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Utopia - Anfang

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Paul:
Hi JCL


--- Zitat ---@Paul: Max' Motivation hatte ich in einem späteren Abschnitt untergebracht, allerdings nicht so ausführlich wie von dir vorgeschlagen. Ich könnte einiges davon vorziehen.
--- Ende Zitat ---

Vielleicht braucht es an dieser Stelle gar keinen Rückblick, mit den entsprechenden Selbstzweifeln, in denen sich der Prota fragt: Was mache ich hier überhaupt? - was es aber auf jeden Fall braucht, ist sein Erschrecken, ja vielleicht sogar sein Entsetzen, als er merkt, wohin die Reise geht und wie sie sich entwickelt.
 Dann könnte ich wieder mit ihm fühlen - und ihn als Person ernst nehmen - in der jetztigen Form wirkt er auf mich dagegen als Person nicht "echt".

Paul  8)

jcl:
Wovor, meinst du, würde er hier erschrecken - und warum? Für ein Erschrecken wäre es jetzt ja reichlich spät. Abgesehen von seinem Motiv für die Reise - er braucht sie für seinen Abschluss - was genau fehlt ihm hier?

Paul:
Um die Frage zu beantworten, kenne ich den Charakter deines Protas und seine Vorgeschichte zu wenig.

Aber was mich umtreibt ist die Frage: Warum macht er das? Warum lässt er sich auf ein solches Abenteuer ein?

- Ist er vor Gier blind und folgt ohne Nachzudenken seinem Professor? Nein, so hast du ihn nicht angelegt. Er hat eine kritische Distanz.
- Ist er so naiv, dass er gar nicht merkt, in welche Gefahr er sich begibt? Nein, so einfältig hast du den Charakter auch nicht angelegt.
- Ist er so bedürftig, dass er nicht anders kann? Eine gewisse Bedürftigkeit scheint mir vorzuliegen - er braucht das Praktikum - aber sie ist doch niemals so groß, dass er deswegen sein Leben aufs Spiel setzen würde?
- Ist er ein Draufgänger, ein Adrealin-Junkee, der die Gefahr sucht? Nein, auch das ist er nicht.
- Ist sein Prof so schlau, dass er ihn bis jetzt über die wahren Gefahren der Reise getäuscht hat? Das kommt mir so vor, aber diese Täuschung kann nicht ewig funktionieren.

Fazit: Er muss in dem Moment, in dem er merkt, dass diese Reise gefährlich wird, reagieren. Das kann z.B. der Moment sein, als sie die Grenze überqueren und der Soldat sagt, dass hinter der Grenze niemand mehr für ihre Sicherheit garantieren kann. Da muss ihm spätestens klar werden, dass hier etwas nicht stimmt.

Ich könnte mir Folgendes vorstellen:

 - hier müsste er erschrecken
 - er müsste sich fragen, was er tun soll
 - und er müsste, m.E., den Prof zur Rede stellen.

Einen ausführlichen Rückblick, in dem seine Geschichte erzählt wird, ist - wie gesagt - nicht unbedingt nötig. Was es aber meiner Meinung nach braucht, ist eine andere Reaktion deines Protas. So, wie er jetzt alles über sich ergehen lässt, verliert er für mich seine Glaubwürdigkeit.

Paul  ;)

jcl:
Wenn du als Leser Max nicht glaubwürdig findest, dann ist das so - da muss ich als Autor nachbessern. Ich versuche nur zu fassen zu kriegen, was genau hier fehlt. Denn im Text sehe ich es nicht unmittelbar. Dass die Reise in den Kongo geht und in ein von der Regierung nicht kontrolliertes Gebiet, wusste Max sicher vorher. Der Verlauf der Reise wird ihn kaum plötzlich überraschen.

Als Autor kenne ich Vorgeschichte und Charakter der Protas. Ich weiß daher immer, wie sie in bestimmten Situationen reagieren. Aber der Leser weiß es nicht. Das muss man ihm rüberbringen. Sonst wirkt das Verhalten, wie hier, nicht schlüssig. Ich nehme hier mit, dass dir Max nicht ängstlich genug rüberkommt. Da werde ich noch eine Reflektion oder dergleichen einbauen. Das hat mir schon weitergeholfen.

merin:
Mir geht es ähnlich wie Paul: Ich frage mich, wer für ein Praktikum in den Kongo reisen würde. Da reicht Angst nicht, denn jede europäisch sozialisierte Person hätte wohl mehr Angst, in ein Kriegsgebiet zu reisen, als davor, ein Studium nicht fertig zu kriegen. Insofern ist seine Reaktion momentan irgendwie indifferent. Er hat Angst ja, aber er geht trotzdem weiter. Nur wieso? Ich denke, mir fehlt vor allem sein Motiv, denn die Sache mit dem Praktikum ist mir zu wenig.

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