19 Mai 2019, 10:24:30

Autor Thema: Fantasy- Beginn: Nachtwesen  (Gelesen 907 mal)

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Oldlady

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Fantasy- Beginn: Nachtwesen
« am: 24 Februar 2018, 11:05:14 »
Hallo zusammen,
es ist ziemlich ruhig hier ...  Röstgut!  :diablo:

Ich stelle mal den Beginn meines neuen Fantasy-Projekts rein (zur Zeit habe ich keine Lust mehr auf Krimis).

 Abgesehen vom Lesegefühl und Gesamteindruck interessiert mich folgendes:

1). Für wie alt haltet Ihr die Protagonistin?
2). Konntet Ihr das Geschehen im Action-Teil nachvollziehen? Ist es gut vorstellbar, so in Richtung Film?
3). Welche Fragen drängen sich dem Leser nach diesem Einstieg auf?

Der Sand war warm unter Jandras nackten Füßen, es roch nach Salz und Tang. Im Licht der sinkenden Sonne schimmerte das Meer wie gehämmerte Bronze.
Weit draußen, mitten im Wasser, standen Berge schwarz gegen den flammenden Himmel.
Eine Insel.
Jandra starrte sie an. Kniff die Augen zusammen. Sie war immer noch da.
„Jaandra! Jaandra!“
Die Stimme ihrer Schwester klang schrill.
Jandra wandte sich um. Elma rannte mit schlenkernden Zöpfen auf sie zu.
"Guck mal, Elma! Eine Insel!" Jandra zeigte mit dem Finger in die Richtung. "Eine große Insel mit Bergen! Die war vorher nicht da!"
Ihre Schwester schaute kurz aufs Meer. "Blödsinn." Sie keuchte vom Laufen. "Das ist nur eine Wolke. Und jetzt komm, es wird bald dunkel."
„Ich will aber nicht! Diese Insel ... “ 
Elma holte aus, Jandra duckte sich, die Ohrfeige ging ins Leere, sie hüpfte weg, außer Reichweite. Natürlich wusste Elma, dass sie keine Chance hatte, Jandra zu erwischen, wenn sie davonlief. Sie weinte fast. "Bitte ... wenn du nicht rechtzeitig daheim bist, dann – bitte!"
Jandra stieß einen Seufzer aus. "Ist ja gut." 
Sie trabten nebeneinander über den Sand. „Was passiert denn, wenn man im Dunkeln draußen ist? Warum ist das so gefährlich?"
"Halt den Mund, Jandra! Du weißt genau, dass man nicht darüber reden darf."
"Warum nicht?"
"Das verstehst du nicht. Du bist zu klein.“
„Immer bin ich zu klein!“
„Nur so lange, bis du groß bist.“
Vom Ufer führte ein Pfad landeinwärts zu einer Hütte, die sich unter Pinien duckte und von einem kleinen Gemüsegarten umgeben war. Aus einem offenen Schuppen wehte der Geruch von geräuchertem Fisch.
Elma hastete durch die offene Tür, knallte mit der Stirn gegen den Rahmen und stöhnte auf.
Jandra kicherte. „Wenigstens bin ich zu klein, mir den Kopf anzustoßen.“
Natürlich erzählte sie ihren Eltern von der Insel.
"Das hast du dir eingebildet", sagte Vater.
Mutter zog sie in ihre Arme. "Ich habe mir Sorgen gemacht. Bitte komm nie, nie wieder so spät nach Hause."
Am nächsten Morgen sollte Jandra im Garten helfen, aber sie lief, so schnell sie konnte, zu der etwas abgelegenen Bucht, an der sie gestern Nachmittag gespielt hatte.
Die Insel war verschwunden.
Einige Monate später saß Jandra mit ihren Eltern und ihrer Schwester beim Abendessen. Sie löffelten ihre Fischsuppe und redeten über die Arbeiten, die jeder am nächsten Tag erledigen sollte. Alles war wie immer, immer gleich, immer langweilig.
Und doch … Irgendetwas stimmte heute nicht.
Jandras Augen wanderten über die vertrauten Gegenstände des Raumes: die Schlafmatten mit den Wolldecken, die Kleidertruhe, den blanken Tisch mit dem Suppentopf aus glasiertem Ton. Ihr Blick  blieb am Regal neben dem Herd hängen. Das Holzbrettchen, auf dem ihre Mutter immer Knoblauch hackte, wackelte. Vielleicht versteckte sich dort eine Maus … Und die an einer Schnur über der Kochstelle aufgereihten Trockenfische – sie tanzten! Jandra ließ ihren Löffel in die Suppe fallen, sie spritzte heiß in ihr Gesicht. Sie zeigte auf den Herd. „Schaut mal, die Fische!“
Alle wendeten den Kopf in die Richtung.
Lautes Rumpeln, Jandra fuhr zusammen. Ein Zittern stieg über ihre Füße und Knie empor und wurde immer stärker.
Elma stieß einen spitzen Schrei aus, Mutter schlug die Hände vors Gesicht. Krümel rieselten von der Decke herab auf Jandras Schultern, der Boden unter ihr zuckte, ihr Stuhl kippte, sie sprang auf und hielt sich an der Tischkante fest.
Die Wände bebten, im Putz sprangen Risse auf und verzweigten sich. Der Suppentopf hüpfte vom Tisch, Brühe schwappte heraus, er zerschellte am Boden.
Alle schrien durcheinander und duckten sich vor Tellern und Körben, die aus dem Regal flogen. Mutter sprang über rollende Kohlköpfe, rutschte in der Suppenlache aus, fing sich, packte Jandra und zog sie nach hinten zu den Schlaflagern, wo schon Vater und Elma kauerten.
Jandra schmiegte sich an ihre Mutter. Die Eltern murmelten Gebete. 
Die Wellenbewegungen des Bodens verebbten, es wurde still bis auf das Rauschen der Pinien und ein fernes Grummeln wie von einem abziehenden Gewitter. 
Jandra stand auf, auch Vater rapppelte sich hoch und betrachtete das Chaos. „Ich glaube, es ist vorbei. Unser Haus steht noch. Die große Göttin hat uns geholfen. Ich werde ihr ein Opfer bringen, fünfzig Räucherfische – “
„Ich halte das nicht mehr aus!“, kreischte Mutter plötzlich los. „Immer diese Angst – die da draußen – sie hätten uns -“ Sie wischte sich den Staub aus den Augen und fuhr ruhiger fort: „Wir sollten nach Narakasta gehen, dort gibt es keine Erdbeben.“
Vater kickte einen Kohlkopf mit dem Fuß fort. „Wir hätten keine Arbeit und keinen Platz zum Wohnen. Wir müssten betteln oder stehlen.“
Mutter schluchzte auf. „Ich will nicht so weiterleben!“
Vaters schmales, von der Sonne gedörrtes Gesicht sah müde aus. „Wir können es nicht ändern. Das letzte Beben ist lange her, da hat Jandra gerade laufen gelernt. Vielleicht haben wir nun wieder viele Jahre lang Ruhe vor ihnen.“
Jandra konnte sich nicht mehr zurückhalten. „Was machen sie? Was passiert, wenn man nachts rausgeht oder das Haus einstürzt?“
Auf Vaters Stirn erschien eine steile Falte. „Kein Wort mehr!“
„Wie sehen sie aus?“
Die Hand ihres Vaters schoss vor, er schlug sie so hart auf die Wange, dass ihr Kopf zur Seite flog. Jandra heulte los.
„Frag nie wieder, sonst – “
Donnergrollen verschluckte seine Stimme, wurde immer lauter, es dröhnte in den Ohren. Der Boden rollte unter Jandras Füßen weg. Vater stand mit gespreizten Beinen da wie ein Seemann auf einem schwankenden Boot. Von der Wand hinter der Schlafstelle platzte der Putz und fiel in großen Scherben herab, darunter wurde mit Lehm gefülltes Weidengeflecht sichtbar.
Das Getöse ließ nach, aber die Hütte vibrierte, knackte und quietschte. In der Mauer hinter den Schlafmatten erschien ein Riss, er verzweigte sich blitzschnell, wurde breiter, ein Spalt klaffte.  
Mutter sprang auf, packte Elmas Bluse und versuchte, sie von der Wand wegzuziehen, Vater stürzte herbei, umschlang ihre Taille mit beiden Händen und zerrte wie verrückt – vergeblich. Elma schrie gellend und wand sich wie ein Aal in einer Fischreuse.
Aus dem Riss ragte ein schwarzer Arm, um den ein rötliches Licht flackerte, eine Krallenhand hatte Elmas Handgelenk gepackt.
Jandra hüpfte über einen umgefallenen Hocker, rannte zum Regal, schnappte sich das große Fischmesser, lief um das tobende Menschenknäuel herum und stach wild auf den Arm des Ungeheuers ein. Ein zischender Laut, Elma fiel nach vorne und schlug mit dem Bauch auf den Boden.
Der Arm war verschwunden. 
Jandra starrte auf den Riss und umklammterte das Messer. 
War die Kreatur jetzt fort? War sie verletzt? Oder hatte sie aufgegeben, weil sie zu groß war, um sich durch den Riss zu schieben?
Die Eltern schleiften Elma von der Wand weg und drehten sie auf den Rücken. Sie lag da als wäre sie tot.
„Elma – Elma, wie geht es dir – Elma!“
Keine Antwort.
Jandra hielt noch immer das Messer in der Hand – vielleicht kam das Krallending ja wieder – und sah zu, wie ihre Eltern den Körper ihrer Schwester abtasteten.
„Sie atmet!“, flüsterte Mutter. 
„Sieht nicht so aus, als wäre sie schwer verletzt“, sagte Vater. "Nur ein paar Schnitte, wo … es sie festgehalten hat."
Er schüttelte Elma, schrie sie an. Keine Reaktion. Mutter begann zu weinen, zog eine Decke vom Lager und bettete Elma darauf.
Dann hockten alle in der Mitte des Raumes und warteten. Niemand wagte sich in die Nähe des Spalts.
Es wurde immer dunkler. Im Herd glimmte nur noch ein halb verkohlter Klotz, die Gegenstände wurden zu schwarzen Schatten, die Gesichter zu bleichen Flecken.
Das Holz lagerte draußen vor dem Haus. 
Bald saßen sie in völliger Finsternis da und lauschten.
Manchmal hörte Jandra ein seltsames Geräusch, ein hech-hech-hech, und ein Schleifen und Kratzen draußen an der Hausmauer. Dann wurde ihr gleichzeitig heiß und kalt, und sie drückte sich an ihre Mutter. 
Die Nacht schien ewig zu dauern.
Als durch die schmale Lücke zwischen den geschlossenen Fensterläden ein Sonnenstrahl fiel, lachte Jandra. „Ich habe es verjagt!“
„Dumme Gans!“, sagte ihre Mutter. „Das bildest du dir ein. Die gute Göttin schützte unser Haus.“

LaHallia

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Re: Fantasy- Beginn: Nachtwesen
« Antwort #1 am: 24 Februar 2018, 15:31:36 »
Hi Oldlady,

Zuerst mal die Details.

Zitat
Jandra starrte sie an. Kniff die Augen zusammen. Sie war immer noch da.
Bezieht sich das "Sie war immer noch da" auf die Insel? Ist für mich gerade nicht ganz so klar.

Zitat
„Jaandra! Jaandra!“
Die Stimme ihrer Schwester klang schrill.
Durch die neue Zeile, ist es auch hier für mich zuerst nicht ganz klar, ob der Dialog von der Schwester gesprochen wird.

Zitat
Sie weinte fast. "Bitte ... wenn du nicht rechtzeitig daheim bist, dann – bitte!"
Es würde mich interessieren, was denn so schreckliches passiert, wenn sie zu spät nach Hause kommen? Hier wäre mMn ein guter Einstieg, um einen/beide Charaktere genauer zu charakterisieren; oder ihren Hintergrund etwas zu beleuchten.

Zitat
"Halt den Mund, Jandra! Du weißt genau, dass man nicht darüber reden darf."
Ah, ok. Ich hatte den Eindruck, dass es um die Eltern und oder eine Bestrafung geht, wenn sie zu spät nach Hause kommen. Jetzt verstehe ich, dass es mit der Umwelt zu tun hat.

Zitat
Jandra kicherte. „Wenigstens bin ich zu klein, mir den Kopf anzustoßen.“
Natürlich erzählte sie ihren Eltern von der Insel.
"Das hast du dir eingebildet", sagte Vater.
Das kommt etwas abrupt. Also von: sie stößt sich den Kopf an und erzählt dann von der Insel. Wo? Wann? sind sie schon im Haus? Essen sie? Wie sind die Eltern so? Wie schauen sie aus und wie schaut die Hütte aus; wie ist ihr Umfeld?

Zitat
Mutter zog sie in ihre Arme.

Mein persönlicher Geschmackt ist, dass ich es nicht mag, wenn Mutter/Vater/Mama/Papa als Name benutzt werden. Mutter ist eine Bezeichnung, wie Lehrer, oder Müllmann. Da gehört entweder ein Artikel vorne dran oder der Name der Mutter. Man sagt auch nicht: Müllmann ging auf unser Haus zu.
Ist vielleicht bei euch in Deutschland anders, weil ich das sehr oft lese. Mag sogar korrekt sein. Persönlich empfinde ich es als störend.


Zitat
"Ich habe mir Sorgen gemacht. Bitte komm nie, nie wieder so spät nach Hause."
Am nächsten Morgen sollte Jandra im Garten helfen, aber sie lief, so schnell sie konnte, zu der etwas abgelegenen Bucht, an der sie gestern Nachmittag gespielt hatte.
Die Insel war verschwunden.
Einige Monate später saß Jandra mit ihren Eltern und ihrer Schwester beim Abendessen. Sie löffelten ihre Fischsuppe und redeten über die Arbeiten, die jeder am nächsten Tag erledigen sollte. Alles war wie immer, immer gleich, immer langweilig.
Und doch … Irgendetwas stimmte heute nicht.
Das geht mir alles viel zu schnell. Du überspringst in wenigen Sätzen Tage und Monate. Und das ganz zu Beginn des Textes.
Warum nicht mit dem Tag beginne, wo alles so komisch ist - Erinnerung an die Insel - und dann wirklich bei diesem einen Tag bleiben. Das würde es mir leichter machen, mich in die Geschichte reinzufinden.

Zitat
Jandra stand auf, auch Vater rapppelte sich hoch und betrachtete das Chaos. „Ich glaube, es ist vorbei. Unser Haus steht noch. Die große Göttin hat uns geholfen. Ich werde ihr ein Opfer bringen, fünfzig Räucherfische – “
„Ich halte das nicht mehr aus!“, kreischte Mutter plötzlich los. „Immer diese Angst – die da draußen – sie hätten uns -“
Das geht mir auch viel zu schnell. Es gab ein Erdbeben, zumindest glauben die Kinder das. Die Eltern wissen, dass es was anderes ist. Dann wird der Göttin was versprochen und die Mutter kreischt herum. Da sind aber keine Gefühle, nichts, wo man als Leser mitfühlen könnte, keine Reflektion.
"Immer diese Angst" zum Beispiel, davon merkt man nichts. Du überfliegst in wenigen Sätzen einen sehr großen Zeitraum, hältst dann hier an, weil das Erdbeben wichtig ist und da fehlt mir als Leser halt einfach ein Charakter, eine Umgebung, irgendwas, mit dem ich mich identifizieren könnte.

Zitat
Mutter schluchzte auf. „Ich will nicht so weiterleben!“
Vaters schmales, von der Sonne gedörrtes Gesicht sah müde aus. „Wir können es nicht ändern. Das letzte Beben ist lange her, da hat Jandra gerade laufen gelernt. Vielleicht haben wir nun wieder viele Jahre lang Ruhe vor ihnen.“
Dann ist die Mutter aber eine ziemlich hysterische Dame, oder? Weil wenn das letzte Beben vor vielen Jahren war, dann kann sie nicht "immer" in Angst leben. Sowas vergisst man. Die Münchner werden wieder im EKZ einkaufen, als hätte es nie einen Anschlag gegeben; die Londoner werden sich auch nicht permanent über die Schulter schauen, ob irgendwo ein Messerstecher lauert... solche Sachen vergisst man, man fühlt sich wieder sicher.

Ok. Zu deinen Fragen:
Zitat
1). Für wie alt haltet Ihr die Protagonistin?
Jandra so um die zehn. Elma um die sechs. (Ich weiß, dass Elma wohl älter sein sollte, aber allein nur die Beschreibung der "schlenkernden Zöpfe" und Verben wie hüpfen, traben, knallen... lassen die Charaktere extrem kindlich auf mich wirken.

Zitat
2). Konntet Ihr das Geschehen im Action-Teil nachvollziehen? Ist es gut vorstellbar, so in Richtung Film?
Meinst du das Erdbeben?
Du hast alles, was das Setting betrifft den ganzen Text hindurch sehr schön und anschaulich beschrieben. Aber die Gefühle bleiben für mich völlig auf der strecke.

Zitat
3). Welche Fragen drängen sich dem Leser nach diesem Einstieg auf?
Ich nutze diese Frage für mein Fazit:
Ich komme überhaupt nicht in den Text rein weil du so viel Zeit überfliegst. Ich habe keine Vorstellungen von den Charakteren, ich weiß im Grunde nicht einmal wie alt sie sind, wie sie aussehen, wie sie leben, was sie fühlen; nichts. Ab dem Erdbeben wird es besser. Daher wäre für mich eine Überlegung, damit anzufangen. Diese Insel, die plötzlich da ist, ist zwar sehr schön und interessant, aber sie hat nicht offensichtlich mit dem Erdbeben oder irgendetwas zu tun, das in dieser Szene vorkommt. Also ich sehe keinen Sinn, dass du genau damit anfangen musst. Von dem Stück, das ich gelesen habe, könnte sie genauso gut auch in 3, 4 Seiten vorkommen.

Ich bin jemand, ich brauch als erstes einen Charakter, etwas Persönliches. Das fehlt mir hier komplett.
Alle wirken sehr emotionslos, getrieben nur davon, dass es einen Plot abzuhandeln gilt. Ich mag deine Texte eigentlich sehr, aber dieser hier kommt mir ein bisschen lieblos vor. Wie die Eltern sprechen und handeln. Da geht mehr.
Gut gefallen haben mit deine Beschreibungen der Umgebung, und als die Kreatur den Arm durch den Riss in der Mauer gesteckt hat.

Vermutlich soll es ein Kinder oder Jugendbuch werden, oder?

Liebe Grüße,
LaHallia
Sie müssen erzählerische Risiken eingehen. Vor allem aber: niemals versuchen, den anderen zu gefallen. Sie müssen so hoch zielen, dass Sie ganz tief fallen können. Dann vielleicht haben Sie Erfolg. (Frank Schätzing)

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Re: Fantasy- Beginn: Nachtwesen
« Antwort #2 am: 24 Februar 2018, 16:32:57 »
Hallo Oldlady,

zuerst zu den Fragen.

1). Für wie alt haltet Ihr die Protagonistin?
Ich würde Jandra auf etwa 8-10 Jahre schätzen.

2). Konntet Ihr das Geschehen im Action-Teil nachvollziehen? Ist es gut vorstellbar, so in Richtung Film?
Insgesamt lässt sich der Action-Teil gut nachvollziehen.

3). Welche Fragen drängen sich dem Leser nach diesem Einstieg auf?
Worum geht es eigentlich? :diablo:

Um präziser zu werden: Der Einstiegstext enthält eine Menge offener Fragen. Was er ja auch soll. Aber als Leser frage ich mich, ob alle diese offenen Fragen schon an dieser Stelle notwendig sind. Wir haben

- eine Insel, die in der Abenddämmerung auftaucht und dann verschwindet
- das Nachtausgehverbot (Klassiker)
- eine Gegend, in der die Erde bebt, aber nicht völlig klar ist, ob es sich dabei um Erdbeben handelt
- eine unbekannte, möglicherweise monströse Kreatur, die aufgrund der Beschreibung des Armes nicht einzuordnen ist
- ängstliche Eltern und eine große Schwester, die mehr zu wissen zu scheinen, was aber eventuell auch nur geglaubtes Wissen sein kann

In der Action-Szene wirkt Jandra überraschend routiniert, ganz anders als im anderen Text, die Eltern hilflos. Deshalb wirkt es insgesamt gewollt. Wenn die Erwachsenen aus (guten) Gründen dort leben, aber sich nicht mit den dortigen Gegebenheiten beschäftigen, wirken sie darüber hinaus auch dumm - heißt typisch menschlich. :devgrin: Das gibt dem Text einen sozialkritischen Touch, den bestimmt nicht jeder mag.

Der Anfang scheint keinen Bezug zur Action-Szene zu haben und auch sonst der Geschichte nicht zu dienen.
Ich will nicht die Diskussion führen, ob man den Leser bereits nach zwei Sätzen in die Geschichte ziehen will oder ob ein gemächlicher Anfang, der den Leser in die Geschichte einführt, das bessere Stilmittel ist. Aber ich habe den Eindruck, dass hier beides auf einmal versucht wird. Und das klappt für mich nicht. Die Geschichte könnte genauso gut "einige Monate später" anfangen. Wobei dieser Satzanfang dann natürlich überflüssig wäre. :biggrin:

LG
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Re: Fantasy- Beginn: Nachtwesen
« Antwort #3 am: 25 Februar 2018, 14:47:48 »
Hi, Oldlady!

1). Für wie alt haltet Ihr die Protagonistin?
2). Konntet Ihr das Geschehen im Action-Teil nachvollziehen? Ist es gut vorstellbar, so in Richtung Film?
3). Welche Fragen drängen sich dem Leser nach diesem Einstieg auf?

1) Ohne die explizite Frage am Anfang ... hätte ich darüber nicht nachgedacht und Jandra Anfang zwanzig geschätzt. Elma, aufgrund der schlenkernden Zöpfe auf vielleicht zehn. Weil Zöpfe für mich eine Mädchenfrisur sind, nicht etwas, as man als erwachsene Frau trägt. Nach dem weiterlesen würde ich diese Altersangaben eher umdrehen, bzw. Elma Ende Teenager-Alter ansiedeln.
2) Welchen Actionteil meinst du?  :hehe:  Aber ja, ich konnte dem durchaus folgen.
3) Fragen? Ganz ehrlich, die erste war: "Och nö, muss das mit der guten Göttin jetzt wirklich sein?" Ansonsten stellte sich natürlich sehr schnell die Frage, wieso man denn nachts nicht draußen sein soll ...
Nachdem ich den gesamten Text gelesen habe, frage ich mich, was das für Wesen sind, die da herumstreifen, und wieso sie von einer offenbar sehr einfachen Mauer aufgehalten werden können. Wenn ich wirklich so ein böses Wesen bin, kann doch ein Fenster, eine Tür, kein großes Hindernis darstellen.
Und wie wollen sie von hier in eine Stadt ziehen, wenn sie sich nach dem Dunkelwerden irgendwo nach drinnen verkriechen müssen?

Du wolltest ja Fragen ...  :hehe:

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Re: Fantasy- Beginn: Nachtwesen
« Antwort #4 am: 26 Februar 2018, 21:55:55 »
Hallo Oldlady,

na dann mal ran. Ich warne schon mal vor - ich habe viel zu meckern.

Zitat
Der Sand war warm unter Jandras nackten Füßen, es roch nach Salz und Tang. Im Licht der sinkenden Sonne schimmerte das Meer wie gehämmerte Bronze.
Weit draußen, mitten im Wasser, standen Berge schwarz gegen den flammenden Himmel.
Eine Insel.

Mir ist das zu süßlich. Es tut sinnlich, aber es ist es nicht. "Gehämmerte Bronze" klingt erstmal gut (gut nicht für mich, ich finde es kitschig), aber es macht kein Bild. Und dann noch der "flammende Himmel". Möchtest Du wirklich diese Sprache? Ich würde dafür plädieren, viel weniger dick aufzutragen und dafür aber genauer hinzuschauen.

Zitat
Sie trabten nebeneinander über den Sand. „Was passiert denn, wenn man im Dunkeln draußen ist? Warum ist das so gefährlich?"
"Halt den Mund, Jandra! Du weißt genau, dass man nicht darüber reden darf."
"Warum nicht?"

Diese Szene ist mir zu gewollt. Es ist klar, ich als Leserin soll etwas mitgeteilt bekommen, was eigentlich alle schon wissen. Das merke ich leider schon beim zweiten Satz und die folgenden Sätze machen es nicht besser. Auch weil ich gar nichts erfahre, außer: Es gibt eine Bedrohung.

Problem auch: Bislang hatte ich eine Prota im jugendlichen Alter vor mir. Nun ist sie plötzlich "zu klein" also vielleicht so 5?

Zitat
Vom Ufer führte ein Pfad landeinwärts zu einer Hütte, die sich unter Pinien duckte und von einem kleinen Gemüsegarten umgeben war. Aus einem offenen Schuppen wehte der Geruch von geräuchertem Fisch.

Wieder eine Beschreibung, die unsinnlich ist und in mir keine Bilder weckt. So knappe Beschreibungen funktionieren bei Regionen, die ich kenne, wo mein Hirn den Rest ergänzt. In einer Fantasywelt funktionieren sie für mich nicht.

Zitat
Elma hastete durch die offene Tür, knallte mit der Stirn gegen den Rahmen und stöhnte auf.
Jandra kicherte. „Wenigstens bin ich zu klein, mir den Kopf anzustoßen.“
Natürlich erzählte sie ihren Eltern von der Insel.
"Das hast du dir eingebildet", sagte Vater.

Warum der schnelle Szenenwechsel? Und warum überhaupt die Sache mit dem angestoßenen Kopf? Mir kommt das zu unvermittelt und mir ist nicht klar, warum Du das zeigst. Danach kommt wieder ein unvermittelter Wechsel zur Mutter, die dann auch noch stereotyp das Kind knuddelt, wo der Vater rational ist.

Zitat
Am nächsten Morgen sollte Jandra im Garten helfen, aber sie lief, so schnell sie konnte, zu der etwas abgelegenen Bucht, an der sie gestern Nachmittag gespielt hatte.
Die Insel war verschwunden.

Auch hier: Entweder lass sie einfach zur Bucht laufen, oder zeig mir was: Wie sie sich wegschleicht, wie der Weg ist... aber so halb gezeigt, fängt es mich nicht ein.

Dann kommt die Erdbebenszene. Ich weiß beim wackelnden Brett schon was kommt und wundere mich, wieso niemand was merkt. Die folgenden Beschreibungen wirken auf mich unfreiwillig komisch, wie aneinandergereiht und irgendwie ohne passende Emotionalität. Hier wird für mich auch deutlich, dass die Perspektive unklar ist. Die Position der Erzählerin bleibt mir schleierhaft. Leider ist sie auch sehr weit von der Prota weg, so dass Du bis jetzt bei mir kein Interesse wecken konntest.

Zitat
„Ich halte das nicht mehr aus!“, kreischte Mutter plötzlich los. „Immer diese Angst – die da draußen – sie hätten uns -“ Sie wischte sich den Staub aus den Augen und fuhr ruhiger fort: „Wir sollten nach Narakasta gehen, dort gibt es keine Erdbeben.“

Okay, die Eltern kennen also Erdbeben. Hätten Sie dann nicht eher etwas merken müssen? Mir stößt es auch auf, dass die Mutter so hysterisch ist und der Vater so ruhig. Da sie sonst noch nicht charakterisiert sind, wirken sie auf mich wie Abziehbilder. Leider ist auch die Prota für mich nicht plastisch.

Zitat
Vaters schmales, von der Sonne gedörrtes Gesicht sah müde aus. „Wir können es nicht ändern. Das letzte Beben ist lange her, da hat Jandra gerade laufen gelernt. Vielleicht haben wir nun wieder viele Jahre lang Ruhe vor ihnen.“
Jandra konnte sich nicht mehr zurückhalten. „Was machen sie? Was passiert, wenn man nachts rausgeht oder das Haus einstürzt?“
Auf Vaters Stirn erschien eine steile Falte. „Kein Wort mehr!“

Auch hier ist für mich ein nicht nachvollziehbarer Wechsel: Wie kommt Jandra auf "sie"? Und wieso tickt der Vater so aus? Der Zusammenhang zwischen Wasauchimmer und Erbeben sollte nachvollziehbar werden.

Zitat
Mutter sprang auf, packte Elmas Bluse und versuchte, sie von der Wand wegzuziehen, Vater stürzte herbei, umschlang ihre Taille mit beiden Händen und zerrte wie verrückt – vergeblich. Elma schrie gellend und wand sich wie ein Aal in einer Fischreuse.
Aus dem Riss ragte ein schwarzer Arm, um den ein rötliches Licht flackerte, eine Krallenhand hatte Elmas Handgelenk gepackt.
Jandra hüpfte über einen umgefallenen Hocker, rannte zum Regal, schnappte sich das große Fischmesser, lief um das tobende Menschenknäuel herum und stach wild auf den Arm des Ungeheuers ein. Ein zischender Laut, Elma fiel nach vorne und schlug mit dem Bauch auf den Boden.

Auch diese Beschreibung wirkt wieder unfreiwillig komisch. Teilweise durch unpassende Worte (Scherben für Putz, der ja eher bröselt als klirrt, hüpfen für springen), und im zitierten Abschnitt auch, weil ich nicht nachvollziehen kann, was passiert. Warum will die Mutter Elma von der Wand wegziehen? "Zerrte wie verrückt" kenne ich nur als witzige Beschreibung, sie wirkt hier fehl am Platze. Und dann der "schwarze Arm". Mir stößt der einerseits auf, weil ich das bildhaft tendenziell rassistisch finde, andererseits ist die Beschreibung kindlich, naiv. Ich kann den Text dadurch nicht ernst nehmen. Auch "Ungeheuer" ist für mich so ein kindliches Wort.

Warum fällt Elma nach vorn?

Mir ist klar, dass in dieser Szene Jandras Heldentum eingeführt wird, aber es ist mir zu einfach gestrickt.

Zitat
Jandra starrte auf den Riss und umklammterte das Messer. 
War die Kreatur jetzt fort? War sie verletzt? Oder hatte sie aufgegeben, weil sie zu groß war, um sich durch den Riss zu schieben?
Die Eltern schleiften Elma von der Wand weg und drehten sie auf den Rücken. Sie lag da als wäre sie tot.
„Elma – Elma, wie geht es dir – Elma!“

Wie geht es Dir? Das wirkt sehr unpassend.

Und: Wieso wird Jandra so ignoriert? Wieso holen die niemanden? Wohnen die isoliert? Gibt es keine Ärzte? Heilerinnen? Immerhin gibt es Putz, da sollte es auch Heilerinnen geben, oder?

Zitat
Es wurde immer dunkler. Im Herd glimmte nur noch ein halb verkohlter Klotz, die Gegenstände wurden zu schwarzen Schatten, die Gesichter zu bleichen Flecken.
Das Holz lagerte draußen vor dem Haus. 

"glomm" ist gebräuchlicher, ich kannte "glimmte" gar nicht. Und warum erzählst Du mir was vom Holz? Ich wüsste ja sehr viel lieber, wieso das Vieh nun weg ist.

Das Ende ist eher unsympathisch. Die Familie wirkt seltsam beziehungslos, grob miteinander und als lebten sie nebeneinander her. Die Figuren sind leider sehr blass. Ich hätte daher, wenn es nicht Dein Text gewesen wäre, schon sehr bald abgebrochen.

Zitat
1). Für wie alt haltet Ihr die Protagonistin?
2). Konntet Ihr das Geschehen im Action-Teil nachvollziehen? Ist es gut vorstellbar, so in Richtung Film?
3). Welche Fragen drängen sich dem Leser nach diesem Einstieg auf?

1. Das schwankt im Text stark. Anfangs dachte ich: 14, 15. Da denkt man so kitschig. Dann als die Schwester kommt: 4 oder 5. Und dann im Haus wieder so 12. Das passt für mich nicht zusammen.
2. Nein, leider nicht
3. Was ist das für eine Welt?

Für mich fehlt da ganz viel Grundlage: Welche Sprache möchtest Du? Welche Perspektive? Inhaltlich muss ich wenigstens eine Idee von der Welt bekommen und zumindest ausreichend Interesse für die Prota entwickeln, um weiterlesen zu wollen. Dazu müsste ich eine Idee haben, wer sie ist und wo sie lebt.

So weit erstmal...
lg merin
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht.

Trippelschritt

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Re: Fantasy- Beginn: Nachtwesen
« Antwort #5 am: 27 Februar 2018, 20:20:22 »
Will ich auch mal in aller Kürze.

1. Alter der Protagonistin
Ich bin mir nicht sicher, wer die Protagonistin ist. Die beiden Schwestern sind 10 und 14.

2. Die Kampfszene ist nachvollziehbar

3. Fragen? Ein großes Durcheinander, das mich etwas orientierungslos herumstehen lässt.

Eine der Schwierigkeiten bei Fantasy ist, dass die Welt unter Umständen von jeder bekannten Realität unterscheidet. Bei einem Bergkrimi, weiß ich, dass ich in den Bergen bin, die aus eigener Anschauung oder aus dem Fernsehen kenne. Bei einigen Fantasygeschichten bewege ich mich in einem Mainstream Mittelalter, dass es so zwar nie gegeben hat, aber das ich aus vielen guten und schlechten Romanen her kenne. In allen anderen Fällen muss ich erst einmal die Situation oder das Setting festlegen.

Was habe ich da? Strand, Flechtwerkhaus mit Putz(???). Fischfang als Nahrungsgrundlage und Gemüseanbau
Dann eine ominöse Gefahr, über die nicht gesprochen werden darf. Warum nicht?
Gelegentliche Erdbeben. Seltener als in Japan
Eine Stadt in der Nähe, die keinen Platz und keine Arbeit bietet (?)
Das ist nicht viel und vor allem führt es mich nicht weiter und es macht mich auch nicht neugierig.

Noch ein paar Korinthen
Die Insel taucht auf und verschwindet wieder. Nach einigen Monaten ... Wenn das alles ist, was passiert, hätte genügt zu schreiben , dass etwas auftauchte, das wie eine Insel aussah und es wieder verschwand. Erst Monate später ...

Wenn man rennt, fliegen die Zöpfe.

In einem Haushalt, in dem es keinen Luxus gibt, gibt es auch keine Langeweile

Und der Dialog, in dem erwähnt wird, dass die Stadt keinen Platz für die Familie hat, muss raus. Sein einziger Zweck ist, dem Leser zu sagen, dass die Stadt keinen Platz hat. Das klingt künstlich.

Und jetzt überrasche mich im zweiten Entwurf.  8)

Frohes Schaffen
wünscht Trippelschritt

Womit kann der alte Vol'jin Euch helfen

merin

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Re: Fantasy- Beginn: Nachtwesen
« Antwort #6 am: 28 Februar 2018, 08:55:27 »
Liebe Oldlady,

noch ein Nachgedanke: Meine Zöpfe fliegen nicht beim Rennen. Zu schwer und das trotz dünnen Haars. Ich kenne fliegende Zöpfe nur von herumhüpfenden Kindern, die sehr schlenkerig laufen. Es ist ein schönes Bild, aber wenn das Kind älter ist als so 10 oder 12 würde ich es nicht mehr verwenden.

Spannend ist, dass ich offenbar als einzige die Actionszene nicht verstehe. Ich habe keinen Plan, wie der Raum aussieht und wer sich da wo befindet. :gruebel:

lg
merin
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht.

Oldlady

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Re: Fantasy- Beginn: Nachtwesen
« Antwort #7 am: 01 März 2018, 14:30:00 »
Liebe La Hallia, herzlichen Dank!  :daaanke:

Zuerst mal ein paar Antworten zu den Details.

Zitat
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Jandra starrte sie an. Kniff die Augen zusammen. Sie war immer noch da.

Bezieht sich das "Sie war immer noch da" auf die Insel? Ist für mich gerade nicht ganz so klar.

Die Kritik verstehe ich nicht. Worauf sollte das "sie" sich sonst beziehen? Auf Jandra?? Das wäre doch sehr merkwürdig.


Zitat
Zitat
Jandra kicherte. „Wenigstens bin ich zu klein, mir den Kopf anzustoßen.“
Natürlich erzählte sie ihren Eltern von der Insel.
"Das hast du dir eingebildet", sagte Vater.

Das kommt etwas abrupt. Also von: sie stößt sich den Kopf an und erzählt dann von der Insel. Wo? Wann? sind sie schon im Haus? Essen sie? Wie sind die Eltern so? Wie schauen sie aus und wie schaut die Hütte aus; wie ist ihr Umfeld?

Stimmt, dazwischen fehlt auf jeden Fall ein Satz. Aber ob man sich nun über die Eltern oder das Innere der Hütte und generell das Umfeld verbreiten muss? Ich denke eher nicht. Das kann auch, so finde ich, nach und nach eingebaut werden.
Ich persönlich mag es nicht, wenn ich am Beginn einer Geschichte erst mal längliche Beschreibungen und Hintergründe lesen muss.

Zitat
Zitat
Mutter zog sie in ihre Arme.

Mein persönlicher Geschmack ist, dass ich es nicht mag, wenn Mutter/Vater/Mama/Papa als Name benutzt werden. Mutter ist eine Bezeichnung, wie Lehrer, oder Müllmann.

Huh - ja, das ist ein wunder Punkt. Ich habe mir da auch Gedanken gemacht. Schwierig. Sollte man eher "die Mutter zog sie in ihre Arme" schreiben? Das klingt für mich auch  seltsam. Und die Namen der Eltern gehen gar  nicht, denn die Tochter denkt ja "Mutter" und "Vater".  Es ist für sie so etwas wie ein Eigennamen. Also ich weiß nicht recht, wie ich das lösen soll.

Zitat
Zitat
"Ich habe mir Sorgen gemacht. Bitte komm nie, nie wieder so spät nach Hause."
Am nächsten Morgen sollte Jandra im Garten helfen, aber sie lief, so schnell sie konnte, zu der etwas abgelegenen Bucht, an der sie gestern Nachmittag gespielt hatte.
Die Insel war verschwunden.
Einige Monate später saß Jandra mit ihren Eltern und ihrer Schwester beim Abendessen. Sie löffelten ihre Fischsuppe und redeten über die Arbeiten, die jeder am nächsten Tag erledigen sollte. Alles war wie immer, immer gleich, immer langweilig.
Und doch … Irgendetwas stimmte heute nicht.

Das geht mir alles viel zu schnell. Du überspringst in wenigen Sätzen Tage und Monate. Und das ganz zu Beginn des Textes.

Prinzipiell finde ich das Überfliegen von Zeitstrecken nicht als problematisch, aber vielleicht kommt das hier wirklich zu früh.

Zitat
Warum nicht mit dem Tag beginne, wo alles so komisch ist - Erinnerung an die Insel - und dann wirklich bei diesem einen Tag bleiben. Das würde es mir leichter machen, mich in die Geschichte reinzufinden.

Ursprünglich hatte ich die Idee, mit dem Erdbeben zu beginnen. Und es stimmt, zuerst die Insel, dann das Erdbeben, das ist zu eng gepackt (Ich werde das mit der Insel wohl einfach später bringen).


Zitat
Zitat
Jandra stand auf, auch Vater rapppelte sich hoch und betrachtete das Chaos. „Ich glaube, es ist vorbei. Unser Haus steht noch. Die große Göttin hat uns geholfen. Ich werde ihr ein Opfer bringen, fünfzig Räucherfische – “
„Ich halte das nicht mehr aus!“, kreischte Mutter plötzlich los. „Immer diese Angst – die da draußen – sie hätten uns -“

Das geht mir auch viel zu schnell. Es gab ein Erdbeben, zumindest glauben die Kinder das. Die Eltern wissen, dass es was anderes ist.

"Die da draußen" ist etwas Zusätzliches, eine Gefahr, die droht, wenn die Hütte nicht standhält.   Aber vielleicht sollte ich das deutlicher machen, wenn Du hier denkst, die bebende Erde wäre doch kein Erdbeben gewesen.

Zitat
Dann wird der Göttin was versprochen und die Mutter kreischt herum. Da sind aber keine Gefühle, nichts, wo man als Leser mitfühlen könnte, keine Reflektion.

Jandra hört ihre Mutter kreischen. Wieso braucht man da Reflektion?

Zitat
"Immer diese Angst" zum Beispiel, davon merkt man nichts. Du überfliegst in wenigen Sätzen einen sehr großen Zeitraum, hältst dann hier an, weil das Erdbeben wichtig ist und da fehlt mir als Leser halt einfach ein Charakter, eine Umgebung, irgendwas, mit dem ich mich identifizieren könnte.

Jandra ist die Hauptperson. Es ist ihre Perspektive.  Ich dachte, das genügt, um mit ihr zu erleben, was da passiert. Welche Art Person sie ist, ihr Charakter, zeigt sich nicht gleich in den ersten zwei Seiten. Hier sollte ein erster Eindruck stehen: sie ist entschlossen,  mutig und stellt Fragen, obwohl sie weiß, dass sie das nicht soll.

Zitat
Zitat
2). Konntet Ihr das Geschehen im Action-Teil nachvollziehen? Ist es gut vorstellbar, so in Richtung Film?

Meinst du das Erdbeben?
Du hast alles, was das Setting betrifft den ganzen Text hindurch sehr schön und anschaulich beschrieben. Aber die Gefühle bleiben für mich völlig auf der strecke.

Hmm. Ich glaube, da haben wir ganz unterschiedliche Herangehensweisen. Wenn in einer Szene viel los ist, muss das für mein Gefühl Schlag auf Schlag gehen, ohne Ausflüge in Gefühlswelten, sonst nimmt man zu viel Tempo raus. Dass ein Erdbeben Ängste und Verwirrung auslöst,  kann sich der Leser meiner Meinung nach denken.


merin

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Re: Fantasy- Beginn: Nachtwesen
« Antwort #8 am: 01 März 2018, 18:37:28 »
Liebe Oldlady,

Zitat
Die Kritik verstehe ich nicht. Worauf sollte das "sie" sich sonst beziehen? Auf Jandra?? Das wäre doch sehr merkwürdig.

Ja, deshalb habe ich das auch verworfen. Aber ich habe die Stelle auch zwei Mal gelesen. Sprachlich ist sie nicht eindeutig.

Zitat
Huh - ja, das ist ein wunder Punkt. Ich habe mir da auch Gedanken gemacht. Schwierig. Sollte man eher "die Mutter zog sie in ihre Arme" schreiben? Das klingt für mich auch  seltsam. Und die Namen der Eltern gehen gar  nicht, denn die Tochter denkt ja "Mutter" und "Vater".  Es ist für sie so etwas wie ein Eigennamen. Also ich weiß nicht recht, wie ich das lösen soll.

Wenn die Perspektive klar aus Jandras Sicht sein soll - natürlich nicht. Dann ist "ihre Mutter" die einzig mögliche Variante, wobei auch das schon verfremdet ist, dann Jandra denkt vielleicht "Mama". Da die Perspektive bislang aber nicht nah an der Prota ist, können da auch Namen stehen. Zumal ich keine Ahnung habe, ob das in einer Kultur spielt, in der es vielleicht üblich ist, die Eltern beim Namen zu nennen.

Zitat
Hmm. Ich glaube, da haben wir ganz unterschiedliche Herangehensweisen. Wenn in einer Szene viel los ist, muss das für mein Gefühl Schlag auf Schlag gehen, ohne Ausflüge in Gefühlswelten, sonst nimmt man zu viel Tempo raus. Dass ein Erdbeben Ängste und Verwirrung auslöst,  kann sich der Leser meiner Meinung nach denken.

Ich halte das für ein Missverständnis. Du postulierst: Action versus Gefühle. Aber La Hallia meint wahrscheinlich, genau wie ich: Bitte die Action so, dass Gefühle spürbar werden. Dazu braucht es keine Ausflüge in Innenwelten, die nur Tempo rausnehmen würden. Es braucht ein Feilen an den Beschreibungen dessen, was passiert.

lg
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Re: Fantasy- Beginn: Nachtwesen
« Antwort #9 am: 01 März 2018, 22:08:35 »
Hi Oldlady,
Zitat
Zitat
Zitat
Jandra kicherte. „Wenigstens bin ich zu klein, mir den Kopf anzustoßen.“
Natürlich erzählte sie ihren Eltern von der Insel.
"Das hast du dir eingebildet", sagte Vater.

Das kommt etwas abrupt. Also von: sie stößt sich den Kopf an und erzählt dann von der Insel. Wo? Wann? sind sie schon im Haus? Essen sie? Wie sind die Eltern so? Wie schauen sie aus und wie schaut die Hütte aus; wie ist ihr Umfeld?

Stimmt, dazwischen fehlt auf jeden Fall ein Satz. Aber ob man sich nun über die Eltern oder das Innere der Hütte und generell das Umfeld verbreiten muss? Ich denke eher nicht. Das kann auch, so finde ich, nach und nach eingebaut werden.
Ich persönlich mag es nicht, wenn ich am Beginn einer Geschichte erst mal längliche Beschreibungen und Hintergründe lesen muss.

Ich nehme diesen Ausschnitt einmal stellvertretend für einige andere auch in diesem Text. es geht mir gar nicht so sehr, dass konkret hier die Sprünge für mich zu groß sind, das sind sie an anderen Stellen auch, sondern darum, dass ich ganz allgemein gesehen am Anfang eines Textes zwei Dinge brauche:
1) räumliche Orientierung, wozu für mich die Welt, die Umgebung, Architektur, Flora, Fauna etc zählt
2) die Orientierung zum Hauptcharakter hin; wer ist wer? wie ist er so? Wie denkt er, wie geht er mit Situationen um etc; das ist sicherlich von Leser zu Leser unterschiedlich, aber mir ist es da schon sehr wichtig, dass ich direkt das Innenleben des Prota sehe, zumindest einen kleinen Einblick, denn wenn er nur eine blasse Schablone, ein Name ist, dann kann ich nicht mitfühlen, mich nicht reinversetzen;
ein Beispiel: ärgert sie sich darüber, dass keiner mit ihr über dieses Geheimnis reden will? Hat sie sich schon Gedanken gemacht, warum das so sein könnte? (Du bist zu klein ist ja bloß die Lieblingsausrede von Erwachsenen); welche grauenhaften Szenarien hat sie in ihrem Kopf, um die Geschehnisse (Insel, Erdbeben, Angst der Eltern...) zu erklären?

Zitat
Huh - ja, das ist ein wunder Punkt. Ich habe mir da auch Gedanken gemacht. Schwierig. Sollte man eher "die Mutter zog sie in ihre Arme" schreiben? Das klingt für mich auch  seltsam. Und die Namen der Eltern gehen gar  nicht, denn die Tochter denkt ja "Mutter" und "Vater".  Es ist für sie so etwas wie ein Eigennamen. Also ich weiß nicht recht, wie ich das lösen soll.
ich fände merins Vorschlag: ihre Mutter, gut und richtig.


Zitat
Ursprünglich hatte ich die Idee, mit dem Erdbeben zu beginnen. Und es stimmt, zuerst die Insel, dann das Erdbeben, das ist zu eng gepackt (Ich werde das mit der Insel wohl einfach später bringen).
Das fände ich gut, ja. Die Insel ist ein sehr schönes Bild, dem du später genug Raum geben solltest. Aber sie steht am Anfang etwas verloren da, ohne Zusammenhang mit dem Erdbeben und den Monstern, daher ist es für die erste Szene vielleicht etwas verwirrend, das auch noch mit rein zu bringen.


Zitat
"Die da draußen" ist etwas Zusätzliches, eine Gefahr, die droht, wenn die Hütte nicht standhält.   Aber vielleicht sollte ich das deutlicher machen, wenn Du hier denkst, die bebende Erde wäre doch kein Erdbeben gewesen.
War mir nicht klar, nein. Weil man ja von der Gefahr überhaupt nichts erfährt, und als dann das Erdbeben kam, hab ich eigentlich schon gedacht, dass es durch die Monster/Götter verursacht wird und Teil der Gefahr ist.

Zitat
Prinzipiell finde ich das Überfliegen von Zeitstrecken nicht als problematisch, aber vielleicht kommt das hier wirklich zu früh.
Prinzipiell habe ich auch nichts dagegen. Für die erste Szene eines Textes halte ich es persönlich einfach für ungeeignet. Weil ich aus den oben genannten Gründen durch diese großen Zeitsprünge noch weniger Orientierung - räumlich als auch charakterlich- habe.


Zitat
Jandra ist die Hauptperson. Es ist ihre Perspektive.  Ich dachte, das genügt, um mit ihr zu erleben, was da passiert. Welche Art Person sie ist, ihr Charakter, zeigt sich nicht gleich in den ersten zwei Seiten. Hier sollte ein erster Eindruck stehen: sie ist entschlossen,  mutig und stellt Fragen, obwohl sie weiß, dass sie das nicht soll.
Also für mich genügt es nicht, eine Prota zu haben, die Geschehnisse schildert. Nur das Innenleben lässt mich mitfühlen. Wenn meine Schwester Liebeskummer hat, tut es mir Leid, macht es mich traurig, weckt es in mir den Wunsch ihr zu helfen usw usw; wenn eine Kollegin aus dem ersten Stock, die ich zwei Mal gesehen habe Liebeskummer hat, dann kann sie mir das erzählen und ich werde höflich zuhören und ihr vermutlich ähnliche Dinge sagen wie meiner Schwester, aber innerlich wird es mich nicht berühren. Warum? Weil ich Empathie für meine Schwester habe, aber nicht für einen Fremden.
Nur weil Jandra Dinge schildert, einmal fragt was denn los sei und sich mit der Antwort: du bist zu klein, zufrieden gibt, fühle ich nicht mit ihr mit. Ich brauche da mehr. Wie oben geschrieben: ihr Innenleben, ihre Gedanken zur Situation.

Zitat
Hmm. Ich glaube, da haben wir ganz unterschiedliche Herangehensweisen. Wenn in einer Szene viel los ist, muss das für mein Gefühl Schlag auf Schlag gehen, ohne Ausflüge in Gefühlswelten, sonst nimmt man zu viel Tempo raus. Dass ein Erdbeben Ängste und Verwirrung auslöst,  kann sich der Leser meiner Meinung nach denken.
Dass sie nicht während des Erdbebens, oder während der schwarze Arm versucht die Schwester zu packen anfängt großartig nachzudenken ist klar. Aber irgendwann brauche ich schon Reflektion über das Geschehene.
Beispiel:  meine beste Freundin hat letzen Samstag ihr erstes Kind bekommen. Sie hätte sagen können.
Ich bin um 9 ins Krankenhaus gefahren. Hatte alle 15 Minuten Wehen. Um 4 dann alle 3 Minuten. Da haben sie mich in den Kreissaal geschoben und nach vier Presswehen war der Junge da.
Oder sie erzählt wie sie es empfunden hat. Ihre Ängste, ihre Sorgen, wird alles gut gehen, wird der Vater von dem sie getrennt ist das Kind anschauen kommen, wird sie mit der Situation klar kommen, mit den körperlichen Schmerzen, mit den ganzen tausend Gedanken, die einen da vermutlich durch den Kopf gehen.
Verstehst du was ich mein? Sie wird sich während der letzen Phase der Geburt sicher keine Gedanken gemacht haben, außer dass das Kind endlich rauskommt, aber ein paar Stunden später sehr wohl.
Und so erzählt sie es dann auch. Emotional. Und ich kann mit ihr mitfühlen, weil ich sie lange kenne, weil wir Freundinnen sind und weil mich interessiert, was mit ihr passiert, wie es ihr geht, wie die Situation weiter gehen wird.

Ich hoffe, ich konnte noch einige Unklarheiten aus meiner Röstung beseitigen.
Liebe Grüße,
LaHallia
Sie müssen erzählerische Risiken eingehen. Vor allem aber: niemals versuchen, den anderen zu gefallen. Sie müssen so hoch zielen, dass Sie ganz tief fallen können. Dann vielleicht haben Sie Erfolg. (Frank Schätzing)

Oldlady

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Re: Fantasy- Beginn: Nachtwesen
« Antwort #10 am: 08 März 2018, 12:49:44 »
Hallo Ryek,

Zitat
1). Für wie alt haltet Ihr die Protagonistin?
Ich würde Jandra auf etwa 8-10 Jahre schätzen.
Volltreffer!

Zitat
Der Einstiegstext enthält eine Menge offener Fragen. Was er ja auch soll. Aber als Leser frage ich mich, ob alle diese offenen Fragen schon an dieser Stelle notwendig sind.

Damit bestätigst Du den den Eindruck einiger anderer.  Und ich sehe inzwischen auch, dass das zuviel war.

Zitat
Der Anfang scheint keinen Bezug zur Action-Szene zu haben und auch sonst der Geschichte nicht zu dienen.

Tut er, aber er ist wohl an der falschen Stelle.

Zitat
Ich will nicht die Diskussion führen, ob man den Leser bereits nach zwei Sätzen in die Geschichte ziehen will oder ob ein gemächlicher Anfang, der den Leser in die Geschichte einführt, das bessere Stilmittel ist. Aber ich habe den Eindruck, dass hier beides auf einmal versucht wird. Und das klappt für mich nicht.

Ich gehöre zur  Fraktion der "in die Geschichte-Schmeißer".  Die Insel halte ich nicht für "gemächlich". Auf jeden Fall ist beides zuviel, das ist mir jetzt klar.

herzlichen Dank, Ryek!

Oldlady

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Re: Fantasy- Beginn: Nachtwesen
« Antwort #11 am: 08 März 2018, 12:57:33 »
Viskey

Zitat
Zitat
3). Welche Fragen drängen sich dem Leser nach diesem Einstieg auf?

3) Fragen? Ganz ehrlich, die erste war: "Och nö, muss das mit der guten Göttin jetzt wirklich sein?" Ansonsten stellte sich natürlich sehr schnell die Frage, wieso man denn nachts nicht draußen sein soll ...

Zitat
Nachdem ich den gesamten Text gelesen habe, frage ich mich, was das für Wesen sind, die da herumstreifen, und wieso sie von einer offenbar sehr einfachen Mauer aufgehalten werden können. Wenn ich wirklich so ein böses Wesen bin, kann doch ein Fenster, eine Tür, kein großes Hindernis darstellen.

Das ist die naheliegende, vollkommen logische Frage, die mir auch meine Tochter gestellt hat. Die wird im Folgekapitel beantwortet: Die Wesen haben keinen Einfluss auf Gegenstände, nur auf Menschen (sie sind durch einen Fluch entstanden).

Zitat
Und wie wollen sie von hier in eine Stadt ziehen, wenn sie sich nach dem Dunkelwerden irgendwo nach drinnen verkriechen müssen?

auf der Strecke dorthin gibt es Dörfer, wo man nachts unterkommt.


Zitat
Du wolltest ja Fragen ... 

Aber ja!

Vielen Dank, Viskey!

Oldlady

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Re: Fantasy- Beginn: Nachtwesen
« Antwort #12 am: 08 März 2018, 13:43:38 »
Liebe Merin,
Kritik ist für mich immer hilfreich. Ich lerne ja daraus.
Teilweise bin ich anderer Meinung als Du, aber das ist ja normal bei Texten.

Zitat
Zitat
Der Sand war warm unter Jandras nackten Füßen, es roch nach Salz und Tang. Im Licht der sinkenden Sonne schimmerte das Meer wie gehämmerte Bronze.
Weit draußen, mitten im Wasser, standen Berge schwarz gegen den flammenden Himmel.
Eine Insel.
Mir ist das zu süßlich. Es tut sinnlich, aber es ist es nicht. "Gehämmerte Bronze" klingt erstmal gut (gut nicht für mich, ich finde es kitschig), aber es macht kein Bild.
Bei mir ist das ein perfektes Bild. Ich sehe das vor mir. Dadurch ist es für mich auch kein Kitsch.

Zitat
Und dann noch der "flammende Himmel". Möchtest Du wirklich diese Sprache? Ich würde dafür plädieren, viel weniger dick aufzutragen und dafür aber genauer hinzuschauen.

Ja. Mir gefällt´s. Und ich finde, dass das bei einem Fantasy gar nicht so übel passt. Und noch genauer hinschauen? Auch da bin ich anderer Meinung. Es reicht, mit ein paar Strichen einen Landschaft zu geben, den Rest schafft die Fantasie. Und ich hasse zu viele Details. Dasselbe gilt auch für Deinen späteren Kritikpunkt mit der Fischerhütte.

Zitat
Zitat
Sie trabten nebeneinander über den Sand. „Was passiert denn, wenn man im Dunkeln draußen ist? Warum ist das so gefährlich?"
"Halt den Mund, Jandra! Du weißt genau, dass man nicht darüber reden darf."
"Warum nicht?"
Diese Szene ist mir zu gewollt. Es ist klar, ich als Leserin soll etwas mitgeteilt bekommen, was eigentlich alle schon wissen.

ich glaube beim Normalleser, der nicht Autor ist, ergibt sich kein solches Problem. Dass die Bedrohung offen bleibt, sollte neugierig machen.

Zitat
Zitat
Elma hastete durch die offene Tür, knallte mit der Stirn gegen den Rahmen und stöhnte auf.
Jandra kicherte. „Wenigstens bin ich zu klein, mir den Kopf anzustoßen.“
Natürlich erzählte sie ihren Eltern von der Insel.
"Das hast du dir eingebildet", sagte Vater.
Warum der schnelle Szenenwechsel? Und warum überhaupt die Sache mit dem angestoßenen Kopf? Mir kommt das zu unvermittelt und mir ist nicht klar, warum Du das zeigst.

WIeso ist der Wechsel "schnell"? Sie kommt vom Strand und erzählt. Was sollte man darüber hinaus noch brauchen?
Das mit dem angestoßenen Kopf ist ein Hinweis auf Jandras Alter und sagt, dass sie in die Hütte reingehen.

Zitat
Dann kommt die Erdbebenszene. Ich weiß beim wackelnden Brett schon was kommt und wundere mich, wieso niemand was merkt. Die folgenden Beschreibungen wirken auf mich unfreiwillig komisch, wie aneinandergereiht und irgendwie ohne passende Emotionalität. Hier wird für mich auch deutlich, dass die Perspektive unklar ist. Die Position der Erzählerin bleibt mir schleierhaft. Leider ist sie auch sehr weit von der Prota weg, so dass Du bis jetzt bei mir kein Interesse wecken konntest.

Du hast vollkommen recht. Diese Szene muss ich emotionaler gestalten, das ist mir inzwischen durch Deine Kritik und auch die anderer klar geworden.

Zitat
Zitat
Vaters schmales, von der Sonne gedörrtes Gesicht sah müde aus. „Wir können es nicht ändern. Das letzte Beben ist lange her, da hat Jandra gerade laufen gelernt. Vielleicht haben wir nun wieder viele Jahre lang Ruhe vor ihnen.“
Jandra konnte sich nicht mehr zurückhalten. „Was machen sie? Was passiert, wenn man nachts rausgeht oder das Haus einstürzt?“
Auf Vaters Stirn erschien eine steile Falte. „Kein Wort mehr!“
Auch hier ist für mich ein nicht nachvollziehbarer Wechsel: Wie kommt Jandra auf "sie"? Und wieso tickt der Vater so aus? Der Zusammenhang zwischen Wasauchimmer und Erbeben sollte nachvollziehbar werden.

Auch hier gebe ich Dir recht: Den Zusammenhang muss ich noch deutlich machen. Die Wesen können nicht durch Mauern, aber sobald ein Erdbeben kommt und das Haus beschädigt wird, schlagen sie zu.   

Zitat
Zitat
Mutter sprang auf, packte Elmas Bluse und versuchte, sie von der Wand wegzuziehen, Vater stürzte herbei, umschlang ihre Taille mit beiden Händen und zerrte wie verrückt – vergeblich. Elma schrie gellend und wand sich wie ein Aal in einer Fischreuse.
Aus dem Riss ragte ein schwarzer Arm, um den ein rötliches Licht flackerte, eine Krallenhand hatte Elmas Handgelenk gepackt.
Jandra hüpfte über einen umgefallenen Hocker, rannte zum Regal, schnappte sich das große Fischmesser, lief um das tobende Menschenknäuel herum und stach wild auf den Arm des Ungeheuers ein. Ein zischender Laut, Elma fiel nach vorne und schlug mit dem Bauch auf den Boden.
Auch diese Beschreibung wirkt wieder unfreiwillig komisch. Teilweise durch unpassende Worte (Scherben für Putz, der ja eher bröselt als klirrt).

Putz kann in Scherben runterfallen, dann klirrt es.  ebenso halte ich hüpfen oder springen nicht für von vorneherein komisch.

Zitat
Und dann der "schwarze Arm". Mir stößt der einerseits auf, weil ich das bildhaft tendenziell rassistisch finde, andererseits ist die Beschreibung kindlich, naiv. Ich kann den Text dadurch nicht ernst nehmen. Auch "Ungeheuer" ist für mich so ein kindliches Wort.

Es ist die Perspektive eines 8-9 jährigen Kindes. Und schwarz ist schwarz, Rassismus hin oder her. Auch "Ungeheuer" halte ich nicht für naiv oder komisch. Es sind für mich einfach die passenden Wörter für das Geschehen.

Zitat
Zitat
„Elma – Elma, wie geht es dir – Elma!“
Wie geht es Dir? Das wirkt sehr unpassend.

Ich war schon bei schweren Unfällen dabei. Der Satz ist durchaus typisch.

Zitat
Und: Wieso wird Jandra so ignoriert? Wieso holen die niemanden? Wohnen die isoliert? Gibt es keine Ärzte? Heilerinnen? Immerhin gibt es Putz, da sollte es auch Heilerinnen geben, oder?

Dass ein Kind das Ungeheuer angreift, passt nicht in die  Vorstellungswelt der Eltern, also glauben sie es nicht. Und sie holen später eine Heilerin.

Zitat
Zitat
Es wurde immer dunkler. Im Herd glimmte nur noch ein halb verkohlter Klotz, die Gegenstände wurden zu schwarzen Schatten, die Gesichter zu bleichen Flecken.
Das Holz lagerte draußen vor dem Haus. 
"glomm" ist gebräuchlicher, ich kannte "glimmte" gar nicht.

Danke,  "glomm" ist vor allem schöner!


Zitat
Und warum erzählst Du mir was vom Holz? Ich wüsste ja sehr viel lieber, wieso das Vieh nun weg ist.

Sie hätten gerne  ein Feuer, trauen sich aber nicht raus wegen des Ungeheuers. Und warum es weg ist, weiß keiner der Beteiligten.

Zitat
Die Familie wirkt seltsam beziehungslos, grob miteinander und als lebten sie nebeneinander her. Die Figuren sind leider sehr blass.

Das mit "nebeneinander her" trifft schon zu. Die Figuren werde ich auf jeden Fall noch mehr herausarbeiten.

Zitat
Inhaltlich muss ich wenigstens eine Idee von der Welt bekommen und zumindest ausreichend Interesse für die Prota entwickeln, um weiterlesen zu wollen.

Das mit der Welt kann meiner Ansicht nach hinterher kommen; so ungewöhnlich ist sie gar nicht, ich brauche kein "Weltenbau-Programm". Das Besondere daran ist die Magie, und die wird nach und nach erklärt.
Um mehr Interesse an der Prota zu wecken, muss ich noch einiges an Arbeit reinstecken, da gebe ich Dir vollkommen recht.  :schreibmasch:

VIelen Dank, merin!  :daaanke:
 

merin

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Re: Fantasy- Beginn: Nachtwesen
« Antwort #13 am: 08 März 2018, 14:46:17 »
Liebe Oldlady,

ich glaube, einiges dieser Dinge ist Geschmack, wobei es mich schon wundert, dass ich Deine Bergkrimis liebe, ich mit Deinen Fantasytexten aber wenig anfangen kann. Aber an vielen Stellen war ich auch mit einigen hier einig (beispielsweise dass die Bilder nicht funktionieren, weil man unbekannte Regionen eben nicht im Hirn ergänzen kann), so dass ich glaube, dass ich Recht habe.  :devevil:
Und an wieder anderen Stellen scheint es Missverständnisse zu geben:

Zitat
WIeso ist der Wechsel "schnell"? Sie kommt vom Strand und erzählt. Was sollte man darüber hinaus noch brauchen?

Eine klare Kamera- oder Aufmerksamkeitsführung. So wirkt es ziellos, unzusammenhängend.

Zitat
Putz kann in Scherben runterfallen, dann klirrt es.

Nach meinem Verständnis: nein. Ich kenne Putz bislang nur als bröselig. Und lebe in einem Haus an dem davon immer mal wieder größere Brocken abfallen, weil die Vermieterin sich leider zu wenig gekümmert hat. Und etwas, was bröselt macht ein eher dumpfes Geräusch und kein helles. Klirren ist ein helles Geräusch.

Zitat
ebenso halte ich hüpfen oder springen nicht für von vorneherein komisch.

Ich auch nicht. Aber Du verwendest hüpfen, wo Deine Protagonistin einen großen Satz macht. Definitionsgemäß ist Hüpfen eine "Fortbewegung in kleinen Sprüngen" - und dieser Widerspruch, der wirkt auf mich komisch. Mein Kritikpunkt war (und ist) die unpassende Wahl von Worten. Das ist ja in der Komik ein beliebtes Stilmittel. Aber hier soll es ja nicht komisch sein.

Zitat
Es ist die Perspektive eines 8-9 jährigen Kindes. 

Nein, ist es nicht. Das haben eigentlich alle hier angemerkt. Die Perspektive ist zumindest für mich völlig unklar. Ich halte es aber auch für eine sehr große Herausforderung überzeugend aus der Perspektive einer Achtjährigen zu schreiben.

Zitat
Ich war schon bei schweren Unfällen dabei. Der Satz ist durchaus typisch.

Vielleicht ist das regionsspezifisch? In Berlin würde man eher rufen "Was ist mit Dir?". "Wie geht es Dir" ist hier eine Höflichkeitsfloskel oder eine Nachfrage am Beginn eines Gesprächs unter Freunden.

Zitat
Sie hätten gerne  ein Feuer, trauen sich aber nicht raus wegen des Ungeheuers.

Das ergibt Sinn. Ich habe es nur aus dem Text nicht verstanden.

Ich bin gespannt, was daraus wird, habe aber den Verdacht, dass ich für diese Texte einfach nicht die richtige Rösterin bin.

lg
merin

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Oldlady

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Re: Fantasy- Beginn: Nachtwesen
« Antwort #14 am: 09 März 2018, 12:34:40 »



Lieber Trippel,

herzlichen Dank!  :daaanke:


Zitat
1. Alter der Protagonistin
Ich bin mir nicht sicher, wer die Protagonistin ist. Die beiden Schwestern sind 10 und 14.
Das kommt hin, Jandra ist ein bis zwei Jahre jünger, aber ich denke, das macht keinen sehr großen Unterschied für das Geschehen.

Zitat
3. Fragen? Ein großes Durcheinander, das mich etwas orientierungslos herumstehen lässt.

Sehe ich das richtig, dass Du am Anfang gerne mehr Setting hättest?
Ich hatte den Plan, das eher nach und nach einzuführen. Das Leben von Bauern und Fischern dürfte zunächst ja auch so verständlich sein,  bis etwa zum Ende des Mittelalters war das  tausend Jahre lang ähnlich.  Im Folgekapitel kommt mehr zur Landschaft, dann ein Dorf, später die Stadt.
Die Kultur entspricht etwa der in Rom um das Jahr 0.
Das alles ist für den Fantasy-Leser nicht aufregend, klar. Besonders sind die Dämonen und die Magie.

Zitat
Was habe ich da? Strand, Flechtwerkhaus mit Putz().

Flechtwerk kann man mit Lehm füllen und weißem Kalk verputzen. Und Flechtwerk ist wegen der Erdbeben besser als normale Mauern.

Zitat
Dann eine ominöse Gefahr, über die nicht gesprochen werden darf. Warum nicht?
Das ist ein Knackpunkt in der Geschichte. Die Protagonistin wird es herausfinden

Zitat
Das ist nicht viel und vor allem führt es mich nicht weiter und es macht mich auch nicht neugierig.
Neugierig machen sollten die Insel und die nächtlichen Wesen, nicht das Setting.

Zitat
Wenn man rennt, fliegen die Zöpfe.
Stimmt, jedenfalls wenn sie sehr lang sind. 

Zitat
In einem Haushalt, in dem es keinen Luxus gibt, gibt es auch keine Langeweile
Vielleicht ist "Langeweile" das falsche Wort. Entscheidend ist für Jandra, dass immer alles gleich ist, eintönig trifft es vielleicht besser.

Zitat
Und der Dialog, in dem erwähnt wird, dass die Stadt keinen Platz für die Familie hat, muss raus. Sein einziger Zweck ist, dem Leser zu sagen, dass die Stadt keinen Platz hat. Das klingt künstlich.

Die Tatsache, dass man in der Stadt vor Erdbeben und Dämonen sicher ist, werde ich später bringen. Das Problem beim Start eines Romans ist bei mir immer das Gefühl, am Anfang eine Menge Fakten erzählen zu müssen. Was natürlich Unsinn ist.