02 December 2023, 19:15:51

Autor Thema: Ein Satz Röstung: Lass sie glauben, was du sie glauben lassen willst  (Gelesen 614 mal)

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LaHallia

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Ihr Lieben,

ich habe da einen doofen Satz, der irgendwie nicht rund kling.

„Weißt du“, sagte Artemisia, als sie aus dem Tempel traten. „Es geht nicht darum, was du und ich wissen. Wichtig ist, was alle anderen glauben. Du wirst eines Tages König sein. Lasse sie glauben, was auch immer du sie glauben lassen willst.“

Es geht um den zweiten Teil von Artemisias Aussage.
Ich will diesen Inhalt transportieren, aber das geht doch sicher besser? Die Frage ist nur wie?  :biggrin:

Der Satz hört sich vielleicht nicht wichtig an. Aber er läutet Artemisias Einfluss auf Maussollos spätere Herrschaft ein. Und ein Schlüsselsatz wie dieser muss einfach sitzen, finde ich.

 :daaanke:
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trillian

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Re: Ein Satz Röstung: Lass sie glauben, was du sie glauben lassen willst
« Antwort #1 am: 06 November 2022, 12:57:36 »
Hi LaHallia,

ich finde das gar nicht so einfach  :watchout:

Ein Versuch: "... Du wirst eines Tages König sein. (Und) Es ist deine Aufgabe, (gehört zu deinen Aufgaben), dass sie glauben, was du sie glauben lassen willst."

Hmm.  Auch nicht so der Hit , aber vielleicht eine Anregung. Das Wort Aufgabe passt auch nicht ganz. Aber da wird dir bestimmt noch etwas besseres einfallen.

Lg

Paul

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Re: Ein Satz Röstung: Lass sie glauben, was du sie glauben lassen willst
« Antwort #2 am: 06 November 2022, 14:48:09 »
Hi LaHallia

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich richtig verstanden habe, was du mit der zweiten Hälfte deines Satzes sagen willst. Ich versuche es trotzdem mit einer Interpretation. Trifft sie den Inhalt? Und was hältst du von der Form?

„Weißt du“, sagte Artemisia, als sie aus dem Tempel traten. „Es geht nicht darum, was du und ich wissen. Wichtig ist, was die Leute glauben. Lasse die Leute deshalb glauben, dass du eines Tages ihr König sein wirst. Dann wirst du eines Tages auch ihr König sein."

Paul  8)
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Cimglett

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Re: Ein Satz Röstung: Lass sie glauben, was du sie glauben lassen willst
« Antwort #3 am: 06 November 2022, 16:58:40 »
Hey LaHallia,

ein paar Vorschläge ...

Einmal finde ich es wirkungsvoller, wenn da "ihr König" steht und nicht nur "König": "Du wirst eines Tages ihr König sein."

Für den weiteren Teil habe ich ein paar Ideen:
"Und sie werden glauben, was sie glauben sollen."
"Sie werden glauben, was du sie glauben lässt."
"Sie werden zu dir aufschauen, wenn sie nicht wissen, was sie glauben sollen."
"Sie werden alles annehmen, was du ihnen sagst."
"Du kannst sie glauben lassen, was immer du möchtest."

Viskey

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Re: Ein Satz Röstung: Lass sie glauben, was du sie glauben lassen willst
« Antwort #4 am: 06 November 2022, 18:15:55 »
Hey, LaHallia!

Also ich komm da nicht ganz mit ... Und ich komme schlecht über "Lasse" als Imperativ hinweg.

Wichtig ist, was alle anderen glauben. Du wirst eines Tages König sein. Lasse sie glauben, was auch immer du sie glauben lassen willst.“

Mein erster Instinkt war: Wie kann Mausollos bestimmen, was die Leute denken?
Der zweite, dass sich das beißt: Entweder Mausollos lässt die Leute etwas (was auch immer) denken, oder er bestimmt, was sie denken. Beides zugleich geht für mich nicht. Und deswegen kommt der Satz unrund daher.
Es müsste also - für mich - in die Richtung gehen:

"Wichtig ist, was alle anderen glauben. Du wirst eines Tages König sein. Sorg dafür, dass sie glauben, was du willst, dass sie glauben." - Das ist jetzt natürlich sehr unelegant. Aber ich bin eben nicht sicher, ob ich die Grundaussage überhaupt geschnallt habe.
"There is no such thing as bad work, just unfinished work." - Eric Idle

LaHallia

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Re: Ein Satz Röstung: Lass sie glauben, was du sie glauben lassen willst
« Antwort #5 am: 06 November 2022, 19:53:39 »
Hallo ihr Lieben,

danke schon mal für die Anregungen.

Gemeint habe ich es so, dass das Wissen/dass, woran das Kollektiv (Volk) glaubt, manipuliert wird. Propaganda in der Antike, sozusagen.

An diesem Punkt in Band zwei gibt es allerhand Konflikte, die recht unangenehm enden könnten: in Aufruhr und Sturz der Dynastie. Konkret geht es darum, dass der Priester beginnt  herumzuerzählen, dass die Götter ihm gezeigt haben Artemisia wäre Schuld an dem Ungeheuer, dass das Land tyrannisiert. Sie hätte Ehebruch begangen und die Götter strafen sie dafür. Würde natürlich eher blöd kommen, wenn sich das rumspricht, und es stimmt auch nicht. Weiter geht es noch darum, dass die Soldaten fürchten, dass Maussollos´ Prioritäten nicht Land, Volk und Götter sondern Frauen und Geld sind.
Vor diesem Satz sprechen Maussollos und Artemisia über diese Probleme und Artemisia sagt: Du und ich wissen, dass es nicht so ist.
Woraufhin Maussollos meint, dass es unerheblich ist, dass sie beide die Wahrheit kennen. Das was alle (das Volk/die Mehrheit) glauben zu wissen, ist das was zählt.
Und darauf sagt Artemisia dann diesen Satz. Er wird der König sein, er kann machen, dass das Volk glaubt, was immer er will.
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merin

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Re: Ein Satz Röstung: Lass sie glauben, was du sie glauben lassen willst
« Antwort #6 am: 06 November 2022, 21:23:00 »
Ich hab das mal verschoben. Liferöstung im Höllenfenster ist zwar cool, aber sicher ein Versehen, oder? Wenn das so sollte, schieb es einfach wieder zurück.  ;)

Zitat
„Weißt du“, sagte Artemisia, als sie aus dem Tempel traten. „Es geht nicht darum, was du und ich wissen. Wichtig ist, was alle anderen glauben. Du wirst eines Tages König sein. Lasse sie glauben, was auch immer du sie glauben lassen willst.“

Für mich ist da der Hauptpunkt der falsche imperativ. Wenn du den korrigierst, wirkt der Rest schon viel stärker. Und "wissen" ist stärker als "glauben". Mein Vorschlag:

Zitat
„Weißt du“, sagte Artemisia, als sie aus dem Tempel traten. „Es geht nicht darum, was du und ich wissen. Wichtig ist, was alle anderen glauben zu wissen. Du wirst eines Tages ihr König sein. Du wirst über sie herrschen. Der Kern dessen wird sein, dass sie wissen, was du sie wissen lassen willst.“
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht und was ich gern anders hätte.

Cecilie H

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Re: Ein Satz Röstung: Lass sie glauben, was du sie glauben lassen willst
« Antwort #7 am: 07 November 2022, 16:46:31 »
Hallo LaHallia,
 
kenne die Vorgeschichte nicht - aber das ist als Neuling vielleicht gerade gut  :biggrin:


„Weißt du“, sagte Artemisia, als sie aus dem Tempel traten. „Es geht nicht darum, was du und ich wissen. Wichtig ist, was alle anderen glauben. Du wirst eines Tages König sein. Lasse sie glauben, was auch immer du sie glauben lassen willst.“


Ich finde, das sind wichtige Aussagen. Wenn Du sie erhöhen möchtest - vielleicht zur wörtlichen Rede eine Situationsschilderung? Ich könnte mir vorstellen, dass Du hinter: "... Tages König sein." eine bedeutungsschwere Pause machst und die Situation aufzeigst. Wie spricht Artemesia zu Maussolos? Die Nähe zwischen beiden Protagonisten (?) gilt es für mich zu klären. Dann der Folgesatz mit einer Umstellung: "Lasse sie glauben, was Du sie auch immer glauben lassen willst."  Aber das sind Feinheiten und Geschmackssache.

Zum einen könntest Du - je nach Geschmack - anstelle "alle anderen" auch schreiben: "die anderen".
LG Cecilie

Nachtrag:
ich habe im Verlauf Deine Antwort gelesen:
"Woraufhin Maussollos meint, dass es unerheblich ist, dass sie beide die Wahrheit kennen." Vielleicht das als wörtliche Rede mit einbauen? ein Versuch:



„Weißt du“, sagte Artemisia, als sie aus dem Tempel traten. „Es geht nicht darum, was du und ich wissen."
"Wir beide", entgegnet Maussolos, "kennen die Wahrheit!"
"Ja, wir kennen die Wahrheit! Und daher ist es wichtig ist, was die anderen glauben. Du wirst eines Tages König sein. Lasse sie glauben, was Du auch immer sie glauben lassen willst.“


« Letzte Änderung: 07 November 2022, 16:57:08 von Cecilie H »

Viskey

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Re: Ein Satz Röstung: Lass sie glauben, was du sie glauben lassen willst
« Antwort #8 am: 07 November 2022, 18:48:35 »
Ich finde merins Version sehr schön.
"There is no such thing as bad work, just unfinished work." - Eric Idle

Paul

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Re: Ein Satz Röstung: Lass sie glauben, was du sie glauben lassen willst
« Antwort #9 am: 08 November 2022, 09:03:05 »
Hi LaHallia

Was hältst du davon?

„Weißt du“, sagte Artemisia, als sie aus dem Tempel traten. „Es geht nicht darum, was du und ich wissen. Wichtig ist, was die Leute glauben. Du wirst eines Tages ihr König sein und über sie herrschen. Sorge also dafür, dass sie das Richtige glauben!“

Paul  8)
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Kerla

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Re: Ein Satz Röstung: Lass sie glauben, was du sie glauben lassen willst
« Antwort #10 am: 08 November 2022, 23:16:12 »
Guten Abend LaHallia,

Bei antiker Propaganda kann ich nicht an mich halten und möchte auch noch eine Variante beisteuern. Den dialogischen Ansatz von Cecilie H finde ich raffiniert.
Noch mal dein Text:
Zitat
“Weißt du“, sagte Artemisia, als sie aus dem Tempel traten. „Es geht nicht darum, was du und ich wissen. Wichtig ist, was alle anderen glauben. Du wirst eines Tages König sein. Lasse sie glauben, was auch immer du sie glauben lassen willst.“
Mit dem ersten “weißt du” wird das nächste “ wissen” abgeschwächt. Dieses “wissen” ist der Gegensatz zu dem Verb glauben - also der pikante Unterschied zwischen möglicher Wahrheit und den Dingen, die man auch durch Propaganda erreichen kann, ob sie nun wahr sind oder eben nicht. Das erste “weißt du” würde ich rausschmeißen und ganz dramatisch ohne Übergangsphrase rein.

“Was du und ich wissen” , Artemisia hielt inne und blieb auf der Schwelle des Tempels stehen, “hat kein Gewicht.” Maussollos ging noch einen Schritt und drehte sich dann rasch zu ihr um: “Die Wahrheit hat kein Gewicht?”
Artemisia lächelte:” Gewicht hat, was sie glauben, was dein Volk glaubt. Du wirst eines Tages ihr König sein. Du wirst eines Tages dafür sorgen, dass sie das Richtige glauben und das Richtige ist” sie senkte die Augenlieder,”dass du ihr wahrhafter Herrscher bist.”

Nun ist etwas das Drama mit mir durchgegangen, ich hoffe, dass dennoch diese Anregung hilfreich sein kann.
Nächtliche Grüße von Kerla


merin

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Re: Ein Satz Röstung: Lass sie glauben, was du sie glauben lassen willst
« Antwort #11 am: 09 November 2022, 09:40:04 »
Der Ansatz, den Unterschied zwischen wissen und glauben zu betonen, finde ich sehr gut. Den gehen hier ja mehrere. Darin liegt mE der Kern des Dialogs.
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht und was ich gern anders hätte.

LaHallia

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Re: Ein Satz Röstung: Lass sie glauben, was du sie glauben lassen willst
« Antwort #12 am: 10 November 2022, 19:21:37 »
Hallo ihr Lieben,

danke, für eure Ideen.
Ich werde auf alle Fälle "ihr König" nehmen, anstatt nur König.

Zitat
Mit dem ersten “weißt du” wird das nächste “ wissen” abgeschwächt. Dieses “wissen” ist der Gegensatz zu dem Verb glauben - also der pikante Unterschied zwischen möglicher Wahrheit und den Dingen, die man auch durch Propaganda erreichen kann, ob sie nun wahr sind oder eben nicht. Das erste “weißt du” würde ich rausschmeißen und ganz dramatisch ohne Übergangsphrase rein.
Gute Idee, werde ich machen.

Einige andere haben so umgeschrieben, dass die Aufforderung, das Volk das richtige glauben zu lassen, etwas schärfer/direkter kommt. Auch das werde ich übernehmen.

 :daaanke:
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