30 November 2020, 01:49:26

Autor Thema: Eine Geschichte - in Englisch und in Deutsch gleichzeitig schreiben?  (Gelesen 2823 mal)

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Mintaka

  • Gast
Zitat
aber ich hab auch so ein Projektchen, wo ich so wahnsinnig bin anzunehmen, dass ich es parallel in Deutsch und Englisch schreiben kann.
(Mooncat)

Ich habe eine Geschichte im Kopf, die ich so gerne schreiben würde, mich drängt es danach. Aber irgendwie komme ich nicht über die ersten Seiten. Das mag auch daran liegen, dass ich sie für den Santharian Dream schreiben will (in dieser Welt), also in englisch, ich aber nicht so gut drin bin - für eine Geschichte. Reine Beschreibungen gehen da schon eher, da stört mich mein beschränkter Wortschatz nicht so sehr. Seit ich über Weihnachten auch noch gute englische Bücher gelesen habe zögere ich noch mehr. Letztes Jahr dachte ich, ich schreibe sie erst mal in deutsch, dann habe ich doch wieder einige Seiten in englisch geschrieben, es klappt einfach nicht.

Deutsch schreiben und dann übersetzten (lassen?), aber das klappt auch nicht recht, irgendwie schreib ich was andres, je nachdem welche Sprache ich benutze. Und es läuft besser, wenn in englischer Sparache schreibe..

Habt ihr da Erfahrungen gemacht?

Mooncat

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Re: Eine Geschichte - in Englisch und in Deutsch gleichzeitig schreiben?
« Antwort #1 am: 17 Januar 2014, 12:17:47 »
Das ist eh eine Frage, die ich mir immer wieder stelle. Denn unter dem Strich schreibe ich eher für Amis als Europäer. Und ehrlich gesagt, so oder so möchte ich meine Sachen sowieso im Englischen auch haben.

Bislang habe ich immer auf Deutsch geschrieben, bis eben auf dieses eine. Wobei ich auch da, dann schnell mal auf Englisch vorgeprescht bin und noch keine Lust hatte, das auf Deutsch nachzuholen.
Tja, und jetzt ist es auf Eis.

Aber Grundsatzfrage ist schon, was ist besser? Deutsch ist meine Muttersprache. Lesen tue ich nur in Englisch. Die meisten Stories, die ich so für mich schreibe, sind auch eher in Englisch als Deutsch. Aber native speaker bin ich nicht. Und obwohl ich ganz gut bin - das Gleiche ist es schon nicht.

Schreibe und bereinige ich also erst mal die Deutsche Fassung, bevor ich diese dann auch selbst übersetze und anschliessend Korrekturlesen lasse?
Oder lass ich es gleich professionell - und teuer - übersetzen?

Gut, schaffe ich es je, zu einem Verlag/Agentur zu kommen, nehme ich mal an, wenn es sich rentieren würde, würden die dann das notwendige für eine Übersetzung übernehmen.

Aber sollte ich Richtung eBook gehen, stellt sich die Frage sofort. Und auch, sollte ich versuchen wollen, mit den klaren Ami-Geschichten eh gleich zu den entsprechenden Verlagen/Agenturen in Amerika zu gehen und mir den deutschen Markt zu sparen.

Keine Ahnung. Hat jemand hier Erfahrung mit so was? Richtwerte für Übersetzungen? Tipps und Tricks?
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Fox

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Re: Eine Geschichte - in Englisch und in Deutsch gleichzeitig schreiben?
« Antwort #2 am: 17 Januar 2014, 12:27:33 »
Falls ich so etwas mal angehen sollte, würde ich die Geschichte in Englisch schreiben, so gründlich es mir möglich korrigieren, dann einem Native Speaker zum Korrigieren und Lektorieren übergeben. Übersetzungen sind grässlich, verleiten zu vielen Fehlern und dazu geht einfach der Großteil der schon geschriebenen Sprachmelodie komplett verloren, wenn man es dann plötzlich in eine andere Sprache übersetzt.

Allerdings sollte man für den Ansatz auch auf einem gewissen Level im geschriebenen Englisch sein. Ich würde es mir nicht zutrauen, oder höchstens mal bei Kurzgeschichten ausprobieren. Ich habe ja schon das Schreiben im Deutschen noch nicht im Ansatz gemeistert.

Cheers,
Fox
« Letzte Änderung: 17 Januar 2014, 12:29:13 von Fox »

Mintaka

  • Gast
Re: Eine Geschichte - in Englisch und in Deutsch gleichzeitig schreiben?
« Antwort #3 am: 17 Januar 2014, 13:34:29 »
Zitat
Falls ich so etwas mal angehen sollte, würde ich die Geschichte in Englisch schreiben, so gründlich es mir möglich korrigieren, dann einem Native Speaker zum Korrigieren und Lektorieren übergeben

Das habe ich ja schon gemacht, aber als ich über Weihnachten Patricia McKillip gelesen habe und auch andere englische Autoren, da wurde mir  deutlich vor Augen geführt, dass mein Wortschatz zu beschränkt ist. Da hilft dann auch die Korrektur nicht.  'The river lazed along' .. da wäre ich nie drauf gekommen, dass man das so schreiben kann. Ich fürchte auch, dass die Sprachelodie beim Übersetzen verloren geht. Nun habe ich eine Menge englische Freunde, mit denen ich meine 'Arbeit' gerne teilen würde. Die einzige Möglichkeit, sich zu Verbessern sehe ich darin, in einem englischsprachigem Land zu wohnen, aber das geht halt nicht.
Was soll man tun? Weiterprobieren? Sich in ein spezielles Vokabular einarbeiten, bevor man eine bestimmte Szene schreibt? Random neue Vokabeln lernen?

Trippelschritt

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Re: Eine Geschichte - in Englisch und in Deutsch gleichzeitig schreiben?
« Antwort #4 am: 17 Januar 2014, 14:37:32 »
Für mich ist die Antwort völlig klar.
Gesccihte in Muttersprache schreiben.
Einen guten Übersetzer nehmen, auch wenn der teuer ist.
Bestenfalls einen Mischmaschtext schreiben, wenn man bestimmte
Passagen in einem bestimmten Englisch haben will.

Ich habe jahrelang englische Fachaufsätze geschrieben,
in denen dann, wenn native speaker da mal drüber gelesen haben,
nur noch rot vorkam.
Und mit meinen deutschen Texten bin ich immer noch nicht zufrieden.

Es dauert ewig, bis sich in einer fremden Sprache so etwas wie ein Sprachgefühl einstellt.

Liebe Grüße
Trippelschritt
Wer bin ich, wer war ich, wer werde ich sein?

Sirius

  • Gast
Re: Eine Geschichte - in Englisch und in Deutsch gleichzeitig schreiben?
« Antwort #5 am: 17 Januar 2014, 15:41:37 »
ich berichte mal aus eigenen Erfahrungen.
Vor einiger Zeit wurden Kurzgeschichten von mir in die französische und niederländische Sprache übersetzt.
Der Übersetzer für die französische Fassung war ein Franzose mit sehr guten deutschen Sprachkenntnissen.
Diese Übersetzung habe ich mir aus Neugierde von einem Freund auf deutsch vorlesen lassen - sie hatte einige Unterschiede zu meiner ursprünglichen Geschichte.
Ich sprach den Übersetzer darauf an und er klärte mir, dass eine wörtliche Übersetzung in eine Fremdsprache nicht das Optimum sei. Ein guter Übersetzer müsse sinngemäß so übersetzen, dass der "Pfiff" der Erzählung von den Lesern der fremden Sprache verstanden würde.
Das fand ich einleuchtend.
Also könnte es schwierig sein, von einem deutschen Erzähler mit seinem deutschen Hintergrund bzw. Verständnis so z. B. ins Englische (Französische) zu übersetzen, dass der Text so rüber kommt wie er gemeint ist.

Mooncat

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Re: Eine Geschichte - in Englisch und in Deutsch gleichzeitig schreiben?
« Antwort #6 am: 17 Januar 2014, 16:39:20 »
Und genau das ist der Punkt, warum ich es am liebsten selbst machen würde. Denn ja, es ist ein Unterschied, ob du eine Regelung / Information übersetzt, die möglichst wortgetreu zu sein hat, oder aber eine Geschichte, die dem Ursprungstext treu aber erzählerisch gut zu sein hat.

Ich kenn jetzt keine Beispiele von Deutsch auf Englisch. Aber massenhaft Beispiele von Englisch auf Deutsch. Was der Grund ist, wieso ich nur noch auf Englisch lese.

Mache ich es selber, ist zumindest der Stil und die Sprache einigermassen so, wie ich es haben will. Allerdings, wie Mintaka schon erwähnt hat, Wortschatzmässig bin ich da natürlich sofort im Nachteil. Wobei ich unter dem Schlussstrich denke, dass da ein Lektorat dann eben den letzten Schliff geben kann.
Aber übersetz mal so 500-600 Seiten selbst ... So einfach ist das nämlich nicht. Du musst die Geschichte fast wie neu schreiben in der Sprache, wenn du ein halbweg vorzeigbares Ding haben willst.

@Mintaka
Üben. Ich schreib seit 10 Jahren Stories in Englisch, die ich Betalesen lasse. Da bekommst du doch ein gutes Sprachgefühl und Vokabular. Dazu viel lesen und viel im OT schauen. Und wohl öfter die Synonymwerke bedienen, als du es im Deutschen musst. Wobei eben da wieder das häufige Lesen und OT schauen wichtig ist, damit die merkst, welche Synonyme stimmen und nicht. Und dann gute Beta haben.
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