Teufelsrost > Höllenfenster
Arcadia - Anfang
jcl:
Ich werde das Manuskript auf jeden Fall testlesen lassen und auch selbst nochmal drübergehen, bevor ich es rausschicke. Zuerst wollen Agenturen ja nur eine Leseprobe und das Exposé. Dann dauert es sicher Monate, bis ich eine Manuskriptanforderung bekomme, wenn überhaupt. Da ist für die Überarbeitung noch Zeit.
merin:
--- Zitat von: Natascha am 07 November 2023, 10:05:06 ---Die Rückmeldung von einigen gut ausgesuchten Menschen finde auch ich sinnvoll und habe damit interessante Erfahrungen gemacht. Der Umgang mit diesen Rückmeldungen sollte allerdings auch wohlüberlegt sein, denn es ist nicht möglich, es allen recht zu machen. Es stellt sich immer die Frage nach der Zielgruppe. Außerdem besteht auch die Gefahr der Verschlimmbesserung.
--- Ende Zitat ---
Das stimmt auf jeden Fall. Dazu könnten wir glatt mal einen eigenen Thread öffnen.
jcl ist das hier deine Erstfassung? Wann ein Text angeboten wird ist auch eine interessante Frage. Wir haben hier ja auch an anderer Stelle die Diskussion, ob man sogar Ideen pitcht und anbietet. Ich selbst gebe Texte erst nach mehreren Überarbeitungszyklen raus, aber Leute arbeiten ja sehr verschieden.
trillian:
Hallo jcl,
hier noch meine Röstung. Ich muss zugeben, ich habe mich ein wenig drumrum gedrückt, weil ich nicht sicher bin, ob es dir wirklich weiterhilft oder dich eher verunsichert. Der Text ist ja bereits fertig, vom Stil her angelegt etc.. Aber schauen wir mal :cheer: Ich schreibe jetzt hier einfach, was mir auffiel und du kannst es gerne verwerfen :devgrin:
Also dann: Mir gefällt deine Schreibe. Ich mag dieses lässig Humorvolle, aber ich frage mich, ob das zu einer Story dieses Genres passt? Allerdings fehlt mir hierzu komplett die Expertise.
Mir stellt sich sofort die Frage, was dein Zielpublikum ist und wie dessen Erwartungshaltung aussieht?
Evtl. ist Humor in Geschichten dieser Art aber gerade ein Alleinstellungsmerkmal, das mal erfrischend anders ist und mit dem du bei einer Agentur punkten kannst.
Du beginnst mit dem "Ende", kurz vor der Hinrichtung. Das ist ein Cliffhanger, der mich in die Geschichte zieht (und den Leser evtl. auch bis zum Schluss zum Weiterlesen animiert - mensch will ja schließlich wissen, ob der Prota vielleicht doch noch davonkommt ...), dazu kommt der mitfühlende Henker und der Dichter. Beides ist eher überraschend. Auch das gefällt mir gut.
Dass der Prota so locker damit umgeht, dass er nun bald hingerichtet wird, finde ich erstmal nicht glaubwürdig, allerdings bekommst du dann noch die Kurve und lässt ihn darüber sinnieren, was er alles noch vorhatte im Leben etc. Das würde ich vielleicht etwas früher einbauen.
Die Erwähnung von Daniel Defoe haut mich kurzzeitig aus dem Text, weil ich darüber nachdenke, ob das Buch von ihm handelt. Meine Aufmerksamkeit wandert dadurch erstmal weg vom Prota hin zum Schriftsteller.
--- Zitat ---Ich könnte ihm die Wahrheit erzählen, doch wozu? Es gibt eine Schatzinsel, aber nicht in der Art, die sich Defoe vorstellt. Und der Captain ist ein Mörder, aber nicht an Moore. Jetzt ist all dies ohnehin gleichgültig.
--- Ende Zitat ---
Auch das macht mich neugierig auf den Rest der Geschichte. Ich würde hier aber den letzten Satz eher weglassen.
Insgesamt gefällt mir der Text. Er ist gut geschrieben, detailreich, aber nicht zu viel davon. Die Dialoge sind gut. Trotzdem bräuchte ich noch einen weiteren Hook, damit ich unbedingt wissen will, wie es weitergeht.
Ich hoffe, du kannst etwas damit anfangen. Ansonsten einfach ignorieren :biggrin:
LG trillian
trillian:
--- Zitat ---Das stimmt auf jeden Fall. Dazu könnten wir glatt mal einen eigenen Thread öffnen.
--- Ende Zitat ---
Stimmt :hehe: :biggrin:
jcl:
Danke für deine Röstung, trillian! Du hast einige interessante Fragen aufgeworfen.
Ich hatte mir ein internationales Zielpublikum vorgestellt und daher die Geschichte in angelsächsischem Stil erzählt, mit einer gewissen Distanz und einer Prise Humor. Die deutschen historischen Romane sind oft bierernst, voller 'großer Gefühle' und auf eine weibliche Leserschaft ausgelegt. Aber es geht auch anders, siehe Kehlmann, Süskind, oder Boetius. Der 'Goldstandard' für Seefahrtsromane ist Patrick O'Brian. Seine Texte sind voller feinem Humor und kleiner 'running gags'. Daran habe ich mich orientiert.
Defoe wollte ich einführen, weil an einigen Stellen in der Geschichte Anspielungen auf Defoes spätere Romane vorkommen.
Ich glaube nicht, dass Verunsicherung durch Manuskriptkritik ein Problem ist. Normalerweise pickt man sich aus der Kritik das heraus, das man nachvollziehen kann. Aber sogar wenn man mit der Kritik überhaupt nicht übereinstimmt, ist sie dennoch nützlich, denn sie lässt einen über den Text nachdenken und gibt einen Einblick, wie andere ihn lesen.
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