18 Juli 2019, 19:05:12

Autor Thema: Verlagsvertrag (Klett-Cotta) und Agenturvertrag (Elisabeth Ruge) zu gewinnen  (Gelesen 6654 mal)

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Fabian

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Meine erklärten Lieblingsgenres (SciFi und Fantasy) sind doch bis heute noch als minderwertige Literatur verpönt.
Das ist doch Schnee von gestern. Denis Scheck, Mitjuror bei diesem Projekt, lobt z.B. Patrick Rothfuss über den grünen Klee, soweit ich mich erinnere.
Aber mal im Ernst. Dieses U- und E-Literatur gegeneinander ausspielen ist so was von deutsch und so was von aus dem letzten Jahrhundert, das es schon nicht mehr wahr ist.

Beim Abwasch hab ich grad mal so vor mich hin gedacht, da fielen mir ganz spontan ein paar Geschichten ein, bei denen ein Happy-End (ein vorhandenes oder ein fehlendes) bei mir eigenartig bleibende Erinnerungsspuren hinterlassen hat:
- Philemon und Baucis (ein zum Weinen schönes Ende)
- Lot (für ihn gibts ein Happy-End, für seine Frau leider nicht)
- Butch Cassidy & the Sundance Kid (sie sterben (oder überleben – vielleicht) lachend)
- Herakles (so viele Heldentaten, und dann dieses tragische Ende ...)
- die "Border-Trilogie" (in der Männer, die auf Pferden reiten, im Grunde stillstehen (für mich jedenfalls, und das meine ich nicht denunziatorisch, im Gegenteil, ich schätze den Autoren aufs höchste), während ein ganzes Leben an ihnen vorbei zieht, sie im Grunde links liegen lässt, bis der Letzte das Glück hat, in seiner Einsamkeit auf seine alten Tage mit Respekt und in Würde von einer völlig fremden jungen Familie aufgenommen zu werden)
- die Geschichte von Petter Kummel und seiner Familie, die Ulla-Lena Lundberg erzählt hat in "Eis" (wie sie auf die Örar-Inseln kommen, wie er dort 2 Jahre der Gemeinde vorsteht, und wie sie dann wieder gehen müssen; mit – was Happy-end angeht offenem Ende)
- und, wie schon gesagt, "Der ewige Gärtner" (lief gerade auf arte), vielleicht hats ja jemand gesehen, würde mich interessieren, ob der Film dem Buch gefolgt ist.

Allein diese paar Beispiele zeigen mir, dass ich in der Tat wohl für das, was man so landläufig als Happy-End bezeichnet, verloren bin. Und das hat meiner Lust zu Lesen überhaupt keinen Abbruch getan.

Wenn ich mir nun mal ganz vorsichtig vorzustellen versuche, warum mir gerade diese sicher unvollständige Liste eingefallen ist, dann könnte es vielleicht damit zusammen hängen, das mir von Figuren erzählt wird, deren "happiness" nicht darin besteht, dass darüber hinweggetäuscht wird, das ihr Leben endlich und der Tod gewiss ist. Siehe Philemon und Baucis.

"Weil niemand mehr Leonardo ist, können alle Leonardo werden ...
das Phantasma der Auserwähltheit Einzelner macht dem Phantasma der Selbstwahl aller Platz"

 (Jörg Scheller in der ZEIT, Nr 2/2019, S. 43)

Fabian

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Wegen der Aussagen auf den Blogs, die ja die Vorauswahl treffen.

Ich glaube, da hast du die Blogger missverstanden. Ich hab das eher so gelesen, dass sie sich gegen die zu erwartende Flut an Fast-Food-Texten wappnen wollten. Frühzeitig die Deiche hochziehen, verstehst Du?

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Fabian

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Was ein gelungenens Happy End ausmacht und wann es besser ist, es nicht zu happy ausgehen zu lassen, finde ich auch diskutierenswert. Aber beides wäre einen eigenen Thread wert, oder?

Eigenartiger Weise gehen solche abgetrennten Themen dann regelmäßig ein wie umgetopfte Primeln.

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merin

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Ja kann sein...

Tatsächlich habe ich die Blogs ja nicht gelesen. Ich grüble immer noch darüber nach, ob Danyla nicht auch Gegenwartsliteratur ist. Damit bin ich noch nicht fertig, aber die Frage betrifft natürlich mein Verständnis als Autorin. Tatsächlich ist es auch bei mir so, dass die Bücher, die mich tief bewegt haben, alle kein Happy end haben, jedenfalls kein klassisches. Ich mag keine Bücher mehr lesen, in denen alles hoffnungslos und trist ist, weil ich dann selbst ganz depressiv werde und das mag ich nicht mehr. Aber ich mag bis auf wenige Ausnahmen auch keine eskapistisches Bücher, in denen alles einfach scheint. Mir fällt als Beispiel die Hunger-Games-Reihe ein: Da gibt es Hoffnung in einem an sich sehr düsteren Szenario. Und das Ende ist nicht happy, aber auch nicht völlig hoffnungslos. Ich habe die englischen Bücher als nicht seicht empfunden und durchaus als kritisch an der Gegenwart, das hat sie nicht davon abgehalten, Bestseller zu werden. Und sie haben mich nachhaltig berührt, auf eine Art und Weise, wie das nicht viele Bücher können. Solche Bücher möchte ich schreiben, nun gut, nicht ganz so grausam, wie die Hunger Games, das war mir zu viel, aber sie haben doch vieles, was mir Vorbild ist: Eine gut erzählte, packende Geschichte, die im Tempo variiert, etwas mit unserer Realität zu tun hat, berührt und starke, spannende und tiefe Charaktere hat. Das ist es, was ich mit Danyla versuche. Dass meine Latte hoch hängt, ist mir klar. Und vielleicht werde ich eher unelegant drunter durchtauchen. Aber wenn ich schon am Anspruch schraube, wird es für mich uninteressant. Vielleicht geht es ja den Bloggern ähnlich?

Was den Verlag angeht: Klar wollen die auch die neuen Medien einbeziehen. Da mal ein Buch zu machen und zu schauen, was entsteht und wie es sich verkauft, fände ich als Verlegerin auch spannend. Wenn ich Verlegerin wäre. ;)
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Lesermeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht.