22 Mai 2019, 13:02:45

Autor Thema: Buchcover - wohin geht der Trend?  (Gelesen 3960 mal)

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Sirius

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Buchcover - wohin geht der Trend?
« am: 15 Januar 2014, 10:49:41 »
Cover von Romanen wirken meistens überladen und sind so reißerisch aufgemacht, dass der Eindruck entstehen kann, bei der Berührung würde Blut herausfließen.
Oft hat auch das Cover mit dem Inhalt nichts tun tun.
Vor einigen Tagen fand ich in der Buchhandlung ein Buch, in dem lt. Klappentext verschiedene "alte" Märchen zu einer Geschichte zusammen gefasst waren. Auf dem Buch war ein Sportwagen abgebildet, auf dessen Motorhaube zwei leicht bekleidete Damen saßen. Auf meine Frage, was das eine mit dem anderen zu tun hätte, antwortete der Buchhändler "nichts, aber das Buch fällt auf".
Aber stimmt das tatsächlich? Muss ein Buch unbedingt auf diese Weise auffallen? Reißerisch oder überladen aufgemachte Bücher sind mittlerweile so normal geworden, dass daran kaum noch etwas Auffälliges bemerkt wird.
Dieser Meinung ist auch eine Verlegerin, mit der ich neulich ins Gespräch kam. Sie sagte, dass sich auf der letzten Buchmesse ganz langsam ein Trend zum "sparsameren" Cover bemerkbar machen würde.
Sie sprach von "einprägsamen" Symbolen auf dem Cover oder lediglich einer auffällige Farbe mit Titel und Autorennamen.
Geht der Trend tatsächlich weg vom überladenen Cover?
Und was kann unter einem "Einprägsamen Symbol" verstanden werden?
« Letzte Änderung: 15 Januar 2014, 11:09:33 von Sirius »

Sarahleandra

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Re: Buchcover - wohin geht der Trend?
« Antwort #1 am: 15 Januar 2014, 11:12:29 »
Sie sprach von "einprägsamen" Symbolen auf dem Cover oder lediglich einer auffällige Farbe mit Titel und Autorennamen.
Geht der Trend tatsächlich weg vom überladenen Cover?
Und was kann unter einem "Einprägsamen Symbol" verstanden werden?
Als Beispiel fällt mir hier spontan das Buch der Feuerdiebin ein:
http://www.amazon.de/Des-Teufels-Maskerade-Victoria-Schlederer-ebook/dp/B007A5870S/ref=cm_cr_pr_pb_t
Wobei ich immer dachte, es wäre weiß mit roter Schrift gewesen?  :watchout:

Auch Stephen Kings derzeitige Cover sind bildlich eher schlicht:
http://www.amazon.de/Die-Arena-Stephen-King-ebook/dp/B004OVF0EM/ref=sr_1_3?s=digital-text&ie=UTF8&qid=1389780654&sr=1-3&keywords=stephen+king
Das war früher mal anders, unterliegt also offenkundig einem Trend.

Den Trend mit dem "Auffallen um jeden Preis" und "nackter Haut" bzw. sex sells habe ich auch schon mit Grausen beobachtet.

Sirius

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Re: Buchcover - wohin geht der Trend?
« Antwort #2 am: 15 Januar 2014, 11:16:48 »
ich habe das Buch von Feuerdiebin mal angeklickt.
Und genau das meine ich. Das Buch fällt durch seine Schlichtheit auf - gefällt mir sehr gut.
Ich habe auch etwas in der Art entdeckt, weiß aber nicht, wie ich es hier hoch laden kann - bin eben computermäßig sehr unwissend.

Sarahleandra

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Re: Buchcover - wohin geht der Trend?
« Antwort #3 am: 15 Januar 2014, 11:29:51 »
iIch habe auch etwas in der Art entdeckt, weiß aber nicht, wie ich es hier hoch laden kann - bin eben computermäßig sehr unwissend.
Adresse oben in deinem Browser (www.irgendwas) markieren und kopieren, hier dann einfach im Textfeld einfügen  ;)

tlt

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Re: Buchcover - wohin geht der Trend?
« Antwort #4 am: 15 Januar 2014, 11:36:53 »
Es gibt, aus meiner Sicht, einen klaren Trend: Billig, billiger, noch billiger. Da kommen schon mal Aussagen wie "Was, warum kostet so ein Cover yx Euro für die Grafik." Und dann macht das der Neffe (keine erfundene Geschichte) des Buchhalters, weil der weiß, wie man mit Clippart umgeht. Und weil der zudemgehört hat, dass DUW erfolgreich ist, weil sie auf dem Katalogcover halbnackte Mädels haben, hat er auch gleich eine wunderbare grafische Idee (um nicht zu sagen, einen Erguss).

PS: Einem Buchhändler, der so eine Aussage tätigt, gehört mal kräftig in den Allerwertesten getreten. Er hätte am ehesten "die Macht", da was zu ändern. Wenn so ein Buch (ich gehe davon aus, dass das Buch nicht durch einen außergewöhnlichen Inhalt besticht, den man unbedingt gelesen haben muss) nicht geordert wird, weil das Cover Schund ist, dann muss beim Verlag über kurz oder lang ein Umdenken stattfinden.
Ich bin zu alt für das alles.

Sirius

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Re: Buchcover - wohin geht der Trend?
« Antwort #5 am: 15 Januar 2014, 11:51:41 »
Zitat

PS: Einem Buchhändler, der so eine Aussage tätigt, gehört mal kräftig in den Allerwertesten getreten. Er hätte am ehesten "die Macht", da was zu ändern. Wenn so ein Buch (ich gehe davon aus, dass das Buch nicht durch einen außergewöhnlichen Inhalt besticht, den man unbedingt gelesen haben muss) nicht geordert wird, weil das Cover Schund ist, dann muss beim Verlag über kurz oder lang ein Umdenken stattfinden.

ich denke, dass diese Aussage mutig vom Buchhändler war. Er hat das Buch nicht empfohlen, sondern ehrlich auf meine Frage geantwortet. Und Macht, etwas zu ändern, hat ein Buchhändler in den seltensten Fällen. Er betreibt sein Geschäft ja nicht als Hobby, er muss verdienen, um leben zu können. Dazu gehört auch, dass Bücher in der Auslage sind, die ihm selber nicht unbedingt gefallen. Er muss halt "breit gefächert sortiert sein", um seine Kunden "bedienen" zu können. Beratung gehört unbedingt dazu und - da muss ich "meinen" Buchhändler loben - er berät wirklich gut und zeigt Negatives oder Positives in einem Buch auf.
Die Entscheidung liegt dann beim Kunden.

Mooncat

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Re: Buchcover - wohin geht der Trend?
« Antwort #6 am: 15 Januar 2014, 12:07:04 »
Umkehrfrage - wie viele Bücher wegen gerade wegen dem schundhaften Cover gekauft?

Don't judge a book by its cover - aber in Realität ist das nun halt mal bei vielen so. Erster Eindruck ist mal das Cover, das allein schon bestimmen kann, ob man es sich überhaupt ansieht oder nicht. Muss gestehen, bei mir kam das auch schon vor. Titel interessant, Buch hervorgezogen, Cover gesehen, zurückgestellt. Nicht immer natürlich, sogar eher seltener heutzutage. Aber passieren tut es schon noch.

Bei mir ist es so, wenn ich einen Autor mal verfolge (jeez, das tönt jetzt fast wie Stalking ...), warte ich auf das neue Buch von ihm und basta. Da nehme ich Cover kaum noch zur Kenntnis.
Bin ich aber auf der Suche nach neuen Sachen, am rumstöbern, dann achte ich viel mehr auf Cover.

Was die Art des Covers angeht, so finde ich ich, dass das schon Genre-abhängig ist. Bei Krimi/Thrillern/Horror beobachte ich auch eine Tendenz zu weniger ist mehr. Ausser bei den humoristischen, da ist meistens noch recht viel auf den Covern.
Bei Urban Fantasy scheint es nur ein Motto zu geben: sex sells.
Sonst bei Fantasy: scheint im Moment Figuren in wehenden Umhängen Trend zu sein.
Liebesroman: Bitte schön etwas Kitsch.
SF: Hmm. Unterschiedlich. Ich glaube, da kommt es noch am ehesten auf Inhalt an. Ist es Weltraum dass ist es meistens eher noch etwas spacey/überladen, ist es was anderes - hmm, da habe ich schon einiges Kreativeres gesehen.

Generell denke ich aber schon, dass die Bedeutung des Covers gerade im ökonomischen Bereich abgenommen hat. Mit dem eBook auf dem Vormarsch verliert es an Gewicht. Zwar brauchst du da schon noch das Cover, denn ein Buch ohne Cover verkauft sich kaum - aber du hälst es nicht in den Händen, siehst es meistens nur als kleines Bild (weil ich zumindest klicke fast nie auf das Cover um es zu vergrössern, aber vielleicht bin ich ja die Ausnahme - glaube ich aber nicht) - und wenn du es mal gekauft hast, siehst du es auch kaum. Die Bücher öffnen sich beim Textanfang, für Impressum und Cover musst du zurückblättern. Und in der Gallerie siehst du es vielleicht noch, aber auch da wieder nur in limitierten Masse. Wichtigstes Argument aber: wenn du mit dem Buch rumläufst sieht niemand mehr, was du denn liest.
Da kann ich gut verstehen, dass sie da beim Cover sparen.

Ansonsten, ein Faktor, der mir auch aufgefallen ist, ist dass es ein Unterschied ist, ob du ein Neuer Autor auf dem Markt bist oder ein etablierter. Je etablierter desto besser oftmals (nicht immer) das Cover.
Das Leben ist kurz - der Tod ist ewig.
Lynwood

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tlt

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Re: Buchcover - wohin geht der Trend?
« Antwort #7 am: 15 Januar 2014, 12:16:11 »
Und Macht, etwas zu ändern, hat ein Buchhändler in den seltensten Fällen. Er betreibt sein Geschäft ja nicht als Hobby, er muss verdienen, um leben zu können. Dazu gehört auch, dass Bücher in der Auslage sind, die ihm selber nicht unbedingt gefallen. Er muss halt "breit gefächert sortiert sein", um seine Kunden "bedienen" zu können.
Aber er muss nicht jedes Buch im Sortiment haben. Außerdem zeigt er mit seiner Aussage, dass er nicht gewillt ist, dem Verlag wenigstens zu sagen, was er darüber denkt.

Die Entscheidung liegt dann beim Kunden.
Schön wär's. Der Kunde kann ja nur das kaufen, was er im Laden sieht. Zeige Deinen Kunden keinen Mist, dann kaufen sie keinen Mist.  :klug:
Ich bin zu alt für das alles.

Uli

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Re: Buchcover - wohin geht der Trend?
« Antwort #8 am: 15 Januar 2014, 12:58:07 »
nun, ein Buchhändler ist zunächst mal ein Einzelhandelsunternehmen - und muß verkaufen.

Es gibt da etliche Faktoren, bis hin zu 'du nimmst dieses Werk und stellst es exponiert auf - dann bekommst du auch eine Palette HP7 am Veröffentlichungstag. Und sonst nicht.'

Dann geht es plötzlich um die Monatsgehälter ...

Sirius

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Re: Buchcover - wohin geht der Trend?
« Antwort #9 am: 15 Januar 2014, 14:15:49 »
Zitat
nun, ein Buchhändler ist zunächst mal ein Einzelhandelsunternehmen - und muß verkaufen.

stimmt.
Mein Buchhändler sagte einmal, er könne leider nicht nur die Bücher ausstellen, die er selber mag.
Andere gehören dazu, um sein "tägliches Brot" zu haben.
Dazu kommt dann noch manchmal ein gewisser Druck von der Buchhändler-Vereinigung (Genossenschaft o. ä.?) und er muss irgendwo mitschwimmen - wenn auch nur am Rande.