bandes.
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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #30 am: 01 May 2021, 08:54:27 »
Ich fand es für meinen Roman hilfreich, die Story in ein bis drei Sätzen zusammenzufassen. Diese Methode zwingt einen dazu, sich auf die wirklich wesentliche Punkte zu konzentrieren (die dann im Roman auch entsprechend als "Spannungshöhepunkte" auftauchen müssen). So bekommt der Roman seinen "Bogen". Diesen Bogen zu kennen hilft ungemein, die Szenen eindeutiger zu gestalten - und auch ein Gefühl dafür zu bekommen, ob eine Szene notwendig ist oder nicht.

Meine drei Sätze lauten:

Der Roman erzählt von einem Mann, der von einer toxischen Männlichkeit vergiftet ist und der sich auf mehrere Reisen begibt, um sich von dieser Last zu befreien. Auf diesen Reisen lernt er nach und nach neue Menschen kennen, die zu seinen Freunden und Freundinnen werden. Mit ihrer Hilfe befreit er sich von seinen alten Dämonen und er erfährt einen ungeahnten Reichtum in seinem Leben, bis er am Ende, als es unter seinen Freunden zu einer Katastrophe kommt und jemand dabei stirbt, er wieder mit leeren Händen dasteht.

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #31 am: 01 May 2021, 09:45:11 »
@Viskey.

Es ist früh. Mein Kaffee schmeckt. Spotiy spielt im Hintergrund. Gerade Jazz.

Ich persönlich lache gerne über mich, hinsichtlich meines Plans, eine Geschichte zu schreiben, die über mehrere Bänder gehen könnte. Ich schreibe fleißig an meinem Roman, Bd.1, und behalte für mich immer im Hinterkopf, wie es weiter gehen könnte. Hauptaugenmerk ist aber klar Bd.1. Logischerweise.

Ab und an lese ich, welcher Autor wie vorgegangen ist. Die meisten haben - es gibt Ausnahmen - nicht mit einem Mehrbänder angefangen. Windigo hat es sehr schön geschrieben, ein Mehrbänder ist wie Profisport. Und eben das ist es. Romane - und nur ein Band - ist schon die Königsklasse. Daher empfiehlt in der Regel auch keiner, damit zu beginnen. Und doch übt es wohl auch für mich, wie für euch, eine Faszination aus, eben in dieser Klasse schreiben zu wollen.  Wie sagte  George R. Martin auf seinem Blog, was er jungen Autoren empfiehlt. Fangt mit einer Kurzgeschichte an, veröffentlicht sie, schreibt noch eine, veröffentlicht diese auch, irgendwann hat man einen Namen, und irgendwann wird vielleicht ein Verlag aufmerksam.  In kleinen Schritten nehmen wir als die Treppe des Erfolges.

Halte ich mich daran. Nö! Ich will gleich mit etwas Großem beginnen, nicht unter Königsklasse. Ich weiß, dass es größenwahnsinnig ist. Warum eigentlich, weil ich mit Tausend Dämonen gleichzeitig kämpfen muss.

Merin hat hier einen Thread geöffent über Szenenfolgen. Damit kämpfe ich.
Ich kämpfe mit meiner Sprache, weiß noch nicht so richtig, was mir gefällt.
Dann kämpfe ich mit meinem Plot, ist es logisch, führt das einen zum anderen?
Dann kämpfe ich mit meinen Charakteren. Witzigerweise kann ich zwischenzeitlich sehr gut verstehen, warum in vielen Roman die Helden blass bleiben. Denn wenn es nur mehr als ein PROTOAGONIST ist, dem glaubwürdig  Leben eingehaucht werdem soll, dann kommen da mal leicht 200 Seiten  pro weiterer Hauptfigur zusammen. Daher - und gerade - in Fantasy sind die Charaktere eben oft auch sehr klischeehaft. Ich orientiere mich hinsichtlich der Charakterentwicklung sehr stark an GRRM, der es meiner Meinung nach zur Perfektion gebracht hat. ABER!!! 4000 Seiten!!!!  Denn es ist nicht nur die Balance zwischen Charakterentwicklung und Handlung, sondern auch über Motivation und Psychologie. So bin ich schier darüber verzweifelt, warum mein Prota nun König werden sollte. Mir ist erst viel später aufgefallen, als ich schon viele, viele Szenen geschrieben haben, das eigentlich, mein Prota NULL Gründe hätte König zu werden. Stellt euch selber mal vor, jemand unterbreitet euch den Vorschlag BundeskanzlerIn zu werden. Würdet ihr es machen?  Also kämpfe ich auch mit der Motivation, warum wer was macht.  Ich könnte jetzt den Klassiker wählen. Lionel erkennt, es ist seine Bestimmung. Hurra, wie oldschool ist denn das. Eine Kraft ist in dir, und here we go, ich werde König. Das wollte ich nicht, also überlegte ich mir, was könnte Lionel bewegen, sich der Verantwortung zu stellen, obwohl er eigentlich Null Bock darauf hat.

So, und schon wieder waren es 100 Seiten mehr.
So, mein Kaffee neigt sich langsam dem Ende.

Egal an welchem Aspekt ich momentan arbeite, an allen Ecken und Enden spüre ich, ein weiter Weg liegt noch vor mir.

Ob es die Sprache ist. Dafür habe ich ja hier die Röstungen.
Ob es der Plot ist.
Ob es die Handlung ist.
Ob es die Charaktere sind.
Ob es die Motivation ist.

Hier lasse ich mal das worldbuilding ala Tolkien raus, wieder 100 Seiten mehr.

Und oben drauf kommt dann noch - und hier bin ich sicher, viele von euch sind gelegentlich auch mit Selbstzweifeln geplagt - das wir nicht abschätzen können, auf welchem Niveau wir gerade schreiben, da wir in der Regel weder von Lektoren noch von Lesern Rückmeldungen bekommen haben.

Also, stellen wir uns vor, wir machen eine Steinmetzausbildung. In welchen Ausbildungsjahr sind wir denn gerade? Sind wir noch Auszubildener oder schon Meister oder daVinci?

Und hier - wenn ich ehrlich zu mir selber bin - denke ich nur sehr am Rande daran, ob ich je Band 2 oder 3 oder 4 oder 5 schreiben werde. Ich denke zu 90 Prozent nur an Band 1.

Und eben das wäre mein realistischer Rat, sich nicht darin zu verzetteln (was ja auch schön zu Zetteln an der Korkwand passt), es zu komplex werden zu lassen.

Also nur mit einem Lächeln denken wir an die Folgebänder, aber unsere ganze Liebe steckt NUR in dem Projekt, an dem wir arbeiten.

Von daher mögen wir hier Tipps geben, wie wir es schaffen könnten, mehrere Bände zu konzipieren, halt Theorie, aber eigentlich sollten wir die Finger davon lassen und uns nur auf einen Band konzentrieren, was immer noch die Königsklasse wäre. Und das wäre auch mein ehrlicher Rat an June. Lass die Finger davon! :)  :devcool:

So. Kaffee alle.

P.S. @Paul. Habe ich auch so gemacht. Ob nun Schneeflockenmethode, oder was auch immer. 1 Satz Zusammenfassung, dann 2 Satz Zusammenfassungen und so weiter. Grobskizzierung, Feinjustierung. Meine ganze Ordner sind voll davon. Ich weiß also schon, was die Eckpfeiler sind. Und diese Techniken sind auch wichtig. Nur das bereitet mir nicht die Kopfschmerzen, sondern Szene für Szene. Und schauen wir hier mal darauf, wenn wir geröstet werden, wie gut unser Selbstbewusstsein ausgesprägt sein muss, damit wir nicht bitterlich anfangen zu  weinen :)
 
« Letzte Änderung: 01 May 2021, 10:12:08 von Lionel Eschenbach »

June

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #32 am: 01 May 2021, 10:20:18 »
Zitat
Romane - und nur ein Band - ist schon die Königsklasse.

Hihi, ich hab mal gelernt, Kurzgeschichten sind die Königsklasse ...

Für mein Empfinden ist es aber die Lyrik - na, was stimmt denn nun? :D
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Lionel Eschenbach

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #33 am: 01 May 2021, 11:19:54 »
Frage zehn Leute, bekommst elf Meinungen.

Und ja Lyrik, oh je, ich mag Astern und Gottfried Benn :)

KLEINE ASTERN
Ein ersoffener Bierfahrer wurde auf den Tisch gestemmt.
Irgendeiner hatte ihm eine dunkelhellila Aster
zwischen die Zähne geklemmt.
Als ich von der Brust aus
unter der Haut
mit einem langen Messer
Zunge und Gaumen herausschnitt,
muß ich sie angestoßen haben, denn sie glitt
in das nebenliegende Gehirn.
Ich packte sie ihm in die Brusthöhle
zwischen die Holzwolle,
als man zunähte.
Trinke dich satt in deiner Vase!
Ruhe sanft,
kleine Aster!

June

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #34 am: 01 May 2021, 11:40:33 »
 :streichel:
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merin

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #35 am: 01 May 2021, 11:45:48 »
Ich finde schon, dass es wichtig ist, auch differenziert zu schauen. Wir schreiben hier auf verschiedenen Niveaus und auch mit verschiedenen Ansprüchen. Wenn jemand seinen Stil noch nicht gefunden hat, wie Lionel, ist es sinnvoll, erstmal auf der Ebene kürzerer Texte daran zu arbeiten. Wenn jemand schon zahlreiche Kurzgeschichten veröffentlicht und einen Verlag für sein Romandebüt hat, wie June, dann ist der Stil schon klar und es erscheint mir auch angemessen, zu schauen, ob ein Mehrbänder eine Option ist. June kann zurückgreifen auf ihre Erfahrungen, sie weiß prinzipiell, wie sie sich organisiert und etwas fertigstellt. Das muss nun angepasst werden auf Mehrbänder, aber es ist ja schon da.
Viskeys Weg ist wieder ein anderer: Sie hat einen Stil und sitzt seit Jahren an zwei Mehrbändern. Die grobe Planung steht, sogar schon ziemlich fein. Das Fertigstellen auf der Textebene scheint die Schwierigkeit.
Und ich? Habe jahrzehntelang Lyrik und KGs gemacht, war damit auch im kleinen Rahmen erfolgreich, und wage mich seit so 15 Jahren an Romane. Auch ich muss erstmal lernen, wie ich mich organisiere, wie meine kreativen Prozesse funktionieren. Ich finde es hilfreich, mich auszutauschen, zu schauen, wie es andere machen. Manches davon probiere ich aus, verwerfe es oder nehme es (für eine Weile oder für länger) an.

Zu euren Beiträgen habe ich noch folgende Gedanken:

Paul:
Zitat
Der Roman erzählt von einem Mann, der von einer toxischen Männlichkeit vergiftet ist und der sich auf mehrere Reisen begibt, um sich von dieser Last zu befreien. Auf diesen Reisen lernt er nach und nach neue Menschen kennen, die zu seinen Freunden und Freundinnen werden. Mit ihrer Hilfe befreit er sich von seinen alten Dämonen und er erfährt einen ungeahnten Reichtum in seinem Leben, bis er am Ende, als es unter seinen Freunden zu einer Katastrophe kommt und jemand dabei stirbt, er wieder mit leeren Händen dasteht.

Das mit den drei Sätzen ist super. Allerdings verstehe ich nicht ganz, warum du die nicht so feilst, dass sie den Text wirklich auf den Punkt bringen. Vorschlag:

Zitat
Einem Mann ist von toxischer Männlichkeit vergiftet und begibt sich auf mehrere Reisen, um sich von dieser Last zu befreien. Er lernt neue Menschen kennen und lieben, mit deren Hilfe er sich von alten Dämonen befreien kann. Doch der ungeahnte Reichtum, den er dadurch erfährt, ist nicht von Dauer: Als es unter seinen Freunden zu einer Katastrophe kommt und jemand stirbt, steht er wieder mit leeren Händen da.

Lionel:
Bei dir verstehe ich nicht, warum die Antworten auf deine Fragen nicht zu drei Sätzen führen, wie bei Paul, sondern zu hunderten Seiten Text. Vielleicht ist es als Orientierung hilfreicher, es mal mit drei Sätzen pro Frage zu versuchen.
« Letzte Änderung: 01 May 2021, 12:58:23 von merin »
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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #36 am: 01 May 2021, 12:52:12 »
@Merin

Danke für die Redaktion meiner drei Sätze. Ich habe sie heute Morgen nochmals schnell neu aufgeschrieben, da ich dank meiner "ähem" genialen Organisation die ursprünglichen drei Sätze nicht mehr fand. Zumindest hatte ich sie aber noch im Kopf - und das allein zählt.

Bei einem Mehrbänder finde ich das größte Problem darin, mehrere solcher Spannungsbögen sinnvoll zu gestalten und dabei dann auch noch die Gesamtgeschichte voranzutreiben. Von daher ja: Königsdisziplin

Paul
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Viskey

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #37 am: 01 May 2021, 14:21:48 »
@ Lionel

Also langsam fühle ich mich von dir einfach nicht ernst genommen. Denkst du, ich hab mich eines Tages hingesetzt und gedacht, "Jetzt ein Mehrbänder, das wär's"?

Nein. Ich habe mit Kurz- und Kürzestgeschichten angefangen. Ich hab als Teenager Liebesszenen geschrieben für meine Schulfreundinnnen - jeweils mit ihr und ihrem Schwarm in den Hauptrollen. Über eine Seite ging das selten hinaus. Da habe ich meine Sprache trainiert.
Dann kam Fanfiction, da habe ich Charakterisierung, Plotten, diverse Stilmittel trainiert. Aber auch die gingen selten über zwanzig Seiten hinaus (Also als Normseiten so 40 - 50). Und dann kam eines Tages eine Geschichte - eine Fanfiction -, die hatte plötzlich 50 Seiten, 60, 70 ... und war immer noch nicht fertig. Da habe ich vielleicht gestaunt. Aber die Geschichte war halt nicht früher fertig erzählt. Am Ende waren es wohl so ca 200 Normseiten.

Und irgendwann kam mir NaNo vor die Füße. Ich hab mich hingesetzt und hab zum ersten Mal in meinem Leben einen originären Roman geschrieben ... oder halt ein Fragment davon, denn ich weiß bis heute nicht, worauf diese Geschichte eigentlich hinauslaufen könnte.

Dann hatte ich eine Idee, ursprünglich mal wieder für Fanfiction (ja, ich liebe die, auch heute noch und schreib sie auch heute noch). Bis ich dachte, dass es eigentlich schade wäre, diese Idee für Fanfiction zu "verbraten". Das ist die Geschichte, an der ich mit Mooncat zusammen schreibe. Wir haben umgemodelt, haben eine Welt erfunden, Völker, Aliens ... Und das alles, damit die Hauptfigur "König" werden kann. ;)

Ich weiß nicht, wieviel Schreiberfahrung June schon hat, aber bei mir sind es ohne Übertreibung Jahrzehnte. Wenn ich dann von dir  so verallgemeinernde Statements lese, man konzentriere sich erst mal nur auf den ersten Band, stößt mir das sauer auf. Weil ich aus wortwörtlich jahrelanger Erfahrung weiß, dass das nicht stimmt. Nicht für mich und auch nicht für Mooncat, die neben diesem Projekt auch noch andere Mehrbänder in Arbeit hat. Sogar bei ihrer Cozy-Crime-Reihe, die genregemäß ziemlisch stark nach dem Prinzip "ein Buch ein Fall" funktioniert, macht sie sich Gedanken darüber, was in späteren Bänden passieren wird, und wie sie das jetzt schon vorbereiten kann bzw. muss.

Wenn du anders arbeitest, ok. Aber behaupte bitte nicht mehr, dass das allgemein so ist, weil es einfach nicht stimmt.
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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #38 am: 01 May 2021, 23:28:39 »
Mir ist beim Lesen eurer Beiträge noch folgendes eingefallen:

1. Ich glaube, dass eine Kurzgeschichte genauso viel Wissen um das Funktionieren von Geschichten braucht wie ein Roman. Durch die Kürze kommen Fehler sehr deutlich zur Geltung, die man bei einem Roman eher verzeiht.
Viskey schreibt:
Zitat
Jedes Kapitel muss einen Bogen haben, jede Szene muss einen Bogen haben. Und wenn man das um einen oder mehrere weitere Bände erweitert, müssen die auch jeder ihren eigenen Bogen haben.

Genau so!
Und das meint nicht nur Handlung im Sinne von Action, sondern auch Innenleben. Am besten ergänzt sich beides. Auf jeden Fall ist die Dramaturgie der entscheidende Punkt beim Entwickeln von Geschichten, die die Leser packen und bei der Seite halten. Diese zu studieren, lohnt sich auf jeden Fall (auch immer wieder). Gerne an Lieblingsbüchern oder -filmen, die einen eben hinreißen - was ist deren Geheimnis?
Dramaturgie von mehreren Bänden ist mehr und komplexer als die von einem, funktioniert aber nach den gleichen Regeln. Und ich bleibe dabei: Jeder Band muss eine abgeschlossene Geschichte erzählen. Das heißt nicht, dass nicht noch große Teile der Hauptstory offen bleiben dürfen.

Ein Beispiel: Einer meiner Lieblings-Mehrteiler (Lymond-Saga, historische Romane) hat im Original 6 Bände. Auf deutsch übersetzt gibt es nur drei, Bd. 4 bis 6 wurden nie übersetzt. Wenn es nur um das Erzählen einer Geschichte bis zu ihrem Ende ginge, wäre kein Band auf deutsch verkauft worden, denn das Ende fehlt ja und ist aus dem Vorhandenen auch nicht zu erschließen.  Stattdessen sind drei faszinierende Lebensabschnitte des Protagonisten nacheinander erzählt, jeder bis zu einem punktuellen Abschluss (die jeweils akute Bedrohung ist beseitigt), wobei die Saat für später sowohl handlungsmäßig als auch personell oder durch kleine Irritationen, die auf das Geheimnis zielen, schon ausgesät wird. (Das klappt aber eben nur, wenn die Autorin von vorneherein weiß, wo sie hinwill.) Als Leser vermisst man nichts nach Band 1 oder 2, am Ende von Bd.3 allerdings steht ein Hook für weiteres, der leider nicht eingelöst werden konnte. Das ist dann ein frustrierendes Lesegefühl.

Aus der Leserperspektive kann zumindest ich es auch gar nicht leiden, wenn ein sehr guter Band 1 mit durchschnittlichen Folgebänden fortgesetzt wird, weil es so ein Erfolg war. Nur gibt es oft eigentlich eben keine tragende Story dahinter, weil die Idee fertig erzählt war. Oder eine altbekannte ohne besonderen Reiz.

Ein paar Kleckse Senf dazu... :klug:

eska


June

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #39 am: 02 May 2021, 10:31:59 »
Hallo @Viskey,

bitte nicht darüber ärgern.
Zitat
Ich weiß nicht, wieviel Schreiberfahrung June schon hat, aber bei mir sind es ohne Übertreibung Jahrzehnte. Wenn ich dann von dir  so verallgemeinernde Statements lese, man konzentriere sich erst mal nur auf den ersten Band, stößt mir das sauer auf. Weil ich aus wortwörtlich jahrelanger Erfahrung weiß, dass das nicht stimmt. Nicht für mich und auch nicht für Mooncat, die neben diesem Projekt auch noch andere Mehrbänder in Arbeit hat. Sogar bei ihrer Cozy-Crime-Reihe, die genregemäß ziemlisch stark nach dem Prinzip "ein Buch ein Fall" funktioniert, macht sie sich Gedanken darüber, was in späteren Bänden passieren wird, und wie sie das jetzt schon vorbereiten kann bzw. muss.

Ich denke, ich weiß, wo ich @Lionels Aussagen einordnen kann und wie gesagt, der Teufel auf meiner Schulter sagt das -leider- auch. Aber deswegen ja dieser Faden. Ihr habt mir alle sehr viel Mut gemacht und auch Wege gezeigt, wie es gehen könnte und dafür bin ich sehr dankbar <3

Ich schreibe seit der vierten Klasse und ich habe - auch wenn ich das nie breittrete - mehrere DinA4-Seiten Bibliographie unterschiedlichster Textsorten. (für alle Pseudos) Vor Corona war ich journalistisch tätig, das ist nicht vergleichbar aber auch eine Art "Schreibübung" und ich habe im Englischsprachigen Ausland verlegt - hier allerdings über Autorenfreunde, also nie selbst. Einzige Schwierigkeit für mich war da, den ganzen Kram in korrektes Englisch zu kriegen. Witzig, weil ich u.a. Anglistik studiert hab, aber eben keine Prosa. Ich kann das Pidgin in Jamaica mit dem in Südostasien oder dem Englisch der Schotten, Inder, woauchimmer vergleichen, aber das wars dann auch schon - böse gesprochen.

Seit meinem Debüt kann ich den Aufwand für ein Buch schon in etwa abschätzen. Und ich sehe ja auch bei anderen, dass es geht - weiß nur nicht, wie, von der Planung her. Deswegen der Faden. Ich denke, es gibt viele Autoren, die nicht mal ein Buch schaffen. Oder die davon reden, es zu tun, aber nichts tun. Dann ist das so. Aber wie du schon richtig sagst, muss das nicht für alle gelten. Und ich weiß ziemlich genau, wo ich hin will - das ist von Vorteil :D

Soweit mein Senf, jetzt guck ich mal, was @eska geschrieben hat - im nächsten Post.
Danke <3
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June

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #40 am: 02 May 2021, 10:37:27 »
Liebe @eska,

genau das
Zitat
Stattdessen sind drei faszinierende Lebensabschnitte des Protagonisten nacheinander erzählt, jeder bis zu einem punktuellen Abschluss (die jeweils akute Bedrohung ist beseitigt),
meinte ich mit Puzzleteilen, die für sich selbst stehen können. Danke, dass du bestätigst, dass es das gibt und dass das geht <3

Und hier
Zitat
Aus der Leserperspektive kann zumindest ich es auch gar nicht leiden, wenn ein sehr guter Band 1 mit durchschnittlichen Folgebänden fortgesetzt wird, weil es so ein Erfolg war.
das möchte ich mit parallel schreiben vermeiden.

Ich denke, ich werde das für mich so lösen, dass es in meinem Kopf 1 Buch ist - mit 3 Teilen. Diese sind in sich abgeschlossen aber hängen doch zusammen. Das müsste irgendwie gehen :) Hach, spannend.
Seit gestern steht auch die Storyline für Band/Teil 2. Nun fehlt nur noch 3 und da ist die Frage - großes Finale in Form von: die ersten beiden ergeben noch mehr Sinn oder doch lieber wieder was ganz eigenes. Hihi.
Heute Abend werde ich es wissen.

Nochmals liebe Grüße!  :cheer: :cheer:
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Oflinitrium

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #41 am: 02 May 2021, 13:56:10 »
Zitat
Ich denke, ich werde das für mich so lösen, dass es in meinem Kopf 1 Buch ist - mit 3 Teilen. Diese sind in sich abgeschlossen aber hängen doch zusammen. Das müsste irgendwie gehen  Hach, spannend.
Zuerst einmal:
Wenn du 3 Teile hast vergiss das Prinzip von Chekhovs Gun nicht

Zitat
One must never place a loaded rifle on the stage if it isn't going to go off. It's wrong to make promises you don't mean to keep." Chekhov, letter to Aleksandr Semenovich Lazarev (pseudonym of A. S. Gruzinsky), 1 November 1889. Here the "gun" is a monologue that Chekhov deemed superfluous and unrelated to the rest of the play.

Bei mehreren Bändern finde ich es auch wichtig dieses Prinzip sowohl im Kleinen anzuwenden- Sprich Versprechungen machen die im selben Band eingehalten werden.-
Als auch im Großen dass du im 1. Band etwas etablierst was im 3. Wichtig wird. Und auch Dinge für den direkt nachfolgenden Band.
Das geht auch gut bei in sich abgeschlossenen Bänden. Und wertet das Lesegefühl enorm auf.



Ich glaube der Einzige hier im Forum der so doof war und eines Tages ohne jede Vorbereitung mit dem Entschluss aufgewacht ist: "Ich hab Bock auf einen Ewig langen Toman am besten eine Trilogie" bin ich derzeit hier im Forum  :biggrin:

Aber ich gehöre auch zu der Sorte Mensch, der schon ne Bühne für sein eigenes Rockkonzert bestellen möchte bevor er auch nur einmal ne Gitarre in der Hand hatte.
Ziemlich frustrierend diese "Herangehensweise" (sowohl für mein Umfeld, wie auch für mich)
Ich habe seit ich anfing enorm viel über Plottechniken, Storytelling etc. etc. gelernt. Sowohl für Bücher als auch Filme und bin so weit, dass ich verstehe und auch selbst erklären kann warum das eine Werk ein sehr gutes Gefühl hinterläst und ein anderes eher unzufriedenstellend ist.
Aber der Mangel an Schreibpraxis ist unübersehbar und frustriert mich am Meisten. Ich tue mich schwer damit zu verstehen wann ein Text gut zu lesen ist und wann nicht. Bei anderen Texten -okay - da fallen Schnitzer schon mal auf aber meist springen mir eher Ungereimtheiten oder Schwächen in der Handlung ins Auge.

Bei der Musik steht immer das Lied im absoluten Vordergrund. Gsnz egal was für ein grandioser Solist der Mann an der E-Gitarre ist, wenn der Song es nicht verlangt steht er nur 3 Minuten da und zupft langsam und gemütlich seine Saiten. Dafür aber im Perfekten Timing.
Bei Geschichten sehe ich es ähnlich. Am Anfang steht immer die Geschichte selbst. Manche Geschichten fordern nur 2 Seiten Text aber jegliche Finesse und Subtilität des Autors und andere wollen sich in ihre 5000 Normseiten ausdehnen und verlangen vom Autor, dass er die Übersicht behält und seine Finesse auf großer Bühne zeigt.
Am Ende verzeihen beide Geschichten andere Fehler und sind an unterschiedlichen Stellen sehr fordernd. Ich fühle mich nie so als arbeite ich an Band 1 oder 2 oder drölf. Ich arbeite an der Geschichte in ihrer Gesamtheit und versuche herauszufinden was sie von mir fordert und was sie mir hin und wieder verzeiht.
Tatsächlich muss sich sogar noch zeigen ob mehrere Bände notwendig sind. Mein Bauchgefühl sagt zwar ja aber wieviele Worte am Ende stehen kann ich überhaupt nicht einschätzen. Am Ende ist es für mich auch irrelevant. Ich schreibe was die Geschichte einfordert. Mein Plot hat genug Momente in denen ich einen gezielten Cut setzen und sagen kann "stay tuned". Ob mir das alles schreiberisch gelingt, gut lesbar ist und ich überhaupt mal damit fertig werde.... das steht leider auf einem ganz anderen Papier.

Auf gewisse Art beneide ich aber jeden der es schafft sein Werk und die damit verbundene Arbeit im Kopf in viele kleine Abschnitte einzuteilen die erledigt werden wollen. Ich habe mich immer schwer getan mich auf die kleinen Schritte eines Projektes zu konzentrieren und wurde dann meist wegen der Größe lustlos und demotiviert.

Edit:
Ich wollte eigentlich den Tipp geben seine Geschichte immer in ihrer Gesamtheit im Auge zu behalten... stattdessen bin ich ins Schwafeln gekommen. Sorry, ich hoffe es war trotzdem irgendwie verständlich =/
« Letzte Änderung: 02 May 2021, 14:21:29 von Oflinitrium »
Die Werke die ich am meisten liebe, sind gleichzeitig die, die ich am meisten kritisiere. Im Grunde ist es so, dass eine ausführliche Kritik meinerseits auch eine Anerkennung und ein Glückwunsch ist, denn wenn es einfach nur schlecht wäre, würde ich mir gar keine Gedanken darüber machen.

June

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #42 am: 02 May 2021, 18:40:44 »
Hallo @Olfinitrium

Zitat
Ich wollte eigentlich den Tipp geben seine Geschichte immer in ihrer Gesamtheit im Auge zu behalten... stattdessen bin ich ins Schwafeln gekommen. Sorry, ich hoffe es war trotzdem irgendwie verständlich =/

Hihi, ja, das war es, vor allem Chekhovs Gun ... das ist ein sehr guter Einwurf, den ich bedenken muss.

Und weißt du was? Ich finde, unserer Gesellschaft fehlen Träumer :D
Zitat
Aber ich gehöre auch zu der Sorte Mensch, der schon ne Bühne für sein eigenes Rockkonzert bestellen möchte bevor er auch nur einmal ne Gitarre in der Hand hatte.
Ambitioniert, aber wieso nicht? Solange es dich am Laufen hält :D Und wenn du nur träumst, ist das auch ok.
Die Realität ist schon stressig genug.

Ansonsten plane ich glaube etwas mehr, sortiere Szenen in Bände oder Teile und irgendwie brauch ich das, um es runterschreiben zu können. Das ist dann auch recht flott gemacht - aber erst muss der Rest stehen, daher kann man sagen, ich arbeite auch an der Gesamtstory, aber in Häppchen. ;)
Mittlerweile steht auch die 3, aber ich stelle fest, dass die Übergänge noch herausgearbeitet werden müssen, also Band 1 hört auf, Band 2 fängt woanders an, Band 3 erzählt dann irgendwie rückwärts. Das ist nötig, aber fühlt sich komisch an. Da ist es gut, wenn man alles auf einen Blick hat.

Nur werden die Dateien mittlerweile auch mehr ...
LG, June
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Viskey

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #43 am: 02 May 2021, 19:42:56 »
Oh ja, Chekovs Gun ... in meinen Augen sehr wichtig. Eigentlich nicht zwingend nötig, wenn die Geschichte inhaltlich genug Zusammenhalt hat. Aber sie machen sich so schön, vor allem, wenn man eine Reihe ein zweites Mal liest. Hilft auch, Deus ex Machina zu verhindern. Wenn man es lange genug vorbereitet, kann man die Maschine aus dem Hut zaubern, wenn man sie braucht.
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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #44 am: 03 May 2021, 10:26:43 »
 :devgrin: :devgrin: :devgrin:
Du bist ein echter Profi, ich seh schon ...

(da kein Geschlecht im Profil angegeben, hoffe ich, dass die Form passt, werde schon ganz unsicher)
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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #45 am: 03 May 2021, 15:17:00 »
Und ich frag mich die ganze Zeit, was Chekovs Gun ist. Die Pistole, die abgefeuert werden soll, wenn sie irgendwo eingeführt wird?

Ansonsten ist Profi für mich tatsächlich geschlechtsneutral. Denn "die Professionelle" ist was anderes ...
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht und was ich gern anders hätte.

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #46 am: 03 May 2021, 20:46:38 »
Vereinfacht gesagt:
Du etablierst irgendetwas sei es ein Zauber, eine Waffe, eine Begebenheit aber die Auflösung dafür kommt erst später.

Das Grundprinzip von Chekhovs gun ist eigentlich, das alles was etabliert wird auch benutzt werden soll. Als Beispiel nannte der Autor eine Waffe die an einer Wand hängt.
Wenn ich den Fokus für einen Moment auf die Waffe lenke, diese aber nie benutzt wird hinterlässt das einen unbefriedigendes Gefühl und wirft die Frage auf warum überhaupt der Fokus auf die Waffe gelenkt wurde.
Die Werke die ich am meisten liebe, sind gleichzeitig die, die ich am meisten kritisiere. Im Grunde ist es so, dass eine ausführliche Kritik meinerseits auch eine Anerkennung und ein Glückwunsch ist, denn wenn es einfach nur schlecht wäre, würde ich mir gar keine Gedanken darüber machen.

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #47 am: 03 May 2021, 21:09:33 »
Ah ja, dann ist das genau das, was ich dachte. Danke für die Erklärung.
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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #48 am: 03 May 2021, 21:56:51 »
:)
Leider nur in Englisch

Aber dafür in jeder erdenklichen Variante :)

https://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/ChekhovsGun

Musste hier an Naleesha und ihre Wölfe und ihr Intro denken, auch dafür gibt es einen Namen

The Legend of Chekhov: If someone tells a fairy tale or legend, it'll turn out to be true. And, outright disbelieving it only ups the uncomfortable nature of the truth when it hits.
« Letzte Änderung: 03 May 2021, 21:59:32 von Lionel Eschenbach »

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #49 am: 03 May 2021, 22:01:38 »
Hah, da lerne ich gleich auch mal, was ein roter Hering ist. Aber die Art, wie die Artikel auf der Seite geschrieben sind, ist nach wie vor nicht meins. Nur hilft mir der Link verstehen, wie sie funktioniert und wie mensch etwas rausziehen kann.
Danke!
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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #50 am: 03 May 2021, 22:09:15 »
:) Roter Herring ist auch cool. Wie gesagt, muss man nicht mögen. Ja, die schiere Unendlichkeit an Tropen erschlägt, aber ab und an stöbere ich gerne drin rum und eben manchmal findet man auch gute Idee für seine eigenen Romane. Aber es ist halt eine Datenbank, und dazu noch eine riesige.

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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #51 am: 03 May 2021, 22:13:20 »
:devgrin: :devgrin: :devgrin:
Du bist ein echter Profi, ich seh schon ...

(da kein Geschlecht im Profil angegeben, hoffe ich, dass die Form passt, werde schon ganz unsicher)

:cheese: Mir ist es wurscht. Ich nehm - zumindest im Netz - männlich gerade so gerne wie weiblich. Ich mag es, da unabhängig von Geschlecht einfach Mensch zu sein. Wem's wichtig ist: Im echten Leben bin ich sehr gern Frau. ;)

Und danke für den Profi. :cheer:
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Re: Mehrband-Fahrplan
« Antwort #52 am: 03 May 2021, 22:17:34 »
Ansonsten ist Profi für mich tatsächlich geschlechtsneutral. Denn "die Professionelle" ist was anderes ...

 :coffee:
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