12 July 2024, 16:58:15

Autor Thema: Athmosphäre  (Gelesen 4064 mal)

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Marie

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Athmosphäre
« am: 01 August 2022, 18:50:35 »
Ihr Teufelchen,

ich bitte an dieser Stelle um einen Schnellimbiss.
Ich stecke mitten im Schreibprozess und bitte euch mir zu sagen, wie ihr die Szene erlebt.
Spricht sie euch an? Seid ihr mittendrin oder wenigstens dabei?

Man begrüßte uns freundlich und wies uns einen kleinen Tisch zu. Die Einrichtung war einfach. Plastiktischdecken, in Papierservietten eingewickeltes Besteck. Den süffigen Tafelwein tranken wir aus kleinen Humpen, die an Senfgläser erinnerten. Stimmengewirr drang in meine Ohren und ließ uns näher zusammenrücken. „C´est très bon …“, „…attendre …“. Leute klapperten mit Besteck, während sie aßen. Ein Kellner wuselte herum, Geschirr schlug beim Abräumen gegeneinander. Lachen brandete auf.
Als der geschmorte Coq au Vin kam, hatten wir längst Unmengen des frischen lauwarmen Baguettes mit Rillettes gegessen. Zum Schluss blieb doch noch ein klitzekleines bisschen Platz, für Crème Brûlée. Sie wurde heiß serviert und wir klopften mit unserem Löffel auf die Karamellkruste, bis sie knackend nachgab und den Geruch von echter Vanille freigab.

Herzlichen Dank
Marie
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Paul

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Re: Athmosphäre
« Antwort #1 am: 02 August 2022, 00:02:40 »
Hallo Marie

Anbei ein paar Eindrücke und Rückmeldungen zu deinem Text, die Antwort auf deine Frage kommt am Ende:

Zitat
Man begrüßte uns freundlich

Wer ist "Man"? Der Kellner am Eingang? Die Empfangsdame des Restaurants? Details machen eine Szene lebendiger

Zitat
... und wies uns einen kleinen Tisch zu. Die Einrichtung war einfach. Plastiktischdecken, in Papierservietten eingewickeltes Besteck.

Die Beschreibung läuft bei mir. Bis hierher folge ich dir als Leser ins Restaurant.

Zitat
Den süffigen Tafelwein tranken wir aus kleinen Humpen, die an Senfgläser erinnerten.

Da flog ich raus. Vielleicht, weil du mir mit dem süffigen Tafelwein ein Klischee mit auf den Weg gibst, aber ich glaube, der eigentliche Grund liegt darin, dass du mich als Leser aus der Reihenfolge hinauswirfst.
 Zuerst sehe ich mich mit dir noch im Restaurant um, ich sehe die einfache Einrichtung, die Plastiktischdecken und dann weiß ich auf einmal, dass der Tafelwein süffig ist, ohne dass ich ihn eingeschenkt bekommen habe und aus dem Glas getrunken habe. Irgendwie läuft das bei mir nicht. Weil die Reihenfolge nicht stimmt.

Vorschlag. Es gab Wein in kleinen Humpen, die an Senfgläser erinnerten. Der Wein war nichts besonderes. Normaler Tafelwein, aber er trank sich süffig.

So könnte ich mit dir weiter mitgehen.

Zitat
Stimmengewirr drang in meine Ohren und ließ uns näher zusammenrücken. „C´est très bon …“, „…attendre …“. Leute klapperten mit Besteck, während sie aßen. Ein Kellner wuselte herum, Geschirr schlug beim Abräumen gegeneinander. Lachen brandete auf.

Hier hast du mich endgültig verloren. Das Ganze ist mir ab hier viel zu sehr eine Beobachtung von außen. Doch was ist mit dem Protagonisten / der Protagonistin und ihren Freunden, ihrer Familie? Reden sie nichts? Sitzen sie nur schweigend da und beobachten sie die ganze Zeit nur das Treiben um sich herum?

Alternative: Während ich mich mit meinen Freunden unterhielt, horchte ich mit einem halben Ohr auf das Stimmengewirr ...

Irgendwie bräuchte ich hier mehr von deiner Hauptperson. Vielleicht auch etwas, was sie sagt / er sagt und die Menschen, die mit am Tisch sitzen.

Zitat
Als der geschmorte Coq au Vin kam, hatten wir längst Unmengen des frischen lauwarmen Baguettes mit Rillettes gegessen. Zum Schluss blieb doch noch ein klitzekleines bisschen Platz, für Crème Brûlée. Sie wurde heiß serviert und wir klopften mit unserem Löffel auf die Karamellkruste, bis sie knackend nachgab und den Geruch von echter Vanille freigab.

Alle essen, aber keiner sagt etwas. Das Schema setzt sich fort. Ich weiß als Leser nicht, was ich mit der Szene anfangen soll. Ist es ein Kochbericht? Dann hätte ich gern das Rezept für den Coq au Vin. Geht es um die Freunde? Warum weiß ich dann nicht, wer dieses "wir" ist und was sie sagen?

Fazit:
Ich denke, dass das Stück aus dem größeren Zusammenhang gerissen ist. Trotzdem bleibt der Textabschnitt m.E. in sich relativ flach erzählt. Das Essen spielt eine große Rolle, das Restaurant ebenfalls, die Personen, die darin vorkommen, glänzen dagegen durch Abwesenheit. Das macht es für mich schwierig, in den Text hineinzukommen. Mir fehlen darin die Personen.

Von daher muss ich dir leider auf deine Frage, ob mich die Szene anspricht, die Antwort geben: Sie spricht mich am Anfang noch etwas an, doch falle ich danach recht schnell aus ihr heraus. Am Ende bin ich dann weder mittendrin noch dabei, sondern leider ausgestiegen.

Ich hoffe, meine Rückmeldungen helfen dir.

Paul  ::)
« Letzte Änderung: 02 August 2022, 00:04:48 von Paul »
"Es ist besser, einige der Fragen zu kennen, als alle Antworten." (James Thurber)

Marie

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Re: Athmosphäre
« Antwort #2 am: 02 August 2022, 07:58:26 »
Guten Morgen Paul  :)
danke für deine Einschätzung.

Du hast recht, ja der Text ist aus einem größeren Zusammenhang gerissen.
Ein Paar fährt während ihrem Urlaub an der Loir entlang. Sie haben eine stressige Zeit hinter sich und versuchen sich wieder anzunähern. Ihr Reiseführer verschlägt sie in ein kleines Bistro, das bei den einheimischen beliebt ist.
Beide essen gern, Sie, die Protagonistin, weil es ihr ein sinnliches Vergnügen ist. Sie lässt die Stimmung auf sich wirken. Und nein, im Moment reden sie nicht, weil das die Szene überfrachten würde.

Ich verstehe deine Einwände (Reihenfolge, Distanz, Kochbericht)
Darüber werde ich nachdenken.

Hab einen schönen Tag
Liebe Grüße
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diffusSchall

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Re: Athmosphäre
« Antwort #3 am: 02 August 2022, 09:57:34 »
Guten Morgen Marie,

ein Schnellimbiss im Bistro.    ;)

In dem - ich nenne es mal Schlaglicht - findet keinerlei echte Handlung statt. Ob das so in Ordnung geht, kann ich nicht beurteilen, denn es ist ja nur ein Fragment.

Spricht die Szene mich an?
Ich bekomme ein Bild vermittelt. Das funktioniert so weit.
Ich bekomme kein Gefühl vermittelt. Die Szene läuft an mir vorbei.

Zieht es mich hinein?
Überhaupt nicht. Es ist pures Zeigen, das kann mich nicht hinein ziehen.

Liebe Grüße - Frank
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Marie

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Re: Athmosphäre
« Antwort #4 am: 02 August 2022, 10:41:22 »
Guten Morgen Frank,

du bekommst ein Bild vermittelt ...
Danke, das wollte ich gerne erreichen.

"Show don´t tell"

Außerdem eine Atempause für die Leser, bevor die nächste Hiobsbotschaft kommt.

Ich danke dir
Liebe Grüße
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diffusSchall

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Re: Athmosphäre
« Antwort #5 am: 02 August 2022, 11:01:55 »
Marie,

dann ist es gut.
Ich hatte schon Sorge, dass es zu harsch klingt.
Aber es ist nur ein Schlaglicht, dann kann auch nur ein Schlaglicht zurück kommen.   ;)

LieGrü - Frank
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Paul

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Re: Athmosphäre
« Antwort #6 am: 02 August 2022, 17:43:57 »
Liebe Marie

Ich hoffe, ich war mit deinem Text nicht zu hart. Ich habe jetzt erst begriffen, dass es ja deine erste Röstung ist. Es ging mir nicht darum, den Text niederzumachen, ich wollte dir nur erklären, warum es mich so schnell aus ihm hinausgeworfen hat.

Du schreibst:

Zitat
Beide essen gern, Sie, die Protagonistin, weil es ihr ein sinnliches Vergnügen ist. Sie lässt die Stimmung auf sich wirken. Und nein, im Moment reden sie nicht, weil das die Szene überfrachten würde.

Auch wenn die Szene als "Atempause" gedacht ist, würde ich die Hauptpersonen darin vorkommen lassen. Sie müssen ja nicht reden. Doch würde für mich die Szene deutlich lebendiger - und damit auch natürlicher - wenn die Protagonisten an einer Stelle auch selbst in ihr auftauchen.

Zitat
Man begrüßte uns freundlich und wies uns einen kleinen Tisch zu. Die Einrichtung war einfach. Plastiktischdecken, in Papierservietten eingewickeltes Besteck. Den süffigen Tafelwein tranken wir aus kleinen Humpen, die an Senfgläser erinnerten. Stimmengewirr drang in meine Ohren

An dieser Stelle könntest du leicht einfügen: "Wir hatten beide keine Lust zu reden. So horchten wir auf die Leute und freuten uns auf das Essen. „C´est très bon …“, tönte es vom Nachbartisch ...

Nur so eine Idee

Paul  ;)
« Letzte Änderung: 02 August 2022, 17:45:41 von Paul »
"Es ist besser, einige der Fragen zu kennen, als alle Antworten." (James Thurber)

Marie

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Re: Athmosphäre
« Antwort #7 am: 02 August 2022, 19:21:40 »
Lieber Paul,
alles gut.
Der Funke ist bei dir einfach nicht übergesprungen ( hat dich nicht erreicht).
Du konntest das Bild, das ich gezeichnet habe nicht sehen.
Dann wird es anderen auch so gehen.
Da es (nur) ein Fragment einer ganzen Geschichte ist, wie Frank schon sagte, finde ich es nicht so schlimm.
Ich möchte es zur Zeit so lassen, behalte aber deine Anregung im Hinterkopf.

Liebe Grüße
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tlt

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Re: Athmosphäre
« Antwort #8 am: 02 August 2022, 20:40:45 »
Hallo,

ich bin in so Kurzröstungen nicht so gut, weil ich immer gerne den Bezug habe. Der würde hier extrem helfen.
Ansonsten ist es für mich zu sehr in einzelnen schnelldurchlaufenden Bildern erzählt. Ohne Zusammenhang, ohne Übergang.

Die Einrichtung ... Den süffigen Tafelwein ... Leute ...  Ein Kellner ... Lachen ...

Das ist zwar beobachtet, beschrieben, aber nicht so eindringlich, dass ich mich willkommen fühle.

Zudem fehlt mir das "Innenleben" der Protagonisten. Das kommt nur einmal kurz zum Vorschein, und zwar hier:

Stimmengewirr drang in meine Ohren und ließ uns näher zusammenrücken.

Aber dabei bleibt es dann und geht wieder zum Essen. Hier hätte ich mir wenigstens einen "verstohlenen Blick", einen gemeinsamen Gedanken oder sowas gewünscht. Eben eine Aufklärung, warum sie zusammenrücken.

Nur mein Senf
tlt
Ich bin zu alt für das alles.

Marie

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Re: Athmosphäre
« Antwort #9 am: 03 August 2022, 08:37:38 »
Guten Morgen tlt,

danke für deine Rückmeldung.
Der verstohlene Blick ist sehr hilfreich, eine gute Idee.
Und ja, du hast zu wenige Vorabinformationen, um dich auf die Szene einlassen zu können (ohne zu denken, oder zu werten). Das verstehe ich.
Fazit: Mir scheint, dass ich eingangs die falschen Fragen gestellt habe.

Ich bin jetzt selbst verunsichert und werde die Szene im Gesamtkontext noch einmal auf mich wirken lassen. Mich fragen, was ich erzielen will und gegebenenfalls umschreiben.

Ps.: Das fehlende Innenleben berührt mich gerade (löst ein unangenehmes Gefühl bei mir aus) Du triffst einen Punkt, der sich möglicherweise durch mehrere Kapitel zieht. Ich bin zu distanziert.

Das werde ich unbedingt prüfen.

Einen schönen Tag dir.
Liebe Grüße
« Letzte Änderung: 03 August 2022, 08:42:43 von Marie »
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Viskey

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Re: Athmosphäre
« Antwort #10 am: 03 August 2022, 20:06:45 »
Für mich ist das ein Schnellabfertigungs-Touristen-Ort und eine Familie/Gruppe, die auf Teufel komm raus das beste und alles aus ihrem Frankreichurlaub herausholen will. Vielleicht stolz darauf, dass sich diesen Urlaub endlich leisten können.
Alles und jeden mitnehmen, was nur irgendwie reingeht und sich notfalls selbst davon überzeugen, dass das jetzt echt toll ist.

Also alles in allem ein eher durchwachsenes Erlebnis. Der Druck, dass alles toll werden muss, könnte genau das sein, was den Urlaub kaputt macht.

Und jetzt geh ich den Thread lesen.
"There is no such thing as bad work, just unfinished work." - Eric Idle

Marie

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Re: Athmosphäre
« Antwort #11 am: 04 August 2022, 08:39:22 »
Danke Viskey,

ich finde es spannend, was man alles in die Szene hineininterpretieren kann.
Jetzt sollte ich herausfinden, was ich eigentlich zeigen möchte.  ;)

Danke für deine Anregung.

Liebe Grüße
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merin

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Re: Athmosphäre
« Antwort #12 am: 13 August 2022, 20:31:03 »
Keine Ahnung, ob ich zu spät bin, aber mich hat die Szene etwas schal zurückgelassen. Ich hatte gar keine Bilder vor Augen, keine Atmosphäre. Das nichts passiert, ist für mich gar nicht schlimm, aber ich hätte gern irgendwie ein Gefühl dazu, was das für ein Restaurant ist. Und das habe ich nicht. Ich glaube, dass das (für mich, was ja sehr individuell ist) daran liegt, dass du vieles beschreibst, was generisch ist: Restaurants sind meist laut, Wein oft süffig usw. Die zitierten Wortfetzen sagen mir nichts. Ich würde daher dazu raten, weniger zu schreiben und das Besondere hervorzuheben: Was macht diesen Ort aus?
Und ich würde noch einen Blick auf die Perspektive lenken. Aus wessen Sicht ist es erzählt? Löst es in dieser Person etwas aus? Und wenn es nicht personal erzählt ist: Welchen Hintergrund könntest du uns noch geben? Dabei fällt mir dann auf, dass ich mich nach der Funktion der Szene frage. Warum geht es dir? Das wird für mich nicht recht klar.
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht und was ich gern anders hätte.

Marie

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Re: Athmosphäre
« Antwort #13 am: 14 August 2022, 09:59:48 »
Guten Morgen merin,

dieser kleine Ausschnitt, ist eine Szene einer größeren Geschichte. Ein Paar, das in der gehobenen Gastronomie arbeitet fährt mit dem Auto an der Loire entlang. Beide sind von ihrem Job gestresst, worunter die Beziehung gelitten hat. Das einzige, was sie noch verbindet ist die Liebe am Genuss. Im Laufe ihrer Beziehung waren sie oft in Sterne-Restaurants essen. Jetzt sitzen sie in einem einfachen französischen Bistro und finden Freude an dieser Einfachheit. Das wollte ich darstellen.
Ein einfacher Wein ist süffig, ein komplexer Wein nicht, z.B. in einem Sauvignon Blanc finde ich ein Bukett aus Zitrusfrüchten, Stachelbeere und Melone.  Wein trinkt man normalerweise aus Weingläsern und nicht aus Humpen, die an Senfgläser erinnern. Ich hatte die Hoffnung, dass, wenn ich eine französische Unterhaltung einstreuen lasse,  klar wird, dass die beiden in Frankreich sind. Im Vor- und Nachher dieser Szene ist das aber auch unmissverständlich beschrieben.
Mir ist, auch durch die Kommentare der anderen klar geworden, dass ich hier zu viel Wissen voraussetze. (Ich hoffe, das klingt nicht überheblich)
Deine Fragen finde ich sehr hilfreich.

Ich habe deine Kritikpunkte und die der anderen im Hinterkopf. Jetzt schreibe ich weiter und bei der nächsten Überarbeitung werde darauf achten, wie ich Stimmungen deutlicher rüberbringe.

Danke für dein Feedback.
Liebe Grüße

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merin

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Re: Athmosphäre
« Antwort #14 am: 14 August 2022, 14:57:59 »
Es ist immer schwer, Teile von Romanen rösten zu lassen, weil die Teufel ja die anderen Teile nicht kennen. Das kenne ich gut. Trotzdem ist meine Erfahrung, dass es hilfreich sein kann. So ist nun deutlich geworden, dass es dir um den Genuss geht, das heißt um eine Sinnlichkeit von Geschmack, Geruch, Textur usw. beim Essen und dann noch um eine Beziehungsebene. Und das hast du, so meine bescheidene Meinung, nicht gut eingefangen, weil die Szene zu unspezifisch bleibt. Ich glaube, da fehlt gar nicht viel und ich bin mal so dreist, in deinem Text wild herumzustreichen und zu -schreiben, um zu zeigen, welche Richtung ich meine:

Ein Mann mit einer schief gebundenen schwarzen Schürze wies uns einen kleinen Tisch zu. Er war mitten im Raum und wie alle anderen Tische hier: weiße Plastiktischdecke mit Blümchen, in gelbe Papierservietten eingewickeltes Besteck. Wir tauschten einen Blick und lächelten: Plastiktischdecken! Der Tafelwein wurde in kleinen Humpen serviert, die an Senfgläser erinnerten und wir prosteten uns grinsend zu.
Das laute Stimmengewirr ließ uns näher zusammenrücken. „C´est très bon …“, „…attendre …“.
Zuerst kam das Baguette mit Rillettes. Sicher war alles einfach, aber frischem Brot kann ich nie widerstehen. Als der geschmorte Coq au Vin kam, war ich schon fast satt. (Hier etwas zum Coq au vin, dem Geruch oder den Tellern oder was weiß ich) Trotzdem musste ich das Dessert probieren: Crème Brûlée. Wir teilten uns eins, klopften die Löffel auf die Karamellkruste, bis sie knackend nachgab und den Geruch von echter Vanille freigab.


Mein Tipp wäre: Werde konkreter, male Bilder. Nur so angedeutet, nicht ausgemalt, aber so konkret, dass vor meinem inneren Auge etwas entsteht. Und behalte neben der Sinnlichkeit die Beziehungsebene im Blick. Und: Die Perspektive ist für mich wirklich schwierig, weil es dieses Wir gibt, ohne dass sich jemand abhebt. Das mag gewünscht sein, aber das, was du über den Text schreibt, klingt mir so, als müsstest du gelegentlich ein Ich herausdröseln, um das erzählen zu können.


Wie immer: nur meine Ideen und Gedanken dazu. Ich rücke ja gern sehr an Protas ran.
So far ...
merin
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht und was ich gern anders hätte.