20 Juni 2019, 02:57:29

Autor Thema: Verlagsvertrag (Klett-Cotta) und Agenturvertrag (Elisabeth Ruge) zu gewinnen  (Gelesen 6496 mal)

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LaHallia

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Hi ihr Lieben,

damit der Link im uschtrin Newsletter nicht untergeht, hier nochmal:
http://blogbuster-preis.de/

Zitat:
[...]Autoren ohne Verlagsvertrag werden aufgerufen, sich bei einem der teilnehmenden Blogs mit einem Exposé und einer Leseprobe zu bewerben. Unter den eingereichten Manuskripten wählen die Blogger jeweils einen Autor aus, mit dem sie in den Pitch gehen. Eine Fachjury entscheidet, welcher Blog das beste Nachwuchstalent entdeckt hat und einen Verlagsvertrag erhält. Das Gewinner-Buch erscheint dann bei Klett-Cotta[...]

Hätte ich bloß irgendwas Herzeigbares.

Liebe Grüße,
LaHallia
Sie müssen erzählerische Risiken eingehen. Vor allem aber: niemals versuchen, den anderen zu gefallen. Sie müssen so hoch zielen, dass Sie ganz tief fallen können. Dann vielleicht haben Sie Erfolg. (Frank Schätzing)

Aure

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Zitat
Hätte ich bloß irgendwas Herzeigbares.

Das dachte ich auch gerade.
Hoffentlich ist das genau der Arschtritt, den ich für die Zukunft brauche.
We are not nouns, we are verbs. I am not a thing – an actor, a writer – I am a person who does things – I write, I act – and I never know what I am going to do next. I think you can be imprisoned if you think of yourself as a noun.
(S. Fry)

Ryek Darkener

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Gehen den bekannten Verlagen mittlerweile die guten Autoren aus? :diablo:
DSvU-4 "Wurzeln und Flügel (AT)": Plotten/Schreiben
DSvU-5 "StarTramp (AT)": Überarbeiten

tlt

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Die gleiche Frage habe ich mir auch gestellt. Aber ich denke, da steckt eher dahinter, dass man auf den Blog-Zug aufspringen will. Falls der nicht schon wieder abgefahren ist.
Ich bin zu alt für das alles.

LaHallia

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Oder dass jemand anderes die "Drecksarbeit", also das Aussortieren, übernimmt und sie am Ende ein Buch haben, das schon Publicity hatte.
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Aure

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Ich denke auch, es geht um Publicity. Hat ja auch einen Hauch von Castingshow.
Bin jedenfalls gespannt, was draus wird.
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Ryek Darkener

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Ich denke auch, es geht um Publicity. Hat ja auch einen Hauch von Castingshow.
Bin jedenfalls gespannt, was draus wird.

Ich auch. Da werden Leute und Blogs, von denen kein Mensch gehört hat, berufen um einen Bewerber für einen Verlagsvertrag zu casten. Die hätten ja wenigstens Dieter Bohlen engagieren können … :cheese: :wech:
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Viskey

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Mich stört vor allem, dass sie so überhaupt keine Anhaltspunkte geben, was sie eigentlich wollen. "Belletristik" ist ja nun ein eher weites Feld.
"There is no such thing as bad work, just unfinished work." - Eric Idle

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Fabian

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Mich stört vor allem, dass sie so überhaupt keine Anhaltspunkte geben, was sie eigentlich wollen.

Ich glaube, die wenden sich – bis vielleicht auf Petra Lux, Sarah Reul, Ilja Regier und Uwe Kalkowski – nicht wirklich an uns.

ich hab mir mal spaßeshalber erlaubt, aus den Selbstvorstellungen der Blogger so ganz subjektiv einen Überblick über Erwartungshaltungen literarischen Texten gegenüber zusammenzukürzen. Interessante Orientierung, interessante Maßstäbe. Die Blogs selber dürften Auskunft geben, was konkret dahinter steckt.

Petra Lux:
Ich will Texte lesen, die mich aufwühlen und Grenzen überschreiten. Ganz gleich ob nun Gegenwartsliteratur, Krimi, Thriller oder Sachbuch.

Sandro Abbate:
Generll ist mir bei Literatur wichtig, dass Form und Inhalt stimmen, also ein Buch nicht einfach gut und unterhaltend geschrieben ist, sondern immer auch etwas mitzuteilen hat. Deshalb finde ich auch, dass viel zu wenig gesellschaftskritische Romane geschrieben werden.

Katharina Herrmann:
Leider habe ich kein Herz und keinen Humor, entsprechend interessieren mich Liebesgeschichten in der Regel nicht, lustige Bücher finde ich oft sehr unlustig. Ich brauche kein Happy End. Aber ich habe ein Gehirn, und im Idealfall schafft es ein Buch, mich ordentlich zu verwirren. Wenn es mich darüber hinaus auch noch emotional trifft, obwohl ich kein Herz und keine Gefühle habe, dann wäre das großartig. Solche Texte würde ich gerne bekommen.

Gérard Otremba:
Je anspruchsvoller die Literatur, desto schöner die Herausforderung für mich als Rezensenten. Wer also literarisch mit z. B. Ian McEwan, Jonathan Franzen, Richard Powers, Dieter Forte, John Updike, J.D. Salinger, Eugen Ruge oder aber auch Sven Regener konkurrieren möchte, darf sich getrost an mich wenden.

Sarah Reul:
ich liebe gut erzählte Geschichten. Pinkfisch ist authentisch und steht für Begeisterung und positive Vernetzung. Gerade das Hervorheben von besonderen Büchern, Autoren und kleineren Verlagen ist über die Jahre zu einem Schwerpunkt geworden, der mir sehr am Herzen liegt.

Constanze Matthes:
Das Leben ist zu kurz, um schlechte Bücher zu lesen.

Birgit Böllinger:
... Ab und an werden literarische Orte vorgestellt und Kunst geschaut, weil Lesen eben doch nicht alles ist…
Der Blog ist ein reines Freizeitvergnügen von Birgit Böllinger.

Gerrit ter Horst und Tabitha van Hauten:
... Wir versuchen, Texte nicht bloß nach subjektivem Geschmack, sondern anhand objektiver Kriterien zu bewerten ... . Was uns an Literatur fasziniert, ist die Sprache und die Form, nicht die Handlung. Fernab von trübem Ich-Realismus, der exhibitionistischen Selbstbekenntnisprosa und den Berlin Mitte-Befindlichkeiten der Gegenwartsliteratur suchen wir nach Literatur, die es wagt, mit konventionellen Formen zu brechen.

Jochen Kienbaum:
... Wenn Romane verwegen dick, ausufernd, megalomanisch, wahnwitzig und herausfordernd sind, greift er zu, zum Beispiel bei Frank Witzels »Die Erfindung …« oder Guntram Vespers »Frohburg« ... . Was Jochen Kienbaum dennoch vermisst, sind Romanschriftsteller deutscher Sprache die auch einem David Foster Wallace, einem Joshua Cohen oder dem Altmeister Thomas Pynchon das Wasser reichen dürfen. Aber auch Trauben, die nicht ganz so hoch hängen sind schmackhaft.

Mareike Fallwickl:
Ich bin die Frau mit der Axt. Wahrscheinlich hat Kafka das eh nie so gesagt, aber es klingt halt verdammt gut: Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. [Erinnert mich vom Gestus her verdammt stark an vulture, F.] ... Ich langweile mich schnell, und von guter Literatur erwarte ich genau das Gegenteil: dass sie mich rausreißt, mich wach macht, im Idealfall richtiggehend aufschneidet, mir ins Gesicht schlägt. ... Sarkastisch darf es sein, kraftvoll muss es sein. ... Keine Chicklit, kein Vampire, auf keinen Fall Thriller und Crime. Dafür Romane, die nicht untergehen im Meer der Gewöhnlichkeit. Sondern die Eis brechen können.

Sonja Graus:
... Mich fasziniert es, wenn ich neben den „großen“ Büchern das kleine finde, das mich neugierig macht. ... Schick mir dein Manuskript, wenn du mich auch überraschen willst. ... Wenn dir die Tiefen auszuloten wichtig ist und du Melancholie in Worte fassen kannst, ohne in Destruktivität zu versumpfen. Wenn deine Story anders ist, aber nicht zwanghaft originell sein will. Ich mag feinen, ruhig auch schwarzen Humor, aber keine platten Witze. Auf blutige Thriller, Science Fiction, Klischees und Happy-Ends verzichte ich gerne, nicht aber auf geschliffene Sprache.

Sophie Weigand:
... Das Abgründige zieht mich magisch an, mithin greife ich eher zu Lektüre, die aus Chaos und Zerstörung mithilfe der Literatur etwas Wahrhaftiges machen kann. ... Mir liegt Sprachspielerisches, das mich aus einer neuen Perspektive auf Bedeutungen blicken lässt; ... Mein Blog ist denkbar ungeeignet für spezielle Genreliteratur, insbesondere aus den Bereichen Fantasy, Historienroman oder Science Fiction. Darüber hinaus bin ich aber sperrangelweit offen für Kurzes, Ausuferndes, Heiteres, Tragisches und Absurdes.

Ilja Regier:
»Scheiße, warum bin ich schon am Ende angelangt?«, wenn diese Frage auftaucht, kann ein Buch was. ... Schwere Kost und komplex darf es schon sein, aber sie [die Bücher, F.] müssen mich anlächeln und gleichzeitig kein Muss verursachen. Ansonsten muss ich mich mit dem Stoff anfreunden können, sprachlich, stilistisch, ästhetisch, Logik schätze ich dabei. Ein Buch muss mich weiterbringen, sonst hat es den Zweck verfehlt, und dann auch noch unterhalten. Ich muss entdecken können, worauf der Verfasser hinaus will, was er der Welt und mir als Empfänger senden möchte. ... Grundsätzlich bin ich für alles offen ... .

Uwe Kalkowski:
... Entscheidend ... ist die Sprache: Schon die ersten Seiten eines Buches müssen mich sprachlich mitreißen ... . Dabei ist es egal, ob es sich um ein literarisches Werk mit vielen Zeitebenen, einen spannenden Thriller oder ein Sachbuch zu einem geschichtlichen Thema handelt. Mag ich alles. Außerdem bin ich ein Identifikationsleser; ... Mein Lieblingsheld ist tragischer Natur, ein Einzelgänger, einer der schon viel eingesteckt hat, dem das Schicksal übel mitspielt. Einer der sich zwischen Fatalismus und Zorn noch einmal aufbäumt. Am liebsten erzählt in einer melancholischen, klaren und kargen Sprache. Und Happy Ends? Die finde ich langweilig.

Tilman Winterling:
Die Einschränkung meines Blogs auf Klassiker und anspruchsvolle moderne bzw. deutsche Gegenwartsliteratur macht es dem potentiellen Einsender nicht leicht. ... dein Roman [sollte] fern von Genres wie Fantasy, Romance oder Jugendbuch anzusiedeln sein (nicht, dass es nicht auch dort Klassiker gäbe). Ich lege Wert auf einen persönlichen Stil, ein gelungener Ton und Ausdruck kann in meinen Augen einen schwächeren Plot vergessen machen, umgekehrt ist dies kaum möglich. Plakative Sprache und Geschichten, die ohne Nachdenken vom Leser nur konsumiert werden sollen, fallen bei mir durch.

« Letzte Änderung: 16 Oktober 2016, 23:46:51 von Fabian »

"Weil niemand mehr Leonardo ist, können alle Leonardo werden ...
das Phantasma der Auserwähltheit Einzelner macht dem Phantasma der Selbstwahl aller Platz"

 (Jörg Scheller in der ZEIT, Nr 2/2019, S. 43)

Viskey

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Wow, danke für die Mühe.

Das liest sich in der Tat wie eine Liste ans Christkind.
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Fabian

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copy/paste ist nicht sehr mühevoll ...

Aber die Schwerpunktsetzungen sind doch interessant. Naja, die Auswahl der Blogger solldann ja auch einen Denis Scheck überzeugen.
« Letzte Änderung: 18 Oktober 2016, 01:23:21 von Fabian »

"Weil niemand mehr Leonardo ist, können alle Leonardo werden ...
das Phantasma der Auserwähltheit Einzelner macht dem Phantasma der Selbstwahl aller Platz"

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Oldlady

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Ich habe den Eindruck, die Blogger bevorzugen genau jene Bücher, die ich niemals lesen würde!

Ginger

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Ich habe aber von Klett-Cotta auch kein einziges Buch im Regal stehen ....

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Naja, man muss trotzdem erst mal auf all diese Seiten gehen.

Und wer weiß, was die Blogger dann tatsächlich lesen, und was rein zur Imagepflege dort steht ...

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merin

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Klett-Cotta ist einer der Verlage, von denen bei mir so Einiges steht. Ich finde die ganze Sache spannend, aber man muss ja einen fertigen Text haben dafür. Und den habe ich wohl auch nächstes Jahr noch nicht... Und dann müsste man ja schon schauen, welcher der Blogger passt. Sonja Graus könnte ich vom Zitat her wohl einen Ausschnitt des Danyla-Projektes schicken. Aber ob es dann wirklich passt?
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht.

LaHallia

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Zitat
Sonja Graus könnte ich vom Zitat her wohl einen Ausschnitt des Danyla-Projektes schicken. Aber ob es dann wirklich passt?
Das wirst du erst wissen, wenn du es probiert hast. :)
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Ja, das weiß man auch bei klareren Ausschreibungen erst danach.
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kass

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Hi Merin,

irgendwo auf der Seite habe ich gefunden, dass die "Gegenwartsliteratur" suchen. Ich glaube, mit Fantasy und SciFi kommt man da nicht hin.

Ein bisschen verblüfft hat mich die ganze Sache auch. Ich persönlich kenne Klett-Cotta hauptsächlich wegen "Herr der Ringe" und "Die Brautprinzessin", wobei die Brautprinzessin mein Favorit ist. Ein wunderschönes Buch.

Tja, und nu will Klett-Cotta was eigentlich? Eine andere Ausrichtung einschlagen? Mit "literarisch wertvollen" Büchern glänzen und ein neues Image aufbauen? Und ich Einfaltspinsel dachte immer, Verlage wollten verkaufen :diablo:

Mich haben die blogs abgestoßen. Gefühlt die Hälfte dieser blogger schreibt, dass sie nichts von happy ends hält. Mal ehrlich: Das Leben prügelt doch genug auf einem herum. Soll ich mich dann noch mehr deprimieren und Bücher lesen, in denen es nicht einmal fiktiv mehr Gerechtigkeit und Siege gibt? Soll ich jetzt anfangen, Krimis zu lesen, in denen der Mörder nicht gefasst wird? Was soll ich sagen, außer: Viel Spaß Klett-Cotta bei der Vermarktung. So richtig verstehen kann ich die ganze Herangehensweise jedenfalls nicht.

LG
Kass
Merkzettel für mich: Nicht ins Höllenfenster stellen!
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Ich hab ja grad einen Krimi gelesen, da wurde der Mörder gefasst aber happy end war es trotzdem nicht. Das geht schon. Es gibt ja noch was zwischen happy end und alles schlecht.
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Tja, und nu will Klett-Cotta was eigentlich? Eine andere Ausrichtung einschlagen? Mit "literarisch wertvollen" Büchern glänzen und ein neues Image aufbauen? Und ich Einfaltspinsel dachte immer, Verlage wollten verkaufen :diablo
Inhalt und Form gehören – für mich jedenfalls – immer irgendwie zusammen.
Warum setzt Du "literarisch wertvoll" in Anführungszeichen?
Was soll damit implizit gesagt sein, was nicht auch – und klarer! – explizit hätte gesagt werden können?
Was wäre denn – in Deinen Augen – das Gegenteil von sogenannten literarisch wertvollen Büchern: literarisch minderwertige Bücher?
Einfältig wäre es in der Tat, zu glauben, Bücher, die sich verkaufen lassen, könnten keine literarischen Qualitäten haben.
Glaubst Du im Ernst, es ist "das Leben", das Dich deprimiert? Könnten es nicht vielmehr die Verhältnisse sein, unter denen Du lebst?
Wozu brauchst Du also fiktive Gerechtigkeit und Siege?
Wenn ich einen Tipp geben darf: lies mal John LeCarré: Der ewige Gärtner. Das ist ein handwerklich gut gemachter, solider, spannender Thriller – insofern von literarischem Wert – wirklich gut erzählt und deshalb in meinen Augen auch gute Unterhaltung, und trotzdem verweigert er mir das, was Du wohl als "Happy-End" bezeichnen würdest: das betäubende Gefühl, dass in der Fiktion all das wieder gut wird, was an der Realität schmerzt.

Nix für ungut.

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Viskey

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Mein lieber Fabian, kannst du mir erklären, wieso du kass' Äußerung hier so zerpflückst?

Da du gleich eine Leseempfehlung folgen hast lassen, gehe ich davon aus, dass du durchaus etwas in die
"literarisch wertvollen" Bücher hineininterpretiert hast.

Und wie oder ob kass mit ihrem Leben zurecht kommt, ist in diesem Forum nicht Thema. Wir sind keine Selbsthilfegruppe, sondern ein Literaturforum, in dem es um die Verbesserung von Texten geht.

lg, Viskey
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merin

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Ich gebe zu, ich habe mich an kass' Beitrag auch gestoßen. Aber ich konnte nur kurz schreiben, weil dann mein zu früher Besuch an der Tür klingelte. Ich glaube, ich habe mich angepiekst gefühlt, weil ich die Idee hatte, sie stelle SciFi und literarisch wertvoll gegenüber und da fühle ich mich in meinem Anspruch nicht gesehen. Tatsächlich verbinde ich mit Klett-Cotta den Anspruch, den ich gern lese: Also schon anspruchsvolle Bücher, aber nicht so abgehoben, dass ich es gut lesen kann. Insofern wäre es für mich keine neue Ausrichtung, wenn sie nun literarisch Anspruchsvolles verlegen, weil sie das, so weit ich weiß, tun.
Und ich habe mich auch gefragt, warum die Anführungszeichen. Soll da etwas entwertet werden? Wenn ja, was?

Und dann habe ich den letzten Abschnitt so gelesen, als müsse ein gutes Buch für kass ein happy end haben, literarisch anspruchsvoll sei es aber nur, wenn es keins hat. Diese Dichotomie wollte ich so nicht stehen lassen, weil sie mir zu schwarz-weiß ist. "Abgestoßen" ist ein hartes Wort für eine Runde Blogs, wenn als Begründung nur kommt, sie hielten nichts von happy ends, dann ist mir das etwas zu wenig, um die Blogger rundweg abzuqualifizieren.

Und ich versteh uns hier schon auch als Selbsthilfegruppe, ich geb es zu.
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Zitat
Und ich versteh uns hier schon auch als Selbsthilfegruppe, ich geb es zu.

 :devgrin: Hihi, ja, eigentlich schon. Aber halt literarische Selbsthilfegruppe, nicht Lebensselbsthilfe... :wech:
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Aure

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Ich habe kass' Beitrag ganz anders verstanden:
Die Anführungszeichen zeigen an, dass die Blogger ein eingeschränktes (elitäres?) Verständnis von "literarisch wertvoll" haben, unter Anderem zum Beispiel, dass entsprechende Bücher kein Happy End haben.

Ich selbst habe mir die Blogs nicht angesehen, und mag mich deshalb dazu nicht äußern.
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Ginger

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Ich hab Kass Beitrag auch so gelesen, wie sie ihn hoffentlich gemeint hat. Dass die Blogger eine "Qualitäthürde" ansetzen, welche eventuell von vielen aber nicht umbedingt als "Qualität" bezeichnet werden würden. Weshalb sie von der ganzen Aktion nicht besonders viel hält - weil damit viele sehr guten Bücher automatisch rausfallen, weil sie für die Blogger nicht in ihr "Qualitätsnetz" fallen, trotzdem aber von unglaublicher Qualität sein können.

- Ich denke jedenfalls, dass sie das so gesehen hat. Wenn nicht dann ... keine Ahnung ^^

Ich hab mir mal ein paar Bücher auf Amazon angeschaut, welche Klett-Cotta rausgebracht hat und da spricht mich jetzt eigentlich gar keines an.


Fabian

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Mein lieber Fabian, kannst du mir erklären, wieso du kass' Äußerung hier so zerpflückst?
Ich habe mich zu ihrem Beitrag geäußert. Sie gab was vor, ich schob was nach. Wo ist das Problem?

Da du gleich eine Leseempfehlung folgen hast lassen, gehe ich davon aus, dass du durchaus etwas in die
"literarisch wertvollen" Bücher hineininterpretiert hast.
Ich habe mich auf die Anführungszeichen bezogen. Die sind in unserem Diskussionskontext und im deutschen Sprachgebrauch überhaupt schon seit längerem ein Mittel um etwas auszudrücken, ohne es explizit zu sagen (vielleicht kannst Du Dich an die "sogenannten" DDR-Tüttelchen erinnern?) Im übrigen hatte ich auf die Möglichkeit hingewiesen, etwas Gemeintes explizit und nicht nur implizit zu sagen. Das vermeidet Missverständnisse.

Und wie oder ob kass mit ihrem Leben zurecht kommt, ist in diesem Forum nicht Thema.
Wie recht Du hast. Warum stellt sie dann diesen Zusammenhang her? Im übrigen habe ich ihr "soll ich mich noch mehr deprimieren...") als rethorische Frage und stillschweigende Lobpreisung des Nutzens eskapistischen Schreibens aufgegriffen. Aber natürlich kann wer will das auch als expliziten Hinweis auf ein tottrauriges Einzelschicksal lesen.
Ich lese es jedenfalls nicht so.

Wir sind keine Selbsthilfegruppe, sondern ein Literaturforum, in dem es um die Verbesserung von Texten geht.

lg, Viskey

Wer weiß, wer weiß ...

ps
Die Leseempfehlung habe ich übrigens gegeben, damit wer Lust hat genau das tun kann, was Du gerade eingefordert hast:
anhand eines Textes z.B. über die Frage sprechen, was ein gelungenes Happy End ausmacht – und ob ein Text sowas überhaupt braucht.

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merin

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Spannende Fragen wirfst Du auf, Fabian. Die Frage, ob Literatur kritisch und realitätsbezogen sein sollte, Position beziehen sollte, ist für mich eine sehr wichtige. Ich schreibe gerade Sci Fi, aber das heißt nicht, dass ich nicht Position beziehen möchte.
Was ein gelungenens Happy End ausmacht und wann es besser ist, es nicht zu happy ausgehen zu lassen, finde ich auch diskutierenswert. Aber beides wäre einen eigenen Thread wert, oder?
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ach, da muss ich mich ja noch mal melden.

@ Ginger

Zitat
Ich hab Kass Beitrag auch so gelesen, wie sie ihn hoffentlich gemeint hat. Dass die Blogger eine "Qualitäthürde" ansetzen, welche eventuell von vielen aber nicht umbedingt als "Qualität" bezeichnet werden würden. Weshalb sie von der ganzen Aktion nicht besonders viel hält - weil damit viele sehr guten Bücher automatisch rausfallen, weil sie für die Blogger nicht in ihr "Qualitätsnetz" fallen, trotzdem aber von unglaublicher Qualität sein können.

JA !
DANKE, dass du mich verstehst!!

@ Merin

Zitat
Ich glaube, ich habe mich angepiekst gefühlt, weil ich die Idee hatte, sie stelle SciFi und literarisch wertvoll gegenüber und da fühle ich mich in meinem Anspruch nicht gesehen.

Sorry, Merin, das ist natürlich nicht MEINE Meinung. Aber in einigen der blogs stand explizit, dass sie keine Beiträge annehmen, die SciFi oder Fantasy sind. Das lesen sie grundsätzlich nicht. Meine erklärten Lieblingsgenres (SciFi und Fantasy) sind doch bis heute noch als minderwertige Literatur verpönt. Ich kann nicht wirklich verstehen, wieso dem so ist. Auch kann ich nicht nachvollziehen, was an den (hier kommen wieder meine Anführungsstriche) angeblich "literarisch wertvollen" Büchern so wertvoll sein soll. Bislang wurde ich da nur enttäuscht, so dass ich inzwischen soweit bin, ein Buch nicht mehr mit spitzen Fingern anzufassen, wenn es von der Kritik hoch gelobt wird, weil alles, was ich mir da rausgepickt hatte, gnadenlos langweilig war. Und das bedeutet wiederum, dass es (für mich) schon fast Gegensätze geworden sind: Entweder ist nach den Maßstäben von ich-weiß-auch-nicht-wem ein Buch literarisch wertvoll oder es ist für mich schön lesbar. Manches von dem, was ich mir reingezogen habe von den prämierten Literaten finde ich sogar ernsthaft schlecht geschrieben. Aber das ist halt mein Empfinden.

Und nein :devgrin: Ich hab das Forum nicht mit einer Lebens-Selbsthilfegruppe verwechselt.

Zitat
Zitat
Und wie oder ob kass mit ihrem Leben zurecht kommt, ist in diesem Forum nicht Thema.
Wie recht Du hast. Warum stellt sie dann diesen Zusammenhang her? Im übrigen habe ich ihr "soll ich mich noch mehr deprimieren...") als rethorische Frage und stillschweigende Lobpreisung des Nutzens eskapistischen Schreibens aufgegriffen. Aber natürlich kann wer will das auch als expliziten Hinweis auf ein tottrauriges Einzelschicksal lesen.

Weder noch.

Es geht vielmehr um die Frage: Warum lese ich Belletristik? Was erwarte ich von Büchern? Oder auch: Was will ich mit meinen Büchern beim Leser bewirken? An welche Leserschaft richten sich meine Bücher?

Ich finde es jedenfalls bedenklich, wenn nun diejenigen, die sich als Literaturkritiker bezeichnen und ein Urteil darüber abgeben wollen, ob ein Buch "literarisch wertvoll" sei, es ausdrücklich erwähnen, dass sie gerne auf happy-ends verzichten bzw. es sogar bevorzugen. Diese Verallgemeinerung stört mich einfach. Zumal ich mir ja die gesamten blogs angesehen habe, und noch über weitere Dinge gestolpert bin. Sie haben es auch gerne melancholisch, tragisch, düster usw.

Leute, das macht doch echt keinen Spaß, oder??

Mal ab davon, dass dann humorvoll auch wieder nicht literarisch wertvoll ist.

Ach je.

Aber zum Glück waren ja nicht alle blogs so, ist mir bloß aufgestoßen.

 :)
Kass


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Fabian

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Ach ja,

und weil hier ja auch darüber spekuliert wurde, was Klett-Cotta mit der Aktion eigentlich beabsichtigt – ich vermute, der Ursprung dieser Idee ist hier zu suchen:
Zitat
In jüngster Zeit wurde der Traditionsmarke Klett-Cotta mit dem Imprint Tropen ein Programm an die Seite gestellt, das mit junger, urbaner und progressiver Literatur sowie radikalen, popkulturell oder politisch geprägten Sachbüchern zusätzliche Leser erreicht.

Ein breites Spektrum bieten sie da: von Judith Holofernes bis Joe R. Lansdale – wie man da auf elitär oder abgehoben kommen sollte, erschließt sich mir nicht.

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– wie man da auf elitär oder abgehoben kommen sollte, erschließt sich mir nicht.

Wegen der Aussagen auf den Blogs, die ja die Vorauswahl treffen.
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Fabian

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Meine erklärten Lieblingsgenres (SciFi und Fantasy) sind doch bis heute noch als minderwertige Literatur verpönt.
Das ist doch Schnee von gestern. Denis Scheck, Mitjuror bei diesem Projekt, lobt z.B. Patrick Rothfuss über den grünen Klee, soweit ich mich erinnere.
Aber mal im Ernst. Dieses U- und E-Literatur gegeneinander ausspielen ist so was von deutsch und so was von aus dem letzten Jahrhundert, das es schon nicht mehr wahr ist.

Beim Abwasch hab ich grad mal so vor mich hin gedacht, da fielen mir ganz spontan ein paar Geschichten ein, bei denen ein Happy-End (ein vorhandenes oder ein fehlendes) bei mir eigenartig bleibende Erinnerungsspuren hinterlassen hat:
- Philemon und Baucis (ein zum Weinen schönes Ende)
- Lot (für ihn gibts ein Happy-End, für seine Frau leider nicht)
- Butch Cassidy & the Sundance Kid (sie sterben (oder überleben – vielleicht) lachend)
- Herakles (so viele Heldentaten, und dann dieses tragische Ende ...)
- die "Border-Trilogie" (in der Männer, die auf Pferden reiten, im Grunde stillstehen (für mich jedenfalls, und das meine ich nicht denunziatorisch, im Gegenteil, ich schätze den Autoren aufs höchste), während ein ganzes Leben an ihnen vorbei zieht, sie im Grunde links liegen lässt, bis der Letzte das Glück hat, in seiner Einsamkeit auf seine alten Tage mit Respekt und in Würde von einer völlig fremden jungen Familie aufgenommen zu werden)
- die Geschichte von Petter Kummel und seiner Familie, die Ulla-Lena Lundberg erzählt hat in "Eis" (wie sie auf die Örar-Inseln kommen, wie er dort 2 Jahre der Gemeinde vorsteht, und wie sie dann wieder gehen müssen; mit – was Happy-end angeht offenem Ende)
- und, wie schon gesagt, "Der ewige Gärtner" (lief gerade auf arte), vielleicht hats ja jemand gesehen, würde mich interessieren, ob der Film dem Buch gefolgt ist.

Allein diese paar Beispiele zeigen mir, dass ich in der Tat wohl für das, was man so landläufig als Happy-End bezeichnet, verloren bin. Und das hat meiner Lust zu Lesen überhaupt keinen Abbruch getan.

Wenn ich mir nun mal ganz vorsichtig vorzustellen versuche, warum mir gerade diese sicher unvollständige Liste eingefallen ist, dann könnte es vielleicht damit zusammen hängen, das mir von Figuren erzählt wird, deren "happiness" nicht darin besteht, dass darüber hinweggetäuscht wird, das ihr Leben endlich und der Tod gewiss ist. Siehe Philemon und Baucis.

"Weil niemand mehr Leonardo ist, können alle Leonardo werden ...
das Phantasma der Auserwähltheit Einzelner macht dem Phantasma der Selbstwahl aller Platz"

 (Jörg Scheller in der ZEIT, Nr 2/2019, S. 43)

Fabian

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Wegen der Aussagen auf den Blogs, die ja die Vorauswahl treffen.

Ich glaube, da hast du die Blogger missverstanden. Ich hab das eher so gelesen, dass sie sich gegen die zu erwartende Flut an Fast-Food-Texten wappnen wollten. Frühzeitig die Deiche hochziehen, verstehst Du?

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Was ein gelungenens Happy End ausmacht und wann es besser ist, es nicht zu happy ausgehen zu lassen, finde ich auch diskutierenswert. Aber beides wäre einen eigenen Thread wert, oder?

Eigenartiger Weise gehen solche abgetrennten Themen dann regelmäßig ein wie umgetopfte Primeln.

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merin

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Ja kann sein...

Tatsächlich habe ich die Blogs ja nicht gelesen. Ich grüble immer noch darüber nach, ob Danyla nicht auch Gegenwartsliteratur ist. Damit bin ich noch nicht fertig, aber die Frage betrifft natürlich mein Verständnis als Autorin. Tatsächlich ist es auch bei mir so, dass die Bücher, die mich tief bewegt haben, alle kein Happy end haben, jedenfalls kein klassisches. Ich mag keine Bücher mehr lesen, in denen alles hoffnungslos und trist ist, weil ich dann selbst ganz depressiv werde und das mag ich nicht mehr. Aber ich mag bis auf wenige Ausnahmen auch keine eskapistisches Bücher, in denen alles einfach scheint. Mir fällt als Beispiel die Hunger-Games-Reihe ein: Da gibt es Hoffnung in einem an sich sehr düsteren Szenario. Und das Ende ist nicht happy, aber auch nicht völlig hoffnungslos. Ich habe die englischen Bücher als nicht seicht empfunden und durchaus als kritisch an der Gegenwart, das hat sie nicht davon abgehalten, Bestseller zu werden. Und sie haben mich nachhaltig berührt, auf eine Art und Weise, wie das nicht viele Bücher können. Solche Bücher möchte ich schreiben, nun gut, nicht ganz so grausam, wie die Hunger Games, das war mir zu viel, aber sie haben doch vieles, was mir Vorbild ist: Eine gut erzählte, packende Geschichte, die im Tempo variiert, etwas mit unserer Realität zu tun hat, berührt und starke, spannende und tiefe Charaktere hat. Das ist es, was ich mit Danyla versuche. Dass meine Latte hoch hängt, ist mir klar. Und vielleicht werde ich eher unelegant drunter durchtauchen. Aber wenn ich schon am Anspruch schraube, wird es für mich uninteressant. Vielleicht geht es ja den Bloggern ähnlich?

Was den Verlag angeht: Klar wollen die auch die neuen Medien einbeziehen. Da mal ein Buch zu machen und zu schauen, was entsteht und wie es sich verkauft, fände ich als Verlegerin auch spannend. Wenn ich Verlegerin wäre. ;)
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht.