Hallo Beatrice;
ich habe hier schon lange nichts mehr geschrieben, aber der Beginn deiner Geschichte (und der Titel) gefällt mir. Deshalb hier ein paar Überlegungen beim Lesen. Greife auf, was dir einleuchtet und lass dich vom Rest nicht irritieren, bitte. Ich habe keine andere Röstung gelesen, falls sich etwas doppelt.
1. Die Sätze im ersten Absatz haben alle genau das gleiche Strickmuster. Ein bisschen Variation durch Umstellen kann dem Gleichmaß und der Gefahr von friedlicher Langeweile gerade am Anfang, wo du die Leser reinziehen willst, entgegenwirken.
2. Überhaupt ist alles sehr friedlich und in Ordnung für Bo, bis Mick auftaucht. Liest jemand überhaupt bis dahin? Vielleicht kannst du weiter vorne schon ein Problem andeuten, z.B. Kälte. Wenn der Bahnhofsvorsteher den Tag wunderschön nennt, könnte der Kater sowas denken wie: Klar, für Menschen mit einem warmen Zuhause.
3. Lokomotive mit Rußwolke = versetzt mich sofort weit in die Vergangenheit. Da will ich genauer wissen, in welche Zeit und mehr historische Details sehen/hören/riechen...
4. Du schreibst von vielen Menschen, die Staub aufwirbeln, von deren Beinen es wimmelt. Das muss ein größerer Bahnhof sein, was ich sonst an nichts festmachen kann; auch die Menge an Menschen sehe ich noch nicht. Es würde helfen, wenn Bo viele einzelne Eindrücke zusammensetzen würde, die dann ein großes Gewimmel ergeben.
5. Warum sieht Bo den wartenden jungen Mann, als gäbe es sonst niemanden? Entweder ist da gerade kaum jemand oder dieser wird wichtig, aber auch dann sollte irgendetwas ihn für Bo interessant machen. Isst er etwas? Sitzt er genau im warmen Sonnenfleck? Spiegelt sich etwas (seine Armbanduhr oder so) bei seinen unruhigen Bewegungen auf dem Boden wie ein Laserpunkt, den die Katze verfolgt? Ist es ein Gartenblumenstrauß mit Katzenminze drin? (Achtung, Jahreszeit muss stimmen.)
6. Ob eine Katze Sehnsucht fühlt, weil Menschen sich umarmen? Das ist viel Analogie vorausgesetzt. Aber da Katzen weder lächeln, noch sich umarmen, noch sich herumschwenken, muss meines Erachtens erst eine Art Übersetzung stattfinden. Vielleicht so:
Bo spürte einen Stich im Herzen. Er hatte schon viele solcher Begegnungen gesehen und
wartete darauf, dass die beiden eng aneinander geschmiegt den Bahnhof verließen. Am schönsten war es, wenn einer die magischen Worte sagte: Komm, gehen wir nach Hause.
Jedes Mal wünschte er sich dann, auch einen Ort zu haben, an den er gehörte und wo man sich freute, wenn man ihn sah.
7. Woher riecht es nach Würstchen und warum verliert Bo diese Fährte gleich aus den Augen? Wenn Mick ihm die Beute streitig machen würde, benenn diese Gefahr ruhig.
8.
als Bo neu hierher kam, wollte er sich Mick anschließen, aber er merkte schnell, dass er unerwünscht war.
Da das zeitlich früher liegt, muss es hierher gekommen war, hatte wollen und hatte gemerkt heißen.
9.
als Bo neu hierher kam, wollte er sich Mick anschließen, aber er merkte schnell, dass er unerwünscht war. Er hänselte Bo wann immer ihm danach war. Meist machte er sich lustig über sein seidiges schwarzes Fell, das so gar nicht zu einem Kater passte, der auf der Straße lebte. Aber dafür konnte er doch nichts.
Überprüfe die Pronomen. Jedes bezieht sich immer auf das Nomen im Satz davor. Hier geraten die er/sein durcheinander.
Vorschlag: Mick hänselte Bo/dessen schwarzes Fell/dafür konnte Bo doch nichts.
Viel Erfolg beim Überarbeiten!
eska