Teufelsrost > Höllenfenster
Arcadia - Anfang
jcl:
Das gibt es hier natürlich auch. Aber ein Ich-Erzähler stellt sich ja nicht selbst vor. Zum Vorstellen dient eine Situation, in der er auf für ihn charakteristische Weise handelt oder, wie hier, reflektiert. Die habe ich nicht am chronologischen Beginn. Also muss ich eine solche Situation schaffen und vor den Beginn setzen. Daher, neben den anderen erwähnten Gründen, der Rahmen. Ich hoffe, dass die Frage damit beantwortet ist - falls nicht, frag einfach weiter.
Natascha:
--- Zitat von: jcl am 30 September 2023, 13:05:04 ---Nanu? Ist der Text so genial, dass niemand was zum Rösten findet?
--- Ende Zitat ---
Dein Text ist schon sehr gut. Das ist aber nicht der Grund für meine Verspätung. Seit einigen Monaten bin ich woanders schwer beschäftigt.
Ich habe tatsächlich nichts an Deinem Text auszusetzen. Vielleicht darf ich einfach mal nur seine Stärken erwähnen:
Du pflegst einen feinen Humor. Der Text wirkt glaubwürdig durch spezifische Details, die Sprache und die dargelegte Verfassung des Verurteilten. Dadurch ist es leicht, Anteil zu nehmen. Es wird spannend erzählt, nicht nur, weil die Fallhöhe groß ist, sondern weil der Erzähler, der Verurteilte, mich durch seine Art interessiert. Er erzählt ja im Präsenz, nicht aus der Retrospektive. Dafür zeigt er verdammt viel Haltung und Umsicht. Manches Mal wird es sogar tiefsinnig (z.B. Neid der Leute, verschwenderische Endlichkeit des Lebens). Ein Hinweis weckt sogar noch Neugier auf mehr: Es gibt eine Schatzinsel, aber nicht in der Art, die sich Defoe vorstellt. Und der Captain ist ein Mörder, aber nicht an Moore. Auch die Mini-Rückblende zur Silbergrube mit dem Anknüpfungspunkt, der den Kreis schließt, finde ich gelungen.
Ich hoffe, Du bist jetzt nicht enttäuscht, dass ich nichts kritisieren mag. ;)
Natascha
jcl:
Danke für dein Feedback, Natascha! Wo es nichts auszusetzen gibt, kann man auch nichts verbessern, aber es freut mich sehr, dass dir der Text gefallen hat. Arcadia ist jetzt übrigens fertig. Es gibt noch einige Szenen im Roman, bei denen ich mir unsicher bin, darunter einer Folterszene, aber die poste ich hier besser nicht ;). Ich will als nächstes eine Agentur suchen, um das Manuskript an den Verlag zu bringen.
merin:
Hi jcl,
ich weiß, wenn ein Manu fertig ist, drängt es hinaus, aber ich würde dir raten, gut dran zu arbeiten, bevor du es unterbringst. Hattest du schon Probeleser*innen? Ich habe mir mein ersten Manuskript verbrannt, weil ich es zu früh angeboten hatte.
Es ist ein bissel schade, dass es hier bislang nur zwei Rückmeldungen gibt, ich finde es immer spannend, wie verschieden die Lesarten sind. In diesem Fall sind sie ja fast diametral gegensätzlich. Mal sehen, vielleicht meldet sich noch jemand.
Liebe Grüße
merin
Natascha:
Die Rückmeldung von einigen gut ausgesuchten Menschen finde auch ich sinnvoll und habe damit interessante Erfahrungen gemacht. Der Umgang mit diesen Rückmeldungen sollte allerdings auch wohlüberlegt sein, denn es ist nicht möglich, es allen recht zu machen. Es stellt sich immer die Frage nach der Zielgruppe. Außerdem besteht auch die Gefahr der Verschlimmbesserung.
Da Du eine Agentur ansprechen möchtest, ist die Verbrennungsgefahr wohl etwas geringer, als wenn Du das Manuskript direkt an Verlage schicken würdest. Bei einem Roman würde ich immer auch ein Profilektorat in Erwägung ziehen, bevor ich ihn auf Reisen schicke. Die Verlage und sogar manche Agenturen geben zwar an, dass sie lektorieren würden, aber zum einen provozierst Du ja mit Deinem Manuskript einen Ersteindruck und zum anderen sind diese Lektorate oft nicht so intensiv wie es wünschenswert wäre.
Viele, die kein vorausgehendes Profilektorat nutzen, begründen dies damit, dass es viel Geld kostet (was zutrifft) und der Verlag ohnehin sämtliche zuvor geleistete Lektoratarbeit über den Haufen schmeißen würde (was nicht zwingend zutreffen muss).
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