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Höllenfenster / Gonzos Seelenreise
« Letzter Beitrag von The_Reptilian am 08 February 2025, 15:30:40 »
Hi,

ich dachte, ich melde mich wieder im Forum. Nun mit einer Geschichte über Goblins und Elfen. :hehe:

- Ich versuche, gezielt die Wandlung des Hauptcharakters zu zeigen, also dass er den Hass und die Intoleranz auf die Elfen, die ihm anfangs durch seine Lebensgeschichte widerfahren war hatte, im Laufe der Geschichte überwindet. Ist mir das gelungen?
- Ist euch der Hauptcharakter sympathisch?
- Hat der Text was mit LGBTQ* zu tun?
- Was fällt euch noch so auf?

Professor Gonzo Spejbl, der Goblin, trug einen weißen Kittel und er war fieberhaft über die vielen Notizen auf seinem Schreibtisch gebeugt, die im fahlen Glühbirnenlicht des Bunkers gerade noch entzifferbar waren. Seine grüne Haut war verblasst und die tief in den Höhlen liegenden Augen hatten dunkle Lider, die Wangen waren eingefallen und das lange, weiße Haar verstärkte den abgemagerten Eindruck noch. Der Raum wurde von einer fernen Explosion leicht zum beben gebracht, die Luft roch nach Schwefel, doch Gonzo machte unbeirrt weiter, er zündete sich sogar noch eine Pfeife an, die einen aromatischeren Duft verströmte.
Während er eine Notiz in seine Pranke nahm, um sie genauer im Licht zu betrachten, rollte von seiner linken Wange eine Träne. Er konnte während seiner Arbeit wieder mal seine Gefühle nicht unterdrücken. Er hatte im Krieg gegen die Elfen all seine Freunde verloren. Damit war er nicht alleine. Gonzo schielte nach links, zu den Wachen, die auf beiden Seiten der Tür Position bezogen hatten, um die Gefangene zu bewachen. Dann sah er nach rechts, zu seinem Assistenten Squig, der neben ihm an der Wand stand. Sie alle hatten Opfer zu beklagen. Sie gehörten den ca. zehntausend Goblins an, die im Hochgebirge ausharrten, wo sie dem Druck des Angreifers aus dem All standhielten. Was mit den Millionen Goblins passierte, die in den Tälern und der Hauptstadt Lenschingen des Planeten Gobol lebten, konnte man nur mutmaßen. Schon zu Beginn des Krieges wurden die Telegraphenleitungen gekappt. Es gab das Gerücht, das die arroganten Elfen die Goblins auslöschen wollen. Das war ihnen zuzutrauen. Was er tat, war nur richtig.
„Sind die Elektroden bereit?“, knarrte der Professor Squig an.
Der Angesprochene nickte und machte eine Handbewegung in den Raum. Gonzo drehte sich mit seinem Bürostuhl auf die andere Seite und blickte der gefesselten Elfe geradewegs in ihre blauen Augen und in ihr blasses Gesicht, auf deren Kopf die Elektroden befestigt waren. Gonzo war bislang immer ein objektives Wesen, ein Doktor der Neurologie, ein genügsamer Mediziner, aber wenn er ihr in die kalten Augen sah, war er verzweifelt.
Er kramte gedanklich in seinem Elfisch-Wortschatz. „Frau Elfe, ich kenne immer noch nicht Ihren Namen. Ich weiß aber, dass Sie mit Ihrem Flugobjekt eine Salve in einen Markt geschossen hatten, was zwanzig Opfer einbrachte. Können Sie mir endlich mal sagen, warum?"
Sie schwieg.
Er nahm einen tiefen Zug aus seiner Pfeife. "Fürst Obermeck könnte Sie verschonen."
Bei dem Wort "Fürst" verzog sie ihr Gesicht. Mochte sie Obermeck nicht? Gonzo überlegte: "Oder Fürst Ohnesorg?" Sie verzog schon wieder ihr Gesicht. Sonst schwieg sie.
Stand sie wirklich hinter ihren Kriegsverbrechen? Das wäre schade, weil sie sonst hübsch anzusehen war, mit ihren roten Zöpfen und der Wespentaille, welche von ihrer weißen Rüstung betont wurde.
Sie konnte nichts anderes als schweigen. Er war mit seinem Mitleid am Ende.

Sein Blick folgte den Kabeln an ihren Elektroden, die an der Decke aufgehangen waren und hinter ihrem blechernen Stuhl weiter in einem schrankgroßen Kasten führten. Durch das Fenster im Kasten schimmerte ein eiförmiger Kristall in Regenbogenfarben, der leicht durchlässig war. Daran angeschlossen war eine andere Elektronenhaube, die auf einem weiteren Stuhlblech ausgebreitet lag.
Squig räusperte sich: „Herr Professor, sind sie sich wirklich sicher, dass es funktioniert?“ 
Er blickte zu seinen Notizen zurück. „Theoretisch müsste es funktionieren. Praktische Erfahrung habe ich nicht, weil ich von den Elfen keine Antwort zur Funktionsweise bekommen hatte. Es ist nämlich ein Kristall, den ich aus einem ihrer Raumschiffwracks geborgen habe.“
„Dann hätten Sie vielleicht Elfisch sprechen müssen.“
„Ich hatte mir Elfisch selbst beigebracht, aber es half nichts. Ich musste dann über Umwege erfahren, für was dieser Stein gut war. Die Händler von den Menschen, die wussten Bescheid. Sie sagten mir, dass dieser Stein für die Schiffe der Elfen gedacht ist, um bei langen Weltraumreisen Abkürzungen über das sogenannte Immaterium zu nehmen. Das Immaterium aber ist nicht nur für Weltraumreisen gut..." Gonzo paffte an seiner Pfeife besonders oft, wonach viel Rauch verströmte. ".. Es ist das spirituelle Reich, wo sich die Seelen aufhalten, wo Himmel und Hölle existieren sollen. Jedes Wesen, das eine Seele hat, soll auch zu Lebzeiten mehr oder weniger bewusst mit dem Immaterium verbunden sein und dieser Stein stellt diese Verbindung zum Immaterium her.“
„Hm“, meinte Squig, „Da sind Sie ja Spezialist auf diesem Gebiet!“
„Genau!“ Der Professor setzte die andere Elektronenhaube auf und er brachte unter dem Kristallkasten eine brettartige Apparatur zum Vorschein, wo er Tasten drückte und an einem Knopf drehte. Er betrachtete die Ausschläge von Graphen mit pedantischer Genauigkeit: „Wenn ich also mit einem leichten Strom die Schwingungsfrequenz ihres Gehirns und meines Gehirns ermitteln kann und danach einen gesteuerten Impuls von 400 Volt losschicke, könnte meine Seele und somit auch mein Bewusstsein in ihren Kopf wandern. Ich nutze das Immaterium also als Seelenpfad.“
Squig war erschrocken und er ergriff das Wort: „Ich schätze eher, dass Sie und Ihre Probandin bei dieser Spannung geradewegs ins Totenreich wandern!“
Gonzo knallte mit der Faust auf den Tisch. „Es muss funktionieren! Ich muss in ihren Körper und ihn kontrollieren können. Ich werde euer bester Spion sein und hinter ihren Reihen die Artillerie sabotieren! Sogar die Kommandos mit den Hohlladungen werden ihr blaues Wunder erleben! Nur ich kann euer Leben retten!“
Squig zuckte zusammen. Bedrückendes Schweigen. War Gonzo sich wirklich der Risiken bewusst, oder ließ er sich, neben den Vorteilen als Spion, von seinen Rachegefühlen blenden? Er nahm einen tiefen Zug aus seiner Pfeife, weil er innerlich so aufgewühlt war. Er wusste, dass die Goblins von den anderen Wesen seit jeher als dumm und hässlich bezeichnet wurden, so dass er schon vor Jahren anfing, während der Besäufnisse am Stammtisch verrückte Gedanken zu hegen, wie, dass es doch schön wäre, kein Goblin mehr zu sein. Unter seinesgleichen konnte er sich so schön ausheulen und man war vereint. Nun waren die Goblins nahezu wehrlos gegen die Angreifer und er würde es mit Freude seinen Feinden heimzahlen. Er würde die Elfenfestung von innen öffnen, damit seine Kameraden für die Jahrzehnte an Vorurteilen Rache nehmen konnten. Wenn er unter den Elfen als Saboteur nicht auffliegen würde, könnte er in deren Gesellschaft uneingeschränkt die Technologie erforschen. Er würde das gewonnene Wissen heimlich seinem Kaiser zuspielen, damit sie daraus eine schlagkräftige Streitmacht aufbauen können. Der Sieg im Krieg gegen diese arroganten Elfen wäre möglich. Danach werde er wieder lachen und tanzen können und er würde ganz schnell neue Freunde finden. Es war ein Jammer, dass er sich nicht im Detail hatte auf die elfische Kultur vorbereiten können, weil sie so abweisend waren. Die Architektur sollte echt sehenswert sein. Es könnte ganz interessant werden, die Welt mit Augen zu sehen, in der er kein Goblin mehr wäre. Vielleicht könnte er sogar das ganze Leid, dass er als Goblin ertragen hatte, einfach vergessen. Auch eine versaute Eigenschaft musste er sich eingestehen: Er würde ungehindert die Frauenumkleide betreten können. Geil! Er kicherte bei dem Gedanken.

Es gab eine erschütternde Explosion, mit der sogar die Schreibtischlampe auf den Boden fiel. Das Licht flackerte. Jeder war in Panik, selbst die Soldaten, die sich sonst in militärischer Disziplin mühten. Gonzo schwante es: Der Feind kam immer näher – für Tests war keine Zeit mehr. Gonzo setzte sich in den Stuhl und deutete auf Squig.
„Da! Der Schalter an der Wand! Leg´ ihn um!“
„Aber Professor! Das ist Wahnsinn!“
„Ich habe nichts mehr zu verlieren, und denk´ an meine Worte: Ich werde euch retten, wenn ich in ihrem Körper bin.“
Obwohl noch nichts passiert war, fing die Frau an zu schreien.
Der Professor schrie dagegen an: „Squig! Jetzt mach´ schon!“
„Sie waren ein guter Ringkämpfer, Professor.“, und Squig legte den Schalter um.
Bumm! Ein heller Lichtbogen erschien vor seinen Augen, das wusste Gonzo noch, danach aber war alles dunkel. War der Strom ausgefallen, oder schlimmer … war er tot? So sehr er auch in die Finsternis starrte, er konnte nichts erkennen. Er drehte sich hin und her, überall war es gleich dunkel. Einen Körper aber schien er noch zu haben, weil er atmete. Der Schwefelgeruch … unverkennbar! Er war im Labor! Er hatte einen seltsamen, salzigen Geschmack im Mund, wie, als hätte er schon länger nicht mehr getrunken. Sein Herz pochte ihm bis zum Hals. Er konnte diese Stille nicht ertragen. Was war passiert? Er wollte den Namen seines Angestellten rufen, doch er bekam keinen Ton raus, so sehr er sich anstrengte.
Es gab einen Blitz. Dann krachte es derart laut, dass es in seinen Ohren wehtat und er spürte, wie er auf den Boden aufschlug. Etwas fiel auf ihn drauf und er stieß einen schrillen Schrei aus. Es war so schrecklich, das hatte er noch nie im Leben gehabt. Es war immer noch finster. Er wollte die Arme heben und im selben Moment merkte er Schmerzen. Es lag etwas auf seinem Körper. Die Füße und die Hüfte konnte er auch nicht bewegen. Was konnte denn so schwer sein? Eigentlich nur der Tisch. Atmen fiel ihm aber noch leicht, seltsamerweise.
Da! Aus einem hochkantigen Quader in der Finsternis flackerte Licht auf. Es war hinter der Türöffnung. Die Tür war offen. Stimmen ertönten. Er hoffte, wieder ausgegraben zu werden.
Jemand betrat den Raum und leuchtete ihm mit der Lampe ins Gesicht. Er blinzelte. Die Person schwenkte die Taschenlampe auf das eigene Gesicht um. Nein! Das konnte doch nicht wahr sein! Ein Elfengesicht! Es lächelte ihn an. Wie konnte sie sich befreien? Und wieso kam sie in das Zimmer rein, wenn sie doch selber drin war?
Sie kam ihn näher und küsste ihn auch noch.
Das kannst du dir sparen! Verdammt, alles war verloren! Hoffentlich bereitete sie ihm einen schnellen Tod.
„Komm, erschieß mich!“, schrie Gonzo auf Elfisch. Seine Stimme war nach dem Schrei immer noch recht hoch. Er wollte aufstehen, sogar den Schmerz ignorierte er, aber es brachte nichts. Der Tisch hob sich keinen Zentimeter. Die Elfe aber nahm ihm die Last weg. Sie war ganz schön stark.
Andere Elfen betraten den Raum mit ihren Taschenlampen und erleuchteten ihn. Moment mal, warum trug sie auf einmal offene Haare? Was war das für eine Farbe? Braun? Lila? Trügten ihm seine Sinne? Die Rüstung war auch noch in männlicher Form – das war gar nicht sie! Was war mit Squig und den Soldaten passiert? Er guckte auf sich runter, um etwas zu nehmen, was er als Waffe gebrauchen konnte. Dann war er von seinem eigenen Körper erschrocken – er war weiß, wie sein Kittel, aber die Form war eine ganz andere. Er fasste auf seine Brust, sie war hart, es war eine Rüstung und sie war weiblich. Das konnte alles nur ein Horrortrip sein!

Er war müde und blinzelte mit den Augen. War das alles nur ein Traum? Er nahm grünes Licht wahr, aber war unendlich erschöpft, weswegen er die Augen wieder schloss. Ein weicher Untergrund, es war ein warmes Bett, es war so gemütlich. Er kuschelte sich ein und könnte ewig drin schlafen. Es war so schön. Dazu kam dieser undefinierbare, aber angenehme Geruch. Er hatte keine Schmerzen mehr; ein Zeichen, dass es nur ein Traum war. Zum Glück! Er fühlte sich wie im Himmel, tiefenentspannt. Nach den vielen schlaflosen Nächten im Labor war es genau das, was er verdient hatte. In der Ferne hörte er das Rascheln der Bäume. Sie wogen ihn wieder in den Schlaf.
Als er wieder erwachte, sah er geradewegs in eine grüne Fläche. Was war passiert? Er fühlte am rechten Arm eine angenehme Berührung, wie, als würde ihn nach einer Sportverletzung seine Mutter dort anfassen und sagen, dass alles wieder gut sei. Es war ein Gefühl von Liebe und Geborgenheit, wie er es schon lange nicht mehr in seinem Leben hatte. Ihm rollten sogar ein paar Tränen über die Wange - aber vor Freude. Er wollte eigentlich wissen, was los war, aber er schloss die Augen wieder und ließ diese Berührung weiter zu. Ein wenig später war es so, als würden seine Lebenskräfte endlich wieder erweckt sein. Er konnte Bäume ausreißen.   
Er öffnete die Augen und schaute nach rechts, wo die grüne Fläche begrenzt war. Er stieß auf eine grüne, oder grün beleuchtete Wand. Sie machte aus der Decke einen Kreis … der ganze Raum war rund und das Grüne über ihm entpuppte sich als luminiszierende Kuppel aus einem Guss. Es war nicht dieses aufdringliche Grün, wie er es von einer Neonreklame kannte. Es war eigentlich ganz angenehm. Auch rechts vom ovalen Fenster, dem einzigen in diesem Raum, kam grünes Licht rein, oder, vielleicht waren die Vorhänge einfach nur grün.  Es wirkte schon sehr futuristisch. Er war unter eine Daunendecke gebettet. Moment, wo war er denn jetzt? Er war nicht zu Hause! Er richtete seinen Oberkörper auf. Auf der Bettkante saß der männliche Elf, der unter der Decke zart über seinem Arm streifte.
Gonzo erschrak. Er zog den Arm weg. Sein Kopf sagte ihm, dass er schreien sollte, aber sein Körper war so herrlich entspannt, dass es ihm schwer fiel, sich aufzuregen. Nun war sein Experiment also doch geglückt. Das war alles so aufregend! Er holte erst mal tief Luft und atmete laaaangsam aus. Er sah dem Elf ins Gesicht. Er hatte diesmal die langen Haare über dem Kopf mit einer dunklen Klammer zu einem Dutt fixiert. Er war ebenfalls entspannt und lächelte ihn sogar leicht an. Er trug ein dunkles Gewand in einer undefinierbaren, aber schönen Farbe. Seine kräftigen Oberarme ließen ihn nicht wie einen typischen Bodybuilder erscheinen, sondern eher wie jemand, der seine Muskeln ästhetisch ansprechend trainiert hatte, wie man es von Yoga-Lehrern kannte. Sein Aussehen gefiel Gonzo komischerweise und er wollte sogar weiter gestreichelt werden. Er legte sich ins Bett zurück und machte eine Bewegung, die den Elf dazu aufforderte. Es war so geil! Das Labor und die Bergfestung waren nun weit, weit weg, da war sich Gonzo sicher; aber wie mochte es seinem Assistenten und den übrigen Goblins ergehen? Eine Unruhe hatte ihn beschlichen - waren sie alle tot? 
"Magst du Tee?", fragte der Elf in einer warmen Stimme.
Gonzo nickte und der Langhaarige verließ den Raum über eine Tür in einer runden Öffnung rechts weiter hinten. Der Professor setzte sich wieder auf ... war hier irgendwo eine Zeitung? An der Wand gegenüber hing ein ca. 2 Meter langes und ein Meter hohes schwarzes Rechteck ... war es dieses Gerät, mit dem die Elfen bewegte Bilder aus anderen Welten empfangen konnten? Er rieb seine Hände. Er sah so etwas nun zum ersten Mal mit eigenen Augen, aber wie schaltete man dieses Ding ein? Der Elf kam mit einer Tasse Tee zurück, sah ihn an und aktivierte mit einem Fingerzeig das Gerät. Was Gonzo sah, war derart überwältigend, dass es ihm die Sprache verschlug: Es gab eine Art Fenster, das nach Gobol aufging. Er erkannte den Markt mit den typischen Fachwerkhäusern von Lenschingen wieder. Doch die Kamera zoomte weiter auf den Platz. Warum war er voll mit fröhlichen Goblins? Da sollten doch Leichen liegen! 
"Der Kaiser hat sich abgesetzt", kommentierte der Elf das Geschehen. "Jetzt haben sie auf Gobol endlich Demokratie!"
Gonzo bekam einen Schock. Konnte das wahr sein? Demokratie? Keine Auslöschung des Goblin-Volks? Also waren die Elfen nicht so übel, wie er anfangs dachte. Sie waren sogar ganz angenehm, zumindest, was er von seinem Freund wahrnahm.


…. Der Rest ist eine Fortsetzung, wer sie lesen will …


"Die Vereidigung des provisorischen Bundeskanzlers von Gobol steht unmittelbar bevor", sprach eine Stimme aus dem Rechteck ".... der Rote Teppich ist bereits ausgerollt, die Soldaten bereit zum salutieren."
Die Kamera zeigte die verschlossene Tür des obersten Stadthauses. "Hier wird er gleich erscheinen."
Die Türflügel öffneten sich unter dem tosenden Beifall der Menge und der Blick wurde auf eine gedrungene Gestalt im schwarzen Anzug freigegeben. Sie trug ein großes Pflaster auf den Kopf und humpelte an einem Stock, doch Gonzo war sofort klar, wer das war.
"Squig!", schrie er begeistert, winkte und er streckte die blassen Arme zum Bildschirm aus. "Mein treuer, fleißiger Squig! Ich bin so froh, dass du lebst!"
Ihm kamen die Tränen. Er formte seine Hände vorm Mund zu einem Trichter: "Hey! Hallo! Hier ist ..." Gonzo stockte, weil sich der Elf vors Bild stellte. Die Augen des Langhaarigen waren weit aufgerissen. Offenbar war er entsetzt. Er war sogar kurz davor, die Tasse fallen zu lassen, wenn er sie selber nicht aufgefangen hätte.
"Was hast du da gesagt?", fragte der Elf in einem aggressiven Unterton. "Sprichst du etwa dieses Kauderwelsch der Goblins?"
Gonzo schlug nervös seine Beine zusammen und befingerte mit der rechten Hand den roten Zopf, der von seinem Kopf über der rechten Schulter hing. "Ähm, äh ..."
"Was geht hier vor?"
Jetzt musste ihm aber was einfallen. "Squig ... äh .. .die Goblins .... die waren ganz nett zu mir. Sie brachten mir Wörter in meiner … ihrer Sprache bei. Ich habe mich einfach für mein V ... äh ... für die Goblins gefreut dass .... äh .... sie jetzt eine ... äh ... Demokratie haben! Ich machte einen Freudenschrei in … ihrer Sprache, um mit ihnen ... mitzufühlen!"
Der Elf wischte mit seinem Unterarm über die Stirn und stieß die Luft aus. "Und ich dachte schon, dass sie dir mit gruseligen Apparaturen eine Gehirnwäsche verpasst haben. Ich war gerade kurz davor, dich zum Hohepriester zu bringen!"
Oje. Hohepriester. Das hörte sich nicht gut an. Nicht, dass er irgendwo mit dem Immaterium verbunden war und Gonzos Seele erkennen könnte. Aber womöglich war Gonzo um Haaresbreite an seinem Verhängnis vorbeigeschlittert. Der Elf kommentierte noch: „Denk, bloß nicht, dass die Goblins nur gut sind. Die Experimente, die sie dort im Namen der Wissenschaft durchgeführt hatten, sind ein Verbrechen an die zivilisierte Welt. Keiner dieser Wissenschaftler soll mit dem Leben davon kommen“, dann sah er auf seine Hand herunter, die offenbar durch den Tee nass geworden war und er drehte sich um, verließ nochmal den Raum.
Gonzo merkte, wie sein Herz raste und er legte die Hand auf seine Brust, um sich zu beruhigen. Wegen der ungewohnten Wölbung auf der Brust aber beruhigte er sich nicht wirklich. Er wollte aus dem Fenster gucken ... war er überhaupt angezogen? Ja, in einem grünen Seiden-Nachthemd. Er stand auf und nahm die Gardinen beiseite, doch dann traf ihn ein neuer Schock: Die gesamte Atmosphäre war grün, nur die Blätter der Bäume besaßen eine Farbe, was er als Blau identifizieren würde; aber was ihn wirklich beruhigte, war ihr Rascheln, das durch einen Spalt zu hören war. Er genoss es eine Weile, doch die Unruhe kehrte zurück.
Konnte dieser Elf nur ansatzweise erahnen, was Gonzo sich als Goblin gefallen hat lassen müssen, was ihn so machte, wie er war? Sicher nicht. Aber dieses alte Leid wollte Gonzo nun vergessen. Der Elf stellte sich neben ihm und streichelte seinen Rücken, gab ihm einen Kuss auf die Wange und sagte: „Tut mir Leid, Schatz.“
Die rechte Hand des Professors griff neben das Fenster zum Nachttisch, als ob er irgendwas wollte ... er suchte seine Pfeife, aber das ging jetzt nicht mehr. Er legte den Zopf in seinen Mund und nahm einen tiefen Atemzug, um wenigstens so zu tun, als ob die Pfeife noch da wäre. Sie fehlte ihm, aber er war froh, dass die Goblins nicht ausgerottet wurden und sogar sein Assistent, den er jetzt auf einmal so unglaublich lieb gewonnen hatte, Bundeskanzler seines Planeten geworden war. Bei nächster Gelegenheit würde er Squig gerne in Lenschingen besuchen und sich heimlich zu erkennen geben.
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virtueller Schreibratgeber / Re: Schreiben lernen - Handwerk polieren
« Letzter Beitrag von merin am 26 January 2025, 16:00:20 »
Heute habe ich Writing Excuses 18.49 gehört "Giving your Story A Voice". Inzwischen weiß ich ja schon, dass Kowal immer einfache Kategoriesysteme anbietet. Hier ist das etwas zu der Stimme eines Textes auf verschiedenen Ebenen, was für mich so wenig eingängig war, dass ich es vergessen habe. Aber was ich mitgenommen habe und was ja auch einleuchtend (und nicht neu für mich) ist: Es gibt Dinge, die wir durch Handwerkszeug bewusst wählen und ändern können, wie Perspektive und Genre, und dann noch Dinge, die wir kaum beeinflussen können, wie unsere je eigene Erzählstimme. Schreibenlernen heißt immer, diese eigene Stimme zu finden und zu trainieren und dabei nicht davor zurückzuschrecken, im Text sichtbar zu werden. Diese Angst vor dem Sichtbarwerden, das kenne ich durchaus.
Die Hosts des Podcasts sprechen außerdem darüber, wie sich die Stimmen der Figuren mit unserer je eigenen Erzählstimme überlagern und wie mensch daran arbeiten kann, diese Stimmen zu perfektionieren. Welche Vergleiche wählt eine Figur, wie spricht sie mit wem, wie unterscheidet sich Gedachtes von Gesagtem? Erin Roberts erzählt davon, wie sie Aufnahmen von Sprecher*innen eines bestimmten Dialekts angehört hat, um in einer Kurzgeschichte den richtigen Ton zu treffen. Dabei geht es nicht darum, den Dialekt oder Akzent zu persiflieren (was verletzend sein kann für die Personen, die ihn sprechen), sondern etwas im Sprachfluss, dem Tempo oder Wortschatz zu finden, was sich gut umsetzen lässt. Ich kenne ehrlich gesagt keine Person, die sich für eine Kurzgeschichte so viel Arbeit gemacht hat. Und habe so eine weitere Antwort auf die Frage gefunden, warum ich so wenige wirklich gute deutsche phantastische KGs finde.

Die Autor*innen berichten außerdem davon, dass sie bestimmte Musik hören oder Autor*innen lesen, um vor dem Schreiben in die richtige Stimmung zu kommen. Als Hausaufgabe schlagen sie vor, im Café oder einem Podcast einer Person zuzuhören und einen Dialog zu schreiben, in dem die Art dieser Person, zu sprechen, eingefangen ist.
Wow, das halte ich für eine schwierige Übung. Aber vielleicht sollte ich es mal probieren.
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Höllenfenster / Re: Utopia - Anfang
« Letzter Beitrag von Viskey am 15 January 2025, 19:47:03 »
 :closed:
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Höllenfenster / Re: Utopia - Anfang
« Letzter Beitrag von jcl am 15 January 2025, 19:28:21 »
Klar, kann geschlossen werden.
95
Höllenfenster / Re: Utopia - Anfang
« Letzter Beitrag von merin am 15 January 2025, 18:22:03 »
Dann wäre es vielleicht gut, wenn ich diesen Thread mal schließe? Sonst machen sich vielleicht noch weitere Teufel umsonst Mühe.
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Höllenfenster / Re: Utopia - Anfang
« Letzter Beitrag von jcl am 15 January 2025, 13:55:30 »
Danke für die ausführlichen Kommentare! Ich kann die Einwände alle nachvollziehen, nur den ersten Satz im zweiten Kapitel will ich so lassen, denn ich brauche ihn für den Übergang zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Der Text ist schon etwas älter und das Buch mittlerweile fast fertig. Die Passage im zweiten Kapitel liest sich jetzt anders, du findest die aktuelle Version als Leseprobe auf https://books.lotter.org.
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Höllenfenster / Re: Utopia - Anfang
« Letzter Beitrag von Lana am 15 January 2025, 11:48:53 »
Alles, was mir aufgefallen ist, habe ich aufgeschrieben. Ich habe auch die anderen Kommentare nicht durchgelesen, weil ich gemerkt habe, dass es mich in meiner Meinung und Sichtweise sonst zu sehr beeinflusst.

--> „Können Sie beweisen, dass der Geldschein Ihnen gehört?“
„Ich fürchte nein, Monsieur.“
„Dann ist er eine Fundsache. Wir werden ihn verwahren, bis der Eigentümer feststeht. Haben Sie Einwände?“
Professor Lind lächelte. „Sie tun nur Ihre Pflicht.“
 
Ich weiß, dass sollte nicht korrigiert werden, aber ich finde das so flüssig und spannend geschrieben, dass wollte ich nicht unerwähnt lassen

-Also allgemein sind die Dialoge im ersten Kapitel sind sehr flüssig geschrieben und auch das die Personen ständig im Konflikt sind, macht es spannend. Man hat das Gefühl, die Figuren stehen vor einem.

--> Der Landrover hatte kein Radio, aber Professor Lind ließ den Arm aus dem Fenster baumeln,

Da war ich kurz huch, was hat das nicht vorhandene Radio mit dem Arm aus dem Fenster zu tun.
Vielleicht eine logische Verknüpfung bauen: Der Landrover hatte kein Radio, deshalb sang der Professor aus voller Kehle. Dabei steuert er einhändig, weil er den Arm aus dem Fenster baumeln ließ. ( Das ist jetzt nicht schön geschrieben, aber ich glaube, du weißt worauf ich hinaus will)

--> Mit dieser Theorie stand sie ziemlich allein da. Der Anlass für ihre Exkursion war das kürzlich entdeckte Kreutzner-Fragment. Aus den verstümmelten Seiten ergab sich nach Linds Ansicht ein authentischer Reisebericht aus dem Inneren Afrikas im frühen 18. Jahrhundert. Das allein wäre eine Sensation, auch ohne Hinweise auf den legendären Priester. Landläufig galten Burton und Speke als die ersten Europäer, die in diese Gegenden vorgedrungen waren.

Das fand ich toll, wie du HIntergrundinformationen eingebaut hast. Sie sind nicht zu lang und schließen sich flüssig in den Text ein.

--> Der Himmel hatte sich inzwischen bezogen. Die Sonne war jetzt ein gleißender Fleck hinter einer Dunstkuppel, doch die Hitze ließ nicht nach. „Wir bekommen Regen“, sagte Lind. Es ging stetig bergauf, durch eine karge Landschaft von Felsbuckeln, Tamariskensträuchern und gelbem Gras. 

Tolle bildliche Beschreibung


-Eine Zwischenfrage: Die Fahrt wirkt so, als würde der Professor sie jeden Tag fahren und das seit Jahren. Doch die Begegnung mit dem, ich nenne ihn mal Wachmeister, wirkte als hätten sie sich erst einmal gesehen. Das ist für mich ein Widerspruch


-->„So still, Max?“, fragte Lind. „Denken Sie schon an Ihren künftigen Ruhm?“

Schöner Übergang von der Beschreibung der Umgebung, die Max beobachtet hat und das die Professorin ihn wieder zurückholt

--> Heute sprach der Erzengel Gabriel wieder zu mir. Vom Achterdeck der Hakim Ki Izzat aus beobachtete ich das Treiben im Hafen, da vernahm ich seine Stimme deutlich in meinem Kopf.

Da hat mich die Reihenfolge rausgekickt. Für mich wäre sinnvoller: Vom Achterdeck der Hakim Ki Izzat aus beobachtete ich das Treiben im Hafen, da vernahm ich seine Stimme deutlich in meinem Kopf. Heute sprach der Erzengel Gabriel wieder zu mir.

--> Es konnte nur der Erzengel sein.
Du hast schon geschrieben, dass es der Erzengel ist, sonst wieder die Reihenfolge ändern. Zuest die Zweifel, dann die Feststellung. Wäre für mich als Leser logischer.

--> Früher redete Gott mit mir, doch er hatte mich seit meiner Konversion zum Islam verlassen. Aber Engel, wie auch Dämonen, wandern zwischen allen Religionen herum.

Das hat mich verwirrt und rausgekickt, weil ich gerne im hier und jetzt als Leser bleiben möchte, das mit der Stimme hört sich schon spannend genug an. Ich will mehr darüber wissen!

--> Ich kann immerhin schreiben.
Ich hatte gedacht, wenn man schreiben kann, dass man auf jeden Fall lesen kann, irre ich mich?

--> Mein Name ist Richard Kreutzner, mein Beruf Bibliothekar, auch wenn ich diesen noch nicht praktisch ausüben konnte. In Freiberg, gelegen in der Markgrafschaft Meißen, wurde ich vor zweiundzwanzig Jahren geboren. In London wurde ich vor acht Monaten wegen Piraterie zum Tode verurteilt. Allerdings hatte man mir Begnadigung in Aussicht gestellt, wenn ich der Royal Society ein gewisses Artefaktum beschaffe. Es befand sich auf der Insel Arcadia im Indischen Ozean. Sahir und ich hatten es dort an einer geheimen Stelle vergraben, damit es nicht in falsche Hände falle. Doch kurz danach wurde ich von Piraten von der Insel verschleppt. Meine Frau Sahir blieb allein zurück, schwanger mit unserem Kind.

--> Das ist mir als Leser zu viel Infodumping. Ich finde es schöner, Häppchenweise mit Infos aus der Vergangenheit gefüttert zu werden


--> „Was bringt Euch auf diesen Gedanken?“
„Vor einiger Zeit erwarb ich Ware aus einer Korsarenbeute. Darunter befand sich eine junge Frau indischen Geblüts mit ihrem kleinen Sohn.“
Der Wesir schwieg.

Das empfinde ich als ersten spannende Moment im zweite Kapitel

- Die Eskalation am Ende fand ich sehr spannend, sodass ich gerne weiterlesen möchte, um zu wissen, wie es ausgehet.

Trotzdem hatte ich das Problem als Leser in zweitem Kapitel besonders bevor die Begegnung stattgefunden hat, mit den vielen Informationen zurechtzukommen. Frage an dich, sind diese Informationen alle notwendig, um diese Kapitel zu erzählen? Könnte man das auf eine halbe Seite einstampfen und gleich zur Verhandlung kommen? Die finde ich nämlich spannend

Und was ich nicht ganz verstanden habe, wo ist die Stimme geblieben? Redet die nicht öfters mit einen? Würde ich auch als Leser spannend finden, wenn sie zwischendurch Kommentare abgibt. Sonst wäre das eher eine einmalige auditive Vision. Und so eine Vision habe ich besonders im biblischen Kontext mit einem besonderen Ereignis verknüpft (brennender Busch zum Beispiel).

Ich bin gespannt, ob unser Protagonist seine Tochter befreien wird. ♡

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virtueller Schreibratgeber / Re: Schreiben lernen - Handwerk polieren
« Letzter Beitrag von merin am 13 January 2025, 15:48:16 »
Oh ja, das ist spannend: Wer ist die Figur mit wem? Und wie verändert sie sich, wenn sie mit x oder y zusammen ist? Es ist eine spannende Frage, ob es möglich ist, das aufzuschreiben. Ich denke sofort daran, dass eine Figur mit x viel weicher sein kann als beispielsweise mit y.
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virtueller Schreibratgeber / Re: Schreiben lernen - Handwerk polieren
« Letzter Beitrag von diffusSchall am 13 January 2025, 11:07:42 »
Aber meist brauche ich die schlicht nicht, weil es sich organisch ergibt, wie sich meine Figuren treffen.

Ja, ich verlasse mich da bisher auch auf meine Intuition und bilde mir ein, ein gutes Popometer zu haben, was in einem Dialog Sinn macht und frisch ist, und was repetitiv ist. Mir da grundsätzlich im voraus eine Gesprächsstrategie für jede Figur zu überlegen, würde mir den Schreibprozess zerschießen. Ich schaue dann bei der Überarbeitung, mit etwas Abstand, ob mein Bauchgefühl zu dem Dialog stimmt, ob er mich mitnimmt. Danach wird erst optimiert, nach den Stimmen der Figuren geschaut usw.

Zum Thema Interaktion von Figuren hier einmal ein Textauszug von Orson Scott Card aus seinem Vorwort aus "Sprecher für die Toten":

Zitat
Die meisten Romane kommen damit aus, die Beziehungen zwischen zwei oder höchstens drei Figuren zu zeigen. Das liegt daran, dass die Schwierigkeit, einen Charakter zu erstellen, mit jedem neuen Hauptcharakter steigt, der der Geschichte hinzugefügt wird. Charaktere, so verstehen die meisten Autoren, werden wirklich durch ihre Beziehungen zu anderen entwickelt. Wenn es nur zwei signifikante Charaktere gibt, dann gibt es nur eine Beziehung, die erforscht werden kann. Wenn es jedoch drei Zeichen gibt, gibt es vier Beziehungen: Zwischen A und B, zwischen B und C, zwischen C und A und schließlich die Beziehung, wenn alle drei zusammen sind.
Selbst das erklärt nicht ansatzweise die Komplexität – denn zumindest im wirklichen Leben verändern sich die meisten Menschen, zumindest subtil, wenn sie mit verschiedenen Menschen zusammen sind.
[...]
Ich habe das immer wieder bei meinen Freunden, bei anderen Familienmitgliedern gesehen. Unser ganzes Verhalten ändert sich, unsere Eigenheiten, unsere Redewendungen, wenn wir von einem Kontext in einen anderen wechseln. Hören Sie jemandem zu, den Sie kennen, wenn er den Hörer abnimmt. Wir haben spezielle Stimmen für verschiedene Menschen; Unsere Einstellungen, unsere Stimmungen ändern sich, je nachdem, mit wem wir zusammen sind.
Wenn also ein Geschichtenerzähler drei Figuren erschaffen muss, erfordert jede unterschiedliche Beziehung, dass jede Figur darin transformiert werden muss, wenn auch subtil, je nachdem, wie die Beziehung seine oder ihre gegenwärtige Identität formt. In einer Geschichte mit drei Charakteren muss sich ein Geschichtenerzähler, der uns von der Realität dieser Charaktere überzeugen will, wirklich ein Dutzend verschiedene Rollen einfallen lassen, vier für jede von ihnen.

Card hat mit seiner Beobachtung völlig recht. Ich frage mich, ob ich bei der Figurenformung den Character Sheet um die Eigenschaft "Art der Gesprächsführung" erweitern sollte oder sowas wie eine Gesprächsmatrix mit allen Figuren zu erstellen, um da eine valide Referenz zu schaffen. Denn wenn man ein komplexeres Gemisch an Figuren in engerer Interaktion vorsieht, wird man um eine entsprechende Schärfung der Figuren wohl kaum herum kommen.

Noch ein anderer Gedanke: Ich habe vor Jahrzehnten ein Buch über Transaktionsanalyse gelesen. Dir wird das wahrscheinlich was sagen, merin. Das war, wenn ich mich recht entsinne, in den 70er / 80er Jahren ein populäres Modell in der Psychotherapie/-analyse, ist aber wegen ihrer Simplifizierung aus der Mode gekommen.
Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass man diese als Schriftsteller zur Planung eines Dialoges durchaus heranziehen kann, wenn man mit der Intuition nicht weiter kommt.

LieGrü - diffusSchall
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virtueller Schreibratgeber / Re: Schreiben lernen - Handwerk polieren
« Letzter Beitrag von merin am 05 January 2025, 12:27:01 »
Oh schön, da sind wir schon zu zweit. Ich habe heute Folge 19.49 desselben Podcasts gehört, weil ich den Titel "Getting to Know You" falsch interpretiert hatte. Ich nahm an, es gehe darum, meinen eigenen Prozess besser zu verstehen, aber real geht es darum, Romance-tropes in jeder Geschichte zu nutzen, wenn es um die Beziehung zweiter Figuren geht.
Die Autor*innen bringen folgende Ideen ein:

meet cute
Zwei Figuren treffen aufeinander und eine rettet die andere aus einer unangenehmen Situation. Der Klassiker ist, jemand verschüttet Tee auf eine andere Person und die geht damit gut um. Aus dieser Situation gehen dann beide mit einem positiven Eindruck voneinander heraus und vielleicht auch mit einer zukünftigen Kontaktmöglichkeit.
Was ich da raus nehme ist, dass es natürlich die Beziehung zweier Figuren positiv auf die Bahn bringt, wenn eine Person die andere angenehm fand. Was aber irgendwie auch banal ist.

dismissing another
Person A will nichts mit Person B zu tun haben und dann kommen sie doch zusammen. Wichtig dabei ist, dass das nicht plötzlich geschieht, sondern allmählich: von "niemals" zu "hmm naja vielleicht einmal", zu "oh ja, doch ganz interessant" zu "oh cool"!

Ähnlichkeiten
Zwei Leute, die herausfinden, dass sie eine überraschende Gemeinsamkeit haben, fühlen sich verbunden.
Kowal stellt außerdem eine Kompatibilitätstheorie vor, die offenbar Datingadvice ihrer Schwiegermutter war:
mind (ähnliche Denkweisen)
money (ähnliche Ideen, wofür man Geld ausgeben sollte)
morals (ähnliche Werte)
manners (ähnliche Ideen, was höflich ist)
monogamy (ähnliche Ideen über Freundschaft und Beziehung - was ist eng?)
mirth (ähnlicher Humor)
Wenn da eine oder zwei verschieden sind, sorgt das für Konflikt

Hausaufgabe: Was findet deine eine Figur an der anderen attraktiv oder sympathisch?

Ich muss sagen, mit dieser Folge konnte ich fast gar nichts anfangen. Ich fand die Tipps zu schematisch oder banal. Und wusste sofort, warum ich die Bücher von Kowal nicht mag, denn darin finden sich (zumindest in den beiden, die ich gelesen habe) haufenweise derartiger tropes, die ich einfach nur mega ausgelutscht finde. Interessant wäre für mich, neue Weisen des meet cute zu finden. Aber meist brauche ich die schlicht nicht, weil es sich organisch ergibt, wie sich meine Figuren treffen.
Die Ms sind vielleicht hilfreich, um sich nochmal klarzuwerden, wo es Konflikt- oder Annäherungspotenzial zwischen Figuren gibt. Aber da es im Geflecht2 mehrere Kulturen gibt, die kein Geld kennen, ist da schon klar, wie normativ diese Annahmen auch sind.
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