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Utopia - Anfang

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Paul:
Yepp. Genau meine Rede. Im Moment hat der Charakter an dieser Stelle eine Leerstelle. Das führt dazu, dass ich mich als Leser aus der Geschichte verabschiede, weil ich dem Hauptcharakter emotional nicht mehr folgen kann.

Von daher geht es an dieser Stelle nicht nur um eine Schönheitskorrektur, was z.b. die Sprache,... angeht. Es geht darum, dass Du als Autor seine Motivation klärst und anschließend den Charakter anhand seiner Motivation überzeugend handeln und auftreten lässt.

Paul  ;)

jcl:
Das sind interessante Einwände, denn sie berühren das Wesen einer Geschichte.

Natürlich würde es nie von irgendeiner realen Uni unter eine solche archäologische Exkursion geben. Und kein Student oder Praktikant würde sich je auf solche Bedingungen einlassen. Das, nehme ich an, ist dem einigermaßen informierten Leser sowieso klar. Max' Motivation ist die gleiche wie im Horrorfilm die Motivation der Heldin, den ominösen Geräuschen auf dem Dachboden nachzugehen. Sie muss nicht weiter begründet werden, denn sie gehört zur Prämisse. Das hier ist ein historischer Abenteuerroman, im Stil von Indiana Jones. Die einzelnen Szenen sollen real wirken, die Prämisse muss es nicht.

Soweit zumindest meine Theorie. Aber darüber können wir gern diskutieren.


merin:
Indiana Jones hat immer ein Motiv, denke ich: Neugier und Entdeckungsgeist. Er ist so ein Draufgängertyp, der einfach keinen Stein liegen lassen kann, ohne zu schauen, was drunter ist. Ebenso wie Lara Croft. Beide wollen auch noch berühmt werden. Die Behauptung, die Motivation gehöre zur Prämisse und müsse daher nicht ausgearbeitet werden, halte ich für nicht haltbar. ( :devgrin: Das kalauert.) Beide sind auch quasi unverwundbar, sie können es sich also leisten, allem nachzugehen.

Das Problem zeigt sich ja auch direkt im Text, wo bislang zwei von zwei Lesenden an der Stelle aussteigen. Besser wäre natürlich, wir hätten mehr als zwei Testsubjekte, das ist jetzt nicht gerade eine statistisch relevante Größe. Aber ein Anhaltspunkt ist es schon. Zumal ich mich frage, wie du ohne ein Ziel oder Motiv eine Figur charakterisieren kannst.

jcl:
Nun gut. Ich will mir definitiv keine komplexen Gründe für Max ausdenken, sich trotz seiner Ängstlichkeit auf ein solches Praktikum zu bewerben. Aber natürlich sind zwei Leser, denen hier was fehlt, zwei zuviel. Daher werde ich sicher euren Einwänden folgen und noch irgendwas einbauen, um das Problem zu entschärfen.

Lartaigh:
Hallo Jcl,

da das hier meine erste Röstung ist und ich bin noch als ziemlich grün hinter den Ohren bezeichnen würde, siehe meinen Kommentar und meine Gedanken eher aus der Pespektive eines Lesers - das tue ich nämlich viel wenn auch in einer ganz anderen Ecke (New-Adult/Romantasy). Ich kommentiere außerdem, ohne die anderen Röstungen gelesen zu haben, weil ich denke so klappt es vielleicht freier.

Ich gebe meinen Senf einfach einmal beim Lesen dazu, weil ich es anders noch nicht recht sortiert bekomme:


--- Zitat ---Ein Windstoß blies Staub über die Piste. Er trug den Geruch von feuchtem Gras und Exkrementen mit sich.
--- Ende Zitat ---
Die Bilder von Staub und feuchtem Gras passen für mich so nicht zusammen, ich kann mir nicht direkt eine Umgebung vorstellen. Ist es trocken oder hat es geregnet?


--- Zitat ---Vor einer Baracke des Checkpoints war ein Zwergschimpanse an einer Kette angebunden. Soldaten standen um das Tier herum, lachten und hielten ihm Bierdosen hin, um es betrunken zu machen.
--- Ende Zitat ---
Der Schimpanse löst Emotionen in mir aus, Mitgefühl und gibt dem Bild Tiefe.


--- Zitat ---„Was wollen Sie in unserem Land?“
--- Ende Zitat ---
Das kommt für mich irgendwie abrupt in der Unterhaltung.
Außerdem, da ich bereits ein paar Wochen Praktikum in Tansania und Kenia nach der Schule hinter mir habe, kommt mir die Art der Interaktion eher unrealistisch vor. Nun ist Kongo natürlich ein komplett anderes Land mit anderen Umständen und einer anderen Kultur, aber ich wäre wenn eher von einer unterschwellig skeptischen Zurückhaltung ausgegangen, missbilligenden Blicken, oder Ablehnung durch Ausspielung von Macht/Verweigerung von Vorteilen aber weniger in so einem direkten und schnellen 'Angriff'.
Außerdem: Handelt es sich hier um eine Landesgrenze oder eine Gebietsgrenze, die die Professorin überqueren will?


--- Zitat ---Er wusste, er konnte jetzt einfach die nächsten Tage im Wagen sitzen und die Rückkehr der Professorin abwarten.
--- Ende Zitat ---
Hier wird Neugier als Motiv rausgestellt, ich fände das aber im Kongo im 'Banditengebiet' auch ziemlich riskant dort einfach alleine sitzen zu bleiben und zu warten...


--- Zitat ---Es war vollkommen still, als hätte ihr Eindringen die Natur zum Schweigen gebracht.
--- Ende Zitat ---
Schöner Satz!


--- Zitat ---II  Madinat Zanjibar, 3. Januar 1702
--- Ende Zitat ---
Hier verstehe ich direkt, dass es sich nun um die Perspektive des vorher ominös umrissenen Priesters handelt, was ihn für mich direkt interessanter macht. Vorher haben mich die Infos eher rausgekickt, Ärchelogie ist aber auch kein Interessengebiet von mir.


--- Zitat ---Mein Name ist Richard Kreutzner, mein Beruf Bibliothekar, auch wenn ich diesen noch nicht praktisch ausüben konnte.
--- Ende Zitat ---
Okay, dann handelt es sich hier wohl doch nicht um den Priester Johannes und ich muss mein Lob von eben ein bisschen zurück nehmen. Schlussendlich passt die Jahreszahl auch nicht zum Priester, da Richard Kreutzner für mich als Erstleser aber ein Fremder ist, kommt der Bruch irgendwie abrupt und ich verliere etwas die Lust über ihn zu lesen.
Im Anschluss bin ich dann mehrfach aus dem Text rausgeflogen, vielleicht weil sich viele Informationen aneinander reihen? Es fallen viele Namen, Orte und Gegebenheiten, die es mir ein bisschen schwer machen den Überblick zu behalten.


Zusammenfassend was mich rausgeworfen hat:
- Mir kamen die Interaktionen/Gespräche im ersten Teil teilweise nicht realistisch/umgangsprachlich genug vor. Ich habe etwas wie Slang oder Umgangssprache vermisst. Außerdem hätte ich es interessant gefunden, um was für eine Art bewaffnete Gruppierung es sich bei den 'Banditen' handelt? 'Einfache Verbrecher'? Milizen? Terrorgruppe? Das könnte man vielleicht der aktuellen Lage im Land anpassen?
- Da sexualisierte Gewalt leider im Kongo ein Thema ist, habe ich mich auch gefragt, ob eine weiße, unbewaffnete Frau alleine (bzw. nur mit einem Praktikanten als Begleitschutz) unterwegs wäre, oder ob Wissenschaftler sich nicht immer durch Einheimische begleiten lassen würden? In der Regel würde denke ich die beheimatete Uni auch involviert sein. 
ABER da gehe ich vielleicht auch zu viel ins Detail und ich habe zu der Materie natürlich auch nicht recherchiert. Das sind nur meine Gedanken aus der Erfahrung und meinem Bild von Afrika (und ich habe nur wohlhabende Länder wie Namibia, Tansania und Kenia besucht).
- Im zweiten Teil haben mich die vielen Infos rausgekickt. Also da vielleicht schauen, ob weniger Information ausreichend wäre, oder ob sie in einer Unterhaltung untergebracht werden können?

Was ich gut fand:
- Ich lieb's, dass Professor Lind eine Frau ist und, dass sie so einen Abenteuersinn hat, auch wenn das eigentlich zu heutigen Zeiten kein Grund zur besonderen Freude mehr sein sollte :-)
- Generell mag ich auch das Setting und die Szene mit dem Schimpansen finde ich ein gutes Beispiel für 'show don't tell' um die vorherrschende Atmosphäre zu zeigen 
- Die vielen eingewobenen Details geben einem das Gefühl in eine reale/durchdachte Welt einzutauchen

Ich hoffe mein erster Röst (kann man das so sagen? :D) ist zumindest in Teilen hilfreich. Das ist natürlich erstmal nur meine subjektive Meinung alles :-)

Liebe Grüße,
Larthaigh




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