26 Februar 2020, 07:09:50

Autor Thema: VL2: Diskussion zur Harry Potter-Reihe  (Gelesen 6626 mal)

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Mooncat

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VL2: Diskussion zur Harry Potter-Reihe
« am: 29 August 2014, 12:24:47 »
Hallo

Es ist unheimlich schwer, Band 1 ohne Blick auf die ganze Reihe zu diskutieren, v.a. wenn einem Dinge auffallen, die eigentlich für das ganze Buch wenn nicht die ganze Reihe auffallen.

Hier ist der Platz, wo Ihr Euch mit diesen Sachen austoben könnt.

Viel Spass!
Mooncat
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Re: VL2: Diskussion zur Harry Potter-Reihe
« Antwort #1 am: 29 August 2014, 13:01:27 »
Hach, ich hätte gleich mehrere Punkte und weiss gar nicht, wo ich anfangen soll. Beim Klischee? Beim Abklatsch von HdR? Beim Einzigartigen? Bei der Frauenrolle in HP? Oder allem zusammen?

Nun, alles zusammen ist wohl zu chaotisch. Also fange ich mal mit was an, das aktuell grad auch zur Diskussion des Stellenwerts der Idee in einer Geschichte passt.

Denn HP ist in meinen Augen ein wunderbares Beispiel dafür, wie altbekannte Ideen wieder aufgegriffen, angepasst, neu interpretiert und in ein wunderschön eingewickeltes neues Paket transformiert werden.
Seien wir ehrlich, kaum etwas aus HP ist unbedingt neu. Trennung Magie-Menschenwelt - nichts neues. Zauberlehrling/Zauberschule - nichts neues. Kampf der wenigen Gerechten in massiver Unterzahl gegen die Bösen allgemein und den fiesen, unbesiegbaren Oberbösen? So was von nicht neu. Dementoren, Todesesser, schwarze Magier? Nicht neu. Das bestehen von Aufgaben, die such nach verschwundenen Personen/Artefakten, das Buch, das dich in Deine Welt zieht, Misstrauen, Verrat, alle Nahestehenden des Helden, die in Gefahr geraten oder sterben und die daraus resultierende Bürde und Zerknirschtheit und Selbstvorwürfe des Helden - alles schon gehabt. Und, definitiv auch meistens beste Klischeevorlagen.
Und doch ist HP nicht etwa nie publiziert worden weil eben alles bekannt und abgekupfert schein auf den ersten Blick. Im Gegenteil, HP entwickelt sich nicht nur zum Kult, es wird zum Inbegriff des Zauberschülers an dem kein künftiger Autor mehr vorbei kommen wird. Nicht ohne Vergleich oder Referenz, die es zu geben oder zu vermeiden gilt.
Warum? Weil zwar kaum etwas neu ist - aber in einzigartiger Weise zusammengestellt und transformiert und mit so vielen genialen kleinen Details versehen wurde, was die HP-Welt reich und zauberhaft und - eben - doch einzigartig macht. Erstens verfrachtet JKR all die Stoffe in ein Kinderbuch. Dadurch kann sie vielen Kritikern entgehen und den vielen Klischees sogar etwas Legalität verschaffen. Ich bin überzeugt, HP hätte nie diesen wahnsinnigen Durchbruch geschafft, wäre das alles in der Erwachsenenwelt angesiedelt. Die starke Unterteilung der meisten Charaktere in Gut und Böse, die totale Überzeichnung vieler Charaktere, fast schon hin zum Inbegriff des Klischees - hätten wir ihr das verziehen, wenn Harry in den Zwanzigern/Dreissigern gewesen wäre?
Ausserdem kann sie uns so auf fast schon kindliche Weise in die Magiewelt einführen, die - aus den Augen eines einsamen, unglücklichen kleinen Jungens - natürlich umso umwerfender, magischer, zauberhafter und gut erscheint. Was bleibt uns anderes übrig, als uns in diese Welt zu verlieben, bevor uns bewusst wird, welche Gefahren auch in dieser Welt lauern? Bis wir das begreifen ist es viel zu spät und wir sind schon zu verzaubert, um uns da noch von Harrys Geschichte abwenden zu können.
Tja, und dann hat sie das Ganze mit ein paar genialen Ideen gewürzt: zum Beispiel all die Bezeichnungen: oftmals so simpel, aber unglaublich einprägsam: Muggle, Dementoren, die Pflanzenlehrmeisterin die Sprout heisst, der Heuler, the whumping willow, der Verräter,  der sich als Ratte tarnt, die Uhr, die den Standort aller Familienmitglieder anzeigt - und, und, und ... Ich denke hier v.a. Dingen liegt das Neue, was HP abhebt und - neu - macht.

Gedanken? Meinungen?
« Letzte Änderung: 29 August 2014, 17:20:06 von Mooncat »
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Re: VL2: Diskussion zur Harry Potter-Reihe
« Antwort #2 am: 29 August 2014, 16:53:02 »
Ja,
in fast allen Punkten Deiner Meinung, nur die Klischees sind für mich nicht deutlich zu fnden.
Für mich sind das meiste Archetypen.
Das ist mehr als nur ein marginaler Unterschied, denn ein autor muss mit Klischees ganz anders um gehen als mit Archetypen.
Higt für HdR ebenso wie für HP.

Liebe Grüße
Trippelschritt

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Fabian

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Re: VL2: Diskussion zur Harry Potter-Reihe
« Antwort #3 am: 29 August 2014, 16:56:53 »
Mooncat, vor deiner Eloge sitze ich und bin ganz baff. Hier schrieb ein wahrer Fan und ließ sich von der eigenen Begeisterung mitreißen.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich wirklich noch weiß, was mich am ersten Band als Leser gefesselt hat (ich habe ihn nicht mit "Autorenblick" gelesen).

Im nachhinein betrachtet glaube ich, es war das Oberthema Familie, Freundschaft, heile Welt, das in diesem ersten Band im Mittelpunkt stand, nicht das Feuerwerk an Ideen, auf das du anspielst. Ohne die wäre zwar alles ziemlich langweilig gewesen, nicht so bunt und kindgerecht(?) serviert, aber das war meiner Meinung nach nur der Zuckerguss. Hogwarths als heile Welt, in der selbst der in Hausgemeinschaften organisierte Konkurrenzkampf noch edel und ritterlich erscheint - in Kenntnis der ganzen Geschichte sehe ich das jetzt als ebenso naiv wie verführerisch gekonnt ausgemalte Grundidee an, und diesem heimlichen Sog, den JKR mit dieser Idylle inszeniert, habe ich mich damals auch gerne hingegeben, zumal ja in den Fortsetzungen die Entwicklung zu differenzierteren Verhältnissen angelegt schien.

Wenn ich mal ein wenig melodramatisch werden darf: es ist doch anrührend zu lesen, wie JKR ihre Hauptfigur beschützt, wie eine Mutter ihr eigenes Kind: er leidet unter dem Verlust seiner Eltern, er leidet unter den Verhältnissen bei den Dursley, aber dieses Leiden geht bei ihm (und ein wenig auch bei uns) nicht unter die Haut. Sie schreibt ihn als eine Figur, die unter diesem Leiden nicht deformiert wird, die nicht hasserfüllt zurückschnappt, und sie belohnt ihn wie versprochen: er kommt physisch und psychisch heil an in seiner eigentlichen Heimat, in Hogwarths heiler Welt und dort hält sie dann Freunde und all die Aufgaben und Abenteuer für ihn bereit, die ihn nicht überfordern und an denen er wachsen kann - so wie es Kinder sicher überall gerne tun würden.

Das ist nach meinem Empfinden die Grundanlage der Geschichte. Diese Grundidee zumindest ist beruhigend traditionell und konservativ, verspricht Sicherheit und stellt sie nicht in Frage und wird auch sehr konsequent durchgehalten.

Auf dieser Ebene zumindest wollte JKR offensichtlich nicht den sicheren Boden des Guten, Wahren und Schönen verlassen und auf Teufel komm raus innovativ oder gar komplex werden (das rechne ich ihr hoch an), stattdessen schuf sie drum herum ein liebevoll ausstaffiertes Zauberreich aus mehr oder weniger skurrilen Details.
« Letzte Änderung: 29 August 2014, 17:01:23 von Fabian »

"Weil niemand mehr Leonardo ist, können alle Leonardo werden ...
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Mooncat

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Re: VL2: Diskussion zur Harry Potter-Reihe
« Antwort #4 am: 29 August 2014, 17:51:31 »
@Fabian

Na ja, ein wahrer Fan ... Ich mag die Serie, ohne Zweifel. Ein glühender Fan bin ich eher weniger, dafür ist mir insgesamt zu viel 'falsch' gelaufen - für mein Empfinden. Harry selbst ist mir z.B. zwar sympathisch und er hat einige sehr guten Seiten - aber in weiten Stellen geht er mir auch furchtbar auf die Nerven.
 
Auch, nicht zu vergessen, ich habe den Film zuerst gesehen, ohne das Buch zu kennen, und die Bilder des Films, die bildliche Darstellung der Einführung der Zuschauers in die Welt der Magie und dann Hogwarts, ist das, was mich an HP am meisten fasziniert hat. Erst danach hab ich die Bücher gelesen und auch dort v.a. all die kleinen Details geliebt. Aber ich mag eben gerade diese kleinen Details, es sind oft die, die mich - neben einer guten Story - faszinieren und begeistern und ich kann hier vor JKR in der Tat nur den Hut ziehen.

Zitat
es ist doch anrührend zu lesen, wie JKR ihre Hauptfigur beschützt, wie eine Mutter ihr eigenes Kind: er leidet unter dem Verlust seiner Eltern, er leidet unter den Verhältnissen bei den Dursley, aber dieses Leiden geht bei ihm (und ein wenig auch bei uns) nicht unter die Haut.
Hmm, das finde ich z.B. gar nicht. Denn wenn sie ihn so beschützen würde, würde sie nicht Sirius umbringen. Und Dumbledore. Die beiden sind für ihn fixe und v.a. sehr wichtige Bezugspersonen, gerade unter den Erwachsenen. Mit Sirius findet er endlich eine Familie, jemanden, der ihn lieben wird wie einen Vater, ihm ein richtiges Zuhause geben wird - und dann tötet sie ihn, so sinnlos obendrein? Nachdem er doch sowieso schon das arme Waisenkind ist? Auch Dumbledore, sein Mentor aber, denke ich, auch eine Art schrullige Grossvaterfigur in seinem Leben - nimmt sie ihm weg, und das auch noch auf diese spezielle Art, wo Snape (schon wieder!!!!) als der Böse dargestellt wird, nur um später dann einmal mehr zu erfahren, dass doch alles nur eine Scharade war. Also nicht Dumbledores Tod, aber Snape, der böse sein soll, zum x-ten Male. Warum? Logisch, vieles der Tragik rund um Harry ginge dann verloren und all die Selbstvorwürfe und die bittere Verzweiflung und Resignation aber auch Hass in den folgenden Bänden. Dass einer der beiden stirbt, okay, aber grad beide? Nicht zu vergessen, dass da ja auch noch Colin ist, für dessen Tod er sich schon verantwortlich fühlt und im letzten fallen eh noch etliche Freunde wie die Fliegen.

Zitat
er kommt physisch und psychisch heil an in seiner eigentlichen Heimat, in Hogwarths heiler Welt
Hmm, meinst du jetzt bezogen auf den ersten Band oder die ganze Reihe? Was den ersten Band angeht, ja, stimmt, das ist Teil der Sogkraft des ersten Bandes, denke ich, wie der Leser da reingezogen wird in diese Welt - und diese Reihe. Bezogen auf die Serie - und mit diesem furchtbaren letzten Kapitel macht sie ja leider genau das - ist das einer der Punkte, die die Serie für mich etwas vermiest hat. Ich gönne Harry schon das Happy End. Wir haben in den 7 Bänden weiss Gott genug Rückschläge einstecken müssen. Aber dieses endgültige, ultra-kitschige und obersüsse heile-Welt-Ende, nach all den Qualen und Torturen der letzten sieben Jahre ... Ne. Das ist nicht der Schluss, den ich mir nach dem ersten Band für Harry und Co gewünscht hätte - und schon gar nicht nach den 7 Bänden.

@ Trippelschritt
Zitat
Das ist mehr als nur ein marginaler Unterschied, denn ein autor muss mit Klischees ganz anders um gehen als mit Archetypen.
Interessant. Für mich: Harry als ungeliebter Waisenjunge und gequälter Held wäre der Archetyp - aber die Menge an Leid und Tortur und Schikanie, die ihm wiederfährt, gerade und v.a. Dingen bei den Dursleys, dass ist für mich dann schon der Fall ins Klischee des eben armen, geqüalten Heldens. Was ich im Ganzen gesehen nicht so schlimm finde, etwas Klischee tut vielen Geschichten ganz gut und das ist auch so hier. Was aber nicht heisst, dass es Szenen gibt, wo es mir zu viel wird.
« Letzte Änderung: 29 August 2014, 17:54:21 von Mooncat »
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Fabian

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Re: VL2: Diskussion zur Harry Potter-Reihe
« Antwort #5 am: 29 August 2014, 18:04:47 »
Zitat
er kommt physisch und psychisch heil an in seiner eigentlichen Heimat, in Hogwarths heiler Welt
Hmm, meinst du jetzt bezogen auf den ersten Band oder die ganze Reihe?

War nur auf den ersten Band bezogen, und auf die Deformationen, die das Leben bei den Dursleys ja hätten hinterlassen müssen.
Gleiches gilt für:
Zitat
Denn wenn sie ihn so beschützen würde, würde sie nicht Sirius umbringen. Und Dumbledore.
Im ersten Band tauchen solche existenziellen Erschütterungen noch nicht auf.
Wenn ich mich recht entsinne, fand ich das auch die größte Schwäche in der Zeichnung der Hauptfigur: HP wird zu keinem Zeitpunkt in seiner Entwicklung so geführt, dass er im tiefsten Inneren getroffen ist, aus der Bahn geworfen wird. HP steht niemals wirklich in der Versuchung, Böses mit Bösem zu vergelten. Anders als z.B. Darth Vader, der ja der Dunklen Macht erlegen ist. Nach meiner Erinnerung war die einzige Irritation, als die drei Hogwarths verlassen und es wie bei jeder Dreieckskonstellation zu Auseinandersetzungen bis zur Entfremdung zwischen HP und Ron kommt (falls ich mich richtig erinnere). Diese Entwicklung schien mir dann auch relativ unglaubwürdig auf dem Hintergrund ihrer bisherigen Beziehung.

[EDIT:] Statt kleinteiliger Änderungen noch mal 30 Min editiert - sorry.
« Letzte Änderung: 29 August 2014, 18:24:55 von Fabian »

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Re: VL2: Diskussion zur Harry Potter-Reihe
« Antwort #6 am: 29 August 2014, 19:23:09 »
Oder wie Frode, der gegen das Flüstern des Ringes kämpfen musste?

Nun ja, nein, so richtig in Versuchung kommt er selten. Er hat allerdings auch Voldemort, der ihm durch ihre Verbindung nach seiner Auferstehung 'Visionen' schickt, die ihn auf falsche Fährten führen. Und gegen die es anzukämpfen gilt - und zu lernen, was er absichtlich mitbekommt und was Voldemort ausrutscht.

Was die Dreiecksbeziehung angeht - tja, so unabwegig finde ich die wiederum nicht. Gerade auch mit dem Zwist, den er mit Ron schon im Goblet hat. Eine gewisse Portion Eifersucht ist bei Ron glaube ich immer da, auch bedingt durch seine Stellung in seiner eigenen Familie. Und er und Hermione haben eh Mühe, Klarheit in ihrer Beziehung zu schaffen, da erstaunt es mich nicht, dass es da, auf so engem Raum, zu Problemen kommt. (- und er sieht eben, dass Hermione viel besser zu Harry als zu ihm passt. Zu schade, dass es JKR nicht auch gesehen hat ... )
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Ryek Darkener

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Re: VL2: Diskussion zur Harry Potter-Reihe
« Antwort #7 am: 29 August 2014, 19:38:06 »
(- und er sieht eben, dass Hermione viel besser zu Harry als zu ihm passt. Zu schade, dass es JKR nicht auch gesehen hat ... )

Einspruch.  :diablo: Harry Potter ist vom ersten Moment der Romanreihe auf dem Weg zu einer Ikone, jemand, dem andere nie wirklich nahekommen. Er ist der Auserwählte Retter des Zaubereiwesens gegen Voldemort, und alles was er tut, beabsichtigt oder unbeabsichtigt, dient diesem Ziel. Daran läßt die Autorin, meiner Meinung nach, nie Zweifel aufkommen, auch wenn ihr Protagonist manchmal zweifelt.
Eigentlich spannend, dass eine vorhersehbare Gesamthandlung den Leser Band für Band in den Bann schlägt.  Gehört es zur Diskussion, herauszufinden wie die Autorin das schafft?
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Re: VL2: Diskussion zur Harry Potter-Reihe
« Antwort #8 am: 29 August 2014, 23:56:38 »
Eigentlich spannend, dass eine vorhersehbare Gesamthandlung den Leser Band für Band in den Bann schlägt.  Gehört es zur Diskussion, herauszufinden wie die Autorin das schafft?

Auf jeden Fall! Genau darum sollte sich doch unsere Diskussion hier drehen. Zu schauen, worum es geht und zu verstehen, wie es erzählerisch erreicht wurde.

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Re: VL2: Diskussion zur Harry Potter-Reihe
« Antwort #9 am: 30 August 2014, 00:05:27 »
Und er und Hermione haben eh Mühe, Klarheit in ihrer Beziehung zu schaffen, da erstaunt es mich nicht, dass es da, auf so engem Raum, zu Problemen kommt. (- und er sieht eben, dass Hermione viel besser zu Harry als zu ihm passt. Zu schade, dass es JKR nicht auch gesehen hat ... )

Das wiederum hat mir gut gefallen, dass JKR die beiden Leistungsträger in Zauberdingen und Lebensklugheit nicht auch gleich noch in eine Liebesbeziehung verwickelt, da hat sie meiner Empfindung nach ein Klischee sauber gegen den Strich gebürstet.

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Chibou

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Re: VL2: Diskussion zur Harry Potter-Reihe
« Antwort #10 am: 30 August 2014, 15:33:23 »
Ich habe alle Bände bis zum sechsten gelesen. Viele sogar mehrfach, das zweite und vierte glaube ich sogar vier Mal ... es ist DER Roman für mich, mit dem ich überhaupt zu 'lesen' angefangen habe. So mit 13 oder so ...
Jedenfalls mochte ich Harry nie wirklich ^^ haha  :biggrin: Ja, ich war sogar eifersüchtig. Weil: Meine Fresse, ich hab auch ne ... schwierige Kindheit gehabt. Und? Passiert mir so was? Nein. das passiert nur ... in Büchern. Und dann zickt der noch ständig rum! Ah, hat mich das aufgeregt!!! Und trotzdem habe ich weiter gelesen. Bände sogar doppelt.
Warum? Weil ich bis dato nichts anderes kannte  :biggrin: nein, ich kannte nichts anderes und hatte auch keine Lust, mich mit etwas anderem anzufreunden. Den letzten Band hab ich seit sechs Jahren im Regal stehen, hab den schon an zwei Freundinnen verliehen und selbst nie gelesen, weil Harry mich nervt. Und nichts bringt mich mehr dazu, darüber hinweg zu sehen ...

Aber mich hat wirklich mit all ihrer Vielfalt 'diese' andere Welt fasziniert und in ihren Bann geschlagen.
Die freundlichen Leute ... und wie die Handlung in einander verhakt war, Dinge, über die man glaubte Gewissheit zu haben, am Ende doch nicht so waren oder andere Gesichter zeigten.
Ich mag die Geschichte wirklich sehr. Nur halt die Hauptperson nicht ^^ wegen dem Ganzen Drama um ihn herum.

EDIT : Und seit dem ich von dem Ende weiß, will ich erst recht nicht mehr lesen ^^
« Letzte Änderung: 30 August 2014, 15:35:18 von Chibou »

Trippelschritt

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Re: VL2: Diskussion zur Harry Potter-Reihe
« Antwort #11 am: 30 August 2014, 16:30:32 »
Wo wir schon bei den Figuren sind.
Die Hauptfiguren, also das Trio, haben mich nie so richtig interessiert.
Und das, obwohl Harry eine Entwicklung inklusive Frühpubertät durchmacht,
Bei Hermione ist mir da zu viel Abstand und Ron bleibt hinsichtlich Entwicklung
etwas blass.
Nur stört mich das nicht groß, denn als Kind hat mich eine Weiterentwicklung meiner
Helden immer irritiert. Die mussten so bleiben, wie sie waren. Auch wenn ich selbst älter wurde.
Na ja, eine Reihe, die sich über so viele Jahre meines Lebens erstreckte, kenne ich aus
meiner Jugendzeit nicht. Also ist das relativ.

Was mich aber als erwachsener Leser so fasziniert hat, waren die unterschiedlichen Charaktere in der zweiten Reihe. Der Lehrkörper war allererste Klasse, Rons Families dito, Sogar die Politiker waren gut skizziert. Da ist viel Liebe zum Detail hineingegangen. Ganz großes Theater für mich.

Liebe Grüße
Trippelschritt
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Re: VL2: Diskussion zur Harry Potter-Reihe
« Antwort #12 am: 01 September 2014, 18:09:14 »
Zitat
Die Hauptfiguren, also das Trio, haben mich nie so richtig interessiert.
Wobei ich mich frage, ob das nicht eine Frage des Alters ist. Al ich mit der Buchreihe angefangen habe, hat mich das Trio schon sehr interessiert - v.a Harry/Hermione, Ron war mir immer relativ egal - und Harry allein war mir schon immer viel zu epetepete. Aber die Dynamik in der Gruppe und die Handlungen als Gruppe, die fand ich immer sehr gut.
Heute interessieren mich die Erwachsenen mehr: Snape, McGonagall, Sirius und Remus v.a. und ich wünschte mir, man würde mehr von ihrer Seite her sehen.

@Ryek/Fabian
Zitat
Harry Potter ist vom ersten Moment der Romanreihe auf dem Weg zu einer Ikone, jemand, dem andere nie wirklich nahekommen. Er ist der Auserwählte Retter des Zaubereiwesens gegen Voldemort, und alles was er tut, beabsichtigt oder unbeabsichtigt, dient diesem Ziel. Daran läßt die Autorin, meiner Meinung nach, nie Zweifel aufkommen, auch wenn ihr Protagonist manchmal zweifelt.?
Zitat
Das wiederum hat mir gut gefallen, dass JKR die beiden Leistungsträger in Zauberdingen und Lebensklugheit nicht auch gleich noch in eine Liebesbeziehung verwickelt, da hat sie meiner Empfindung nach ein Klischee sauber gegen den Strich gebürstet.
Aber genau das tut sie nicht in meinen Augen. Vielleicht wenn sie ihn wirklich 'leer' hätte ausgehen lassen, aber nein, sie hängt ihm ja Ginny an. Ausgerechnet Ginny! Okay, gut, es könnte Ryeks Theorie von der unerreichbaren Ikone unterstützen, denn sie sieht in ihm eh kaum was anderes als den Helden und sie ist die klassische Heldenverehrerin. Weswegen sie auch die völlig falsche Partnerin für ihn ist.
Er hätte eben Hermione gebraucht, eine, die schlauer ist als er, sich nicht scheut, tacheles mit ihm zu reden und ihm in erster Linie auch immer eine Freundin war, vor allem anderen, mit der er über alles reden konnte.
Aber gut, das ist ein Punkt wo wir uns eh nicht einig werden.

Was die Ikone angeht - Hmm, zwischendurch wird auch Neville als möglicher Kandidat für die Prophezeiung hochgespielt. Was wohl wenige als ernsthafte Option angesehen haben, seit dem ersten Band war eigentlich klar, dass es zum Showdown zwischen Harry und Voldemort kommen muss. Trotzdem - das war eigentlich ja auch Teil seiner Bürde, der Auserwählte zu sein. Dass er entweder als Erlöser oder als Hindernis - oder teilweise sogar als Boy, who cried wolf - angesehen wurde und entsprechend behandelt wurde. Viel Macht über sein eigenes Schicksal hatte er nie. Sicher, er hätte sagen können, interessiert mich nicht, schaut selber - dann wäre er ziemlich schnell tot gewesen. Oder zur dunklen Seite überlaufen, zumindest zeitweise wenigstens - aber das wäre eine andere Geschichte und schon gar nicht eine für Kinder. Viel Wahl blieb ihm da nicht.
Und anstatt dieses Dilemma ernst zu nehmen zieht JKR es ins Lächerliche mit dem unmöglichen happy Happy End, das er schliesslich gekriegt hat.

Zitat
Eigentlich spannend, dass eine vorhersehbare Gesamthandlung den Leser Band für Band in den Bann schlägt.  Gehört es zur Diskussion, herauszufinden wie die Autorin das schafft?
Klar doch! Solange es HP betrifft kann hier alles diskutiert werden.
Also nur zu, könnt ja mal damit anfangen, was ihr für das Geheimnis haltet.

@Chibou
Zitat
Den letzten Band hab ich seit sechs Jahren im Regal stehen, hab den schon an zwei Freundinnen verliehen und selbst nie gelesen, weil Harry mich nervt.
Tröst dich, das geht mir genauso. Okay, mich nervt eher der Schluss, und die Handlung kenn ich eh wegen den Filmen, aber ich hab jetzt für die VL die Bücher parallel als eBook besorgt, vielleicht nehm ich ja jetzt endlich den Anlauf. Weil nach dem ersten werde ich sicher weiterlesen wollen.
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Fabian

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Re: VL2: Diskussion zur Harry Potter-Reihe
« Antwort #13 am: 02 September 2014, 15:15:10 »
@Ryek/Fabian
Zitat
Harry Potter ist vom ersten Moment der Romanreihe auf dem Weg zu einer Ikone, jemand, dem andere nie wirklich nahekommen. Er ist der Auserwählte Retter des Zaubereiwesens gegen Voldemort, und alles was er tut, beabsichtigt oder unbeabsichtigt, dient diesem Ziel. Daran läßt die Autorin, meiner Meinung nach, nie Zweifel aufkommen, auch wenn ihr Protagonist manchmal zweifelt.?
Zitat
Das wiederum hat mir gut gefallen, dass JKR die beiden Leistungsträger in Zauberdingen und Lebensklugheit nicht auch gleich noch in eine Liebesbeziehung verwickelt, da hat sie meiner Empfindung nach ein Klischee sauber gegen den Strich gebürstet.
Aber genau das tut sie nicht in meinen Augen. Vielleicht wenn sie ihn wirklich 'leer' hätte ausgehen lassen, aber nein, sie hängt ihm ja Ginny an. Ausgerechnet Ginny! Okay, gut, es könnte Ryeks Theorie von der unerreichbaren Ikone unterstützen, denn sie sieht in ihm eh kaum was anderes als den Helden und sie ist die klassische Heldenverehrerin. Weswegen sie auch die völlig falsche Partnerin für ihn ist.
Er hätte eben Hermione gebraucht, eine, die schlauer ist als er, sich nicht scheut, tacheles mit ihm zu reden und ihm in erster Linie auch immer eine Freundin war, vor allem anderen, mit der er über alles reden konnte.
Aber gut, das ist ein Punkt wo wir uns eh nicht einig werden.

Klischee war hier vielleicht nicht das richtige Wort (aber so gehts, wenn man schnell mal was runterschreibt): eigentlich hat sie mit ihrer Figurenzeichnung eher eine Erwartungshaltung geweckt (anfangs vielleicht unbeabsichtigt, aber für die Leserbindung war das über die ganze Serie hin sicher hilfreich) - um diese Erwartungshaltung dann konsequent nicht zu befriedigen (ich kann mich nicht erinnern, das Hermione und HP von JKR jemals ernsthaft in Versuchung geführt worden wären, sich einander mehr als freundschaftlich zuzuwenden).

Wenn du sagst: Er hätte eben Hermione gebraucht, dann mag sie aus deiner spezifischen Sicht vielleicht besser zu ihm als (Lebens-)Partnerin gepasst haben, aber hier würde mich dann in erster Linie interessieren, ob diese Konstellation im Rahmen der Serie überhaupt möglich gewesen wäre. Wozu hätte HP Hermione in einer anderen Konstellation im Sinne des Plots gebraucht?

Ich spekuliere mal, warum JKR so sehr  Freundschaft und Familie als die tragenden Werte im Kampf gegen das Böse einerseits und die organisierte Gesellschaft (den Staat, das Zaubereiministerium, die Bürokratie) andererseits herausstellt: weil sie (im utopischen Sinne, und um im selbstgesetzten Rahmen genau dieser Geschichte zu bleiben) an die Tragfähigkeit dieser beiden Faktoren Freundschaft und Familie glaubt. Warum nicht - in einer Welt, in der Zauberer neben Muggeln leben? In der das Böse bekämpft wird, ohne das dieser Kampf die Guten korrumpiert? Gibt es in der Serie unter den Hauptfiguren auch nur einen "echten" Verräter, einen Schwankenden, der mal zur einen, mal zur anderen Seite kippt? Auch nur einen, der die Seiten wechselt? Malfoy ist der einzige (nach meiner Erinnerung), und der begeht keinen eigentlichen Verrat, sondern kommt zur Einsicht und wird erlöst (wieder in den Kreis der Guten aufgenommen).

Ich nehme an, die Begrenztheit ihres Entwurfs dürfte JKR bewusst gewesen (geworden) sein, und nicht umsonst hat sie in ihrem ersten Roman nach der Serie (Ein plötzlicher Todesfall) ein ganz anderes Gesellschaftsbild (auch eine ganz andere Jugend) gezeichnet.

(Wie gesagt: meine Idee ist spekulativ und hypothetisch, die Lektüre liegt zu lange zurück.)
« Letzte Änderung: 02 September 2014, 15:16:43 von Fabian »

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 (Jörg Scheller in der ZEIT, Nr 2/2019, S. 43)

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Re: VL2: Diskussion zur Harry Potter-Reihe
« Antwort #14 am: 23 Oktober 2014, 19:32:18 »
Ich glaube mich hat der heile Kern in Harry angesprochen. Für mich ist die Funktion der Rückblende im zweiten Kapitel auch die, auf diesen Kern hinzuweisen: Harry hatte die perfekte Liebe seiner Eltern und er kann davon zehren. Das ist ein Stück weit kitschig, aber es ist auch ungemein tröstlich.
Die Geschichte an sich hat etwas archetypisches: es ist die Heimkehr des verlorenen Sohnes. Und ich glaube, dass dieses Grundthema nicht unwichtig ist. Mich erinnert es an "Die unendliche Geschichte" auch in der phanatsievollen Ausgestaltung.

Nun noch zum Geschlechterbild etwas schreiben bitte. Das fände ich wirklich spannend. :biggrin:
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht.