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Höllenfenster / AT: Medvingar - Die Wege des Windes. Erstes Kapitel / Prolog
« Letzter Beitrag von Oflinitrium am 26 February 2024, 01:29:24 »
Nach JAHREN der Abwesenheit bin ich endlich in der Lage mal wieder etwas auf den Rost zu werfen. Die folgende Szene soll die Eröffnung zu einem weitreichenden und hoffentlich spannenden Phantasyroman werden, bei dem Intrigen, Schlachten und Diplomatie sich die Waage halten sollen.
Viel mehr will ich gar nicht verraten, da der Leser zu diesem Zeitpunkt ja auch noch nicht weiß worauf er sich einlässt.

Es wäre schön, wenn ihr mir die üblichen Fragen beantworten könntet wie z.B.  Kommt man gut rein, läd es ein weiter zu lesen, würdet ihr umblättern, habe ich meine Infodumps gut untergebracht oder eher nervig... etc.

Aber da es sich auch um eine Kampfszene handelt ist mir wichtig zu wissen:
 - ist die Orientierung klar?
- Hat die Szene ein gutes Pacing?
- seht ihr Logikfehler?
- Habe ich es geschafft eine gute Balance zwischen Nähe zum Charakter und Distanz zu Emotionalen Reaktionen während des Kampfes hinzubekommen?
- Sollte ich die 5 Sinne mehr ansprechen?

Und natürlich alles weitere was euch im Kopf rumwuselt.

Kurze Anmerkung: Der gesamte Text ist auf dem Handy entstanden und aus irgendeinem Grund kann ich keine Standard Gänsefüßchen machen sondern nur " " vllt gibts die Option irgendwo aber ich fand es nicht störend und war zu faul danach zu suchen.

Ich hoffe ihr habt Spaß am Lesen:

‐------‐‐--‐-‐------‐‐--‐-‐------‐‐--‐-‐------‐‐--‐-‐------‐‐--‐-‐------‐‐--‐--

Regen klimperte auf den Helmen und Waffen der Soldaten. Ihre Pferde pflügten mit schmatzenden Hufen durch Schlamm, der noch vor wenigen Stunden eine staubige Straße gewesen war. Jorik Durothrar ritt an der Spitze seines Kriegstrupps. Hoch aufgerichtet, trotzte er dem schneidenden Wind und genoss den schweren Duft frischer Wiesen.
Ein Dutzend Tage waren sie nun schon auf der Jagd.
Zwei Wochen war es her, seit er zum Kronrat gerufen worden war: 'Die Lage in den Grenzgebieten ist weiterhin angespannt. Die dortigen Anwohner werden  immer noch von Räubern heimgesucht, die die Bauern ausplündern und terrorisieren. Bisherige Versuche, sie zurückzuschlagen, schlugen fehl. Daher hat das Königs-Thing entschieden, dass es das Beste ist, wenn Ihr als Stellvertreter der Krone in den Grenzgebieten des Reichs nach dem Rechten seht. Diese Wegelagerer und Banditen werden langsam zu aufmüpfig und dreist.' Gildevars Stimme ätzte sich durch Joriks Gedanken.
Natürlich waren die Banditen 'aufmüpfig und dreist', nachdem man den Grenzgebieten jahrelang kaum Beachtung geschenkt hatte, aus Angst den lieben Nachbarn auf den Schlips zu treten.
'Aufmüpfig und dreist'... vorgestern hatte er diese aufmüpfige Dreistigkeit gesehen. Das Dorf Snorrje war ihr zum Opfer gefallen. Ein kalter Zorn saß seitdem in Joriks Brust und wartete nur darauf, sich Bahn zu brechen. Vor seinem inneren Auge ließ er noch einmal die Bilder von abgeschlachteten Männern, Frauen und Kindern vorbeiziehen und nährte seinen Zorn. Besser, ihn gezielt gegen die Banditen zu richten, als dem Rat einen Gefallen zu tun und zu sterben.
"Düstere Gedanken, Herr?", Ivars Stimme kämpfte gegen das Wetter und doch war die Sorge in ihr unüberhörbar.
Jorik hatte nicht bemerkt, dass Ivar aufgeschlossen hatte.
"Alles bestens, Donar meint es heute gut mit uns und deckt unsere Ankunft."
"Er hätte den Regen ruhig aufwärmen können, wenn er uns schon decken will. Ich habe keine Lust an Fieber auf dem Heimweg zu sterben."
Jorik lachte ohne Freude.
"Ich beneide jeden, dessen größte Sorge in solchen Zeiten Fieber ist."
"Banditen können mich nicht aufhalten, zu meiner Familie zurückzukehren, Herr. Aber gegen Fieber kann ich nichts ausrichten."
"Wir werden bald Gelegenheit haben, diese Theorie auszutesten." Jorik wies mit der gepanzerten Faust nach vorne.
Ein Reiter mit grünem Kapuzenmantel über dem Kettenhemd kam ihnen entgegen. Er ritt gefährlich schnell für den matschigen Untergrund.
"Beeilung, Herr," rief er schon von weitem und ritt einen Bogen, um neben Jorik weiterreiten zu können, ohne Halt zu machen.
"Fjörɗůr wird bald angegriffen. Die feindlichen Truppen müssten jetzt etwa ein Fjerding (2,5 km) von Fjördůr entfernt sein. Es sind ungefähr 50 an der Zahl, bewaffnet mit Äxten, Schwertern, Schilden und Kettenhemden, aber keine Pferde. Sie haben einen Umweg eingelegt und nähern sich dem Dorf von Süden."
"Kettenhemden, Schwerter und Schilde?" Jorik wechselte einen Blick mit Ivar.
"Vielleicht Deserteure?"
"Vielleicht…"
Jorik schaute auf seine durchnässte Truppe und überlegte.
"Gibt es eine Möglichkeit für die Kavallerie unauffällig zu flankieren, Björn?"
"Leider nein, Herr. Es gibt nur drei Straßen, die in das Herz vom Dorf führen, diese sind von Feldern ohne nennenswerte Deckung umgeben. Auf der Nordseite liegt ein Wald auf einem Hügel.”
"Gut…Dann schnapp dir die Bogenschützen, und die Hälfte unserer Begabten führe sie unauffällig zum Wald. Wartet bis wir eintreffen und ihre Aufmerksamkeit auf uns gezogen haben, bevor ihr euch zeigt."
Björn nickte und machte sich an die Arbeit.
"Bei dem Wetter werden die Bogenschützen kaum helfen aus weiter Distanz", bemerkte Ivar.
"Wir werden sehen. Lieber ein Ass im Ärmel und einen Fluchtweg für diese Bastarde weniger, als unsere Überzahl in schmalen Gassen verschwenden.”
Jorik ritt vom Weg herunter und ließ sich langsam von seinen Soldaten überholen, während er im Schritt neben ihnen herritt. Sie waren müde, erschöpft und sahen alles andere als kampfeslustig aus.
“Männer von Sjaelland. Snorrjes Plünderer greifen das Dorf Fjördůr an. Wir sind ihnen zahlenmäßig überlegen, doch das heißt nicht, dass uns der Sieg sicher ist. Zeigen wir ihnen unsere Stärke und Entschlossenheit! Marschiert für die Dorfbewohner von Fjördůr.
Kämpft für eure Familien daheim.
Übt Rache für Snorrje.
Rache für jeden einzelnen Mann, jede einzelne Frau und jedes einzelne Kind. Helft mir, diese Hunde leiden zu sehen!” 
Noch während er sprach, beschleunigten die Soldaten ihren Schritt. Die eben noch müden Gesichter waren stoisch und konzentriert. Jorik orientierte sich wieder zur Front und ordnete an, dass die fünfzehn Armbrustschützen bei erster Gelegenheit auf die Dächer gehievt werden sollten, falls möglich. Björn hatte sich unterdessen daran gemacht, die zwanzig Bogenschützen abzuziehen.
Es war ein Wettstreit gegen die Zeit, den sie verlieren würden. Doch Jorik ließ nichts unversucht und trieb seine Männer immer wieder an. Björn musste wie ein wahnsinniger zurückgeritten sein, denn die anderen Späher stießen erst um einiges später zum Trupp.

Endlich kam das Dorf in Sicht. Trotz des Regens stieg bereits erster Rauch in den Himmel. Die Straße auf der sie unterwegs waren lief einmal quer durch die Ansammlung von Hütten in Richtung Osten. Wie Björn gesagt hatte schlängelte sich eine weitere Straße Richtung Süden. Die Bogenschützen waren mit leichtestem Gepäck vorangegangen aber konnten noch nicht in Schussposition sein. Entferntes Geschrei fand seinen Weg durch den Regen zu Joriks Ohr.
"Kavallerie zu mir!” Zu Ivar gewandt fügte er leiser hinzu: “Lasst euch nicht zu weit zurückfallen und denkt an die Armbrüste.”
Ivar nickte zweifelnd, doch er behielt seine Einwände für sich.
Jorik trieb sein Ross an und 20 Reiter folgten ihm im Galopp.
“In den Tod!”
Der ganze Trupp antwortete ihm und das Donnern von Hufen und Stiefeln übertönte alles um ihn herum.
Sie ritten so schnell der Untergrund es zuließ: Die Hütten und Häuser wurden mit jedem Schritt größer und purer Elan floss durch Joriks Venen. Nichts konnte sie aufhalten.
Als die ersten Häuser an ihnen vorbeiflogen strömten zu viele Eindrücke auf ihn ein um alles klar aufzunehmen.
Zwei Frauen mit ihren Kindern kamen ihnen entgegen gerannt, strauchelten und fielen in den Schlamm. Ihre Mörder konnten nicht mehr ausweichen und wurden gnadenlos niedergetrampelt. Ein Pferd strauchelte und sein Reiter verschwand in einem Garten. Verlangsamt ritten sie weiter. Aus den Augenwinkeln sah Jorik einen Hünen mit einer Zweihand-Axt nach ihm schwingen. Er lenkte den tödlichen Schlag ab und stach ihm in die Augenhöhle. Der Sturmangriff hatte im Chaos des Gemetzels keinen Bestand. Freund und Feind waren kaum zu unterscheiden, es gab keine Formation auszuhebeln und keinen Schildwall zu durchdringen. Überall rannten kleine Gruppen von Bauern, Plünderern, Frauen und Mördern durcheinander.
“Lasst etwas Platz.” rief Jorik über den Kampfeslärm: “lasst Platz für die Bauern und Mägde. Arbeitet präzise und lasst keinen Hundesohn durch!”
Langsam arbeiteten sie sich vor. Die Schmiede und mehrere Häuser standen in Flammen und der dichte Rauch brannte in der Lunge. Im Zentrum voraus hatten rund zwei Dutzend Männer und Frauen mit Speeren und Schilden bewaffnet einen kleinen Verteidigungsring vor dem Bürgerhaus gebildet. Bisher hielten sie der Hauptgruppe von Banditen stand. Doch die Banditen waren zahlenmäßig überlegen und widmeten ihnen noch nicht ihre volle Aufmerksamkeit. Jorik gab seinem Pferd die Sporen.
“Vorwärts Bevingade!” 
Der Trupp beschleunigte wieder sein Tempo.
Wenige Herzschläge vom Bürgerhaus entfernt, glitt ein großer Schatten über sie hinweg. Eine schwarze Gestalt mit riesigen Schwingen und flammendem Haar stürzte mit einem schrillen Schrei aus dem Himmel herab. Eine unsichtbare Welle der Kraft riss die Reiter zu Boden. Jorik spürte, wie sein Helm ihm vom Kopf gerissen wurde und sein Schwert aus der Hand flog. Er schlug hart auf den nassen Boden auf und die Welt wurde schwarz.

Als er wieder zu sich kam, sah er, wie die schwarze Gestalt mit einem einzigen Schwertstreich die Verteidigung des Bürgerhauses dezimierte. Die Schilde der Bauern wurden gespalten, die Speere zerbrachen, wie dürre Äste. Die Menschen fielen, als wären sie aus Stroh. Die Schreie der Sterbenden vermischten sich mit dem Lachen der Banditen und dem Heulen des Windes. Eine kalte Angst erfasste Jorik. Was war dieses Wesen? Woher kam es? Was wollte es?

Er sah, wie die Bogenschützen aus dem Wald kamen und unterstützt von den Begabten einen Pfeilhagel auf den Schauplatz schickten. Sie trafen einige Feinde, doch der Hauptteil war der schwarzen Gestalt gewidmet. Die Pfeile prallten einfach an ihr ab, als wäre sie aus Stein. Sie durchdrangen weder ihre Haut noch Flügel.
Jorik rappelte sich auf und suchte nach seiner Waffe. Er fand sie einige Meter weiter, halb im Schlamm versunken. Er griff danach und musste erneut gegen die Schwärze kämpfen, ehe er sie herauszog.
‘Meine Ahnen rufen nach mir.'
Seine Männer kamen auch langsam wieder auf die Füße und formierten sich. Sie waren verwirrt und verängstigt, aber noch nicht besiegt. Er sah Trotz und einen Funken Hoffnung in den jungen Gesichtern. Doch sein Herz war bleischwer, als er sich der dunklen Gestalt zuwandte, die mit ihrem grausigen Werk fast fertig war. Jorik gab seinen Männern ein Zeichen und sie stürmten vorwärts, ehe die Plünderer sich um die Gestalt formieren konnten.
“Für Fjörɗůr!”

Die schwarze Gestalt wandte sich ihnen zu. Jorik erkannte das Gesicht einer Frau, ausdruckslos und wächsern. Sie hob ihr Schwert, das wie ein Blitz in ihrer Hand glänzte. Sie war schnell wie der Wind und Jorik schaffte es, mit Mühe ihren ersten Schlag abzuleiten. Seine Schulter schmerzte von der Parade und noch ehe er zum Schlag ausholen konnte, lagen zwei seiner Männer im Dreck. Sie schlug nach rechts und links, sie traf jeden, der ihr zu nahe kam. Wie ein Wirbelsturm pflügte sie durch die Reihen der Soldaten. Der Geruch von Blut vermischte sich mit dem von Rauch und die Schreie von Sterbenden sowie das widerliche knacken brechender Knochen konnten einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Jorik nahm nichts davon wahr. Konzentriert wich er ihren Hieben aus und suchte nach einer Lücke in ihrer Verteidigung, während er gleichzeitig versuchte, seine Kameraden zu schützen. Ein Frontalangriff war zwecklos, er musste sie von hinten erwischen oder von der Seite. Er brauchte eine Ablenkung.

Bolzen zischten an Jorik vorbei und trafen die geflügelte Gestalt. Sie hatten mehr Glück als die Bogenschützen und verletzten ihre Schwingen. Blut tropfte aus klaffenden Wunden.
Die schwarze Gestalt schrie nicht, aber ihr Gesicht verzerrte sich vor Schmerz und Wut. Sie breitete die schwarzen Flügel aus und schlug einmal kräftig wie zum Abheben. Erneut peitschte ihnen ein starker Wind entgegen, der sie diesmal nur zurücktaumeln ließ. Die Gestalt drehte sich zur Seite und sah Ivar und die Armbrustschützen auf den Dächern.  Sie hob ihre Hand und schickte eine Welle der Kraft auf sie zu. Die Dächer explodierten regelrecht und die Armbrustschützen flogen in die Luft. Sie fielen zu Boden und blieben reglos liegen.
Das war die Gelegenheit: Jorik sprang auf die schwarze Gestalt zu. Er schaffte es, hinter sie zu kommen. Sie breitete die Flügel aus, bereit zum Abheben. Er schlug mit ganzer Kraft zu und traf sie im Rücken, während sie abhob. Er spürte wie sein Schwert in ihr Fleisch eindrang. Ein Flügel traf ihn hart in die Seite und schleuderte ihn gegen die Trümmer eines Hauses. Der dumpfe Aufprall presste ihm die Luft aus den Lungen und ein hohes Pfeifen hallte in seinem Kopf. Er kämpfte gegen die Schwärze und sah nur noch, wie die schwarze Gestalt in den Himmel stieg. Sein letzter Gedanke galt seinen Männern, bevor die Schwärze ihn erneut empfing.

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Theorie / Re: Perspektive
« Letzter Beitrag von merin am 12 February 2024, 20:15:54 »
Dann habe ich dich offenbar missverstanden, tut mir leid.
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Theorie / Re: Perspektive
« Letzter Beitrag von tieftext am 12 February 2024, 19:44:54 »
Hmm. Ich widerspreche dir. ;) Der Erzähler (wenn wir mal eine fiktive männliche Figur annehmen) ist mE eine fiktive Figur. Eine Kunstfigur, die für jeden Text eine etwas andere ist. Und diese wird von mir geschaffen, um eine Geschichte zu erzählen. Sie ist weder identisch mit mir noch mit der Perspektive, auch wenn es da Überschneidungen gibt.
Der Vergleich mit dem Film funktioniert mE nur teilweise, denn auch die Kamera ist nie objektiv. Sie wird bewusst (so wie bei mir die Wörter) eingesetzt, um Dinge zu zeigen oder zu verbergen, sie geht nah ran oder zoomt raus, sie filmt statisch oder bewegt. Ähnliches tue ich mit Sprache. Im besten Fall entsteht so etwas, das nicht beliebig ist, und mich als Leserx oder zuschauende Person berührt.


Ich verstehe, warum du widersprichst. Was aber meine Aussage betrifft, ich meinte die Informationen, das Wissen -- dein fiktiver Erzähler kann nichts über die Geschichte wissen, was du als Autor nicht weißt. Sein Wissen ist Teilmenge. Aber du kannst natürlich als Autor jede Menge wissen, was du dem Erzähler vorenthältst, und dieser Grad ist entscheidend.

Bei den Kameras habe ich -- ehrlich gesagt den Eindruck, du widersprichst nicht, sondern sagst eigentlich das Gleiche. Oder?



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Theorie / Re: Perspektive
« Letzter Beitrag von merin am 12 February 2024, 16:29:13 »
Hmm. Ich widerspreche dir. ;) Der Erzähler (wenn wir mal eine fiktive männliche Figur annehmen) ist mE eine fiktive Figur. Eine Kunstfigur, die für jeden Text eine etwas andere ist. Und diese wird von mir geschaffen, um eine Geschichte zu erzählen. Sie ist weder identisch mit mir noch mit der Perspektive, auch wenn es da Überschneidungen gibt.
Der Vergleich mit dem Film funktioniert mE nur teilweise, denn auch die Kamera ist nie objektiv. Sie wird bewusst (so wie bei mir die Wörter) eingesetzt, um Dinge zu zeigen oder zu verbergen, sie geht nah ran oder zoomt raus, sie filmt statisch oder bewegt. Ähnliches tue ich mit Sprache. Im besten Fall entsteht so etwas, das nicht beliebig ist, und mich als Leserx oder zuschauende Person berührt.
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Theorie / Re: Perspektive
« Letzter Beitrag von tieftext am 12 February 2024, 14:53:59 »

Ich wechsele ja in meinen Romanen gern die Perspektiven, bleibe aber dann in jeder hoffentlich bei gewähltem Stil und Erzähler*in. Was ich nicht verstehe, ist dein letzter Absatz. Wirfst du da Autor*in und Erzählstimme in einen Topf? Oder steh ich auf dem Schlauch?


Nein, ich wollte sagen: Die Erzählstimme ist eine Teilmenge des Autors. Die Selektion, wie viele und welche Informationen der Autor der Stimme lässt, entscheidet dann, wie weit das personal, auktorial oder schwebend wird, da ist eine gewisse Fluktuation, wie auch du das schon sagtest. Aber der Autor ist natürlich a priori potenziell 100% auktorial -- und der Leser weiß das. Wenn nicht bewusst, dann unbewusst.
Wenn in einem Kinofilm der Hinweis eingeblendet wird: "20 Jahre vorher, in Duisburg" -- Wer sagt das? Ist der Kameramann ein personaler Erzähler, wenn er den Protagonisten filmt? Ich habe noch keine echte subjektive Kamera je gesehen (würde der Zuschauer auch nicht aushalten). Eine völlig objektive Kamera würde aber keine Geheimnisse möglich machen. Also ist sie objektiv nur für die gewählte Perspektive? Was wäre das dann?

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Theorie / Re: Perspektive
« Letzter Beitrag von merin am 12 February 2024, 10:04:54 »
Ich wechsele ja in meinen Romanen gern die Perspektiven, bleibe aber dann in jeder hoffentlich bei gewähltem Stil und Erzähler*in. Was ich nicht verstehe, ist dein letzter Absatz. Wirfst du da Autor*in und Erzählstimme in einen Topf? Oder steh ich auf dem Schlauch?
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Theorie / Re: Perspektive
« Letzter Beitrag von tieftext am 11 February 2024, 23:14:37 »
Sehr interessante Diskussion; auch in anderen Foren hatte ich dazu schon viel gelesen. Letztlich muss man ja stets schauen, wie glaubwürdig ein Abschnitt geschildert ist.
Wenn in einer Szene ein Prota von einem Monster gejagt wird und der Autor -- durchaus personal -- kommt mir Überlegungen, woher das Monster wohl stammen könnte? Aus einem Genlabor? -- dann kaufe ich das nicht. Tatsächlich machen das auch renommierte Autoren, sie verlassen innerlich die Szene. Das ergibt neben dem Tempoverlust auch den Glaubwürdigkeitsverlust.
Und dann ist da ja noch die Frage, wo ist der Erzähler denn gerade? Woher hat er seine Information?

Zitat
Ich glaube nicht, dass das geht mit dem mehr oder weniger personal oder auktorial. Entweder personal, dann konsequent, oder halt auktorial, mit der Möglichkeit, auch in den Kopf der Prota zu tauchen.
Der personale Erzähler kann nur schildern, was die Prota wahrnimmt.

Und ich sehe, dass das in echt genau so gemacht wird, also beide Erzählperspektiven nicht als Absolutum, sondern als Annäherungsmarke verwendet werden. Dass das also wirklich nicht strikt getrennt ist, viellelicht auch gar nicht getrennt werden kann, obwohl natürlich die Personalität der Magnet ist, der alles an sich ziehen soll.

Bsp: Vier Leute, die auf einem Floß sterben, personal erzählt aus der Sicht von A, doch gelegentlich gibt's auch n Sprung in den Kopf von B; seltener in den von C; nur: der arme D wird ausschließlich von außen erzählt, nie bekommt er seinen Anteil Personalität (wiewohl er nicht unwichtiger ist als die übrigen). So was von inkonsequent!
Nachdem sie alle im Präteritum gestorben sind, bleibt die Frage, wer denn jemandem berichtet hat, was da im Einzelnen passierte; der Erzähler war nicht dabei und niemand kann es ihm erzählt haben, weil keiner übrig blieb außer dem leeren Floß und dem sprachlosen Untier; denn das ist ja eine gute Erklärungs-Möglichkeit: Ich erzähle, was ich von einem Beteiligten gehört habe. Hier unmöglich, der auktoriale Erzähler ist also vorausgesetzt, weil die Geschichte sonst gar nicht erzählt worden wäre, auch wenn er weitgehend unsichtbar bleibt, ist er der eigentliche Erzähler. Der Leser weiß das, und deshalb werden auktoriale Sequenzen verziehen.

War ich hingegen selbst im Präteritum dabei, ist es schwer, Spannung aufzubauen, denn da die Sache schon vorüber ist und ich sie überlebt haben muss, muss ich auch wissen, was das Ding, das auf das Floß zukommt, gewesen ist und kann nicht mittendrin mit dummen Fragen brillieren. Bin ich hingegen als 'Ich' im Präsens mit dabei, werd ich -- aktuell von einem Monster verfolgt -- keine Lust haben, Interpretationen im Kopf zusammenzubauen, weil ich vermutlich mit was anderem beschäftigt bin als Sätze zu formulieren.
Ein bekannter Erfolgsautor baut in seine Verfolgungssequenzen langwierige Überlegungen ein, wer hinter den Verfolgern stecken könnte, während er um sein Leben rennt. Plausibel! So würd ich es auch machen, an dessen Stelle.

Und ich kenne Bücher, zuletzt gelesen, wo die Perspektive lustig wechselt, mal der A personal, dann der A in der Ich-Perspektive, dann ein Gegenüber von A, der B personal, wie er den A erlebt. Kraut und Rüben.
Sich unsichtbare Kameras vorzustellen, die geisterhaft jede Filmszene dokumentieren, das finde ich eine gute Analogie.


Natürlich stimme ich zu, dass man auf Perspektivbrüche innerhalb eines Absatzes aufpassen muss, ich muss also bei jedem einzelnen Satz wissen/ein Gefühl dafür haben, wo ich mich soeben befinde, wer ich soeben bin.
Tatsächlich aber BIN ICH der Erzähler, vollkommen auktorial, ich kann mich nur dafür entscheiden, meine Informationen zu dosieren, um es spannend zu machen oder mit einer Figur zu verschmelzen; und ich bin derjenige, der selektiert, was gezeigt wird, nicht die Figur, die im Zimmer steht, denn ich entscheide, ob die grauenvolle Tapete vom Protagonisten bemerkt wird, aber der Teppich nicht.
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Teufelsblick / Re: Rund um Rechtschreibung
« Letzter Beitrag von merin am 11 February 2024, 17:54:54 »
Wieso fehlt denn das hier? https://languagetool.org/de/

Das Tool findet nicht nur Rechtschreib- und Grammatikfehler, sondern gibt auch Formulierungshilfen. In der kostenlosen Version muss man den eigenen Text häppchenweise prüfen lassen, aber es ist trotzdem schon ziemlich grandios.
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Die Werke der Federteufel / Re: Veröffentlichungen in Printform
« Letzter Beitrag von diffusSchall am 01 November 2023, 09:32:19 »
Und: Offenbar hattest du das Buch schon in der Hand.  :flirty:
Na, klar.
Genre passt.
Autorx passt.
Sofort vorbestellt.

  :nerd:
100
Die Werke der Federteufel / Re: Veröffentlichungen in Printform
« Letzter Beitrag von June am 01 November 2023, 08:53:21 »
Ach ja, dieses Cover. Wir sind gar nicht dazugekommen, auf der Buchmesse darüber zu reden, wieso das eigentlich so spartanisch gehalten ist :D

Glückwünsche gabs ja schon, aber doppelt hält besser:  :daaanke: << ist das der einzige Blumensmiley? Sauerei :)
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