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Dialoge

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Uli:
... Lady Agatha hat ein einem ihrer Werke die Sache sehr schön vorgeführt:

Die Auflösung des Falles hätte in einem Dialog gefunden werden können - und Poirot weist mehrmals darauf hin, wie 'gefährlich' Smaltalk sein kann. Jeweils natürlich in einem Dialog ...

Ein Dialog hat dutzende Eigenschaften, zum Beispiel:
Leute können (im Gegensatz zu allwissenden Erzählern) ganz gut lügen. Oder Dinge falsch verstanden haben und deshalb unrichtig wiedergeben. Man kann sich darauf verlassen, daß gewisse Dialogteile nicht gelesen werden, oder die darin enthaltene Information nicht aufgenommen wird (wenn man sowas halt kann ...) oder daß irgendwelche Behauptungen eines Dialogpartners als reine Wahrheit aufgefasst werden - obwohl die Person selber mehrfach darauf hinweist, daß sie von 'britischer Fairness' nichts hält. Ebenfalls, wenn man kann, natürlich ...
(Agatha Christie, Der Wachsblumenstrauß)

Leider werden Dialoge halt oft missbraucht: Um allzulange Fließtextabsätze zu unterbrechen (und um im normseiten-ScriptZeilen zu schinden ...?) beispielsweise. Solche unmotivierten oder rein formal motivierten Dialoge (zeige das doch, indem du das einen sagen lässt ...) sind meist unerträglich aufgesetzt und nerven:
Komischer Wächter 1: Es regnet ganz schön heftig, was?
Komischer Wächter 2: Ja, und es ist dunkel. Man sieht ja nichts
Komischer Wächter 1:  Daß wir aber auch um  Mitternacht hier stehen müssen, im Regen ...
Komischer Wächter 2:  Ich denke, daß wir hier stehen, damit das Publikum weiß, daß es Mitternacht ist, oder?
Komischer Wächter 1:  Ja, und es ist dunkel und regnet, damit sich keiner wundert,  wie der Meuchelmörder an den Wächtern vorbeikommt. Klar.
Komischer Wächter 2:  Es ist ein mieser Job
im Chor: Aber jemand muß es ja machen! (gehen ab)
Regisseur (im Mephisto-Kostüm): Ja wartet nur, bis irgendwer die Bühnentechnik hat erfunden! Mit Lampen, Strahlern, Trallala - sogleich werd ich euch beide streichen! Unnützes Pack, das kostet nur - Statisten! Sinnloses Gerede! Ein Dialog, nur um den Volk die Uhrzeit anzuzeigen. Wie sinnlos aber 's gewiss: Man wird dereinst als Kunstgriff dieses loben.
(geht gackernd ab und schreibt einen Schreibratgeber)

merin:
Mir fehlt da noch eine wichtige Funktion des Dialogs: Beziehungen beschreiben. In Dialogen kann gut deutlich werden, wie zwei Menschen zueinander stehen.

felis:

--- Zitat von: Trippelschritt am 24 Januar 2014, 12:21:55 ---Die wahrscheinlich wichtigste Funktion eines Dialoges, obwohl ich mir da überhaupt nicht sicher bin) ist der Konflikt im Sinne eines Streitgesprächs.

--- Ende Zitat ---
Das bestreite ich mal.
Ein Dialog kann für viele Zwecke verwendet werden. Das Steitgespräch ist nur eine von mehreren Möglichkeiten, die ich als durchaus gleichwertig betrachten würde.


--- Zitat ---Wenn man diese beiden Dialoge unter dem Begriff Konflikt betrachten würde, dann würde das ein Steitgespräch vor einer Wirtschaftsschlägerei, die Beleidigungen zweier Teenies über das Thema, wer hat den Längsten, oder den Versuch eines Außendienstmitarbeiters eine Versicherung zu verkaufen, die niemand haben will, in einen Topf werfen.
--- Ende Zitat ---
Und dann wäre das auch nicht falsch, weil es sich tatsächlich in allen Fällen um (interessen-)konflikte handelt.

Ich würde sogar noch weiter gehen und behaupten, dass jeder gute Dialog ein Element des Konflikts zwingend benötigt, weil er sonst nicht funktioniert.


--- Zitat ---A. Das Wetter ist schön.
B: ja, sehr.
--- Ende Zitat ---

Ist ein Dialog, der ein einer Erzählung nix verloren hat. 



--- Zitat ---Dialoge für Informationsvermittelung haben ganz andere Fallstricke. A redet und b gibt an den passenden Pausen die richtigen Stichworte. Langweiliger geht es nicht.
--- Ende Zitat ---
Muss nicht zwingend stimmen. Du solltest echt auch mal das Glasperlenspiel lesen.  :biggrin:

--- Zitat ---Und was für ein Typ Dialog treibt die Handlung vorwärts. Alle?
--- Ende Zitat ---

Nein. Aber alle treiben den Plotr voran. Wenn der Plot ein retarideirendes Element benötigt, kann das ein Dialog sein.


--- Zitat ---Und was ist mit dialogen, die der Charaktersierung von irgendwas dienen, und weniger der Handlung gehorchen?
--- Ende Zitat ---
Die sind überflüssig.
Die Charakterisierung des Protas erfolgt zwar auch über die Sprechweise, aber das ist m. E. eine Nebenfunktion. Ist es die einzige Funtion ist der dialog für den Plot überflüssig und sollte gestrichen werden.


--- Zitat ---Und dann haben wir noch die kleine unschuldige Plauderei, und das Frotzeln mit den geistreichen Anspielungen.
--- Ende Zitat ---
Auch diese sollte, wenn sie in einer Geschichte auftaucht, eine funktion haben. (Die kann druchaus auch mal ein Comic relief sein)

LG
felis


Trippelschritt:
Hi Felis,

da sind wir uns ja fast einig.
Ich widerspreche nur Deiner Meinung, dass man mit Dialogen nicht charakterisieren kann. Sind also nicht überflüssig.

Wichtig ist für mich nur:
Es gibt ein paar wenige allgemeine Regeln, die man befolgen sollte, um einen Dialog nicht zu vermurksen.
Es gibt ein paar mehr Regeln (oder besser Dinge zu beachten), wenn man einen guten Dialog schfeiben will. Zum Beispiel sich vorher über die Funktion klar zu werden.

Und die Bedeutung von Konflikten in Dialogen ist mir völlig gleichgültig, so lange verschiedene Arten von Konflikten bedeuten, dass man auf verschiedene Dinge achten muss.
Ich bin da ganz pragmatisch und überhaupt nicht grundlegend. Wie schreibe ich welchen Dialog, der welche Funktion hat.
Und je mehr Beispiele wir da finden, desto lieber ist mir das.

Da ich aber fast alles unterschreiben kann, was Du da gerade gepostet hast, scheint der einzige Unterschied die Perspektive zu sein, mit der wir dieses Thema betrachten.

Liebe Grüße
Trippelschritt

Viskey:

--- Zitat von: felis am 24 Januar 2014, 16:07:19 ---
--- Zitat ---Und was ist mit dialogen, die der Charaktersierung von irgendwas dienen, und weniger der Handlung gehorchen?
--- Ende Zitat ---
Die sind überflüssig.
Die Charakterisierung des Protas erfolgt zwar auch über die Sprechweise, aber das ist m. E. eine Nebenfunktion. Ist es die einzige Funtion ist der dialog für den Plot überflüssig und sollte gestrichen werden.

--- Ende Zitat ---

Also dass Dialoge zur Charakterisierung überflüssig sind ... Das sehe ich ganz anders. Und auch du nennst sie gleich im nächsten Satz eine Nebenfunktion eines Dialogs. Und klar kann ich auf eine "Neben"-Funktion auch verzichten. Aber für mich ist das so, als hätte DaVinci gesat: Naja, grinst eh schon schön, die Mona. Ich glaub, die Landschaft dahinter spar ich mir dann mal. Macht ja nichts, wenn man das Holz sieht. Das wird der Mona ihr tolles Lächeln schon wettmachen.

Das ist jetzt natürlich arg überspitzt, Aber auch eine Nebenfunktion ist eben eine Funktion, und von daher in meinen Augen nicht überflüssig und streichbar. :dontknow:

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