28 Februar 2020, 05:45:57

Autor Thema: Ts lernt schreiben  (Gelesen 2267 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Trippelschritt

  • Federteufel
  • *****
  • Beiträge: 1306
  • Geschlecht: Männlich
  • Rabenschwarze Feder
Ts lernt schreiben
« am: 15 Juni 2017, 20:34:40 »
Nachdem ich grade wieder gelesen habe, mit welchen Dingen ihr euch rumschlagt und euch allein schon deshalb in Schwierigkeiten bringt, weil ihr alles auf einmal wollt und deshalb unter euren Möglichkeiten bleibt, habe ich mir gedacht, ich versuche mal noch zusammenzubekommen, welchen Weg ich gegangen bin. Ihr werdet wahrscheinlich einen etwas anderen Weg gehen, aber vielleicht könnt ihr euch das eine oder andere abgucken.

Ich muss vorausschicken, dass ich durch meine berufliche Tätigkeit bereits Fach- und Sachbücher geschrieben hatte, es also wenig Probleme mit Syntax, Grammatik und Ähnlichem gab und ich auch gut einen vermurksten Satz von einem guten Satz unterscheiden konnte. Und ich hatte bereits mindestens einen Schreibkurs in wissenschaftlichem Schreiben gegeben. Ich fing also nicht bei Null an. Es geht nur darum, was ich gemacht habe, um Belletristik zu lernen. Meinen ersten Roman habe ich um 2000 begonnen. jetzt haben wir 2017. Es ging also auch bei mir nicht so einfach ruckzuck.

Und jetzt fange ich mit einem Doppelpost an, weil mir die Texte hier so oft abstürzen.
Geht also sofort weiter.

Liebe Grüße
Trippelschritt
Wer bin ich, wer war ich, wer werde ich sein?

Trippelschritt

  • Federteufel
  • *****
  • Beiträge: 1306
  • Geschlecht: Männlich
  • Rabenschwarze Feder
Re: Ts lernt schreiben
« Antwort #1 am: 15 Juni 2017, 21:17:41 »
Und schon ist es passiert. Text fast fertig und dann eine falsche Taste und alles war weg. Also auf ein neues.

Da ich gerne aus Büchern lerne, habe ich mir eine Reihe Schreibratgeber angeschafft, durch sie durchgeblättert und mich dann für ein Buch entschieden.

Sol Stein: Über das Schreiben.

Der fing ganz praktisch an und ich brauchte mir nicht den Kopf darüber zu zerbrehcen, wie meine Prämisse hieß. Ich erinnere mich noch, dass ich jedes Kapitel gelesen habe und nach jedem Kapitel eine Pause gemacht habe. Und bei mindestens drei Kapiteln hat es Ping gemacht. Ping bedeutet, ich bekam Idee und kam auf eigene Gedanken. Meine drei Kapitel waren:
- Der Anfang (zieht den Leser an)
- der Dialog (Wie schreibt man, wie Leute reden?)
- die Beschreibung (alle Sinne)

An zwei Aha-Erlebnisse erinnere ich mich auch noch.
- Bei der Beschreibung geht es nicht nur darum, was der Autor beschreibt, sondern auch was er nicht beschreibt. Es geht also nicht um Fülle, sondern zunächst einmal um eine Auswahl. Und mit dieser Auswahl führt er den Leser auf den Weg, auf der er ihn fürhren will. Beschreibungen sind mächtiger als man glaubt.
- Dialoge sind Kunstprodukte, die authentisch klingen sollen. Hört sich an wie ein Widerspruch in sich selbst. Erst später habe ich auch gemerkt, dass längere Dialoge eine eigene Regie brauchen. Aber noch nicht zu dieser Zeit.

Dann habe ich angefangen zu schreiben und auch heute schreibe ich noch gern Textbausteine mit Beschreibungen und Dialogen und Storyanfängen, wenn mir danach ist. und wenn mir danach ist, taugen sie auch meist was. Ich habe also mit meinen Stärken begonnen und nicht mit meinen größten Defiziten. Man braucht Erfolgserlebnisse beim Lernen.

Gleichzeitig - hat mit Schreibratgebern nichts zu tun - habe ich nach den wichtigsten Schlüsselpunkten gesucht, die darüber entscheiden, ob mir ein Roman gefällt. Ich habe mich zunächst auf drei beschränkt. Diese drei Punkte haben sich im Verlauf der Zeit immer ein wenig verändert. Jetzt sind es nur noch zwei.

Die Schlüsselpunktfrage habe ich auch in den verschiedensten Foren gestellt. Die Antwort war immer dieselbe. Die Mehrzahl der Diskutanten war der Meinung, das ist eine reine Geschmacksfrage. IST ES NICHT!
Und selbst wenn es das wäre, ändert das nichts an der Tatsache, dass mit diese Frage entscheidend weitergeholfen hat, bessere Texte zu schreiben.

Das ist Stufe 1. Die reicht für ein oder zwei Jahre. Nur so nebenbei: Perspektive und/oder Nähe war für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Das habe ich erst sehr spät verstanden.

Frohes Schaffen
Trippelschritt
Wer bin ich, wer war ich, wer werde ich sein?

Oflinitrium

  • Schreibteufel
  • ****
  • Beiträge: 290
  • Geschlecht: Männlich
  • Auch Traumwelten existieren.
Re: Ts lernt schreiben
« Antwort #2 am: 16 Juni 2017, 01:23:56 »
Zitat
Gleichzeitig - hat mit Schreibratgebern nichts zu tun - habe ich nach den wichtigsten Schlüsselpunkten gesucht, die darüber entscheiden, ob mir ein Roman gefällt. Ich habe mich zunächst auf drei beschränkt. Diese drei Punkte haben sich im Verlauf der Zeit immer ein wenig verändert. Jetzt sind es nur noch zwei.

Mmmhh das ist ein interessaner Aspekt. Ich kann dir zu jedem Buch, das ich mag Schlüsselpunkte nennen, bei denen der Autor mit seinem Ansehen bei mir ordentlich ins Minus gerutscht ist. Aber Schlüsselpunkte die mir gefallen sind meist ziemlich allgemein wie beispielsweise gute Charakterinteraktion, Erzählweise einer Geschichte etc. Oder denke ich gerade zu konkret und es ist damit genau das gemeint wie ich z.B. hier beschreibe?

Zitat
Lies die Texte deiner Vorbilder und mach dir klar was du an diesen Texten magst und wo sie deiner Meinung nach Schwächen haben. Ich beispielsweise mag die Erzählweise von Christopher Paolini, aber was Charaktere angeht hat er noch viel Luft nach oben. Christoph Hardebusch hingegen ist sehr gut darin Charaktere zu beschreiben und miteinander in-character interagieren zu lassen, während Terry Goodkind sehr gut darin ist seine Geschichte wie ein Puzzle auszubreiten und dem Leser nach und nach ein Teil in die Hand zu geben, das dieser dann an die richtige Stelle rücken kann.

Zitat
Und schon ist es passiert. Text fast fertig und dann eine falsche Taste und alles war weg. Also auf ein neues.
Einer der Gründe weswegen ich mir in Foren angewöhnt habe alle paar Zeilen Strg+a gefolgt von Strg +c zu drücken... Vor allem vorm finalen absenden.^^
Die Werke die ich am meisten liebe, sind gleichzeitig die, die ich am meisten kritisiere. Im Grunde ist es so, dass eine ausführliche Kritik meinerseits auch eine Anerkennung und ein Glückwunsch ist, denn wenn es einfach nur schlecht wäre, würde ich mir gar keine Gedanken darüber machen.

Trippelschritt

  • Federteufel
  • *****
  • Beiträge: 1306
  • Geschlecht: Männlich
  • Rabenschwarze Feder
Re: Ts lernt schreiben
« Antwort #3 am: 16 Juni 2017, 06:45:39 »
Nach Fehlern schaue ich weniger. Zwar fallen sie mir auf und sie bringen mich auch dazu ein Buch beiseite zu legen, aber wenn ich schreiben lernen will, geht es nicht so sehr darum, Fehler zu vermeiden, als vielmehr starke Passagen zu schreiben. Nicht verlieren wollen, macht dich nicht automatisch zu enem Gewinner.


Wenn Du meinst, dass gute Charakterinteraktionen für eine gute Geschichte unverzichtbar sind und mit ihnen alles steht und fällt, dann hast Du Deinen ersten Punkt. Aber um diesen Punkt jetzt für das Schreiben umzusetzen, musst Du Dir klar machen, was gute Charakterinteraktionen sind, was sie ausmacht und wie man zu ihnen kommt.

Liebe Grüße
Trippelschritt

Ctrl+a ist markieren, aber was bewirkt Ctrl+c?
Wer bin ich, wer war ich, wer werde ich sein?

Lionel Eschenbach

  • Federgewicht
  • **
  • Beiträge: 99
Re: Ts lernt schreiben
« Antwort #4 am: 16 Juni 2017, 09:45:59 »
@Trippelschritt.

Jeden Punkt unterschreibe ich. Jeden. Mag daran liegen, dass wir möglicherweise einen ähnlichen Background haben.

Ich teile deine Auffassung, dass wir ein Gespür dafür entwickeln können, was gut oder weniger gut ist. Gerade bei Dialogen in Filmen fällt es mir auf. Sie wirken natürlich und doch sind sie eine Verdichtung, fast schon eine Sentenz. Anscheinend mögen Drehbuchautoren es.

Gibt dort etliche Dialoge, die so beiläufig wirken und doch erzielen sie einen Effekt in ihrer Kürze. Hier einige Klassiker für mich, die sich leider eingebrannt haben, seufz.

Highlander. "Hey, ich bin Candy." "Natürlich bist du das!"

John Wick "Versuch nicht dem Leben einen Sinn zu geben, es ist eine Aneinanderreihung von Tagen und schlechten Tagen."

Wir mögen es oder nicht. Aber Dialoge sind Kunstprodukte, die weit mehr erreichen sollen, als nur zu sagen, hole mir eine Tasse Kaffee. Nur verdammt schwierig.

Weiterhin teile ich deine Auffassung, dass ich persönlich für mich gute von weniger gute Fantasyliteratur unterscheiden kann. Ich weiß sogar, was mir daran gefällt, der Stil, die Worte, das Tempo etc. pp. Und ich versuche so zu schreiben.

Jeder Schreibratgeber hat irgendwie recht und unrecht. Alles macht Sinn, doch aus all den Ratschlägen die Hilfe zu finden, die uns befähigt, so zu schreiben, wie wir es wollen, ist schwer. Ich schreibe, ja, aber noch nicht so, wie ich es möchte. Das ist doch das Problem.

Nein! Es ist keine Geschmackssache!! Das ist oft die höfliche Umschreibung für, wirklich grottig geschrieben. Ich kann in ein Museum gehen und mir viele Kunstwerke anschauen. Manche Stile gefallen wir einfach nicht, wie z.B Expressionisten. Aber ich kann sehr wohl sagen, auch wenn mir der Stil nicht gefällt, es ist verdammt gut gemacht. Verdammt gut. Und eben das ist es, es ist keine Geschmackssache, es ist viel, viel auch Handwerk. Gerade das richtige Tempo, die Konsistenz einer Szene. Darüber verzweifele ich so manchen Abend, wenn ich schreibe. Aber manchmal komme ich meinem Sound schon nahe und ich sage zu mir selbst. Ja, diese Szene hört sich so an, wie ich sie mir vorgestellt habe. Mal schauen, was die Leser sagen :)

Thumb up!!!

L.

P.S. Hatte die Zitatseite von John Wick noch hoffen. Herrlich.

John: "Ich hab mich zur Ruhe gesetzt."
Addy: "Nicht, wenn Du Deinen Drink hier nimmst."

Diese zwei  Sätze erklären weit mehr, als die einfache Bedeutung nahelegt. Eingebettet in den Kontext, erklären diese zwei Sätze, dass John Wick sich wieder entschieden hat, in den nächsten 60 Minuten ca. 60 Leute zu ermorden, nur weil er einen Drink nimmt. Hammer, Hammer, Hammer.
« Letzte Änderung: 16 Juni 2017, 10:01:54 von Lionel Eschenbach »

Oflinitrium

  • Schreibteufel
  • ****
  • Beiträge: 290
  • Geschlecht: Männlich
  • Auch Traumwelten existieren.
Re: Ts lernt schreiben
« Antwort #5 am: 16 Juni 2017, 13:14:23 »
Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen als nur auf Literatur und Fernsehen zu schauen. Man kann auch viel von Videospielen lernen (so blöd es auch klingen mag), einfach weil auch dort das Tempo, der Rhythmus etc. entscheidend dazu beitragen ob ein storylastiges Spiel gut ist oder nicht. Vor allem nonlineare Spiele mit verschiedenen Gesprächsoptionen können faszinierend sein, weil man verschiedene Texte schreiben musste die trotzdem auf das selbe Gesprächsende zusteuern bzw. die Geschichte für den Protagonisten -je nach multiple Choice Auswahl- in eine andere Richtung lenken. Im Grunde ist das anspruchsvoller als eine einzelne Geschichte zu schreiben, weil man 2,3,4,5 Geschichten schreiben muss die sich zwar ähneln, aber im besten Falle unterschiedliche Enden beinhalten, die darauf basieren wie der Spieler sich in Schlüsselmomenten entschieden hat. Und dann habe ich von Nebenquests und Missionen die geschrieben werden wollen noch gar nicht gesprochen. Mit Sicherheit gibt es dafür verdammt viele negativ-Beispiele und ziemlich wenige Perlen, aber diese Perlen sind dafür im Grunde umso bemerkenswerter. Das Handwerk dahinter sollte man vielleicht nicht als "Schreiben" bezeichnen sondern wirklich als Storytelling, weil diese Form von Handwerk in den unterschiedlichsten Medien angewendet werden aber im großen und ganzen gleich funktionieren. Es unterscheidet sich immer nur die Art der Darstellung und die Prioritäten verschieben sich von Medium zu Medium genauso aber wie sich auch beim Schreiben die Prioritäten von Genre zu Genre verändern.

Zitat
Ctrl+a ist markieren, aber was bewirkt Ctrl+c?
ctrl+c bewirkt das selbe wie ein Rechtsklick und "kopieren" damit hast du das geschriebene quasi zwischengespeichert und, wenn es beim Senden abstürzen sollte, kannst du mit ctrl+V oder Rechtsklick und "einfügen" den Text ohne irgendwelchen Verlust wieder einfügen und erneut senden ;)


Zitat
Wenn Du meinst, dass gute Charakterinteraktionen für eine gute Geschichte unverzichtbar sind und mit ihnen alles steht und fällt, dann hast Du Deinen ersten Punkt. Aber um diesen Punkt jetzt für das Schreiben umzusetzen, musst Du Dir klar machen, was gute Charakterinteraktionen sind, was sie ausmacht und wie man zu ihnen kommt.

Mmhhh bisher wurden von den wenigen Leuten die ein bisschen was von meinen Texten testlesen durften im Grunde nur meine Dialoge gelobt. Entweder habe ich dafür Anscheinend ein Händchen oder bin von Idioten umgeben... Ich persönlich finde Dialoge bzw. Charakterinteraktionen im Grunde wichtiger als einen Plot. Gut geschriebene Charaktere können über einen schwachen Plot hinweghelfen... ein guter Plot kann aber nicht unbedingt langweilige/nervige/unglaubwürdige Charaktere ausgleichen. Wie finde ich denn heraus, was gute Charakterinteraktionen ausmachen und vor allem wie man zu ihnen kommt? Begründen warum mir etwas gefällt, fällt mir ziemlich leicht... aber ich denke dann meist zu konkret an dieses Beispiel.
« Letzte Änderung: 16 Juni 2017, 13:25:03 von Oflinitrium »
Die Werke die ich am meisten liebe, sind gleichzeitig die, die ich am meisten kritisiere. Im Grunde ist es so, dass eine ausführliche Kritik meinerseits auch eine Anerkennung und ein Glückwunsch ist, denn wenn es einfach nur schlecht wäre, würde ich mir gar keine Gedanken darüber machen.

merin

  • Oberfederteufel
  • Federteufel
  • *****
  • Beiträge: 5468
  • Geschlecht: Weiblich
  • Wortsucherin
Re: Ts lernt schreiben
« Antwort #6 am: 16 Juni 2017, 15:55:46 »
Für mich ist einer dieser Punkt auf jeden Fall "lebendige und tiefe Charaktere". Da lese ich fast alles und verzeihe auch diverse Plotschwächen. Über den Rest grübel ich noch mal nach.
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht.

Trippelschritt

  • Federteufel
  • *****
  • Beiträge: 1306
  • Geschlecht: Männlich
  • Rabenschwarze Feder
Re: Ts lernt schreiben
« Antwort #7 am: 17 Juni 2017, 17:07:59 »
Wie ging es jetzt weiter? Ich habe darüber kein Tagebuch geführt und meine Erinnerung ist lückenhaft, was die Reihenfolge angeht. Aber meine nächsten beiden Schritte waren ein Internet-Schreibkurs bei kompetenten Training - einer war der H.P. Roentgen - und die Korrektur eines meiner Romane durch eine liebe Freundin. Diese beschränkte sich auf die ersten vier Seiten und ließ fast nichts von meinem wirklich großartigen Text stehen. Das war wie ein Schlag in die Magengrube. Kennt ihr alle.

Es gab offensichtlich zwei ganz entscheidende Schwächen in meinem Text. Die eine war, dass ich keine Gefühl dafür hatte, was ganz nah dran und was distanziert bedeutete. Da fehlte mir ein Sinnesorgan und es hat lang gedauert, bis sich das herausgebildet hatte. Die andere war, dass ich zu wenig auf die Reihenfolge meiner Sätze geachtet hatte. Was für mich beim wissenschaftlichen Schreiben eine Selbstverständlichkeit war, hatte ich bei der Belletristik unterschätzt.

Es ist leider alles andere als egal, welcher Satz welchem folgt - oder besser gesagt: welcher Gedanke welchem folgt. So wie es eine innere Logik der Story gibt, welches Kapitel welchem Kapitel folgt, gibt es etwas ähnliches zur Szenenfolge, zu der Abfolge von Absätzen und der Reihenfolge von Sätzen. Die Schwäche ließ sich leicht beheben.

Der Schreibkurs war zwar gut konzipiert, aber für mich leider ein Flopp. Einige Themen gingen völlig an mir vorbei, weil ich da noch nicht so weit war. Sie kamen zu früh. Andere waren langweilig, weil ich das bereits gut beherrschte. Was ich mitgenommen habe waren außer einigen Anregungen und einigen netten Freundschaften vor allem ein paar Erkenntnisse über meinen eigenen Kreativitätsprozess. Ich musste feststellen, dass ich ein fast völliger Bauchscheiber war. Das ändert sich so langsam. Mittlerweile plotte ich auch. Aber ein Planer werde ich nie.  Bevor jetzt jemand glaubt, ich hätte eine negative Meinung vom H.P. Roentgen muss ich das schnell verhindern. Der ist nicht nur nett, sondern auch kompetent. Und seine Bücher habe ich mir alle angeschafft.

Dann gab es noch einen Block. Ich tat mich schwer damit, Liebesszenen zu schreiben. Eine Alterssache. Da habe ich den Stier bei den Hörnern gepackt mir einen Schreibratgeber angeschafft, der mir etwas über erotsches Schreiben erzählte und angefangen erotische Geschichten zu schreiben und diese in einem Forum einzustellen, weil ich da unbedingt Feedback haben wollte. Das muss so vor fünf Jahren gewesen sein.

Und ich habe beim Schreiblust-Verlag beim Mitmachprojekt teilgenommen. Jeden Monat ein Stichwort. Dazu konnte dan eine Kurzgeschichte geschrieben werden 10 000 Zeichen Obergrenze. Und die wurde von den anderen Teilnehmern kommentiert. Nicht so hart wie hier oder im FF, aber immerhin. Und man kann seinen Text zweimal verbessern. Am Ende werden alle Geschichten von den Teilnehmern bewertet. Da habe ich sagenhaft viel gelernt und auch einige Siegertexte produziert. Kann ich nur empfehlen.

Schritt 3 poste ich demnächst.

Viel Vergnügen
Trippelschritt
Wer bin ich, wer war ich, wer werde ich sein?

Ryek Darkener

  • Betamonde
  • Federteufel
  • *
  • Beiträge: 787
  • Geschlecht: Männlich
  • And now for something completely different ...
    • Ryek Darkener auf Twitter
Re: Ts lernt schreiben
« Antwort #8 am: 17 Juni 2017, 20:59:19 »
Ich lese das mit sehr großem Interesse mit.
Besonders den Punkt, dass kein Schreibkurs hilft, wenn man noch nicht so weit ist, kann ich bestätigen. Schreiben ist wirklich eine Sache, bei der man als Normalsterblicher nur dann besser wird, wenn man sich permanent damit beschäftigt. Die gute Nachricht ist: Man wird besser. Möglicherweise nie perfekt, aber gut genug, dass andere das Geschriebene gerne lesen.
DSvU-4 "Wurzeln und Flügel (AT)": Plotten/Schreiben
DSvU-5 "StarTramp (AT)": Überarbeiten

Oldlady

  • Betamonde
  • Federteufel
  • *
  • Beiträge: 828
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Ts lernt schreiben
« Antwort #9 am: 17 Juni 2017, 22:38:28 »
Ich finde auch, dass es ungemein spannend ist, wie Trippel und die anderen sich mit dem Schreiben lernen beschäftigt haben.
Bei mir selber weiß ich es nicht mehr so genau. Ich habe schon damals, als ich vom Lehrerdasein zum Journalismus gewechselt habe, einige Schreibratgeber studiert, vor allem die von Wolf Schneider (da habe ich viel über Stil gelernt). Und dann versuchte ich, das bei meinen kommerziellen Auftrags-Texten umzusetzen. Mit dem Schreiben von Büchern habe ich mich erst viele Jahre später ernsthaft beschäftigt und festgestellt, dass das eine völlig andere Baustelle ist, obwohl mir das Vorwissen natürlich genutzt hat. Auch dazu habe ich viele Ratgeber  durchgeackert (Röntgen, King ...), und außerdem habe ich im früheren Federfeuer-Forum und hier bei den Teufeln einiges gelernt. Ich bilde mir also ein, besser geworden zu sein. Und dann passierte mir etwas. Ich bin auf einen uralten Text von mir gestoßen, aus den Anfängen meiner Journalistenzeit, und fand ihn hervorragend. Es war eine Satire. Sie ist – nach meinem jetzigen Maßstab – gut und knapp geschrieben,  und ich musste laut lachen (ich hoffe das klingt nicht allzu eingebildet  :rotwerd:). Ich weiß nicht, ob ich derzeit etwas Ähnliches zustande brächte.
Zugegeben, eine Satire ist etwas Spezielles. Aber Handwerk ist auch nicht alles. Ich glaube, beim Schreiben ist das Wichtigste das Hirn. Nur wenn man Ideen hat und klar denkt,  kommt eine gute Geschichte heraus.


Mondstern

  • Federteufel
  • *****
  • Beiträge: 569
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Ts lernt schreiben
« Antwort #10 am: 21 Juni 2017, 02:28:35 »
Sehr interessant. Komm leider zurzeit gar nicht zum Schreiben ...

Da habe ich sagenhaft viel gelernt und auch einige Siegertexte produziert. Kann ich nur empfehlen.

Respekt. Ich hab noch nie bei so Sachen gewonnen.

LG Mondstern

Trippelschritt

  • Federteufel
  • *****
  • Beiträge: 1306
  • Geschlecht: Männlich
  • Rabenschwarze Feder
Re: Ts lernt schreiben
« Antwort #11 am: 21 Juni 2017, 06:58:25 »
Hurra, Elvis   Mondstern lebt  :biggrin: Warte es nur ab, irgendwann kommt die Zeit wieder. Dann werden die ersten Absätze zunächst mal ruckeln, aber nach ein paar Tagen fließt es dann auch wieder. Ich drück dir die Daumen.


Und jetzt schließe ich den Bericht über meinen Lernprozess ab. Je mehr man verstanden hat, desto geringer wird der weitere Forschritt, aber es hört nie auf. Die Anzahl zusätzlicher Schreibratgeber, die einen auf neue Ideen bringen geht gegen Null. Und trotzdem ...

Jetzt suche ich meine Perlen der Weisheit aus Interviews von Autoren, deren Bücher mich beeindruckt haben, oder aus deren Büchern direkt und immer wieder gibt es etwas zu entdecken, aber es steht meist zwischen den Zeilen. Dafür muss man aber so weit sein, dass man einen guten analytischen Blick für eine Geschichte entwickelt haben muss, denn es reicht nicht mehr zu sagen: Wow, was für ein Buch, sondern muss den Finger auf das Wow legen können oder die vielen Punkte, die für das Wow verantwortlich sind. Zwei Beispiele dafür?

1. Das Setting. Dauerthema der Fantasyautoren und Weltenbauer. Aber das Setting gilt auch für jede andere Geschichte, wo es mitunter mühsam recherchiert werden muss. Und noch was. Das Setting ist nicht nur für die ganze Geschichte wichtig, sondern für jede einzelne Szene. Und das ist gar nicht einfach. Am besten, man hat da mal gelebt. Dann kann die Intuition es übernehmen. Aber wehe, wenn nicht.

2. Spannung. Wir haben einen Kurs darüber gehabt, der die meisten wichtigen Punkte für Spannungs- und Abenteuerliteratur enthalten hat. Aber was ist mit solchen Romanen den von Mondstern oder von Jane Austen oder Tana French. Sie bauen eine völlig andere Art von Spannung auf, die viel mit Authentizität und vorher festgelegten Skripten in Dialogblöcken arbeiten.

Und dann noch der Dauerbrenner Plot. Da empfiehlt sich unter Umständen mal ein etwas anderer Blickwinkel und deshalb empfehle ich mal noch einen Schreibratgeber.

Robert McKee: Story. Die Prinzipien des Drehbuchschreibens.
Hat mir mehr gebracht als ein vergleichbares Buch von Christopher Keane.

Das war's, Freunde
Trippelschritt

« Letzte Änderung: 21 Juni 2017, 11:19:10 von Trippelschritt »
Wer bin ich, wer war ich, wer werde ich sein?

Lionel Eschenbach

  • Federgewicht
  • **
  • Beiträge: 99
Re: Ts lernt schreiben
« Antwort #12 am: 21 Juni 2017, 17:37:14 »
Story: Die Prinzipien des Drehbuchschreibens (Taschenbuch)
von Robert McKee

Auf Amazon lässt sich eine lange Leseprobe genießen. Hammer. Bestellt. Und doch überkam mich Trauer nur beim Querlesen. Diese Schichten, die Gestaltungsprinzipien, die zu beherrschen und zu verinnerlichen, baut wieder ein Hürde auf. Aber ja, ein Roman ist mehr als nur die Reise eines Helden.

Das Buch wird wohl in drei Tagen eintreffen. Danke für die Empfehlung.

L.