20 Juli 2019, 23:47:56

Autor Thema: Fantasy - Urban Fantasy - Seanan McGuire – October Daye Reihe  (Gelesen 3668 mal)

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Mooncat

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Seanan McGuire – October Daye Reihe

Diese Reihe ist zugegebenermassen eine neue Freundin. Aber wie das halt manchmal so ist, man trifft jemanden und man weiss, hier habe ich einen Freund für's Leben gefunden. October Daye gehört definitiv in diese Kategorie.

Um was geht es

October (Toby) Daye ist ein Halbling – halb Mensch, halb Elbin. Als Kind musste sie wählen, ob sie in der Welt ihres sterblichen Vaters oder dem Feenland ihrer Mutter leben wollte. Sie hat das Feenland gewählt – was ihr das Leben gerettet hat.
In Rosemary and Rue lernen wir die Erwachsene Toby kennen. Glücklich in einer Beziehung mit einem Sterblichen und Mutter einer kleinen Tochter in San Francisco. Sie ist auf einem Überwachungsauftrag (sie verdient sich ihr Leben als Privatdetektivin in der sterblichen Welt und ist Ritterin im Feenland) für ihren Lord als was grundsätzlich schiefgeht und sie in einen Goldfisch verwandelt wird. Soweit der Prolog.
Die eigentliche Geschichte von Toby beginnt 14 Jahre später, knapp ein Jahr nachdem sie aus dem Fischteich entkommen ist. Durch ihre unerklärbare Abwesenheit hat sie alles verloren: Freund ist verheiratet und denkt, sie hat ihn sitzen gelassen, Tochter will nichts von ihr wissen und Job ist auch weg. Verletzt hat sie sich auch von ihren Freunden im Feenreich zurückgezogen, will von nichts und niemandem mehr was wissen.
Tja Pech, denn eine alte Freundin braucht ihre Hilfe und nachdem Toby sie ignoriert, belegt sie Toby mit einem Fluch, der sie zwingt, aufzuklären, was zum Mord an ihrer Freundin geführt hat – oder der Fluch fordert ihr Leben. So bleibt ihr keine Wahl als in die Welt zurückzukehren, der sie den Rücken zugedreht hat. Und einmal zurück lassen ihre Freunde sie nicht mehr gehen – was gut ist, denn Toby erkennt schnell, dass man eben nicht so leicht von Zuhause fliehen kann. Und das eigentlich auch gar nicht will.
Über die nächsten Bände hinweg erleben wir viele Abenteuer mit ihr. Insbesondere wenn es um vermisste Kinder geht, ist Toby Ansprechperson Nummer 1 im Feenreich. Doch als roten Faden durch alle Bände zieht sich die Frage, was genau dazu geführt hat, das sie 14 Jahre zum Dasein eines Goldfisches gezwungen hat und was in diesen 14 Jahren im Feenreich so alles passiert ist, wie eine wahnsinnige Königin, die es nun immer wieder zu überleben gilt, und die Suche nach demjenigen, der sie in einen Fisch verwandelt hat - und ihr damit alles genommen hat, was ihr wichtig war.
Als Halbling hat sie zwar im Vergleich zu Vollbluten nur geringe Kräfte, aber dafür ist sie die Tochter der einzigen Überlebenden einer Feenart und somit die einzige, die gewisse sehr nützliche Kräfte besitzt, Halbling oder nicht. Gut, das lernen wir alles Stück für Stück und ja, mit der Zeit erlangt Toby auch mehr Kräfte, aber sie bleibt eine Halbsterbliche mit anderen Prioritäten als die Vollblüter, die sich um so was wie Zeit kaum Gedanken machen müssen. Was vielleicht Tobys grösste Stärke ist.
Und sie ist unleugbar eine Heldin. In den ersten paar Bänden kämpft sie dagegen zwar noch an, aber sie muss recht schnell erkennen, dass es nicht hilft, es zu leugnen. Sie ist eine Heldin, Punkt. Mit allem Drum und Dran, was das bedeutet. Sprich vielen Freunden, die sich auf sie verlassen – und Feinden, die sie aus dem Weg haben wollen.

Was macht diese Reihe so besonders?

Wie so oft sind es vor allem die vielen soliden und ach so interessante Charaktere, die mich packen und in ihren Bann ziehen. Vor allem Toby natürlich, die in der Ich-Person ihre Abenteuer erzählt. Sie ist eine starke Frau. Wir lernen sie in einer schwierigen Zeit kennen, in der sie sich selbst verloren hat und vieles über ihre Abstammung noch gar nicht weiss. Verbittert und einsam ist sie. Doch mit der Suche nach dem Mörder ihrer Freundin findet sie Schritt für Schritt wieder zu sich selbst – einem neuen Selbst, in einer Welt die ihr zugleich vertraut aber auch fremd ist. Sie nimmt hin, was das Schicksal ihr bringt, auch ihre Rückschläge, und behält ihren Kopf dabei oben. Und nicht lange und sie findet auch eine neue Lebensfreude. Also nein, wir haben es nicht ständig mit der gleichen frustrierten Frau zu tun sondern erleben mit ihr eine deutliche und vor allen Dingen interessante Entwicklung mit.
Aber auch die Nebencharaktere sind allesamt liebevoll ausgearbeitet und als Leserin kann ich nicht erwarten, mehr über jeden einzelnen von ihnen zu erfahren. Wovon es einiges zu erfahren gibt – und Toby eine zunehmende Anzahl an Freunden (und Feinden) hat.
Doch genauso ein wichtiger Grund, warum sich diese Serie wirklich sehr lohnt, ist Tobys Welt. Ich hatte schon einigen Kontakt mit der Feenwelt in der Literatur und McGuires Version ist für mich bislang mit grossem Abstand die bezauberndste. Sie ist reich an Details, sehr umfangreich, sehr gut durchdacht und eine spannende Mischung zwischen den allgemein 'bekannten Tatsachen' über das Feenreich und eigenem Weltenbau. Und so lese ich diese Bücher genau so gern wegen dieser Welt, von der ich mehr und mehr kennen lernen will, wie wegen den tollen Charakteren oder den (meist) spannenden Abenteuern.
Schlussendlich darf ich aber auch nicht die Sprache vergessen. Ach, die herrliche Sprache! So bildreich, ohne sich in langweiligen Beschreibungen zu verlieren wie bei so vielen anderen, so perfekt, die einzelnen Charaktere und ihre Eigenschaften zu porträtieren und ausserdem schafft McGuire es immer wieder, mich selbst im düstersten Teil wieder zum Lachen oder Staunen zu bringen.
Wobei ich wahrscheinlich noch anmerken muss, dass ich die Reihe nur auf Englisch gelesen habe. Erstens sind, glaube ich, nur gerade 3 der bislang 7 erschienenen Bände (von bislang 10 geplanten Bänden) ins Deutsche übersetzt worden und selbst wenn das nicht so wäre – sorry Leute, Übersetzungen tue ich mir schon lange nicht mehr an. Und gerade bei Büchern wie diesen – echt, geht und lest sie auf Englisch. Ihr werdet es kaum bereuen, eher im Gegenteil.
 
Die Reihe

Band 1: Rosemary and Rue (Winterfluch)
Band 2: A Local Habitation (Nebelbann)
Band 3: An Artificial Light (Nachtmahr)
Band 4: Late Eclipses
Band 5: One Salt Sea
Band 6: Ashes of Honor
Band 7: The Chimes at Midnight
Band 8: The Winter Long (erscheint September 2014)
Band 9: A Red-Rose Chain (geplant für September 2015)
Band 10: Once Broken Faith (geplant für September 2016)[/b]

Auf Inhaltsangaben verzichte ich hier jetzt, das könnt ihr auch direkt auf McGuires Homepage nachlesen – wo es auch Leseproben gibt.

Am besten gefallen haben mir bislang die zwei letzten Bände 6 und 7. Hauptsächlich weil Toby in denen endlich mit dem Mann zusammen kommt, mit dem ich sie schon seit Rosemary and Rue zusammen haben will. Aber nicht nur deswegen. Auch von den Handlungen her finde ich sie besonders spannend, weil sie in Band 6 in viele Gebiete im Feenreich vordringen, die von Oberon schon vor Jahrhunderten verschlossen wurden, aber dabei auch einige politische Steine in ihrem Weg zu überwinden haben.
Eigentlich auch schon in Band 5, weil hier tauchen wir in die Bucht von San Francisco hinunter, um das maritime Feenland Undersea zu besuchen, mit ganz neuen Clans und Feenarten.
Und in Band 7 gibt es eine Revolution, die Toby anführt, also viel politisches Gerangel in dem Band, was nach all den einzelnen Fällen vor allem in den ersten Bänden erfrischend ist. Und da es hier zu grossen Veränderungen in der Welt von Toby kommt, bin ich sehr gespannt, wie es jetzt dann weiter geht.

Am wenigsten gefallen hat mir Band 2. Wie so oft in Reihen ist er auch hier eindeutig der schwächste Band. Was nicht heisst, dass er nicht gut ist. Im Gegenteil, v.a. wenn man sie schön brav in der Reihe liest (was ich unbedingt empfehle). Aber im Vergleich mit dem Rest fällt er ab, weil viele der geliebten Charaktere nicht oder kaum vorkommen und auch der Fall jetzt nicht gerade berauschend ist. Aber sie knüpft da wichtige Kontakte für später – und vor allem erfahren wir hier einige wichtige Schlüsselelemente. Deren Auflösung erste später kommt, aber trotzdem. Es zeigt jedenfalls, wie viel Mühe McGuire sich gibt, brav immer wieder Seeds auszustreuen, durch alle Bände hinweg. Einige Fragen klären sich, neue tauchen auf – und auf einige Antworten warte ich noch.
Aber die letzten 7 Bände geben mir das Vertrauen, dass sie mich nicht enttäuschen wird – was leider bei Reihen durchaus öfters vorkommen kann.

Die Charaktere

Wie gesagt, es hat viele wiederkehrende Charaktere in dieser Reihe, die bei mir allesamt von 'mag ich sehr gerne' bis 'liebe ich' variieren. Ich beschränke mich hier nur auf die wichtigsten – und nur auf die Guten. Antagonistische gibt es zwar einige, auch gute, aber bislang sind sie eher entweder die grossen pro Abenteuer oder Handlanger von jemanden mit einem Endspiel, das wir aber noch nicht kennen und von ihm bislang auch nur einige wenige Hinweise hie und da haben aufschnappen können. Und ja, ich bin sehr neugierig.
Tja, und von Toby habe ich wohl oben bereits genug erzählt. Sie lasse ich hier also auch weg. Somit bleiben noch:
Tybalt
Er ist der König des unabhängigen lokalen Court of Cats. Zu Beginn der Serie entpuppt er sich für Toby als unerwarteter Verbündeter. Unerwartet deswegen, weil sie, bis sie ihn um Hilfe bittet, Tybalt eher zu ihren Feinden gezählt hatte. Das ändert sich aber schnell und er wird zu einem ihrer wichtigsten Verbündeten und ein Freund. Tja, und wer hätte es gedacht – er kommt ab Band 6 dann auch mit ihr zusammen. Sehr zu meiner Freunde.

Sylvester
Er ist Tobys Lord und ihr ein wenig auch ein Vater. Sie verehrt, respektiert und liebt ihn, selbst wenn sie von ihm einige Male enttäuscht wird. Aber er unterstützt sie und beschützt sie so gut er kann. Nach meinem Geschmack kommt er ehrlich gesagt etwas zu kurz. Er ist ein interessanter Charakter, leider erfahren wir verhältnismässig aber nur wenig über ihn.

Quentin
Er ist ein blindes (Eltern bleiben geheim, nicht sehbehindert) Pflegekind und Page an Sylvesters Hof, der sich Toby als seine persönliche Heldin und Mentorin aussucht. Sehr gegen ihren Willen. Aber wie so oft bei Teenagern kriegt er seinen Willen und wird in Buch 5 offiziell ihr Knappe. Aber auch vorher hilft er ihr schon tüchtig bei ihren Abenteuern und ist nach Toby und Tybalt auch einer der am häufigsten auftretenden Charaktere. Über seinen Hintergrund erfahren wir lange nur sehr wenig, bis zum Band 7, wo er endlich verrät, wer seine Eltern sind. Bin gespannt, wie es mit ihm weitergeht.

Luidaeg
Oder auch als Seehexe bekannt. Sie entpuppt sich als eine der Ersten, die Tochter von Oberon und Maeve selbst. Ja, sie ist eine mächtige und furchteinflössende Figur. Aber nur, wenn sie einen nicht mag. Toby mag sie – und so ist sie wohl Tobys wichtigste Verbündete, die ihr fleissig so viel hilft wie sie kann.

Mia
Sie ist Tobys Fetch – eine personifizierte Botin des Todes, die ausgewählten Helden erscheint, um ihnen ihr bevorstehendes Ende zu verkünden und sie in den Tod zu begleiten. Sie taucht in Band 3 auf – in Tobys Gestalt, mit ihren Erinnerungen. Doch irgendwie entgehen die beiden dem ihnen vorgesehenen Schicksal und sie beide leben. Bis dahin so ungehört im Feenreich. Und Totenreich. Sie lebt fortan als ihre 'Zwillingsschwester' bei Toby und hält ihr auch den Rücken frei.

Connor
Er ist ein nobler Selkie aus Undersea und Tobys Jugendliebe. Zwischen ihnen hat es schon immer geknistert, aber seine Eltern haben keine Beziehung von ihm mit einem Halbling akzeptiert, was sie in die Arme ihres sterblichen Freundes getrieben hat. Und nach ihrer Rückkehr aus dem Fischteich ist er mit Sylvesters Tochter (unglücklich) verheiratet. Doch es knistert weiterhin und nachdem sich seine Frau als mörderische Verrückte erweist und er sich von ihr trennt, geben die beiden einer Beziehung endlich eine Chance. Die abrupt in Band 5 mit Connors Tod endet.



Okay, das war es. Ich habe die 7 Bände verschlungen und viele Szenen gleich mehrmals gelesen, so gut waren sie. Ach was, insgesamt war das sicher mehr als die Hälfte der Bände, die ich auf die Art gleich 3-4x in einem Rutsch gelesen habe. Trotzdem freue ich mich schon jetzt aufs Wiederlesen, vermutlich dann im September, wenn endlich der nächste Band erscheint (und wo ich mich hier dann sicher wieder melde). Oder sonst spätestens nächstes Jahr für Band 9. So gut ist die Serie, dass ich nicht genug von ihr kriegen kann und eigentlich gleich jetzt am liebsten wieder bei Band 1 beginnen möchte.

Und ich kann nur hoffen, dass durch diese Empfehlung hier auch sonst noch ein paar deutschsprachige Leser diese wunderbare Welt von October Daye entdecken.

Das Leben ist kurz - der Tod ist ewig.
Lynwood

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