Auf anraten der Röstung von Mimesis habe ich vieles umformuliert und nach besten Ermessen verbessert. Ich hoffe, ich habe die Röstung auch richtig verstanden und mein Text ist ohne Brüche flüssig lesbar geworden.
Ich habe mich für den erzählerischen Stil entscheiden und bemüht, die auktoriale Erzählperspektive auszumerzen.
Gonzos innerer Konflikt:
Gonzo will den Schrecken des Krieges entkommen und findet sich in einer ausgemachten Identitätskrise wieder, indem er Vorstellungen hat, in den Körper anderer Personen zu flüchten, denen es besser geht als die Goblins. Besonders im Frauenkörper fühlt er sich plötzlich zu Personen hingezogen, mit denen er als Mann gar nichts hatte anfangen können und weil dieses Gefühl so schön ist, erliegt er auch diesem.
Wirkt die Hauptfigur nun sympathisch und authentisch?

Ist der Text flüssig zu lesen und wird man in die Geschichte rein gesogen?

Werden Gonzos Gefühle gut geschildert?

Ich hoffe, dass der Text nicht zu lang ist.
Professor Gonzo Spejbl, der Goblin, wischte sich einen Krümel von seinem weißen Kittel, als er sich über die vielen Notizen auf seinem Schreibtisch beugte, die im fahlen Glühbirnenlicht der Stollenanlage gerade noch entzifferbar waren. Er hatte Schwierigkeiten, sich auf das Geschriebene zu konzentrieren und lenkte sich ab, indem er das schöne Reflektions-Lichtspiel der Schreibtischlampe betrachtete. Seine Haut war noch blasser als sonst . . . es war kaum noch zu sehen, dass sie mal grün war. Das zog ihn innerlich runter.
Die Militärangehörigen, die auf beiden Seiten der Tür Position bezogen hatten, um die Gefangene zu bewachen, aber auch sein krummbuckliger Assistent Squig, hatten nach drei Monaten ohne Sonnenlicht ebenfalls an Vitalität eingebüßt. Die Augen hatten dunkle Lider, Gonzos weiße Haarsträhnen verdeckten halb die eingefallenen Wangen. Sein Schreibtisch war gesäumt mit Konservendosen. Wie trostlos das alles aussah. Er blickte zur Notiz zurück, die er in seiner Pranke hielt, konnte aber die Träne nicht unterdrücken, die über seine rechte Wange rollte. Er hatte im Krieg gegen die Elfen all seine Liebsten verloren. Die anderen Goblins waren ebenfalls betroffen und alle waren vereint, um diesen Krieg mit der neuen Wunderwaffe zu gewinnen. Er atmete tief ein und aus, um sich zu beruhigen. In der Ruhe lag die Kraft. Es brachte nichts, sich aufzuregen, weil sowieso alles gefühlt am zusammenbrechen war. Der Staat, die Gesellschaft, die Familie, die eigene Identität. Der Raum wurde von der feindlichen Artillerie zum Beben gebracht, in der Luft hing ein fauliger Gestank, doch Gonzo überdeckte ihn mit seiner Pfeife, die Lavendelduft verströmte.
»Sind die Elektroden bereit?«, zischte der Professor Squig an.
Der Angesprochene nickte und machte eine Handbewegung in den Raum. Gonzo drehte sich mit dem Bürostuhl auf die andere Seite und blickte der gefesselten Elfe geradewegs in ihr blasses Gesicht, auf deren Kopf die Elektroden befestigt waren. Gonzo war bislang immer ein objektives Wesen, ein Doktor der Neurologie, aber wenn er ihr in die blauen Augen sah, hatte er Mühe, seine Wut zusammenzuhalten. Der Mediziner kramte gedanklich in seinem Elfisch-Wortschatz und mühte sich, seine Stimme ruhig zu halten. »Botschafterin Baeramaela Sect. Ich weiß, dass Sie und die Elfen diesen Krieg vom Zaum gebrochen hatten, nachdem Sie mit Ihrem Kampfroboter auf die Demonstration in der Stadt Lenschingen feuerten. Sie haben fünfzehn Goblins damit umgebracht! Warum taten Sie das?«
Die junge Elfe sah Gonzo an. »Na, warum wohl? Ihr habt uns belästigt!«
»Lügt sie Ihnen wieder etwas vor?«, fragte Squig den Professor. Dieser winkte ab.
Die Gefesselte drehte sich umher. »Was labert er?«
Der Professor übersetzte. »Er fragt, ob Sie lügen, Frau Elfe.«
»Elfen lügen nie!«
»Das macht die Sache nicht besser!«, wetterte der Professor. »Wir demonstrierten gegen die Schließung der Fabriken durch Ihre Spezies, obwohl sie noch rentabel waren. Auf einen anderen Planeten werden wir auch nicht umsiedeln. Wir lassen uns nicht umher schupsen! Werdet vernünftig, oder bereut es!«
Sie schielte in den Raum: »Lassen Sie lieber Ihre Finger vom Kristall! Damit könnt ihr alles in die Luft jagen!«
Gonzo zog an seiner Pfeife. »Mit diesem Kristall konnten wir Ihren Schutzschild neutralisieren, um Sie gefangen zu nehmen.«
Sie kicherte. »Ihr habt euch mehr selbst geschadet dabei! Mein Freund aber wird mich mit Leichtigkeit hier raus holen.«
»Sehr unwahrscheinlich!«, antwortete Gonzo. »Die dreihundert Meter dicke Granitschicht über uns ist ein nennenswerter Widerstand!«
»Ihr habt keine Ahnung, wer wir sind!«
Er kannte die Elfen wirklich zu wenig und er fragte sie einfach: »Ja, wie würde denn Ihr Freund Sie hier befreien?«
»Ha! Das wüsstest du wohl gerne, du dummer Goblin!«
»Das war leider zu erwarten.« Gonzo stieß die Luft aus. Er ging die Notizen durch, obwohl er sich gar nicht mehr konzentrieren konnte. Squig räusperte sich: »Herr Professor, sind Sie sich wirklich sicher, dass es funktioniert?«
Gonzos Blick folgte den Kabeln an ihren Elektroden, die an der Decke aufgehängt waren und hinter ihrem Stuhlblech weiter in einem schrankgroßen Kasten führten. Durch das Fenster im Kasten schimmerte ein faustgroßer Kristall in Regenbogenfarben. Daran angeschlossen war eine andere Elektronenhaube, die auf einem weiteren Stuhl ausgebreitet lag.
Er blickte auf seine Notizen zurück. »Gehen wir das alles noch einmal durch. Also, mit diesem Kristall vollführen die Elfen bei langen Weltraumreisen Abkürzungen durchs Immaterium, aber über alle weiteren Fähigkeiten waren sie gar nicht auskunftswillig ...« Dann geriet Gonzo ins Stocken.
Squig klinkte sich ein. »Wir wissen trotzdem, dass das Immaterium auch das spirituelle Reich ist, wo Himmel und Hölle existieren!«
Gonzo nickte und paffte an seiner Pfeife besonders oft, wonach er viel Rauch verströmte.
»... Richtig. Die Menschen des Adeptus Mechanicus haben es uns erzählt. Das Immaterium ist der Ort, wo sich die Seelen aufhalten. Jedes Wesen, das eine Seele hat, soll auch zu Lebzeiten damit verbunden sein.«
»Hm«, meinte Squig, »Da sind Sie ja Spezialist auf diesem Gebiet!«
»Genau!« Der Professor setzte die andere Elektronenhaube auf und drehte am Kristallkasten auf einer Apparatur an einem Knopf. Er betrachtete die Ausschläge von Graphen mit Genauigkeit. »Wenn ich also mit einem leichten Strom die Schwingungsfrequenz ihres Gehirns und meines Gehirns ermitteln kann und danach einen gesteuerten Impuls von 400 Volt schicke, könnte meine Seele, und somit auch mein Bewusstsein, in ihren Kopf wandern. Ich nutze das Immaterium also als Seelenpfad.«
Squig zog die Augenbrauen hoch und er ergriff das Wort: »Wollen Sie immer noch in den Körper dieser Frau steigen?«
Gonzo nickte.
»Herr Professor, mit Verlaub, aber mit 400 Volt werden Sie und Ihre Probandin geradewegs ins Totenreich wandern! Sie sagten erst 100 Volt und das ist schon viel.«
Gonzo nahm einen tiefen Zug aus seiner Pfeife, weil er innerlich so aufgewühlt war. »Es muss funktionieren. In ihrem Körper werde ich versuchen, die ganzen Elf-Subjekte am Betreten dieses Raumes zu hindern. Danach werde ich ein Ende von diesem Krieg aushandeln und die Goblins in die Unabhängigkeit führen!«
»Na, da wünsche ich Ihnen aber viel Glück!«
Das konnte er gut gebrauchen. Falls er seine Mission abschließen sollte, könnte er es sich sogar vorstellen, weiterhin in diesen Frauenkörper zu leben, was etwas Magisches wäre. Sie war so hübsch anzusehen mit ihren roten Zöpfen und der Wespentaille, die von ihrer weißen Rüstung betont wurde. Dann noch ihre zarten Hände. Seine Gefühle gingen ganz durcheinander.
Er lief mit wackelndem Po durch das Labor. »Bewege ich mich wie eine Frau?«
Squig nickte. Gonzo kicherte.
»Was passiert eigentlich mit der Seele der Frau?«
»Die Seele … «, grübelte Gonzo. »Die Seele wird entweder terminiert, oder eine Inklusion mit mir eingehen … «
Weiter kam er nicht, weil es eine erschütternde Explosion gab. Sogar die Schreibtischlampe fiel auf den Boden. Das Licht flackerte. Jeder war in Panik, selbst die Militärangehörigen, die sich sonst um militärische Disziplin bemühten. Gonzo schwante es: Die Feinde kamem immer näher – für Tests war keine Zeit mehr. Gonzo setzte sich in den Stuhl und deutete auf Squig.
»Da! Der Schalter an der Wand! Leg´ ihn um!«
Obwohl noch nichts passiert war, fing die Frau an zu schreien.
Der Professor schrie dagegen an: »Squig! Jetzt mach´ schon!«
»Sie sind ein guter Kampfkünstler, Professor», sagte Squig und legte den Schalter um.
Ein heller Lichtbogen erschien vor seinen Augen, das wusste Gonzo noch, danach aber war alles dunkel. War er tot? Es war, als würde er durch die Dunkelheit fliegen. Wie war das möglich? Einzelne Blitze schossen auf. Dann erleuchtete die Glühbirne wieder. Grot sei Dank, er hatte überlebt. Nanu? Gonzo sah den Raum plötzlich aus einer anderen Perspektive, obwohl er sich nicht bewegt hatte. Sein Blick war auch so klar und wenn er sich nicht irrte, wirkte das Holz des Tisches lebendiger und intensiver. Es war schwer zu beschreiben. Was war passiert? Er wollte aufstehen, doch es ging nicht. Er wälzte sich hin und her. Squig kam und sah ihm ins Gesicht. »Jetzt müssen Sie noch beweisen, dass Sie der Professor sind!«
»Oh, diese Frage. Das bedeutet…. das Experiment hat funktioniert!«
Der Professor war freudig erregt. Woher kam diese Erregung? War es die Gewissheit, nun eine Elfe zu sein? Er konnte sich dennoch gut konzentrieren und einen Trick anwenden, um die Fessel zu lösen.
»Dieser Trick ist nur dem Professor bekannt«, kommentierte es Gonzo. Er stand auf, aber dieses Gefühl, keinen Penis mehr zu haben, übermannte ihn fast und er fiel in den Stuhl zurück. Sein Herz raste und er musste tief ein- und ausatmen, um sich zu beruhigen. Dann aber nahm er ein Gefühl wahr, dass er als schön interpretieren würde. Der ganze Körper war anders als alles, was er bislang kannte – in etwa wie als wäre er ein Flummi. Ein leichter Sprung und er war einen Meter in der Luft. Erstaunlich. Nun konnte er seinen Feinden in den Arsch treten!
Anschließend krachte es derart laut, dass es in Gonzos Ohren wehtat. Etwas drückte ihn zu Boden. Das Licht erlosch. Er hatte Schmerzen. Was war denn jetzt schon wieder passiert? Eine Explosion?
Da! Aus der Finsternis flackerte Licht auf. Es musste aus der Türöffnung kommen. Stimmen ertönten. Jemand betrat den Raum und leuchtete ihm mit der Taschenlampe ins Gesicht. Er blinzelte. Die Person beugte sich zu ihm runter und schwenkte die Leuchtquelle auf das eigene Antlitz um. Nein! Das konnte doch nicht wahr sein! Ein Elf! Er hatte lange, dunkle Haare und eine hellgraue Rüstung an.
Dann hörte Gonzo seine eigene Stimme hinter sich rufen. »Eledoan, mein geiler Retter!«
Was? Wer?
Der Elf schoss auf den Rufer und es war zu hören, wie etwas Großes auf den Boden fiel. Dann nahm der Elf Gonzo über die Schulter. Gonzo schlug mit dem Kopf gegen die Seelentauschmaschine, es schwirrte ihm vor Augen und es wurde um ihn dunkel.
Zwischen seinen schweren Lidern nahm er grünes Licht wahr, bevor die Augen wieder zu fielen. Er fühlte ein warmes Bett. Nach den schlaflosen Nächten im Labor war es genau das, was er verdient hatte. Er könnte ewig drinnen schlummern. Dazu kam dieser undefinierbare, aber angenehme Duft. Wo war er? Er schaute auf eine kreisrunde Zimmerdecke, die grünes Licht emittierte … der ganze Raum war rund und in dieses angenehme Grün getaucht. Das Material hatte einen leichten Silberschimmer. So eine schöne Architektur hatte er noch nie gesehen. Er richtete seinen Oberkörper auf und fasste sich an seine Brust. Ooo … oha, er hatte nicht geträumt. Wahnsinn! Er fand sich in einem Spitzen-Nachthemd wieder. Die Hände waren auch so schön zart. Eine seltsame Erregung hatte ihn beschlichen. Was war das für ein Gefühl? War es positiv? Irgendwie schon. War das weibliche Sexualität? Er atmete tief ein und aus, um sich zu beruhigen.
»Ich muss mich jetzt zusammenreißen«, dachte er sich. Er hatte eine Mission zu erfüllen, aber es war schon was Besonderes, nun eine Frau zu sein.
Der männliche Elf kam in den Raum, Eledoan hieß er, glaubte Gonzo. Auf den ersten Blick sah er attraktiv aus. Wieso? Das war doch der Feind! Er konnte sich aber nicht gegen dieses Gefühls erwehren.
»Meine Kriegerin des Lichts, hast du gut geschlafen?«, kam von den blassen Lippen des Elferichs.
Kriegerin des Lichts? Diese Mörderin? Igitt! Was er da sagte, war die totale Lustbremse. Konnte er zu irgendetwas nützlich sein?
»Kannst du mir bitte den aktuellen Stand des Kriegsverlaufs nennen?«
Der Elf zuckte zusammen. Diese Frage schien er so mal gar nicht erwartet zu haben. »Äh? …«, er knibbelte mit dem Zeigefinger vor dem Mund herum. »Wir ... Wir haben sie kalt gemacht.«
»Kalt gemacht?« Gonzo war schockiert. »Ist Lenschingen gefallen? Hat Gobol kapituliert?« Er hielt sich die Hände auf die Brust. »Sind die Goblins ausgerottet worden?«
»Dein Charakter hat sich völlig verändert!«, zischte Eledoan. »Dieser Professor hat dir bestimmt eine Gehirnwäsche verpasst!«
»Hat er nicht«, säuselte der Professor. »Ich wurde als Gefangene geschätzt und beachtet. Ich habe meine Meinung über die Goblins geändert.«
Eledoan aber machte einen Schritt zurück. Hatte er keine Empathie, oder, hatten seine Artgenossen ihn zu sehr indoktriniert? Oder, merkte er gar instinktiv, dass Gonzo log? Er konnte aus diesem Elfen keine weiteren Informationen gewinnen. Trotz seiner Befürchtung, dass die Goblins nicht mehr existieren, sollte Eledoan für fünf Stunden nur betäubt werden. Gonzo mochte ihn trotz allem sehr gerne. Der Professor stand auf und drückte dem Elferich gezielt auf den Hals, woraufhin dieser auf das Bett fiel. Er deckte ihn sogar liebevoll zu.
Wo war er? Aus dem Fenster erstrahlte eine riesige Elfenstadt. Oh nein! Das Labor, die Bergfestung, alles weg. Weit weg! Lag hier irgendwo eine Zeitung? Ein schwarzes Viereck war rechts neben dem Bett auf dem Nachttisch zu sehen. Es wirkte wie ein Tablett … lag da was drunter? Als er es anhob, erleuchtete das Viereck und es war Geschriebenes darauf zu lesen. Seltsames Elfenwerk, dachte sich Gonzo, aber von dem Ding wurden Informationen eines sogenannten Weltenschiff-Kuriers angezeigt, die auch nützlich waren.
Er las: »Nach der Befreiung von Stadt und Burg Lenschingen deckte eine unabhängige Untersuchungskommission Kriegsverbrechen auf, die in der gesamten zivilisierten Welt Bestürzung auslösten. Der berüchtigte Goblin-Professor Gonzo Spejbl soll hunderte elfische Kriegsgefangene zu Tode gefoltert haben, nur leider hatte der Vergewaltiger-Professor sich feige selbst gerichtet, um seiner gerechten Strafe zu entgehen. …«
Eines war Gonzo klar, als er das las: Die Goblins hatten kapituliert und die elfische Propaganda trampelte auf die Gegenspieler herum. Dass sich seine Angehörigen gegen Sklaverei wehrten, kam nicht darin vor. Es wurde nicht einmal geschrieben, ob Goblins noch am Leben waren. Er hielt sich seine Hände an die Brust und eine Träne rollte über seine rechte Wange. Jetzt bloß nicht zu emotional werden – vielleicht bestand doch noch Hoffnung. Eine tiefe Stimme ertönte durch die Tür. »Herr Eledoan Sect, die Konferenz über die Zukunft von Gobol beginnt jetzt.«
Gonzos Elfenohren stellten sich auf. Der hatte ihn aber erschrocken! Moment ... eine Konferenz … über die Zukunft von Gobol … ?? Er schaute zu Eledoan ... der schlummerte. Gonzo rieb sich die Hände ... nun wollte er ihn vertreten und auf der Konferenz etwas zu Gunsten der Goblins sagen!
Er schlüpfte in einen Bademantel und lugte aus dem Schlafzimmer. Dort stand ein Adeptus Mechanicus. Diese spirituellen Menschen-Cyborgs waren in der ganzen Galaxie als neutrale Beobachter gut vernetzt. Gonzo betrachtete voller Faszination das rechte Auge seines Gegenübers, das, wie so üblich, technisch modifiziert war.
»Äääh ... Ave Spiriti Mechanicus«, sagte Gonzo auf Latein, mit geschwollener Brust. Latein konnte der Professor gut. »Werden auf der Konferenz auch Goblins anwesend sein?«
Trotz der wallenden, dunkelroten Robe war die verneinende Kopfbewegung deutlich zu erkennen.
Gonzo ballte wütend die Faust. »Ohne Goblins ist es ein Skandal!«
Der Adeptus legte einen metallenen Finger seiner rechten Hand an sein Kinn. »Ähm, ich habe gerade eben auf Gobol Teilnehmende gesucht, aber als ich kam, flüchteten sie.«
Gerade eben auf Gobol? Also befand sich Gonzo auf einem Weltenschiff in der Nähe des Planeten? Und dieses Verhalten der Goblins? Es war seltsam. Dennoch war Gonzo erleichtert, zu hören, dass Goblins noch lebten.
Er verschwand hinter der Kleiderschranktür und wechselte die Kleidung zu einem dunklen Kimono. »Ich werde meinen Mann vertreten.«
Der Cyborg wirkte verwundert, machte aber ein Zeichen zur Tür und Gonzo folgte. Er mühte sich, weiblich zu bewegen - es war elegant und schön. Er fühlte sich wohl. Der Goblin trat wortlos in den runden Saal ein, in den Kreis von mehreren hundert Versammelten, an Eledoans Pult. Alle Augen waren auf Gonzo gerichtet, es ging ein Raunen durch die Menge. Jetzt musste er da durch. Sein letztes Aufgebot, seine letzte Hoffnung.
Eine jung aussehende Elfin mit einer Art Krone auf dem Kopf, die zu seiner Rechten stand, sprach Gonzo auf Latein an: »Frau Baeramaela Sect ist da - noch besser! Ich bin Runenprophetin Rasha Vect.« Dann machte sie eine Geste auf den Mechanicus und einer dunkelhäutigen Frau in Offiziersuniform des 18. Jahrhunderts, die in den Rängen um dem Podium saßen, flankiert von zwei Wachen.
»Dies sind Freihändlerin Dela Sankara aus Terra und dort sitzt Mechanicus Martin Scheffler vom Mars, unsere Gäste vom intergalaktischen Komitee. Schildern Sie ihnen im derbsten Vulgärlatein, wie gewalttätig die Goblin-Demonstrierenden vor unserer Botschaft in Lenschingen agiert hatten!«
Innerlich lachte Gonzo in sich rein. Wenn diese Prophetin wüsste, wer er wirklich ist, würde sie selbst bei diesem riesigen, organisch geformten Saal durch die Decke springen! Aber, Gonzo konnte nicht einfach wieder sagen, dass er gegenüber den Goblins empathisch wurde und seine Meinung geändert hat. Das kam schon bei Eledoan komisch an. Diesmal sollte möglichst gut Baeramaelas Denkweise imitiert werden.
»Ave, personae participantes. Ich weiß zu berichten, dass das Goblin-Arbeitsmaterial auf dem Conventus gegen die Schließung der Regenbogenkristallminen nicht handgreiflich wurde, obwohl es allen Grund dazu hatte! Es sollte auf einen anderen Planeten migriert werden. Aber die Reaktion meiner Kolleginnen mit bis zu 15 Toten war völlig unökonomisch, weil jetzt Arbeitskraft fehlt. Goblins sind wichtige Ressourcen für unsere Missionen auf anderen Planeten.« Gonzo machte eine Geste zur Prophetin. »Sie sollten daher alle Kampfhandlungen einstellen und die Elfen komplett von Gobol extrahieren, damit die Goblins Gelegenheit haben, sich zu regenerieren, für 100% Leistung . . . «
Die Prophetin verschränkte ihre Arme vor ihrer Brust. »Mir scheint es eher, dass Sie eine . . . Performance abhalten, um es mal milde auszudrücken.«
Gonzo war überrascht über diese Bezeichnung. Wie sollte er reagieren?
»Was machen Sie da mit Ihrer rechten Hand? Warum halten Sie sie ans Kinn?«
Gonzo schielte auf sich runter. »Ich überlege, was ich sagen . . . «
Sie schlug ihm die Hand vom Kinn. »Das ist eine Beleidigung an Morai Heg, Baeramaelas Göttin! Damit fängt´s schon einmal an . . . «
Oje. Dies war eines der vielen Fettnäpfchen, die Gonzo auf seinem Weg als Elfe intuitiv befürchtet hatte, aber nicht wusste, wie er ihnen entgehen konnte. Nun war er in eins rein getreten. Die Prophetin lief um ihn herum. ». . . und die verkrampfte Haltung Ihrer Beine hat nichts mit Weiblichkeit zu tun. So verhält sich keine Frau. Ein Elf aber auch nicht!«
Gonzo war geschockt. Sie ging ganz dicht an sein Gesicht heran. »Wir Elfen haben unseren Anmut von Geburt an im Blut. Jedes Wesen, das versucht hatte, es zu imitieren, wurde als Beleidigung des großen Asuryan auf den Platz gestellt! Sagen Sie mir, wie Sie wirklich heißen und welcher Spezies Sie angehören, sonst werde ich das Immaterium öffnen und Sie geradewegs in die Hölle schicken!«!«
Er zuckte zusammen und stotterte: »Ich bin Goblin, Professor Gonzo Spejbl, 77 Jahre alt und Neurowissenschaftler!«
Die Prophetin zog überrascht ihre Augenbrauen hoch. »Oh! Ein Goblin in einem Elfenkörper! Sehr interessant! Wir haben die Goblins nicht mal im Ansatz für so fähig gehalten!«
Dela wischte mit ihrer rechten Hand auf ihrem Tablet herum und war verwirrt. »Baeramaela ist ein 77 Jahre alter Goblin, der sich als junge Elfe verkleidet hat? Wollt ihr mich nun komplett auf den Arm nehmen?«
Die Prophetin stieß die Luft aus. »Ihr Menschen versteht es mal wieder nicht!« Sie deutete auf Gonzo. »Da drin ist nur die Seele eines Goblins, die vermutlich durch ein Experiment übertragen wurde. Die Seele der Verantwortlichen für die 15 toten Goblins aber, also die Elfe, ist dadurch gestorben.« Sie sah Gonzo an. »Oder?«
Gonzo nickte.
»Also, die Übeltäterin ist tot und wir haben unsere Schuldigkeit getan und sie abgestraft. Ich hoffe, dass wir Elfen auf Gobol bleiben können. Wir werden uns in irgend einer Weise mit ihnen arrangieren.«
Das gefiel Gonzo gar nicht. Er wollte, dass die Elfen Gobol verlassen. Und was hieß arrangieren? Nicht, dass die Goblins wieder übers Ohr gehauen und doch deportiert werden.
»Es gibt keine Beweise, dass der Körpertausch tatsächlich stattgefunden hat«, meinte Dela.
Der Adept flüsterte seiner menschlichen Kollegin etwas zu, Dela schaute zur Prophetin auf und nickte. Ihre Augen fuhren rasch über das Tablet.
»Also, die Verantwortliche für die 15 ermordeten Goblins ist tot ... Gut ... Somit sind die Elfen abgestraft wurden. Persönlich gefällt es mir nicht, dass Sie für die Goblins weiter eine Last sind, aber formal hat das intergalaktische Komitee keinen Streitpunkt mehr vorzuweisen. Ich empfehle mich.«
Dela und der Mechanicus verließen den Saal. Gonzo aber stellten sich die Nackenhaare auf. Wo war diese verdammte Prophetin?
Jemand legte die Hand auf Gonzos rechter Schulter. Er zuckte zurück, sah der Prophetin in ihre blauen Augen und wollte mit seinem rechten Bein ihr ins Gesicht schlagen, doch sie fing den Schlag mühelos auf und hielt ihn fest. Gonzo bekam es nicht los und hüpfte hilflos auf den anderen Bein herum. Er konnte nicht mehr kämpfen.
»Soll ich Sie Herr Spejbl, oder Frau Sect nennen?«
Das wusste er selber nicht so genau. Sollte er sich nun aus Trotz Herr Spejbl sagen, um seine Bedeutung als Goblin-Repräsentant zu unterstreichen? Er tat es.
Der Prophetin lagen Tränen in den Augen. »Herr Spejbl, Sie haben eine gute Freundin von mir umgebracht. Ich könnte Sie jetzt töten, aber dann würde ja auch Frau Sects Körper ableben, was schon blöde wäre.«
Nachdenklich blickte sie zu Boden und sah ihn dann wieder an.
»Ich entschuldige mich für mein Verhalten von gerade eben, denn auch Sie können anmutig sein . . . sogar richtig verführerisch. Mit meiner Hilfe können Sie rasch zu Baeramaela Sect werden . . . Nicht einmal ihre Eltern werden einen Unterschied merken.«
So, sie vermisste ihre Freundin und wollte Gonzo zu sie machen. Interessant. Ihn durchdrang die totale Euphorie. Eledoans Misstrauen könnte mit Hilfe der Prophetin beseitigt werden. Sie könnten dann zusammen sein - würden Gonzo und er dann sogar schlafen?
»Jaa, Ihre Augen leuchten, es gefällt Ihnen. Sehr schön.«
Sie ließ sein Bein los und er stellte sich normal hin.
»Ich traue Ihnen sogar zu, dass Sie Baeramaelas Arbeit als Botschafterin auf Gobol weiterführen können. Sie werden in einen luxuriösen Palast wohnen, ein Mitglied der hohen Gesellschaft sein und mit Wissenschaftlern und anderen wichtigen Vertretern aus der gesamten Galaxie hochinteressante Unterhaltungen führen können. Ihr Leben wird ein Traum sein. Stimmen Sie zu?«
Gonzo war hellauf begeistert und wollte diesen Traum, ganz zum Leidwesen der Goblins.