24 July 2026, 01:20:53

Autor Thema: Gonzos Seelenreise  (Gelesen 68 mal)

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The_Reptilian

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Gonzos Seelenreise
« am: 08 February 2025, 15:30:40 »
Hi,

ich dachte, ich melde mich wieder im Forum. Nun mit einer Geschichte über Goblins und Elfen. :hehe:

- Ich versuche, gezielt die Wandlung des Hauptcharakters zu zeigen, also dass er den Hass und die Intoleranz auf die Elfen, die ihm anfangs durch seine Lebensgeschichte widerfahren war hatte, im Laufe der Geschichte überwindet. Ist mir das gelungen?
- Ist euch der Hauptcharakter sympathisch?
- Hat der Text was mit LGBTQ* zu tun?
- Was fällt euch noch so auf?

Professor Gonzo Spejbl, der Goblin, trug einen weißen Kittel und er war fieberhaft über die vielen Notizen auf seinem Schreibtisch gebeugt, die im fahlen Glühbirnenlicht des Bunkers gerade noch entzifferbar waren. Seine grüne Haut war verblasst und die tief in den Höhlen liegenden Augen hatten dunkle Lider, die Wangen waren eingefallen und das lange, weiße Haar verstärkte den abgemagerten Eindruck noch. Der Raum wurde von einer fernen Explosion leicht zum beben gebracht, die Luft roch nach Schwefel, doch Gonzo machte unbeirrt weiter, er zündete sich sogar noch eine Pfeife an, die einen aromatischeren Duft verströmte.
Während er eine Notiz in seine Pranke nahm, um sie genauer im Licht zu betrachten, rollte von seiner linken Wange eine Träne. Er konnte während seiner Arbeit wieder mal seine Gefühle nicht unterdrücken. Er hatte im Krieg gegen die Elfen all seine Freunde verloren. Damit war er nicht alleine. Gonzo schielte nach links, zu den Wachen, die auf beiden Seiten der Tür Position bezogen hatten, um die Gefangene zu bewachen. Dann sah er nach rechts, zu seinem Assistenten Squig, der neben ihm an der Wand stand. Sie alle hatten Opfer zu beklagen. Sie gehörten den ca. zehntausend Goblins an, die im Hochgebirge ausharrten, wo sie dem Druck des Angreifers aus dem All standhielten. Was mit den Millionen Goblins passierte, die in den Tälern und der Hauptstadt Lenschingen des Planeten Gobol lebten, konnte man nur mutmaßen. Schon zu Beginn des Krieges wurden die Telegraphenleitungen gekappt. Es gab das Gerücht, das die arroganten Elfen die Goblins auslöschen wollen. Das war ihnen zuzutrauen. Was er tat, war nur richtig.
„Sind die Elektroden bereit?“, knarrte der Professor Squig an.
Der Angesprochene nickte und machte eine Handbewegung in den Raum. Gonzo drehte sich mit seinem Bürostuhl auf die andere Seite und blickte der gefesselten Elfe geradewegs in ihre blauen Augen und in ihr blasses Gesicht, auf deren Kopf die Elektroden befestigt waren. Gonzo war bislang immer ein objektives Wesen, ein Doktor der Neurologie, ein genügsamer Mediziner, aber wenn er ihr in die kalten Augen sah, war er verzweifelt.
Er kramte gedanklich in seinem Elfisch-Wortschatz. „Frau Elfe, ich kenne immer noch nicht Ihren Namen. Ich weiß aber, dass Sie mit Ihrem Flugobjekt eine Salve in einen Markt geschossen hatten, was zwanzig Opfer einbrachte. Können Sie mir endlich mal sagen, warum?"
Sie schwieg.
Er nahm einen tiefen Zug aus seiner Pfeife. "Fürst Obermeck könnte Sie verschonen."
Bei dem Wort "Fürst" verzog sie ihr Gesicht. Mochte sie Obermeck nicht? Gonzo überlegte: "Oder Fürst Ohnesorg?" Sie verzog schon wieder ihr Gesicht. Sonst schwieg sie.
Stand sie wirklich hinter ihren Kriegsverbrechen? Das wäre schade, weil sie sonst hübsch anzusehen war, mit ihren roten Zöpfen und der Wespentaille, welche von ihrer weißen Rüstung betont wurde.
Sie konnte nichts anderes als schweigen. Er war mit seinem Mitleid am Ende.

Sein Blick folgte den Kabeln an ihren Elektroden, die an der Decke aufgehangen waren und hinter ihrem blechernen Stuhl weiter in einem schrankgroßen Kasten führten. Durch das Fenster im Kasten schimmerte ein eiförmiger Kristall in Regenbogenfarben, der leicht durchlässig war. Daran angeschlossen war eine andere Elektronenhaube, die auf einem weiteren Stuhlblech ausgebreitet lag.
Squig räusperte sich: „Herr Professor, sind sie sich wirklich sicher, dass es funktioniert?“ 
Er blickte zu seinen Notizen zurück. „Theoretisch müsste es funktionieren. Praktische Erfahrung habe ich nicht, weil ich von den Elfen keine Antwort zur Funktionsweise bekommen hatte. Es ist nämlich ein Kristall, den ich aus einem ihrer Raumschiffwracks geborgen habe.“
„Dann hätten Sie vielleicht Elfisch sprechen müssen.“
„Ich hatte mir Elfisch selbst beigebracht, aber es half nichts. Ich musste dann über Umwege erfahren, für was dieser Stein gut war. Die Händler von den Menschen, die wussten Bescheid. Sie sagten mir, dass dieser Stein für die Schiffe der Elfen gedacht ist, um bei langen Weltraumreisen Abkürzungen über das sogenannte Immaterium zu nehmen. Das Immaterium aber ist nicht nur für Weltraumreisen gut..." Gonzo paffte an seiner Pfeife besonders oft, wonach viel Rauch verströmte. ".. Es ist das spirituelle Reich, wo sich die Seelen aufhalten, wo Himmel und Hölle existieren sollen. Jedes Wesen, das eine Seele hat, soll auch zu Lebzeiten mehr oder weniger bewusst mit dem Immaterium verbunden sein und dieser Stein stellt diese Verbindung zum Immaterium her.“
„Hm“, meinte Squig, „Da sind Sie ja Spezialist auf diesem Gebiet!“
„Genau!“ Der Professor setzte die andere Elektronenhaube auf und er brachte unter dem Kristallkasten eine brettartige Apparatur zum Vorschein, wo er Tasten drückte und an einem Knopf drehte. Er betrachtete die Ausschläge von Graphen mit pedantischer Genauigkeit: „Wenn ich also mit einem leichten Strom die Schwingungsfrequenz ihres Gehirns und meines Gehirns ermitteln kann und danach einen gesteuerten Impuls von 400 Volt losschicke, könnte meine Seele und somit auch mein Bewusstsein in ihren Kopf wandern. Ich nutze das Immaterium also als Seelenpfad.“
Squig war erschrocken und er ergriff das Wort: „Ich schätze eher, dass Sie und Ihre Probandin bei dieser Spannung geradewegs ins Totenreich wandern!“
Gonzo knallte mit der Faust auf den Tisch. „Es muss funktionieren! Ich muss in ihren Körper und ihn kontrollieren können. Ich werde euer bester Spion sein und hinter ihren Reihen die Artillerie sabotieren! Sogar die Kommandos mit den Hohlladungen werden ihr blaues Wunder erleben! Nur ich kann euer Leben retten!“
Squig zuckte zusammen. Bedrückendes Schweigen. War Gonzo sich wirklich der Risiken bewusst, oder ließ er sich, neben den Vorteilen als Spion, von seinen Rachegefühlen blenden? Er nahm einen tiefen Zug aus seiner Pfeife, weil er innerlich so aufgewühlt war. Er wusste, dass die Goblins von den anderen Wesen seit jeher als dumm und hässlich bezeichnet wurden, so dass er schon vor Jahren anfing, während der Besäufnisse am Stammtisch verrückte Gedanken zu hegen, wie, dass es doch schön wäre, kein Goblin mehr zu sein. Unter seinesgleichen konnte er sich so schön ausheulen und man war vereint. Nun waren die Goblins nahezu wehrlos gegen die Angreifer und er würde es mit Freude seinen Feinden heimzahlen. Er würde die Elfenfestung von innen öffnen, damit seine Kameraden für die Jahrzehnte an Vorurteilen Rache nehmen konnten. Wenn er unter den Elfen als Saboteur nicht auffliegen würde, könnte er in deren Gesellschaft uneingeschränkt die Technologie erforschen. Er würde das gewonnene Wissen heimlich seinem Kaiser zuspielen, damit sie daraus eine schlagkräftige Streitmacht aufbauen können. Der Sieg im Krieg gegen diese arroganten Elfen wäre möglich. Danach werde er wieder lachen und tanzen können und er würde ganz schnell neue Freunde finden. Es war ein Jammer, dass er sich nicht im Detail hatte auf die elfische Kultur vorbereiten können, weil sie so abweisend waren. Die Architektur sollte echt sehenswert sein. Es könnte ganz interessant werden, die Welt mit Augen zu sehen, in der er kein Goblin mehr wäre. Vielleicht könnte er sogar das ganze Leid, dass er als Goblin ertragen hatte, einfach vergessen. Auch eine versaute Eigenschaft musste er sich eingestehen: Er würde ungehindert die Frauenumkleide betreten können. Geil! Er kicherte bei dem Gedanken.

Es gab eine erschütternde Explosion, mit der sogar die Schreibtischlampe auf den Boden fiel. Das Licht flackerte. Jeder war in Panik, selbst die Soldaten, die sich sonst in militärischer Disziplin mühten. Gonzo schwante es: Der Feind kam immer näher – für Tests war keine Zeit mehr. Gonzo setzte sich in den Stuhl und deutete auf Squig.
„Da! Der Schalter an der Wand! Leg´ ihn um!“
„Aber Professor! Das ist Wahnsinn!“
„Ich habe nichts mehr zu verlieren, und denk´ an meine Worte: Ich werde euch retten, wenn ich in ihrem Körper bin.“
Obwohl noch nichts passiert war, fing die Frau an zu schreien.
Der Professor schrie dagegen an: „Squig! Jetzt mach´ schon!“
„Sie waren ein guter Ringkämpfer, Professor.“, und Squig legte den Schalter um.
Bumm! Ein heller Lichtbogen erschien vor seinen Augen, das wusste Gonzo noch, danach aber war alles dunkel. War der Strom ausgefallen, oder schlimmer … war er tot? So sehr er auch in die Finsternis starrte, er konnte nichts erkennen. Er drehte sich hin und her, überall war es gleich dunkel. Einen Körper aber schien er noch zu haben, weil er atmete. Der Schwefelgeruch … unverkennbar! Er war im Labor! Er hatte einen seltsamen, salzigen Geschmack im Mund, wie, als hätte er schon länger nicht mehr getrunken. Sein Herz pochte ihm bis zum Hals. Er konnte diese Stille nicht ertragen. Was war passiert? Er wollte den Namen seines Angestellten rufen, doch er bekam keinen Ton raus, so sehr er sich anstrengte.
Es gab einen Blitz. Dann krachte es derart laut, dass es in seinen Ohren wehtat und er spürte, wie er auf den Boden aufschlug. Etwas fiel auf ihn drauf und er stieß einen schrillen Schrei aus. Es war so schrecklich, das hatte er noch nie im Leben gehabt. Es war immer noch finster. Er wollte die Arme heben und im selben Moment merkte er Schmerzen. Es lag etwas auf seinem Körper. Die Füße und die Hüfte konnte er auch nicht bewegen. Was konnte denn so schwer sein? Eigentlich nur der Tisch. Atmen fiel ihm aber noch leicht, seltsamerweise.
Da! Aus einem hochkantigen Quader in der Finsternis flackerte Licht auf. Es war hinter der Türöffnung. Die Tür war offen. Stimmen ertönten. Er hoffte, wieder ausgegraben zu werden.
Jemand betrat den Raum und leuchtete ihm mit der Lampe ins Gesicht. Er blinzelte. Die Person schwenkte die Taschenlampe auf das eigene Gesicht um. Nein! Das konnte doch nicht wahr sein! Ein Elfengesicht! Es lächelte ihn an. Wie konnte sie sich befreien? Und wieso kam sie in das Zimmer rein, wenn sie doch selber drin war?
Sie kam ihn näher und küsste ihn auch noch.
Das kannst du dir sparen! Verdammt, alles war verloren! Hoffentlich bereitete sie ihm einen schnellen Tod.
„Komm, erschieß mich!“, schrie Gonzo auf Elfisch. Seine Stimme war nach dem Schrei immer noch recht hoch. Er wollte aufstehen, sogar den Schmerz ignorierte er, aber es brachte nichts. Der Tisch hob sich keinen Zentimeter. Die Elfe aber nahm ihm die Last weg. Sie war ganz schön stark.
Andere Elfen betraten den Raum mit ihren Taschenlampen und erleuchteten ihn. Moment mal, warum trug sie auf einmal offene Haare? Was war das für eine Farbe? Braun? Lila? Trügten ihm seine Sinne? Die Rüstung war auch noch in männlicher Form – das war gar nicht sie! Was war mit Squig und den Soldaten passiert? Er guckte auf sich runter, um etwas zu nehmen, was er als Waffe gebrauchen konnte. Dann war er von seinem eigenen Körper erschrocken – er war weiß, wie sein Kittel, aber die Form war eine ganz andere. Er fasste auf seine Brust, sie war hart, es war eine Rüstung und sie war weiblich. Das konnte alles nur ein Horrortrip sein!

Er war müde und blinzelte mit den Augen. War das alles nur ein Traum? Er nahm grünes Licht wahr, aber war unendlich erschöpft, weswegen er die Augen wieder schloss. Ein weicher Untergrund, es war ein warmes Bett, es war so gemütlich. Er kuschelte sich ein und könnte ewig drin schlafen. Es war so schön. Dazu kam dieser undefinierbare, aber angenehme Geruch. Er hatte keine Schmerzen mehr; ein Zeichen, dass es nur ein Traum war. Zum Glück! Er fühlte sich wie im Himmel, tiefenentspannt. Nach den vielen schlaflosen Nächten im Labor war es genau das, was er verdient hatte. In der Ferne hörte er das Rascheln der Bäume. Sie wogen ihn wieder in den Schlaf.
Als er wieder erwachte, sah er geradewegs in eine grüne Fläche. Was war passiert? Er fühlte am rechten Arm eine angenehme Berührung, wie, als würde ihn nach einer Sportverletzung seine Mutter dort anfassen und sagen, dass alles wieder gut sei. Es war ein Gefühl von Liebe und Geborgenheit, wie er es schon lange nicht mehr in seinem Leben hatte. Ihm rollten sogar ein paar Tränen über die Wange - aber vor Freude. Er wollte eigentlich wissen, was los war, aber er schloss die Augen wieder und ließ diese Berührung weiter zu. Ein wenig später war es so, als würden seine Lebenskräfte endlich wieder erweckt sein. Er konnte Bäume ausreißen.   
Er öffnete die Augen und schaute nach rechts, wo die grüne Fläche begrenzt war. Er stieß auf eine grüne, oder grün beleuchtete Wand. Sie machte aus der Decke einen Kreis … der ganze Raum war rund und das Grüne über ihm entpuppte sich als luminiszierende Kuppel aus einem Guss. Es war nicht dieses aufdringliche Grün, wie er es von einer Neonreklame kannte. Es war eigentlich ganz angenehm. Auch rechts vom ovalen Fenster, dem einzigen in diesem Raum, kam grünes Licht rein, oder, vielleicht waren die Vorhänge einfach nur grün.  Es wirkte schon sehr futuristisch. Er war unter eine Daunendecke gebettet. Moment, wo war er denn jetzt? Er war nicht zu Hause! Er richtete seinen Oberkörper auf. Auf der Bettkante saß der männliche Elf, der unter der Decke zart über seinem Arm streifte.
Gonzo erschrak. Er zog den Arm weg. Sein Kopf sagte ihm, dass er schreien sollte, aber sein Körper war so herrlich entspannt, dass es ihm schwer fiel, sich aufzuregen. Nun war sein Experiment also doch geglückt. Das war alles so aufregend! Er holte erst mal tief Luft und atmete laaaangsam aus. Er sah dem Elf ins Gesicht. Er hatte diesmal die langen Haare über dem Kopf mit einer dunklen Klammer zu einem Dutt fixiert. Er war ebenfalls entspannt und lächelte ihn sogar leicht an. Er trug ein dunkles Gewand in einer undefinierbaren, aber schönen Farbe. Seine kräftigen Oberarme ließen ihn nicht wie einen typischen Bodybuilder erscheinen, sondern eher wie jemand, der seine Muskeln ästhetisch ansprechend trainiert hatte, wie man es von Yoga-Lehrern kannte. Sein Aussehen gefiel Gonzo komischerweise und er wollte sogar weiter gestreichelt werden. Er legte sich ins Bett zurück und machte eine Bewegung, die den Elf dazu aufforderte. Es war so geil! Das Labor und die Bergfestung waren nun weit, weit weg, da war sich Gonzo sicher; aber wie mochte es seinem Assistenten und den übrigen Goblins ergehen? Eine Unruhe hatte ihn beschlichen - waren sie alle tot? 
"Magst du Tee?", fragte der Elf in einer warmen Stimme.
Gonzo nickte und der Langhaarige verließ den Raum über eine Tür in einer runden Öffnung rechts weiter hinten. Der Professor setzte sich wieder auf ... war hier irgendwo eine Zeitung? An der Wand gegenüber hing ein ca. 2 Meter langes und ein Meter hohes schwarzes Rechteck ... war es dieses Gerät, mit dem die Elfen bewegte Bilder aus anderen Welten empfangen konnten? Er rieb seine Hände. Er sah so etwas nun zum ersten Mal mit eigenen Augen, aber wie schaltete man dieses Ding ein? Der Elf kam mit einer Tasse Tee zurück, sah ihn an und aktivierte mit einem Fingerzeig das Gerät. Was Gonzo sah, war derart überwältigend, dass es ihm die Sprache verschlug: Es gab eine Art Fenster, das nach Gobol aufging. Er erkannte den Markt mit den typischen Fachwerkhäusern von Lenschingen wieder. Doch die Kamera zoomte weiter auf den Platz. Warum war er voll mit fröhlichen Goblins? Da sollten doch Leichen liegen! 
"Der Kaiser hat sich abgesetzt", kommentierte der Elf das Geschehen. "Jetzt haben sie auf Gobol endlich Demokratie!"
Gonzo bekam einen Schock. Konnte das wahr sein? Demokratie? Keine Auslöschung des Goblin-Volks? Also waren die Elfen nicht so übel, wie er anfangs dachte. Sie waren sogar ganz angenehm, zumindest, was er von seinem Freund wahrnahm.


…. Der Rest ist eine Fortsetzung, wer sie lesen will …


"Die Vereidigung des provisorischen Bundeskanzlers von Gobol steht unmittelbar bevor", sprach eine Stimme aus dem Rechteck ".... der Rote Teppich ist bereits ausgerollt, die Soldaten bereit zum salutieren."
Die Kamera zeigte die verschlossene Tür des obersten Stadthauses. "Hier wird er gleich erscheinen."
Die Türflügel öffneten sich unter dem tosenden Beifall der Menge und der Blick wurde auf eine gedrungene Gestalt im schwarzen Anzug freigegeben. Sie trug ein großes Pflaster auf den Kopf und humpelte an einem Stock, doch Gonzo war sofort klar, wer das war.
"Squig!", schrie er begeistert, winkte und er streckte die blassen Arme zum Bildschirm aus. "Mein treuer, fleißiger Squig! Ich bin so froh, dass du lebst!"
Ihm kamen die Tränen. Er formte seine Hände vorm Mund zu einem Trichter: "Hey! Hallo! Hier ist ..." Gonzo stockte, weil sich der Elf vors Bild stellte. Die Augen des Langhaarigen waren weit aufgerissen. Offenbar war er entsetzt. Er war sogar kurz davor, die Tasse fallen zu lassen, wenn er sie selber nicht aufgefangen hätte.
"Was hast du da gesagt?", fragte der Elf in einem aggressiven Unterton. "Sprichst du etwa dieses Kauderwelsch der Goblins?"
Gonzo schlug nervös seine Beine zusammen und befingerte mit der rechten Hand den roten Zopf, der von seinem Kopf über der rechten Schulter hing. "Ähm, äh ..."
"Was geht hier vor?"
Jetzt musste ihm aber was einfallen. "Squig ... äh .. .die Goblins .... die waren ganz nett zu mir. Sie brachten mir Wörter in meiner … ihrer Sprache bei. Ich habe mich einfach für mein V ... äh ... für die Goblins gefreut dass .... äh .... sie jetzt eine ... äh ... Demokratie haben! Ich machte einen Freudenschrei in … ihrer Sprache, um mit ihnen ... mitzufühlen!"
Der Elf wischte mit seinem Unterarm über die Stirn und stieß die Luft aus. "Und ich dachte schon, dass sie dir mit gruseligen Apparaturen eine Gehirnwäsche verpasst haben. Ich war gerade kurz davor, dich zum Hohepriester zu bringen!"
Oje. Hohepriester. Das hörte sich nicht gut an. Nicht, dass er irgendwo mit dem Immaterium verbunden war und Gonzos Seele erkennen könnte. Aber womöglich war Gonzo um Haaresbreite an seinem Verhängnis vorbeigeschlittert. Der Elf kommentierte noch: „Denk, bloß nicht, dass die Goblins nur gut sind. Die Experimente, die sie dort im Namen der Wissenschaft durchgeführt hatten, sind ein Verbrechen an die zivilisierte Welt. Keiner dieser Wissenschaftler soll mit dem Leben davon kommen“, dann sah er auf seine Hand herunter, die offenbar durch den Tee nass geworden war und er drehte sich um, verließ nochmal den Raum.
Gonzo merkte, wie sein Herz raste und er legte die Hand auf seine Brust, um sich zu beruhigen. Wegen der ungewohnten Wölbung auf der Brust aber beruhigte er sich nicht wirklich. Er wollte aus dem Fenster gucken ... war er überhaupt angezogen? Ja, in einem grünen Seiden-Nachthemd. Er stand auf und nahm die Gardinen beiseite, doch dann traf ihn ein neuer Schock: Die gesamte Atmosphäre war grün, nur die Blätter der Bäume besaßen eine Farbe, was er als Blau identifizieren würde; aber was ihn wirklich beruhigte, war ihr Rascheln, das durch einen Spalt zu hören war. Er genoss es eine Weile, doch die Unruhe kehrte zurück.
Konnte dieser Elf nur ansatzweise erahnen, was Gonzo sich als Goblin gefallen hat lassen müssen, was ihn so machte, wie er war? Sicher nicht. Aber dieses alte Leid wollte Gonzo nun vergessen. Der Elf stellte sich neben ihm und streichelte seinen Rücken, gab ihm einen Kuss auf die Wange und sagte: „Tut mir Leid, Schatz.“
Die rechte Hand des Professors griff neben das Fenster zum Nachttisch, als ob er irgendwas wollte ... er suchte seine Pfeife, aber das ging jetzt nicht mehr. Er legte den Zopf in seinen Mund und nahm einen tiefen Atemzug, um wenigstens so zu tun, als ob die Pfeife noch da wäre. Sie fehlte ihm, aber er war froh, dass die Goblins nicht ausgerottet wurden und sogar sein Assistent, den er jetzt auf einmal so unglaublich lieb gewonnen hatte, Bundeskanzler seines Planeten geworden war. Bei nächster Gelegenheit würde er Squig gerne in Lenschingen besuchen und sich heimlich zu erkennen geben.
« Letzte Änderung: 08 February 2025, 16:25:45 von The_Reptilian »

Viskey

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Re: Gonzos Seelenreise
« Antwort #1 am: 19 February 2025, 12:59:58 »
Hi, Reptilian,

für welche Zielgruppe ist der Text gedacht?
"There is no such thing as bad work, just unfinished work." - Eric Idle

The_Reptilian

  • Gast
Re: Gonzos Seelenreise
« Antwort #2 am: 19 February 2025, 13:06:05 »
Zielgruppe? Ich würde sagen, dass dieser Text ein ziemliches LGBTQ* - Ding ist.

Haru

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Re: Gonzos Seelenreise
« Antwort #3 am: 20 February 2025, 17:58:13 »
Die Grundidee mit der Seelenübertragung finde ich super. Auch dass Gonzo sich im Laufe der Story verändert, ist eine starke Idee. Die düstere Atmosphäre am Anfang ist gut eingefangen, man merkt direkt, dass es in einer Kriegssituation spielt. Der Moment, in dem Gonzo die Elfe verhört, hat Spannung, weil man nicht weiß, wie weit er gehen wird.

Aber ehrlich gesagt, du haust einen mit so vielen Infos zu Welt, Krieg, Goblins, Elfen und Politik zu, dass man gar nicht mehr weiß, worauf man sich konzentrieren soll. Da wäre weniger mehr. Die erste Szene hat eine gute Atmosphäre, aber du schreibst zu detailliert. Beispiel:

„Seine grüne Haut war verblasst und die tief in den Höhlen liegenden Augen hatten dunkle Lider, die Wangen waren eingefallen und das lange, weiße Haar verstärkte den abgemagerten Eindruck noch.“

Drei Beschreibungen hätten gereicht, anstatt die ganze Checkliste „Wie sehe ich aus, wenn ich halb verhungert bin“ abzuarbeiten. So zieht sich das unnötig in die Länge.

Dann dieser ganze Infodump über den Krieg und die Goblin-Bevölkerung:

„Sie gehörten den ca. zehntausend Goblins an, die im Hochgebirge ausharrten, wo sie dem Druck des Angreifers aus dem All standhielten. Was mit den Millionen Goblins passierte, die in den Tälern und der Hauptstadt Lenschingen des Planeten Gobol lebten, konnte man nur mutmaßen.“

Hier wäre mein Vorschlag: die Infos lieber beiläufig einzusträuen, statt sie in so einen dicken Brocken zu packen. Du hast ein Händchen für Weltenbau, aber der muss organischer in die Story eingebettet werden.

Gonzos Motiv ist auch nicht ganz klar. Mal will er Rache, dann geht’s um Spionage, dann hat er anscheinend ein Identitätsproblem und will kein Goblin mehr sein. Das ist an sich spannend, aber es wird nicht konsequent durchgezogen, sondern einfach alles reingeworfen. Da fehlt der Fokus.

Die Szene, in der er realisiert, dass er in einem Elfenkörper steckt, könnte richtig stark sein, aber sie zieht sich. Viel Beschreibung, viel Verwirrung – das könnte man knackiger machen. Und dann dieser plötzliche Moment:

„Sein Aussehen gefiel Gonzo komischerweise und er wollte sogar weiter gestreichelt werden. Es war so geil!“

Ähm, okay? Das kommt irgendwie aus dem Nichts. Wenn du LGBTQ*-Themen reinbringen willst, dann war mir persönlich das jetzt etwas zu plump. Es wäre viel interessanter, wenn Gonzo sich langsam damit auseinandersetzen muss, statt dass er sich einfach in fünf Sekunden denkt: „Oh, eigentlich ist das ja voll geil.“

Das Ende mit der Demokratie und Squig als Kanzler ist auch so ein Ding. Es passiert einfach zu schnell. Erst großes Drama, Krieg, Seelenwanderung – und dann auf einmal „Huch, die Goblins haben jetzt Demokratie!“. Das fühlt sich nicht verdient an, weil vorher nicht wirklich darauf hingearbeitet wurde.

Aber trotzdem: Die Idee ist originell, die Welt ist interessant, und es gibt ein paar spannende Szenen. Vor allem die Idee mit der Seelenwanderung fand ich klasse.

The_Reptilian

  • Gast
Re: Gonzos Seelenreise
« Antwort #4 am: 21 February 2025, 14:26:52 »
Danke für die Röstung.

Gonzos Motiv ist auch nicht ganz klar. Mal will er Rache, dann geht’s um Spionage, dann hat er anscheinend ein Identitätsproblem und will kein Goblin mehr sein. Das ist an sich spannend, aber es wird nicht konsequent durchgezogen, sondern einfach alles reingeworfen. Da fehlt der Fokus.
Gonzo will als Elfe ja nur sabotieren. Vielleicht ist Spionage zu hoch gegriffen. Dann denkt er für die Zeit nach dem Krieg nach, wo er als Frau bessere Berufschancen hat. Ich hoffe, nun eine nachvollziehbare Gedankenkette gebildet zu haben.

Hier die umgeschriebene Stelle:
Gonzo knallte mit der Faust auf den Tisch. «Es muss funktionieren! Ich muss in ihren Körper und ihn kontrollieren können. Ich werde hinter den Reihen der Elfen die Artillerie sabotieren! Nur ich kann euch retten! »
Squig zuckte zusammen. Bedrückendes Schweigen. Wollte Gonzo zur Not wirklich sein Leben opfern, nur, um Sabotage durchzuführen? Er wollte mehr. Er nahm einen tiefen Zug aus seiner Pfeife, weil er innerlich so aufgewühlt war. Er wusste, dass die Goblins von den Elfen seit jeher als dumm und hässlich bezeichnet wurden. Sie wurden kleingehalten, um sie als Sklaven in den Minen ausbeuten zu können. Nach den Sabotageaktionen würde hoffentlich der Krieg zu Gunsten der Goblins ausgehen und sie werden als gleichberechtigte Partner akzeptiert, mit Arbeitnehmerrechten. Bestenfalls fände ein kultureller Austausch statt. Technologie und Architektur der Elfen sollten echt sehenswert sein. Bessere Berufschancen hätte er auch – in der Elfenwelt, als Frau. Wie mochte überhaupt eine Welt aussehen, in der er kein Goblin mehr wäre? Vielleicht könnte er das ganze Leid, dass er als Goblin ertragen hatte, einfach vergessen … er betrachtete ihre schlanken Hüften, ihre zarten Hände. Eine schöne Frau vernebelt den Männern den Verstand, schwärmte er, Allein der Gedanke daran, sie zu sein, war so geil. Er kicherte und rieb seine Hände. Es mochte derart unheimlich gewesen sein, dass Squig erneut zusammen zuckte.
«Was passiert eigentlich mit der Seele der Frau? », fragte Squig.
«Die Seele…», Gonzo grübelte. «Die Seele wird entweder sterben, oder mit mir verschmelzen…»

 

Die Szene, in der er realisiert, dass er in einem Elfenkörper steckt, könnte richtig stark sein, aber sie zieht sich. Viel Beschreibung, viel Verwirrung – das könnte man knackiger machen.
Da habe ich auch einige Sätze gestrichen und hinzugefügt. Ich warte noch hier auf ein paar Antworten ab, dann werde ich diese Geschichte überarbeitet in einem neuen Thema rein stellen.


Und dann dieser plötzliche Moment:

„Sein Aussehen gefiel Gonzo komischerweise und er wollte sogar weiter gestreichelt werden. Es war so geil!“

Ähm, okay? Das kommt irgendwie aus dem Nichts. Wenn du LGBTQ*-Themen reinbringen willst, dann war mir persönlich das jetzt etwas zu plump. Es wäre viel interessanter, wenn Gonzo sich langsam damit auseinandersetzen muss, statt dass er sich einfach in fünf Sekunden denkt: „Oh, eigentlich ist das ja voll geil.“
Ich habe über diese Stelle viel nachgedacht. Diese Stelle, wo Gonzo den Elfen mag, habe ich raus genommen. Ich habe den Fokus jetzt mehr auf Gonzos Innenleben gelenkt, wo er sich mit seiner neuen Identität als Frau auseinandersetzt, also dass er plötzlich einen Busen hat, und so.


Das Ende mit der Demokratie und Squig als Kanzler ist auch so ein Ding. Es passiert einfach zu schnell. Erst großes Drama, Krieg, Seelenwanderung – und dann auf einmal „Huch, die Goblins haben jetzt Demokratie!“. Das fühlt sich nicht verdient an, weil vorher nicht wirklich darauf hingearbeitet wurde.
Ich habe die Nachrichten geändert. Gonzo sieht nun im Körper der Elfe, dass die Bergfestung gefallen ist und die Kapitulation der Goblins unmittelbar bevor steht. Auf einer anschließenden Konferenz sollen ungleiche Verträge zu Lasten der Goblins ausgehandelt werden. Gonzo aber kann die Konferenz verhindern, womit Gonzo eine Etappe bestanden hat, um Gobol zu retten. Dann soll es auch schon zu Ende sein.
« Letzte Änderung: 21 February 2025, 15:42:15 von The_Reptilian »

Haru

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Re: Gonzos Seelenreise
« Antwort #5 am: 21 February 2025, 18:25:05 »
Danke für deine ausführliche Antwort.

Man merkt, dass du dir echt Gedanken gemacht hast. Die Änderungen klingen auf jeden Fall sinnvoll – vor allem, dass Gonzos Motivation jetzt klarer wird und die Identitätsfrage mehr Raum bekommt.

Auch das überarbeitete Ende mit der Konferenz macht es runder finde ich. Bin gespannt, wie sich das in der überarbeiteten Fassung liest.

merin

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Re: Gonzos Seelenreise
« Antwort #6 am: 22 February 2025, 16:00:43 »
Da es einen neuen Thread dazu gibt, schließe ich hier.

 :closed:
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Leser*innenmeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht und was ich gern anders hätte.