24 Februar 2020, 12:50:54

Autor Thema: Konzeptbesprechung - Einleitung (AT Wolfsbrüder)  (Gelesen 3062 mal)

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Naleesha

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Konzeptbesprechung - Einleitung (AT Wolfsbrüder)
« am: 31 Januar 2017, 23:15:08 »
Hey,

habe lange über die Problematik mit meiner Einleitung nachgedacht und immer wieder versucht, andere Ansätze mit dem Grundkonzept zu verfolgen.

zur Erinnerung: Grundkonzept besteht aus zwei Absätzen.

Im ersten Absatz fordert ein alter Mann, der vielleicht irgendwo in nem halbdunklen Raum sitzt, uns auf, uns zu ihm zu setzen und seine Geschichte anzuhören. hier wird auch kurz angeteasert um was für eine Geschichte es sich handelt.

Im zweiten Absatz beginnt er aktiv, seine Geschichte zu erzählen. der muss auch nicht lang sein. ein oder zwei Sätze, die in das erste Kapitel überleiten.

Allerdings, in wieviele Richtungen ich hierbei auch denke, es kommt irgendwie immer das Gleiche dabei heraus.

beim letzten Mal, wolltet ihr den zweiten Absatz streichen. dann wollte ich mal versuchen, die komplette Einleitung neu zu schreiben. doch mit keinem Gedanken kam ich weiter.

das Besondere an der Einleitung sollte sein, dass es einem das Gefühl geben muss, dass hier wirklich der Ursprung des Werwolf-Mythos liegt, an die im Mittelalter tatsächlich geglaubt wurde (wie auch an Vampire und Hexen).

(kurz off-Topic: kennt einer von euch noch die Serie "X-Faktor - das Unfassbare"? da konnte man auch nicht immer erkennen, ob eine Geschichte wahr oder erfunden war...)

wie transportiere ich DIESES Gefühl in meine Einleitung?
ich habe es mit dem ersten Satz:
Wenn man dem Erzähler einer Geschichte lauscht, stellt sich nicht die Frage ob sie wahr ist. Es stellt sich die Frage, kann ich mir das vorstellen?
versucht, frei nach eurem Motto, wenn ich ein Buch lese glaube ich innerhalb der Geschichte sowieso alles, solange es in sich schlüssig ist.
aber das kommt eben nicht da heran, wo ich hin will.

Ich bin mit den Legenden dieser Stadt aufgewachsen, die von den ungewöhnlichsten Dingen erzählen und sehr lange habe ich nicht daran geglaubt. Bis ich mich plötzlich selbst in einer dieser Geschichten wiederfand.

der Satz würde das schon relativ schön beschreiben, wenn ich einen Vergleich für die Geschichten hätte. jedoch wenn ich schreibe, dass die sonstigen Geschichten von (nur ein banales Beispiel) den Hexenverbrennungen in Salem handeln, um diesen Realitäts-Bezug und gleichzeitig auch die unglaublichen Dinge, von denen sie handeln konkret zu benennen, dann wirkt es so, als kämen genau diese Elemente im Buch vor, was (größtenteils) nicht der Fall ist.

Ich habe jetzt EINIGE neue Einleitungen geschrieben (die alle auf den unten Aufgeführten Ansätzen basieren, mit Unterschieden in der Formulierung), bei der mir jede fast noch weniger gefallen hat als die vorherige und ich schaffe es einfach nicht, eine Einleitung zu schreiben, die dem Rest des Buches gerecht wird.

meine verschiedenen Ansätze:

- Wieso hör ich einer Geschichte zu:
Wenn man dem Erzähler einer Geschichte lauscht, stellt sich nicht die Frage ob sie wahr ist. Es stellt sich die Frage, kann ich mir das vorstellen?... ich hab ein Problem mit dieser Formulierung. sie klingt weder nach mir, noch nach der Geschichte. also nächste.

- Legenden. bleiben wir mal dabei:
Ich bin mit den Legenden dieser Stadt aufgewachsen, die von den ungewöhnlichsten Dingen erzählen und sehr lange habe ich nicht daran geglaubt. Bis ich mich plötzlich selbst in einer dieser Geschichten wiederfand.
aber ohne Vergleich nicht aussagekräftig genug. und mit vergleich wohl zu irreführend.

- Holzhammermethode:
Glaubt ihr an Magie? an Hexen, Drachen und Vampire? im Mittelalter tat man das. ich habe nicht daran geglaubt bis...
hmmm.... nee, Holzhammer ist nicht so mein Stil. außerdem mag ich es nicht, den Leser im ersten Satz direkt anzusprechen. eher so in Richtung, da is ne Gruppe Menschen im Raum, forder ich sie mal auf, mir zuzuhören...

- Schicksal... das ist immer ein guter Aufhänger... oder nicht?
es Gibt momente im Leben, da wünscht man sich, man hätte eine andere Wahl getroffen. doch was, wenn das Leben dir die Entscheidung abnimmt? wenn die bloße Tatsache dessen, wer du bist, dich auf einen Weg führt, der dein ganzes Leben verändert?
hmmm... nee, das klingt auch nicht nach mir. und außerdem klingt es so, als sei alles so festgefahren. mit einer solchen Einleitung würde ich wohl das ganze restliche Buch gegen die Wand fahren...

wie würdet ihr an sowas ran gehen? ich komme echt nicht weiter und brauche definitiv HILFE  :confused:

würde mich über eine rege Diskussion freuen.

und vielleicht finden wir gemeinsam eine Möglichkeit, zu einer guten Einleitung zu kommen.

Liebe Grüße,
Eure Nalee
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Re: Konzeptbesprechung - Einleitung (AT Wolfsbrüder)
« Antwort #1 am: 31 Januar 2017, 23:34:56 »
Ganz platt: Warte mit der Einleitung, bis das Buch fertig ist, und schreib sie zum Schluß.

Für wissenschaftliche Texte ist das die allgemein anerkannt beste Methode. Denn natürlich weiß man von Anfang an, was man schreiben will, und worauf es hinauslaufen soll. Aber wirklich präzise kann man erst werden, wenn man alles schon hat.

Und ganz klar, jetzt blockiert es dich sowieso nur.
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Naleesha

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Re: Konzeptbesprechung - Einleitung (AT Wolfsbrüder)
« Antwort #2 am: 31 Januar 2017, 23:36:53 »
und was mach ich bis dahin? schreibe ich eine "Platzhalter-Einleitung" nach dem Motto: Lorem Ipsum dolor sit amet?

(soll nicht so knallhart und negativ rüber kommen, wie es vielleicht klingt. wirklich.)
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Trippelschritt

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Re: Konzeptbesprechung - Einleitung (AT Wolfsbrüder)
« Antwort #3 am: 01 Februar 2017, 13:07:05 »
Es gibt keine Werwölfe. Da hilft auch kein Erzähler, der etwas anderes behauptet. Wenn ich nicht an Werwölfe glaube, dann glaube ich auch dem Erzähler kein Wort. Da kannst Du schreiben, was du möchstest.

Und für den Leser und Werwolffan brauchst Du auch keinen Erzähler, denn der weiß ja, dass es welche gibt. Oder aber er ist zumindest bereit, so zu tun, als gäbe es sie.

Deshalb frage ich mich, was Du mit dem Erzähler überhaupt gewinnst.

Wenn du den Leser spekulieren lassen möchtest, ob es Werwölfe gibt, dann lass das Phänomen von Wissenschaftlern untersuchen, ihm einem Journalisten hinterherzusetzen oder lass Zoobesucher über einen Wolf im Zoo spekulieren, der mal da ist und mal nicht. Kurzum, mach ihn zu Teil des Vertrages, den ein Autor mit den Lesern abschließt

Ich muss aber auch zugeben, dass ich nicht so ganz genau verstehe, was Du eigentlich willst.

Liebe Grüße
Trippelschritt
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Naleesha

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Re: Konzeptbesprechung - Einleitung (AT Wolfsbrüder)
« Antwort #4 am: 01 Februar 2017, 13:46:29 »
was haben: Sherlock Holmes Hund von Baskerville, Vampir von Whitechapel, die Hexen von Salem und der Mythos des Lupus Lycantropis gemeinsam?

man hat im Mittelalter geglaubt, dass solche Dinge wirklich existieren. und Allen liegt ein Ursprung zugrunde. ein Ausgangspunkt, von dem aus diese Mythen entstanden sind.

beim Vampir war es die Geschichte von Vlad Tepes dem Pfähler und der Tatsache, dass nicht balsamierte Leichen sich im Grabe aufblähten, den Eindruck erweckten, als entstiegen sie des Nachts aus dem Grabe etc.

über den Glauben an Hexen brauch ich nichts anzuführen, da gibt es genügend "Beweise" dass man früher an sie geglaubt hat. und manche glauben gar heute noch, dass es Hexen gibt. (Wiccan, magische Amulette, die zuhauf verkauft werden etc...)

ich wollte etwas anderes machen, als ich das Buchprojekt vor gut 13 Jahren begonnen habe. ich habe gedacht: woher kommt eigentlich der Glaube an den Werwolf?

-In früheren Zeiten wurden Menschen geboren, die durch eine seltene Erbkrankheit eine starke Körperbehaarung aufwiesen.
Das gepaart mit dem intelligenten, sozialen fast schon menschlichem Verhalten einiger Wölfe, und das bevor es die Wolfsforschung überhaupt gab, legte den Grundstein für den Mythos. aber damit nicht genug.
ich sponn die Geschichte etwas weiter. natürlich glaubte man, dass diese stark behaarten Menschen sich in diese intelligenten Wölfe verwandeln. aber was, wenn Mensch doch immer Mensch blieb und Wolf doch immer Wolf? so entstand mein Gedanke, die Wolfsbrüder zu erschaffen. und um dem Werwolfglauben die richtige Richtung zu geben, habe ich die mächtigsten von ihnen befähigt, sich in Wölfe zu verwandeln.

Das Ding ist jetzt aber folgendes: ich möchte dem Leser hier sagen: ich habe eine Theorie für den ursprung des Werwolfglaubens. an den man im Mittelalter geglaubt hat.

Wenn ein Mensch nicht an Werwölfe glaubt und partout nicht daran glauben will, kann ich ihm selbstverständlich nicht sagen: das ist hier aber echt.

aber ich möchte die Möglichkeit eröffnen, dass der Mythos sich so abgespielt haben könnte.
und weil es keine historische Abhandlung sein soll, eben kein Found-Footage-Film, kein Journalist, der einen Bericht darüber schreibt und denen deshalb hinterherdackelt, sondern hauptsächlich Unterhaltungswert beisteuern soll, habe ich die Geschichte über Nick aufgezogen, der sie uns erzählt, als wäre sie ihm passiert.

Natürlich kann ich einem sturen Ungläubigen nicht vorkauen, dass das echt sei, aber ich möchte dem Leser den Gedanken mitgeben, den man hat, wenn man über die Hexenprozesse von Salem liest, den man hat, wenn man sich The Hounds of Baskerville durchliest. den man hat, wenn man sich eine Folge X-Faktor anschaut. dass man eben NICHT genau weiß, ob da was dran sein könnte oder nicht.

LG, Nalee
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scura

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Re: Konzeptbesprechung - Einleitung (AT Wolfsbrüder)
« Antwort #5 am: 01 Februar 2017, 14:32:57 »
Hach Lorem Ipsum... :victory:

Ich schließe mich Viskeys Tipp an. Schreib erst mal die Rohfassung fertig. Du brauchst auch noch keinen Platzhalter (für was eigentlich?) weil du meiner Erfahrung nach die ganze Geschichte sowieso noch mindestens fünfmal überarbeiten wirst. Und irgendwann ist plötzlich dieser Einfall da... ja so mache ich den Anfang. Ob der was taugt stellt sich dann noch heraus. Du musst ja nicht unbedingt den Anfang schon fertig haben um den Schluss zu schreiben...

Viskey

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Re: Konzeptbesprechung - Einleitung (AT Wolfsbrüder)
« Antwort #6 am: 01 Februar 2017, 14:39:42 »
What Scura said: Erst mal einfach nix stattdessen schreiben, sondern an der Geschichte weiterschreiben.
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Aure

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Re: Konzeptbesprechung - Einleitung (AT Wolfsbrüder)
« Antwort #7 am: 01 Februar 2017, 16:57:31 »
Im Idealfall transportiert deine Geschichte das genau so, ohne dass du es dem Leser sagen vorher musst.
We are not nouns, we are verbs. I am not a thing – an actor, a writer – I am a person who does things – I write, I act – and I never know what I am going to do next. I think you can be imprisoned if you think of yourself as a noun.
(S. Fry)

Trippelschritt

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Re: Konzeptbesprechung - Einleitung (AT Wolfsbrüder)
« Antwort #8 am: 01 Februar 2017, 19:26:35 »
Ich schließe mich den anderen an, wenn sie sagen, dass Du erst die Geschichte schreiben solltest und dir das manches erleichtern würde.

Der wichtigere Teil meines Postungs war der zweite Teil. Mir ging es um den Leserkontrakt. Deine Leser sind Werwolffans oder -interessenten. Und die musst Du auch nicht überzeugen. Musst nur den Kontrakt erfüllen.

So wie Du Deine Geschichte erklärst, geht es Dir offensichtlich nicht um Werwölfe, sondern um die Möglichkeit, dass sie real sind. Die Idee, wie sich Realität und Erfindung durchdringen können, hat Umberto Eco auf genial literarische Art umgesetzt. Nun sind wir alle keine Ecos, aber es gibt für diese Grundidee viele Möglichkeiten sie darzustellen. Auf eine Rahmenhandlung zu setzen, überzeugt mich nicht unbedingt, weil der Leser die Rahmenhandlung als das sieht, was sie ist. Ein Rahmen. Alles, was wichtig ist, liegt aber innerhalb des Rahmens.
Wenn der Leser mit dem erzähler gemeinsam spekulieren soll, dann muss der Erzähler Teil der Geschichte werden. Selbst bei Rothfuss (Name des Windes) haben viele Leser bemängelt, dass seine Vorgeschichte für sein  Thema nichts bringt. Ich sehe das nicht ganz so, denn dieses buch ist dertig spannend geschrieben, dass man als Leser froh über Atempausen ist. Aber leider hält er das Wechselspiel nicht durch und dadurch geht das Konzept nicht auf.

Deshalb ist mein Vorschlag, auf die ein oder zwei Abschnitte vor der Geschichte zu verzichten und gleich mit der Geschichte zu beginnern.

Liebe Grüße
Trippelschritt
« Letzte Änderung: 02 Februar 2017, 10:31:27 von Trippelschritt »
Wer bin ich, wer war ich, wer werde ich sein?

Zauberfeder

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Re: Konzeptbesprechung - Einleitung (AT Wolfsbrüder)
« Antwort #9 am: 02 Februar 2017, 07:11:35 »
Ich schließe mich den anderen an. Schreibe erst einmal deine Geschichte zu Ende, bevor du anfängst, über jedes kleine Detail zu fachsimplen, denn das bremst dich im Schreiben aus. Man sollte immer erst einmal die Rohfassung heruntergeschrieben haben. Dran werkeln und drehen und wenden kommt danach, in der Überarbeitung. Du versuchst aber gerade alles in einem Durchgang abzuhandeln. Das wird, meiner Meinung nach, nicht wirklich funktionieren. Erst einmal fertig schreiben und dann sieht man das weiter.

Ich verstehe ehrlich gesagt, davon abgesehen, aber auch nicht so wirklich, warum du diese Einleitung brauchst. Mich reißt sie nicht mit. Ich will gleich in die Geschichte eintauchen. Das hat viel mehr Wirkung, als wenn ich noch irgendeinem alten Erzähler zuhören muss, der mir erzählt, was vor XY Jahren passiert ist. Ich will gleich wissen, was vor XY Jahren passiert ist, weil ich es erleben will. Aber das kann ich nicht, wenn ich nur von jemanden lese, der in seinem Sessel sitzt und das erzählt.

Und zu deinem Beispiel von X Faktor. Ich kenne die Serie. Ich habe sie früher sehr gerne gesehen. Vielleicht hältst du mich jetzt für dumm, aber ich konnte nicht immer sagen, welche Geschichten wahr waren und welche erfunden. Ich habe auch sehr oft daneben gelegen.

Diese Einleitung bringt meiner Meinung nach auch deshalb nichts, weil du in kurzen Sätzen etwas erklären willst, was im Roman selbst beschrieben wird. Dein Nick kommt doch zu diesen Wolfsbrüdern. Ihm wird erzählt, was Wolfsbrüder sind und genau damit wird doch innerhalb des Romans gezeigt, wie Werwölfe innerhalb deiner Geschichte entstanden sind. Wieso willst du das, was du im Roman machst, schon vorneweg auf wenige Sätze runterbrechen? Das verstehe ich nicht so ganz, ganz davon abgesehen, dass ich persönlich diese Vorwegnahmen auch nicht mag. Ich weiß, es lieben viele Leute Stephen King. Ich habe ein einziges Buch von ihm gelesen und es hat mich geärgert. Er hat zwei Seiten vorher verraten, was eben zwei Seiten später passiert. Die Spannung war futsch. Es war keine Überraschung mehr, dass der Junge stirbt. Ich wusste es ja eh schon vorher.

merin

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Re: Konzeptbesprechung - Einleitung (AT Wolfsbrüder)
« Antwort #10 am: 02 Februar 2017, 18:14:09 »
Ich stimme auch zu. Ansonsten könntest du es ja genau so hinschreiben, wie du es uns hier erklärt hast:

"Der Glaube an Werwölfe ist alt und in vielen Gegenden der Welt verbreitet. Und wie so viele andere Mythen auch, hat er eine reale Wurzel. Die Geschichte, die ich zu erzählen habe, hat genau mit diesem Ursprung des Werwolfmythos zu tun..."

Und an den Feinheiten feilst du, wenn der Text fertig ist.
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht.

Lionel Eschenbach

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Re: Konzeptbesprechung - Einleitung (AT Wolfsbrüder)
« Antwort #11 am: 09 Februar 2017, 21:49:36 »
Wenn ich mein eigenes Schreiben anschaue, stelle ich fest - weil ich noch kein Profi bin -, dass es mir geholfen hat, erst einmal die Geschichte zu schreiben, im Rohtext. Während des Schreibens kamen weitere Ideen, die Gesichte veränderte sich, obwohl ich nie von der ursprünglichen Idee abgewichen bin. Aber wie ich die Punkte verbunden haben, da hat sich dann doch einiges geändert. Wie immer Beispiele. Klar in der Grundstruktur versuchte ich mich an Campells Heldenreise zu halten.

Meine erste Grobskizze war. Eine magische Aura hat die Welt für 3000 Jahre friedlich regiert. Durch eine Katastrophe wurde diese in vier schwächere Kräfte aufgeteilt. Am Tag der Trennung suchten sich die Lichter vier Körper, in die sie eindrangen. In der Zwischenzeit wird erstmals das Reich von einem König regiert, der nicht mehr von der Aura regiert wird. Um die Welt zu retten, müssen sich die vier Auren wiederfinden.

So ungefähr die Grobfassung. Dann im nächsten Schritt.

Todd wird in seinem Alltagsleben gezeigt.
Findet heraus, er ist anders als andere Kinder.
Trifft auf den zweiten Lichtträger.
Der eine nutzt eine Hintertür um König zu werden.
Der andere macht sich auf die anderen zwei Lichtträger zu finden.

Das sollte die Geschichte sein. Wie aber der Alltag ist, wer der Gegenspieler ist, wie der eine zum König wird, welche Hintertür es genau ist und wie er die anderen findet, war völlig unklar.

So schrieb ich und stellte fest, dass beim Schreiben, es ratsam schien, andere Wege zu beschreiten, die ich vorher nicht gedacht hatte. Hier kamen die Ideen dann beim Schreiben.

Als ich dann fast fertig war, machte ich mich an den Prolog. Den alten konnte ich ansatzlos streichen, weil er erschien mir nicht mehr passend.

So ist meine Schreiberfahrung momentan, je weiter ich schrebe, desto mehr muss ich im Einzelfall Szenen verändern. UND was besonders schmerzvoll für mich war, ich musste ganze Szene streichen, die mir so wichtig erschienen. Die Zeit, die ich darin investiert haben, und dann einfach rauskopieren und ablegen. Wie schmerzhaft.

Steht aber der Rohtext und du bist mit dem Grundgerüst zufrieden, dann mag sich auch eine Lösung für die Anfangsformulierungen finden. Der berühmte erste Satz!!!!

Und all die Sätze und Überlegungen, die du angstellt hast, haben ihren Reiz. Du entscheidest dann, welche Variante am besten in den Roman passt.


- Wieso hör ich einer Geschichte zu:
Wenn man dem Erzähler einer Geschichte lauscht, stellt sich nicht die Frage ob sie wahr ist. Es stellt sich die Frage, kann ich mir das vorstellen?... ich hab ein Problem mit dieser Formulierung. sie klingt weder nach mir, noch nach der Geschichte. also nächste.

- Legenden. bleiben wir mal dabei:
Ich bin mit den Legenden dieser Stadt aufgewachsen, die von den ungewöhnlichsten Dingen erzählen und sehr lange habe ich nicht daran geglaubt. Bis ich mich plötzlich selbst in einer dieser Geschichten wiederfand.
aber ohne Vergleich nicht aussagekräftig genug. und mit vergleich wohl zu irreführend.

- Holzhammermethode:
Glaubt ihr an Magie? an Hexen, Drachen und Vampire? im Mittelalter tat man das. ich habe nicht daran geglaubt bis...
hmmm.... nee, Holzhammer ist nicht so mein Stil. außerdem mag ich es nicht, den Leser im ersten Satz direkt anzusprechen. eher so in Richtung, da is ne Gruppe Menschen im Raum, forder ich sie mal auf, mir zuzuhören...

- Schicksal... das ist immer ein guter Aufhänger... oder nicht?
es Gibt momente im Leben, da wünscht man sich, man hätte eine andere Wahl getroffen. doch was, wenn das Leben dir die Entscheidung abnimmt? wenn die bloße Tatsache dessen, wer du bist, dich auf einen Weg führt, der dein ganzes Leben verändert?
hmmm... nee, das klingt auch nicht nach mir. und außerdem klingt es so, als sei alles so festgefahren. mit einer solchen Einleitung würde ich wohl das ganze restliche Buch gegen die Wand fahren...



Die erste Variante schön. So nach dem Motto: Das Lagerfeuer knisterte. Der alte Mann hockte auf einem Stamm und fing an zu erzählen. "Ich möchte euch eine alte Geschichte erzählen."

Wenn dann noch auf dem Cover Fantasy steht, dann vermutet der Leser doch, dass es nicht nur eine Geschichte ist. :)

Die Legendenmethode, auch schön. Da weiß der Leser dann schon, dass der Erzähler zurückblickt auf bestimmte Ereignise. Finde ich auch gut, wenn ich weiß, der Erzähler hat es überlebt :)

Holzhammermethode auch schön. Auch hier wissen wir, der Prota überlegt es und wir wissen sofort, es geht um Magie, Hexen und Drachen. Warum nicht?

Ich persönlich fand deine Worte zum Schicksal schön. Aber wenn es nicht deine Worte sind, ok. Finde ich aber auch schön.

Und x-Faktor ist so eine Sache. Habe ich wirklich gerne geschaut. Das Grundmotiv da ist aber, dass der Leser raten soll, ob die Geschichte richtig oder falsch ist. Nun, die einzelnen Episoden waren kurzweilig. Herrlich.

Ich stelle mir aber gerade mal ein Buch vor, da kämpfe ich mich durch zig Hundert Seiten, um am Ende sagt mir der Erzähler am Lagerfeuer. Hey, ob die Geschichte wahr oder falsch ist, entscheidet selber. Also ich persönlich würde mich aufregen. Ich WILL ein Happy-End, weil ich ein Happy-End-Typ bin. Und dann das, lieber Leser entscheide selber. Neeeeeeeeeiiiiiiiiiiinnnnnnnnnnnnn. Ich würde mich schwarz ärgern, also ich persönlich.

Ich glaube, die meisten Leser wollen in eine Welt eintauchen, die so möglich sein könnte, auch wenn sie erfunden ist. Klar gab es Serien, wo sich am Ende heraustellte, der Prota hatte die ganze 7 Staffeln nur geträumt. Auch das funktionierte, weil es ja für die Staffeln nicht wichtig war, die schön zerzählt waren. War dann halt ein witziger Twist. Alles nur ein Traum. Er stand auf und ging zur  Arbiet :) Wie Alice im Wunderland, hat sie es nun geträumt, weil sie ohnmächtig geworden war? Ist es wichtig. Nein.

Also, schreibe deinen Roman und dann den Anfang. Wir müssen schon genug grübeln, wenn wir schreiben, wenn wir aber bereits am Anfang stocken, dauert es doch ewig. Schreiben und gut.

L.
« Letzte Änderung: 09 Februar 2017, 21:55:14 von Lionel Eschenbach »

Naleesha

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Re: Konzeptbesprechung - Einleitung (AT Wolfsbrüder)
« Antwort #12 am: 09 Februar 2017, 23:05:04 »
Wenn ich mein eigenes Schreiben anschaue, stelle ich fest - weil ich noch kein Profi bin -, dass es mir geholfen hat, erst einmal die Geschichte zu schreiben, im Rohtext.

ja, klar... die Geschichte selbst schreibe ich ja unabhängig vom Anfang, da das Konzept des Anfangs ja eigentlich Nick ist, der einen auffordert, sich seine Geschichte anzuhören. da ich das so losgelöst von der kompletten Geschichte schreiben kann, doktere ich halt trotzdem immer wieder an der Einleitung herum.

Und all die Sätze und Überlegungen, die du angstellt hast, haben ihren Reiz. Du entscheidest dann, welche Variante am besten in den Roman passt.

Die erste Variante schön. So nach dem Motto: Das Lagerfeuer knisterte. Der alte Mann hockte auf einem Stamm und fing an zu erzählen. "Ich möchte euch eine alte Geschichte erzählen."

ja, das Grundsetting passt schon. nur komme ich mir dieser Formulierung nicht so gut in den nächsten Satz. außerdem klingt es für mich noch sehr holprig.

Die Legendenmethode, auch schön. Da weiß der Leser dann schon, dass der Erzähler zurückblickt auf bestimmte Ereignise. Finde ich auch gut, wenn ich weiß, der Erzähler hat es überlebt :)

ja, die Legendenmethode war mein erster Versuch. (siehe die Einleitungs-Threads im Höllenfenster) der hat aber leider nicht funktioniert, weil die Art der Legenden um die es geht keine substanz bekommen wenn sie keine Vergleichbare Nennung bekommen und mit der Nennung ist es zu irreführend.

Holzhammermethode auch schön. Auch hier wissen wir, der Prota überlegt es und wir wissen sofort, es geht um Magie, Hexen und Drachen. Warum nicht?

ich bin aber nicht wirklich ein Fan von Holzhammer. außerdem liegt genau im roten Bereich der Hund begraben. es geht eben NICHT um Hexen und Drachen. es geht um den Ursprung der Werwölfe. Die Einleitung wäre in etwa so weitergegangen:

Glaubt ihr an Magie? an Hexen, Drachen und Vampire? im Mittelalter tat man das. ich habe nicht daran geglaubt bis ich selbst zu einem dieser unglaublichen Wesen wurde. Es zu beschreiben ist schwierig. die Mythologie der Menschen ist nicht beständig, so hat ihr Aberglaube und ihre Angst uns zu Monstern gemacht. zu Werwölfen. Aber unser Ursprung, das, was wir tatsächlich sind, hat nichts mit jenen Bestien zu tun.

demnach geht es in der Geschichte eben NICHT um Hexen, Vampire und Drachen, sondern um komplett andere Dinge. ihre Erwähnung aber, wie du schon angemerkt hast, lässt die Leute glauben, dass sie vorkommen, eine Rolle spielen. und das ist irreführend.

Ich stelle mir aber gerade mal ein Buch vor, da kämpfe ich mich durch zig Hundert Seiten, um am Ende sagt mir der Erzähler am Lagerfeuer. Hey, ob die Geschichte wahr oder falsch ist, entscheidet selber. Also ich persönlich würde mich aufregen. Ich WILL ein Happy-End, weil ich ein Happy-End-Typ bin. Und dann das, lieber Leser entscheide selber. Neeeeeeeeeiiiiiiiiiiinnnnnnnnnnnnn. Ich würde mich schwarz ärgern, also ich persönlich.

das Ding ist ja: ich sage den Menschen nicht, dass sieselbst entscheiden sollen, ob sie WAHR ist, sondern sie sollen selbst entscheiden, ob sie GLAUBEN WOLLEN, dass sie wahr ist. denn als wahr erzähle ich sie ja. Dem Nick ist das (in-story) alles so passiert.

Das Ding ist, ich will am Ende einfach das Gefühl offen lassen, das man hat, wenn man an das Mittelalter und Hexenverbrennungen denkt. an die Tuatha de Danann, Camelot und die Sage von Arthus und Merlin, Avalon etc.

eben all das, was man uns vorgaukelt, das wirklich so geschehen sei. das wirklich existiert hat. das ist mein - wenn auch SEHR hoher- Anspruch an mein Buch.
und schon die Einleitung soll zumindest im Ansatz diesen Gedanken schon transportieren.
"was du mit deinem Körper verstanden hast, wirst du im Leben nie wieder vergessen." (Gichin Funakoshi)
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Lionel Eschenbach

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Re: Konzeptbesprechung - Einleitung (AT Wolfsbrüder)
« Antwort #13 am: 09 Februar 2017, 23:51:35 »
Das wäre dann ein ganz starker erster Satz! Mein erster Lieblingssatz ist immer noch von Stephan King.


"Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm."  :) :) :)



P.S.

Du schriebst: "Glaubt ihr an Magie? an Hexen, Drachen und Vampire? im Mittelalter tat man das. ich habe nicht daran geglaubt bis ich selbst zu einem dieser unglaublichen Wesen wurde. Es zu beschreiben ist schwierig. die Mythologie der Menschen ist nicht beständig, so hat ihr Aberglaube und ihre Angst uns zu Monstern gemacht. zu Werwölfen. Aber unser Ursprung, das, was wir tatsächlich sind, hat nichts mit jenen Bestien zu tun."


Auch ich verwende ein ähnliches Motiv. In meiner Welt ist der Glaube an Magie verschwunden, sie findet sich nur noch in Legenden und Märchen.  Und doch gibt es Magie, die weitgehend aus dem Bewusstsein meiner Welt verschwunden ist. Nur wenige wissen, es gibt sie noch. Damit spiele ich.  Die wenigen, die von ihrer Existenz wissen, sind daran gebunden, die Magie im Verborgenen zu halten, hat sie soviel Leid gebracht. So wird an den Lagerfeuern nur von Magie in Form von Legenden und Märchen gesprochen, aber.........

Und doch wird den Menschen sehr viel später vor Augen geführt, die Magie existiert. Und die Drachen sind weit mehr als nur Reittiere für die Reichen. Eine ahnungslose Welt, aber.....

Und eben das ist meine Geschichte....

L.
« Letzte Änderung: 10 Februar 2017, 00:19:02 von Lionel Eschenbach »