Hi. dies ist die Überarbeitung meiner vorherigen Geschichte.
- Ich versuche, gezielt die Wandlung des Hauptcharakters zu zeigen, also dass er den Hass auf die Elfen, die ihm anfangs durch seine Lebensgeschichte widerfahren war hatte, überwinden will, aber dann scheitert. Ist mir das gelungen?
- Ist euch der Hauptcharakter sympathisch?
- Hat der Text jetzt mehr mit LGBTQ* zu tun?
- Was fällt euch noch so auf?
Professor Gonzo Spejbl, der Goblin, trug einen weißen Kittel und er war fieberhaft über die vielen Notizen auf seinem Schreibtisch gebeugt, die im fahlen Glühbirnenlicht des Bunkers gerade noch entzifferbar waren. Seine grüne Haut war verblasst und die Augen hatten dunkle Lider, seine weißen Haarsträhnen verdeckten halb die eingefallenen Wangen. Der Raum wurde von einer fernen Explosion leicht zum Beben gebracht, die Luft roch nach Schwefel, doch Gonzo machte unbeirrt weiter, er zündete sich sogar noch eine Pfeife an, die einen aromatischeren Duft verströmte.
Während er eine Notiz in seine Pranke nahm, schielte er nach links, zu den Soldaten, die auf beiden Seiten der Tür Position bezogen hatten, um die Gefangene zu bewachen. Dann sah er nach rechts, zu seinem krummbuckligen Assistenten Squig. Sie sahen sich seit mindestens einem Jahr einer neuen Gefahr aus dem All gegenüber: Arroganten Elfen. Seit vor zwei Wochen Goblins eine Elfe gefangen genommen hatten, gab es Krieg.
«Sind die Elektroden bereit?», knarrte der Professor Squig an.
Der Angesprochene nickte und machte eine Handbewegung in den Raum. Gonzo drehte sich mit dem Bürostuhl auf die andere Seite und blickte der gefesselten Elfe geradewegs in ihr blasses Gesicht, auf deren Kopf die Elektroden befestigt waren. Gonzo war bislang immer ein objektives Wesen, ein Doktor der Neurologie, aber wenn er ihr in die blauen Augen sah, war er verzweifelt. Er kramte gedanklich in seinem Elfisch-Wortschatz. «Junge Frau, ich kenne immer noch nicht Ihren Namen. Ich weiß aber, dass Sie vor zwei Wochen mit Ihrem Raumschiff in einen Markt stürzten, weswegen wir fünf Opfer unser Eigen nennen müssen. Warum taten Sie das?»
«Ich hatte ein Problem mit der Steuerung. Ich musste notlanden.»
«Lügt sie dir was vor?», fragte Squig.
Die Elfe sah Gonzo an: «Was meinte er?»
Der Professor übersetzte. «Er meint, dass Sie lügen, Frau Elfe.“
«Aber, ich lüg´ doch gar nicht!» Ihr kam eine Träne.
Squig deutete mit seiner Zeigeklaue auf sie. «Für euch sind wir doch nur rückständige und hässliche Trottel. Gib´s doch zu!»
Gonzo wusste, dass für andere Rassen Morde an Goblins auch immer nur ein Versehen war. Die Berge an radioaktivem Weltraumschrott auf der Planetenoberfläche sprachen Bände. Er nickte Squig zustimmend zu. Sie machte den Mund auf, doch Gonzo kam ihr zuvor. «Ich will nix mehr hören!»
Wieder gab es eine Erschütterung. Gonzo schmunzelte. «Und glaub´ bloß nicht, dass deine Leute dich hier rausholen können. Da müssten sie den ganzen Berg wegsprengen!»
Sein Blick folgte den Kabeln an ihren Elektroden, die an der Decke aufgehangen waren und hinter ihrem Stuhlblech weiter in einem schrankgroßen Kasten führten. Durch das Fenster im Kasten schimmerte ein eiförmiger Kristall in Regenbogenfarben. Daran angeschlossen war eine andere Elektronenhaube, die auf einem weiteren Stuhl ausgebreitet lag.
Squig räusperte sich: «Herr Professor, sind sie sich wirklich sicher, dass es funktioniert?»
Er blickte zu seinen Notizen zurück. «Es müsste funktionieren. Es ist ein Kristall, den ich aus ihrem Raumschiff geborgen habe. Ich habe die Bedienungsanleitung gelesen.»
«Können Sie Elfisch, Herr Professor?»
«Ich habe mir Elfisch selbst beigebracht. Daher weiß ich, dass dieser Stein bei langen Weltraumreisen für Abkürzungen über das sogenannte Immaterium gedacht ist. Das Immaterium aber ist nicht nur dafür gut ...» Gonzo paffte an seiner Pfeife besonders oft, wonach viel Rauch verströmte. « ... Das Immaterium ist das spirituelle Reich, wo sich die Seelen aufhalten, wo Himmel und Hölle existieren sollen. Jedes Wesen, das eine Seele hat, soll auch zu Lebzeiten mit dem Immaterium verbunden sein und dieser Stein stellt diese Verbindung zum Immaterium her.»
«Hm», meinte Squig, «Da sind Sie ja Spezialist auf diesem Gebiet!»
«Genau!» Der Professor setzte die andere Elektronenhaube auf und er brachte unter dem Kristallkasten eine Apparatur zum Vorschein, wo er an einem Knopf drehte. Er betrachtete die Ausschläge von Graphen mit Genauigkeit. «Wenn ich also mit einem leichten Strom die Schwingungsfrequenz ihres Gehirns und meines Gehirns ermitteln kann und danach einen gesteuerten Impuls von 400 Volt losschicke, könnte meine Seele und somit auch mein Bewusstsein in ihren Kopf wandern. Ich nutze das Immaterium also als Seelenpfad.»
Squig war erschrocken und er ergriff das Wort: «Ich schätze eher, dass Sie und Ihre Probandin bei dieser Spannung geradewegs ins Totenreich wandern!»
«Mir egal, ob ich sterbe, ich bin schon alt. Dass ich weiterleben könnte, verbuche ich als optional.» Er sah sie an. Sie war so hübsch anzusehen, mit ihren roten Zöpfen und der Wespentaille, welche von ihrer weißen Rüstung betont wurde. Er betrachtete ihre breiten Hüften, ihre zarten Hände. Eine schöne Frau vernebelt den Männern den Verstand, schwärmte er. Allein der Gedanke daran, sie zu sein, und kein hässlicher Goblin, war so geil. Er lief mit wackelndem Po durch das Labor. «Bewege ich mich wie eine Frau? », fragte er. Squig nickte. Gonzo kicherte.
«Was passiert eigentlich mit der Seele der Frau?», fragte Squig.
«Die Seele …», Gonzo grübelte. «Die Seele wird entweder sterben, oder mit mir verschmelzen … »
Weiter kam er nicht, weil es eine erschütternde Explosion gab. Sogar die Schreibtischlampe fiel auf den Boden. Das Licht flackerte. Jeder war in Panik, selbst die Soldaten, die sich sonst in militärischer Disziplin mühten. Gonzo schwante es: Der Feind kam immer näher – für Tests war keine Zeit mehr. Gonzo setzte sich in den Stuhl und deutete auf Squig.
«Da! Der Schalter an der Wand! Leg´ ihn um!»
«Aber Herr Professor, als Elfe werden Sie unter uns Goblins nicht glücklich.»
«Ich opfer´ mich für euch auf! Ich werde diese ganze Elfenbande von unserem Planeten weglocken. Dann haben wir endlich wieder Ruhe!»
Obwohl noch nichts passiert war, fing die Frau an zu schreien.
Der Professor schrie dagegen an: «Squig! Jetzt mach´ schon!»
«Sie sind ein guter Kampfkünstler, Professor», sagte Squig und legte den Schalter um.
Ein heller Lichtbogen erschien vor seinen Augen, das wusste Gonzo noch, danach aber war alles dunkel. War er tot? Kurz darauf ging der Strom wieder an. Nanu? Gonzo sah den Raum plötzlich aus einer anderen Perspektive, obwohl er sich nicht bewegt hatte. Er wollte aufstehen, doch er war schockiert. „Seid´ ihr denn völlig bescheuert? Bindet mich los! Was ist … was ist … mit meiner Stimme

»
Squig sah ihm ins Gesicht. «Du schauspielerst doch nur, du dumme Fotze!»
«Fotze? Mich nennst du eine Fotze, du Missgeburten-Gartenzwerg? Komm her! Ich beiß dir die Nase ab!»
Hinter Gonzo flog ein schuhkartonartiges Gerät auf Squig zu, das ihn am Kopf traf. Der Goblin fiel blutend zu Boden.
Gonzo wollte sich umdrehen, doch die Stricke erlaubten es nicht. Eine Wache deutete in die Richtung, aus der das Geschoss kam und meinte: «Scheiße, wenn Gonzo das macht, ist die Elfe in seinem Körper.»
Oje. Anschließend krachte es derart laut, dass es in Gonzos Ohren wehtat und er spürte, wie er auf den Boden aufschlug. Etwas fiel auf ihn drauf und er stieß einen schrillen Schrei aus. Es war wieder dunkel. Er wollte die Arme heben, aber es lag etwas auf ihn drauf. Er hatte Schmerzen in den Armen. Sein Herz pochte ihm bis zum Hals. Was war passiert?
Da! Aus einem hochkantigen Rechteck in der Finsternis flackerte Licht auf. Es war hinter der Türöffnung. Stimmen ertönten. Er hoffte, wieder ausgegraben zu werden.
Jemand betrat den Raum und leuchtete ihm mit der Taschenlampe ins Gesicht. Er blinzelte. Die Person schwenkte die Leuchtquelle auf das eigene Antlitz um. Nein! Das konnte doch nicht wahr sein! Ein Elf! Er hatte lange, dunkle Haare.
Dann hörte Gonzo seine eigene Stimme hinter sich rufen. «Eledoan, mein Retter!»
Was? Wer?
Der Elf schoss auf den Rufer und es war zu hören, wie etwas Großes auf den Boden fiel. Dann stand der Elf rechts direkt neben Gonzo, er spürte am rechten Arm einen Stoß, dann schwirrte es ihm vor Augen. Es wurde um ihn dunkel.
Gonzo blinzelte. Er nahm grünes Licht wahr, aber er war erschöpft, weswegen er die Augen wieder schloss. Er lag in einem warmen Bett. Er kuschelte sich ein und könnte ewig drin schlummern. Nach den schlaflosen Nächten im Labor war es genau das, was er verdient hatte. Es war so schön. Dazu kam dieser undefinierbare, aber angenehme Duft. Er hatte keine Schmerzen mehr; ein Zeichen, dass es nur ein Traum war. Er fühlte am rechten Arm eine angenehme Berührung, wie, als würde ihn nach einer Sportverletzung seine Mutter dort anfassen und sagen, dass alles wieder gut sei. Es war ein Gefühl von Liebe und Geborgenheit, wie er es schon lange nicht mehr in seinem Leben hatte. Aber, wo war er? Er schaute auf eine grüne Zimmerdecke, die von einer grün beleuchteten Wand umgrenzt war … der ganze Raum war rund. Aus einer ovalen Öffnung, der einzigen in diesem Raum, kam grünes Licht rein. Er richtete seinen Oberkörper auf und fasste sich an seine Brust. Ooo … oha, er hatte nicht geträumt. Wahnsinn! Er hatte auch ein Spitzen-Nachthemd an. Sein Herz pochte ihm bis zum Hals und er atmete tief ein und aus, um sich zu beruhigen. Sein Wunsch, sie zu sein, war bislang eine Fantasie. Nun war es real. Er konnte seine Gefühle nicht näher beschreiben. Er mühte sich, seine Gedanken zu ordnen. In einem war er sich aber sicher, dass er kein Goblin mehr war, sondern eine schöne Frau, worauf ihn eine positive Erregung beschlich. Wie er langfristig mit diesem Leben klarkommen würde, wusste er nicht. Er sah in den Raum. Wer war das? Auf der Bettkante saß der männliche Elf, Eledoan hieß er, glaubte Gonzo. Eledoan wollte über seinen rechten Arm streicheln.
Gonzo erschrak und er zog seinen ganzen Körper weg. Der Elf aber hob seine Augenbrauen. «Mit dir stimmt was nicht! Vielleicht hat dieser Gonzo irgendwas angestellt. Wir müssen zum Hohepriester, deine Seele überprüfen!»
Da gab es keine Diskussion mehr. Der Professor stand auf und packte dem Elf am Hals. Es brauchte viel Kraft, um ihn zu erwürgen. Dann zerrte er den Mann ins Bett und deckte ihn zu - er schlief, so sollte es aussehen. Geschafft! Aber, was nun? Das Labor und die Bergfestung waren nun weit, weit weg, da war sich Gonzo sicher; aber wie mochte es seinen übrigen Goblins ergehen? Er machte sich Sorgen ... war hier irgendwo eine Zeitung?
Ein schwarzes Viereck lag rechts neben Gonzo auf dem Nachttisch. Es wirkte wie ein Tablett … lag da was drunter? Als er es anhob, erleuchtete das Viereck und es war Geschriebenes drauf zu lesen. Seltsames Elfenwerk, dachte sich Gonzo, aber von dem Ding wurden die Informationen angezeigt, die er brauchte.
«Während der Erkundung des Goblinplaneten Gobol geriet Fliegerpilotin Baeramaela in die Fänge des berüchtigten Goblin-Professors Gonzo Spejbl, die rechte Hand von Machthaber Rotzi Ohnesorg. Nun wurde der Reißwolf-Professor tot aufgefunden. Die zivilisierte Welt hofft nun auf eine Normalisierung der diplomatischen Beziehungen … »
Und wieder Goblins tot … und nun zurück zur Normalität? Gonzo hatte diese Heuchelei so satt! Es rollte ihm eine Träne über die rechte Wange. Jetzt bloß nicht zu emotional werden – vielleicht konnte er doch noch irgendwas bewirken. Eine Frauenstimme ertönte aus der Küche. «Herr Eledoan Sect, die Konferenz über die Zukunft von Gobol beginnt jetzt.»
Gonzos Elfenohren stellten sich auf. Diese Konferenz … die Zukunft über Gobol … und das alles ohne die Goblins? Wie anmaßend. Eine blonde Elfe trat in das Zimmer. «Herr Sect? Geht´s ihm nicht gut?»
Gonzo grübelte und er sagte dann. «Ich werde ihn vertreten.»
Er fand die Kleiderschränke auf Anhieb und schlüpfte in ein elegantes Damengewand. Er und die Bedienstete liefen zur Konferenz. Gonzo trat wortlos in dem runden Saal ein, in den Kreis von mehreren hundert Versammelten, an Eledoans Pult. Alle Augen waren auf Gonzo gerichtet, es ging ein Raunen durch die Menge.
«Meine Damen und Herren. Ich muss Ihnen leider … äh … verkünden, dass Herr Eledoan Sect verhindert ist. Er hat sich … äh, … ein unbekanntes Virus eingefangen. Es wäre also besser, Gobol dem Rücken zu kehren und die Goblins nicht mehr belästigen.»
Da meinte ein älterer Elf aus dem Publikum: «Aber, wir belästigen die Goblins doch gar nicht. Wir wollen ihnen helfen, den Planeten zu dekontaminieren.»
Dekontaminieren? Warum hatte die Elfe ihm das nicht gleich gesagt? Hm … da wollten die Elfen also was Gutes für die Goblins tun. Er ärgerte sich. Irgendwie bekam Squig, aber auch Gonzo selbst, Dinge sehr schnell in den falschen Hals. Er erkannte, dass er aufgrund seiner schlechten Erfahrungen mit anderen Rassen überreagiert hatte. Scheiße! Hoffentlich kam es nicht zum Krieg!
Ende