29 Februar 2020, 09:53:30

Autor Thema: Diksussion zum Plotten mit der Lester Dent Formel  (Gelesen 2772 mal)

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LaHallia

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Diksussion zum Plotten mit der Lester Dent Formel
« am: 09 August 2015, 14:23:15 »
Hi Teufelchens,

alle Diskussionen dazu bitte hier herein.

Falls ein Bauchschreiber sich diese Methode durchgelesen hatte würde mich persönlich interessiere, ob er damit arbeiten könnte?
Ich habe den EIndruck, dass diese Methode weniger starr ist als andere. V

Liebe Grüße,
LaHallia
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Viskey

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Re: Diksussion zum Plotten mit der Lester Dent Formel
« Antwort #1 am: 09 August 2015, 17:04:49 »
Ich habe den EIndruck, dass diese Methode weniger starr ist als andere.

Also ich finde diese Methode zugleich starr und schwammig.

Zitat
1-- die erste Zeile; der Protagonist soll vorkommen und der übliche Anfangshook (eine Voraussicht auf das, was noch auf den Helden zukommen wird)
Das ist eine ziemlich große Anforderung an die erste Zeile ... in einem Buch so um die 50 bis 60 Zeichen ...  :watchout:

Zitat
2-- diese angedeuteten Probleme aus 1-- müssen jetzt in Angriff genommen werden. Er versucht die Probleme zu überwinden/ das Rätsel zu lösen.

3-- ALLE wichtigen Charaktere sollten bis jetzt vorgestellt worden sein

4-- Der Protagonist hat seine Probleme nicht überwunden, sondern vergrößert. Je nach Genre wäre hier zum  Beispiel ein körperlicher Kampf angebracht.

5-- gegen Ende der ersten 1500/15000 Wörter sollte ein völlig unvorhersehbarer Twist kommen.
"Gegen Ende", ja das gibt einem einen Anhaltspunkt. - Aber wann ist "jetzt" und wo ist "hier"?
Diesen Teil finde ich extrem schwammig und eher verwirrend statt hilfreich.

Zitat
Die dritten 1500/15000 Wörter
1-- die Probleme des Protagonisten nehmen nicht ab, wenn möglich werden sie nochmal schlimmer

2-- der Protagonist erzielt einen Erfolg, er kommt dem Antagonisten ein deutliches Stück näher

3-- ein Konflikt entsteht daraus, dass der Prota dem Antagonisten näher gekommen ist, oder ihn in die Enge getrieben hat. Dieser Konflikt kann auch wieder körperlich ausgetragen werden.

4-- eine überraschende Wendung passiert. Der Protagonist hat gedacht, er hätte sein Ziel so ziemlich erreicht, jetzt hat er einen riesen Rückschlag.

Ab hier wird es für mich eindeutig zu starr. Die Probleme des Protagonisten können nicht nachlassen - wenn schon, hast du was falsch gemacht.
Protagonist kommt Antagonist näher. Wenn der Antagonist aber einfach nicht zu fassen ist, hast du was falsch gemacht.
Es gibt einen Konflikt wegen (oder mit) dem Antagonisten, den er in die Enge getrieben hat. Wenn der Antagonist den Progatonisten in die Enge treibt, hast du was falsch gemacht.
Und dann muss natürlich eine überraschende Wendung her. _E4: Und ein es muss ein riesen Rückschlag sein ....

Das sind mir zu detailierte Vorgaben, was zu passieren hat. Das verleitet mich höchstens dazu, genau das Gegenteil von dem zu schreiben, was der Herr Dent fordert.   :wech:



"There is no such thing as bad work, just unfinished work." - Eric Idle

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LaHallia

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Re: Diksussion zum Plotten mit der Lester Dent Formel
« Antwort #2 am: 09 August 2015, 17:25:25 »
Ok. Interessant, wie du das siehst, Viskey.

Ich hätte diesen Teil:

Zitat
Zitat
1-- die erste Zeile; der Protagonist soll vorkommen und der übliche Anfangshook (eine Voraussicht auf das, was noch auf den Helden zukommen wird)
Das ist eine ziemlich große Anforderung an die erste Zeile ... in einem Buch so um die 50 bis 60 Zeichen ...  :watchout:
Etwas anders interpretiert als du. Und zwar so, dass die erste Zeile/Absatz nicht anders zu handhaben ist, als sonst auch und dass der Rest für den Teil NACH der ersten Zeile (bis 2--) gilt.
Diese Nummerierungen sehe ich als chronologische Gliederung. Wann ca was zu passieren hat.

Ich bin kein Bauchschreiber, daher hat es mich interessiert.
Ich war eben der Meinung, dass hier lediglich Anhaltspunkte gegeben werde, was man pro x Wörter in etwa erreichen soll und dass das daher ein Halteseil für Bauchschreiber sein könnte (und wenn es nur um Nachhinein ist, um zu sehen, ob eine grundlegende Struktur vorhanden ist).
Sie müssen erzählerische Risiken eingehen. Vor allem aber: niemals versuchen, den anderen zu gefallen. Sie müssen so hoch zielen, dass Sie ganz tief fallen können. Dann vielleicht haben Sie Erfolg. (Frank Schätzing)

Fabian

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Re: Diksussion zum Plotten mit der Lester Dent Formel
« Antwort #3 am: 09 August 2015, 22:41:21 »
Ich war eben der Meinung, dass hier lediglich Anhaltspunkte gegeben werde, was man pro x Wörter in etwa erreichen soll ...
Lester Dent war in den 30ern ein erfolgreicher Serienautor (Doc Savage) für Pulp-Magazine.
Ich glaube, auf genau diesen Gebrauchszusammenhang – schnelles Schreiben von (Serien)-Storys zielt diese  "Formel":
The Lester Dent Pulp Paper Master Fiction Plot
This is a formula, a master plot, for any 6000 word pulp story. It has worked on adventure, detective, western and war-air. It tells exactly where to put everything. It shows definitely just what must happen in each successive thousand words.

Der Leser sollte bekommen, was er erwartet – auch strukturell.
Und dem Autoren sollte eine erfolgreiche Struktur bewusst gemacht werden:
No yarn of mine written to the formula has yet failed to sell.
The business of building stories seems not much different from the business of building anything else.


Möglicherweise erwarten heutige Leser aber etwas anderes, als die Leser von Pulp-Magazinen der 30er Jahre.
Dire Straits klangen auch nicht mehr wie die frühen Animals ...

"Weil niemand mehr Leonardo ist, können alle Leonardo werden ...
das Phantasma der Auserwähltheit Einzelner macht dem Phantasma der Selbstwahl aller Platz"

 (Jörg Scheller in der ZEIT, Nr 2/2019, S. 43)

Trippelschritt

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Re: Diksussion zum Plotten mit der Lester Dent Formel
« Antwort #4 am: 10 August 2015, 07:23:13 »
Ich kann mit dieser Methode leider gar nichts anfangen.
Bauchschreibern fallen zu ihrem Roman alle möglichen Dinge ein,
vor allem Dinge, die noch lange nicht dran sind wie z.B. ein Dialog
zwischen zwei Figuren, von denen es eine noch gar nicht gibt.

Ich selber bewege mich im Augenblick in einer Zwischenzone zwischen plotten und Intuition
und habe gemerkt, dass ich (bestimmt) und auch andere Bauchschreiber (vielleicht) alle
gute Erzähler sind. Dinge wie Figuren vorstellen und sie in Probleme stürzen haben sie im Blut
(in der Intuition). Schwieriger ist es, den Strom von Ideen zu kanalisieren, weil jede Entscheidung
für eine Lösung eine andere Lösung verbaut.

Am hilfreichsten ist für mich immer noch die klassische Dreiakterstruktur mit einem turning point (oder auch nicht)
in der Mitte des zweiten Aktes. Allerdings bin ich im Augenblick dabei und werfe das gerade wieder über den Haufen, weil es ein zweiakter zu werden scheint.
Egal.


Liebe Grüße
Trippelschritt
Wer bin ich, wer war ich, wer werde ich sein?