Hallo allerseits,
interessanter Thread! Ich mag das Konzept, Podcasts oder Bücher zusammenzufassen und mit anderen zu teilen. So kann man wesentliche Erkenntnisse oder Tipps erhalten, ohne gleich die ganze Folge / das ganze Buch gelesen zu haben.
Ich habe mal meine Notizen von "Bei Regen in einem Teich schwimmen" von George Saunders (in einem anderen Thread wurde es bereits erwähnt) hervorgeholt und teile einige Kernaussagen der ersten Hälfte des Buchs (die zweite habe ich noch nicht gelesen). Disclaimer: Ich habe das Buch vor mehr als einem Jahr gelesen, entsprechend alt sind meine Notizen. Ich gebe die Aussagen von Herrn Saunders auf Grundlage dieser Notizen wieder, es ist gut möglich, dass ich unabsichtlich einiges verkürzt oder anders darstelle.
- als Autorinnen und Autoren müssen wir unsere je eigene Stimme finden. Nachhaltig beeindruckt hat mich sein Vergleich dieser Stimme mit einem kleinen "Scheißehügel". Es ist vielleicht Scheiße, aber es ist unsere, und wir müssen zu ihm stehen und ihn wachsen lassen, indem wir uns um ihn kümmern. Wir müssen "im eigenen Modus arbeiten". An diesen Vergleich muss ich oft denken und ich finde, es liegt etwas Tröstliches in ihm
- eine Geschichte ist eine fortlaufende Kommunikation zwischen Leser*in und Autor*in
- bei jedem neuen Detail, Satz, Element ist zu fragen: ist das für meine Geschichte wirklich notwendig? Falls die Antwort nein ist: streichen
- in anderen Worten: eine Geschichte ist keine dokumentarische Auflistung, sie lässt weg, was für sie keine Bedeutung hat
- die Dinge müssen etwas bewirken, sonst bedeuten sie nichts. Die Elemente einer Geschichte sollen eine Fortentwicklung derselben sein
- man kann sich einige Muster zunutze machen, beispielsweise die Wiederholung. Die Wiederholung von Elementen schafft Erwartungen, mit denen man spielen kann, z.B. durch leichte Variation des Musters, durch eine kleine Steigerung bei jeder Wiederlung oder durch Enttäuschung und/oder (verzögerte) Erfüllung der Erwartung
- eine Erzählung ist ein kontinuierliches System einer Steigerung
- Saunders hat hier den Vergleich mit Autorennbahnen und Tankstellen. Die Autorennbahn ist der Lesefluss. Die Tankstellen sind Elemente im Text, die uns weiterlesen lassen. Das kann Witz sein, starke Sprache, Humor, Spannung etc.
- in einer Erzählung sollen Dinge nicht geschehen, sondern kausal aufeinander folgen. Kausalität herzustellen ist ein wichtiger Skille beim Schreiben. Erst durch die kausale Wirkung entsteht der Anschein von Bedeutung. Durch Kausalität wird Energie übertragen
Wenn ich das jetzt mit etwas Abstand lese, merke ich, dass es doch eher grundsätzliche Hinweise sind. Mir kam das damals fast wie ein Erleuchtungsmoment vor. Jetzt erscheint mir das meiste sonnenklar. Aber manchmal schadet es ja auch nicht, nochmal an die Basics erinnern zu werden

Und ich merke, dass vieles davon auch wirklich schwer umzusetzen ist, auch wenn es einfach klingt.
VG
Leonie