Teufelsrost > Höllenfenster
Klappentext von "Die Stadt Utopia"
jcl:
Hier will ich noch einmal einen Klappentext zur Debatte stellen. Diesmal nicht von ChatGPT verfasst, sondern von mir. Bitte nicht ins Höllenfenster.
„Die Welt wird bald zu uns kommen. Zeigen wir ihr ein trotziges Gesicht.”
Die Stadt Zana liegt versteckt in den Bergen Afrikas. In der Isolation haben ihre Einwohner eine Hochkultur und eine demokratische Gesellschaftsform entwickelt. Im Jahr 1702 bricht eine arabische Armee von Sansibar auf, um Zana zu erobern und ihre Einwohner zu versklaven.
Der Bibliothekar Richard Kreutzner wird mit seiner Frau Sahir, einer indischen Agentin, in den Konflikt hineingezogen. Gemeinsam versuchen sie die Verteidigung von Zana aufzubauen. Doch die friedlichen Einwohner verfügen über keine Kampferfahrung. Und die Feinde kommen nicht nur von außen, sondern auch von innen.
Ein klassischer Abenteuerroman, basierend auf tatsächlichen Ereignissen. Folgeband zu ‘Die Insel Arcadia’.
Viskey:
Hey!
Vielleicht liegt es am Thema und Genre an sich, aber das einzige, das an diesem Text mein Interesse weckt, ist die letzte Zeile: "basierend auf tatsächlichen Ereignissen".
Es liest sich völlig unpersönlich und emotionslos, mehr wie eine historische Abhandlung. Ich habe im Grunde immer noch keine Ahnung, worum es in dem Buch gehen soll. :dontknow:
Sorry, dass das nicht besser ausfällt.
LG
Viskey
jcl:
Danke für das Feedback! Das kann ich durchaus nachvollziehen, jedenfalls das unpersönliche und emotionslose. Nur bei dem keine Ahnung haben, worum es geht, muss ich noch einmal nachfragen. Es geht im Buch genau darum, was dort steht - die Verteidigung einer Stadt durch einen Bibliothekar. Vielleicht fehlt dir das menschelnde, in Richtung 'wer liebt wen' - ist das richtig?
Paul:
Hi JCL
Hier meine Eindrücke zu deinem Klappentext:
Der Einstieg gefällt mir. Er stellt mehr Fragen, als Antworten:
--- Zitat ---„Die Welt wird bald zu uns kommen. Zeigen wir ihr ein trotziges Gesicht.”
--- Ende Zitat ---
Ab hier wird es für mich schwieriger:
--- Zitat ---Die Stadt Zana liegt versteckt in den Bergen Afrikas. In der Isolation haben ihre Einwohner eine Hochkultur und eine demokratische Gesellschaftsform entwickelt. Im Jahr 1702 bricht eine arabische Armee von Sansibar auf, um Zana zu erobern und ihre Einwohner zu versklaven.
--- Ende Zitat ---
Der erste Satz läuft noch gut. Danach wird es für mich eine Spur zu idyllisch: Hochkultur, ok, das schluck ich noch, aber bei der demokratischen Gesellschaftsform bekomme ich Husten. Was bedeutet das? Für mich wäre passender: eine Hochkultur entwickelt, in der ... und dann eine Beschreibung dessen, das für sie typisch ist. In der jetzigen Form wirkt es für mich zu plakativ und letztlich auch nicht glaubwürdig.
Die genaue Jahreszahl gefällt mir, der Aufbruch von Sansibar wirkt dagegen auf mich wieder leicht surreal, da Sansibar meines Wissens nie ein Ort war, der als Stützpunkt für große arabische Armeen diente (aber vielleicht täusche ich mich ja - ich lasse mich in dieser Hinsicht gern von Dir korrigieren - möchte aber meine Irritation an dieser Stelle zum Ausdruck bringen), Auch das Ziel der Expedition: erobern und versklaven wirkt für mich sehr plakativ. Vielleicht wäre hier weniger mehr?
--- Zitat ---Der Bibliothekar Richard Kreutzner wird mit seiner Frau Sahir, einer indischen Agentin, in den Konflikt hineingezogen. Gemeinsam versuchen sie die Verteidigung von Zana aufzubauen.
--- Ende Zitat ---
Ab hier wird es für mich noch fantastischer. Da ist eine arabische Armee, die von einer kleinen Insel startet und dazu kommt jetzt noch eine indische Agentin. Woher? Frage ich mich? War Indien in dieser Zeit nicht bereits durch die Briten stark in Bedrängnis geraten und von den europäischen Mächten mehr oder weniger überrollt worden? D.h. hat eine indische Agentin in dieser Zeit nicht ganz andere Sorgen und Aufgaben?
--- Zitat ---Doch die friedlichen Einwohner verfügen über keine Kampferfahrung. Und die Feinde kommen nicht nur von außen, sondern auch von innen.
--- Ende Zitat ---
Wer ist schon durchgehend friedlich? Wäre nicht "kaum kampferprobte Einwohner" passender? Auch klingelt bei friedlichen Einwohnern bei mir erneut die Klischeeklingel. Irgendwie nehme ich Dir diese Beschreibung nicht ab. Der Schlusssatz dagegen baut wieder Spannung auf, bleibt aber ebenfalls eher allegemein.
--- Zitat ---Ein klassischer Abenteuerroman, basierend auf tatsächlichen Ereignissen. Folgeband zu ‘Die Insel Arcadia’.
--- Ende Zitat ---
Abenteuerroman - ja, das glaube ich nach den gelesenen Zeilen sofort und wenn ich Lust auf diese Genre hätte, würde ich sofort zu dem Buch greifen. Es hat alles, was es dazu braucht: ferne Länder, Abenteuer,..
umgekehrt: basierend auf tatsächlichen Ereignissen - das nehme ich Dir nicht ab: ein geheimes Reich in Afrika, das demokratisch war und von einer arabischen Armee erobert wurde - davon hätte ich - glaube ich - schon einmal gehört. Von daher hättest Du mich mit dieser Bemerkung als Leser verloren. Ich wurde denken, da weiß jemand nicht, was er macht. Und wenn es schon so losgeht, dann kann daraus ...
Soweit meine subjektiven Eindrücke zu dem Klappentext. Ich würde versuchen, ihn weniger allgemein zu halten, ich würde ihn evtl. noch kürzen und ich würde ihn ein wenig "abbürsten", damit er glaubwürdiger und damit auch eindeutiger wird. Ist es ein historischer Roman - oder ein Abenteuerroman im historischen Gewand?
Paul
PS.: Kennst Du die Klassiker von Rider Haggard (wie z.B. König Salomos Schatzkammer)? Da ist nichts historisch - und doch lässt es sich wunderbar als historischen Abenteuerroman lesen.
jcl:
Danke für diesen ausführlichen Kommentar! Das ist genau das, was man als Autor möchte - die direkten Eindrücke des Lesers beim Durchgehen des Textes. Der Kern deiner Kritik ist, dass das Ganze zu fantastisch und surreal wirkt, als dass man es dem Autor abnimmt. Das will ich nicht, daher werde ich noch am Text herumfeilen müssen.
Es gab tatsächlich eine teilweise demokratische Hochkultur in Afrika im 17. Jahrhundert, und auch eine omanische Armee auf Sansibar sowie arabische Eroberungszüge tief ins Innere, um Sklaven zu machen. Auf Instagram habe ich etwas über den geschichtlichen Hintergrund geschrieben. Ebenso gab es im 17. Jahrhundert den indischen Geheimdienst, geführt von dem Wesir Mukhlis Khan. Dass dessen Tochter eine seiner Agentinnen war, ist allerdings leider fiktiv. Natürlich habe ich versucht, all das möglichst plakativ darzustellen, und bin dabei wohl ein wenig übers Ziel hinausgeschossen.
Von Rider Haggard kenne ich fast alles, und beim Schreiben dieser Geschichte hatte ich ihn tatsächlich im Hinterkopf.
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