08 September 2026, 17:51:30

Autor Thema: Schreiben lernen - Handwerk polieren  (Gelesen 106478 mal)

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merin

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Re: Schreiben lernen - Handwerk polieren
« Antwort #15 am: 24 July 2025, 10:16:40 »
Bei mir ist das kein bewusstes "so will ich das haben", sondern ein "nur so kann ich schreiben". Ich wäre auch gern effektiver, muss aber damit leben, dass ich es nicht bin.
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Leser*innenmeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht und was ich gern anders hätte.

Leonie

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Re: Schreiben lernen - Handwerk polieren
« Antwort #16 am: 05 September 2026, 07:03:32 »
Hallo allerseits,

interessanter Thread! Ich mag das Konzept, Podcasts oder Bücher zusammenzufassen und mit anderen zu teilen. So kann man wesentliche Erkenntnisse oder Tipps erhalten, ohne gleich die ganze Folge / das ganze Buch gelesen zu haben.

Ich habe mal meine Notizen von "Bei Regen in einem Teich schwimmen" von George Saunders (in einem anderen Thread wurde es bereits erwähnt) hervorgeholt und teile einige Kernaussagen der ersten Hälfte des Buchs (die zweite habe ich noch nicht gelesen). Disclaimer: Ich habe das Buch vor mehr als einem Jahr gelesen, entsprechend alt sind meine Notizen. Ich gebe die Aussagen von Herrn Saunders auf Grundlage dieser Notizen wieder, es ist gut möglich, dass ich unabsichtlich einiges verkürzt oder anders darstelle.

  • als Autorinnen und Autoren müssen wir unsere je eigene Stimme finden. Nachhaltig beeindruckt hat mich sein Vergleich dieser Stimme mit einem kleinen "Scheißehügel". Es ist vielleicht Scheiße, aber es ist unsere, und wir müssen zu ihm stehen und ihn wachsen lassen, indem wir uns um ihn kümmern. Wir müssen "im eigenen Modus arbeiten". An diesen Vergleich muss ich oft denken und ich finde, es liegt etwas Tröstliches in ihm
  • eine Geschichte ist eine fortlaufende Kommunikation zwischen Leser*in und Autor*in
  • bei jedem neuen Detail, Satz, Element ist zu fragen: ist das für meine Geschichte wirklich notwendig? Falls die Antwort nein ist: streichen
  • in anderen Worten: eine Geschichte ist keine dokumentarische Auflistung, sie lässt weg, was für sie keine Bedeutung hat
  • die Dinge müssen etwas bewirken, sonst bedeuten sie nichts. Die Elemente einer Geschichte sollen eine Fortentwicklung derselben sein
  • man kann sich einige Muster zunutze machen, beispielsweise die Wiederholung. Die Wiederholung von Elementen schafft Erwartungen, mit denen man spielen kann, z.B. durch leichte Variation des Musters, durch eine kleine Steigerung bei jeder Wiederlung oder durch Enttäuschung und/oder (verzögerte) Erfüllung der Erwartung
  • eine Erzählung ist ein kontinuierliches System einer Steigerung
  • Saunders hat hier den Vergleich mit Autorennbahnen und Tankstellen. Die Autorennbahn ist der Lesefluss. Die Tankstellen sind Elemente im Text, die uns weiterlesen lassen. Das kann Witz sein, starke Sprache, Humor, Spannung etc.
  • in einer Erzählung sollen Dinge nicht geschehen, sondern kausal aufeinander folgen. Kausalität herzustellen ist ein wichtiger Skille beim Schreiben. Erst durch die kausale Wirkung entsteht der Anschein von Bedeutung. Durch Kausalität wird Energie übertragen

Wenn ich das jetzt mit etwas Abstand lese, merke ich, dass es doch eher grundsätzliche Hinweise sind. Mir kam das damals fast wie ein Erleuchtungsmoment vor. Jetzt erscheint mir das meiste sonnenklar. Aber manchmal schadet es ja auch nicht, nochmal an die Basics erinnern zu werden :) Und ich merke, dass vieles davon auch wirklich schwer umzusetzen ist, auch wenn es einfach klingt.

VG
Leonie

merin

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Re: Schreiben lernen - Handwerk polieren
« Antwort #17 am: 06 September 2026, 16:49:55 »
Ich glaube, dass ich hier auch schonmal irgendwo Zusammenfassungen von Kapitels aus diesem Buch gepostet habe. Muss gleich mal schauen. Aber: Für mich erscheinen die Hinweise immer noch erleuchtend. Weil sie zwar Basics sind, aber eben auch so schwer einzuhalten. Was ein Text braucht, beispielsweise, ist gar nicht leicht selbst zu spüren. Damit zu experimentieren, was ich streichen kann, erfordert echt Mut und Ausdauer.

Und: Das Bild von dem Scheißehaufen blieb bei mir auch hängen. Daneben hatte Saunders noch das Bild des Tanzens und das der eigene Tanzstil vielleicht peinlich oder albern ist. Aber eben der eigene. Und das hilft mir beim Schreiben immer mal wieder. Saunders ermuntert auch dazu zu schauen, was man bereits gut kann, und das weiterzuentwickeln. Und auch das ist für mich ermutigend.
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Leser*innenmeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht und was ich gern anders hätte.