23 März 2019, 18:24:09

Autor Thema: Patrouille  (Gelesen 355 mal)

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Trippelschritt

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Patrouille
« am: 16 Juli 2018, 19:31:31 »
Hallo zusammen,

es ist immer schwierig, etwas aus einem langen Text auf den Rost zu legen, aber mit Anfängen ist es manchmal möglich. Deshalb hier meine Szene 1 aus einem neuen Projekt.

Feuer frei
Trippelschritt

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Auf Patrouille

„Verteilt euch, Männer, aber bleibt in Sichtweite“, sagte Bork, die als ranghöchste Elfe die Patrouille befehligte. Genießt noch einmal die Heimat, bevor es anstrengend wird.“ Sie stieß ein keckerndes Lachen aus, das den Rufen einer Eichkatze ähnelte. Es war ihr typischer Hinweis darauf, dass sie einen Scherz gemacht hatte. Trotzdem lachte niemand mit, denn nur Bork selbst wusste, was sie amüsierte. Die Männer hatten schon lange aufgegeben, es herausfinden zu wollen.
Der junge Elf Lufthauch, der die Patrouille als freier Kundschafter begleitete, verstand als Einziger was Bork mit Heimat meinte, denn so einen Wald wie die Halle der Baumriesen gab es kein zweites Mal im Elfenland. Am Boden standen die Stämme so weit auseinander, dass weder Elf noch Tier sich einen Weg suchen mussten. Aber unter dem Himmel stritten und kämpften die Äste gegeneinander um das Sonnenlicht, gönnten sich keinen Daumenbreit Raum und schufen so ein festgeschlossenes Kronendach, das kaum noch einen Lichtstrahl durchließ. Zwischen Boden und Himmel, zwischen Stammfüßen und Kronendach erstreckte sich ein hoher, freier Raum mit einem eigenartigen Dämmerlicht. „Es hat schon seinen Grund“, dachte Lufthauch, „dass wir dieses Licht Augentrost nennen“, und genoss die Ruhe. Denn der Wind blieb ausgesperrt und selbst der Regen erreichte den Waldboden nur über verschwiegene Sickerbahnen an den gewaltigen Stämmen. Nirgendwo gab es Hast, und wer den Wald betrat, mochte so viel Eile mit sich bringen, wie er wollte, bereits nach wenigen Schritten gehorchte er den Mächten der Bäume und wurde still. Wie jemand auf die Idee kommen konnte, ausgerechnet hier Gestaltwandler jagen und einfangen zu wollen, war dem jungen Waldläufer ein Rätsel. Aber Bork war eine erfahrene Wehrhüterin des Elfenvolkes und würde schon wissen, was sie tat, und auch, warum sie ihre Leute ausschwärmen ließ.

Der Waldrand kündigte sich mit ersten Sonnenstrahlen an, die das Dämmerlicht durchstießen. Das Kronendach zeigte deutliche Lücken, und wo zwei Bäume auch nur ein wenig zu weit auseinanderstanden, versuchten Büsche, die Herrschaft der Bäume zu brechen. Lufthauch fühlte eine Unruhe in sich heranwachsen, für die er keine Erklärung fand. Das verfilzte Dickicht vor ihnen konnte es nicht sein. Irgendwer würde einen Wildwechsel finden, mit dessen Hilfe sie diese grüne Barriere durchqueren konnten. Es ging schneller als erwartet, und ein Schrei beendete die Ruhe: „Durchgang hier!“
Jetzt noch ein paar Schritte bergauf und Lufthauch fand sich von jetzt auf gleich in einer völlig anderen Welt wieder. Strahlender Sonnenschein, wo vorher Dämmerlicht herrschte. Dazu ein brausender Wind, der hartnäckig nur aus einer Richtung blies, und überall Gebüsch, das die Patrouille dazu zwingen würde, sich sehr sorgfältig ihren Weg zu suchen. Ihr Ausgangspunkt für die Jagd war offensichtlich die vor ihnen liegende Kuppe, von der sie auf die weitverzweigten Täler und dicht bewachsenen Hängen herabsehen konnten, wo immer wieder das Weiß der Felsen durchschimmerte oder sich die eine oder andere Klippe sehen ließ. Lufthauch atmete tief ein. Er verstand nicht, woher die Unruhe in seinem Herzen kam.

„Wir sind zu weit“, hörte er Lind in einer Lautstärke trompeten, der sich kein Ohr entziehen konnte. Er kannte Lind nicht. Ein noch junger Wehrhüter auf seiner zweiten Patrouille, der sich bei allem, was er sagte, vergewisserte, ob er für seine Meinung eine Unterstützung fand. Wusste der denn nicht, dass immer nur die Truppführerin zählte? „Na also“, dachte er, als Bork umgehend reagierte. „Sag mir, Lind, was ist nah, was ist weit und was ist zu weit.“
Lind stellte die Sicherung seines Gewehrs mit der großen Revolvertrommel von schwer auf Sperrung und legte es sich über die Schulter. „Zu weit ist, wenn wir Elfenland verlassen haben. Was da vor uns liegt, gehört schon zum Gebiet der Drachen, Truppführer.“
„Weißt du warum wir hier sind, Klugscheißer Lind?“
„Wir jagen und fangen Gestaltwandler, Truppführer.“
„Kluger Junge. Und wo halten die sich auf?“
Lind drehte sich in die Richtung, aus der sie hergekommen waren. „Nicht im Elfenland. Nicht mehr.“ Er war bereits erheblich leiser geworden.
„Siehst du.“ Borks Stimme hatte einen mütterlichen Ton angenommen. „Und deshalb haben wir das Elfenland soeben verlassen.“
„Ja, aber …“
„Kein aber, Lind.“

An einem anderen Tag hätte Lufthauch vielleicht gelächelt, aber heute war kein anderer Tag. Ihn irritierte das grelle Sonnenlicht. Seine feinen Augen schienen mehr unter dem grellen Licht zu leiden als die der anderen, ohne dass er sich einen Grund dafür vorstellen konnte. Er kniff die Augen zusammen, und als das nicht half, beschattete er sein Gesicht mit der Hand. Trotz strahlender Sonne war ihm kalt geworden und die Luft schnitt ihm bei jedem Atemzug in die Lungen. Der reiche Duft des Waldes war der Reinheit der Höhe gewichen und roch nach – er sog die Luft ein – nach nichts. Wie enttäuschend. Wie war es möglich, dass man sich so voller Leben fühlte und gleichzeitig innen so leer. Seine Hand suchte den Griff des Jagdmessers, fasste daneben. Die Erde erzitterte und schüttelte ihn durch. Er wankte, ging in die Knie und stützte sich an einem Busch ab. Der Busch gab nach und Lufthauch fiel auf die Knie.

„Aber, wie soll man in diesem Gelände Gestaltwandler aufspüren“, wollte Lind wissen.
„Keine Sorge, wir haben einen Waldläufer mitgenommen. Diese Burschen haben eine Nase dafür, ha,ha“, sagte Bork. „He, Lufthauch, steh auf. Was ist los mit dir?“
Lufthauch verstand nicht, dass außer ihm offenbar niemand Schwierigkeiten mit Sonnenstrahlen, Atem und einer erbebenden Erde hatte. Und sein Schwindel? Hatte nichts mit der Erde zu tun. Mit dem Waldläufer war er gemeint, und er sah zu, dass er wieder auf die Beine kam. Verfluchter Mist. Die Worte kamen ihm etwas stockend, als er sich um eine Antwort bemühte. „Wird schwierig. Wir sind hier am Ende …“
„… der Welt?“, fragte Bork und lachte.
„Nein, nicht der Welt. Nur des Waldes“, sagte Lufthauch und schluckte seinen Schrecken hinunter, denn alles sagte ihm, dass sich hier, wo sie standen, tatsächlich das Ende der Welt befand. Was für ein Unsinn. Sein Atem wurde schneller, flacher und sein Herz raste. „Es war ein Fehler gewesen, das Land der Drachen zu betreten“, dachte er. „Wir hätten den Wald nicht verlassen dürfen. Niemals werden wir einen Ort überleben, an dem die Sonnenstrahlen zu hart, die Luft zu kalt und der Himmel zu blau ist.“ Er schloss die Augen, riss sich zusammen, und während er noch mit sich und seiner rätselhaften Schwäche kämpfte, brach vor ihm ein Tumult los. Erschrocken riss er die Augen wieder auf.
Äste brachen, jemand schrie, die Luft geriet in Bewegung und ein Kreischen ließ das Blut in den Adern gefrieren, als aus den Büschen ein Drache aufstieg. Schwer schlugen seine Flügel, brachten den massigen Rumpf in die Höhe. Dann streckte sich der schuppige Hals und die Erscheinung segelte über das vor ihnen liegende Tal hinweg bis zu einer Klippe auf der anderen Seite. Dort ließ sich der Drache nieder. Kurz danach war er verschwunden.
Allein die schiere Größe dieses Wesens war beeindruckend. Es in der Luft zu sehen, wo es keinen Flügelschlag zu viel tat, war ein seltener Anblick außerirdischer Schönheit. Wie von selbst rückten sie alle näher zusammen. Truppführer Bork, ihre Jäger Lind und Maitrieb und Zak, mit dem niemand so recht etwas anfangen konnte. Nur Lufthauch rührte sich nicht. Sein Blick ruhte auf Zaks Kleidung, die nicht für einen Jagdausflug gedacht war. Wie hatte Bork gesagt? „Ich führe diesen Trupp, aber ich stelle ihn nicht zusammen.“ Wer immer Zak der Patrouille zugeteilt hatte, wollte, dass der Elfenrat im Detail erfuhr, was hier geschah.
„Wenn ich einen Drachen fliegen sehe, habe ich immer den Eindruck, ich würde Magie atmen. Kein Vogel fliegt so wie ein Drache“, sagte Maitrieb.
„Wie fliegt denn ein Drache?“, wollte Lind wissen.
„Majestätisch, magisch, überirdisch. Such dir etwas aus, Junge. Man müsste ein Dichter sein, um es zu beschreiben.“
Aber Lufthauch hatte nichts Majestätisches in diesem Flug gesehen. Um ihn herum tobte die Luft, ihn selbst erfüllte Streitlust, Zorn und jene Sturmwolken, die dem eigentlichen Ereignis vorausgehen. Geborgte Gefühle waren das. Nicht seine. Er wollte es den anderen erklären, doch das Einzige, was er zustande brachte, war ein Schrei des Ärgers, den er dem wegfliegenden Drachen hinterhersandte.
„He, was ist los mit dir, Waldläufer?“, rief Bork jetzt schon das zweite Mal. Aber die Antwort konnte Lufthauch sich ersparen, denn nun brach sich ein weiterer Drache seinen Weg durch die Äste und Zweige und ließ nur Zerstörung zurück. Er bemühte sich gar nicht erst abzuheben, und der Grund dafür war leicht zu erkennen. Der rechte Flügel war verformt. Gelähmt oder früher einmal gebrochen und die Knochen falsch zusammengewachsen. Er war älter als der erste und größer. Ein Drache im Vollbesitz seiner Kraft. Lufthauch verstand auf einmal. Die beiden hatten miteinander gestritten. Der Gedanke war noch nicht vorbei, als der Drache seinen Hals bog und Lufthauch anschaute. Aber Trugbilder tanzten in der Luft, sodass der Waldläufer nicht erkennen konnte, was wirklich und was Illusion war.
„Hoah, schon wieder der Dr-Dr-Drache“, stotterte Lind. „Und ganz nahe.“
„Das waren zwei Drachen, Lind“, sagte Maitrieb, dessen Blick sich wieder klärte und der dem jungen Jäger die Hand auf die Schulter legte. „Hast du nicht gesehen? Der erste ist weggeflogen und der zweite hatte einen lahmen Flügel. Unser Volk kennt sie gut. Es gibt viele Geschichten über Kriecher, den Drachen.“
„Kein Drache sollte Kriecher heißen“, sagte Bork. „Auch dann nicht, wenn ein Flügel verkrüppelt ist. Drachen sind Götter.“
Zak lächelte verächtlich. „Die Götter sind tot. Wisst Ihr das nicht, Truppführerin Bork?“
Der Drache schaute noch einmal über die Schulter zurück. Lufthauch konnte die Magie erneut spüren und war sich sicher, dass Kriecher sich nur seinetwegen umgeblickt hatte. Der Drachenkopf veränderte sich, wurde kleiner, runder und zu dem einer jungen Frau. Die Frau war hässlich. Sie war keine Elfe. Sie trug das Antlitz eines Menschen.
Offensichtlich war er der Einzige, der die Frau gesehen hatte, denn die anderen redeten einfach weiter. Lind sagte: „Ich habe noch nie in meinem Leben einen Drachen gesehen. Und jetzt gleich zwei.“
Maitrieb schlug vor endlich weiterzugehen, aber daran war nicht zu denken, denn Bork stand ebenso fest verwurzelt im Boden wie Lind. Wenn auch aus anderen Gründen.
„Mein Urgroßvater hat einmal einen Drachen gefangen. Oder es war dessen Vater.“ Jetzt war in Bork die Geschichtenerzählerin erwacht, deren Urgroßvater für mehr als die Hälfte aller Heldentaten im Elfenland verantwortlich gewesen sein musste, wenn es nach ihr ging. Aber dann sagte sie etwas, das Lufthauch nachdenklich stimmte. „Sein rechter Flügel war gelähmt. Sonst wären wir nicht an ihn herangekommen. Urgroßvater muss einen gewaltigen Zauber gesprochen haben, denn der Drache hat sich nicht gewehrt. Möglich wäre es. Drachen altern langsam.“
„Ich habe von der Geschichte Eures Urgroßvaters gehört“, log Lufthauch und war überrascht, wie ruckartig Zak den Kopf zu ihm herumdrehte. „Man sagt, der Drache habe sich fangen lassen wollen.“
„Fangen lassen wollen.“ Bork schnaubte verächtlich durch die Nase, denn auf ihren Urgroßvater ließ sie nichts kommen. „Selten habe ich dümmeren Unsinn gehört.“ Sie schaute noch einmal sinnend zum anderen Talhang hinüber, als läge dort ihr Urgroßvater begraben und sagte dann: „Kehren wir um Männer. Hier suchen wir nicht weiter. Wir sind Zeugen von etwas wirklich Großartigem geworden. Da geht’s jetzt lang und ihr, mir nach.“

Bork führte die Patrouille nun entlang eines schmalen Saumes zwischen Drachen- und Elfenland querfeldein, bis Lufthauch ihr plötzlich die Hand auf die Schulter legte und auf einen Punkt zeigte, der einem großen Baum gegenüberlag und sich auf den ersten Blick von nichts zu unterscheiden schien.
„Ahhhh“, sagte Truppführerin Bork leise. Es war mehr ein Hauch, als ein Ausruf. Mit Handzeichen gab sie Maitrieb und Lind zu verstehen, von welcher Seite sie sich diesem Punkt nähern sollten. Einer bis zum Baum, der andere daran vorbei in einem großen Bogen. Lufthauch schickte sie ins Buschwerk hinter diesen Punkt. Zak und sie blieben, wo sie waren, und warteten, bis die Männer ihre Positionen eingenommen hatten. Sie war die Truppführerin, hatte die Erfahrung unzähliger Einsätze und schnell erkannt, was Lufthauch gesehen hatte. Die Äste zweier Büsche wuchsen in einer Art, die die Natur ihnen nicht vorgegeben hatte. Da hatte jemand etwas zusammengebunden. Und wer konnte dieser Jemand anderes sein als …
Truppführerin Bork setzte sich in Bewegung. Lautlos, geschmeidig und gefährlich. Sie streifte einen Ärmel ihrer Jacke zurück und zog aus einer Schlaufe eine Nadel heraus, die sie voller Ehrfurcht betrachtete. Sie streckte ihren Arm aus und folgte der Nadelspitze, bis sie fünf Schritte vor den beiden Büschen stand. Dann lächelte sie leise und flüsterte: „Lähmung.“
Es raschelte einmal kurz. So als ob ein Hase zur Flucht ansetzt und der Pfeil oder Kugel des Jägers ihn beim ersten Sprung trifft. Bork zog die Äste auseinander und starrte in das hasserfüllte Gesicht eines Elfen mit erstaunlich heller Haut.
„Maitrieb, Lind, bindet dieses Stück Dreck zusammen! Und seht euch diesen Widerling gut an. Prägt euch ein, womit dieser Abschaum sich verrät. Ein widerlich zuckendes Gesicht, dem jede Gelassenheit der Natur fehlt, eine viel zu helle Hautfarbe und abscheuliche Ohren. Aber Vorsicht. Man weiß nie, woran man bei den Unreinen ist. Ein bisschen Magie von den Elfen und die eine oder andere Fähigkeit der Menschen machen sie entweder dumm oder äußerst gerissen. Lind, merk dir das. Und jetzt geht’s zurück.“

Lufthauch starrte ungläubig hinter Bork her. „Ja, was war das denn? Für diesen einen Fang hättet ihr mich nicht gebraucht“, dachte er. „Aber dann dachte er an das Geld, das er für seinen Einsatz erhielt und zuckte mit den Achseln. Dann noch ein schneller Blick zu Zak hinüber. „Und was dieser Kerl hier gesucht hat, würde mich auch mal interessieren.“ Er schaute noch einmal in den Himmel. Blau und wolkenlos. Doch die Luft roch nach Sturm, und schwarzem Regen. Vergeblich drehte er den Kopf. Er hatte nicht die geringste Ahnung, in welcher Richtung er suchen sollte.

Womit kann der alte Vol'jin Euch helfen

tlt

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Re: Patrouille
« Antwort #1 am: 17 Juli 2018, 11:08:17 »
Hallo,
Fragen hast Du ja keine gestellt, dann lupe ich mal einfach so drauf los.
 :glotz: Mist, vergessen, dass Farben ja nicht übernommen werden. Also alles nochmal einfärben. Rot ist Rechtscheibung oder Komma, Blau ist mein Senf, mit dem Du hoffentlich was anfangen kannst. Fazitchen: Liest sich eigentlich ziemlich flüssig und ist ein schöner Einstieg für einen Drachen-Elfen-Roman.

„Verteilt euch, Männer, aber bleibt in Sichtweite“, sagte Bork, die der Relativsatz liest sich ein wenig sperrig als ranghöchste Elfe die Patrouille befehligte. „Genießt noch einmal die Heimat, bevor es anstrengend wird.“
Sie stieß ein keckerndes Lachen aus, das den Rufen einer Eichkatze ähnelte. Es war ihr typischer Hinweis darauf, dass sie einen Scherz gemacht hatte. Trotzdem lachte niemand mit, denn nur Bork selbst wusste, was sie amüsierte. Die Männer hatten schon lange aufgegeben, es herausfinden zu wollen.
Der junge Elf Lufthauch, der die Patrouille als freier Kundschafter vielleicht sollte man dann noch sagen, was die anderen denn sind, Knechte, Soldaten, Söldner ...? begleitete, verstand als Einziger, was Bork mit Heimat meinte, denn so einen Wald wie die Halle der Baumriesen gab es kein zweites Mal im Elfenland. Am Boden standen die Stämme so weit auseinander, dass weder Elf noch Tier sich einen Weg suchen mussten. Aber unter dem Himmel stritten und kämpften die Äste gegeneinander um das Sonnenlicht, gönnten sich keinen Daumenbreit Raum und schufen so ein festgeschlossenes Kronendach, das kaum noch einen Lichtstrahl durchließ. Zwischen Boden und Himmel, zwischen Stammfüßen und Kronendach erstreckte sich ein hoher, freier Raum mit einem eigenartigen Dämmerlicht.
„Es hat schon seinen Grund“, dachte Lufthauch, „dass wir dieses Licht Augentrost nennen“, und genoss die Ruhe. Denn der Wind blieb ausgesperrt und selbst der Regen erreichte den Waldboden nur über verschwiegene Sickerbahnen an den gewaltigen Stämmen. Nirgendwo gab es Hast, und wer den Wald betrat, mochte so viel Eile mit sich bringen, wie er wollte, bereits nach wenigen Schritten gehorchte er den Mächten der Bäume und wurde still. Wie jemand auf die Idee kommen konnte, ausgerechnet hier Gestaltwandler jagen und einfangen zu wollen, war dem jungen Waldläufer ein Rätsel. Aber Bork war eine erfahrene Wehrhüterin des Elfenvolkes und würde schon wissen, was sie tat, und auch, warum sie ihre Leute ausschwärmen ließ.

Der Waldrand kündigte sich mit ersten Sonnenstrahlen an, die das Dämmerlicht durchstießen. Das Kronendach zeigte deutliche Lücken, und wo zwei Bäume auch nur ein wenig zu weit auseinanderstanden, versuchten Büsche, die Herrschaft der Bäume zu brechen. Lufthauch fühlte eine Unruhe in sich heranwachsen, für die er keine Erklärung fand. Das verfilzte Dickicht vor ihnen konnte es nicht sein. Irgendwer würde einen Wildwechsel finden, mit dessen Hilfe sie diese grüne Barriere durchqueren konnten. Es ging schneller als erwartet, und ein Schrei beendete die Ruhe: „Durchgang hier!“
Jetzt Jetzt doppelt, kann hier weg noch ein paar Schritte bergauf und Lufthauch fand sich von jetzt auf gleich in einer völlig anderen Welt wieder. Strahlender Sonnenschein, wo vorher Dämmerlicht herrschte. Dazu ein brausender Wind, der hartnäckig nur aus einer Richtung blies, und überall Gebüsch, das die Patrouille dazu zwingen würde, sich sehr sorgfältig ihren Weg zu suchen. Ihr Ausgangspunkt für die Jagd war offensichtlich die vor ihnen liegende Kuppe, von der sie auf die weitverzweigten Täler und dicht bewachsenen Hängen herabsehen konnten, wo immer wieder das Weiß der Felsen durchschimmerte oder sich die eine oder andere Klippe sehen ließ. Lufthauch atmete tief ein. Er verstand nicht, woher die Unruhe in seinem Herzen kam.

„Wir sind zu weit“, hörte er Lind in einer Lautstärke trompeten, der sich kein Ohr entziehen konnte. Er kannte Lind nicht. Ein noch junger Wehrhüter auf seiner zweiten Patrouille, der sich bei allem, was er sagte, vergewisserte, ob er für seine Meinung eine Unterstützung fand. Wusste der denn nicht, dass immer nur die Truppführerin zählte? „Na also“, dachte er, als Bork umgehend reagierte.
„Sag mir, Lind, was ist nah, was ist weit und was ist zu weit.“
Lind stellte die Sicherung seines Gewehrs mit der großen Revolvertrommel von schwer auf Sperrung und legte es sich über die Schulter. „Zu weit ist, wenn wir Elfenland verlassen haben. Was da vor uns liegt, gehört schon zum Gebiet der Drachen, Truppführerin Absicht? Dann evtl. ihre Gedanken dazu, wenn nicht, dann durchgängig?.“
„Weißt du, warum wir hier sind, Klugscheißer Lind?“
„Wir jagen und fangen Gestaltwandler, Truppführer.“
„Kluger Junge. Und wo halten die sich auf?“
Lind drehte sich in die Richtung, aus der sie hergekommen waren. „Nicht im Elfenland. Nicht mehr.“ Er war bereits erheblich leiser geworden.
„Siehst du.“ Borks Stimme hatte einen mütterlichen Ton angenommen. „Und deshalb haben wir das Elfenland soeben verlassen.“
„Ja, aber …“
„Kein aber, Lind.“

An einem anderen Tag hätte Lufthauch vielleicht gelächelt, aber heute war kein anderer Tag. Schöner Satz Ihn irritierte das grelle Sonnenlicht. Seine feinen Augen schienen mehr unter dem grellen Licht zu leiden als die der anderen, ohne dass er sich einen Grund dafür vorstellen konnte. Er kniff die Augen zusammen, und als das nicht half, beschattete er sein Gesicht mit der Hand. Trotz strahlender Sonne war ihm kalt geworden und die Luft schnitt ihm bei jedem Atemzug in die Lungen. Der reiche Duft des Waldes war der Reinheit der Höhe gewichen und roch nach – er sog die Luft ein – nach nichts. Wie enttäuschend. Wie war es möglich, dass man sich so voller Leben fühlte und gleichzeitig innen so leer. Seine Hand suchte den Griff des Jagdmessers, fasste daneben. Die Erde erzitterte und schüttelte ihn durch. Er wankte, ging in die Knie und stützte sich an einem Busch ab. Der Busch gab nach und Lufthauch fiel auf die Knie.

„Aber, wie soll man in diesem Gelände Gestaltwandler aufspüren?“, wollte Lind wissen.
„Keine Sorge, wir haben einen Waldläufer mitgenommen. Diese Burschen haben eine Nase dafür, ha, ha“, sagte Bork. „He, Lufthauch, steh auf. Was ist los mit dir?“
Lufthauch verstand nicht, dass außer ihm offenbar niemand Schwierigkeiten mit Sonnenstrahlen, Atem und einer erbebenden Erde hatte. Und sein Schwindel? Hatte nichts mit der Erde zu tun. Mit dem Waldläufer war er gemeint, und er sah zu, dass er wieder auf die Beine kam. Verfluchter Mist. Die Worte kamen ihm etwas stockend, als er sich um eine Antwort bemühte. „Wird schwierig. Wir sind hier am Ende …“
„… der Welt?“, fragte Bork und lachte.
„Nein, nicht der Welt. Nur des Waldes“, sagte Lufthauch und schluckte seinen Schrecken hinunter, denn alles sagte ihm, dass sich hier, wo sie standen, tatsächlich das Ende der Welt befand. Was für ein Unsinn. Sein Atem wurde schneller, flacher und sein Herz raste. „Es war ein Fehler gewesen, das Land der Drachen zu betreten“, dachte er. „Wir hätten den Wald nicht verlassen dürfen. Niemals werden wir einen Ort überleben, an dem die Sonnenstrahlen zu hart, die Luft zu kalt und der Himmel zu blau ist.“
Er schloss die Augen, riss sich zusammen, und während er noch mit sich und seiner rätselhaften Schwäche kämpfte, brach vor ihm ein Tumult los. Erschrocken riss er die Augen wieder auf.
Äste brachen, jemand schrie, die Luft geriet in Bewegung und ein Kreischen ließ das Blut in den Adern gefrieren, als aus den Büschen ein Drache aufstieg. Schwer schlugen seine Flügel, brachten den massigen Rumpf in die Höhe. Dann streckte sich der schuppige Hals und die Erscheinung segelte über das vor ihnen liegende Tal hinweg bis zu einer Klippe auf der anderen Seite. Dort ließ sich der Drache nieder. Kurz danach war er verschwunden. Die beiden Sätze passen für mich nicht zusammen, niederlassen hieße, dass er da erstmal ruhig sitzt.
Allein die schiere Größe dieses Wesens war beeindruckend. Es in der Luft zu sehen, wo es keinen Flügelschlag zu viel tat, war ein seltener Anblick außerirdischer Schönheit. Wie von selbst rückten sie alle näher zusammen. Truppführer Bork, ihre Jäger Lind und Maitrieb und Zak, mit dem niemand so recht etwas anfangen konnte. Irgendwie ist der Relativsatz hier deplatziert als Infodumping, zu direkt reingehauen in den Text Nur Lufthauch rührte sich nicht. Sein Blick ruhte auf Zaks Kleidung, die nicht für einen Jagdausflug gedacht war. Wie hatte Bork gesagt? „Ich führe diesen Trupp, aber ich stelle ihn nicht zusammen.“ Wer immer Zak der Patrouille zugeteilt hatte, wollte, dass der Elfenrat im Detail erfuhr, was hier geschah. Kann also doch jemand was mit ihm anfangen.
„Wenn ich einen Drachen fliegen sehe, habe ich immer den Eindruck, ich würde Magie atmen. Kein Vogel fliegt so wie ein Drache“, sagte Maitrieb.
„Wie fliegt denn ein Drache?“, wollte Lind wissen.
„Majestätisch, magisch, überirdisch. Such dir etwas aus, Junge. Man müsste ein Dichter sein, um es zu beschreiben.“
Aber Lufthauch hatte nichts Majestätisches in diesem Flug gesehen. Um ihn herum tobte die Luft, ihn selbst erfüllte Streitlust, Zorn und jene Sturmwolken, die dem eigentlichen Ereignis vorausgehen. Geborgte Gefühle waren das. Nicht seine. Er wollte es den anderen erklären, doch das Einzige, was er zustande brachte, war ein Schrei des Ärgers, den er dem wegfliegenden Drachen hinterhersandte.
„He, was ist los mit dir, Waldläufer?“, rief Bork jetzt schon das zweite Mal. Aber die Antwort konnte Lufthauch sich ersparen, denn nun brach sich ein weiterer Drache seinen Weg durch die Äste und Zweige und ließ nur Zerstörung zurück. Er bemühte sich gar nicht erst abzuheben, und der Grund dafür war leicht zu erkennen. Der rechte Flügel war verformt. Gelähmt oder früher einmal gebrochen und die Knochen falsch zusammengewachsen. Er war älter als der erste und größer. Ein Drache im Vollbesitz seiner Kraft. Lufthauch verstand auf einmal. Die beiden hatten miteinander gestritten. Der Gedanke war noch nicht vorbei, als der Drache seinen Hals bog und Lufthauch anschaute. Aber Trugbilder tanzten in der Luft, sodass der Waldläufer nicht erkennen konnte, was wirklich und was Illusion war.
„Hoah, schon wieder der Dr-Dr-Drache“, stotterte Lind. „Und ganz nahe.“
„Das waren zwei Drachen, Lind“, sagte Maitrieb, dessen Blick sich wieder klärte und der dem jungen Jäger die Hand auf die Schulter legte. „Hast du nicht gesehen? Der erste ist weggeflogen und der zweite hatte einen lahmen Flügel. Unser Volk kennt sie gut. Es gibt viele Geschichten über Kriecher, den Drachen.“
„Kein Drache sollte Kriecher heißen“, sagte Bork. „Auch dann nicht, wenn ein Flügel verkrüppelt ist. Drachen sind Götter.“
Zak lächelte verächtlich. „Die Götter sind tot. Wisst Ihr das nicht, Truppführerin Bork?“
Der Drache schaute noch einmal über die Schulter zurück. Lufthauch konnte die Magie erneut spüren und war sich sicher, dass Kriecher sich nur seinetwegen umgeblickt hatte. Der Drachenkopf veränderte sich, wurde kleiner, runder und zu dem einer jungen Frau. Die Frau war hässlich. Sie war keine Elfe. Sie trug das Antlitz eines Menschen.
Offensichtlich war er der Einzige, der die Frau gesehen hatte, denn die anderen redeten einfach weiter. Lind sagte: „Ich habe noch nie in meinem Leben einen Drachen gesehen. Und jetzt gleich zwei.“ Komischerweise fehlt mir jetzt ein wenig Info zu den Drachen. Es ist ja der Einstieg zu dem Buch, da weiß der Leser nichts. Wie groß, wie stark, wie gefährlich ...?
Maitrieb schlug vor endlich weiterzugehen, aber daran war nicht zu denken, denn Bork stand ebenso fest verwurzelt im Boden wie Lind. Wenn auch aus anderen Gründen.
„Mein Urgroßvater hat einmal einen Drachen gefangen. Oder es war dessen Vater.“ Jetzt war in Bork die Geschichtenerzählerin erwacht, deren Urgroßvater für mehr als die Hälfte aller Heldentaten im Elfenland verantwortlich gewesen sein musste, wenn es nach ihr ging. Aber dann sagte sie etwas, das Lufthauch nachdenklich stimmte. „Sein rechter Flügel war gelähmt. Sonst wären wir sie nicht an ihn herangekommen. Urgroßvater muss einen gewaltigen Zauber gesprochen haben, denn der Drache hat sich nicht gewehrt. Möglich wäre es. Drachen altern langsam.“
„Ich habe von der Geschichte Eures Urgroßvaters gehört“, log Lufthauch und war überrascht, wie ruckartig Zak den Kopf zu ihm herumdrehte. „Man sagt, der Drache habe sich fangen lassen wollen.“
„Fangen lassen wollen.“ Bork schnaubte verächtlich durch die Nase, denn auf ihren Urgroßvater ließ sie nichts kommen. „Selten habe ich dümmeren Unsinn gehört.“ Sie schaute noch einmal sinnend zum anderen Talhang hinüber, als läge dort ihr Urgroßvater begraben und sagte dann: „Kehren wir um Männer. Hier suchen wir nicht weiter. Wir sind Zeugen von etwas wirklich Großartigem geworden. Da geht’s jetzt lang und ihr, mir nach.“

Bork führte die Patrouille nun entlang eines schmalen Saumes zwischen Drachen- und Elfenland querfeldein, bis Lufthauch ihr plötzlich die Hand auf die Schulter legte und auf einen Punkt zeigte, der einem großen Baum gegenüberlag und sich auf den ersten Blick von nichts zu unterscheiden schien. wie, von nichts unterscheiden? das verstehe ich nicht. Hier fehlt der Bezug
„Ahhhh“, sagte Truppführerin den Dienstgrad kann man sich jetzt sparen Bork leise. Es war mehr ein Hauch als ein Ausruf. Mit Handzeichen gab sie Maitrieb und Lind zu verstehen, von welcher Seite sie sich diesem Punkt nähern sollten. Einer bis zum Baum, der andere daran vorbei in einem großen Bogen. Lufthauch schickte sie ins Buschwerk hinter diesen Punkt. Zak und sie blieben, wo sie waren, und warteten, bis die Männer ihre Positionen eingenommen hatten. Sie war die Truppführerin, hatte die Erfahrung unzähliger Einsätze und schnell erkannt, was Lufthauch gesehen hatte. Die Äste zweier Büsche wuchsen in einer Art, die die Natur ihnen nicht vorgegeben hatte. Da hatte jemand etwas zusammengebunden. Und wer konnte dieser Jemand anderes sein als …
Truppführerin Bork setzte sich in Bewegung. Lautlos, geschmeidig und gefährlich. Sie streifte einen Ärmel ihrer Jacke zurück und zog aus einer Schlaufe eine Nadel heraus, die sie voller Ehrfurcht betrachtete. Sie streckte ihren Arm aus und folgte der Nadelspitze, bis sie fünf Schritte vor den beiden Büschen stand. Dann lächelte sie leise und flüsterte: „Lähmung.“
Es raschelte einmal kurz. So als ob ein Hase zur Flucht ansetzt und der Pfeil oder Kugel des Jägers ihn beim ersten Sprung trifft. Bork zog die Äste auseinander und starrte in das hasserfüllte Gesicht eines Elfen mit erstaunlich heller Haut.
„Maitrieb, Lind, bindet dieses Stück Dreck zusammen! Und seht euch diesen Widerling gut an. Prägt euch ein, womit dieser Abschaum sich verrät. Ein widerlich zuckendes Gesicht, dem jede Gelassenheit der Natur fehlt, eine viel zu helle Hautfarbe und abscheuliche Ohren. Aber Vorsicht. Man weiß nie, woran man bei den Unreinen ist. Ein bisschen Magie von den Elfen und die eine oder andere Fähigkeit der Menschen machen sie entweder dumm oder äußerst gerissen. Lind, merk dir das. Und jetzt geht’s zurück.“

Lufthauch starrte ungläubig hinter Bork her. „Ja, was war das denn? Für diesen einen Fang hättet ihr mich nicht gebraucht“, dachte er. Aber dann dachte er an das Geld, das er für seinen Einsatz erhielt und zuckte mit den Achseln. Dann noch ein schneller Blick zu Zak hinüber. „Und was dieser Kerl hier gesucht hat, würde mich auch mal interessieren.“ Er schaute noch einmal in den Himmel. Blau und wolkenlos. Doch die Luft roch nach Sturm und schwarzem Regen. Vergeblich drehte er den Kopf. Er hatte nicht die geringste Ahnung, in welcher Richtung er suchen sollte. wonach suchen, nach dem Sturm? Dann vielleicht eher: woher das Unwetter zu erwarten war, oder so.
Ich bin zu alt für das alles.

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Re: Patrouille
« Antwort #2 am: 17 Juli 2018, 14:51:26 »
Danke tlt, ich kann deinen Verbesserungsvorschlägen leicht folgen. Zwar steht das letzte Polieren noch aus, aber Du hast ein paar Dinge angemerkt, die ich wahrscheinlich nicht gefunden hätte. Nichts geht über Fremdaugen.

Liebe Grüße
Trippelschritt
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Re: Patrouille
« Antwort #3 am: 21 Juli 2018, 10:39:47 »
Hallo Trippel,

ich mag es, dass der Text mitten im Geschehen startet.
Die Landschafts-Atmosphäre in der Halle der Baumriesen und dann außerhalb vom Wald finde ich sehr schön, und der Auftritt des Drachen ist großartig.

Hier ein paar kritische Anmerkungen:

Lind sagt, sie seien zu weit, weil im Drachenland. Und er weiß, dass sie Gestaltwandler jagen, die nicht mehr im Wald leben. Der Dialog erscheint widersinnig. Soo dumm kann Lind doch eigenlicht nicht sein.

Perspektiven-Probleme:
Nach der Geschichte mit dem Urgroßvater bei
Zitat
Bork führte die Patrouille nun entlang eines schmalen Saumes zwischen Drachen- und Elfenland querfeldein, bis Lufthauch ihr plötzlich die Hand auf die Schulter legte
werde ich aus Lufthauchs Perspektive  gerissen (wohl durch „bis plötzlich“). Dadurch wechsle ich in Borks Perspektive. Dem gegenüber steht aber
Zitat
Es war mehr ein Hauch, als ein Ausruf
und
Zitat
Lautlos, geschmeidig und gefährlich
.
Dann ein Absatz und weiter mit
Zitat
Lufthauch starrte ungläubig hinter Bork her.
. Das scheint den Wechsel Lufhauch-Bork–Lufthauch zu bestätigen.

Zuletzt noch ein paar Kleinigkeiten (eine Auswahl, ich glaube, das ist wohl noch kein Feinschliff):

Zitat
Aber Trugbilder tanzten in der Luft, sodass der Waldläufer nicht erkennen konnte, was wirklich und was Illusion war.
Ich habe keine Ahnung, wie diese Trugbilder aussehen.  Sieht er noch etwas außer den Drachen? Flimmert da irgendwas? Ich hätte hier gerne ein Bild.

Bei der Geschichte mit dem Urgroßvater:
Zitat
Sein rechter Flügel war gelähmt. Sonst wären wir nicht an ihn herangekommen.
Wieso „wir“? Bork erzählt, aber sie war ja nicht dabei.

Zitat
Ich habe von der Geschichte Eures Urgroßvaters gehört“, log Lufthauch und war überrascht, wie ruckartig Zak den Kopf zu ihm herumdrehte. „Man sagt, der Drache habe sich fangen lassen wollen.
Warum lügt er hier? Das wirkt sehr eigenartig.

Zitat
auf einen Punkt zeigte, der einem großen Baum gegenüberlag und sich auf den ersten Blick von nichts zu unterscheiden schien.
hier bräuchte ich eine Angabe, was dort zu sehen ist – ein Bild. 


Zitat
„Für diesen einen Fang hättet ihr mich nicht gebraucht“, dachte er. „Aber dann dachte er an das Geld, das er für seinen Einsatz erhielt und zuckte mit den Achseln.
Mich stört zweimal „dachte er“. Generell finde ich dieses „dachte er“ (kommt auch weiter oben vor) eher unschön, ich bin besser in der Perspektive ohne "dachte" .

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Re: Patrouille
« Antwort #4 am: 21 Juli 2018, 15:05:32 »
Danke, vor allem für das "Hand auf der Schulter". Das hatte ich korrigiert, muss aber vergessen haben auf Speichern zu klicken, denn es ist definitiv die letzte Version und nicht die vorletzte. Was man doch alles noch für Fehler machen kann.

Und den Rest übernehme ich auch. :)

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Re: Patrouille
« Antwort #5 am: 22 Juli 2018, 19:36:23 »
Hm. Ich werde mit dem Text nicht richtig warm.
Was mir gefällt, ist die bildhafte Sprache, man kann sich alles gut vorstellen, sehen, hören, riechen.
Was mir den Lesegenuss trübt ist, dass sich die Handlung sehr protokollartig liest. Da zieht ein Trupp Elfen los, um einen Gestaltwandler zu fangen, unterwegs trifft man zwei Drachen, von denen einer nicht fliegen kann und schon den Großeltern bekannt war, und am Ende fängt man, gewissermaßen schon halb auf dem Rückweg, den Abtrünnigen. Die Anführerin hatte die ganze Zeit über alles im Griff und es gab keine ernsthaft gefährlichen Vorkommnisse.

Ende der Handlung. Wenn das so einfach war, warum ist die dann nicht alleine losgezogen? Vielleicht geht im nächsten Abschnitt ja schon die Welt wie die Elfen sie kennen unter, aber bis hierhin passiert nichts wirklich Aufregendes. Es gibt für mich auch kein unterschwelliges Gefühl drohender Gefahr oder von Verstrickungen.

Wenn es das Ziel des Abschnitts war, die Handlung sehr entspannt fließen zu lassen, dann ist das gelungen. Aber für meinen Begriff ist das Ganze etwas zu sehr entspannt.

LG
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Re: Patrouille
« Antwort #6 am: 22 Juli 2018, 21:06:47 »
Das ist ein wirklich überraschendes Feedback, Ryek. Ist bei Dir nicht angekommen, dass Lufthauch in eine magische Atmosphäre eingetaucht ist, die alle anderen ausgelassen hat? Oder umgekehrt. Die Magie war für alle da, aber nur für Lufthauch war sie präsent? Die Drachenmagie.

Liebe Grüße
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Re: Patrouille
« Antwort #7 am: 22 Juli 2018, 22:38:09 »
Das ist ein wirklich überraschendes Feedback, Ryek. Ist bei Dir nicht angekommen, dass Lufthauch in eine magische Atmosphäre eingetaucht ist, die alle anderen ausgelassen hat? Oder umgekehrt. Die Magie war für alle da, aber nur für Lufthauch war sie präsent? Die Drachenmagie.

Liebe Grüße
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Ehrlich gesagt: Nein. Ich habe mir die Stelle noch einmal angesehen. Sie ist sicher stilistisch gut herausgearbeitet. Aber dennoch wirkt sie auf mich wie eine Beschreibung.

Liebe Grüße
Ryek
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Re: Patrouille
« Antwort #8 am: 23 Juli 2018, 08:23:44 »
Dann muss ich auch da noch einmal ran.

Danke
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Re: Patrouille
« Antwort #9 am: 01 August 2018, 10:51:53 »
Ich habe alle Anregungen gründlichst studiert und die meisten tatsächlich in der vorgeschlagenen oder einer ähnlichen Art und Weise eingebaut. Was will man mehr.

Dieser Thread kann jetzt geschlossen werden.

Vielen Dank
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Re: Patrouille
« Antwort #10 am: 15 August 2018, 10:15:55 »
Hallo Trippel,

nun bin ich wieder da und kann auch mal drüberschauen. Ich fand den Einstieg sehr gelungen: atmosphärisch schön, geruhsam, trotzdem neugierig machend. Dann hatte der Text Längen, für mich ab dem Punkt, an dem sie an den Waldsaum kommen. Ich verstehe überhaupt nicht, was mit Lufthauch ist, das ist erstmal spannend, aber dann wird es mir zu viel. Was die Drachen machen, verstehe ich nämlich auch nicht, was die Elfen da wollen auch nicht und was es mit dem Typen auf sich hat, den sie dann zur Strecke bringen, verstehe ich ebensowenig wie, wie sie ihn warum zur Strecke bringen. Das ist für meinen Geschmack etwas zu viel Rätsel und um diese Rätsel zu viel Worte. Ich würde dazu raten, entweder mehr zu erklären (ein Müh mehr, nicht viel) oder sprachlich an den vagen Stellen etwas knapper zu bleiben. Neugierig bin ich wegen dieses Unreinen, da denke ich sofort, der ist vielleicht unser nächster Hauptheld.
Auch die Dialoge schrecken mich eher ab, ich verstehe die Logik nicht und wieso sie so mies zueinander sind. Gerade das Gespräch mit Lind scheint mir unverständlich.
Und dann Lufthauch in Bork: Wieso tut er so, als sei er dabei gewesen? Warum sagt er, er habe davon gehört, obwohl er es nicht hat, und weiß dann so viel?
 Schwierig finde ich auch, dass mir erstmal keiner sympathisch ist, das würde mich jetzt erstmal nicht vom Weiterlesen abhalten, aber es müsste doch recht schnell jemand da sein, mit dem ich gern mitfiebern mag, um mich zu packen.

So weit erstmal...
lg
merin
« Letzte Änderung: 15 August 2018, 10:20:23 von merin »
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht.

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Re: Patrouille
« Antwort #11 am: 15 August 2018, 10:22:22 »
Oh ich lese erst jetzt, dass hier hätte geschlossen werden können. Ich lass mal trotzdem noch offen, um dir eine Reaktion zu ermöglichen, auch wenn mir nun deutlich geworden ist, dass ich nichts Neues geschrieben habe.
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht.

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Re: Patrouille
« Antwort #12 am: 15 August 2018, 14:39:20 »
Jede Meinung ist mir wichtig, und ich werde an der ersten Szene noch eine ganze Weile herumbasteln. Ich hoffe, allerdings, dass Du ein wenig überpointiert hast und vielleicht doch hier und dort ein wenig verstanden hast. Und nach der Länge muss ich mich mal auf die Suche machen. Längen hasse ich, produziere sie aber durchaus immer wieder entgegen meiner Absicht.

Erst einmal vielen Dank und nun schaue ich in in Szene 2

Liebe Grüße
Trippelschrizz
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Re: Patrouille
« Antwort #13 am: 16 August 2018, 11:38:01 »
Du kennst mich doch, ich spitze immer etwas zu, wenn es um Kritiken geht, besonders wenn sie Schreiben auf hohem Niveau betreffen. Klar habe ich einiges kapiert. Und ich bin auch neugierig auf den Text. Ich hoffe, dass ich noch mehr davon zu lesen bekomme!

Soll ich nun hier schließen?
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Re: Patrouille
« Antwort #14 am: 16 August 2018, 13:51:55 »
Ja, bitte

Trippelschritt

p.s. Ich habe mittlerweile gute 300 Normseiten geschrieben und werde diese Woche noch die zweite folge im ersten Entwurf abschließen. Texte gibt es also genug. Es ist nur immer schwierig, Szenen herauszupicken, die wenigstens einigermaßen in sich verständlich sind. Aber ich versuche mal. Zunächst ist aber Sendepause.
« Letzte Änderung: 16 August 2018, 13:55:08 von Trippelschritt »
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