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Lor - Rauch und Asche (Arbeitstitel)

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Lartaigh:
So, guten Morgen :)

erstmal klammere ich mich daran, dass Kapitel 1 zumindest etwas Spannung erzeugt. Ansonsten schmerzt so eine Röstung natürlich für einen kurzen Moment, ich kann aber deine Kommentare sehr gut nachvollziehen und werde über Kapitel zwei nochmal komplett nachdenken. Es hilft mir sehr, danke! Tatsächlich packe ich fast alle Infos zu meiner Welt in dieses eine Kapitel bzw. die ersten drei, das ist mir durch deine Anmerkungen nochmal bewusst geworden. Danach startet dann die Handlung. Das werde ich grundlegend verändern und die Infoabschnitte in der Handlung mit einbauen.

Auch an der Verständlichkeit des Systems kann ich noch arbeiten, merke ich. Vielleicht male ich nochmal eine Mind-Map mehr.


--- Zitat ---Kurz gesagt: ich habe nicht den Eindruck, dass es den Plot voran treibt. Ich habe eher den Eindruck, dass du es rein dafür nutzt, um einen Haufen Leute, Systeme und Begrifflichkeiten einzuführen.
--- Ende Zitat ---
Korrekt und das ist schon einmal eine Klasse Einsicht!


--- Zitat ---WIe kann sie ihren Beruf gut ausüben, wenn sie so bekannt ist? Macht es doch recht schiwerig Leute umzubringen, wenn man auf eine Meile erkannt wird?
--- Ende Zitat ---
Stimmt, da spiele ich auf eine Bekanntheit in ihrer Szene an, das kann ich genauer rausbringen.

Was die losen Männerbekanntschaften angeht:
Da denke ich, dass offene Sexualität einem sich Verlieben nicht unbedingt im Weg stehen muss  :)

Viele liebe Grüße,
Lartaigh

jcl:
Fantasyromane sind heute Massenware, da anscheinend jeder Autor erst einmal mit einem solchen anfängt. Ich habe früher Fantasy gerne gelesen, heute nur dann, wenn sich der Roman schon am Beginn von der üblichen 0815-Fantasy abhebt. Das ist dir in mehren Punkten gelungen. Die Heldin ist eine Killerin, und sie verfügt nicht über magische Fähigkeiten. Auch das Weltbild ist einigermaßen konsistent. Der Stil ist weitgehend flüssig, aber es gibt immer wieder Sätze oder Nebensätze, die nicht recht passen. Beispiele:

--- Zitat ---Die, die es ihr ermöglichten allein zu sein, in Ruhe für sich und still auf den Tod zu warten.
--- Ende Zitat ---
Liest sich, als würde sie auf den eigenen Tod warten.

--- Zitat ---dass die äußersten Welten, Masanah und Pelun, so dicht an den Sternen waren, dass sie dort wie dicke Glühwürmer am Nachthimmel erschienen.
--- Ende Zitat ---
Liest sich, als würden die Welten von den Sternen aus wie Glühwürmer aussehen.

Der Beginn ist Action, was kurz Spannung erzeugt, die aber rasch in sich zusammenfällt, wenn die Tat als üblicher Alltag beschrieben wird. Gerade bei einem Killer-Auftrag gäbe es die Gelegenheit, Spannung zu erzeugen, indem mit dem Auftrag etwas Ungewöhnliches, Gefährliches verbunden ist oder sich die Tat als unerwartet schwierig erweist.

Im zweiten Kapitel vermittelst du viele Informationen, verpackt in die Kontemplation der Prota nach der Tat. Das kann funktionieren, wenn es sich um Infos handelt, auf die der Leser zu diesem Zeitpunkt neugierig ist. Das gelingt aber nur teilweise. Über den Auftraggeber will ich schon etwas wissen und auch darüber, wie üblich Morde in dieser Welt sind und wie sie zu diesem, Job gekommen ist. Aber den Rest überliest man.

Von der Perspektive bist du eng bei der Prota und gibst ihre Gedanken wieder. Das ist auch gut gelungen. Besonders gefällt mir:


--- Zitat ---Dann zuckte sein Blick auf die große Narbe, die sich quer über ihr gesamtes Gesicht zog KOMMA und schließlich bemerkte er ihren rasierten Kopf. Es war immer die gleiche Reihenfolge die sie für den Bruchteil einer Sekunde mitverfolgen konnte.
--- Ende Zitat ---

Dieser Moment ist gut eingefangen.

Was mir generell ein wenig fehlt, sind die Details der Welt. Es scheint eine Art Mittelalter zu sein, es gibt einen König und Hofstaat, es gibt Bankette, einige Leute habe magische Fähigkeiten. Also alles wie in jedem solchen Roman. Eine Welt wird lebendig, wenn du Details hereinbringst. Wie funktioniert die Straßenbeleuchtung, welches Instrument spielt ein "Harvinist", gibt es Pferde oder Karren auf den Straßen, etc. Zudem: Brauchst du Magie überhaupt? In diesem Kapitel nicht. Ich fände es erfrischend, wenn ein Fantasy-Roman mal ohne auskommt.

Paul:
Hallo Lartaigh

Dein Text ist lang - darum kann meine Röstung nicht zu sehr ins Detail gehen. Nichtsdestotrotz hier meine Rückmeldung:

Ich beginne mit deinen Fragen:

Kann man dem Lesefluss generell folgen?

Ja, das funktioniert. Ich kann deiner Geschichte folgen und weiß immer - mehr oder weniger - wo ich mich in ihr befinde.

Entstehen die Szenen bildhaft?

Ansatzweise. Ich weiß es mehr, als dass ich es vor mir sehe.

Möchte man mehr über Lor und ihr Leben erfahren?

Auftragskillerin in einem magischen Universum - der Plot klingt nach Spannung. Dazu kommt die Rivalität mit einer konkurrierenden Auftragskillerorganisation. Das Setting hat Potential. Auch die magische Welt verspricht eine gewisse Komplexität. Der Info-dump im zweiten Kapitel stoppt meine Neugierde allerdings eher, als dass er sie anstösst.

Ich führe außerdem im zweiten Kapitel auch etwas die Welt ein und frage mich, ob da zu viele Infos auf einmal kommen?

Yepp. Definitiv. Es gibt eine Grundregel beim Schreiben: Infos immer nur so viel, wie der Leser / die Leserin zum Verstehen der Szene unbedingt braucht. Alles andere kannst Du ersatzlos streichen. Dann bleibt aber - handlungsmäßig - vom zweiten Kapitel nicht mehr viel übrig. Die Begegnung mit Envar - trotz der Prügelei - bleibt emotinal flach. Da ist keine Spannung drin.

Ein genereller Eindruck, ob euch die ersten Seiten zum weiterlesen motivieren würden, wäre natürlich auch interessant

Eher nein. Nicht wegen dem Plot, sondern wegen der Sprache und wegen des Info-Dumps im zweiten Kapitel. Es fehlt mir der "Zug" in der Geschichte. Es fehlt mir aber auch eine emotionale Verbundenheit. Die Figuren sind mir alle eine Spur zu glatt. Sie wirken auf mich nicht menschlich. Da ist keine Spur von "Gebrochenheit" zu spüren.

Als zweites möchte ich Dir einige Eindrücke zu Deinem ersten Kapitel rückmelden:

Das Setting ist recht schnell klar. Eine Auftragskillerin erledigt ihren Job. Als Einstiegsszene ist dieses Setting sehr dankbar. Ich lerne als Leser die Prota gleich bei ihrer Arbeit kennen (show it, don´t tell it). Soweit ist alles im grünen Bereich.

Was erfahre ich von der Welt?

Zeit und Ort werden von Dir unauffällig eingeführt:


--- Zitat ---kauerte ... auf dem Dach der alten Ziegelei
--- Ende Zitat ---


--- Zitat ---So genoss sie auch jetzt den Wind der kühlen Frühlingsnacht auf ihren Wangen und roch die Nachboten des eben verzogenen Regens.
--- Ende Zitat ---


--- Zitat ---Leise Geräusche, die aus der Richtung des Stadthauses kamen das sie beschattete, zogen ihre Aufmerksamkeit wieder zurück auf ihren Auftrag. Der untersetze Mann, auf den die Beschreibung ihres Geldgebers passte, trat unter leisem Schnaufen aus der schön beschnitzten Tür. 
--- Ende Zitat ---

...

Du beschreibst deine Welt, trotzdem fällt es mir schwer, mir diese Orte vorzustellen. Ich weiß nicht, wo die Regenrinne ist, die sie für den Abstieg benutzt, ich weiß nicht, wie weit das Stadthaus von der Ziegelei entfernt liegt und wie es aussieht, selbst dass die "schön beschnitzte Tür" zu diesem Stadthaus gehört, erschließt sich mir beim Lesen nicht auf den ersten Blick.

D.h. Für mich bleibt die Welt, in er sich deine Prota bewegt, eine Spur zu indifferent. Du malst Tupfer, wie die Impressionisten, aber bei mir entsteht vor meinen Augen kein Bild, sondern ich falle in die Lücken dazwischen. Von daher sehe ich hier einen gewissen Handlungsbedarf. Es ist nicht immer nötig, alles bis ins letzte Detail zu beschreiben. Eine Übergenauigkeit macht oft den Handlungsablauf kaputt. Umgekehrt braucht jede Geschichte eine lebendige Welt. Mein Tip: Folge den Augen deiner Prota: Was fällt ihr an dem Stadthaus als erstes auf? Dass es halb im Dunkeln liegt? Dass sie Ausgänge gut sehen kann? Dass es groß ist? ... die schön geschnitzte Tür kommt bei mir erst recht spät, außer ich bin Handwerker und schnitze in meiner Freizeit. Dann würde ich mir die Schnitzarbeiten natürlich ansehen. Aber dazu müsste ich näher hingehen. Vom Dach des gegenüberliegenden Hauses habe ich nur wenig Chancen, sie zu bewundern.

Was erfahre ich über deine Prota?

Ich erfahre viel, was sie macht (sie kauert, sie springt, sie ...), ich erfahre, was sie trägt (abgewetzter Lederanzug) und dass sie einen trainierten Körper hat, auch ihre Vorlieben werden deutlich (sie mochte die Aufträge am liebsten, bei es ihr ermöglichten, allein zu sein). Also eigentlich ist vieles richtig gemacht. Du beschreibst sie in vielen Richtungen.
 Trotzdem bleibt sie mir fremd. Vielleicht, weil sie mir zu "glatt" ist. Bei Comics gibt es Superman, der in allem perfekt ist (wie viele Comics aus dem DC Universum) und Spiderman, der voller Komplexe ist (wie viele Charaktere aus dem Marvel Universum). Deine Heldin bewegt sich für mich zu sehr in der Welt der DC Comics. Alles, was sie macht, ist perfekt. Ihr Körper, ihre Coolness, ihr Mut,... Sie zweifelt nie, sie erlebt nie, dass sie an ihre Grenzen kommt, dabei macht gerade das für mich eine Geschichte spannend.
D.h. in der Anlage deines Protas verschenkst Du m.E. viel Potential. DC Comics finde ich langweilig. Deine Geschichte leider auch (ich mag Helden lieber, die sich beim Aufkommen auf dem Boden auch einmal den Fuß verknacksen und dann zu ihrem Mord humpeln müssen).

Was macht die Sprache?

Ich sehe mir dazu deine ersten vier Sätze an:


--- Zitat ---Lor kauerte nun schon eine Weile in dieser gebückten Haltung auf dem Dach der alten Ziegelei und starrte die Eingangstür des gegenüberliegenden Stadthauses an. Ihr grauer, abgewetzter Lederanzug fügte sich gut in die Schatten der Nacht ein und ihr trainierter Körper war an solcherlei langwierige Belastungen gewöhnt. Eigentlich mochte sie auch gerade diese Aufträge am liebsten. Die, die es ihr ermöglichten allein zu sein, in Ruhe für sich und still auf den Tod zu warten.
--- Ende Zitat ---

Mir fallen als Erstes die vielen Adjektive auf. Unangenehm. Ich weiß nicht, ob das zum "Genre" gehört, oder Teil deines Stils ist. Auf mich wirken die vielen Adjektive leider oft klischeehaft. Höhepunkt ist für mich der "trainierte" Körper. Ich kann mir alles darunter vorstellen - oder nichts. Es ist ein "Container-Begriff".
 Du malst mit deinen Adjektiven auch immer mit den gleichen Farben (vgl. Prota): alles ist immer perfekt. So entsteht für mich keine lebendige Welt. Da sind keine Brüche. Keine Dachschindel, die knarrt, kein Schatten, der von unten sichtbar sein könnte, kein ...

Der Einstieg:


--- Zitat ---Lor kauerte nun schon eine Weile in dieser gebückten Haltung auf dem Dach der alten Ziegelei und starrte die Eingangstür des gegenüberliegenden Stadthauses an. Ihr grauer, abgewetzter Lederanzug fügte sich gut in die Schatten der Nacht ein und ihr trainierter Körper war an solcherlei langwierige Belastungen gewöhnt. Eigentlich mochte sie auch gerade diese Aufträge am liebsten. Die, die es ihr ermöglichten allein zu sein, in Ruhe für sich und still auf den Tod zu warten.
--- Ende Zitat ---

Für mich stimmt der Einstieg nicht. Da ist keine Kamerafahrt, die mich von außen in die Szene hineinfahren lässt, so dass ich einen ersten Überblick über Zeit und Ort bekomme, da steht keine Prota am Anfang, die mich in ihre Gedankenwelt hineinnimmt, stattdessen bekomme ich eine Mischung aus allem. Irgendwie springt da der Funke bei mir nicht über. Es bleibt mir zu diffus. Ich bekomme von allem ein Häppchen, aber nichts davon ganz.
 Unangenehm ist mir auch das "nun" aufgefallen. Es tut so, als wüssten wir schon, was davor war. Wissen wir aber nicht.

Fazit:

Du hast einen spannenden Plot. aber m.E. noch an einigen Dinge zu arbeiten. Die gute Nachricht: Die Geschichte selbst steht erst einmal - und - soweit ich es bis jetzt überblicken kann - läuft sie auch. Das ist die halbe Miete. Die andere Hälfte braucht jedoch m.E. noch einigen Kraftaufwand. Dabei weiß ich nicht, was davon so bleiben soll, weil es z.B. zum Genre gehört (Coole Heldin, die immer perfekt durch ihre Leben kommt und mit Adjektiven nur so um sich wirft) - und was davon du ändern willst. Letztlich musst Du das - wie immer - selbst entscheiden. Ich kann Dir nur meine Eindrücke rückmelden. Ich hoffe, ich habe Dich damit nicht zu sehr frustriert, aber ich wollte Dir eine ehrliche Rückmeldung meiner Eindrücke geben.

Paul  ;)

merin:
Hi Lartaigh,

zu meiner Rückmeldung ist wichtig zu bedenken, dass ich das Genre nicht lese. Mein Vorgehen ist so, dass ich während des Lesens mitschreibe, was mir auffällt. Das beginnt beim Stil:


--- Zitat ---Lor kauerte nun schon eine Weile in dieser gebückten Haltung auf dem Dach der alten Ziegelei und starrte die Eingangstür des gegenüberliegenden Stadthauses an. Ihr grauer, abgewetzter Lederanzug fügte sich gut in die Schatten der Nacht ein und ihr trainierter Körper war an solcherlei langwierige Belastungen gewöhnt. Eigentlich mochte sie auch gerade diese Aufträge am liebsten. Die, die es ihr ermöglichten allein zu sein, in Ruhe für sich und still auf den Tod zu warten.
--- Ende Zitat ---

Ich würde die grün markierten Wörter streichen, weil ich oft finde, dass eine etwas straffere Schreibe schöner ist. Das sind für mich Füllwörter ohne wirklichen Gehalt. Außerdem fehlen in dem Absatz Kommas (nach für sich muss eins hin, vor allein kann eins hin). Wenn man jetzt beginnt, Erbsen zu zählen, finde ich auch, dieser Abschnitt könnte bildhafter sein. Konkreter. Um es mal als Beispiel aufzuführen (nicht, damit du das übernimmst, sondern um zu verdeutlichen, was ich meine):

Lor kauerte schon eine Weile in gebückter Haltung auf dem Dach der alten Ziegelei und starrte auf die Eingangstür des gegenüberliegenden Stadthauses. Es war eine einfache Holztür. Eigentlich mochte sie diese Aufträge am liebsten. Die, die es ihr ermöglichten, allein und still auf den Tod zu warten.

Mir fällt nun auch auf, dass deine Kameraführung schwankt: Du zeigst uns als erstes, was Lor sieht, aber dann sehen wir Lor. Dadurch nehme ich nun an, dass es keine personale Perspektive ist.


--- Zitat ---In diesen Momenten konnte sie innehalten. So genoss sie auch jetzt den Wind der kühlen Frühlingsnacht auf ihren Wangen und roch die Nachboten des eben verzogenen Regens. Sie konzentrierte sich auf das Gefühl der Ziegel unter ihren Stiefeln, nahm die anfängliche Verspannung in ihrem Nacken wahr und registrierte die Frequenz ihres Atems. Wie sich ihre Brust hob und senkte, mit jedem Atemzug. Um ihre Glieder in der Hocke etwas zu lockern, verlagerte sie ihr Gewicht vom linken auf den rechten Fuß. Nach dem Regen waren die Wolken verzogen und hatten einen klaren Nachthimmel hinterlassen. Lor genehmigte sich einen kurzen Blick in die Dunkelheit über ihr. Weit, weit entfernt konnte sie die Sterne als winzige Punkte in der Dunkelheit erkennen. Dazwischen waren dunkle Schemen, größere und kleinere, zu sehen.
--- Ende Zitat ---

Hier gehst du perspektivisch wieder in sie zurück. Der Schwenk war also nur dazu da, uns zu zeigen, was sie anhat. Die Frage ist, ob das elegant gelöst ist und wir dieses Wissen hier brauchen.
Den Folgeabsatz finde ich langweilig. Er ist generisch, es gibt nichts Besonderes an dem, was sie wahrnimmt. Sie atmet wie alle anderen, Regen riecht wie immer, Sterne funkeln usw. Du verschenkst dir hier, etwas Besonderes anzubringen. Etwas, was den Ort und sie charakterisiert. Wie riecht es da? Was hört sie? Was löst es in ihr aus?
Hier stimmt das Adjektiv nicht: "anfängliche Verspannung". Du meinst eine beginnende Verspannung.

Die Schemen sind das einzige Besondere und du führst sie auch etwas aus. Allerdings wird das für mich wenig bildhaft, weil du zu wenig beschreibst, was sie sieht.


--- Zitat ---Leise Geräusche, die aus der Richtung des Stadthauses kamen das sie beschattete, zogen ihre Aufmerksamkeit wieder zurück auf ihren Auftrag. Der untersetze Mann, auf den die Beschreibung ihres Geldgebers passte, trat unter leisem Schnaufen aus der schön beschnitzten Tür.  Er war Musiker. Vor einigen Stunden war sie ihm unauffällig von einem der überbordenden Bankette am grünen Palast gefolgt. Lor hatte etwas für Musik übrig und es kam verschwenderisch vor jemanden zu töten, der sie so schön praktizierte wie es dieser Harvinist getan hatte.
--- Ende Zitat ---

Auch das finde ich zu umständlich. Ich würde es straffen und schauen, was du uns erklären musst, und was wir auch so wissen. Auch ein paar Hilfsverben kannst du einsparen:

Leise Geräusche zogen ihre Aufmerksamkeit zurück auf ihren Auftrag. Ein untersetzter Mann trat unter leisem Schnaufen aus der (schön beschnitzten) Tür. Vor einigen Stunden war sie ihm unauffällig von einem  überbordenden Bankett am grünen Palast gefolgt. Lor mochte Musik und es kam ihr verschwenderisch vor, jemanden zu töten, der sie so schön praktizierte wie  dieser Harvinist.

Hier kommt nun Info zur Tür, aber sie kommt zu spät. Denn nun ist Lors Aufmerksamkeit nicht bei der Tür, sondern bei dem Mann.


--- Zitat ---Lauernd betrachtete sie die vom Mondlicht geworfenen Schatten, die von seinem Doppelkinn auf den Ansatz seiner Brust fielen. Er hatte schütteres Haar und das Hemd unter seinem langen Mantel schien leicht zerknittert. Ein kleines Muttermal zierte seine rechte Wange.
Als der Mann sich Richtung Straße bewegte, ließ Lor sich in einer eleganten, lautlosen Bewegung das Dach bis zur Regenrinne hinunter gleiten. Geschickt kletterte sie das Fallrohr hinunter und berührte mit sanften Sohlen den Boden, noch bevor der Mann die nächste Straßenecke erreichte und in die dunkle Gasse links von ihm einbog.
--- Ende Zitat ---

Ich finde "lauernd" nicht gelungen. Das Adjektiv passt nicht recht. Und auch das "elegant" brauche ich nicht: Es passt, aber da sie lautlos gleitet, weiß ich es schon. Und: Wozu die Beschreibung des Mannes? Sie sitzt im Dunkeln oben auf dem Dach, sie kann das nicht sehen. Hier hast du wieder so eine auktoriale Perspektive, mir scheint aber, es ist wie oben auch ein Fehler und du willst eigentlich personal erzählen. Das fällt auch bei der folgenden Mordszene auf: Sie ist perspektivisch unklar. Wenn sie wahrnimmt, wohin er schaut, dann solltest du beschreiben, was sie wahrnimmt. Und was sie daraus schließt. Ich würde auch gern wissen, warum sie pfeift. Weil das ihr Verständnis von Fairness ist, dass das Opfer gewarnt wird? Weil sie will, dass das Opfer ihr in die Augen sieht?
Insgesamt fällt mir auf, dass du eine Neigung hast, Dinge doppelt zu erzählen (reich mir die Flosse):


--- Zitat ---Ihr Dolch landete mit einem gezielten Wurf mitten in seiner Kehle, dort, wo eben noch sein Adamsapfel gewesen war. Lor war in zwei schnellen Schritten bei ihm, zog den Dolch einmal komplett durch seine Kehle und ließ ihn dort verbluten.   
--- Ende Zitat ---

Ungezielt wird der Dolch wohl kaum dort landen. Und mitten drin? Naja, so groß ist eine Kehle nicht. Und der Adamsapfel ist nunmal genau dort. Mir würde es knapper besser gefallen:

Ihr Dolch landete in seiner Kehle, wo eben noch sein Adamsapfel gewesen war. Zwei schnelle Schritte, den Dolch einmal komplett durchziehen. Blut floss. Viel Blut.   

Aber das sind stilistische Fragen. Ich denke aber: auf Füllwörter achten, tut dem Stil in jedem Fall gut.

Trotz dieser Meckereien finde ich aber, dass sich die Szene recht flüssig liest. Ich habe auch eine erste Idee von der Figur.

Szene 2 ist für mich wesentlich anstrengender, weil ich lauter Informationen erhalte, ohne zu wissen, wieso. Da du sie alle im Plusquamperfekt schreibst, wimmelt es auch von Hilfsverben und das Ganze wirkt auf mich etwas hölzern. Ich finde, hier kann man mindestens raffen. Oft hast du auch erklärende Nachsätze, die es gar nicht braucht.


--- Zitat ---Die Nacht war noch jung. Es war gerade einmal kurz vor Mitternacht und der Auftrag war schnell erledigt gewesen. Morgen früh würde die Leiche entdeckt werden.
--- Ende Zitat ---

Der erste Satz ist eine Phrase. Und der Rest eine Erklärung, die du wahrscheinlich weglassen kannst. Warum nicht danach einsteigen? Vorschlag:

Sivald hatte sie angewiesen, die Leiche einfach liegen zu lassen. Sivald, ein aufgeblasener Beschenkter vom ersten Rang des grünen Hofs, war leider ihr bester Auftraggeber. Die mit der Magie der Götter beschenkten Heka waren an und für sich schon so arrogant, dass es weh tat, der Botschafter jedoch übertraf sie noch alle. Lor seufzte bei dem Gedanken, sich mit ihm über den heutigen Auftrag austauschen zu müssen.
Der Musiker war ebenfalls ein Heka gewesen, jedoch nur vom geringen vierten Rang. Sein Tod würde kein Interesse der königlichen Investigatoren auf sich ziehen. Es gab Gesetze und Strafverfolgung. Aber erst ab einem bestimmten Rang. Die Magieträger des vierten Ranges kümmerten kaum wen an Beonons Hof.

Dann kommt ganz viel Infodump. Ich gebe zu, mich hat das so wenig interessiert, dass ich es nur quer gelesen habe. Was davon brauche ich jetzt? Und wie kann es interessanter erzählt werden? Ich denke, du musst es auf deine Figur und deren konkrete Situation beziehen, damit es mich interessiert.


--- Zitat ---Lor ließ ihn ganz nah an sich heran kommen. Als er gerade eine Hand nach ihr ausstrecken wollte, schnellte sie in einer flüssigen Bewegung herum und ließ ihr rechtes Bein mit dem Schwung der Drehung in Richtung seines Kopfes schnellen. Er reagierte ebenso blitzschnell und packte ihren Fußknöchel. Eine dunkle Locke fiel ihm in sein hübsches Gesicht, bedeckte eine seiner kräftigen Augenbrauen. Ein triumphierendes Grinsen legte seine weißen Zähne frei.
--- Ende Zitat ---

Mir ist das alles zu schnell hier.  ;) Und ich wüsste gern, wieso der hübsch ist, am besten durch eine Beschreibung, bei der ich verstehe, dass sie ihn hübsch findet.


--- Zitat ---Sie nutzte den restlichen Schwung ihrer Drehung und zog ihn mit dem Bein, das er noch immer fest im Griff hatte, näher an sich heran. Im Bruchteil einer Sekunde hatte sie beide Beine um seinen Hals geschlungen und brachte ihn mit einer kraftvollen Drehung zu Boden.
--- Ende Zitat ---

Ich finde das unnötig kompliziert beschrieben. Und dann gehst du auch noch aus der Perspektive heraus und zeigst uns das Ganze von außen:


--- Zitat ---Sie wirbelte ihn so herum, dass er bäuchlings auf dem Boden lag und drückte ihm ein Knie in den Nacken. Sie hatte früh gelernt, die physikalischen Gesetze für sich zu nutzen. Nützlich war jedoch auch, dass sie für eine Frau ungewöhnlich stark war. Sie schob es auf ihren früh benötigten Überlebensinstinkt - und das viele harte Training. Zudem war sie größer als die meisten Frauen.
--- Ende Zitat ---

Das schafft Distanz. Ich würde an ihr, in ihrer Perspektive bleiben. Und uns zeigen, dass sie stark ist, statt es zu behaupten. Vielleicht kann sie es auch stolz behaupten, aber dazu muss ich erstmal verstehen, ob du personal erzählen magst oder nicht.

Bis jetzt frage ich mich auch, ob das ein ernsthafter Kampf ist, oder eine Neckerei. Für eine Neckerei scheint es mir sehr hart.


--- Zitat ---Er bemerkte ihren Blick auf seine Fingerknöchel. “Nur Personenschutz heute. Latife hat einen Ball gegeben, leider hat ein Feuer-Heka einem anderen Beschenkten den Arsch flambiert nachdem er seiner Ansicht nach mit seinem Begleiter geflirtet hatte. Das Ganze ist in einer winzigen Schlägerei gemündet”, er formte einen ebenso winzigen Raum zwischen Daumen und Zeigefinger,  eine Geste, die Lor unwillkürlich die Augen rollen ließ, “und der Ball wurde frühzeitig beendet.” Im Schein der Laternen glänzte sein dunkles Haar und seine kräftige Gestalt warf einen breiten Schatten. “Ich habe also Feierabend”, wieder dieses schiefe Grinsen.
--- Ende Zitat ---

Das musste ich mehrfach lesen, um es zu verstehen. Es fehlen Kommas und was er sagt, scheint mir sehr umständlich. Was ich mag ist den flambierten Arsch. Und jetzt ist klar, das soll geneckt sein.


--- Zitat ---Sie betrachtete ihn einen Moment. Er zeigte sich unbekümmert, aber eine Schlägerei zwischen zwei Heka zu beenden, konnte für einen Menschen wie ihn allzu schnell tödlich enden.
--- Ende Zitat ---

Wieso ist es wichtig, dass sie ihn betrachtet? Und dass er unbekümmert ist, hast du gezeigt. Ich denke es reicht, wenn das da dort steht:

Eine Schlägerei zwischen zwei Heka zu beenden, konnte für einen Menschen wie ihn schnell tödlich enden.

Wenn wir dann noch genauer wissen, was "Menschen wir ihn" meint, wird es richtig gut.


--- Zitat ---Wirklich wohl war ihr nur die Gesellschaft von Quix, ihrem geheimen Begleiter, ein ziemlich seltsam geratener, vorwitziger kleiner Flaschengeist.
--- Ende Zitat ---

korrekt wäre: "Wirklich wohl war ihr nur die Gesellschaft von Quix, ihrem geheimen Begleiter, einem ziemlich seltsam geratenen, vorwitzigen kleinen Flaschengeist." Aber hier sind es für meinen Geschmack ein paar zu viele Adjektive.

Insgesamt kannst du die letzten zwei Absätze meines Erachtens streichen. Zeig uns lieber szenisch, wer Envar ist, und den Satz, dass sie sich seit fünf Jahren kennen, kannst du dann irgendwo einfügen.

Kann man dem Lesefluss generell folgen? Ja
Entstehen die Szenen bildhaft? Jein. Siehe oben
Möchte man mehr über Lor und ihr Leben erfahren? Ja
Ich führe außerdem im zweiten Kapitel auch etwas die Welt ein und frage mich, ob da zu viele Infos auf einmal kommen? Ja, eindeutig. Ich brauche kaum etwas davon jetzt
Ein genereller Eindruck, ob euch die ersten Seiten zum weiterlesen motivieren würden, wäre natürlich auch interessant :) Tatsächlich wäre ich bei dem Infodump in Szene zwei ausgestiegen.

Ich finde Lor an sich eine interessante Figur. Besonders interessant wird sie für mich dadurch, dass sie es bedauert, einen Musiker zu töten. Da hätte ich gern noch ein bissel mehr Futter: Wieso hat sie diesen Job? Wie erledigt sie ihn? Was macht es mit ihr zu töten. So ein paar Dinge, die mich hooken.
Ansonsten fällt mir auf, dass in der Szene einige Figuren erwähnt werden, aber Lor ist die einzige nicht männliche Figur. Willst du das so?

Soweit erstmal und liebe Grüße
merin

merin:
So, nun habe ich mal gelesen, was die anderen schrieben. Wir scheinen uns recht einig zu sein. Über den "trainierten Körper" bin ich auch gestolpert. Das ist so ein ungenaues Adjektiv. Trainiert kann zäh sein oder muskulös, bullig oder sehnig. Da würde ich genauer hinschauen. Solche Adjektive hast du viele. Ich finde ja, besonders bei Adjektiven lohnt sich Genauigkeit.

Ich finde es gar nicht schlecht, wenn es in Romantasy mal weibliche Promiskuität gibt. Wie die gut einführt wird, ist eine andere Sache. Aber an sich finde ich das cool: schneller Sex versus große Liebe.

Und der Harvinist soll wohl ein Harvenist sein. Der auch zaubern kann und wenn sie ihn anpfeift, gibt sie ihm die Chance sich zaubernd zu wehren. So hab ich das verstanden. Und jetzt fällt mir auf, dass du hier leicht noch ein bissel Spannung reinbringen könntest, die gleichzeitig Weltenbau erklärt: Er kann zum Zaubern ansetzen. Und dann ist sie doch schneller.

Soweit mein Senf ... bin gespannt, was du damit anfangen kannst.

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