22 April 2024, 09:17:09

Autor Thema: Perspektive  (Gelesen 13334 mal)

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Beatrice

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Re: Perspektive
« Antwort #30 am: 16 April 2023, 22:58:59 »
Hallo liebe Federteufel, bitte verzeiht, wenn die Frage schonmal aufkam, aber die Beiträge hier sind ja schon etwas älter...was ust eure Meinung Erzählung aus der 1. Person, also der klassische Ich Erzähler? Ich finde ja, das man da näher am Charakter dran ist und ich kann innere Vorgänge da ernster nehmen. Es gibt aber auch Meinungen, die diese Perspektive strikt ablehnen. Wie ist bei euch da so das Stimmungsbild? Lg Bea

merin

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Re: Perspektive
« Antwort #31 am: 17 April 2023, 09:11:40 »
Ich liebe die erste Person als Perspektive. Ich verwende sie oft in Kurzgeschichten. Mein erster Roman (Das Geflecht) hat eine Ich-Hauptperspektive. In "Etomi", das ich gerade korrigiere, gibt es keine Ich-Perspektive. Im Geflecht wieder die Hauptperspektive. Das Projekt danach ("Headhunter") hat bislang nur eine Ich-Perspektive, die dann hoffentlich den gesamten Roman trägt. Das hat für mich und meine Protas den unschätzbaren Vorteil, dass ich bei genderqueeren Personen die Pronomenfrage nicht habe.

Letztlich ist es wohl so, dass es Leute gibt, die keine Texte in der ersten Person lesen mögen. Ich habe aber noch nie von jemandem gehört, der die dritte Person verweigert. Darum sind Texte in der dritten Person wohl prinzipiell besser verkäuflich. Aber für mich ist es wichtiger, was ich brauche, um den Text schreiben zu können. Reich werde ich vom Schreiben eh nicht.
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht und was ich gern anders hätte.

diffusSchall

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Re: Perspektive
« Antwort #32 am: 17 April 2023, 13:24:43 »
Ich mag auch die 1. Person als Perspektive.
Dabei ergibt sich bei mir fast schon automatisch eine gewisse Lässigkeit im Stil, weil ich der Geschichte die Charakterfarbe des Protas deutlicher mitgeben kann.
Hier gibt´s im Rostfundus die Geschichte "Houston, wir haben ein Frettchen", wo ich das gemacht habe.

Mein aktuelles Novellenprojekt schreibe ich auch in der 1. Person. Das ist eine ziemliche Herausforderung, weil ich da eine Menge Schmerzbewältigung drin habe. Aber ich merke auch, dass es dabei hilft, ganz nah an der Prota zu sein. Weil das Thema genau das fordert.

Ich arbeite gerade den Plot für einen Future-Noir-Roman aus, der ganz wunderbar in der 1. Person funktionieren würde. Da habe ich mich aber noch nicht festgelegt, weil ich vor der Aufgabe einen ganzen Roman in dieser Perspektive zu schreiben Respekt habe. Aber da das bei der Novelle zur Zeit gut funktioniert...

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merin

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Re: Perspektive
« Antwort #33 am: 17 April 2023, 15:51:52 »
Was ich wichtig finde: Man kann auch in der 3. Person ganz nah am Prota sein. Und ich habe auch schon einige (meiner Meinung nach schlechte) Texte gelesen, in denen eine 1. Person-Perspektive nicht nah dran war. Die Ich-Perspektive hat natürlich den gravierenden Nachteil, dass man nichts erzählen kann, was die erzählende Person nicht weiß. Aber ich spiele ja sehr gern mit unzuverlässigen Erzähler*innen ...
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht und was ich gern anders hätte.

diffusSchall

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Re: Perspektive
« Antwort #34 am: 17 April 2023, 16:05:10 »
Die Ich-Perspektive hat natürlich den gravierenden Nachteil, dass man nichts erzählen kann, was die erzählende Person nicht weiß.

Ich sehe das gar nicht als Nachteil. Damit kann man ja ganz wunderbar Twists verstecken. Eben weil man leichter den Hasen aus dem Hut zaubern kann, ohne den Leser zu verlieren. Der/die Prota konnte es halt nicht wissen. Auch das schrittweise sichtbar machen von Fakten geht damit gut.
Man muss sich jedoch an die Regeln der Perspektive halten. Aber das muss man z.B. beim personalen Erzähler in der 3. Person auch.
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Viskey

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Re: Perspektive
« Antwort #35 am: 17 April 2023, 19:45:04 »
Ich lehne lediglich die Du-Perspektive ab. Ich will wirklich überhaupt gar nicht, dass jemand mich direkt anspricht.

Mein Problem mit der Ich-Perspektive ist ja, dass uns niemand so sehr belügt wie wir uns selbst. Von daher glaub ich mal gar nichts, was "ich" mir erzählt. Und wir stellen uns auch gern besser dar, als wir sind, verstecken unsere schlechteren Seiten. Also noch weniger Grund für mich, einem Ich-Erzähler zu glauben.


Ich verstehe auch nicht, wieso das "ich kann nur schreiben, was die Figur weiß" immer auf Ich-Perspektive beschränkt wird. Wenn ich in der 3. Person schreibe, beschreibend, was die gerade fühlt, wahrnimmt, denkt, sagt, kann ich auch nicht reinschreiben, was die perspektivtragende Figur nicht weiß. Das kann ich nur beim auktorialen Erzähler tun, den ich übrigens immer ein bisschen unheimlich finde.
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diffusSchall

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Re: Perspektive
« Antwort #36 am: 17 April 2023, 19:59:04 »
.
Ich verstehe auch nicht, wieso das "ich kann nur schreiben, was die Figur weiß" immer auf Ich-Perspektive beschränkt wird.

Immer?
Ich hab’s von Anfang an so gelernt, dass sich das beim personalen Erzähler in der 3. Person auch so gehört.
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Ryek Darkener

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Re: Perspektive
« Antwort #37 am: 18 April 2023, 20:29:10 »
Die Perspektive muss zu den Protas und zur erzählten Geschichte passen. Welche das ist, entscheide ich als Autor.
Die meisten Geschichten werden wohl aus externer Sicht erzählt, was dem Lesenden den – richtigen oder gewollt falschen – Eindruck verschaffen kann, den Überblick zu haben. Wenn ich hier in den Charakter hinein will, dann wird das oft beschreibende und erklärend. Was auch nicht jede|r lesen will.
Die Ich-Perspektive ist die persönlichste Form für eine Geschichte. Die Hauptperson oder auch die Nebenpersonen (wenn es mehrere Ich-Perspektiven gibt) zeigen sich, wie sie sich selbst fühlen. Auch hier ist Abstand möglich. Auf der anderen Seite sind in der Ich-Perspektive innere Monologe realistischer, als diese erzählt zu bekommen.

Man hat also die persönliche Qual der Wahl.  :diablo:
DSvU-4(5) "Wurzeln und Flügel (AT)": Plotten, Schreiben (demnächst;))

Viskey

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Re: Perspektive
« Antwort #38 am: 20 April 2023, 22:39:56 »
Ich hab’s von Anfang an so gelernt, dass sich das beim personalen Erzähler in der 3. Person auch so gehört.

Und genau so ist es auch. Trotzdem lese ich immer wieder Variationen von: "Ich-Perspektive mag ich (nicht), weil ich dann nur schreiben kann, was die weiß."
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Re: Perspektive
« Antwort #39 am: 21 April 2023, 08:41:52 »
Ja genau. Wobei es ja zwischen "streng personale Perspektive" und "auktoriale Perspektive mit Einblicken in die Personen" nicht so einen strikten Cut gibt. Mischformen sind zwar nicht leicht zu machen, ich bin aber doch schon einigen begegnet, die nicht ganz ungelungen waren. Meiner bescheidenen Meinung nach.  ;)
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tieftext

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Re: Perspektive
« Antwort #40 am: 11 February 2024, 23:14:37 »
Sehr interessante Diskussion; auch in anderen Foren hatte ich dazu schon viel gelesen. Letztlich muss man ja stets schauen, wie glaubwürdig ein Abschnitt geschildert ist.
Wenn in einer Szene ein Prota von einem Monster gejagt wird und der Autor -- durchaus personal -- kommt mir Überlegungen, woher das Monster wohl stammen könnte? Aus einem Genlabor? -- dann kaufe ich das nicht. Tatsächlich machen das auch renommierte Autoren, sie verlassen innerlich die Szene. Das ergibt neben dem Tempoverlust auch den Glaubwürdigkeitsverlust.
Und dann ist da ja noch die Frage, wo ist der Erzähler denn gerade? Woher hat er seine Information?

Zitat
Ich glaube nicht, dass das geht mit dem mehr oder weniger personal oder auktorial. Entweder personal, dann konsequent, oder halt auktorial, mit der Möglichkeit, auch in den Kopf der Prota zu tauchen.
Der personale Erzähler kann nur schildern, was die Prota wahrnimmt.

Und ich sehe, dass das in echt genau so gemacht wird, also beide Erzählperspektiven nicht als Absolutum, sondern als Annäherungsmarke verwendet werden. Dass das also wirklich nicht strikt getrennt ist, viellelicht auch gar nicht getrennt werden kann, obwohl natürlich die Personalität der Magnet ist, der alles an sich ziehen soll.

Bsp: Vier Leute, die auf einem Floß sterben, personal erzählt aus der Sicht von A, doch gelegentlich gibt's auch n Sprung in den Kopf von B; seltener in den von C; nur: der arme D wird ausschließlich von außen erzählt, nie bekommt er seinen Anteil Personalität (wiewohl er nicht unwichtiger ist als die übrigen). So was von inkonsequent!
Nachdem sie alle im Präteritum gestorben sind, bleibt die Frage, wer denn jemandem berichtet hat, was da im Einzelnen passierte; der Erzähler war nicht dabei und niemand kann es ihm erzählt haben, weil keiner übrig blieb außer dem leeren Floß und dem sprachlosen Untier; denn das ist ja eine gute Erklärungs-Möglichkeit: Ich erzähle, was ich von einem Beteiligten gehört habe. Hier unmöglich, der auktoriale Erzähler ist also vorausgesetzt, weil die Geschichte sonst gar nicht erzählt worden wäre, auch wenn er weitgehend unsichtbar bleibt, ist er der eigentliche Erzähler. Der Leser weiß das, und deshalb werden auktoriale Sequenzen verziehen.

War ich hingegen selbst im Präteritum dabei, ist es schwer, Spannung aufzubauen, denn da die Sache schon vorüber ist und ich sie überlebt haben muss, muss ich auch wissen, was das Ding, das auf das Floß zukommt, gewesen ist und kann nicht mittendrin mit dummen Fragen brillieren. Bin ich hingegen als 'Ich' im Präsens mit dabei, werd ich -- aktuell von einem Monster verfolgt -- keine Lust haben, Interpretationen im Kopf zusammenzubauen, weil ich vermutlich mit was anderem beschäftigt bin als Sätze zu formulieren.
Ein bekannter Erfolgsautor baut in seine Verfolgungssequenzen langwierige Überlegungen ein, wer hinter den Verfolgern stecken könnte, während er um sein Leben rennt. Plausibel! So würd ich es auch machen, an dessen Stelle.

Und ich kenne Bücher, zuletzt gelesen, wo die Perspektive lustig wechselt, mal der A personal, dann der A in der Ich-Perspektive, dann ein Gegenüber von A, der B personal, wie er den A erlebt. Kraut und Rüben.
Sich unsichtbare Kameras vorzustellen, die geisterhaft jede Filmszene dokumentieren, das finde ich eine gute Analogie.


Natürlich stimme ich zu, dass man auf Perspektivbrüche innerhalb eines Absatzes aufpassen muss, ich muss also bei jedem einzelnen Satz wissen/ein Gefühl dafür haben, wo ich mich soeben befinde, wer ich soeben bin.
Tatsächlich aber BIN ICH der Erzähler, vollkommen auktorial, ich kann mich nur dafür entscheiden, meine Informationen zu dosieren, um es spannend zu machen oder mit einer Figur zu verschmelzen; und ich bin derjenige, der selektiert, was gezeigt wird, nicht die Figur, die im Zimmer steht, denn ich entscheide, ob die grauenvolle Tapete vom Protagonisten bemerkt wird, aber der Teppich nicht.
« Letzte Änderung: 11 February 2024, 23:23:33 von tieftext »

merin

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Re: Perspektive
« Antwort #41 am: 12 February 2024, 10:04:54 »
Ich wechsele ja in meinen Romanen gern die Perspektiven, bleibe aber dann in jeder hoffentlich bei gewähltem Stil und Erzähler*in. Was ich nicht verstehe, ist dein letzter Absatz. Wirfst du da Autor*in und Erzählstimme in einen Topf? Oder steh ich auf dem Schlauch?
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Re: Perspektive
« Antwort #42 am: 12 February 2024, 14:53:59 »

Ich wechsele ja in meinen Romanen gern die Perspektiven, bleibe aber dann in jeder hoffentlich bei gewähltem Stil und Erzähler*in. Was ich nicht verstehe, ist dein letzter Absatz. Wirfst du da Autor*in und Erzählstimme in einen Topf? Oder steh ich auf dem Schlauch?


Nein, ich wollte sagen: Die Erzählstimme ist eine Teilmenge des Autors. Die Selektion, wie viele und welche Informationen der Autor der Stimme lässt, entscheidet dann, wie weit das personal, auktorial oder schwebend wird, da ist eine gewisse Fluktuation, wie auch du das schon sagtest. Aber der Autor ist natürlich a priori potenziell 100% auktorial -- und der Leser weiß das. Wenn nicht bewusst, dann unbewusst.
Wenn in einem Kinofilm der Hinweis eingeblendet wird: "20 Jahre vorher, in Duisburg" -- Wer sagt das? Ist der Kameramann ein personaler Erzähler, wenn er den Protagonisten filmt? Ich habe noch keine echte subjektive Kamera je gesehen (würde der Zuschauer auch nicht aushalten). Eine völlig objektive Kamera würde aber keine Geheimnisse möglich machen. Also ist sie objektiv nur für die gewählte Perspektive? Was wäre das dann?


merin

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Re: Perspektive
« Antwort #43 am: 12 February 2024, 16:29:13 »
Hmm. Ich widerspreche dir. ;) Der Erzähler (wenn wir mal eine fiktive männliche Figur annehmen) ist mE eine fiktive Figur. Eine Kunstfigur, die für jeden Text eine etwas andere ist. Und diese wird von mir geschaffen, um eine Geschichte zu erzählen. Sie ist weder identisch mit mir noch mit der Perspektive, auch wenn es da Überschneidungen gibt.
Der Vergleich mit dem Film funktioniert mE nur teilweise, denn auch die Kamera ist nie objektiv. Sie wird bewusst (so wie bei mir die Wörter) eingesetzt, um Dinge zu zeigen oder zu verbergen, sie geht nah ran oder zoomt raus, sie filmt statisch oder bewegt. Ähnliches tue ich mit Sprache. Im besten Fall entsteht so etwas, das nicht beliebig ist, und mich als Leserx oder zuschauende Person berührt.
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Re: Perspektive
« Antwort #44 am: 12 February 2024, 19:44:54 »
Hmm. Ich widerspreche dir. ;) Der Erzähler (wenn wir mal eine fiktive männliche Figur annehmen) ist mE eine fiktive Figur. Eine Kunstfigur, die für jeden Text eine etwas andere ist. Und diese wird von mir geschaffen, um eine Geschichte zu erzählen. Sie ist weder identisch mit mir noch mit der Perspektive, auch wenn es da Überschneidungen gibt.
Der Vergleich mit dem Film funktioniert mE nur teilweise, denn auch die Kamera ist nie objektiv. Sie wird bewusst (so wie bei mir die Wörter) eingesetzt, um Dinge zu zeigen oder zu verbergen, sie geht nah ran oder zoomt raus, sie filmt statisch oder bewegt. Ähnliches tue ich mit Sprache. Im besten Fall entsteht so etwas, das nicht beliebig ist, und mich als Leserx oder zuschauende Person berührt.


Ich verstehe, warum du widersprichst. Was aber meine Aussage betrifft, ich meinte die Informationen, das Wissen -- dein fiktiver Erzähler kann nichts über die Geschichte wissen, was du als Autor nicht weißt. Sein Wissen ist Teilmenge. Aber du kannst natürlich als Autor jede Menge wissen, was du dem Erzähler vorenthältst, und dieser Grad ist entscheidend.

Bei den Kameras habe ich -- ehrlich gesagt den Eindruck, du widersprichst nicht, sondern sagst eigentlich das Gleiche. Oder?