24 July 2026, 00:12:12

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virtueller Schreibratgeber / Re: Schreiben lernen - Handwerk polieren
« Letzter Beitrag von diffusSchall am 25 March 2025, 14:42:58 »
Ich finde, dass es beim Lesen oft zu merken ist, ob die Welt im Kopf der schreibenden Person aus mehr bestand als aus dem, was dort steht. Das gibt dem Ganzen oft eine schöne Tiefe.

Das gilt ja auch für die Figurenzeichnung: Eine Figur, die ich als Autor komplett verstanden und verinnerlicht habe, läuft mir doch ganz anders, viel konsistenter, von der Feder, als eine, von der ich nur ein Plakat im Kopf habe.
Es gibt ja einige Autoren, die erschaffen grundsätzlich komplette Vitae und Psychogramme ihrer Hauptfiguren. Die Krimiautorin Elizabeth George fällt mir dazu ein.
Sich die Mühe zu machen, ist sicherlich nicht die dümmste Herangehensweise, an alle Aspekte des Weltenbaus.

LieGrü - diffusSchall
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Federfutter / Re: Was lest ihr gerade? ab 2018
« Letzter Beitrag von diffusSchall am 25 March 2025, 14:27:23 »
Edwin A. Abbott - Flächenland

Ein Gruß aus der Zweidimensionalität, alles andere als eindimensional erzählt.
Das Buch ist Ende des 19. Jahrhunderts entstanden und zählt zu den frühen Werken der Science Fiction. Ein Quadrat bringt uns die Welt der 2. Dimension und deren Lebensformen und Gesellschaft nahe und berichtet von seinen Besuchen im Linien- und Raumland.
Sehr fantasiereich, auch lehrreich und tatsächlich unterhaltsam. Ich finde, mehr, als nur eine Kuriosität, aus der Sicht von uns Weltenbauern.
Der Text ist natürlich ein Kind seiner Zeit und muss so gelesen werden. Er spiegelt das Klassendenken und die Geschlechterrollen des viktorianischen Zeitalters, versteht sich genau da aber auch als zeitgenössische Satire.

Cheers - diffusSchall
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Höllenfenster / Re: Gonzos Seelenreise - Überarbeitet
« Letzter Beitrag von The_Reptilian am 10 March 2025, 15:24:22 »
Hi Mimesis und Haru,

ich hatte vergessen, den Haken auf "automatisch benachrichtigen" zu setzen, weswegen ich glaubte, dass niemand aus diesem Forum auf den Text reagiert. Nun ist es mir doch noch aufgefallen.

Wow, ihr habt ja echt viel geröstet, besonders Mimesis und ich muss gestehen, dass diese Überarbeitung etwas schnell gepostet wurde. Ich bin schon länger in diesem Forum und hätte vieles auch wissen müssen, sorry dafür. Allerdings ist Mimesis´Röstung sehr ausführlich und ich habe Fragen:
- Der nüchterne Stil wird als das Betrachten auf die Figur, also auktorial, wahrgenommen. Hm. Ich habe den ersten Absatz jetzt im erzählerischen Stil umgeschrieben, bzw. in das, was ich dafür halte, und habe weitere Elemente eingefügt:

"Professor Gonzo Spejbl, der Goblin, trug einen weißen Kittel und er war über die Notizen auf seinem Schreibtisch gebeugt, die im fahlen Glühbirnenlicht der Stollenanlage gerade noch entzifferbar waren. Er wusste, dass er lange kein Sonnenlicht mehr gesehen hatte und sah in der Reflektion der schwarzen Schreibtischlampe, das seine grüne Haut verblasst war. Die Augen hatten dunkle Lider, seine weißen Haarsträhnen verdeckten halb die eingefallenen Wangen. Während er eine Notiz in seiner Pranke hielt, konnte er die Träne nicht unterdrücken, die von seiner linken Wange rollte. Er hatte im Krieg gegen die Elfen all seine Freunde verloren. Das wussten auch die Soldaten, die auf beiden Seiten der Tür Position bezogen hatten, um die Gefangene zu bewachen, aber auch sein Assistent Squig. Sie waren alle vereint, um diesen Krieg mit der neuen Wunderwaffe zu beenden. Der Raum wurde von der feindlichen Artillerie zum Beben gebracht, in der Luft hing ein Schwefelgeruch, doch Gonzo machte weiter. Er beruhigte sich mit einer Pfeife, die Lavendelduft verströmte.
«Sind die Elektroden bereit?», knarrte der Professor Squig an. ... "

Werden in der Szene die Emotionen der Goblins gut gezeigt, ist es erzählerisch? Kann aber sein, dass es hier wieder Infodump gibt. Ich bin auch wieder in die Version zurückgesprungen, wo die Goblins sich gegen die (später erwähnte) Versklavung durch die Elfen wehren (was zu den Krieg führt). Im Untergrund hatte dann Gonzo die Zeit, unterstützt von neutralen Wesen, um an der Seelenmaschine zu forschen.

Auch zum folgenden Absatz hat Mimesis noch was geschrieben, aber, ich denke, es gibt mit diesem ersten Absatz genug zu tun.

Sonst bin ich in einer überarbeiteten Geschichte auf weitere Punkte und Harus Röstung eingegangen, die aber erst gepostet wird, wenn der erste Absatz stimmt. Ich will mir auch mehr Zeit lassen, um dieses Forum nicht unnötig zu fordern.

- Was wäre so eine Andeutung, die dem Leser nicht alles vorkaut?


Liebe Grüße, Max
 
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Höllenfenster / Re: Gonzos Seelenreise - Überarbeitet
« Letzter Beitrag von Haru am 28 February 2025, 13:00:13 »
Hi,

ich finde, dass du einige der Kritikpunkte aus der ersten Fassung sehr ernst genommen und daran gearbeitet hast. Besonders die Szene mit dem Körpertausch wirkt jetzt strukturierter und nachvollziehbarer. Die Übergänge sind flüssiger, und die Idee mit dem Immaterium ist nach wie vor spannend. Der Kristall als Medium für die Seelenübertragung bleibt ein starkes Bild, und durch die technischen Details bekommt das Ganze einen Hauch von Pseudowissenschaft, das passt ganz gut in die Atmosphäre.

Besonders gut gefallen hat mir die Szene nach Gonzos Erwachen, wenn er sich erstmals bewusst wird, dass er nun im Körper der Elfe steckt. Sein Zögern, seine Faszination für seinen neuen Körper – das kommt jetzt viel besser rüber als in der ersten Version. Diese Zeile zum Beispiel:

Zitat
Er richtete seinen Oberkörper auf und fasste sich an seine Brust. Ooo … oha, er hatte nicht geträumt. Wahnsinn! Sein Herz pochte ihm bis zum Hals und er atmete tief ein und aus, um sich zu beruhigen.

Hier merkt man seine innere Unruhe, aber auch eine unterschwellige Faszination. Das ist ein großer Fortschritt gegenüber der alten Version, in der er das Ganze eher beiläufig abgehakt hat.

Was mir noch nicht ganz schlüssig erscheint, ist Gonzos Wandlung. Du hast in der Überarbeitung klargemacht, dass er seinen Hass auf die Elfen zu überwinden versucht, aber letztlich scheitert, das ist eine interessante Entwicklung. Allerdings passiert das sehr schnell. Anfangs ist er noch davon überzeugt, als Spion zu agieren und für seine Leute zu kämpfen, dann fühlt er sich plötzlich in seinem neuen Körper wohl, und dann tötet er am Ende Eledoan, um seinen Plan weiterzuführen. Das ist ein guter Twist, aber es wäre noch stärker, wenn man diesen inneren Konflikt ausführlicher spüren könnte. Ein Moment, in dem er wirklich mit sich ringt, verstärkt das vielleicht.

Ein Beispiel, wo du das vielleicht noch stärker machen könntest:

Zitat
Wie er langfristig mit diesem Leben klarkommen würde, wusste er nicht. Er sah in den Raum. Wer war das? Auf der Bettkante saß der männliche Elf, der über seinen rechten Arm streicheln wollte.

Hier könntest du mehr von Gonzos innerer Zerrissenheit zeigen: Ist er noch der alte Gonzo? Will er überhaupt wieder zurück, oder gefällt ihm sein neues Dasein mehr, als er sich eingestehen will? Sein erster Instinkt ist, zurückzuzucken, aber dann bleibt er doch. Das könnte noch mehr Raum bekommen.

Die Szene mit der Konferenz ist ebenfalls eine spannende Entwicklung. Besonders die Art, wie Gonzo versucht, sich in die Elfenwelt einzufügen, ist ein interessanter Aspekt. Der letzte Satz, dass Gobol „vorerst“ gerettet ist, hinterlässt eine gewisse Ambivalenz – was als Nächstes passiert, bleibt offen, und das ist eine gute Entscheidung für das Ende.

Insgesamt ist die Überarbeitung auf jeden Fall eine Verbesserung. Die Geschichte hat jetzt mehr Struktur, Gonzos Motive sind klarer, und die Körpertausch-Thematik ist nachvollziehbarer umgesetzt. Wenn du noch ein bisschen mehr Fokus auf seinen inneren Konflikt legst, könnte das Ganze noch packender werden.

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Federfutter / Re: Was lest ihr gerade? ab 2018
« Letzter Beitrag von merin am 26 February 2025, 20:48:55 »
Oh, Han Kang zu lesen, habe ich mir auch vorgenommen. Aber noch nicht mal ein Buch gekauft.

Ich habe gerade "Von wo wir kommen werden" von Kes Otter Lieffe abgebrochen. Ich wollte dieses Buch wirklich mögen, aber es wirkt auf mich sprachlich unglaublich holprig und inhaltlich zu brutal. Außerdem kann ich mich mit den Figuren null verbinden.
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virtueller Schreibratgeber / Re: Schreiben lernen - Handwerk polieren
« Letzter Beitrag von merin am 26 February 2025, 20:42:35 »
Ich stimme dir völlig zu. Ich finde, dass es beim Lesen oft zu merken ist, ob die Welt im Kopf der schreibenden Person aus mehr bestand als aus dem, was dort steht. Das gibt dem Ganzen oft eine schöne Tiefe.
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Federfutter / Re: Was lest ihr gerade? ab 2018
« Letzter Beitrag von Mimesis am 26 February 2025, 18:49:04 »
Ich lese gerade "We Do Not Part" von Han Kang. Der Roman wurde mir auf Englisch zu Weihnachten geschenkt. Und mir geht's damit wie mit allem, was Han Kang schreibt: Ich kann nicht aufhören zu lesen und zugleich muss ich, weil mich ihre Art zu schreiben unglaublich inspiriert. Also lese ich ein bisschen, bin begeistert, und stürze mich dann auf die nächstbeste Schreibgelegenheit, um selbst etwas zu verfassen. Wie sie das bei mir auslöst, habe ich noch nicht herausgefunden. Nur, dass da im Subtext irgendetwas lauert, vielleicht die zutiefst empathische Grundhaltung, mit der sie über Menschen und Erlebtes schreibt. Jedenfalls: ganz, ganz große Empfehlung. Eine meiner aktuellen Lieblingsautorinnen.
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virtueller Schreibratgeber / Re: Schreiben lernen - Handwerk polieren
« Letzter Beitrag von Mimesis am 26 February 2025, 17:39:47 »
Ich möchte mich ebenfalls für deine Zusammenfassungen und Reflexionen bedanken, merin. Du bringst vielschichtige Gedanken ein.

Beim Thema "Weltenbau" stimme ich den Podcastern übrigens nicht ganz zu: Für das Werk sind am Ende nur die zentralen Elemente wichtig, das stimmt. Ich würde aber argumentieren, dass wir Autor:innen beim Weltenbasteln selbst auch von den Verzierungen profitieren.

Ich bastel ja keine Fantasy-/SciFi-Welten, aber auch Realwelt-Settings verlangen einen sorgfältigen Aufbau. Beispielsweise habe ich für mein aktuelles Projekt eine Jahrzehnte überspannende Liste von Schulklassen erstellt. Aus Podcast-Sicht wahrscheinlich größtenteils Verzierung, da die ganzen Kinder, die ich mir dafür ausgedacht habe, nie eine Rolle in der Geschichte selbst spielen werden, auch ihre Familien nicht. Aber für mich war es sehr wichtig, diese Liste zu entwickeln, weil ich darüber die soziale Dynamik in dem Ort, über den ich schreibe, durchblicken und weiterentwickeln konnte.
Das heißt: Manchmal führt der Weg zum Zentrum über die Verzierung.
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Höllenfenster / Re: Gonzos Seelenreise - Überarbeitet
« Letzter Beitrag von Mimesis am 26 February 2025, 17:19:13 »
Hallo The_Reptilian!

Wir hatten noch nicht das Vergnügen und ich habe die ursprüngliche Version deiner Geschichte knapp verpasst. Ich stürze mich also vollkommen unbedarft auf deinen Text, was bei einer Überarbeitung sicher hilfreich ist.

- Ich versuche, gezielt die Wandlung des Hauptcharakters zu zeigen, also dass er den Hass auf die Elfen, die ihm anfangs durch seine Lebensgeschichte widerfahren war hatte, überwinden will, aber dann scheitert. Ist mir das gelungen?
Nein, finde ich nicht.

Zitat
- Ist euch der Hauptcharakter sympathisch?
Nein. Sympathie hat viel mit Identifikation und Mitleiden zu tun: das heißt, kann ich mich in den Konflikt der Figur einfühlen, werden mir ihre Gefühle und Motivationen glaubhaft verkauft und kann ich darin Parallelen zu meinem eigenen Erleben entdecken?
Professor Gonzo bleibt mir als Leserin an vielen Stellen fern. Ich bekomme eher eine analytische Sicht auf ihn. Das kann Interesse wecken, wenn es packend geschrieben ist, aber Sympathie kommt auf diese Weise weniger auf.

Zitat
- Hat der Text jetzt mehr mit LGBTQ* zu tun?
Der Text greift durch den Körperwechsel eine LGBTQ*-verwandte-Thematik auf, aber Gonzo durchläuft eigentlich keinen Konflikt mit seiner Geschlechtsidentität. Was für LGBTQ* die Grundvoraussetzung wäre.

Zitat
- Was fällt euch noch so auf?
Du hast ein interessantes Setting und interessante Grundideen. Aber die Umsetzung hapert gewaltig.

Was folgt, sind mehr analytische Gedanken als Kritik. Vielleicht helfen dir diese, deinen Text mit anderen (meinen) Augen zu sehen.

Zitat
Professor Gonzo Spejbl, der Goblin, trug einen weißen Kittel und er war fieberhaft über die vielen Notizen auf seinem Schreibtisch gebeugt, die im fahlen Glühbirnenlicht des Bunkers gerade noch entzifferbar waren. Seine grüne Haut war verblasst und die Augen hatten dunkle Lider, seine weißen Haarsträhnen verdeckten halb die eingefallenen Wangen. Der Raum wurde von einer fernen Explosion leicht zum Beben gebracht, die Luft roch nach Schwefel, doch Gonzo machte unbeirrt weiter, er zündete sich sogar noch eine Pfeife an, die einen aromatischeren Duft verströmte.
Ich begegne der Haupt- und Perspektivfigur. Was ich erfahre: männlich, Goblin, Arzt, arbeitet offenbar hart, schlechte Austattung der Umgebung (die Glühbirne), Militärbezug. Also ein Militärarzt in einem Fantasy-SciFi-Setting. Er wird mir als alt beschrieben. Die Umgebung ist nicht sicher, aber seine Mission ist Gonzo so wichtig, dass er trotz Gefahr weitermacht und damit gelassen umgeht.
Persönliche Meinung: Zu wenig gradlinig, teils verwirrend/widersprüchlich erzählt - fieberhaftes Durchsehen der Notizen (wie "starrt" man fieberhaft?) vs. Gelassenheit. Die Pfeife wirkt hier nicht als Versuch der Selbstberuhigung durch die Formulierung: "zündete sich sogar noch" - das vermittelt eine gegensätzliche Haltung zum eigentlich nervenaufreibenden Kontext (Explosion).
Stilistisch beginnt das Ganze wie ein Bericht, dabei allerdings nicht fokussiert, und bricht dann zu einem atmosphärischen, teilweise sinnlichen Erzählstil. Der Text schweift in Nebensächlichkeiten ab, verwendet ungeschickte, teils paradoxe Formulierungen. Beide Stile könnten ihren Reiz haben: Bericht betont das Militärische, ermöglicht eine nüchterne Außensicht auf die Figur und die Situation, während ein erzählerischer Stil mehr ins Geschehen eintaucht. Du hast hier aber keine klare Entscheidung getroffen.
Die Erzählhaltung wirkt auktorial. Wir blicken von außen auf die Hauptfigur, statt sie von innen heraus zu erleben.

Zitat
Während er eine Notiz in seine Pranke nahm, schielte er nach links, zu den Soldaten, die auf beiden Seiten der Tür Position bezogen hatten, um die Gefangene zu bewachen. Dann sah er nach rechts, zu seinem krummbuckligen Assistenten Squig. Sie sahen sich seit mindestens einem Jahr einer neuen Gefahr aus dem All gegenüber: Arroganten Elfen. Seit vor zwei Wochen Goblins eine Elfe gefangen genommen hatten, gab es Krieg.
«Sind die Elektroden bereit?», knarrte der Professor Squig an.
Hier erfolgt für mich der erste verwirrende Bruch. Das Setting wurde bislang als Bunker bezeichnet. Damit verbinde ich einen Schutzraum, keine Militärstation an sich oder gar ein Kriegs-/Gefangenenlager. Entsprechend der Beschreibung im ersten Absatz hatte ich angenommen, der Professor befände sich allein im Raum und würde hochkonzentriert arbeiten. Wo spielt der Text wirklich?
Inhaltlich drückt dieser Absatz aus: Der Professor betrachtet seine Umgebung - ist also abgelenkt von den Notizen und arbeitet wohl doch nicht so fieberhaft - und nimmt dabei Personen wahr, die ihn umgeben und ihm eigentlich bereits vertraut sein dürften. Anschließend erfahre ich etwas über seine Haltung gegenüber Elfen im Allgemeinen (arrogant), sie vertreten hier offenbar die gegnerische Seite. Wir befinden uns im Krieg, ausgelöst durch die Gefangennahme einer Elfe. Das mutet auf mich seltsam an: wurde sie im Zuge von Kriegshandlungen gefangen genommen? Danach klingt es, wenn sie einfach nur als "Elfe" bezeichnet wird. Oder gab es einen anderen Grund, ist sie z. B. eine höhergestellte Persönlichkeit? Das würde den Krieg erklären. Dass die Elfen allein wegen irgendeiner gefangengenommenen Elfe gleich einen ganzen Krieg ausbrechen lassen, erscheint mir unrealistisch.

Zitat
Der Angesprochene nickte und machte eine Handbewegung in den Raum. Gonzo drehte sich mit dem Bürostuhl auf die andere Seite und blickte der gefesselten Elfe geradewegs in ihr blasses Gesicht, auf deren Kopf die Elektroden befestigt waren. Gonzo war bislang immer ein objektives Wesen, ein Doktor der Neurologie, aber wenn er ihr in die blauen Augen sah, war er verzweifelt. Er kramte gedanklich in seinem Elfisch-Wortschatz. «Junge Frau, ich kenne immer noch nicht Ihren Namen. Ich weiß aber, dass Sie vor zwei Wochen mit Ihrem Raumschiff in einen Markt stürzten, weswegen wir fünf Opfer unser Eigen nennen müssen. Warum taten Sie das?»
Die Elektroden sind ein spannendes Element. Ich frage mich sofort, was sie bedeuten. Sollen ihre Gehirnströme analysiert werden? Geht es um ein Experiment? Warum Gonzo beim Anblick der Elfin verzweifelt wird, erschließt sich mir nicht. Hat er Mitgefühl mit ihr? Das widerspricht der gesamten Konstellation. Der Professor spricht anscheinend Elfisch, aber nicht sehr gut, sonst müsste er nicht "in seinem Wortschatz kramen". Hier erfahre ich übrigens, dass die Goblins nicht mal wissen, wen sie gefangen genommen haben. Das macht das Kriegsszenario noch unglaubhafter. Die Goblins hingegen scheinen viel mehr Grund zu haben, einen Krieg zu erklären, womöglich sehen sie sich als Opfer eines Terroranschlags?
(Anmerkung: Ich habe noch mal nachgelesen. Da steht nicht explizit, dass die Elfen den Krieg erklärt hätten. Impizit wirkt es durch die Formulierung aber so.)

Zitat
«Ich hatte ein Problem mit der Steuerung. Ich musste notlanden.»
«Lügt sie dir was vor?», fragte Squig.
Die Elfe sah Gonzo an: «Was meinte er?»
Der Professor übersetzte. «Er meint, dass Sie lügen, Frau Elfe.“
«Aber, ich lüg´ doch gar nicht!» Ihr kam eine Träne.
Squig deutete mit seiner Zeigeklaue auf sie. «Für euch sind wir doch nur rückständige und hässliche Trottel. Gib´s doch zu!»
Dieser Dialog erschließt sich mir nur halb. Inhaltlich verstehe ich ihn: Die Elfe erklärt ihre Unschuld, sie habe nur notlanden wollen. Squig glaubt ihre nicht. Es gibt zudem ein Verständnisproblem - die Elfe versteht Squigs Sprache nicht. Der Professor agiert passiv als Dolmetscher. Warum führt Squig das Gespräch, wo er doch der Assistent des Professors ist, und nicht der Professor selbst, der doch immerhin gerade noch aktiv in seinem Wortschatz gegraben hatte? Zumal Squig offensichtlich kein Elfisch kann.

Zitat
Gonzo wusste, dass für andere Rassen Morde an Goblins auch immer nur ein Versehen war. Die Berge an radioaktivem Weltraumschrott auf der Planetenoberfläche sprachen Bände. Er nickte Squig zustimmend zu. Sie machte den Mund auf, doch Gonzo kam ihr zuvor. «Ich will nix mehr hören!»
Gonzo ist misstrauisch gegenüber der Elfe, weil Goblins von anderen "Rassen" als nicht gleichwertig, sondern als "Kollateralschaden" angesehen werden. Inhaltlich wird hier der Hass der Goblins auf die anderen "Rassen" (beispielsweise Elfen) thematisiert, auch der Vorwurf der Arroganz an Elfen klärt sich jetzt. Der Professor agiert zunächst zurückhaltend, vermittelt seinem Assistenten Zustimmung - als wüsste dieser noch nicht, dass sein Chef so denkt. Dann brechen seine Gefühle aus ihm hervor und er herrscht die Elfe an.

Zitat
Wieder gab es eine Erschütterung. Gonzo schmunzelte. «Und glaub´ bloß nicht, dass deine Leute dich hier rausholen können. Da müssten sie den ganzen Berg wegsprengen!»
Hier frage ich mich, woher die Erschütterungen kommen bzw. was sie bedeuten? Wer oder was löst sie aus? Scheinen ja keine Angriffe von außen zu sein, sonst würde Gonzo nicht schmunzeln. Er fühlt sich der Elfe überlegen. Ich erhalte außerdem einen weiteren Hinweis auf das Setting: Wir scheinen uns unter dem Schrotthaufen zu befinden, den andere "Rassen" auf dem Planeten hinterlassen haben während fortwährender "versehentlicher" Angriffe auf Goblins.

Zitat
Sein Blick folgte den Kabeln an ihren Elektroden, die an der Decke aufgehangen waren und hinter ihrem Stuhlblech weiter in einem schrankgroßen Kasten führten. Durch das Fenster im Kasten schimmerte ein eiförmiger Kristall in Regenbogenfarben. Daran angeschlossen war eine andere Elektronenhaube, die auf einem weiteren Stuhl ausgebreitet lag.
Squig räusperte sich: «Herr Professor, sind sie sich wirklich sicher, dass es funktioniert?» 
Er blickte zu seinen Notizen zurück. «Es müsste funktionieren. Es ist ein Kristall, den ich aus ihrem Raumschiff geborgen habe. Ich habe die Bedienungsanleitung gelesen.»
«Können Sie Elfisch, Herr Professor?»
«Ich habe mir Elfisch selbst beigebracht. Daher weiß ich, dass dieser Stein bei langen Weltraumreisen für Abkürzungen über das sogenannte Immaterium gedacht ist. Das Immaterium aber ist nicht nur dafür gut ...» Gonzo paffte an seiner Pfeife besonders oft, wonach viel Rauch verströmte. « ... Das Immaterium ist das spirituelle Reich, wo sich die Seelen aufhalten, wo Himmel und Hölle existieren sollen. Jedes Wesen, das eine Seele hat, soll auch zu Lebzeiten mit dem Immaterium verbunden sein und dieser Stein stellt diese Verbindung zum Immaterium her.»
Persönliche Meinung: Die Idee mit dem Regenbogenkristall, den Elektroden und dem Immaterium finde ich sehr interessant. Für mich ist das bislang die einzige fesselnde Komponente am Text: Es wirkt eigenwillig und kreativ, das macht mich neugierig. Auch das Set-up mit der zweiten Elektrodenhaube auf dem Stuhl wirkt spannend. Worum geht es hier? Im Blick auf den gesamten Text wird hier der "Körpertausch" vorbereitet.
Inhaltlich ist der Text wieder verwirrend strukturiert: Die Beschreibung des Kristalls wirkt sehr flüssig, zieht rein. Beim Gespräch verstehe ich nicht, weshalb Squig nicht weiß, dass der Professor Elfisch kann - er hat es doch soeben demonstriert? Es wirkt, als wären die beiden nicht durch mehrmonatige oder -jährige Arbeit miteinander verbunden. Was in sich einen Logikbruch darstellt.
Dass der Professor sich auf ein solch waghalsiges Experiment einlässt, bloß weil er eine Bedienungsanleitung gelesen hat, wirkt undurchdacht und wenig glaubhaft. Implizit bereitest du hier durchaus vor, dass es dem Professor um etwas ganz Persönliches geht (er will eigentlich im Körper einer jungen Frau/Elfe leben), die Emotionalität bereitet das vor. Andererseits würde sein Team das doch hinterfragen?! Der Professor selbst gibt sich mit seinem Paffen der Pfeife wieder betont gelassen. Das steht im Widerspruch zu der Aufregung, die er angesichts seines Vorhabens empfinden müsste. Wieder: Es wirkt stilistisch durch den Kontext nicht wie eine Selbstberuhigung!

Ich beende meine Analyse an dieser Stelle, weil ich denke, dass sie die Grundprobleme des Textes bereits zutage bringt.
Aus meiner Sicht ist der Text nicht sinnhaft strukturiert. Weder in seinem dramaturgischen Aufbau noch in der Art, wie er Informationen vermittelt. Die Sprache ist semantisch fehlerhaft (Beispiel: "Opfer zu Eigen nennen" - Opfer "gehören" niemandem; man verzeichnet sie, insbesondere in einem militärischen Kontext). Das Setting ist an sich spannend, aber lückenhaft umgesetzt. Die Figuren wirken undurchdacht und ihre Interaktion schwer nachvollziehbar bis unglaubwürdig, teilweise plakativ (die Elfe).

Profitieren könnte die Geschichte von einem emotionalen Einstieg, der den Konflikt des Professors in den Mittelpunkt stellt. Mach sein Ziel und seine Wünsche von Anfang an klar und bleib konsequent in seiner Perspektive. Wenn du nur mit Andeutungen arbeiten würdest, statt dem Leser sofort alles vorzukauen, könntest du auch auf persönlicher Ebene Spannung und Empathie und letztlich sogar Sympathie wecken.

Ich hoffe, das hilft dir weiter.
Wenn du Fragen hast, stell sie gerne. :)

Liebe Grüße,
Mimesis
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Höllenfenster / Re: Gonzos Seelenreise
« Letzter Beitrag von merin am 22 February 2025, 16:00:43 »
Da es einen neuen Thread dazu gibt, schließe ich hier.

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