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Feuersturm: Artemisias Opfer

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LaHallia:
Hallo ihr Lieben,

zwei Dinge vorweg.
1. bitte nicht öffentlich stellen
2. der untenstehende Text handelt von einer Totgeburt, also nicht weiterlesen, wenn ihr euch damit nicht wohlfühlt.

Zum Hintergrund... schwer zu sagen was ihr da brauchen könntet. Untenstehende Szene spielt 392BC und im historischen Kontext; es ist der erste Band einer Romanreihe und historische Fantasy.
Artemisia ist die Tochter des Königs und hat bei ihrer politischen Ehe so ziemlich alles aufgegeben, das sie jemals erreichen wollte. Sie hatte sich schon fast damit abgefunden völlig unbedeutend zu sein, als ihr Mann (der nächste König) ihr verspricht ihr gewisse (politische und soziale) Privilegien einzuräumen, die Frauen damals nicht hatten. (Hab ich übrigens nicht erfunden, hat der historische Maussollos auch tatsächlich getan). Vor dieser Szene kam es zu einem Aufstand im Land und Artemisias Mann wäre fast gestorben, was ihr jede Aussicht auf Bedeutsamkeit geraubt hätte.
Ich hoffe im Roman habe ich ihre Motivationen besser darstellen könne als jetzt in der Zusammenfassung, aber Artemisia reitet im vorangehenden Kapitel zu einem Heiligtum und da der Priester auf Opfergaben besteht flutscht ihr in ihrer Verzweiflung ein Gedanke durch den Kopf, den sie bewusst eigentlich gar nicht haben wollte: die Götter sollen ihr das Kind nehmen, wenn nur ihr Mann lebt. Sie kann weitere Kinder haben wenn er lebt, aber wenn er stirbt wird sie alles verlieren was er ihr zugesichert hat.
Das Ungeheuer am Ende ist die Erfüllung der Vision aus dem ersten Kapitel. Und es ist mir sehr wichtig, dass dieses Bild noch mit drinnen ist in der Szene.

Der Textausschnitt ist die letzte Szene des ersten Bandes. Die Rohfassung ist also komplett. Ich weiß dass sprachlich noch zu feilen ist, grundsätzlich würde mich Folgendes interessieren:
- kann ich das so bringen?
- ist es nachvollziehbar, wie schrecklich die Situation ist?
- worauf sollte ich beim Überarbeiten besonders achten?
- ich weiß, dass es wahrscheinlich eher nicht möglich ist kurz nach einer Geburt herumzugehen, aber ich wollte ihren Mann mit einbauen, weil er definitiv der herzlichere Mensch von beiden ist und irgendwas Nettes sollte doch passieren, habe ich mir gedacht; Lösung für dieses Problem ist mir aber noch keine eingefallen.

Desma ist Artemisias Dienerin und Vertraute;
Maussollos ist Artemisias Mann;
Aba ist die Mutter von Artemisia und Maussollos und somit die Frau des Königs.
Lyxes ist der Priester, der auf Opfergaben bestanden hat anstatt ihr einfach zu helfen.
Labraunda ist eine Ortschaft in der heutigen Türkei, in der das Heiligtum stand.

Achja und ich bin kinderlos und habe mir leider alles zusammenreimen müssen, daher mag da recht viel falsch dargestellt sein. Wäre ebenfalls dankbar für dahingehende Hinweise.

----

Mit zusammengekniffenen Augen sah Artemisia im strömenden Regen Aba auf sie zulaufen. Jeder Regentropfen fühlte sich an wie ein brennender Pfeil, der ihre Haut durchbohrte.
Sie brannte, wie die Platanen in Labraunda; wie das Feuer, von dem Maussollos gesprochen hatte.
Maussollos.
Er lebte. Sie wusste es. Sie hatte ihm das Leben des Kindes zurückgegeben.
Sie griff nach dem Hals des Pferdes, als Lyxes hinter ihr absprang. Ihre Hand schien sich langsamer zu bewegen als sie es wirklich tat, der Regen nässte sie nicht. Aber warum glänzte dann der Ring an ihrem Finger? Es musste eine fremde Hand sein.
Die Umgebung verschwamm vor Artemisias Augen.
Sie hob ihren Blick hinauf in den Himmel und der Regen verbrannte sie nicht mehr.
Das Kind war tot. Vielleicht war sie es auch. War das der Weg in die andere Welt?
Steh mir bei, Hekate.
Dann griffen Hände nach ihr. Der Mund ihrer Mutter bewegte sich und sie konnte nicht stehen, als die Sklaven sie vom Pferd hoben.
Hatte sie noch Beine?
Brauchte man nicht Beine um in die andere Welt zu kommen?
Sie sah an sich hinunter. Ihre Beine waren noch da. Ihre Füße auch. Eingewickelt in Stiefel.
Dann erzitterte die Welt.
Etwas hatte sie getroffen.
Ein Schlag?
Ein Blitz?
Sie fiel auf die Knie.
Kalte Tropfen prasselten auf sie nieder. Das Gewicht des durchnässten Himation zog sie nach unten.
Es war kalt. So kalt.
„Sag ihr was du getan hast!“, schrie der Priester. Seine Finger gruben sich in ihre Oberarme und er zerrte sie hoch.
„Maussollos lebt“, sagte sie zu Aba.
„Woher-“
„Sag es ihr!“
Ein schwerer, drückender Schmerz zog durch ihr Becken.
Aber Maussollos lebte. War das nicht alles, was zählte?
„Bist du gefallen?“, fragte Aba. „Was ist geschehen? Was ist los mit dir?“
„Aba, bete wie du nie zuvor gebetet hast“, sagte Lyxes.
Aber wozu sollte ihre Mutter noch beten?
Irgendjemand beugte sich an Artemisias Ohr und murmelte Worte, die sie nicht verstand.
Es war tot und Maussollos lebte.
Die Umrisse des Innenhofs schienen sich zu bewegen, fortzuspringen vor ihr, näherzukommen, als starrten sie sie an, als verurteilten sie sie.
Sie würgte, würgte an der Schuld die sie auf sich geladen hatte, am Schmerz und der Erleichterung.
Aba schrie und Lyxes betete. Desma half ihr in ihr Zimmer und die Hebammen versammelten sich um sie.
Sie sah es wie die Mosaike auf den Fußböden des Palasts und den Malereien an den Wänden.
Da war ein sehr dünnes Mädchen, das die Künstler nicht gut getroffen hatten. Es wanderte im Raum auf und ab, gestützt von zwei alten Frauen.
Auf und ab. Auf und ab.
Manchmal blieben die Drei stehen und das Mädchen krümmte und wand sich ganz unwürdig.
Sie war die Tochter des Königs.
Die Tochter des Königs.
Es war kein Mosaik, das sie da sah. Kein Wandbild. Die Bilder bewegten sich.
Es war unmöglich.
Warum bewegten sich die Bilder?
Warum sagte niemand dem dünnen Mädchen, das es sich umsonst quälte?
Das Kind war tot.
Sie umklammerte die Unterarme der Hebammen.
Die Bilder waren fort.
Sie spürte die Knochen der Frauen. Ihre warme Haut.
Das Kind war tot.
Sie hatte es getötet.
Artemisia schnappte nach Luft.
Es war still im Raum. Die Luft drückend. Es roch nach Traurigkeit.
„Wir müssen noch gehen“, sagte eine der alten Frauen und zog sie leicht.
Und so gingen sie.
Auf und Ab. Auf und ab.
Und wenn sie nicht mehr wusste wie sie den Druck in ihrem Rücken aushalten sollte blieb sie stehen und dachte daran, wofür sie es getan hatte.
Ein Leben für ein Leben.
„Wie geht es Maussollos?“ Sie suchte mit ihren AUgen nach Desma.
„Gut. Es geht ihm… gut.“
Sie hatte gezögert.
Der Druck in ihrem Rücken wich einem scharfen, schneidenden Schmerz.
„Warum zögerst du?“, keuchte sie. „Es kann doch nicht umsonst gewesen sein!“
Sie versuchte sich aus den Griffen der alten Frauen zu befreien, doch es gelang ihr nicht.
„Kümmer dich nicht um Maussollos. Um ihn kümmern sich andere. Dein Kind-“
„Es ist tot!“, schrie sie. „Glaubst du ich bin dumm? Glaubst du ich weiß es nicht?“
Sie wollte dieses tote Kind nicht in sich haben. Noch einmal zerrte sie an den Griffen der Hebammen und dieses Mal ließen sie sie in die Hocke gehen.
Sie machte sich bereit aufzugeben, sich der Nacht und der Stille anzuvertrauen die sie umgab.
Aber die Götter erlaubten ihr nicht zu gehen.
Der Schmerz traf sie mit voller Härte. Der Ekel, die Verachtung, die Schuld.
Ah, die Schuld.
Sie schrie die Schuld hinaus, den Ekel und die Verachtung. Sie schrie bis sie keine Stimme mehr hatte und wandte sich ab als die Hebammen das Kind hochhoben.
Ihr Herz schlug laut in der Stille, das Tosen ihres Blutes dröhnte in ihren Ohren.
„Ein Mädchen“, sagte Desma.
Sie war weiß. Ihre Adern zogen sich als blaue und violette Zeichnungen über ihren winzigen schlaffen Körper.
Die Hebamme schüttelte das Kind. Schlug ihm auf den Rücken, ließ es kopfüber hängen und schlug es wieder.
Aber es war doch schon lange tot. Wozu tat sie das alles noch?
Artemisia sah das Mädchen an.
Ihr Herz brannte, kalt und langsam, wie das Feuer von dem Maussollos gesprochen hatte, in das man alles warf, damit es nur noch ein bisschen weiter brannte.
Sie wollte wegsehen, wollte es wirklich, aber sie konnte die Augen nicht von dem kleinen, schlaffen Körper wenden.
Du hast das getan.
Du wolltest es so.
Ihr Haar war schwarz und lockig und sie hatte die winzigste, kleine Stupsnase. Artemisia hob ihre Hand. Sie wollte die kleine Nase fühlen, ihre Finger durch die Löckchen gleiten lassen. Aber sie hielt inne.
Das Mädchen hätte leben können.
Sie hatte ihr Recht das Kind zu berühren verloren als sie sein Leben im Tausch für Maussollos‘ anbot.
Abas Schluchzen drang an ihre Ohren.
„Wärest du nur nicht nach Labraunda geritten. Jeder weiß, dass man nicht reiten soll. Du hast den Tod des Kindes leichtsinnig hervorgerufen.“
Leichtsinnig?
Nein. Wissentlich und willentlich.
„Säubert sie beide“, befahl Aba bevor sie den Raum verließ.
Desma half ihr auf.
Ihre Knie zitterten, ihr ganzer Körper zitterte.
Es war vorbei.
Maussollos lebte.
Das Mädchen war tot.
Sie konnte jeden Gedanken daran fortschieben, auslöschen. Für immer weit hinten in ihren Gedanken fortsperren.
Als Desma sie gewaschen und ihr ein frisches Kleid angezogen hatte stand sie auf.
„Folge mir“, sagte sie zur Hebamme, die das kleine Mädchen noch immer hielt. Und dann machten sie sich auf den langen Weg zu Maussollos‘ Zimmer.
Sein Gesicht war noch immer grau, aber seine Lippen hatten wieder eine normale Farbe.
Ihr Herz hüpfte nicht.
Der Preis für sein Leben war zu hoch gewesen.
Er richtete sich auf, als sie näher trat. Hielt ihr seine Hand entgegen und senkte dann seinen Blick, als er die Hebamme sah.
Ich habe dein Kind getötet, flüsterte sie stumm.
„Ein Mädchen, tot geboren“, sagte die Hebamme und hielt das Kind so, dass er es sehen konnte.
Artemisia folgte seinem Blick, presste ihre Lippen aufeinander um jeden Laut zu unterdrücken und riss ihre Augen auf um den Tränen Platz zu geben.
Maussollos ließ Artemisias Hand los und winkte die Hebamme näher.
Artemisias Herz brannte wieder, heiß dieses Mal, heiß und mit schwerem Druck, als er das Kind aus den Händen der Hebamme nahm. Er sah es an, als wäre es das Schönste, das er jemals gesehen hatte. Mit seinem Zeigefinger fuhr er ganz leicht über ihre Nase.
„Fast hättest du es geschafft, meine Kleine.“
Artemisia erstarrte. Der Druck in ihrem Herzen raubte ihr den Atem. Der Raum wankte vor ihren Augen und sie stolperte zum Fenster, riss die Balken auf und rang nach Luft.
Ihre Augen hoben sich verzweifelt hinauf in den Himmel.
Über den Bergen kreiste ein riesiges, echsenartiges Ungeheuer.


 :daaanke:

merin:
Huhu,

na dann mal ran an die Buletten:


--- Zitat ---Mit zusammengekniffenen Augen sah Artemisia im strömenden Regen Aba auf sie zulaufen. Jeder Regentropfen fühlte sich an wie ein brennender Pfeil, der ihre Haut durchbohrte.
Sie brannte, wie die Platanen in Labraunda; wie das Feuer, von dem Maussollos gesprochen hatte.
Maussollos.
Er lebte. Sie wusste es. Sie hatte ihm das Leben des Kindes zurückgegeben.
--- Ende Zitat ---

Den ersten Satz würde ich umstellen und den ersten Absatz rausnehmen. Und ich denke, da ist ein Komma zu viel, da bin ich mir aber nicht ganz sicher:


--- Zitat ---Mit zusammengekniffenen Augen sah Artemisia Aba im strömenden Regen auf sie zulaufen. Jeder Regentropfen fühlte sich an wie ein brennender Pfeil, der ihre Haut durchbohrte. Sie brannte wie die Platanen in Labraunda; wie das Feuer, von dem Maussollos gesprochen hatte.
Maussollos.
Er lebte. Sie wusste es. Sie hatte ihm das Leben des Kindes zurückgegeben.
--- Ende Zitat ---

Inhaltlich ist das an vielen Stellen nicht ganz perfekt, aber ich kaufe es trotzdem. Ist halt assoziativ und ein etwas kitschiger Stil, der aber in sich stimmig ist.


--- Zitat ---Sie griff nach dem Hals des Pferdes, als Lyxes hinter ihr absprang. Ihre Hand schien sich langsamer zu bewegen als sie es wirklich tat, der Regen nässte sie nicht. Aber warum glänzte dann der Ring an ihrem Finger? Es musste eine fremde Hand sein.
Die Umgebung verschwamm vor Artemisias Augen.
--- Ende Zitat ---

Da hängst du mich allerdings ab. Bislang habe ich Artemisia im Regen stehen sehen und Aba rennt auf sie zu. Nun sitzt Artemisia plötzlich auf einem Pferd und es regnet doch nicht. Das mit der fremden Hand ergibt keinen Sinn, denn wenn es regnet, werden alle Hände nass.


--- Zitat ---Sie würgte, würgte an der Schuld die sie auf sich geladen hatte, am Schmerz und der Erleichterung.
--- Ende Zitat ---

Komma nach Schuld.

Ansonsten sehe ich zwar nicht ganz durch, wer wer ist, aber ansonsten komme ich ganz gut mit. Nur frage ich mich, wieso der Priester sie hier anprangert und wieso der überhaupt dort ist. Ich würde das einfach weglassen.


--- Zitat ---Sie sah es wie die Mosaike auf den Fußböden des Palasts und den Malereien an den Wänden.
Da war ein sehr dünnes Mädchen, das die Künstler nicht gut getroffen hatten. Es wanderte im Raum auf und ab, gestützt von zwei alten Frauen.
Auf und ab. Auf und ab.
Manchmal blieben die Drei stehen und das Mädchen krümmte und wand sich ganz unwürdig.
--- Ende Zitat ---

Das verstehe ich nicht ganz. Meinst du das hier?


--- Zitat ---Sie sah sich, als wäre sie ein Mosaik auf den Fußboden des Palasts oder eine Malereien an der Wand.
Ein sehr dünnes Mädchen, das die Künstler nicht gut getroffen hatten. Es wanderte im Raum auf und ab, gestützt von zwei alten Frauen.
Auf und ab. Auf und ab.
Manchmal blieben die drei stehen und das Mädchen krümmte und wand sich unwürdig.
--- Ende Zitat ---

Hab mal auch ein paar Fehler rausgemacht.
Ansonsten: Wenn sie geboren hat, ist sie eine Frau. Und sie wird sich wohl nun doch mal hinlegen oder dazu genötigt werden.
Oder soll das die Geburt sein? Dann ergibt es Sinn, dass sie geht. Aber du merkst, dass ich inhaltlich durcheinander bin und nicht verstehe, was passiert. Wenn hier eine Geburt geschildert wird (was ja nachher deutlich wird, dass es das sein soll), dann musst du Wehen zeigen. Ich würde ihr auch einen Gedanken unterschieben, wie "so, jetzt kannst du raus" an das Kind. Auf dem Pferd wäre ja blöd gewesen.


--- Zitat ---Und wenn sie nicht mehr wusste wie sie den Druck in ihrem Rücken aushalten sollte blieb sie stehen und dachte daran, wofür sie es getan hatte.
--- Ende Zitat ---
Komma nach wusste


--- Zitat ---Sie machte sich bereit aufzugeben, sich der Nacht und der Stille anzuvertrauen die sie umgab.
--- Ende Zitat ---

Komma nach anzuvertrauen


--- Zitat ---Sie wollte dieses tote Kind nicht in sich haben. Noch einmal zerrte sie an den Griffen der Hebammen und dieses Mal ließen sie sie in die Hocke gehen.
Sie machte sich bereit aufzugeben, sich der Nacht und der Stille anzuvertrauen die sie umgab.
Aber die Götter erlaubten ihr nicht zu gehen.
Der Schmerz traf sie mit voller Härte. Der Ekel, die Verachtung, die Schuld.
--- Ende Zitat ---

Inhaltlich verstehe ich das nicht. Wir müssen davon ausgehen, dass wir hier in einer Zeit sind, in der Totgeburten nicht selten waren. Müsste sie dann nicht, wenn sie einen Deal gemacht hat, denken: "Bring es hinter dich und schweig!" ?
Und wohin will sie denn gehen?
Und wofür hat sie Ekel, Verachtung oder Schuld? Für sich selbst? Wieso? In ihrer Welt hat sie doch einen guten Deal gemacht?
Nicht zuletzt ist die Formulierung "Griffe der Hebammen" merkwürdig, denn die haben ja keine Henkel, sondern Arme. An denen zerrt sie. Und ich würde annehmen, dass die Hebammen nicht alle alt sind.
Rein vom Satz her würde ich ihre direkten Gedanken kursiv setzen und mit den Absätzen etwas sparsamer sein.


--- Zitat ---Sie schrie die Schuld hinaus, den Ekel und die Verachtung. Sie schrie bis sie keine Stimme mehr hatte und wandte sich ab als die Hebammen das Kind hochhoben.
Ihr Herz schlug laut in der Stille, das Tosen ihres Blutes dröhnte in ihren Ohren.
„Ein Mädchen“, sagte Desma.
Sie war weiß. Ihre Adern zogen sich als blaue und violette Zeichnungen über ihren winzigen schlaffen Körper.
--- Ende Zitat ---

Komma nach ab.
Und in den letzten beiden Sätzen muss es "Es" heißen: Es war weiß. Seine Adern ... Aber vielleicht formulierst du das um und verzichtest auf Pronomen.


--- Zitat ---Ihr Haar war schwarz und lockig und sie hatte die winzigste, kleine Stupsnase. Artemisia hob ihre Hand. Sie wollte die kleine Nase fühlen, ihre Finger durch die Löckchen gleiten lassen. Aber sie hielt inne.
--- Ende Zitat ---

Hier hast du auch das Problem mit den zwei "ihrs". Aber wenn es ein Mädchen ist, muss es grammatikalisch sein sein. (seinseinseinseinsein). Das klingt dann aber auch meist unschön. Ich würde es wohl umformulieren:


--- Zitat ---Schwarzes, lockiges Haar, eine winzige, kleine Stupsnase. Artemisia hob ihre Hand. Sie wollte die kleine Nase fühlen, die Finger durch die Löckchen gleiten lassen. Aber sie hielt inne.
--- Ende Zitat ---

Dann ist auch klarer, was wohin gehört.


--- Zitat ---Der Preis für sein Leben war zu hoch gewesen.
--- Ende Zitat ---

Ich würde das "zu" streichen. Denn noch kann sie das nicht wissen. Und es lässt sie auch etwas weniger weinerlich scheinen, wenn sie einfach denkt: Der Preis war hoch (aber so ist das Leben).


--- Zitat ---Ihre Augen hoben sich verzweifelt hinauf in den Himmel.
--- Ende Zitat ---

"zum Himmel". Bei "in den" müsste sie ja fliegen.

Nun zu deinen Fragen. Mhm. Das finde ich nicht ganz leicht. Erstmal ist es so, dass die allermeisten Frauen direkt nach der Geburt so voll Endorphin sind, dass sie gehen können. Das geht dann einen Tag später eher schwerer. Das haut also hin.
Eine Schwierigkeit habe ich mit der Charakterisierung von Artemisia. Die wirkt hier ein bissel luschig und weinerlich. Das passt aber nicht recht zu dem, was ich von ihr bereits weiß. Daher würde ich dir raten, sie etwas zäher zu machen. Ihr Schmerz ist ja auch ziemlich redundant, da kannst du ohne Weiteres etwas herausstreichen.
Und dann würde ich die Anfangsszene gleich beim Einstieg verorten: Wer ist wo? Was passiert?
Insgesamt wird für mich auch zu wenig deutlich, dass sie ein Kind bekommt und mitten in den Wehen ist. Wann haben die eingesetzt? Wie häufig sind sie? Das würde ich deutlicher machen.
Und dann die Frage des Schrecklichen: Was genau ist denn so schrecklich? Was ich mir jetzt zusammenreime ist: Artemisia hat einen kranken Mann. Der muss aber leben, damit sie und ihr Kind eine Chance haben. Also reitet sie zum Tempel, wo sie einen von beiden opfern muss. Sie opfert das Kind, auch, weil es halt "nur" ein Kind ist, aber auch, weil sie weiß, dass es ohne den Mann keine Chance hat. Armut kann sie für ihr Kind und sich nicht wollen.
Dann ist es zwar immer noch schrecklich, sich umsonst durch eine Geburt kämpfen zu müssen, ich gehe aber davon aus, dass das damals recht normal war.
Ich würde ihr wohl auch nicht das Verbot auferlegen, das Kind anzufassen. Warum es sie nicht einmal halten lassen, denken lassen "du musstest gehen, aber du wirst sehen, es hatte einen Grund"? Sie also aufrecht stehen lassen, vor dem, was sie ja auch selbst gewählt hat? Das würde deine Figur stärker und auch konsistenter machen. Wenn ich denn richtig kapiert habe, worum es geht.

Ich hoffe, damit kannst du etwas anfangen.

LG
merin

LaHallia:
Hi merin,

danke für deine Anmerkungen.

Bei einer Geburt zu liegen und dann noch in so einer sinnlosen Position wie am Rücken ist eine eher moderne Erfindung. Wenn ich nicht ganz irre hat das irgendein französischer König heraufbeschworen, weil er einer Geburt beiwohnen wollte und nichts gesehen hätte, wäre die Frau gestanden/gehockt/gesessen, wie das davor üblich war.
Daher habe ich Artemisia auch nicht liegen lassen. Keine Ahnung ob es irgendwann während des Geburtsprozesses notwendig ist zu liegen.


--- Zitat ---Eine Schwierigkeit habe ich mit der Charakterisierung von Artemisia. Die wirkt hier ein bissel luschig und weinerlich.
--- Ende Zitat ---
Ich fürchte, das ist ein Problem, das sich durch den ganzen Text zieht. Artemisia kommt mir recht trotzig und weinerlich vor. Was mir auch überhaupt nicht gefällt. Ob ich es komplett aus dem Text rauskriege weiß ich nicht, weil ich dann keine Charakterentwicklung mehr habe, aber ich habe vor es ganz drastisch zu reduzieren.
Ich schätze mal ein guter Mittelweg wäre, den Trotz drinnen zu lassen und das Gejammer rauszunehmen.


--- Zitat ---Und dann würde ich die Anfangsszene gleich beim Einstieg verorten: Wer ist wo? Was passiert?
--- Ende Zitat ---
Wird gemacht.


--- Zitat ---Und dann die Frage des Schrecklichen: Was genau ist denn so schrecklich? Was ich mir jetzt zusammenreime ist: Artemisia hat einen kranken Mann. Der muss aber leben, damit sie und ihr Kind eine Chance haben. Also reitet sie zum Tempel, wo sie einen von beiden opfern muss. Sie opfert das Kind, auch, weil es halt "nur" ein Kind ist, aber auch, weil sie weiß, dass es ohne den Mann keine Chance hat. Armut kann sie für ihr Kind und sich nicht wollen.
Dann ist es zwar immer noch schrecklich, sich umsonst durch eine Geburt kämpfen zu müssen, ich gehe aber davon aus, dass das damals recht normal war.
--- Ende Zitat ---
Jap, hast du korrekt zusammengefasst. Ich meine... ich wage es kaum zu schreiben... wenn man mir das wirklich abkaufen würde, dass sie nicht völlig zerstört ist und ewig lang dem Kind nachtrauert, wäre das schon eine enorme Erleichterung für mich. Es wäre mich auch tatsächlich lieber wenn sie nicht den Rest ihres Lebens damit zu kämpfen hätte. Ich dachte nur, dass alles was ich jemals über Fehl/Totgeburten mitbekommen habe schwer traumatisch war und niemals überwunden wurde; woran Beziehungen gescheitert sind etc etc. Kann man so in der Form whsl nicht 2.500 Jahre zurücktransportieren, aber auch damals hatten Frauen sicherlich gewisse Hoffnungen für ihre Kinder, oder Hoffnungen für sich selbst, die Kinder ermöglichten. Falls du dich erinnerst ist Artemisia mit ihrem Bruder verheiratet und meine Folgerung daraus war: je eher sie ein paar Kinder hat die über 10 sind, umso eher hat sie ihre Ruhe. Aber du hast sicherlich recht, dass dieser Gedanke noch nicht beim ersten Kind aufkommt, weil eines damals sowieso nicht gereicht hätte. Gab ja eine hohe Kindersterblichkeit.
Wie gesagt: wenn man mir mit gewisser Vorbereitung abkauft, dass sie nicht völlig traumatisiert und zerstört ist, sondern durchaus auch froh ist diese Entscheidung getroffen zu haben, dann könnte ich die Szene auch etwas aktiver gestalten und 90% von dem Gejammer rausschmeißen.


--- Zitat ---Ich würde ihr wohl auch nicht das Verbot auferlegen, das Kind anzufassen. Warum es sie nicht einmal halten lassen, denken lassen "du musstest gehen, aber du wirst sehen, es hatte einen Grund"?
--- Ende Zitat ---

Find ich gut, würde sich gut ergeben, wenn der obere Punkt so funktionieren kann, wie beschrieben.


--- Zitat ---Sie also aufrecht stehen lassen, vor dem, was sie ja auch selbst gewählt hat? Das würde deine Figur stärker und auch konsistenter machen.
--- Ende Zitat ---
Auch das finde ich gut. Das könnte nochmal der letzte Anstoß für sie sein, dass sie als Frau sehr wohl ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen kann.

 :daaanke:

Liebe Grüße

merin:
Hallo LaHallia,

dass sie liegen muss, dachte ich nur, weil ich bis zu diesem Punkt dachte, sie steigt nach der Geburt vom Pferd. Es hat eine Weile gedauert, bis ich geschnallt hatte, dass sie die Geburt erst noch vor sich hat. Und dann ist es völlig korrekt, dass sie nicht liegt, sondern hockt oder im Vierfüßlerstand ist.

Ansonsten würde ich davon ausgehen, dass der Verlust eines Kindes nicht in dem Maße als traumatisch erlebt wurde wie heute. Oder anders: Es war eine Art der Traumatisierung, für die wenig Raum war, weil sie als normal galt. Artemisia könnte also recht schnell darüber hinweg kommen, zumindest nach außen. Es gibt heute noch Kulturen, in denen es üblich ist, erst nach einer gewissen Zeit einem Kind überhaupt Leben zuzuschreiben - um sich davor zu schützen, sich zu früh zu binden und zu stark zu leiden. Ist natürlich doof, weil das dann auch die Kindersterblichkeit wieder erhöht, aber dieses Wissen darum ist ja noch recht jung.

Soweit erstmal ...
lg
merin

Oldlady:
Zuerst meine Gefühle beim Lesen:
Huh, das ist alles gruselig und schrecklich. Und sehr nah an der Prota, toll geschrieben. Aber mir wird das in der Länge zuviel an Negativität. Das Ende mit Mausollos´ Reaktion ist bewegend.

Doch nun zu Deinen Fragen:


--- Zitat ---- kann ich das so bringen?
--- Ende Zitat ---
Als Ende eines Bandes würde mir der Text nicht gefallen. Ich mag mich von Texten (und dieser ist berührend) nicht runterziehen lassen in meiner Stimmung. Daher lese ich vor dem Kauf eines Buches oft die letzte Seite und schaue, ob es halbwegs gut ausgeht.


--- Zitat ---- ist es nachvollziehbar, wie schrecklich die Situation ist?
--- Ende Zitat ---
Ja. Absolut.


--- Zitat ---- worauf sollte ich beim Überarbeiten besonders achten?
--- Ende Zitat ---
der Text ist stark. Doch all diese Negativität sollte nicht gar so lang andauern, also etwas kürzer wäre vielleicht besser. 


--- Zitat ---- ich weiß, dass es wahrscheinlich eher nicht möglich ist kurz nach einer Geburt herumzugehen, aber ich wollte ihren Mann mit einbauen, weil er definitiv der herzlichere Mensch von beiden ist und irgendwas Nettes sollte doch passieren, habe ich mir gedacht;
--- Ende Zitat ---
Man kann schon herumgehen (meine eigene Erfahrung), aber meistens eher nicht. Die einfachste Lösung wäre, dass Mausollos  zu Artemisia  getragen wird, die im Bett liegt.  Oder umgekehrt.

Würde das Buch etwas erträglicher enden, würde ich es gerne lesen!

Grüße von

Oldlady

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