23 März 2019, 17:54:54

Autor Thema: Frierend im Sonnenschein  (Gelesen 112 mal)

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Oflinitrium

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Frierend im Sonnenschein
« am: 11 Januar 2018, 20:38:10 »
Draußen thronte die Sonne einsam am wolkenlosen Himmel. Sonnenlicht durchflutete den großen Raum, dessen Fenster geschlossen waren. Munteres Knacken und Fauchen im Kamin. Das einzige Geräusch in drückender Stille. Schweiß versuchte den Körper zu kühlen, Haut glühte, Muskeln brannten. Ein ganzer Körper suchte der Hitze zu entfliehen. Doch Robin regte sich nicht.
Den Rücken, den wärmenden Flammen zugewandt saß Robin im Schneidersitz am Boden und hoffte darauf, dass die Hitze bis ins Innere vordringen würde. Hoffte, dass die Wärme des Feuers und der Sonne, die unsägliche Kälte vertreiben möge. Diese Kälte, die den Körper seit geraumer Zeit Schritt für Schritt für sich beanspruchte. Die lähmte und zur Untätigkeit verdammte.
Doch Robin wartete vergebens.
Eine frostige Träne spendete der Haut nur kurze Linderung, ehe sie klirrend am Boden zersprang.

Das Feuer war herunter gebrannt. Die Glut glomm spielerisch in der Dunkelheit der Nacht. Robin wartete nicht mehr. Den Rücken, der wärmenden Glut zugewandt hatte die innere Kälte obsiegt. Die frostige Faust der Einsamkeit drückte ein letztes Mal das geschundene Herz und Robin hauchte den letzten Hauch.
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Als kurze Erklärung:
Ich würde mich freuen, wenn der Text bedrückend und unbequem wirkt, sich aber trotzdem flüssig lesen lässt.
Ich habe mich absichtlich daran versucht Robin nicht weiter zu charakterisieren und den Charakter weder weiblich noch männlich zu machen, was gar nicht so einfach war. Jeder Leser soll ein eigenes Bild vor Augen haben. Aus diesem Grund habe ich auch einen neutralen Namen gewählt und im Bezug auf die Figur kein "er/sie" verwendet.
Bitte bedenkt diese beiden Faktoren bei eurer Kritik, ansonsten frohes Rösten.

Ich bin neugierig wie der Text auf euch wirkt und was er in euch auslöst.
Ich hoffe er wirkt nicht einfach nur wie ein Stück Pubertäts-Depression und ich würde ihm gerne noch ein wenig mehr Tiefe verleihen, was sich mit einer geschlechtslosen Figur allerdings als knifflig herausstellt. Auch sind mir Namensvorschläge recht, da Robin im deutschen Raum ja doch zu 90% als männlich gewertet wird. (Falls jemand trotzdem an eine Frau/Mädchen gedacht hat bitte melden!^^) Allerdings klingen mir viele Abkürzungen wie beispielsweise "Nicki" zu niedlich für einen eher melancholischen Text.
Ich habe auch mit dem Gedanken gespielt anstatt Körper "Hülle" zu verwenden, denn das trifft eher die Gedanken von Robin, aber das hat sich beim Lesen leider als zu verwirrend herausgestellt. Vielleicht hat ja jemand eine Idee in dieser Richtung.
« Letzte Änderung: 11 Januar 2018, 20:42:49 von Oflinitrium »
Die Werke die ich am meisten liebe, sind gleichzeitig die, die ich am meisten kritisiere. Im Grunde ist es so, dass eine ausführliche Kritik meinerseits auch eine Anerkennung und ein Glückwunsch ist, denn wenn es einfach nur schlecht wäre, würde ich mir gar keine Gedanken darüber machen.

Schnappschildkröte

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Re: Frierend im Sonnenschein
« Antwort #1 am: 12 Januar 2018, 16:38:53 »
Hey

also ich hab' an ein Mädchen gedacht^^"
Aber das hängt wohl auch damit zusammen, dass ich den Namen automatisch als Englisch gelesen hab, ich kann dir nicht sagen wieso... aber deutsch ausgesprochen kenn ich den Namen nur als männlich.
andere mögliche Namen für unisex charaktere wären zB Maxi und Alex

hmm, ehrlich gesagt, kommt mir der Text etwas unpersönlich vor. Du benutzt sehr oft die Formulierung "Körper" was es für mich automatisch als leblos abstempelt. Ich glaube "Person" wäre etwas persönlicher, aber genauso geschlechtslos, wie du es brauchst :)
Teilweise kommen mir auch die Formulierungen etwas gestelzt vor. z.B.:
Zitat
Schweiß versuchte den Körper zu kühlen, Haut glühte, Muskeln brannten
Der Körper versuchte die glühende Haut mit Schweiß zu kühlen
...fände ich persönlich noch etwas besser. Ich würde aber generell ein bisschen früher "Robin" als "Körper" sagen, weils ein Name immer ein bisschen persönlicher macht und glaube ich zumindest, es auch für dich als Schreiber einfacher macht.

Der Übergang zwischen "Szenenbeschreibung" und Körperempfindungen ist für mich auch etwas seltsam. Würde vielleicht mit der Person anfangen, die Dinge ansieht. Vielleicht sowas in der Art:
Die hellen Strahlen der Sonnenstrahlen blendeten die Person nahe beim Kamin. Schweiß tropfte von der glühenden Stirn, doch Robin rutschte zitternd näher an das Feuer.
Natürlich nur, wenn du mehr "nähe dieser Art" zu Robin willst :)

ich fand nicht, dass es um eine Pubertätsdepression geht... eventuell bin ich zu... unpoetisch, aber ich dachte ehrlich gesagt, dass Robin vielleicht verzaubert/verflucht wurde und deswegen erfriert, obwohl es warm ist...?^_^" Tut mir Leid, ich hab vermutlich wieder Mal wo Fantasy gesehen, wo keines ist

Ich hoffe mein Kommentar ist hilfreich und sonst bin ich zumindest eine, die Robin als weiblichen Namen sieht ;D

LG
Kröte

merin

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Re: Frierend im Sonnenschein
« Antwort #2 am: 12 Januar 2018, 17:32:25 »
Hallo Offli,

ich hatte Schwierigkeiten mit dem Text und holperte mühsam hindurch. Das hat vor allem mit Deiner abenteuerlichen Kommasetzung zu tun. Bei einer doch etwas schwülstigen Sprache wie Deiner brauche ich Kommata um die Sätze zu ordnen. Aber Du setzt sie als Barrieren, wo eigentlich Fluss sein sollte:

Zitat
Den Rücken, den wärmenden Flammen zugewandt saß Robin im Schneidersitz am Boden und hoffte darauf, dass die Hitze bis ins Innere vordringen würde.

Das erste Komma ist zu viel.

Schwierig ist für mich auch die etwas unmotiviert wirkende Folge kurzer Satzschnipsel und ganzer Sätze:

Zitat
Draußen thronte die Sonne einsam am wolkenlosen Himmel. Sonnenlicht durchflutete den großen Raum, dessen Fenster geschlossen waren. Munteres Knacken und Fauchen im Kamin. Das einzige Geräusch in drückender Stille. Schweiß versuchte den Körper zu kühlen, Haut glühte, Muskeln brannten. Ein ganzer Körper suchte der Hitze zu entfliehen. Doch Robin regte sich nicht.

Warum nicht "Das muntere Knacken und Fauchen im Kamin war das einzige Geräusch in der ansonsten drückenden Stille"?
Mich stört auch die Menge von Personifizierungen: Sonne thront. Okay. Geh ich mit. Das Knacken ist munter. Na gut. Aber dann Schweiß, der aktiv kühlen will? Mir ist das zu viel.

Mich stört auch "ein Körper". Wenn Du eh Sätze abhackst, dann lass den Artikel weg. Sonst wäre es für mich "sein" oder "ihr" Körper. Für mich ist Robin ohnehin männlich, weil es ein eindeutig männlicher Name ist. Kim und Sasha kenne ich als neutral, Google weiß sicher viele weitere.

Zitat
Den Rücken, den wärmenden Flammen zugewandt saß Robin im Schneidersitz am Boden und hoffte darauf, dass die Hitze bis ins Innere vordringen würde. Hoffte, dass die Wärme des Feuers und der Sonne, die unsägliche Kälte vertreiben möge. Diese Kälte, die den Körper seit geraumer Zeit Schritt für Schritt für sich beanspruchte. Die lähmte und zur Untätigkeit verdammte.

Es stört mich, wie distanziert von "dem Körper" geschrieben wird. Es stört mich auch, dass ich nicht weiß, ob Robin sich hingibt oder ringt. Ich sehe Robin nackt vor mir in einem großen Raum nah am Kamin. Und Robin ist so ein Klischeehühne wie aus einem Rollenspiel. Unfreiwillig doppeldeutig wirkt auf mich das "Schritt für Schritt" - Du meinst es übertragen, aber das habe ich erst nicht kapiert, weil der Rest sehr konkret ist.

Zitat
Doch Robin wartete vergebens.
Eine frostige Träne spendete der Haut nur kurze Linderung, ehe sie klirrend am Boden zersprang.

Das verstehe ich nicht. Woher die Kälte? Ist er ein Eiszauberer?

Zitat
Das Feuer war herunter gebrannt. Die Glut glomm spielerisch in der Dunkelheit der Nacht. Robin wartete nicht mehr. Den Rücken, der wärmenden Glut zugewandt hatte die innere Kälte obsiegt. Die frostige Faust der Einsamkeit drückte ein letztes Mal das geschundene Herz und Robin hauchte den letzten Hauch.

Auch hier geht es vielfach hin und her zwischen konkret und im übertragenen Sinne und nicht immer machen beide Ebenen Sinn. Das würde ich nochmal prüfen. Und das "geschundene Herz" ist mir zu kitschig.

Statt Körper ginge vielleicht auch einfach "Mensch". Oder eben "Arme, Beine, Brust....".

Ich finde den Text stellenweise lyrisch, mag auch einige der Bilder. Er ist für mich aber weder leicht zu lesen noch bedrückend. Allerdings liest er sich unbequem - aber das war es nicht, was Du wolltest, oder?  :devevil:
Ich denke, dass die weite Entfernung von Robin ein Problem ist. Dadurch lässt mich seine Situation kalt. Für mich ist auch nicht ausreichend klar, ob er leidet. Man kann es annehmen, aber dann gibt es wieder Stellen, die sich lesen, als fände er seine Situation ganz okay.

LG
merin
« Letzte Änderung: 12 Januar 2018, 17:34:09 von merin »
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht.

Ryek Darkener

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Re: Frierend im Sonnenschein
« Antwort #3 am: 13 Januar 2018, 09:51:22 »
Ich finde den Text nicht bedrückend. Und er lässt sich von mir auch nicht flüssig lesen. Ob der Charakter männlich oder weiblich ist, spielt bei der Szene keine Rolle.

Warum finde ich den Text nicht bedrückend? Weil er, aus meiner Sicht viele überflüssige Dinge enthält, und weil einige Formulierungen für mich schräg klingen.

Zitat
Schweiß versuchte den Körper zu kühlen, Haut glühte, Muskeln brannten.
Hier bekommen Körperfunktionen eine aktive Rolle. Kann man machen, dann muss man das aber auch bis zum bitteren Ende durchhalten, sonst wirkt es aufgesetzt und gewollt.

Oder:
Zitat
Munteres Knacken und Fauchen im Kamin.
Das ist erstens nur eine Beobachtung, und sie hat zweitens keinen Bezug zum Protagonisten. Wenn man die Sache peotisch gestalten will, dann sollte man diesen Satz in Bezug/Kontrast setzen zu einem späteren Satz, der den Protagonisten betrifft.

Warum lässt sich der Text nicht flüssig lesen? Weil er springt, ohne dass die "Handlung" es notwendig machen würde. Dass du an deinen Prota heranzoomst, sehe ich. Aber der Zoom hört nicht auf, wird verbunden mit einem inneren Monolog und die Perspektive wechselt zum allwissenden Beobachter.

Zitat
Eine frostige Träne spendete der Haut nur kurze Linderung, ehe sie klirrend am Boden zersprang.

Das ist für mich der wichtigste Satz im ganzen Text. Da die Beschreibung ungewöhnlich ist. Aber der Satz allein reicht nicht, um Interesse aufrecht zu erhalten.

Der letzte Abschnitt ist absolut klischeehaft. Tausend mal gelesen. Das spricht nicht gegen das Klischee, beantwortet in diesem kurzen Textabschnitt (damit meine ich den gesamten Text) nicht die Frage, warum es gerade hier angebracht ist.

Vielleicht solltest du versuchen, die Szene zuerst ganz objektiv im Drehbuchstil zu verfassen, mit allen Einzelheiten. Und dich dann für entweder die Film- oder die Poesieversion entscheiden.  :biggrin:

Hope it helps.

DSvU-4 "Wurzeln und Flügel (AT)": Plotten/Schreiben
DSvU-5 "StarTramp (AT)": Überarbeiten

Juni

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Re: Frierend im Sonnenschein
« Antwort #4 am: 14 Januar 2018, 00:02:30 »
Hi Ofli,

Zum Ende hin habe ich kurz gehofft, 'Er' würde sich irgendwie wieder erholen, sich aufrappeln, um der Eiswüste zu entkommen, in der er sich verlaufen hat, nachdem er das einzig brennbare in dem bunkeratigem Unterschlupf, den er fand (vllt ein vom Militär zurückgelassener Stützpunkt in dem zufällig ein Kamin steht  :watchout:), verbrannt hat. Schon witzig :)
Und gerade das gefällt mir an deinem Text.

Munteres Knacken und Fauchen im Kamin. Das einzige Geräusch in drückender Stille.
Hier hat mich der Kontrast zwischen Munteres Knacken und drückender Stille irritiert und ich musste mein innerliches Bild von der Atmosphäre kurz anpassen. (Wobei das muntere Knacken irgendwie einen Bogen zu der spielerisch glimmenden Glut am Ende schlägt... nach dem Motto: Mit der Welt ist eigentlich noch alles in Ordnung. So kommt es zumindest bei mir an.)

Zitat
Schweiß versuchte den Körper zu kühlen, Haut glühte, Muskeln brannten.  Ein ganzer Körper suchte der Hitze zu entfliehen.
Tja... und hier musste ich an zwei Leute denken, die im Bett zugange sind - einer davon nicht freiwillig.
Ein ganzer Körper... ich mag den Ausdruck; er schafft so etwas wie eine zweite Ebene in meiner Vorstellung. Das verleit dem 'Körper' ein gewisses Volumen, Dynamik.
Wobei, es sollte wohl 'sein' und nicht 'ein' heißen, oder? Wobei mich 'ein' auch nicht stören würde, würde ich den Körper am Ende auch als Robins Körper wahrnehmen. (Aber vllt geht's da auch nur mir so.)

Zitat
Doch Robin regte sich nicht.
Die Szene mit dem Bett in meinem Kopf war hier wieder weg. Aber ich dachte halt, er wäre nicht alleine und habe den Körper nicht mit Robin in Verbindung bringen können. Bis zum Schluss nicht.

Zitat
Den Rücken, den wärmenden Flammen zugewandt saß Robin im Schneidersitz am Boden und hoffte darauf, dass die Hitze bis ins Innere vordringen würde. Hoffte, dass die Wärme des Feuers und der Sonne, die unsägliche Kälte vertreiben möge.
Vorschlag: 'Mit dem Rücken den wärmenden Flammen zugewandt...'
In meinen Gedanken: Ey, der andere haut ab und du lässt dich so hängen? Komm schon, wenn du aufstehst und dich in Bewegung setzt, wird es dir besser gehen - wenn der andere ohne dich abhaut, bist du erst recht am Arsch!
So gesehen habe ich hier schon etwas mitgefiebert.

Zitat
Diese Kälte, die den Körper seit geraumer Zeit Schritt für Schritt für sich beanspruchte. Die lähmte und zur Untätigkeit verdammte.
Oh, es ist etwas mentales, dachte ich mir.
Ab hier wird es für mich etwas bedrückend.

Zitat
Doch Robin wartete vergebens.
Wäre da vor dem 'Doch' noch von einem Funken Hoffnung, die Wärme könne diesen frierenden Teil seiner Selbst noch erreichen, die Rede, würde es besser passen; ansonsten warf es mich kurz raus.

Zitat
Eine frostige Träne spendete der Haut nur kurze Linderung, ehe sie klirrend am Boden zersprang.
Klar, Linderung weil seine Haut brennt - aber das verstehe ich erst jetzt beim zweiten Lesen, zuvor war ich hier noch bei der Kälte und fragte mich, wie das denn Linderung bringen soll.
Den zweiten Teil des Satzes finde ich kitschig... ich würde das klirrend weglassen.

Zitat
Das Feuer war herunter gebrannt. Die Glut glomm spielerisch in der Dunkelheit der Nacht. Robin wartete nicht mehr. Den Rücken, der wärmenden Glut zugewandt hatte die innere Kälte obsiegt.
Mit dem dritten Satz hier stimmt grammatikalisch was nicht, oder?
Und heißt obsiegt nicht gewinnen?
Nach 'Robin wartete nicht mehr' dachte ich kurz jeah, er bekommt sich noch hoch, doch...

Zitat
Die frostige Faust der Einsamkeit drückte ein letztes Mal das geschundene Herz und Robin hauchte den letzten Hauch.
...doch dann wohl doch nicht.
Beim letzten Teil des Satzes mag ich das Bild, aber nicht den Satz. Hm.
'Die frostige Faust der Einsamkeit erdrückte das geschundene Herz. Er hauchte aus.' - so würde ich es (halbüberzeugt) schreiben.

Interessante Idee mit der Geschlechterlosigkeit.  :)
Bin was das Ende angeht etwas verwirrt.
Ich hoffe, du kannst mit meinen Eindrücken etwas anfangen.

LG
« Letzte Änderung: 14 Januar 2018, 00:05:39 von Juni »

Oldlady

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Re: Frierend im Sonnenschein
« Antwort #5 am: 14 Januar 2018, 12:10:48 »
Hi Ofli, ich röste beim Lesen.

Zitat
Draußen thronte die Sonne einsam am wolkenlosen Himmel. Sonnenlicht durchflutete den großen Raum, dessen Fenster geschlossen waren.
Dieses „einsam“ stört mich, finde ich unnötig. Dopplung Sonne-Sonennlicht, deshalb würde ich den nächsten Satz so formulieren: Ihr Licht durchflutete …

Zitat
Munteres Knacken und Fauchen im Kamin. Das einzige Geräusch in drückender Stille.

„Munteres“ passt nicht zur Stimmung, außerdem passt es nicht zu Kaminfeuer.  Und wieso kein Verb? Das wirkt auf mich eckig. Also eher so: Das Knacken und Fauchen im Kamin war das  einzige Geräusch in drückender Stille.

Zitat
Den Rücken, den wärmenden Flammen zugewandt saß Robin im Schneidersitz am Boden und hoffte darauf, dass die Hitze bis ins Innere vordringen würde. Hoffte, dass die Wärme des Feuers und der Sonne, die unsägliche Kälte vertreiben möge.

Die Satzkonstruktion ist unnötig kompliziert und deshalb mühsam zu lesen.  Und die Sonne bringt nichts als extra Wärmespender, wenn das Feuer so nah ist.

Mein Geschmack wäre:  Die Hitze des Feuers strahlte gegen Robins Rücken. Er hockte im Schneidersitz auf dem Boden und hoffte, sie würde bis ins Innere vordringen und die  unsägliche Kälte vertreiben.

Zitat
Eine frostige Träne spendete der Haut nur kurze Linderung, ehe sie klirrend am Boden zersprang.

Ich nehme mal an, das „klirrend“ ist als Darstellung des psychischen Zustands gemeint. Wenn das stimmt, müsste das aber für den Leser deutlicher werden, sonst klingt es nur seltsam.

Zitat
Den Rücken, der wärmenden Glut zugewandt hatte die innere Kälte obsiegt.

Der Satz ist total verquer. Es müsste "der Rücken" heißen. Und der Rücken kann die Kälte nicht besiegen, das kann höchstens die Glut. Du meinst  wohl: Die Kälte hatte gegen die Wärme obsiegt. Warum es nicht gleich so oder so ähnlich und ganz einfach schreiben?
Du scheinst überhaupt zu komplizierten Wendungen zu neigen, das ist für den Lesefluss nicht gut. Und das Problem wird durch viele falsch gesetzte Kommata noch verschärft.
Dass der Rücken der Glut zugewandt ist, muss nach meiner Ansicht hier nicht noch mal erwähnt werden, es spielt für die psychische Situation keine Rolle.

Zitat
Ich bin neugierig wie der Text auf euch wirkt und was er in euch auslöst.

Ein Gefühl von Depression auf jeden Fall. Aber für mehr Tiefe bräuchte er mehr Details. Fühlt sich Robin von allen verlassen, von der Welt abgeschlossen, was genau meint er mit „Kälte“ – die der anderen? Oder ist es Kälte, die aus ihm selbst kommt, weil ihm alles egal ist?

Zur Namensgebung:
Robin ist  für mich einfach ein verzweifelter Mensch, weder männlich noch weiblich. Im Deutschen gibt es kaum geschlechtsneutrale Namen wie etwa im Italienischen (Andrea). Vorschlag: Ein erfundener Name wie etwa Karo, Marne, Heig.

Oflinitrium

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Re: Frierend im Sonnenschein
« Antwort #6 am: 15 Januar 2018, 22:14:57 »
Schon einmal zwischenzeitlich vielen Dank, ich habe eure Röstungen alle mitverfolgt und ihr habt viele Gedankengänge angestoßen, die sich im Moment noch nicht recht fassen lassen, aber ich werde definitv noch darauf zurück kommen =)
Die Werke die ich am meisten liebe, sind gleichzeitig die, die ich am meisten kritisiere. Im Grunde ist es so, dass eine ausführliche Kritik meinerseits auch eine Anerkennung und ein Glückwunsch ist, denn wenn es einfach nur schlecht wäre, würde ich mir gar keine Gedanken darüber machen.

Pia

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Re: Frierend im Sonnenschein
« Antwort #7 am: 13 Februar 2018, 18:03:31 »
Lieber Oflinitrium,

spannende Challenge, einen Text mit geschlechtslosem Protagonisten zu schreiben. Interessant auch, wie schnell jeder Leser diesem automatisch ein Geschlecht zuordnet, bestimmt geprägt von den eigenen Erfahrungen und den Leuten, die jeder einzelne mit diesem Namen kennt.
Natürlich erzeugst du ohne die Personal- und Possessivpronomen Distanz zu deinem Prota. In diesem Text ist das sicherlich vorwiegend hinderlich, da du ja gern eine bestimmte Stimmung rüberbringen möchtest, aber es lassen sich sicher auch Fälle denken, in denen es hilft.

Wenn ein Text sich flüssig lesen lassen soll - Poesie oder nicht - solltest du darauf achten, dass du parallele Satzkonstruktionen vermeidest. Und du musst (zwangsläufig! nicht inhaltlich, aber strukturell) die Erwartungen des Lesers erfüllen.

Und last not least: Soll ein Text bedrückend wirken, lass solche Adverbien wie "munter" und "spielerisch" weg.


Zitat
Draußen thronte die Sonne einsam am wolkenlosen Himmel. Sonnenlicht Ihr Licht durchflutete den großen Raum, dessen Fenster geschlossen waren.
Das hier finde ich großartig. Du lenkst meinen Blick erst nach draußen und dann wieder (über das Sonnenlicht) rein. Ich habe sofort was, woran ich mich "festhalten" kann.


Zitat
Munteres Knacken und Fauchen im Kamin. Das einzige Geräusch in drückender Stille.
Wäre mir zu elliptisch. Warum nicht: "Im Kamin knackte und fauchte es; das war das einzige Geräusch in der drückenden Stille"? Wobei es ja eigentlich nicht still ist, wenn es im Kamin knackt und faucht.

 
Zitat
Schweiß versuchte den Körper zu kühlen, Haut glühte, Muskeln brannten. Ein ganzer Körper suchte der Hitze zu entfliehen. Doch Robin regte sich nicht.
Im Zusammenhang mit dem Wort "Körper" fallen mir die fehlenden Pronomen am stärksten auf. So hat man doch eher die Assoziation zu einem physikalischen Körper, nicht unbedingt einem menschlichen.
Strukturell sind mir das zu viele SP(O)-Aufzählungen, zu viele Parallelkonstruktionen. Du willst ja flüssig zu lesen sein.
Muskeln "brennen", wenn sie überstrapaziert sind, aber das meinst du hier sicherlich nicht.
Den letzten Satz ("Doch Robin ...") würde ich weglassen.


Zitat
Hoffte, dass die Wärme des Feuers und der Sonne, die unsägliche Kälte vertreiben möge. Diese unsägliche Kälte, die den Körper seit geraumer Zeit Schritt für Schritt für sich beanspruchte. Die lähmte und zur Untätigkeit verdammte.
Wenn ich den zweiten Satz im Original lese ("Diese Kälte, die ..."), erwarte ich, das "diese Kälte" das Subjekt des Satzes ist. Ist sie aber nicht, sie ist weiterhin das Objekt des Satzes davor. Um das deutlich zu machen, muss du dem Leser zeigen, dass du im zweiten Satz nähere Informationen zu "dieser Kälte" liefern möchtest.


Zitat
Das Feuer war herunter gebrannt. Die Glut glomm spielerisch in der Dunkelheit der Nacht. Robin wartete nicht mehr.
Wieder die SPOs, wieder die parallelen Konstruktionen. Das hemmt den Lesefluss. Vorschlag: "Nachdem das Feuer herunter gebrannt war, glomm (nur noch) die Glut in der Dunkelheit der Nacht. Robin wartete nicht mehr."


Zitat
Den Rücken, der wärmenden Glut zugewandt hatte die innere Kälte obsiegt. Die frostige Faust der Einsamkeit drückte ein letztes Mal das geschundene Herz und Robin hauchte den letzten Hauch.
Sechsmal hintereinander eine Adjektiv-Nomen-Konstruktion. So was klingt schnell leierig.
Ich frage mich auch, ob die innere Kälte es ist, die der wärmenden Glut den Rücken zugewandt hat ;-).

LG
Pia
Wir können nicht zurück - und warum sollten wir auch? (Bosse)

Trallala

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Re: Frierend im Sonnenschein
« Antwort #8 am: 14 Februar 2018, 22:11:44 »
Ich finde, Du must der Person unbedingt ein klares Geschlecht geben und ansonsten empfinde ich einen Hauch zu viel Pathos, um wirklich berührt zu sein. Mir fehlt auch die zeitliche Zuordnung. Heute, vor fünfhundert Jahren, vor zweitausend Jahren, wann spielt es?

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Oflinitrium

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Re: Frierend im Sonnenschein
« Antwort #9 am: 19 Februar 2018, 14:32:16 »
Und wieder was gelernt. Vielen Dank für deine ausführliche Röstung Pia! Ich denke das hilft mir auch bei zukünftigen Texten noch weiter.

Zitat
Und last not least: Soll ein Text bedrückend wirken, lass solche Adverbien wie "munter" und "spielerisch" weg.
Ich wollte einen Kontrast darin einbauen, wie die Welt drumherum wahrgenommen wird und wie es in der Figur aussieht. Und dass dieser Kontrast sich zusätzlich auf die gebeugten Schultern legt. Aber ich bemerke, dass mir dafür der Bezug von Figur zur Umgebung fehlt. Da habe ich zu viel gedacht und zu wenig geschrieben. -_-

Zitat
Ich frage mich auch, ob die innere Kälte es ist, die der wärmenden Glut den Rücken zugewandt hat

Auch wenn es sinnlos klingt, wäre das nicht einmal falsch.


@ Trallala rein theoretisch stimme ich zu. Rein praktisch, hab ich einen Dickkopf und mir die Aufgabe gestellt mich mal an so einem kleinen Textchen zu versuchen, bei dem eine Figur im Mittelpunkt steht ohne das man wirklich weiß wer sie ist.^^
« Letzte Änderung: 19 Februar 2018, 16:35:47 von Oflinitrium »
Die Werke die ich am meisten liebe, sind gleichzeitig die, die ich am meisten kritisiere. Im Grunde ist es so, dass eine ausführliche Kritik meinerseits auch eine Anerkennung und ein Glückwunsch ist, denn wenn es einfach nur schlecht wäre, würde ich mir gar keine Gedanken darüber machen.